Werber-Werbung im „Morgenmagazin“

Normalerweise läuft es so: Wenn in Deutschland Sommerferien sind, bitten ARD und ZDF Spitzenpolitiker zum so genannten Sommerinterview. Da sitzen dann, zum Beispiel, Kanzlerin Angela Merkel oder SPD-Chef Sigmar Gabriel und beantworten Fragen zur Politik, die ihnen Journalisten stellen. Das ist seit fast 30 Jahren mehr oder weniger lieb gewonnene Tradition.

Dem ARD-„Morgenmagazin“ war das nun aber zu eintönig, deshalb lud die Redaktion nicht Politiker zum Gespräch, sondern „ganz normale Wähler“, die „sonst kaum zu Wort kommen“. Damit auch die mal sagen können, was ihnen so am Herzen liegt. Eine Woche lang wurden also Familien interviewt, quer durch die Republik. Nur die letzte Folge war anders. Ganz anders.

"Sommerinterview" mit "ganz normalen Wählern"
Das „moma-Sommerinterview“ Screenshot: ARD-„Morgenmagazin“

Statt einer Familie nahmen drei Mitarbeiter der Berliner Agentur gretchen in Sesseln Platz, die die ARD vor den Reichstag gestellt hatte. Befragt wurden die Werber von einer Reporterin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb), was für die Zuschauer wie ein normales Interview aussehen musste. Was dem Publikum allerdings verschwiegen wurde: Die vermeintlich unabhängige Reporterin steht mit den Werbern in einem engen Geschäftsverhältnis.

Der Beitrag beginnt locker: Die Reporterin schlendert mit ihren Gästen zum Interviewplatz, man plaudert offenbar nett, die Moderatorin im Studio sagt noch ein paar Worte, und dann geht’s los mit einem Einspieler, in dem die Agentur vorgestellt wird. Da sitzen dann alle vorm Computer, ein Hund liegt im Büro rum, und man erfährt etwa, dass der Klaus, früher mal Praktikant, nun andauernd mehr Gehalt vom Chef verlange, es aber nicht bekommt.

Plaudernd zum Interview
Plaudernd zum Interview Screenshot: ARD-„Morgenmagazin“

Das Problem dabei: Die Reporterin, die den Einspieler getextet und das Interview geführt hat, ist nicht nur eine der drei Gründerinnen der Agentur, sie ist laut Handelsregister auch weiterhin an der GmbH beteiligt. Gleich zu Beginn des Interviews fragt sie den Geschäftsführer der Agentur:

Es ist Urlaubszeit und Sie arbeiten trotzdem. Haben Sie überhaupt was zu tun?

Worauf der Geschäftsführer, zudem auch einer der Gründer, erklärt, dass auch in der Agentur Urlaubszeit sei, na klar, dass sie aber trotzdem „ganz gut zu tun“ hätten und „jeden Tag fleißig Videos machen“ würden, was man als Gesellschafter einer GmbH natürlich gerne hört. Doch, wie gesagt: Dass sich die vier Personen dort kennen, wird nirgends deutlich. Die Reporterin müht sich, alle zu siezen und mit Vor- und Nachnamen anzusprechen. Nur ein Mal rutscht ihr ein Vorname raus, ganz beiläufig.

Im Rest des Gesprächs geht es um aktuelle Themen: das Sicherheitskonzept des Innenministers und was die Werber davon halten; es geht um Europa, um Terror und ob sie sich denn alle sicher fühlen; und um die Frage, wieso eine Agentur-Mitarbeiterin erst nach Istanbul reisen wollte, es dann aber absagte.

Insgesamt drei Mal wurden die Werber in die mehr als dreistündige Sendung geschaltet. In einer Version ging es auch darum, wie sich die hohen Berliner Mietpreise auf Unternehmen vor Ort auswirken. Was den Geschäftsführer dazu führte, die Berliner Politik aufzufordern, neben mehr Wohnraum auch mehr Büro- und Geschäftsräume zu schaffen.

Gesellschaftertalk im "moma"
Gesellschaftertalk im „moma“ Screenshot: ARD-„Morgenmagazin“

Auf Anfrage von Übermedien antwortet die ARD, nichts von der Verbindung der rbb-Reporterin zu der Agentur gewusst zu haben. Diese sei vertraglich verpflichtet, die Redaktion über „Tätigkeiten zu informieren, die zu einem Interessenkonflikt mit der Tätigkeit für den rbb führen könnten“. Das hat sie nicht getan. Stattdessen gab sie nun auf Nachfrage des Senders an, nicht mehr tätig zu sein für die Agentur. Sie habe sich 2009 mit 100 Euro an der Gründung beteiligt und dort seit Mitte 2013 keine Beiträge mehr produziert. Dass sie als Gesellschafterin der GmbH geführt werde, habe sie „nicht gewusst“.

Merkwürdig: Wer Gesellschafter einer GmbH werden möchte, muss zum Notar, der einem den Gesellschaftervertrag vorliest; dann muss man viele Papiere unterschreiben, Stammkapital einzahlen, sich ins Handelsregister eintragen lassen. Wie in diesem Fall: Laut Handelsregister hat die Agentur drei Gesellschafter, die sich das Stammkapital von 25.000 Euro teilen. Die rbb-Reporterin hält Anteile im Wert von mehr als 6.000 Euro. Und 2009 beteiligte sie sich nicht mit 100, sondern mit 300 Euro. Damals war die Agentur nur eine Unternehmergesellschaft. 2014 wurde daraus eine GmbH.

Wer derart beteiligt ist an einer Firma, hat auch ein Interesse daran, dass diese gut läuft. Da ist es nicht abträglich, sich in der ARD vor einem großen Publikum als voll coole, gut beschäftigte Agentur zu präsentieren – eher im Gegenteil. Das Interview ist deshalb nicht nur ein Interview, sondern vor allem: Schleichwerbung.

„Mit Wissen davon“, welche Verbindung besteht, „hätten wir das Thema nicht auf diese Weise umgesetzt“, schreibt nun die ARD. Auch das ist interessant. Denn man muss nicht zwingend ins Handelsregister schauen, um zu erfahren, wer die Agentur gegründet hat – ein Blick auf die Homepage hätte genügt. Dort wird die Reporterin als eine der drei „Eltern“ der Agentur beschrieben.

Die Kriterien für die Gästeauswahl waren laut ARD, dass die Personen „ein bisschen zu Berlin passen“ und aus der Medienbranche kommen sollten. Die Reporterin bot mutmaßlich diese drei Personen an, und weil es in Berlin ja so wenige Medienleute gibt, nahm die Redaktion das Angebot an. Erst nach Anfrage von Übermedien wurde der ARD das Dilemma offenbar klar.

Die Reporterin und Gesellschafterin der Agentur antwortete auf unsere Anfrage bisher nicht. Die ARD teilte mit, man werde die Zusammenarbeit mit ihr vorerst aussetzen und eine Pause machen, bis die Sache intern ganz aufgeklärt sei.

Nachtrag, 18:27 Uhr. Inzwischen wurde der Beitrag aus der ARD-Mediathek entfernt.

Nachtrag, 23.8.2016. In einer Stellungnahme schreibt der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), dass sowohl feste als auch freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des rbb „vertraglich verpflichtet“ seien, dem Sender „mögliche Interessenkollisionen bei ihrer Arbeit anzuzeigen“. Das sei in diesem Fall nicht geschehen. Eine Verbindung zwischen Reporterin und Agentur sei weder dem rbb bekannt gewesen noch dem WDR, der das „moma“ produziert.

„Wir werten das als schwerwiegenden Vorfall“, so rbb-Sprecher Justus Demmer: „Wir kennen die betroffene Kollegin bisher als sehr professionelle und gewissenhafte junge Journalistin, trotzdem stehen nun sehr ernsthafte Gespräche an. Ein ‚Weiter wie bisher‘ wird es mit Sicherheit nicht geben, alles weitere erörtern wir allerdings intern, nicht öffentlich.“

Nachtrag, 23.8.2016. Auch die Reporterin hat nun Stellung genommen. Per Mail schreibt sie, dass es nicht ihre Intention gewesen sei, Werbung für die Agentur zu machen. „Dass dieser Eindruck entstanden ist, tut mir sehr leid.“ Sie sei bereits seit Jahren nicht mehr in die Geschäfte der Firma involviert, erhalte keinerlei Gewinne aus dem Unternehmen. „Die Redaktionen hätte ich dennoch über die Verbindung zur Agentur informieren müssen. Dass ich das nicht getan habe, war ein großer Fehler, der mir nicht hätte passieren dürfen. Ich bitte die Redaktionen um Entschuldigung.“

45 Kommentare

  1. „Inzwischen wurde der Beitrag aus der ARD-Mediathek genommen.“ Selbstverständlich. Sonst könnte man sich ja auch nochmal selbst ein Bild machen…

  2. Bin über den hier dazugehörigen spiegel.de-Artikel auf die Seite gelangt und wollte positives Feedback zurücklassen. Leute wie euch die mal ordentlich durch diesen Sauhaufen sieben braucht die Welt!

  3. Ich hatte mir so was schon gedacht.
    Bin kein Freund der Lügenpresse Schreier.
    Da war einfach nur dämlich.

  4. Danke WernerB für den Link. Der Beitrag an sich wirkt ziemlich unverdächtig und erst das Wissen darüber, dass die Reporterin hier offenbar zwischen engen Kollegen/Bekannten sitzt und die Werbeagentur(?) sehr prominent genannt wird, erzeugen einen Beigeschmack. Dass der Moma-Redaktion das durchgerutscht ist, kann ich nachvollziehen.

    Um so schäbiger das Ganze von Frau Kleber (die mit dem krassen Lächeln) und Gretchen [!sic].

  5. Ja, G’schmäckle hat es. Aber eben auch nicht mehr. Herr Rosenkranz sollte aus eigener Erfahrung wissen, dass es nicht ganz einfach ist, Leute „vor die Kamera“ zu bekommen. Erst recht, einen ganzen Morgen zu opfern. Irgendeine Art von persönlicher Beziehung / Kontakt haben Reporter also oft zu ihren Gesprächspartnern. Ob jemand ernsthaft eine Agentur beauftragen würde, nur weil sie mal im ARD-Morgenmagazin zu sehen war, mag ich sehr bezweifeln. Erst recht bei Agenturen der Art, wie in dem Beitrag zu sehen, denn von denen gibt es vielleicht Dutzende in der Republik. Wer daraus etwas ernsthaft bedenkliches konstruiert, der könnte auch kritisieren, dass Herr Rosenkranz nicht nur für diesen Blog hier arbeitet, sondern auch für den NDR und damit sich über gebührenfinanziertes Fernsehen einen „guten Namen“ macht, den er für die Popularität seines Blog nutzen kann. Sprich: wenn man will, kann man aus allem etwas kritisierbares konstruieren.

  6. unsensibel, vertrags- und vertrauensbrüchig und ich nehme an auch wenig einsichtig zeigt sich die Firma und die Dame … sehr schade … ich hoffe noch auf eine offene und proaktive Kommunikation von ARD und ZDF zum Thema …

    So baut man auch kontinuierlich am „Lügenpressegebilde“ … sehr schade …

    Vor allem auch schade (und mir als Warnung), dass man nicht vertrauen soll (in der Wirtschaft) sondern prüfen! immer!

  7. Es spricht ja nicht gerade für die Redaktion des „MoMa“, wenn jemand glaubt mit derart plumper Schleichwerbung durchzukommen zu können.

    Und apropos Werbung: Weshalb muss eigentlich das Wetter von irgendeinem gammeligen Unternehmen „präsentiert“ werden? Reicht der Rundfunkbeitrag nicht, um Satellitenbilder zu kaufen?

  8. Guten Morgen,

    die Kritik an der ARD direkt halte ich für nicht passend.
    Es muss ja auch ein Vertrauensverhältnis vorhanden sein, man darf den eigenen Leuten nicht misstrauisch gegenüberstehen, das schafft nur eine schlechte Atmosphäre.

    Diese rbb-Reporterin hat dieses Vertrauensverhältnis eindeutig ausgenutzt und die ARD dann „wahrscheinlich“ auch noch belogen bzw. sich versucht zu winden wie Frau Hinz.

    Es ist die richtige Entscheidung, nicht mehr mit ihr zusammenzuarbeiten. Annehmend, dass sie freie Mitarbeiterin ist, hat sie nun den Schlamassel, da ihr Einnahmen fehlen.

    Ob die ARD ihre Entschuldigung hätte prüfen müssen?
    Wenn sie das plausibel vorgetragen hatte (100 EURO und keine aktuelle Beteiligung) und hier noch das Vertrauensverhältnis intakt war, dann hätte ich das auch ohne Selbstrecherche akzeptiert.

    Die meisten hier sind ja wahrscheinlich an MEdien und so interessiert und ihr kennt das doch aus euren Redaktionsrunden: „Ich kenne da jemanden, der kann uns gute Infos oder ein schönes Interview geben.“ Das lief hier wahrscheinlich genauso, nur dass keiner wusste, dass die Dame Partnerin von diesem Jemanden ist.

  9. @8:
    „So baut man auch kontinuierlich am „Lügenpressegebilde“ … sehr schade … “

    Man sieht, was man sehen will.
    Differenzierte, unaufgeregte Erörterungen sind so 2014.
    Heute ist direkt alles „Lügenpresse“, ist ja auch einfacher.

    Vor solchen Kommentaren vielleicht noch mal kurz folgende Dinge Revue passieren lassen:

    Wo gearbeitet wird, passieren Fehler.
    Niemand ist unfehlbar.
    Es gibt überall schwarze Schafe.

  10. Dass „ ein Blick auf die Homepage […] genügt“ hätte, mag ich der ARD nicht ankreiden. Ich erwarte nicht, dass dort zu jedem Interviewpartner noch von einer dritten Person eine Internetrecherche vorgenommen wird. Es wäre aber an der rbb-Reporterin gewesen, über diese Verbindung zu informieren.

  11. „Es gibt überall schwarze Schafe.“
    .
    Mir ist, als hätte ich diese windelweiche Entschuldigung schon mal irgendwo gehört…

  12. „Schwarzes Schaf“ ist ja nur ein Sinnbild für „Einer von vielen hält sich nicht an die Regeln“.
    Und wenn man weiter denkt heißt das:
    „Ich kann die anderen 9 nicht in Generalverdacht nehmen, weil einer scheiße gebaut hat.“

    Wofür ist das also Ihrer Meinung nach eine „windelweiche Entschuldigung“?

  13. @Jens Weiss
    Der Vergleich, dem Autor Boris Rosenkranz im Zusammenhang mit dem MoMa-Beitrag seine freie Mitarbeit beim NDR vorzuhalten ist völlig abwegig. Ebenso das Argument, es sei so schwer „Leute vor die Kamera zu bekommen“. Wer leichte Aufgaben erwartet, ist in der ARD am falschen Platz. Dann spielt Jens Weiss die werbliche Wirkung eines mehrfach eingespielten Beitrags auch noch herunter. Ich frage mich, was diese Rechtfertigung soll? Die Werbefilm-Agentur Gretchen hat einen guten Image-Trailer zur besten Sendezeit platziert. Zehntausende Entscheider sehen früh im Hotelzimmer das Moma. Noch zielgruppenorientierter geht es gar nicht. Jetzt schiebt der RBB als ARD-Zuspieler scheinheilig die Alleinverantwortung dafür einer freien Kollegin zu. Sicherlich hat sie hauptsächlich dazu begetragen, dass der Beitrag so entstand. Allerdings hat ihn jemand in Auftrag gegeben und abgenommen. Es erscheint unglaubwürdig, dass die etwa ein Jahrzehnt dauernde Tätigkeit der Reporterin bei Gretchen im Sender unbekannt gewesen sei. Und noch wichtiger: Wenn dreimal in einem ÖR-Interview zu aktuellen politischen Themen ein Firmenname fällt, ist das Schleichwerbung!

  14. Mal aus Neugier an Herrn Rosenkranz gefragt: Gehen Sie generell alle Firmen durch, die im TV gezeigt werden, und schauen sich deren Websites und Impressum an?

  15. Nix gegen leichte Kost am frühen Morgen, aber: Allein die (scheinbare???) Naivität der Autorin in Sachen GmbH-Beteiligung, auf die der Beitrag hier abstellt, verrät in Bezug auf die Autorin doch wenig Charmantes, egal, was man annimmt rsp. unterstellt:
    Wenn sie, wie behauptet, wirklich nicht mehr als die angeblich rausgerückten 100 Euro für ihre Beteiligung weiß, ist das schon ziemlich grenzdebil. Grenzdebile Reporter und ARD-Anspruch passen aber schlecht zusammen…
    Oder sie wusste und erinnerte es schon deutlich besser, als sie vorgab – m. E. die wahrscheinlichere Variante. Dann geht sie mit ihren Ausreden davon aus, dass andere das nicht wissen – und gibt mithin Zeugnis darüber, wie ernst sie ihr Publikum, ihre Vertragspartner und Auftraggeber nimmt. Auch keine tolle Visitenkarte, weder als Reporterin, was leider etwas auf die ARD/den rbb zurückfällt, noch als Agenturgründerin.
    Keinesfalls aber darf man m. E. der beauftragenden Redaktion einen Vorwurf machen! Ich muss mich als Redakteur schon auf meine freien Kollegen (deren journalistische und persönliche Integrität) verlassen können. Es kann nicht die Aufgabe des festangestellten Redakteurs sein, jeden Rotz, mit dem ein Freier kommt, gegenzurecherchieren. Abgesehen von der praktischen Unmöglichkeit im tagesaktuellen Produktionsbetrieb würde dies ein Klima schaffen, von dem es nach meiner Kenntnis in den Anstalten eher weniger denn mehr geben sollte.

  16. Die Reporterin, Frau Kleber, ist sie eigentlich verwandt oder verheiratet mit Claus Kleber? Es gibt ein Foto, auf dem sei gemeinsam am Tisch sitzen und herrlich lachen.

  17. Die ARD ist in meinen Augen ein einziger (aber für uns alle sehr teurer) Saftladen.

    Das sie allerdings hier, in dem konkreten Falle, etwas gewußt haben soll (wie einige ja vermuten), also das glaube ich nun wirklich nicht.

    Absicht unterstelle ich hier der besagten Moderatorin, dieser auf jeden Fall, den ARD-Verantwortlichen aber ausnahmsweise mal nicht.

  18. Natürlich ist das kein Riesen Skandal aber die ARD ist dort auch in der Verantwortung. Jedes Jahr ist es doch so das bei ARD und ZDF ein Skandal raus kommt wo sich Mitarbeiter nicht an die Regeln halten… und immer wird das extern festgestellt. Das irgendwas intern mal herausgefunden wird kommt scheinbar nicht vor. Das ist der Punkt wo die ARD in Verantwortung ist und dieser nicht nachkommt. Sie müssten ein besseres interne Kontrolle ihrer Regeln haben.
    Wenn jeder weiß das nicht wirksam kontrolliert wird dann machen halt viele was sie wollen…

  19. Wissen sie eigentlich, daß sie gerade dabei sind, eine freie Mitarbeiterin ernsthaft zu beschädigen? Ich kenne Frau Kleber als Mitarbeiterin der Abendschau. Sie ist eine junge, sehr talentierte Reporterin. Vorteilsnahme ist ihr absolut fremd. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Natürlich hätte sie offenlegen müssen, daß sie zu besagter Agentur eine persönliche Beziehung hat. Aber sie hat seit Jahren nichts mehr mit dieser Agentur zu schaffen. Wenn man sich das Interview anhört, dann merkt man übrigens auch schnell, daß da mitnichten Werbung gemacht wird. Natürlich muss man in Zeiten, wo von „Lügenpresse“ die Rede ist sensibel sein. Und eine solche Nachlässigkeit, auch wenn sie mit der Agentur schon länger keine Geschäftsbeziehung mehr unterhält hätte ihr nicht unterlaufen dürfen. Aber hier wird ein Sturm im Wasserglas erzeugt. Sagt einer, der weiß wovon er spricht!

  20. @stefan
    Was hätte man ihrer Meinung denn machen sollen? Sie schreiben ja selber das man es hätte offenlegen müssen und sowas nicht geht. Hätte Boris Rosenkranz das jetzt nicht veröffentlichen sollen weil die Reporterin einen guten Ruf hat oder Sie ihre Hand für sie ins Feuer legen würden? Es war ein Fehler und den muss man doch Ansprechen können.

  21. @patrick s: Es ist absolut legitim das anzusprechen. Gar keine Frage. Nur: es kommt hier so rüber, als wenn Frau Kleber Schleichwerbung für eine private Agentur machen wollte. Das ist aber nicht der Fall. Mir geht es nur darum, eine sehr geschätzte Kollegin, der das Ganze sehr leid tut, nicht nachhaltig zu beschädigen. Das hat sie nicht verdient. Aber ich verstehe schon, daß hier manche glauben, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk an einer verletzlichen Flanke erwischt zu haben. Macht sich ja gut, ist aber hier wirklich nicht angebracht.

  22. Ich hatte den Beitrag damals gesehen und mich schon gewundert, wie insziniert das ganze wirkte. Irgendeine unbekannte Werbeklitsche wird als nonplusultra verkauft.

    Erst jetzt habe ich hier den Beitrag entdeckt und die Hintergründe begriffen.

    Der Fall an sich ist natürlich kein Drama, aber ich bin mir sicher, das ist nur die Spitze des Eisbergs und es gibt ganz viel Seilschaften. Mir war auch nicht bewusst, dass regelmäßig die gleichen ca. 200 Talkshowexperten durch den Öffentlich-Rechtlichen tingeln, was ich als extrem undemokratisch empfinde, denn sie standen nie zur Wahl, haben aber erheblich mehr öffentliche Präsenz und Redezeit als ein durchschnitticher Bundestagsabgeordneter.

  23. @Stefan 26

    Ich bin mir sicher, dass die junge Frau eine liebe Person ist, sie ist aber auch jung und wohl noch nicht reif genug, zu erahnen, dass hier großer Mist gelaufen ist und leider klingen die Erklärungen so als ob sie sich windet. Sie scheint auch unter massiven (medialen) Druck zu stehen, hat sie doch die Impressumsangaben auf ihrer Homepage, mit Verweis auf die GmbH bei der sie beteiligt ist, entfernt aktuell.

    Ich finde es gut, wenn es Leute wie Sie gibt, die ihr jetzt Halt und Rat geben, damit sie nicht alleine ist und lernt, die Situation richtig einzuschätzen.

    Sie hat Mist gebaut, aber davon gehen die Welt und ARD nicht unter.

    Aber die Frau muss noch viel lernen, vor allem bzgl. persönlicher Verantwortung und die richtigen Konsequenzen zu ziehen und sich nicht zu winden, sondern (um mal Scharping zu zitieren) mit aufrechten Rückgrat aus der Affäre zu gehen.

    Als Gesellschafter hat man Verantwortungen und Pflichten und muss regelmäßig hier und da mal was mitunterschreiben.
    Oder wurde ihre Unterschrift in der GmbH per Stempel oder Vollmacht erbracht?
    Und in der Steuererklärung sollte die GmbH ja auch irgendwo auftauchen, selbst wenn keine Einkünfte daraus enstehen.

    Also, entweder sie hat damals wirklich nur den Namen und einen Minibetrag gegeben ohne Ahnung von nichts und lässt sich jetzt in der GmbH irgendwie nicht blicken und dort wird ihre Unterschrift anders besorgt oder sie ist nicht ganz ehrlich.

    Die ARD ist jetzt leider doch in der Pflicht zu schauen, ob die GmbH von der Journalistin in der Vergangenheit Material für die ARD produziert hat und ob die Vergabe damals sauber lief oder ob die Agentur von der jungen Dame engagiert wurde.

  24. @26/28

    „(…) als wenn Frau Kleber Schleichwerbung für eine private Agentur machen wollte. Das ist aber nicht der Fall“

    Woher wissen Sie das?

    „Wissen sie eigentlich, daß sie gerade dabei sind, eine freie Mitarbeiterin ernsthaft zu beschädigen?“

    Mit Verlaub, was Sie hier von sich geben grenzt nicht mehr nur an Dreistigkeit.
    Falls die gute Frau nun beschädigt sein sollte, dann hat sie sich selbst beschädigt, und nicht Herr Rosenkranz oder sonst jemand.
    Wenn ich in meinem Job Sch… baue, dann war das auch nicht jemand anderes – der böse Chef, die doofen Kunden oder vielleicht der heilige Geist.
    Wie wär’s mal damit, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen?

  25. Wer das Moma kennt, wundert sich eigentlich über sowas nicht mehr. Im August 2013 berichtete das Moma über die Vorteile des Car Sharing. Im Mittelpunkt stand ein bekanntes Car-Sharing-Unternehmen. In einem Einspieler lobte eine junge Dame, die neben einem Wagen des Unternehmens stand, das Car Sharing in den höchsten Tönen. Das war offenbar eine zufriedene Kundin. Mir fiel das Frühstücksei aus dem Gesicht, denn die Dame war eine Bekannte von mir. Daher war mir auch ein winziges Detail bekannt, welches das Moma dem Zuschauer allerdings vorenthielt: Die Gute arbeitete für das genannte Unternehmen. Da dämmerte mir, wie der Journalistenhase im Moma läuft.

  26. @stefan: Es ist schon interessant, dass es offenbar in Teilen der Mitarbeiter der RBB-Abendschau (ich gehe nach ihren Kommentaren „sehr geschätzte Kollegin“ oder „Ich kenne Frau Kleber als Mitarbeiterin der Abendschau“ davon aus, dass Sie Insider sind) kein Unrechtsbewusstsein für ein solches Verhalten zu geben scheint. Wenn Sie schreiben: „…,dass da mitnichten Werbung gemacht wird.“, muss ich an Ihrem Urteilsvermögen zweifeln. Ich hatte zuvor bereits bemerkt, dass dreimal der Firmenname prominent im Beitrag genannt worden ist, auch wo die Firma zu finden ist. Es wäre kein Problem gewesen, wenn Frau Kleber die Agentur anonymisiert hätte. In der Art „ein junges Team aus einer Berliner Filmproduktionsfirma“ o.ä. Die klaren Kriterien für Schleichwerbung so offensichtlich zu missachten wie Sie es mit „mitnichten Werbung“ oder Frau Kleber mit ihrem Beitrag machten, fällt vermutlich unter die gleiche Amnesie, dass Frau Kleber leugnet, im aktuellen Handelsregister mit einer vierstelligen Summe als Gesellschafterin der Agentur „gretchen“ zu stehen. Es befremdet, wenn in der RBB Abendschau oft von Transparenz in Politik und Wirtschaft die Rede ist, aber in eigener Sache Scheuklappen angelegt werden. Stefan schreibt weiter: „…, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk an einer verletzlichen Flanke erwischt zu haben.“ Der Autor Boris Rosenkranz soll ganz offensichtlich als Nestbeschmutzer der Branche diffamiert werden. Hinzu kommt die hochnäsige Oberlehrerart: „Macht sich ja gut, ist aber hier wirklich nicht angebracht.“ Doch – ist es! Wagenburg ála RBB? Das ist sehr wohl angebracht. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss sich wegen seines einzigartigen Status und der unvergleichlich guten finanziellen Ausstattung aus Bürgergeldern an einem besonderen hohen Standard messen lassen. Verfehlungen zählen hier deutlich mehr als anderswo in den Medien. Corps-Geist nach der Methode „war doch alles nicht so schlimm, ist doch eine gute Kollegin“ werfen ein bezeichnendes Bild auf den Sender und konterkarieren die Aussage des RBB-Sprechers Justus Demmer. Schade.

  27. @26 Stefan: Es war nicht die Absicht, die freie Reporterin „ernsthaft zu beschädigen“, wie Sie schreiben. Wir haben lediglich ihre Verbindung zu der Agentur offen gelegt und sie dazu vorher auch angefragt, aber leider keine Antwort erhalten. Dass sie mit der Agentur „gar nichts mehr zu schaffen“ hat, ist fraglich. Sie ist Gründerin, offenbar freundschaftlich verbunden. Und sie hat noch 2014 GmbH-Anteile übernommen. Ich würde das nicht „Nachlässigkeit“ nennen, wenn man das der Redaktion nicht angibt – gerade, wie Sie ja auch schreiben: in „Lügenpresse“-Zeiten.

  28. Bei allem Verständnis für die Kritik an dem nicht korrektem Verhalten von Frau Kleber: man sollte sich die Mühe machen mal nach zu verfolgen was diese junge Journalistin schon alles auf die Beine gestellt hat. Insbesondere zur Flüchtlingsbewegung einige sehr gute Beiträge.

    Natürlich muss so etwas Konsequenzen haben. Aber ein Karriere-Aus als Forderung oder gar das Label als „Lügenpresse“ ist vollkommen deplatziert. Dies ist sicherlich kein nicht wieder gut zu machender Fehler.

  29. @35 P.S. Ja, finde ich auch. Das Ende ihrer Karriere zu fordern, wäre überzogen. Hat aber hier auch niemand gemacht, oder?

  30. @stefan Ob es jetzt Schleichwerbung war oder nicht muss in meinen Augen jetzt festgestellt werden. Es gibt ja schon Ungereimtheiten in den Aussagen. (100 oder 3o0 Euro, 6000 Euro Beteiligung, Impressum gelöscht nach Kritik, etc)
    Das sie ihre Hand für sie ins Feuer legen heißt dann ganz konkret wenn die ARD sie der Schleichwerbung überführt das sie dann kündigen? ;-) Also mit solche Floskeln wäre ich vorsichtig….

    Egal ob es Schleichwerbung war oder nicht sie hat Journalistische Standards verletzt und ARD Regeln gebrochen. Das ist kein Grund sie an Kreuz zu nageln aber genauso wenig sollte man es unter den Teppich kehren.

  31. @Stefan/26 „Aber sie hat seit Jahren nichts mehr mit dieser Agentur zu schaffen. Wenn man sich das Interview anhört, dann merkt man übrigens auch schnell, daß da mitnichten Werbung gemacht wird.“ Angenommen sie habe seit Jahre nichts mehr mit der Agentur zu schaffen, ist das kein Beleg dafür, dass es sich nicht Werbung/Schleichwerbung handelt. Auch eine freundschaftliche Gefälligkeit reicht aus, um jemanden einen „guten Dienst“ zu erweisen. Das Argument: man fände ja nicht so leicht mediengeile Leute fürs Fernsehen und daher habe Sie jemanden vorgeschlagen, könnte man ja noch stehen lassen, wenn sie dann das Interview nicht SELBST geführt hätte. So muss sich Frau Kleber nun wirklich den Vorwurf gefallen lassen. Denn: hätte sie (wie sie selbst fordern) ihre Verbindung offen gelegt, wäre das Interview inkl. der prominenten Nennung des Firmennamens und dem Dreh „am Arbeitsplatz“ so wohl kaum in der Radaktion durchgegangen. So stelle ich mir das zumindest vor (Optimist). Aber Sie sind ja vielleicht das gute Beispiel (wenn Sie Kollege von Frau Kleber sind), dass man im ÖR doch ganz anders tickt. Andrea „Weight Watchers“ Kiewel gilt ja vielleicht insgeheim als Vorbild…

  32. @Dieter Meister: Wohl nicht die Tochter, aber die Nichte. Also vielleicht steht ja dann ein Wechsel zum ZDF an…

  33. @40 Hans,

    das Video wurde offensichtlich entfernt bzw auf „privat“ markiert.

    Wie geht man hier weiter vor? Wie kann sich die Frau rehablitieren? Ist sie jetzt erledigt wie Edathy oder kann sie nach einer Auszeit wieder im Beruf arbeiten?

  34. @Civichief

    Einen blöderen Vergleich, als den mit Edathy kann man kaum wählen.

    Sie arbeiten auch beim ÖR? Es wird echt Zeit, dass der Laden von Grund auf reformiert wird.

  35. Oft werden die falschen Fragen gestellt. Zuviel Empörung in beide Richtungen. Einfach mal die Fakten sprechen lassen. Es ist geschehen, was von Übermedien berichtet worden ist. Ausflüchte, Löschen von Webinfos (das vimeo-Video, in dem Frau Kleber als Gesellschafterin auftritt, ist nachdem es hier zitiert wurde, auch nicht mehr erreichbar) und am Ende Lügen. Das Berliner Handelsregister kann Frau Kleber nicht löschen: http://tinyurl.com/jvbtno2
    Es sind wohl eher strukturelle Probleme, mit denen wir es zu tun haben. Es wurde hier von anderer Seite schon angedeutet, dass Frau Kleber nicht allein für den Reinfall verantwortlich zu machen ist. Hat sich hier denn bei Mehrfachnennung einer Firma niemand in der Redaktion bei der Abnahme gewundert? Die Agentur gretchen ist gemäß ihrer Referenzliste geschäftlich gut und in Wirtschaft und Politik seit Jahren renommiert unterwegs. Das soll in dem inneren Kollegenkreis beim RBB keiner gewusst haben? Es ist Spekulation, aber hat Frau Kleber diese signifikante Etappe ihrer Karriere bei ihrer Bewerbung als Freie beim RBB nicht als Pluspunkt aufgeführt? Das ist doch im Grunde nichts, wofür man sich schämen müsste.
    Die Misere liegt tiefer – oben schaut nur die Spitze des Eisbergs heraus. Es würde sich lohnen, hier tiefer zu recherchieren. So wurde eine Journalistin bei einem Pressetermin in einem Bauunternehmen im nördlichen Brandenburg Zeuge eines Gesprächs, dass Reporter einer TV-Produktionsgesellschaft (unterwegs im Auftrag von ÖR) das Material dem Geschäftsführer zusätzlich für Werbezwecke anbot. Durch das Outsourcing müssen Freie sich um weitere Einnahmen kümmern, damit ihr Status nicht als scheinselbstständig gilt. Dann werden Grenzen schneller überschritten. Auf der anderen Seite haben sich ganze Speckgürtel von Produktionsgesellschaft rund um die Sender angesiedelt, die im Wettbewerb um Aufträge stehen. So kann man ÖR auch schleichend privatisieren und zum Abreagieren distanzieren sich Verantwortliche dann mal schnell von Mitarbeitern wie Frau Kleber. Hier haben offensichtlich einige Kolleginnen anonym für sie Partei ergriffen. Wenn alles nicht so schlimm sei, wäre doch mal ein solidarisches Statement und eine gemeinsame Erklärung der Redaktion ganz in Ordnung, oder? So bleibt der fahle Beigeschmack und Eindrücke, die insbesondere an der Seriosität der RBB Abendschau kratzen. So hier gelesen:
    http://www.achgut.com/artikel/abenteuerreisen_mit_dem_rbb

  36. @44. KONRAD WINTER
    Vielen Dank für den achgut.com Link, der meine Einschätzung der charakterlichen Eigenheiten der Protagonistin weiter abrundeten, resp. bestätigten und zugleich ein Bild über die Produktionsmethoden des öffentlich rechtlichen Rundfunks im Allgemeinen und des rbb im Besonderen zeichnete.
    Was bewegt Medienschaffende, von denen man doch annehmen sollte, daß sie Ihren Beruf mögen und mit Enthusiasmus und Anstand ausüben, zu solchen Schofeligkeiten, Nachlässigkeiten, unüberlegten Unanständigkeiten bis hin zur Korrumpierbarkeit? Erfolgsdruck, Karrieregeilheit, mangelnde Lebenserfahrung?
    Ich bin rat- und fassungslos.

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