Holger ruft an (228)

Stirbt in Köln gerade die Medienvielfalt?

Es gibt kaum noch Städte, die mehr als eine Lokalzeitung haben. Auch in Köln gehören die zwei einstigen Konkurrenzblätter ab sofort zum gleichen Verlag. Medienjournalist Steffen Grimberg spricht im Übermedien-Podcast über die „Fusionitis“ im Zeitungsmarkt und ihre Folgen.
Journalist Steffen Grimberg
Journalist Steffen GrimbergFoto: Harald Oppitz/KNA

Zwei Lokalzeitungen – eine Redaktion. Darauf läuft es in Köln wohl gerade hinaus. Denn vergangene Woche wurde bekannt, dass die „Kölnische Rundschau“ vom DuMont-Verlag übernommen wird. Die Lokalzeitung wird also künftig im selben Haus produziert wie ihr einstiges Konkurrenzblatt, der „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Der Verlag betont zwar, dass das die „Rundschau“ eine „eigenständige publizistische Marke“ bleiben soll. Doch von Journalistenverbänden kommt Kritik. Die „Kölnische Rundschau“ werde zur „Mogelpackung nach dem Modell Zombie-Zeitung“, sagte Andrea Hansen, Landesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbands in Nordrhein-Westfalen. Zombie-Zeitung nennt man Publikationen, die nach außen zwar eigenständig wirken, aber nach Zusammenlegung ihre Inhalte von anderen Redaktionen beziehen.

„Es passt leider in die Zeit. Die Verlage nennen das ‚Konsolidierung‘, in Wirklichkeit ist es ‚Fusionitis‘ auf dem Zeitungsmarkt“, sagt der Medienjournalist Steffen Grimberg, der diese Woche zu Gast im Übermedien-Podcast ist. Selbst Großstädte wie Köln, wo es bislang noch üblich war, dass es mindestens zwei konkurrierende Angebote gab, würden so nach und nach zu Einzeitungskreisen werden.

Warum ist das ein Problem? Was passiert jetzt mit den Mitarbeitern der „Kölnischen Rundschau“? In welcher Stadt gibt es eigentlich noch mehr als eine Lokalzeitung? Und könnte die Politik auch etwas tun, um die Vielfalt im Lokaljournalismus zu retten? Darüber sprechen Holger Klein und Steffen Grimberg in der neuen Folge „Holger ruft an…“.

Links:

Korrekturhinweis: In einer früheren Version dieses Podcasts ging unser Gast auf ein nichtkommerzielles Radioprojekt im sächsischen Weißwasser ein. Das Projekt, das von der dortigen Landesmedienanstalt gefördert wurde, wurde jedoch Ende 2025 eingestellt. Wir haben die Passage nachträglich entfernt.

2 Kommentare

  1. Liebe Übermedien-Redaktion, die Lokalredaktion des Rhein-Erft-Kreises und meines Wissens auch anderer Lokalredaktionen von Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnischer Rundschau wurden bereits 2014 (!) zusammengelegt, sowohl personell als auch räumlich (in Brühl, vorher war die bis dahin eigenständige Lokalredaktion des Rhein-Erft-Kreises vom KStA in Frechen). Seitdem sind die Rhein-Erft-Lokalteile bzw. die Lokalberichte aus dem Kreis in Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnischer Rundschau identisch! Ich habe selbst bis 2014 als Freie für die Lokalredaktion des KStA gearbeitet und wegen der Zusammenlegung und dem damit einhergehenden Honorardumping damit aufgehört. Schade, dass es Euch damals noch nicht gab, sonst hätte der Tod der Medienvielfalt zumindest im Kölner Umland vielleicht beizeiten die öffentliche Aufmerksamkeit bekommen, die er gebraucht hätte.

  2. vielen Dank für das interessante Gespräch. Als Baden-Württemberger ein paar Anmerkungen: ja, BaWü hatte lange eine ziemlich kleingliedrige und auch kompetetive Zeitungslandschaft, aber es gab schon massive Einschnitte in den letzten Jahren.

    Die „Zeitungsgruppe Süd“, also Stuttgarter Zeitung (StZ) und Stuttgarter Nachrichten (StN) – seit 50 Jahren wirtschaftlich zusammengehörend, hatten bis 2015 komplett getrennte Redaktionen. Dann begann die „Kooperation“ zwischen den Redaktionen, und inzwischen sind die Redaktionen völlig vereint und gleichzeitig dramatisch ausgehungert worden. Das gleiche gilt auch für die diversen Kopfblätter in der Region Stuttgart, die zur gleichen Gruppe gehören oder in den letzten Jahren von ihr übernommen wurde, sowie den Ableger der Gruppe im Schwarzwald, dem Schwarzwälder Boten („Schwabo“) mit wiederum dessen Kopfblättern.

    Östlich und Südlich von Stuttgart wiederum hat die Südwestpresse (SWP) als Ulm in den letzten Jahren diverse Zeitungen übernommen (unter anderem das Schwäbische Tagblatt). Und nun vor zwei Jahren hat die Südwestpresse wiederum die Zeitungsgruppe Süd übernommen. Die Folge ist, dass nun in einem breiten Streifen von Ulm über Stuttgart und Calw bis Freudenstadt praktisch alle Zeitungen ihren Mantel entweder direkt von der SWP oder der StZ/StN/Schwabo bekommen, also aus dem gleichen Haus, und in vielen Fällen auch direkt dem Haus gehören. SWP und StZ wiederum haben inzwischen begonnen, Korrespondentenplätze gemeinsam zu vergeben; und vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, wann aus der SWP-Redaktion und der StZ/StN/Schwabo-Redaktion die SWP/StZ/StN/Schwabo-Einheitsredaktion wird.

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