Mehr über den 10. Übermedien-Geburtstag
Übermedien ist das führende Magazin für Medienkritik. Wie alles begann und wem wir zu verdanken haben, dass es uns gibt, lesen Sie hier.
Was machen wir hier eigentlich? Gut, das ist klar: Medienkritik. Aber was bringt das?
Übermedien ist kein Magazin ausschließlich für die Branche, sondern für alle, die Medien nutzen. (Also: alle!) Wir wollen nicht belehren, sondern befähigen: zum genaueren Hinsehen, Nachfragen, Widersprechen. Das Feedback unserer Leserinnen und Leser ist uns deshalb besonders wichtig – nicht nur als bloße Rückmeldung, sondern als Teil einer kritischen Öffentlichkeit, die sich für die Einhaltung journalistischer Standards einsetzt.
Aber natürlich soll unsere Kritik auch in der Branche und den jeweiligen Redaktionen ankommen. In der Hoffnung, dass sich etwas ändert. Dass Fehler korrigiert, Methoden überdacht und Selbstverständlichkeiten hinterfragt werden.

Oft wissen wir nicht genau, was unsere Kritik in Redaktionen auslöst. Nicht jeder Beitrag führt zu etwas, klar. Manches verändert sich auch nur langsam, manches gar nicht. Wir kritisieren, zum Beispiel, immer wieder blinde Studiengläubigkeit, überdrehte Debatten, Grenzüberschreitungen nach Amokläufen oder Terroranschlägen – oder dass Geschwindigkeit häufig vor Sorgfalt kommt, was zu vermeidbaren Fehlern führt.
Übermedien ist das führende Magazin für Medienkritik. Wie alles begann und wem wir zu verdanken haben, dass es uns gibt, lesen Sie hier.
Doch nach all den Jahren können wir trotzdem sagen: Übermedien wirkt!
Manchmal reicht es schon, dass wir da sind. Vor ein paar Jahren steckte uns jemand, dass ein leitender Redakteur eines großen Medienhauses seine Mitarbeiterinnen vor einem Bericht einschwor, man müsse aufpassen:
„Wenn wir das so machen, dann macht uns Übermedien rund!“
Diese Vorsicht, besser keine Fehler zu machen, um nicht Gegenstand eines Übermedien-Beitrags zu werden, davon haben uns auch andere Journalisten immer wieder erzählt. Übermedien wirkt also manchmal schon im Vorfeld: als zusätzliche Instanz, die daran erinnert, dass journalistische Entscheidungen Folgen haben, zum Teil gravierende.
Und häufig haben unsere Artikel auch direkte Auswirkungen. Etwa, wenn sie zu Rügen vom Presserat führen, weil wir uns dort beschweren oder unsere Leserinnen und Leser bei ihrer Beschwerde auf Übermedien-Artikel verweisen. Oder wenn sie zu sichtbaren Konsequenzen führen. Wie in diesen Beispielen aus zehn Jahren Übermedien.

Anfang 2016 haben wir aufgedeckt, wie Stralsund TV ein Interview mit Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) bis ins Detail abgestimmt hat. Sogar eine finale Abnahme gab es. Die Landesmedienanstalt rügte den Sender später wegen eines Verstoßes gegen das Rundfunkgesetz.
Im Sommer 2016 haben wir exklusiv berichtet, dass eine freie ARD-Reporterin im „Morgenmagazin“ drei Mitarbeiter einer Werbeagentur interviewte, dabei aber verschwieg, dass sie die Agentur mitgegründet hatte und weiterhin Anteile daran besaß. Der rbb sprach von einem „schwerwiegenden Vorfall“ und kündigte „ernsthafte Gespräche“ an; offenbar wurde die Mitarbeiterin danach eine Zeitlang nicht mehr vom rbb beauftragt.
Medien berichteten 2016, dass vor dem Trump-Tower in New York Menschen gegen Donald Trump demonstrieren, und zwar: abends. Der deutsche Witzbold Mario Barth ging tagsüber vorbei und, ach was: keine Demo! In einem Video suggerierte er deshalb, die Medien würden lügen. Aber, Moment mal: Steht dieser Mario Barth überhaupt wirklich vorm Trump-Tower in New York? Wir haben nachgesehen. Und guck an: kein Mario Barth weit und breit! Hier unser Video-Beweis. (Der später mit einem Goldenen Blogger ausgezeichnet wurde.)
Auffällig oft wurde 2017 ein Elektroauto einer bestimmten Marke in der „Lindenstraße“ gezeigt. Zufall? Absicht? Wir haben darüber in einem unserer Videos berichtet; anschließend räumte der WDR ein, verschiedene Szenen seien zu werblich, und änderte sie.
BigFM behauptete 2017, eine Moderatorin der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz aus einer Live-Sendung heraus abgeworben zu haben, per WhatsApp. Ein Fake, den der Radiosender zur Eigenwerbung nutzte. Nach unserer Kritik sagte die gemeinnützigen Baden-Württemberg Stiftung eine gemeinsame Veranstaltung (über „Fake News“!) mit dem Sender ab. Die Landesmedienanstalt Baden-Württemberg hatte kein Problem mit dem Fake – dafür aber mit uns.

„Shopping Queen“ mit Guido Maria Kretschmer schwang 2017 die Peitsche. Sendungsmotto: „50 Shades of Grey“, pünktlich zum Filmstart, der dann immer wieder und wieder erwähnt wurde. So oft, dass die Landesmedienanstalt die Folge nach unserer Kritik beanstandet hat. VOX klagte anschließend dagegen, unterlag aber vor Gericht.
Cornelia Holsten, die Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt (Brema), startete 2020 einen Podcast, in dem sie einen Mode-Influencer interviewte, dessen Instagram-Aktivitäten Holsten eigentlich kontrollieren sollte. Stattdessen fand Holsten ihn vor allem toll. Dass der Influencer viel Schmu auf seinem Kanal betrieb, davon hatte sie aber nichts mitbekommen. Auf unsere Kritik folgte viel Ärger für die Brema-Chefin: im eigenen Haus, mit der Bremer Staatsanwaltschaft – und am Ende haben auch wir die Brema noch verklagt. Den Podcast stellte Holsten außerdem nach der zweiten Folge ein.

Eine antisemitische Szene in einer beliebten Kinderserie? Ja. In der deutschen Synchronisation von „Es war einmal das Leben“ rufen Krankheitserreger etwas auf Jiddisch, und zwar in dem Moment, als sie vergast werden. Jahrelang war die Szene so zu sehen. Nach unserem Artikel im Jahr 2020 kündigte der Filmverleih an, sie zu ändern.
2021 wendete sich die Bauhaus-Universität aus Weimar einigermaßen verzweifelt an uns: Nach einem Hacker-Angriff kam sie nicht mehr an ihren Instagram-Account, schon seit neun Monaten nicht mehr. Seither versuchte die Uni, ihn wiederzubekommen, bei Instagram konnte oder wollte aber niemand helfen. Aber wir helfen natürlich gerne: Lediglich 30 Stunden nach unserer Anfrage an die Presseabteilung von Instagram konnte die Uni wieder auf ihrem Account posten. (Später haben wir dann auch einer anderen Uni geholfen, ihren gehackten Instagram-Account wiederzubekommen.)
Im Fernsehen war Johannes Wimmer der öffentlich-rechtliche Herr Doktor, der Ratschläge gibt, und nebenbei machte er Werbung für etliche Pharmakonzerne und andere Unternehmen, wie unsere Recherche ergab. Was natürlich schwierig ist, wenn es um die Unabhängigkeit des Fernseharztes ging. Nach unserer Anfrage beendete der NDR die Zusammenarbeit im „Bereich Medizin/Gesundheit“ wegen möglicher Interessenkonflikte. Wimmer moderierte dann noch kurz die „NDR Talkshow“ und verschwand anschließend ganz aus dem Fernsehen, um sich seinen anderen Aktivitäten zu widmen.

Als 2023 rauskam, dass der Journalist Hubert Seipel viel Geld aus Russland für Bücher über Wladimir Putin erhalten hat, schoss die „Bild“-Zeitung scharf gegen den „Putin-Schleimer“. Dabei hatte das Blatt selbst jemanden in den eigenen Reihen, der nah an Russland dran war. Einer ihrer Chefreporter fungierte nebenbei als Co-Autor eines Propagandabuchs über Putins Russland. „Bild“ wusste davon angeblich nichts. Nach der Recherche unserer Autorin Doreen Reinhard entließ der Axel-Springer-Verlag den Redakteur.
Hier als Werbemodel für eine Modefirma arbeiten, dort als freier Journalist den Chef dieser Firma interviewen? Das geht natürlich gar nicht. Model-Journalist Andreas Haslauer meinte trotzdem, dass das okay ist – und der „Spiegel“ veröffentlichte seine Texte. Bis zu unserem Artikel im Jahr 2023. Da fand der „Spiegel“ dann noch weitere Artikel, die er nachträglich mit einem Transparenzhinweis versehen musste, weil Haslauer sehr nah dran war – und trennte sich von seinem Autor.
Anfang 2023 berichteten wir über „Katapult Ukraine“: Ukrainische Journalisten warfen dem Magazin vor, sie benutzt und fallen gelassen zu haben – ohne ausstehende Gehälter zu begleichen. Nach unserem Artikel trat Benjamin Fredrich, der Gründer des Magazins, als Chefredakteur und Geschäftsführer von „Katapult“ zurück.

2023 druckte das Magazin „Die Aktuelle“ ein Interview, das wirkte, als hätte es der Jahre zuvor schwer verunglückte Rennfahrer Michael Schumacher gegeben. Die Interview-Antworten stammten aber von einer KI. Wir haben die dreiste Masche damals kritisiert. Medien weltweit griffen den Skandal dann auf. Die Funke-Mediengruppe, die das Magazin damals noch herausgab, feuerte anschließend „Die Aktuelle“-Chefin Anne Hoffmann. Heute ist sie laut ihrem LinkedIn-Profil freie Journalistin und „KI-Pionierin“.
Wir haben die Affäre um die fatal gescheiterte rbb-Recherche über den Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar akribisch begleitet. Im Abschlussbericht der Gutachter, die den Skandal im Auftrag des Senders analysiert haben, hieß es unter anderem, der rbb habe manche Fehler zu spät erkannt; einen etwa erst durch einen Übermedien-Artikel und die Anfrage eines Mitglieds des rbb-Rundfunkrats.
Mehrfach haben wir kritisch über den Bayern3-Podcast „True Crime“ und die dazugehörige Live-Show mit Alexander Stevens und Jacqueline Belle berichtet. Der Bayerische Rundfunk distanzierte sich später von dem Live-Programm, entzog ihm die Logo-Lizenz und trennte sich 2025 ganz von Podcast-Strafverteidiger Stevens.

Die ARD-Nachrichtensendung verdiente in ihrem Telegram-Kanal an Werbung für dubiose Fußballwetten – und merkte es nicht einmal. Nach unserer Anfrage im Jahr 2025 schaltet die Redaktion den Telegram-Kanal komplett ab.
Welche Übermedien-Geschichte aus zehn Jahren ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben? Schreiben Sie uns! Und wenn Sie noch kein Übermedien-Abo haben: Jetzt ist eine gute Gelegenheit, unabhängige Medienkritik zu unterstützen!
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