Notizblog (58)

Wer hat Angst vorm zahnlosen Monster?

Während die einen die Harmlosigkeit des Presserats beklagen, empören sich die anderen über das Vorgehen der Landesmedienanstalten. Das wirft die Frage auf: Welche Medienkontrolle hätten wir denn gern?
Gladiator der Meinungsfreiheit: So absurd stellt der Podcaster Ben Berndt in einem KI-Video seine Auseinandersetzung mit der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen dar. Screenshot: X/Ben Berndt

Der Podcaster Ben Berndt („Ungeskriptet“) hat eine klare Vorstellung von der Medienaufsicht, die über seine Arbeit wacht: Sie ist ein brutales Monster mit gewaltigen Muskeln, riesigen Pranken und einer noch größeren „ZENSUR“-Keule. So zeigt er die Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen (LfM) in einem KI-generierten Video, mit dem er zu Spenden für einen möglichen Rechtsstreit aufruft.

Es ist der größtmögliche Kontrast zu dem Bild, das sich seit Jahrzehnten für ein anderes Medienkontroll-Gremium etabliert hat: der zahnlose Tiger, als der der Deutsche Presserat gerne dargestellt wird. Ein Symbol der Machtlosigkeit. Selbst wenn er beißt, tut es nicht weh.

Verwaltungsgebühren in Höhe von mehreren tausend Euro

Nun spricht viel dafür, dass auch die Landesmedienanstalten eher Papiertiger sind, insbesondere wenn man sie damit vergleicht, wie die EU vorgeht, wenn sie jemandem vorwirft, an russischen Desinformationskampagnen beteiligt zu sein. Die europäischen Sanktionen gegen den deutschen Journalisten Hüseyin Doğru sind ein besonders drastisches und erschreckendes Beispiel für ein Einschreiten des Staates im Kampf gegen angeblich systematische Fake News.

Aber auch die Landesmedienanstalten haben immerhin echte Sanktionen in ihrem Repertoire: Sie können zum Beispiel anordnen, dass Online-Artikel gelöscht oder verändert werden, wenn sie der „Sorgfaltspflicht“ nicht genügen. Bußgelder verhängen sie nicht, aber dafür stellen sie „Verwaltungsgebühren“ in Höhen von tausenden Euro in Rechnung.

Dass die LfM Berndt ein „Hinweisschreiben“ geschickt hat mit der Aufforderung, eine falsche Aussage des Rechtsextremisten Björn Höcke in seinem Podcast zu korrigieren und auch die alten Folgen auf Versäumnisse zu überprüfen, hat viel Empörung ausgelöst. In schrillsten Tönen beklagen Kommentatoren die vermeintliche staatliche Zensur. Aber beim Presserat, der für Medien, die sich ihm anschließen, dieselbe Kontrollfunktion übernimmt wie die Landesmedienanstalten, ist der Hauptkritikpunkt seine Wirkungslosigkeit.

Das wirft die Frage auf: Welche Medienkontrolle hätten wir denn gern? Wie mächtig darf oder muss sie sein?

Braucht es überhaupt eine Medienkontrolle?

Die einfachste Antwort darauf ist natürlich die Position, dass schon die Grundidee, dass man Medien beaufsichtigt oder reguliert, in einer freien, demokratischen Gesellschaft abwegig sei. Für Journalisten gelten die üblichen Gesetze, etwa was potenzielle Straftaten wie Beleidigung oder Volksverhetzung angeht. Wenn ihre Veröffentlichungen die Rechte anderer verletzen, können die Betroffenen dagegen vor Gericht ziehen.

Braucht es darüber hinaus noch eine Verpflichtung, guten Journalismus zu betreiben? Sorgfältig zu recherchieren, Bevölkerungsgruppen nicht zu diskriminieren, keine Schleichwerbung zu betreiben, so etwas?

Es ist interessant, wie anders solche Regeln wirken, je nachdem, welche Perspektive man einnimmt. Einerseits ist da die Fassungslosigkeit von Leuten wie Ben Berndt darüber, dass ihnen jemand vorschreiben will, was er in seinem Podcast tun darf oder muss. Wenn man annimmt, dass seine Empörung nicht nur taktisch ist, kann man ahnen, dass dahinter ein echter Schock steckt. Andererseits lösen Auswüchse von Medien regelmäßig ebenfalls Fassungslosigkeit aus: darüber, dass niemand etwas tut gegen Fake News, gegen Sensationalismus, gegen Kampagnen, die wichtige gesellschaftliche Debatten vergiften.

Wie staatsfern sind die Medienanstalten?

Es soll hier nicht darum gehen, ob der konkrete Vorwurf der Landesmedienanstalt gegen Berndt ein Vorgehen gegen ihn berechtigt, sondern ob Landesmedienanstalten überhaupt solche Kompetenzen haben sollten. Der Verleger Rupert Gießler, der in den 1950er Jahren zu den Gründern des Presserates gehörte, sagte über Pläne der Bundesregierung, Pressegesetze zu erlassen: „Das ist nicht der Sinn der Pressefreiheit, dass uns der Staat vorschreibt, wie wir uns anständig verhalten sollten in der Presse.“

Nun sind die Landesmedienanstalten nicht direkt der Staat, sie sind theoretisch sogar explizit „staatsfern“ organisiert. Praktisch gibt es aber zahlreiche Beispiele, wie die Politik Einfluss auf ihre Besetzungen ausübt. Und schreibt der Staat der Presse nicht auch durch den Medienstaatsvertrag schon vor, wie sie sich „anständig“ verhalten soll? Wenn er formuliert, dass „Nachrichten vom Anbieter vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Inhalt, Herkunft und Wahrheit zu prüfen“ sind?

Online-Medien hätten den „anerkannten journalistischen Grundsätzen zu entsprechen“, heißt es an derselben Stelle. Damit delegiert der Staat immerhin die konkrete Ausformulierung an die Branche selbst. Denn diese „anerkannten journalistischen Grundsätze“ stehen im Pressekodex. Der wird vom Presserat verfasst, der ein privater Verein ist, der von Verleger- und Journalistenverbänden getragen wird.

Freiwillige Kontrolle zum Schutz vor staatlicher Kontrolle

Dieser Verein hat wiederum weder ein Interesse noch die Möglichkeit, Verstöße wirklich zu ahnden. Die härteste Maßnahme in seinem Repertoire ist der Ausspruch einer Rüge, die das betroffene Medium veröffentlichen muss. Aber tut es das nicht, kann er nicht einmal das sanktionieren.

Was ist das Ziel des Presserates? Interessanterweise ist auf seiner Homepage nicht die Rede davon, dass er die Presse besser machen will oder sich als Anwalt der Gesellschaft versteht, die unter einer verantwortungslos agierenden Presse leiden würde. Wer aus Sicht des Presserates vor allem unter einer Presse leidet, die sich nicht an Standards hält? Die Presse.

„Der Presserat hat die Aufgabe, das Ansehen der deutschen Presse zu wahren und gleichzeitig die Pressefreiheit zu schützen.“

Er schützt die Pressefreiheit nicht zuletzt durch seine Existenz, weil die freiwillige Selbstkontrolle eine staatliche Kontrolle ersetzt – das war auch der Impuls zu seiner Gründung. Das schließt natürlich eine andere Wirkung nicht aus: dass Medien sich tatsächlich verpflichtet fühlen, sich an den Pressekodex zu halten, und so besser werden.

Es gäbe Alternativen

Nun muss der Presserat nicht das einzige Gremium der Selbstkontrolle bleiben. Ben Berndt und andere Podcaster, Youtuber, Blogger und Medien könnten einen eigenen Verein zur Selbstkontrolle gründen. Wenn der bestimmte Bedingungen erfüllt und ebenfalls prüft, ob die „anerkannten journalistischen Grundsätze“ eingehalten werden, entziehen sich seine Mitglieder der Aufsicht durch die Landesmedienanstalten-Monster mit ihren „ZENSUR“-Keulen. (Für die Anerkennung eines solchen Gremiums zuständig sind allerdings: die Landesmedienanstalten.)

Wenn man nicht die ganze Idee ablehnt, dass Medien sich an die Einhaltung journalistischer Standards halten müssen, könnte man also alternative Gremien zur Selbstkontrolle gründen, die ähnlich zahnlos tigern wie der Presserat. Das könnte interessant sein, denn solche Gremien müssten sich auch darauf verständigen, welche Regeln ihre Medienangebote einhalten müssen, idealerweise sogar in Abstimmung mit dem Presserat.

In einer idealen Welt könnte eine große, produktive Diskussion darüber entstehen, was man von Podcastern, Youtubern, Bloggern erwarten darf und muss und ob es zum Beispiel reicht, Gesprächspartnern ein Mikrofon hinzustellen und schrille Werbe-Kacheln zu produzieren. Ein solches Gremium würde natürlich Geld kosten, aber das wäre eine bessere Verwendung von Spenden als die Finanzierung endloser juristischer Auseinandersetzungen.

Es braucht mehr Berichterstattung über Rügen

Wäre damit wirklich etwas gewonnen oder würde man am Ende nur einen ganzen Streichelzoo produzieren? Klare Antwort: Es kommt darauf an. Etwa darauf, wie die Öffentlichkeit mit diesen Gremien, ihren Diskussionen und Beschlüssen umgeht. Ob sie sie zum Anlass nimmt für Berichte und Debatten.

Denn das ist etwas, was die Wirksamkeit des Presserates stärker beschränkt als seine fehlenden Sanktionen: Seine Beschlüsse werden – von wenigen besonders öffentlichkeitswirksamen Fällen abgesehen – behandelt wie ein interner Verwaltungsakt. Eine Sache, die nur den „Beschwerdeführer“ und „Beschwerdegegner“ betrifft. Nachrichtlich wird höchstens routinemäßig die Zahl der vierteljährlich ausgesprochenen Rügen berichtet, dabei wären viele Fälle Anlässe zur Berichterstattung.

Wenn mehr Medien im Detail über die Entscheidungen des Presserates berichten würden, hätte das eine stärkere Prangerwirkung. Aber es wäre auch Anlass für fruchtbare, kontroverse Diskussionen über guten Journalismus. Tatsächlich ignorieren die meisten Medien das Thema.

(Eine Ausnahme ist Übermedien, aber dieser Text ist nicht als Werbeartikel in eigener Sache gemeint, sondern als Aufforderung an andere, dieses weitgehende Alleinstellungsmerkmal aufzuheben.)

Das ist dann auch die Antwort auf die Frage, welche Art von Medienkontrolle wir benötigen, im Spannungsfeld zwischen der Übergriffigkeit von Behörden und der Harmlosigkeit von Selbstkontrollgremien: Journalismus.

Es klingt geradezu revolutionär, den Gedanken hier einmal hinzuschreiben: Seriöser, kritischer Journalismus funktioniert als Kontrolle. Mit all den Einschränkungen, dass er regelmäßig nicht die Wirkung entfaltet und die Konsequenzen hat, die man sich wünschen würde. Aber ohne die Nebenwirkungen, wenn sich staatsnahe staatsferne Behörden einmischen. Und ohne das Gefühl, dass ein Selbstkontrollmedium womöglich vor allem damit beschäftigt ist, sich selbst zu beschäftigen.

Ein Plädoyer für mehr Medienjournalismus

Es braucht, anders gesagt: mehr Medienjournalismus. Und vielleicht lohnt es sich, an dieser Stelle noch einmal zu zitieren, was eine amerikanische Kommission über die Pressefreiheit 1947 schrieb:

„Wir empfehlen, dass die Angehörigen der Presse sich in intensiver gegenseitiger Kritik üben. Ein hoher professioneller Standard wird kaum erreicht werden, solange die Fehler und Irrtümer, die Betrügereien und Verbrechen einzelner Pressevertreter von anderen Mitgliedern des Berufsstandes schweigend übergangen werden.

Wenn die Presse rechenschaftspflichtig sein soll – und das muss sie sein, wenn sie weiterhin frei bleiben soll –, müssen sich ihre Mitglieder gegenseitig mit dem einzigen Mittel disziplinieren, welches ihnen zur Verfügung steht, nämlich der öffentlichen Kritik.“

Das lässt sich mühelos auch auf all die neuen Medien übertragen, auch auf die Content-Creator, die sich selbst vielleicht nicht als Journalisten sehen. Sich dieser Kritik auszusetzen und sich ernsthaft mit ihr zu beschäftigen, wäre ein Qualitätsmerkmal.

22 Kommentare

  1. So richtig und wichtig ich den Ansatz finde, die Instrumente der (Selbst-)Kontrolle von Medienerzeugnissen zu analysieren und die Gegenargumente auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen, fehlt mir dabei doch auffällig oft ein entscheidender Aspekt: der Faktor Geld und die daraus erwachsende konkrete Macht.

    Wenn sich Medien mit genügend Kapital nach Belieben erwerben lassen, liegt der nächste Schritt nahe. Soll sich diese Investition lohnen, müssen lästige Kontrollen entschärft oder am besten ganz abgeschafft werden. Dabei darf dieses „Lohnen“ nicht zu eng verstanden werden. Die Tech-Oligarchen zeigen, dass man durchaus bereit ist, Verluste oder zumindest geschäftliche Einbußen in Kauf zu nehmen, wenn dafür andere Geschäftsbereiche profitieren. Manchmal genügt offenbar schon die Hoffnung, dass sie es künftig tun werden.

    Dieser Zusammenhang wird erstaunlich oft ausgeblendet, obwohl wir in dieser Frage schon einmal weiter waren. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wurde ausdrücklich auch deshalb so gestaltet, dass weder Politik noch wirtschaftliche Interessen ihn ohne Weiteres vereinnahmen können. Alfred Hugenberg diente dabei wohl als historisches Negativbeispiel.

    An der konkreten Umsetzung mag es berechtigte Kritik geben. Dass der Markt langfristig bessere Lösungen hervorbringt, erscheint angesichts der gegenwärtigen Entwicklung jedoch äußerst fragwürdig.

    Wenn ich mir mediale Macht gekauft habe, stellt sich schließlich die Frage, wie ich sie sichere und vermehre und wie ich mich zugleich der lästigen Kontrollen entledige.

    Die eigenen Bemühungen werden dann als „Kampf für die Freiheit“ und „gegen Zensur“ dargestellt. Vom Dresdner Hetzblatt „Der Freiheitskampf“, das von 1934 bis 1945 erschien und Victor Klemperer unter anderem als Material für seine Analysen der LTI diente, bis zur heutigen „Jungen Freiheit“ zieht sich dieses Freiheitsthema auf der politischen Rechten erstaunlich beständig durch die Geschichte. Begleitet wird es von Zensurvorwürfen oder, in modernisierter Form, von Klagen über „Cancel Culture“.

    Dabei ähnelt das, was als Cancel Culture bezeichnet wird, meist weder einer tatsächlichen Zensur noch führt es dazu, dass die Betroffenen aus der Öffentlichkeit verschwinden. Häufig ist eher das Gegenteil der Fall. Die angebliche Ausgrenzung verschafft zusätzliche Aufmerksamkeit, Reichweite und nicht selten auch neue publizistische oder geschäftliche Möglichkeiten.

    Diese Freiheit meint letztlich vor allem die Freiheit der eigenen Meinung von Widerspruch. Kritik, Gegenpositionen und besonders unliebsame Fakten sollen möglichst aus dem Blickfeld verschwinden. Wo sie sich nicht offen ausschließen lassen, kann ihre Reichweite begrenzt werden. Dann entscheiden nicht mehr nur Redaktionen oder staatliche Stellen darüber, was sichtbar ist, sondern auch private Plattformen und ihre Algorithmen. Deren Eingriffe bleiben weitgehend unsichtbar und werden gerade deshalb nur selten als das erkannt, was sie sind: die Ausübung medialer Macht.

  2. Irgendeine Art des Mittelweges wird doch möglich sein. Mehr oder weniger willkürlich einzelne Podcastfolgen einzelner Podcaster rauszupicken, kommt mir fragwürdig vor.

    Es gibt allerdings z.B. Reaction-Videos, in denen Youtuber x auf Youtuber y bzw. dessen kontroversen Video 1a reagiert.

    Das ist doch eigentlich besser als Verwaltungsgebüren.

  3. Ein Podcast, in dem Höcke frei von der Leber weg erzählen darf, ist meiner Meinung nach kein willkürlich herausgepickter Podcast. Weder in Bezug auf die Reichweite noch auf die Brisanz oder angesichts der Wahrscheinlichkeit, dass gegen Gesetze verstoßen wird.
    Das kann unmöglich ignoriert werden.
    Die Behauptung, es habe keine Parole der SA gegeben, ist historisch unhaltbar und, von einem Geschichtslehrer vorgetragen, einfach lächerlich. Es wird damit versucht, begangene Straftaten zu negieren, und das ist nicht nichts!
    Die SA hat ihre Parole auf „Ehrendolche“ gravieren lassen und weitere Parolen auf Standarten geschrieben.
    Aber das ist nicht alles: Ben Berndt versucht den gleichen Trick, den auch die Social-Media-Giganten anwenden:

    „Ich bin nur die Plattform und deshalb komplett neutral – und daher nicht verantwortlich.“
    Das ist in jedem dieser Fälle eine faustdicke Lüge.
    Bei Social-Media-Plattformen nimmt das so bizarre Formen an, dass sie sich mittlerweile für eindeutig illegale kommerzielle Inhalte nach Beschwerden in der Regel nur besser bezahlen lassen. Ansonsten sorgen die Algorithmen dafür, dass gerade solche Inhalte mit Reichweite belohnt werden.
    Die Interviewpartner von Berndt und die Art seines Umgangs mit ihnen sind natürlich ganz eng mit dem Content verbunden und alles andere als neutral transportiert.

    btw.:
    https://www.youtube.com/watch?v=addZVkOTHZM

  4. Natürlich war das gelogen. Es gibt sicher zigtausende von Lügen, Unwahrheiten und sonstigen Fragwürdigkeiten, die Irgendwo online sind.
    Wenn man dem auf diese Weise Herr werden will, muss man schon mehr als nur die eine abmahnen.

  5. 5,9 Millionen Abrufe auf YouTube und etwa 2 Millionen auf Spotify für ein Interview mit dem rechtsradikalen Führer des ehemaligen „Flügels“ der laut Umfragen derzeit stärksten Partei der Republik, aber:

    „Es gibt sicher Zehntausende von Lügen, Unwahrheiten und sonstigen Fragwürdigkeiten, die irgendwo online sind.“

    Die Naivität gegenüber dem Einfluss der neuen Medien ist manchmal herzerwärmend, meistens aber einfach nur cringe.

  6. @2: Ich setz‘ mal noch ein‘ drauf, wegen der engelsgleichen Stimme:
    https://www.youtube.com/watch?v=RsXonZzbdKs

    @ Thema:
    Solange sich damit Geld verdienen lässt, wird damit Geld verdient werden.
    So ein Bernd würde ja irgendeinen anderen unwirksamen Kram an Leichtgläubige verkaufen, wenn so ein Laberpodcast nicht die einfachste Möglichkeit zum Geldverdienen für wortgewandte Ungelernte wäre.
    Lügen ist einfacher als Recherche und damit kann man auch leichter polemisieren. Das Geld liegt auf der Straße, Leute. Ihr dürft nur kein Gewissen haben, aber diese Moralscheiße ist ja auch was für die linksgrüne Trottel. Deswegen funktioniert das ja auch so gut am blaubraunen Rand.
    Lügen ist nicht verboten. Und das nutzen die halt aus, seit bald 11 Jahren nun. Aber nach der nächsten Rüge und dem nächsten Moralkommentar auf einem Blog, der zu seiner Gemeinde predigt, dann werden die es merken. Dann werden die aufhören. Ganz sicher. Ich vermute, es wird eher so laufen:
    https://www.youtube.com/watch?v=zjAZVlZIEvk

    (Und ich finde, man darf auch die ganzen linken „bottom feeder“ nicht vergessen, die mit der umgekehrten Empörung Umsatz machen. „Trumps Hand stirbt ab!“ oder „Bernd Höcke im Interview zerlegt!“. Das füttert die Monetarisierungsspirale genau so, wie pro-rechtsbrauner Content. Hauptsache unter jedem Video steht „Wir hätten Habeck haben können“ – Muss reichen, morgen ist auch schon wieder Festival und ich will mir ja nicht die Laune verderben lassen, gelle? „Linke“ Youtuber müssten eigene Themen setzen, statt sich auf die gleichen Aufregerthemen (nur von der anderen Seite) zu stürzen. Alle lassen sich von den klotzhohlen rechten Lügen treiben, anstatt einfach über was anderes zu reden. Aber das verkauft sich dann halt nicht so gut.)

    Können „wir“ nicht einfach mal einsehen, dass eine Rüge nicht mehr als ein „Verwaltungsakt“ ist? Also de facto? Oder noch schlimmer: Eine Trophäe? Frei nach dem invertierten Spruch: „Wenn mich meine Feinde loben, kann ich sicher sein, einen Fehler gemacht zu haben.“?

    Ich weiß, meine Kritik ist nicht konstruktiv, weil ich keine Lösung parat habe. Ich bin auch gegen staatlichen Eingriff. Meine Meinung ist, dass sich die reichen Verlegerfamilien mal ein paar Eier wachsen lassen sollten und den Presserat mit echten Sanktionsmöglichkeiten (Geldstrafen vor Allem) ausstatten. Das Selbstverwaltungsgremium mit tatsächlicher Durchsetzungkraft ausstatten. Das könnte auch Vertrauen in der Bevölkerung zurückgewinnen und so die Abhängigkeit von dem blaubraunen Eskalations- und Lügenbusiness reduzieren. Daran müste man nur ein tatsächliches Interesse haben, welches ich nicht sehe. Den Verlegerfamilien geht es um Geld, nicht um Moral oder Nachhaltigkeit oder so. Wenn wir dann eine blaue Staatspresse haben, schreibt man halt, was die wollen, hauptsache man verdient weiter Geld. So war ist, so wird es wieder sein. Können Kapitalisten überhaupt Idealisten sein oder schließt sich das aus, weil Kapitalismus eigentlich eine 100%ige Definition von Opportunismus ist? Küchentischphilosophie. Letztenendes ist das auch nur das Moralargument, das ich weiter oben ja lächerlich mache.

  7. Ok, anders. Allein im Blaubraunen Bereich gibt es zig tausende von Unwahrheiten. Wenn man nur die eine sanktioniert, bringt das gar nix.
    Außer, dass der eine Podcaster „Zensur!“ schreit.

    Wenn in einer Straße 100 Autos im Halteverbot stehen, aber nur der SUV ein Knöllchen kriegt, sieht das ja auch nach Behördenwillkür aus.

    Aber mal was anderes, dürfte man fragwürdige Inhalte als Privatmensch bei der Landesmedienanstalt zur Anzeige bringen?

  8. „ Es braucht mehr Berichterstattung über Rügen“
    — unbedingt! Der Fokus der Berichterstattung liegt viel zu sehr auf Sylt! /scnr

  9. Ministerpräsident Wüst hat am 05.03.2024 in der Sendung Maischberger „Hendrik Wüst (CDU) über eine Migrations-Obergrenze, die Kanzlerfrage und die AfD“ rausgelassen (17:45):

    „… und wenn ich Herrn Höcke zuhöre, dann sind da ein paar brandgefährliche Sachen dabei. Da gibts ein Interview wo er mal mit ganz sanften Worten behinderte Kinder aus unseren Schulen raussortiert, mit den Worten „die behinderten Kinder und unsere Kinder.“
    Da ist mir kalt den Rücken runtergelaufen.“

    Da erkennt man den Unterschied zwischen staatlichem Qualitätsjournalismus und selbsternannten Nichtjournalisten.
    Ben agiert als Mikrofonständer, der alles unhinterfragt durchgehen lässt.
    Qualitätsjournalistin Maischberger wertet, ordnet ein, hinterfragt. So wie hier, wo sie sofort die Anschlussfrage stellte, wann und in welchem Interview mit wem Höcke diese skandalösen Äußerungen gemacht hat.
    Doch, doch, sie hat. Ich finde zwar die Stelle nicht, aber sie hat. Andernfalls hätte das Medienaufsichtsamt sofort mit dem großen Knüppel draufgeschlagen. Oder?

    https://www.youtube.com/watch?v=BS5_-t2lc6I&t=1068s

  10. @FrankD: Puh, Ihre Polemik ist ein bisschen anstrengend. Die ARD ist nicht „staatlich“ und es ist nicht irgendein „Medienaufsichtsamt“ für sie zuständig, sondern der Rundfunkrat. Und Höcke hat im MDR-Sommerinterview 2023 tatsächlich gesagt:

    „Unter anderem müssen wir das Bildungssystem auch befreien von Ideologieprojekten, beispielsweise der Inklusion, beispielsweise auch dem Gender-Mainstream-Ansatz. Alles das sind Projekte, die unsere Schüler nicht weiterbringen, die unsere Kinder nicht leistungsfähiger machen und die nicht dazu führen, dass wir aus unseren Kindern und Jugendlichen die Fachkräfte der Zukunft machen.“

    Er unterscheidet damit zwischen behinderten Kindern und „unseren Kindern“. Wir können jetzt gerne kritisieren, dass Wüst das nicht im Wortlaut zitiert, obwohl er es dem Sinne nach richtig zitiert, und von mir aus können wir uns auch wünschen, dass Frau Maischberger da hätte nachfragen sollen. Aber das können Sie doch nicht ernsthaft mit der Höcke-SA-Behauptung vergleichen.

  11. Okay, ich denke es ist besser, dass Sie schneller waren als ich.

    Ein Zitat gefunden bei table.media vielleicht noch:
    „Dazu stellte Höcke den Satz, „gesunde Gesellschaften haben gesunde Schulen“. Auf diese Weise machte der Partei- und Fraktionschef aus Erfurt seine Ideologie deutlich: Es gebe gesunde Kinder, das sind „unsere Kinder“, die sind leistungsfähig und die gehören zu einer gesunden Schule. Und es gebe kranke Kinder – die zählen in seinen Augen nicht dazu. Inklusion hingegen bedeutet, dass Kinder mit Behinderungen selbstverständlich in Regelschulen gehen.“
    https://table.media/bildung/analyse/hoeckes-inklusions-thesen-anschlussfaehig-an-den-ns

    Ja, einen Stephen Hawkins hätte es unter Höcke sicher nicht gegeben. Wir haben uns immer noch nicht vom Aderlass der Nazi Barbarei erholt. Warum können diese Vögel nicht Karnickel züchten und die Menschen in Ruhe lassen?

  12. Schön, dass Frau Maischberger sofort wusste, welches Interview Herr Wüst meinte. Dennoch lese ich dauernd, dass Talkshows – kritischer Journalismus, eine eigene Redaktion – nicht hinterher kommen, jede fragwürdige Aussage zu hinterfragen und jede unwahre Aussage richtig zu stellen. Flood the zone with shit und so.
    Klar kann man der Auffassung sein, dass die eine Aussage von Höcke von der „Fallhöhe“ her so groß war, dass sie auf jeden Fall hätte recherchiert werden müssen (und auch mit vertretbar geringen Aufwand), aber da sehe ich trotzdem eine Menge „Die aber auch!“…

  13. Ich bin nun wirklich kein Freund der Union. Aber bei einem Interview mit einem rechtsradikalen Freund des Neonazi-Kaders Torsten Heise, der wegen der Verwendung einer SA-Parole bereits zweimal rechtskräftig verurteilt wurde, sollte man bei diesem Thema wohl genauer hinschauen als bei Interviewantworten von Wüst. Das dürfte eigentlich niemandes Intellekt überfordern.

    Und was ist nun genau passiert?

    Der Podcaster hat exakt zwei Möglichkeiten: Entweder er kommt der Aufforderung nach und korrigiert seine Aussage, oder er bekräftigt sie und tritt den Beweis für ihre Richtigkeit an – notfalls auf dem Rechtsweg.

    Natürlich möchte Ben Berndt genau das vermeiden. Denn in beiden Fällen müsste er eingestehen, dass er eben kein neutraler Vermittler von Content ist, sondern selbst in einem Verhältnis zu diesem Content steht. Damit würde sich sein Geschäftsmodell in Luft auflösen.

    Nehmen wir nun Frau Maischberger – auch von ihr bin ich ganz sicher kein Fan:

    Frank D. kann seinen Vorwurf doch über die genannte Adresse bei der Landesmedienanstalt einreichen, oder nicht? Weder der Sender noch die Moderatorin behaupten, unfehlbar zu sein oder keinerlei Verantwortung für die ausgestrahlten Inhalte zu tragen. Dazu gehört schließlich auch, Einordnungen oder Richtigstellungen einzuflechten, wenn dies geboten ist.

  14. Im übrigen ist „Die aber auch“ imo niemals eine Rechtfertigung für irgendetwas. Dann müssten alle Steuerhinterziehungen straffrei bleiben, weil es so viele Fälle gibt, wo mal eine Spesenabrechnung kleine Abweichungen hat.
    Und da fielen mir auch noch andere Beispiele ein, die weitaus unschöner wären.

  15. @ Stefan Niggemeier
    Ups. Ok, dann beim Rundfunkrat des zuständigen Senders. Danke für die Korrektur, da erkennt man den Laien.

  16. Naja, wenn ich für eine Klassenarbeit wegen eines Fehlers eine 3 kriege und ein Mitschüler mit demselben Fehler eine 1, beweist das natürlich nicht, dass ich doch recht hätte, aber nunja.

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