Ost-West-Debatten

Schluss mit der Ost-(V)erklärung!

Sind Medien in ihrem Bemühen, den Osten zu verstehen, längst über das Ziel hinausgeschossen? Unser Autor sagt: ja. Die ständige Suche nach einer ostdeutschen Identität habe nicht nur wenig Erkenntnis gebracht – sie könnte der AfD sogar in die Hände gespielt haben.
Straße in Bautzen, Sachsen, mit alten und renovierten Häusern.
Straße in der Altstadt von Bautzen, SachsenFoto: IMAGO / Peter Schickert

Was wäre, wenn wir die letzten zehn Jahre nicht permanent über Ostdeutschland, Ostdeutsche und ostdeutsche Identitäten gesprochen hätten? Diese Frage sollten sich vor allem diejenigen medialen und publizistischen Stimmen stellen, die diese Themen permanent auf die Agenda setzen. Ihr Anspruch ist es, die politische Lage im „Osten“ besser zu erklären und zu verstehen. Damit verknüpfen sie den Wunsch nach besseren politischen Verhältnissen. Wobei „besser“ hier natürlich meint: den sagenhaften Erfolg der AfD in der ostdeutschen Fläche in den Griff zu kriegen bzw. einzuhegen. Spätestens nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ist klar: Mit diesem Anspruch sind sie gescheitert.

Am Anfang stand einmal ein echtes Defizit. Über die Schließung ganzer Industrien, die Treuhand, die Dominanz westdeutscher Eliten im Osten, die Abwertung von Ost-Erfahrungen wurde nach der Vereinigung zu wenig oder häufig von oben herab gesproch…

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