Vertreibungen durch die israelische Armee

Und jetzt werfen wir noch keinen gründlichen Blick auf den Libanon

Deutsche Medien berichten durchaus, wie israelische Soldaten im Südlibanon systematisch ganze Dörfer zerstören. Aber vor allem der Nachrichtenjournalismus beschränkt sich viel zu oft auf die offiziellen Angaben der Armee – wie bei einer absurden Journalistenführung durch einen Waffentunnel.

In einer Nacht im Juni besichtigen internationale Journalisten einen Tunnel in einem libanesischen Dorf. Die Terrormiliz Hisbollah soll hier Waffen gelagert haben. Unter den Journalisten ist auch ARD-Korrespondent Julio Segador. „Leben kann hier vorerst niemand mehr“, schreibt er wenige Tage später in einem „Tagesschau“-Artikel. Denn die israelische Armee hat das Dorf rund um den Tunnel völlig zerstört.

In Segadors Beitrag für die 20-Uhr-Tagesschau ist von dieser Zerstörung allerdings nichts zu sehen. Die Pressetruppe ist „embedded“ unterwegs, geführt und bewacht von der israelischen Armee. „Sie bestimmt, was wir sehen dürfen. Unser Drehmaterial müssen wir der Armee zeigen“, erklärt der Korrespondent in seinem Beitrag. Die genehmigten Drehbilder zeigen große Hisbollah-Drohnen in hell erleuchteten Tunneln, während die zertrümmerte Umgebung im Dunkel der Nacht liegt.

Militärfahrzeuge bei Nacht, im Hintergrund dunkle Hügel mit vereinzelten Lichtern
Journalistenbesuch im Südlibanon bei NachtScreenshot: „Tagesschau“

Musste tatsächlich das ganze Dorf zerstört werden, um gegen die Terrormiliz vorzugehen? Was ist aus den Bewohnern geworden? Und welche größere Strategie verfolgt Israel damit? Der Ortsbesuch liefert darauf keine Antworten. Die Hisbollah missbrauche das Dorf als menschlichen Schild, sagt zwar eine israelische Militärsprecherin gegenüber den Journalisten. Aber: „Ob das gesamte Dorf tatsächlich unterkellert ist, lässt sich in der Kürze der Zeit und unter militärischer Bewachung nicht verifizieren“, schreibt Segador in dem „Tagesschau“-Beitrag.

Das mag transparent sein. Gleichzeitig fasst es den ernüchternden Anspruch vieler Medienberichte über den Libanon ganz gut zusammen.

Schon mehr als 4300 Tote

Mindestens 70.000 Bewohner Gazas hat die israelische Armee in den vergangenen drei Jahren getötet, womöglich auch mehr als 100.000. Darunter sind Zehntausende Kinder. Es sind unvorstellbare Zahlen. 

Seit Anfang März attackiert dieselbe Armee nach einer längeren ruhigen Phase nun wieder intensiv den Libanon, wirft auch dort Bomben ab, zerstört Gebäude. Offiziell will sie damit gegen die terroristische Hisbollah vorgehen. Die vom Iran unterstützte Miliz greift Israel immer wieder mit Drohnen und Raketen an – für das Land ein massives Sicherheitsrisiko.

Bei Israels Angriffen sterben aber erneut viele Unbeteiligte. Seit März wurden laut UN  mehr als 4300 Menschen getötet, auch darunter viele Kinder. Journalistinnen und Journalisten, die ihren Job ernst nehmen, müssten nach Gaza nun also besonders genau hinschauen, wie die Soldaten vorgehen.

Viele aktuelle Meldungen, Nachrichten, Berichte behandeln das Thema allerdings nur oberflächlich. Die Angabe der israelischen Armee, sie bekämpfe in erster Linie Stellungen der Hisbollah, wird stets prominent zitiert. Aber ob das der Realität entspricht, wird nur selten hinterfragt. Manchmal findet sich in Berichten, ähnlich wie in Segadors  „Tagesschau“-Beitrag, die vage Formulierung, im Südlibanon würden ganze Dörfer dem Erdboden gleichgemacht. Was das konkret bedeutet, muss man anderswo nachlesen.

Gesprengt, vermint, vergiftet

Zum Beispiel im „Standard“ aus Österreich: 

„Ganze Straßenzüge und Dorfkerne werden vermint und gesprengt. Gebäude dem Erdboden gleichgemacht, Olivenhaine niedergebrannt, Ackerflächen des vor allem im Südlibanon wichtigen Tabakanbaus mittels hoch konzentriertem Glyphosat temporär vergiftet.“

Dahinter steckt eine Strategie, die die israelische Regierung als die Errichtung einer „Pufferzone“ oder „Sicherheitszone“ verharmlost. Die Armee „evakuiert“ Menschen aus der Grenzregion. Anschließend zerstört sie nicht nur Gebäude, sondern auch Lebensgrundlagen, und vertreibt Menschen so langfristig. Dafür sind nicht nur Soldaten im Einsatz, sondern auch private Baufirmen mit Bulldozern. Berichten zufolge wurden auch mindestens ein Kloster, Kirchen und Moscheen demoliert.

Die einzige Mission sei Zerstörung, es gebe keinen anderen Auftrag, hat ein israelischer Offizier im April anonym der Zeitung „Haaretz“ gesagt. Die israelische Regierung bestreitet das und gibt vor, gegen die Hisbollah vorzugehen, um die eigene Bevölkerung zu schützen. Allerdings hat ihr Finanzminister Bezalel Smotrich bereits gefordert, den Litani-Fluss im Libanon zur neuen Nordgrenze Israels zu machen – damit würde Israel völkerrechtswidrig expandieren. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft Israel Zwangsumsiedlungen und Kriegsverbrechen vor, die Regierung breche das Völkerrecht.

Nun ist es nicht so, als ob über das brutale Vorgehen der israelischen Armee nicht berichtet würde, auch in deutschen Medien. Die Recherche im Kriegsgebiet ist zwar gefährlich, aber möglich, auch ohne die Bewachung durch einen Militärkonvoi. Damit unterscheidet sich der Libanon von dem streng abgeriegelten und für Journalisten tödlichen Gaza-Streifen. 

Viele Informationen lassen sich auch zusammentragen, ohne den Redaktionsschreibtisch zu verlassen. Das zerstörerische Vorrücken ist gut dokumentiert, unter anderem von UN-Organisationen. Die „New York Times“ hat Satellitenbilder ausgewertet, die die Zerstörung von Grenzdörfern und den Einsatz von giftigem weißem Phosphor zeigen. Der öffentlich-rechtliche US-Sender NPR sprach mit libanesischen US-Amerikanern, die im Libanon imposante Villen besaßen, bevor diese zerstört wurden.

NPR-Bericht: Foto von vierstöckiger Villa mit Pool und Palme, Familie im Wasser, Überschrift: „Dream home for the family“
Bericht des US-Senders NPR über die Villen von US-Bürgern im LibanonScreenshot: NPR

Es gibt sie, die guten Recherchen

Für die „Zeit“ war die freie Journalistin Andrea Backhaus in der historischen Hafenstadt Tyros, traf dort auf eine „Geisterstadt“, weil so viele Menschen „evakuiert“ wurden. Klare Worte fand in der „Zeit“ im Mai auch ein von ihr interviewter Politikwissenschaftler: 

„[Die israelische Armee] stellt sicher, dass die Orte, die sie einnimmt, nicht mehr bewohnbar sind. Sie bestraft eine ganze Bevölkerungsgruppe. Israels Regierung schafft so Fakten.“

Im „Spiegel“ beschrieb Christoph Reuter mehrfach die israelische Strategie und die Kritik daran, unter anderem in dieser ausführlichen Geschichte. Die „Süddeutsche Zeitung“ erstellte unter anderem eine aufwendige Multimedia-Story zu der „entvölkerten Zone“, die Israel im Südlibanon schaffen will. 

Man kann deutschen Redaktionen also nicht vorwerfen, das Vorgehen der israelischen Armee zu ignorieren. Wer sucht, findet einzelne Analysen und Recherchen, auch deutliche Kritik und anschauliche Schilderungen. Doch warum gibt es gleichzeitig so viele Texte, die das Vorgehen der Armee beschönigen, verharmlosen und ignorieren?

Neben den großen Recherchestücken stehen unzählige Medienberichte, die die Kritik an dem illegalen Vorgehen der israelischen Armee einfach ausblenden. Dutzendfach berichteten Redaktionen in den vergangenen Monaten, dass Israel „gezielt“ gegen Terroristen vorgehe, dass die Bevölkerung gewarnt und „evakuiert“ werde, dass es um die Schaffung einer „Pufferzone“ gehe. So steht es in Agenturmeldungen, Nachrichten und Berichten.

Israelischer Beschuss auf das libanesische Dorf Kfarbenit am 31. Juli 2026
Standard-Bildmotiv in deutschen Medien aus dem SüdlibanonFoto: Imago/JNA Press

Fast wirkt es paradox: Einerseits gibt es die Recherchen und Korrespondentenstücke über mutwillige Vertreibungen und zerstörte Lebensgrundlagen. Es gibt die Journalistinnen und Journalisten, die sich in ihren Beiträgen merklich um Differenzierung bemühen. Andererseits stehen vor allem in kürzeren nachrichtlichen Texten immer wieder unkritisch die Behauptungen der israelischen Regierung, vor allem die Hisbollah zu bekämpfen. Zweifel daran landen meist in den letzten Absätzen der Beiträge – wenn überhaupt.

Immer wieder fehlen Infos

Es wäre ein eigenes Forschungsvorhaben, herauszufinden, welche Textformen in welchen Medien besonders häufig betroffen sind. Aber Beispiele finden sich quer durch die deutsche Medienlandschaft.

Zum Beispiel in der „Zeit“: Sie berichtete am 21. Juli darüber, dass die libanesische Armee die Kontrolle in einem Ort im Südlibanon übernommen hat. Der Ort ist einer der sogenannten Pilotzonen, in denen Israel offiziell die Kontrolle zurück an die libanesische Regierung übergeben will. 

Anwohner berichteten der dpa allerdings, dass die israelische Armee diese Gebiete vorher gar nicht kontrolliert, sondern nur beschossen hätte. Diese wichtige Zusatzinfo fehlt im Text. Falls sie stimmt, ist die Übergabe dieser Pilotzonen gar kein echter Rückzug der israelischen Armee, auch wenn es in der Berichterstattung so klingt.

Auch sonst stecken in dem „Zeit“-Artikel jede Menge Euphemismen für das Vorgehen der israelischen Armee. Die Truppen seien im Südlibanon „stationiert“, heißt es oben im Text. Immerhin ist später von einer Besatzung die Rede: „Israel hält besetzte Gebiete im Südlibanon und setzt dortige Angriffe auf die Hisbollah trotz der seit Juni geltenden Waffenruhe fort.“ Auch hier also die unkritische Behauptung, Israel greife ausschließlich die Hisbollah an. Die vielen getöteten Zivilisten bleiben unerwähnt.

Probleme vor allem in Nachrichtentexten

Das Problem tritt besonders oft in Texten auf, die auf aktuellen Agenturmeldungen beruhen, also wenig Eigenrecherche enthalten. Auch der „Zeit“-Text ist am Newsdesk entstanden. 

Ein anderes Beispiel findet sich in der „taz“. Für das Blatt berichtet regelmäßig die freie Journalistin Julia Neumann aus Beirut. Sie erfuhr Anfang August von einer Gemeindeverwaltung im Süden Libanons, die israelische Armee habe dort 1,4 Millionen Quadratmeter Olivenbäume niedergebrannt. Nachzulesen ist das in der „taz“ selbst, wo man folglich weiß, was die Besatzung der israelischen Armee konkret bedeutet, auch dank älterer Texte zum Thema. 

Trotzdem brachte das Blatt Ende Juli einen oberflächlichen Bericht über gesprengte Hisbollah-Tunnel. Der Artikel zitiert ausführlich die israelische Regierung, bis hin zu dem anschaulichen Detail, dass für die Sprengung 700 Tonnen Sprengstoff gebraucht wurden. Erst im letzten Absatz steht kurz, dass im Libanon schon 4000 Menschen getötet wurden und die Armee auch ganze Dörfer zerstört. Es fehlt jede Erklärung, was dieses Vorgehen bezwecken könnte. Schon durch Aufbau und Gewichtung des Textes bleibt beim Lesen vor allem hängen, dass die Armee in erster Linie Hisbollah-Stellungen zerstört.

Ähnlich problematisch ist eine dpa-Meldung vom 9. Juli mit dem Titel „Israel: Truppen bleiben vorerst im Südlibanon“. Sie vermeldet Äußerungen des israelischen Verteidigungsministers: Israel werde in einer selbst definierten ‚Sicherheitszone‘ im Libanon verbleiben und von dort aus so lange wie nötig operieren, bis die Hisbollah im gesamten Libanon entwaffnet und die Bedrohung für die Bewohner Nordisraels beseitigt sei. „Bleiben“, „operieren“ statt „besetzen“ oder „zerstören“: Das euphemistische Vokabular bleibt ohne Einordnung stehen. Nur im letzten Absatz steht pflichtschuldig, dass der Libanon und die Hisbollah das als völkerrechtswidrige Besatzung ablehnen.

Es scheint, als fehle vielen Journalisten die Neugier und das Interesse, zu erfahren, was genau die israelische Armee im Libanon vorhat und veranstaltet. Stattdessen wird verlautbart, was Israels Regierung selbst dazu zu sagen hat, und mit Todeszahlen von libanesischer Seite ergänzt. Diese Art von Berichterstattung ist weder gründlich noch anspruchsvoll.

Sonderfall Springer

Besonders auffällig ist in diesem Zusammenhang die „Welt“, die sich wie alle Springer-Medien dem Existenzrecht Israels verpflichtet hat. Diese Maxime übersetzt die Redaktion in extrem unkritische Berichte über die israelische Armee, bis hin zu direkter Propaganda.

Mitte Juni erfuhren „Welt“-Leser beispielsweise in einem Text über vier von der Hisbollah getötete Soldaten, dass israelische Minister „tausendfache Rache“ forderten. „Für jede Träne einer israelischen Mutter müssen tausend libanesische Mütter weinen“, heißt es in dem Artikel, der fast ausschließlich aus Zitaten  israelischer Regierungsmitglieder besteht: „Der ganze Libanon muss brennen“, „Man muss Amok laufen. Vernichten. Den Terror zerschlagen“, und Ähnliches mehr.

„Welt“-Artikel mit der Überschrift „Zeit, die ‚Pforten der Hölle zu öffnen‘ – Israelische Minister fordern tausendfache Rache“
Zitate der israelischen Regierung in der „Welt“Screenshot: „Welt“

Eine einzige vermeintliche Einordnung liefert ein Einschub mit aktuellen Todeszahlen: 35 Soldaten auf israelischer Seite, 18 Menschen auf libanesischer. Wobei die Zahlen manipulativ sind: Die israelischen Toten seit März werden mit den libanesischen Todesopfern in einer einzigen Nacht verglichen. 

Opfer bleiben oft gesichtslos

Diese Einseitigkeit von Springer ist in der deutschen Medienlandschaft ein Sonderfall. Und offensichtlich ist auch, dass die Redaktionen seit der katastrophalen Gaza-Berichterstattung dazugelernt haben. Vor allem in den ersten Monaten nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober berichteten Medien zu Recht viel über die israelischen Opfer und Geiseln, gleichzeitig aber auffällig unvollständig, einseitig, voreingenommen und empathielos über die rapide steigenden Opferzahlen in Gaza. 

Einiges hat sich seitdem gebessert. Propaganda-Begriffe wie die geplante „Sicherheitszone“ stehen meist in Anführungszeichen, Aussagen der israelischen Regierung werden öfter eingeordnet. Kritik am israelischen Militär ist viel präsenter als in den ersten Wochen und Monaten nach dem Einmarsch in Gaza. Die „Tagesschau“ hat im Juni über getötete Minderjährige im Westjordanland berichtet, das ZDF über Vorwürfe möglicher Kriegsverbrechen Israels im Libanon. 

Und trotzdem sind die Vertreibungen, Zwangsumsiedlungen und Zerstörungen im Südlibanon weiterhin kein „Common Knowledge“, weder in den Redaktionen, noch in der deutschen Öffentlichkeit. Die Ziele und Methoden der israelischen Armee werden in der Berichterstattung viel zu oft ausgeblendet.

Für die Zuschauer und Leser ist es wiederum leicht, über das Leiden im Libanon nicht allzu gründlich nachzudenken. Das liegt auch daran, wie Kriegsberichte generell funktionieren, auch bei Texten über die Ukraine oder den Sudan. Vor allem in kurzen Nachrichtenmeldungen und Berichten bleiben die Opfer von Konflikten meist gesichtslos. Es geht hauptsächlich  um die Verhandlungen und Taktierereien auf der großen politischen Bühne, mit Trump, Iran und Netanjahu. Meldungen über Gewalt klingen oft merkwürdig steril: aneinandergereihte Todeszahlen auf israelischer und libanesischer Seite, ohne Kontext und Einordnung.

Die Fotos dazu zeigen oft nur Rauchwolken über Hügeln, dazwischen weit entfernte Häuser, manchmal auch den Schutt ehemaliger Gebäude. Bewohner, Vertriebene, Gesichter kommen selten vor. Gleichzeitig werden immer wieder die Tunnel und Waffen der Hisbollah gezeigt. Auch das trägt dazu bei, dass die israelische Sichtweise in der Öffentlichkeit viel präsenter ist als die der vertriebenen Libanesinnen und Libanesen.

Woran liegt’s?

Die Ursachen für diese selektiven Berichte lassen sich nicht so leicht bestimmen. In Gesprächen mit Journalisten tauchen immer wieder die gleichen Vermutungen auf, die sich aber kaum belegen lassen. In manchen Redaktionen gebe es eine falsch verstandene Solidarität mit Israel. Andere Redaktionen seien verunsichert, weil Kritik an Israel bei manchen Akteuren grundsätzlich Empörung und Antisemitismus-Vorwürfe triggern. Auch Rassismus könnte eine Rolle spielen, wenn das Leid einzelner Gruppen unterschiedlich schwer gewichtet wird, bewusst oder unbewusst. Mitgefühl ist zwar kein formaler Nachrichtenfaktor, kann bei der Auswahl von Nachrichten aber natürlich eine Rolle spielen. Hinzu kommt, dass die öffentliche Debatte zum Nahost-Konflikt einem Schlachtfeld gleicht, das Akteure von allen Seiten mit ihrer Propaganda beeinflussen wollen.

Manches an der mangelhaften Libanon-Berichterstattung ist nachvollziehbar: Der Krieg zwischen Iran und USA beanspruchte zuletzt viel Aufmerksamkeit, die Budgets für Auslandsberichterstattung schrumpfen und die Hörer- und Leserschaft ist erschöpft von den blutigen Kriegsberichten aus der Ukraine und Gaza.

Medienvertrauen leidet

Trotzdem sind Redaktionen verantwortlich dafür, wie sie Themen gewichten – und für die nachlässigen Berichte aus dem Libanon zahlen sie mutmaßlich einen hohen Preis. Laut einer NDR-Umfrage hatten 2024 fast die Hälfte der Befragten wenig oder kein Vertrauen in die Nahost-Berichterstattung. Auch in einer Studie der Uni Mainz zeigte sich, dass beim Thema Gaza besonders wenig Menschen den Medienberichten trauen. Vielleicht auch, weil auf Instagram und Co. täglich dramatische Ereignisse und großes Leid zu sehen sind, die in klassischen Medien nicht vorkommen und kaum eingeordnet werden.

Und damit noch einmal zurück zu dem Tunnel mit Hisbollah-Drohnen, den es inzwischen gar nicht mehr gibt. „Israelische Armee zerstört Hisbollah-Tunnel“, meldete die „Tagesschau“ rund eine Woche nach dem Beitrag über den Tunnelbesuch. Dass Soldaten durch ebendiesen Tunnel wenige Tage vorher noch Journalisten geführt hatten – darunter den ARD-Korrespondenten –, erwähnte die Sprecherin nicht. 

„Noch so ein Tunnel“, mag der Fernsehzuschauer denken – ein Grund mehr also, dass die israelische Armee jetzt hart durchgreift. Verschwommene Aufnahmen zeigten zwei eindrucksvolle Explosionen, also typische Militärpropaganda ohne Einordnung. Das Hintergrundbild der Meldung sah aus wie immer: grüne Hügel und braune Häuser. Keine Menschen.

36 Kommentare

  1. „Andere Redaktionen seien verunsichert, weil Kritik an Israel bei manchen Akteuren grundsätzlich Empörung und Antisemitismus-Vorwürfe triggern.“

    Wir werden sicher bald wissen, ob da etwas dran ist, könnte ich mir denken.

  2. Man kann nicht oft genug versuchen, klarzustellen, dass Kritik an Israels Regierung, Militär oder Teilen der Bevölkerung und Antisemitismus ziemlich unterschiedliche Dinge sind und nicht einmal eine Schnittmenge haben müssen.

  3. Moment mal:
    als langjährigem Übermedien Abonnenten nervt mich der Tenor bei der Israel Berichterstattung.
    Was soll bitteschön an dem Einmarsch der Israelischen Armee im Südlibanon illegal sein? Wer postuliert solch einen Unsinn?
    Der Einmarsch der IDF im Südlibanon ist völlig logisch, nachdem Israels Norden seit dem 7 Oktober 2023 mit tausenden Raketen beschossen wurde.
    Jedes Land der Welt hat das Recht, in Gebiete einzumarschieren, von wo aus es bedroht wird!
    Der Südlibanon hätte seit 2006 längst entmilitarisiert sein müssen, denn dies wurde mit der Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates, die am 11. August 2006 einstimmig verabschiedet wurde beschlossen.
    Unter dieser Voraussetzung hatte sich nämlich damals Israel wieder aus diesen Gebieten zurück gezogen.
    Die libanesische Armee war jedoch zu schwach, um dies durchzusetzen gegen die vom Iran unterstützte Hezbollah.
    In der Zwischenzeit hat auch die Weltgemeinschaft in Form von UNIFIL versagt, denn sie hat unter ihren Augen zugelassen, dass die Hezbollah das Gebiet an der Nordgrenze wieder komplett militarisiert hat.
    Die Einbettung militärischer Strukturen in zivile Strukturen ist eine der Kernstrategien Islamistischer Milizen: sie wollen den Blutzoll erhöhen und den moralischen Druck auf Israel multiplizieren. Menschen, die seit Jahrzehnten im Westen in Frieden leben, lassen sich so sehr leicht emotionalisieren und manipulieren. Weil sie die Realität der Bedrohung Israels schlicht nicht nachvollziehen können.

    Wer sehenden Auges ignoriert, welche Akteure im Mittleren Osten offen die Existenz Israels bedrohen, kann dann auch leichtfertig Israels Gegenmaßnahmen diffamieren. Aus einer humanistischen Perspektive heraus.

    Wem dies egal ist und wer gerne moralisiert, darf gerne so weiter machen.
    Die Realität und die Fakten sind eine Sache, Narrative sind eine andere. Ich mag keine Narrative mehr, seitdem ich mich ohne ideologische Scheuklappen dem Thema zugewandt habe. Ich finde es schade zu sehen, dass die Bürger Israels Jüdische und Muslimische) hier in Deutschland offensichtlich sehr wenig Solidarität erfahren.

    Ja, Kritik an der Regierung von Netanyahu und einigen rechten Ministern in seinem Kabinett sind nicht automatisch Antisemitismus. Es ist jedoch irre, wer sich hier alles ins Zeugs wirft, um Israel, Zionismus, die Siedler zu kritisieren, obwohl die Kritiker oft nur über sehr rudimentäres Wissen verfügen. Eben nur so viel, wie es den eigenen Narrativen entspricht und passt.

    Schade.

    Besten Gruß aus Freiburg,
    (gerade zurück aus Israel und der Westbank)

    Wendelin Ackermann

  4. Werden in der Berichterstattung wirklich das legitime Interesse eines souveränen Staates, sein eigenes Gebiet zu kontrollieren, und die dreiste Förderung eines Mörders, seine Opfer sollten gefälligst still halten, gleich gesetzt?
    „… dass Libanon und Hisbollah das als völkerrechtwidrig ablehnen.“ klingt nämlich sehr danach.

  5. #Wendelin Ackermann – Danke. Seit mehr als 76 Jahren muss sich der jüdische Staat gegen feindliche Staaten und barbarische Terrororganisationen wehren. Im Gaza-Streifen und im Südlibanon gibt Israel nun teilweise die stets international lautstark geforderte Zurückhaltung gegenüber einer Zivilbevölkerung auf, die nicht nur die Terrororganisationen weitgehend unterstützt hat, sondern auch ein Schlüssel für ihre Strategie war: Israel zu zwingen, sie entweder nur sehr begrenzt anzugreifen oder aber auch Zivilisten zu treffen – was dann genutzt wird, um die Israelis als Kriegsverbrecher hinzustellen. Das begierige Aufgreifen dieser Vorwürfe in Europa und anderswo zeugt natürlich von nichts anderem als von der modernen Variante des 2000 Jahre alten Antisemitismus.

  6. Übrigens, Herr Trankovitz:

    Die „Zurückaufhaltung gegenüber einer Zivilbevölkerung auf“geben ist in 99,9% geradezu die Definition für den Begriff „Kriegsverbrechen“. Es gibt nur wenige andere Dinge, die noch in Frage kämen.

    Man erkennt übrigens auch daran, wie sehr eine Regierung darauf aus ist, das Völker- und Menschenrecht mit Füßen zu treten, wie oft darauf hingewiesen wird, dass ihr Staat ein Leuchtturm der Zivilisation in einer barbarischer Region sei. Wenn man das liest, heisst es genau hinzuschauen.

  7. Danke für den Artikel, an dem jeder Antisemitismus-Vorwurf aufgrund seiner faktenbasierten Argumentation abperlt.

  8. Da es sonst niemand macht:
    @Wendelin Ackermann:

    Sie beginnen Ihren Kommentar mit einem Strohmann und verschieben zunächst die Torpfosten. Israels Recht auf Selbstverteidigung wurde in dem von Ihnen kritisierten Artikel überhaupt nicht bestritten. Die Frage ist eine andere: Ein Recht auf Selbstverteidigung ist kein Freibrief für die Art und Weise, in der Selbstverteidigung ausgeübt wird.

    Wenn es Ihnen schwerfällt, das konkrete Vorgehen der IDF zu verteidigen, wechseln Sie kurzerhand auf eine Ebene, auf der Ihnen die Verteidigung leichter fällt: vom „Wie“ des Vorgehens zum grundsätzlichen „Ob“ eines israelischen Militäreinsatzes. Ein Klassiker.

    Bemerkenswert ist zudem Ihre Selbstimmunisierung durch die Behauptung der eigenen Unideologisiertheit. Sie beschreiben sich als jemand, der sich „ohne ideologische Scheuklappen“ mit dem Thema beschäftigt und keine „Narrative“ mehr mag. Damit stellen Sie Ihre eigene Position als unmittelbaren Zugang zu „Realität und Fakten“ dar, während die abweichenden Positionen als Narrative, Ideologie, Emotionalisierung, Manipulation oder Ausdruck „rudimentären Wissens“ erscheinen.

    Wie praktisch: Wer die eigene Position zur Realität und die Position des Gegenübers zum Narrativ erklärt, muss die eigene Perspektive schon gar nicht mehr als Perspektive begründen.

    Das ist eine klassische Rhetorik der Objektivität – oder, zugespitzt, eine „Ideologie der Ideologiefreiheit“. Sie werfen anderen vor, durch Narrative den Blick auf die Realität zu verstellen, während Sie selbst selbstverständlich ebenfalls auswählen, gewichten und interpretieren. Der entscheidende Unterschied besteht lediglich darin, dass Sie Ihre eigene Interpretation nicht als Narrativ bezeichnen.

    Und auch Ihre eigene Perspektive verdient Kontext. Sie schreiben aus der Position eines Menschen, der aus der Westbank kommt – einem Gebiet, in dem seit Jahren sowohl internationales Recht als auch in bestimmten Fällen israelisches Recht durch Siedler verletzt wird und solche Verstöße immer wieder nur unzureichende Konsequenzen haben. Gerade vor diesem Hintergrund wäre etwas mehr Skepsis gegenüber der eigenen Perspektive und etwas weniger Gewissheit darüber, wer hier „die Realität“ und wer lediglich „Narrative“ sieht, durchaus angebracht.

  9. „Die Hisbollah missbrauche das Dorf als menschliches Schild, sagt …“
    Was ist denn drauf zu sehen, auf dem Schild, „Durchfahrt verboten“?
    Wie wäre es mit „menschlichen“ Schild? Danke!

  10. Um mal auf die Ebene zurückkommen, dass es hier nicht um Israelkritik, sondern Medienkritik geht: warum werden keine Militärexperten interviewt, die zur Frage Stellung beziehen äääh, nehmen, ob man wirklich ein ganzes Dorf zerstören muss, um die Hisbollah zu vertreiben, vielleicht hätte das halbe Dorf ja gereicht?
    Oder welche legalen Möglichkeiten hätte Israel?
    Oder was sagt der Iran dazu?

    Klar haben zumindest einige Medien einen israelfreundlichen Bias, aber die Hisbollah könnte ja einfach selbst enbeddeden Journalismus anbieten. Gleiches Recht für alle.

  11. Die joviale Menschenfeindlichkeit von Konservatives-Feuilleton-Man ist mal wieder bemerkenswert.

    „Zurückhaltung gegenüber einer Zivilbevölkerung aufgeben (…)“

    aka.

    „mindestens 71.667 Tote (ohne Unterscheidung zwischen Zivilisten / Kämpfern)
    davon Kinder: 20.179
    davon Schüler und Studenten: >16.879
    davon Frauen: 10.427
    davon medizinisches Personal: >1.700
    davon Bildungsfachkräfte: 734
    davon UNO-Personal: 388
    davon Presse- und Medienvertreter: 258
    171.343 Verletzte“

    Seit 2023.
    Also von einer „Aufgabe der Zurückhaltung“ kann eh nicht gesprochen werden, dafür hätte es in erster Linie eine Zurückhaltung geben müssen.

    „Die Zahlenangaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums in Gaza bzgl. Toten und Verletzten können nicht unabhängig überprüft werden, wurden aber unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation (die eine Organisation der Vereinten Nationen ist) als glaubwürdig eingestuft, da die Zahlen in der Vergangenheit zuverlässig gewesen seien.“

    Hierzu hat auch der Eigenbuchverkäufer Fabian Goldmann mehrere Beitrag gemacht:
    Thema Israelkonflikt in den Medien:
    https://www.schantall-und-scharia.de/framing/
    (Kritisiert das Narrativ, das u. A. auch Wendelin Ackermann hier reproduziert)
    Thema „Menschliche Schutzschilde“:
    https://www.schantall-und-scharia.de/hamas-schutzschilde/
    Thema „Palästinensisches Gesundheitsministerium als unglaubwürdige Quelle“:
    https://www.schantall-und-scharia.de/hamas-angaben/

    Ja, Fabian Goldmann will nur sein Buch verkaufen, aber das will Konservatives-Feuilleton-Man ja auch nur.

    Für den durchschnittlichen deutschen Medienkonsumenten nur schwer zu ertragen und Ambiguitätstoleranz ist Pflicht:
    https://www.youtube.com/watch?v=DvDvhLkb9ms
    von „Professor Dave Explains“, Videotitel „Destiny loves Genocide“
    Auch mir gehen hier einige Thesen zu weit, aber es lohnt sich dennoch m. E. zur Horizonterweiterung. Der Dave Farina kommt eigentlich aus der Pseudoscience-Debunking Ecke und argumentiert immer wissenschaftlich, aber aggressiv und sehr sehr klar. Am Ende sagt er auch was zum Wort „Antisemitismus“, dem ich durchaus folgen kann.
    Dass der Staat Israel die größte Bedrohung für Juden sei, hört man ja auch aus jüdischer Richtung immer wieder, ich werfe mal Elhanan Beck als Suchbegriff rein.
    Auch auf Louis Theroux’s „The Settlers“ Dokumentation sei noch mal hingewiesen.

    Aber die Kritiker sind ja eh alle dumm und haben keine Ahnung, wie #3 ja bereits feststellte. So muss man sich auch die Inhalte nicht anschauen oder gar seine Meinung überprüfen.

  12. Danke, Wendelin Ackermann.
    Der mediale Bias ist mehrheitlich Aggressor Israel und Opfer Araber. Für die gebildeten Schichten abgemildert zu Israel reagiert viel zu hart auf die Barbarei seiner Nachbarn.

    Normalerweise ist die Reihenfolge Actio – Reactio.
    Nicht im Nahen Osten.
    Dort schießt, bombardiert, tötet Israel. Vorangegangen war …

    Shit happens, das ja. Nicht jeder hat immer einen guten Tag. Aber wenn das schon jahrelang so geht, kann man das unter Zufall verbuchen?
    Kommt so eine Niedertracht wie
    Israel erwidert trotz neuer Waffenruhe Beschuss aus Gaza
    nur durch Zufall zustande, und nicht etwa durch eine gewisse Vorspannung?

  13. #10
    „Da es sonst niemand macht: …“

    Beobachtung korrekt, Schlussfolgerung zweifelhaft, würde ich jetzt mal so frech sagen, da haben #8,#9 souveräner agiert. Aber wenn es Ihnen Freude macht…

  14. Nun kommt gleich der nächste „Freund“ Israels aus der Deckung und zeigt sich von der Komplexität der Situation drastisch überfordert.

    Für FrankD heißt es nur: Team Israel oder Team „Araber“ (sic!).
    So weit, so unterkomplex, so weit, so rassistisch.

    Und exakt das ist das Problem: Die Anerkennung von Ambiguität wird als Verrat geframt. Bestenfalls wird noch großmütig angeboten, Kritik an Netanjahu oder seiner Regierung nicht gleich als Antisemitismus zu bezeichnen. Große Seele!

    Derweil feiert Smotrich mit einer Torte in der Knesset ein Gesetz, das die Todesstrafe für palästinensische Terroristen vorsieht – nicht aber für Israelis, die Palästinenser töten.

    Aber was ist das Interesse Israels?

    Netanjahu braucht die Konflikte, um seine Regierung an der Macht zu halten. Schon seine Unterstützung der Hamas, um sie gegen die PLO in Stellung zu bringen, illustriert diesen Politikstil.

    In den USA ist nun erstmals seit der Gründung Israels die Zahl derjenigen, die Palästina unterstützen, größer als die Zahl derjenigen, die Israel unterstützen (41 % zu 36 %, Quelle: Gallup, April 2026). AIPAC findet offenbar keine demokratischen Politiker mehr, die Spenden von der Organisation annehmen wollen, und auch bei der GOP nimmt das Interesse, gemeinsam mit Israel genannt zu werden, rasant ab.

    2023 waren laut einer Umfrage des Senders NBC nur 37 % der US-Amerikaner negativ gegenüber Israel eingestellt; im April dieses Jahres waren es bereits 63 %.

    Selbst bei den Evangelikalen sind es offenbar nur noch die älteren Jahrgänge, die unverbrüchlich hinter Israel stehen.

    Die Auswirkungen auf die Region, sollte sich die USA dazu entschließen, Israel fallen zu lassen, kann sich jeder selbst ausmalen.

    [Zahlen und Fakten aus: https://www.youtube.com/watch?v=Nzu-JT3m9Ts%5D
    @Peter Sievert
    Ich sehe natürlich, was Sie meinen. Trotzdem würde ich diese Zurückhaltung nicht als Tugend werten.

  15. Sorry ein dicker Fehler:
    „2023 waren laut einer Umfrage des Senders NBC nur 37 % der US-Amerikaner negativ gegenüber Israel eingestellt; im April dieses Jahres waren es bereits 63 %.“
    Das bezieht sich auf die US-Amerikaner unter 55 Jahren, also die „jüngeren“ US-Amerikaner.

  16. @Anderer Max:
    Der Staat Israel (nicht: seine akute Regierung) soll eine größere Bedrohung für Juden sein als bspw die Hisbollah, die Juden in Nordisrael seit Jahrzehnten mit Raketen beschießt?
    Ist das überhaupt völkerrechtlich ok? Verspielt die Hisbollah damit nicht alle ihre Sympathiepunkte?
    Besteht nicht die Gefahr, dass der Libanon dadurch destabilisiert wird?

  17. Menschliche Schutzschilde

    https://scispace.com/pdf/killing-in-the-name-of-islam-al-qaeda-s-justification-for-5e3oxur26a.pdf

    KILLING IN THE NAME OF ISLAM: AL-QAEDA’S JUSTIFICATION FOR SEPTEMBER 11
    Quintan Wiktorowicz und John Kaltner

    Auf Seite 15 heißt es:

    „Condition Six: Human Shields
    Al-Qaeda argues that it is permissible to kill women, children and other protected groups if the enemy uses them as human shields (turs). Although the religious evidence for this is not outlined in the document, it seems to derive from a fatwa by the medieval Islamic jurist Ibn Taymiyya that is widely cited by jihadis:
    The Islamic scholars have unanimously agreed that when the Kafir [unbeliever] takes Muslims as human shields, and the Muslims fear defeat if they do not attack, then it becomes permissible to fire, but we aim at the Kafir. Some scholars have said that it is permissible to fire even if ceasing fire will not form any kind of danger to Muslims.“

    Das Konzept, Zivilisten zu menschlichen Schutzschilden zu erklären und ihnen dadurch ihren Schutzstatus abzusprechen, ist allerdings nicht neu.

    Auf diesen Zusammenhang stieß ich, als ich mich mit Aimen Dean beschäftigte, einem ehemaligen Mitglied von al-Qaida, der sich später von der Organisation abwandte und schließlich für den britischen Geheimdienst tätig wurde. Ausschlaggebend für seinen Ausstieg war unter anderem genau jene Argumentation, mit der al-Qaida die zahlreichen zivilen Opfer des Anschlags auf die US-Botschaft in Nairobi gegenüber ihm rechtfertigte.

  18. @ #19: Ich habe dabei auch etwas Bauchschmerzen und kann dem nicht ganz folgen.
    Aber ich sage das ja auch nicht, sondern wollte nur darauf hinweisen, dass das Rabbis aus Israel selbst sagen. Die Begründung ist halt, falls Sie sich mal den Elhanan Beck angehört haben, dass Judentum nicht gleich (politischer) Zionismus sei und dass durch die Vereinnahmung aller Juden durch den regierenden Zionismus eben die Gefahr für generellen Judenhass steigt, obwohl es eigentlich Hass auf zionistische Politik sein müsste. Zudem bedrohe der Krieg selbst Juden eben auch direkt, egal ob sie der zionistischen Politik folgen, oder nicht.
    Ich persönlich stecke da nicht genug drin, um das beurteilen zu können. Aber wenigstens die Information, dass solche Positionen existieren, sollte man zur Kenntnis nehmen.
    Raketenbeschuss der Hisbollah ist natürlich nicht wegzudiskutieren, will ich auch nicht. Aber auch da lohnt es sich, die Quantitäten anzuschauen, meine ich: https://en.wikipedia.org/wiki/Hezbollah%E2%80%93Israel_conflict_(2023%E2%80%93present)
    Wie in Gaza auch sind die Relationen der „Vergeltung“ völlig verschoben.

    Noch kurz zu dem Prof. Dave Video, das ich oben postete, hier die Debunking-Antwort der angegriffenen Partei (Destiny / Pangburn): https://www.youtube.com/watch?v=davMEXz_wfk
    Mich hat das nicht überzeugt, muss ich ehrlich sagen. Vor Allem der Bereich um die „Snipers“ und um „weißes Phosphor“ gehen m. E. völlig am Thema vorbei bzw. bestätigen sogar, dass der Prof. Dave mit seinen Thesen dazu durchaus Recht hatte. Stilistisch ist das Video ein Graus – Der Presenter liest einfach eine Auswertung vor, die ein LLM gemacht hat.

  19. Danke für Kommentare, Gedanken und Links zu dem Thema. Ich lese alles und beschäftige mich immer auch mit Kritik an meinen Texten.
    Die Debatte jetzt bitte hier wieder zurück zum Thema Medienkritik. Für allgemeinere Diskussionen scheint mir das nicht der richtige Ort.
    Grüße aus der Redaktion
    Annika Schneider

  20. @ #15: Sie haben ja durchaus Recht mit Aktion – Reaktion. Nur geht das Argument nach hinten los, wenn man das ganz durchspielt und in 1948 ankommt. Und dann kann man zurückgehen bis 1000 v. Christus. Das ist ja immer das Problem mit solchen langanhaltenden Konflikten. Will nur sagen: Das „ich habe einen historischen Anspruch“ Argument benutzen ja beide Seiten. Zur Lösung des Konflikts wird dieses Argument also nicht beitragen können.

    „Der mediale Bias ist mehrheitlich Aggressor Israel und Opfer Araber. “
    Ja? Nehme ich nicht so wahr. Meist geht es in der Berichterstattung ja eher um Verhältnismäßigkeit. Dass Israel auf eine „Aggression“ reagiert (hat), ist m. E. unstrittig. Die Frage ist ja eher, ob ich in 3 Jahren Krieg mehr als 70.000 Menschen dafür töten muss.
    Wann ist der Angriff vom 07. Oktober 2023 vergolten? Das Frage ich mich. Und wenn ich mir die israelischen Statements dazu ansehe, dann scheint es gar nicht mehr um Vergeltung (oder gar Geiseln) zu gehen, sondern um Vernichtung.
    M. E. gibt es keine Guten in diesem Konflikt. Beide Seiten sprechen sich gegenseitig das Existenzrecht ab.

  21. „Vergeltung“ ist als Konzept nicht tragfähig. Es impliziert ja, dass man immer wieder bei Null anfängt.
    Aber, um auf die Medienkritik zurück zu kommen, warum lese ich quasi nie, welche völkerrechtlich korrekte Möglichkeiten Israel hat, um sich gegen die Hisbollah zu wehren? Oder meinetwegen, wie die Hisbollah Israel legalerweise abwickeln könnte?
    Für jeden Quatsch finden sich Experten, aber jemanden zum Thema Völkerrechtlich zu befragen, geht nicht, weil: Keks.

  22. Und der nächste Artikel bei Übermedien, der dem üblichen Schema folgt. Hier der Aggressor Israel, dort die Araber/Palästinenser als Opfer, die so gut wie nie als selbstbestimmte Akteure gezeichnet werden, sondern als Opfer der Umstände aus Besatzung, Unterdrückung oder „Verhungern lassen“.
    Ich habe überhaupt nichts dagegen, dass auf einem medienkritischen Portal solche medienkritische Artikel erscheinen wie der von Annika Schneider. Vielmehr erwarte ich das und weil Übermedien hier viele Jahre lang herausstach, – mit der Ausnahme der Berichterstattung zu den Konflikten im Nahen und Mittleren Osten, insbesondere wenn es um Israel ging – habe ich auch mit Überzeugung meinen kleinen finanziellen Beitrag geleistet.
    Ich bin bei dem genannten Thema also seit langem sehr unzufrieden über die Einseitigkeit hier auf diesem kleinen, aber sehr feinen Portal.
    Vor längerem habe ich mich mal an einer Debatte im Kommentarbereich beteiligt, in dem ich auf bestimmte Aspekte hingewiesen habe, die für eine medienkritische Betrachtung aus meiner Sicht sehr interessant gewesen wären. Da ging es um die Fragen: a.) Zahl der Opfer im Gaza-Krieg und das Verhältnis von Militanten und Kombattanten zu den zivilen Opfern, b.) um das Thema einer angeblich absichtlich von Israel herbeigeführten Hungersnot oder c.) der Behauptung, Israel würde gezielt Journalisten töten.
    Gerade haben die UN höchstselbst Zahlen veröffentlicht, die die Behauptung einer Hungersnot ins Märchenland verweisen und hat die immer wieder zitierte internationale Journalistenvereinigung in aller Stille immer mehr Namen von angeblichen Journalisten aus ihrer Aufzählung entfernt, weil es so gar nicht mehr zu bestreiten war, dass diese Hamas oder PIJ Mitglieder waren.
    Es ist für mich so gar keine Überraschung mehr, dass dies nicht von Übermedien aufgegriffen und einer medienkritischen Analyse unterzogen wird.
    Dieser Umgang widerspricht auch der bei #22 von Annika Schneider behaupteten selbstkritischen Befassung. Diese kann ich tatsächlich an keiner Stelle erkennen!

    Interessant ist aber, dass ich im Zuge der seinerzeitigen Diskussion im Kommentarbereich aus der Redaktion privat angeschrieben wurde, mit dem Vorschlag, offene Fragen bilateral zu klären. Dem bin ich gerne nachgekommen.
    Auch hier habe ich wieder Vorschläge unterbreitet, welchen Themen sich Übermedien zuwenden könnte, auch um die Einseitigkeit aus meiner Perspektive ein wenig abzuschwächen.
    Leider und nicht überraschend ist da überhaupt nicht darauf eingegangen worden. Ich will an dieser Stelle gar nicht spekulieren, warum die kritische Auseinandersetzung auf Initiative aus der Redaktion aus dem Kommentar- in den persönlichen Bereich verschoben wurde, aber besser wurde dadurch gar nichts. Die Kritik war halt nicht mehr öffentlich zu sehen.

    Ich bin also desillusioniert und frustriert, so dass ich für Interessierte an dieser Stelle abschließend auf einen aktuellen Beitrag von Wolfgang Tietze, einem langjährigen Journalisten und Rechercheur, u.a. für den SPIEGEL, der seit vielen Jahren im Ruhestand ist, hinweisen möchte, der als Rentner die Arbeit erledigt, die von ARD, ZDF, SPIEGEL et. al einfach nicht geleistet wird. Leider auch nicht von Übermedien. Der Beitrag wurde auf der Seite des MilBloggers Joey Hoffmann veröffentlicht.

    https://steady.page/de/u-m/posts/6b957ba4-3d2c-4792-9cee-fee926de69d3

    Es ist zum Verzweifeln!
    Für mich war es das hier, auch weil ich bei mir beobachtet habe, dass ich viel seltener hier lese und angefangen habe mich zu fragen, ob diese Einseitigkeit auch bei anderen Themenkomplexen gegeben ist. Übersetzt: Die Glaubwürdigkeit ist doch ganz schön angekratzt bei mir…

  23. @ #25:
    „Gerade haben die UN höchstselbst Zahlen veröffentlicht, die die Behauptung einer Hungersnot ins Märchenland verweisen (…)“
    https://drive.google.com/file/d/1yfidZV6MXmsvobOKUbhsON5le5daATAc/view?pli=1
    Auf Seite 20 finden sich die „Key Messages“.
    Hierauf bezieht sich die Jüdische Allgemeine in ihrem Artikel vom 07.08.2026.
    Junge Welt nannte es heute „Zahlenspiele auf Kinderrücken“, den Artikel kann man durchaus auch mal lesen.

    Zu den Fragen:
    a) Wurde bisher nicht seriös erhoben, afaik.
    b) Zahlen s. o. – Wie viel Zynismus man zur Schau stellen will, muss jeder selbst wissen
    c) Die UN wirft das Israel vor, seit letztem September. Stichwort Anas Al-Sharif einfach mal bei übermedien suchen.

    Vorwurf „Einseitigkeit“:
    https://uebermedien.de/117991/wie-es-die-spins-des-iranischen-regimes-in-deutsche-medien-schaffen/
    https://uebermedien.de/90000/ohne-sehen-kein-verstehen-warum-die-grauenhaften-bilder-der-hamas-massaker-gezeigt-werden-muessen/
    etc.
    Es stimmt einfach nicht, dass übermedien einseitig sei. Zumal übermedien ja auch nur aufschreibt, wie sich die Medienlandschaft verhält. Da kann übermedien ja nichts für, zumal es nicht mal so ist.

    Zu dem Link, ich drücke es mal vorsichtig aus: Srsly?
    Der Wolfgang Tietze: https://www.wolfgangtietze.de/ ?
    Sorry, aber hier hinkommen und Neutralität schreien, dann aber so einen Blog verlinken?

  24. Zu #25:
    „Leider und nicht überraschend ist da überhaupt nicht darauf eingegangen worden. Ich will an dieser Stelle gar nicht spekulieren, warum die kritische Auseinandersetzung auf Initiative aus der Redaktion aus dem Kommentar- in den persönlichen Bereich verschoben wurde, aber besser wurde dadurch gar nichts. Die Kritik war halt nicht mehr öffentlich zu sehen.“

    Was Sie hier andeuten, ist nicht richtig. Natürlich können Sie Ihre Kritik weiter öffentlich äußern, wie Sie es hier auch tun. Ich habe Ihnen angeboten, zu telefonieren, weil der Austausch oft ein anderer ist als per Kommentarspalte/Mail. Dieses Angebot haben Sie nicht angenommen.

    Herzliche Grüße aus der Redaktion
    Annika Schneider

  25. @Michael (#25 13. August 2026 um 17:14 Uhr)
    Danke.

    @Anderer Max (#23 12. August 2026 um 14:02 Uhr)
    „Die Frage ist ja eher, ob ich in 3 Jahren Krieg mehr als 70.000 Menschen dafür töten muss.
    Wann ist der Angriff vom 07. Oktober 2023 vergolten?“

    Ich hätte nichts dagegen, wenn diese Fragen mal nicht nur gestellt, sondern auch diskutiert würden. Werden die aber nicht.

    In der Regel kommen die daher in Form rhetorischer Fragen, die den Inhalt „Die Israelis sind Mörder“ transportieren sollen.
    Vor 15 Jahren (oder so) haben die Palästinenser Israel kontinuierlich mit Raketen beschossen. Bis Tel Aviv kamen die nicht, aber für die in Aschkelon und rundrum war es der Horror. Mehrmals täglich Alarmsirenen, Abducken im Schutzraum, wieder rausgehen, Alarmsirenen …
    Diese Raketen wurden hier medial als „selbstgebastelt“ verniedlicht.

    Nach der achttausendsten (oder so) „selbstbastelten Rakete“ haben die Israelis gezeigt, dass sie auch Waffen besitzen. Heißa, da hatten unsere Medien ihn wieder, den Aggressor Israel, der viel mehr Palästinenser tötet als die Palästinenser Israelis.
    Und das waren wir bei der Eingangsfrage:
    Was sollen die Israelis gegen die Dauerangriffe aus Gaze tun? Mit „selbstgebastelten Raketen“ zurückschießen?
    Es hätte mir wirklich interessiert. Nur leider, da kommt nichts.

    Und so läuft das die ganze Zeit.
    Am 7. Oktober 2023 haben die Palästinenser in Israel 1.195 Menschen ermordet und 250 als Geiseln entführt.
    Welche Reaktion von Israel haben die Palästinenser erwartet?
    Wie soll Israel reagieren – Mit Drachengleitern und Motorrädern in Gaza einfallen, 1.195 Menschen ermorden und 250 als Geiseln entführen?

    Nochmal,
    Hat jemand einen sinnvollen Vorschlag, wie Israel auf die Barbarei seiner Nachbarn reagieren soll?

  26. „Laut einer NDR-Umfrage hatten 2024 fast die Hälfte der Befragten wenig oder kein Vertrauen in die Nahost-Berichterstattung.“
    Das würde ich aber weniger den Schwächen der Berichterstattung zuschreiben als vielmehr den unerfüllbaren Erwartungen weiter Teile des Publikums. Da gibt es einen Haufen „GENOZID!!!1!“ schreiender Israelfeind, einen anderen Haufen der araberhassenden „Israel hat immer recht!“-Fraktion, gemäßigtere Ahänger beider Seiten, und nicht zu vergessen sehr viele Menschen, denen einfach egal ist was „die da untern“ machen, Hauptsache, es kommt niemand „von denen“ zu uns. Keine noch so exakte und ausgewogene Berichterstattung wird es diesen Menschen recht machen. Sieht man ja allein schon an der Kommentarspalte hier.

    Eigentlich kommt mir die Berichterstattung zu dem Thema in Deutschland insgesamt ziemlich gut und ausgewogen vor, jedenfalls wesentlich besser als international üblich.

  27. @Earendil:
    Ein Stück weit vielleicht, aber das Problem grundsätzlich dem Kunden zuzuschreiben, hilft ja nicht.
    Ansonsten beantworten die Medien weiterhin nicht die Frage, wie der Staat Israel oder sonst ein Staat sich denn völkerrechtlich korrekt gegen Raketenbeschuss wehren darf.
    Wenn es so eine Möglichkeit gibt, kann man sie benennen.
    Wenn nicht, ist das Völkerrecht offensichtlich fehlerhaft.
    Wenn Medien beides nicht tun, warum überhaupt über den Libanon berichten?
    Gibt doch genug andere Konflikte.

  28. Nur zur Klarstellung für den „unbedarften Mitleser™“, in Bezug auf #28: Niemand hier hat Israel „Mörder“ genannt oder das in rhetorischen Fragen insinuiert. Es stehen schlicht 70.000 Tote in Gaza (etc.?) im Raum – Ob ermordet oder „nur“ getötet, mir ist die Wortklauberei egal. Den Toten wohl auch, nehme ich mal an.

    Was den Horror (ich denke eher, „Terror“ ist gemeint) des Raketenbeschusses aus dem Libanon, Gaza, Westbank, etc. in grenznahe Regionen in Israel angeht – Ja, schrecklich für die Bevölkerung, keine Frage. Die Berichte damals über die überfüllten Schutzräume haben auch mir zugesetzt. Aber auch da lohnt es sich m. E. einen Blick auf die Verhältnismäßigkeit zu werfen.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Palestinian_rocket_attacks_on_Israel

    Verniedlicht wurde da auch nichts – Es waren zum Großteil schlicht keine Marschflugkörper vom letzten Waffenbasar, die da verschossen worden, sondern teils erbarmungswürdige McGyver-Raketen. Weil die ja alle berechtigterweise als Terrororganisationen eingestuft sind, dürfen die halt auch nicht offziell Waffen shoppen gehen.

    Israel hat das Glück, das gar nciht zu müssen – Allein unsere Bundesregierung hat allein im vergangenen Jahr über 100 Millionen Euros für Waffenexporte nach Israel genehmigt.

  29. Na, wenn ermordet und getötet dasselbe wären, könnte man auch „Mörder Israel“ sagen, oder?
    Aber ja, die Hisbollah hat keine Marschflugkörper. Gibt es trotzdem eine legale Methode, sie zu besiegen?

  30. Haben Sie schon recherchiert, ob es „eine legale Methode, sie zu besiegen?“, pardon, „wie der Staat Israel (…) sich denn völkerrechtlich korrekt gegen Raketenbeschuss wehren darf“, pardon, „wie Israel auf die Barbarei seiner Nachbarn reagieren“, pardon, „welche völkerrechtlich korrekte Möglichkeiten Israel hat, um sich gegen die Hisbollah zu wehren“, pardon, „wie der jüdische Staat gegen feindliche Staaten und barbarische Terrororganisationen wehren kann“ – Oder ist die Wiederholung dieser rhetorischen Frage gleichzeitig ihr einziger kommunikativer Inhalt?
    Ich kann auch 10 Mal wiederholen „Muss Israel wirklich 80.000 Menschen töten, um sich gegen die Barbarei seiner Nachbarn zu wehren?“ und „Wann ist das Wehren abgeschlossen?“.
    Ich hoffe „wehren“ ist so okay, weil bei „vergelten“ wurde ich ja schon wieder belehrt, dass das so als Konzept „nicht tragfähig“ sei, was auch immer das bedeuten soll in diesem Kontext. Ich bin ja auch für Regenbogen-Weltfrieden, so ist das nicht … An der Stelle lohnt es sich m. E. in die verschiedenen Ebenen (religiöser) Radikalisierung reinzuschauen – Um es kurz zu machen: Wer persönlich betroffen ist, der neigt auch dazu, härtere Vergeltung zu fordern und durchzusetzen. Je länger ein Konflikt dauert, desto mehr Individuen sind persönlich betroffen, ergo intensivere Gewalt- / Vergeltungsspirale.

    Und dann kommt es halt irgendwann zu solchen Forderungen:
    https://www.deutschlandfunk.de/israels-sicherheitsminister-jede-nacht-30-bis-40-menschen-in-gaza-toeten-100.html
    Beide Seiten erkennen die jeweils andere nicht als Menschen an.

    Wie bringt man das alles unter einen Hut und kann dann zu der Schlussfolgerung kommen, dass die Frage lauten müsse, wie sich Israel legal gegen Hisbollah Raketenbeschuss wehren darf – Nach 20 (?) Jahren Diskussion um den Iron Dome?
    Ich will wieder nur auf die Verhältnismäßigkeit hinaus. Die muss man sich halt dann auch wirklich mal anschauen. Finanzierung, Body Count, Qualität der Kriegsinfrastruktur, etc.

  31. Entweder ist es keine rhetorische Frage oder ich muss nicht recherchieren.

    Aber ich hätte tatsächlich eine Idee, nämlich Blauhelmtruppen, die den Gazastreifen, aber gerne auch Westjordanland oder Teile des Libanon besetzen.
    Wobei das auch schon vor 20 Jahren hätte passieren können. Stattdessen wird diskutiert, ob Iron Dome nicht reicht…

    Zum „vergelten“: eigentlich ist ein Krieg erst vorbei, wenn eine Seite entwaffnet ist. Vergeltung führt nur zu mehr Vergeltung.

  32. „Entweder ist es keine rhetorische Frage oder ich muss nicht recherchieren.“ D’accord. Wollen wir das einfach sein lassen? Ich lasse mich ja auch immer wieder darauf ein …

    Ja, ich bin ja bei Ihnen, aber ich zweifle daran, und das drückte ich ja in allen bisherigen Beiträgen auch aus, dass ein Moralargument auf einer der beiden, stark radikalisierten, Seiten Gehör finden wird. Auch das „ich war zuerst da“ Argument wird nicht zur Konfliktlösung beitragen können.

    Blauhelmtruppen nach Gaza hatte Volker Pispers schon vor 20 Jahren im Programm. Er sagte aber auch, dass die USA gar kein Interesse an einer Lösung des Konflikts haben können. „Die einen haben das Öl, die anderen das Know-How. Die USA wäre da in der Region dann wirtschaftlich außen vor, wenn die sich vertragen würden.“ Ein Gedanke, der mir zunehmend plausibel erscheint.

    Mein zweitliebster Kabarettist Hagen Rether sagte dazu „Die ewige Auge-um-Auge und Zahn-um-Zahn Politik lässt uns alle irgendwann blind und zahnlos dastehen.“
    Aber das hilft dir halt auch nicht, wenn deine Seele von Rachegelüsten aufgefressen wird, weil einer „von denen“ deine Familie getötet hat.

    Um wieder zu Pispers zu kommen:
    „Und Sie wundern sich, warum die uns Bomben unter’n Arsch legen? Sie sollten sich wundern, warum die uns so wenige Bomben unter’n Arsch legen.“

  33. Dass die USA, und zwar nur die USA, gegen Blauhelmtruppen wären, halte ich für ein Gerücht.
    Aber gut, dann halten wir fest, dass es eine legale Möglichkeit gäbe, die aber von interessierter Seiten sabotiert wird.
    Insofern verhindert die Völkergemeinschaft, dass das Völkerrecht durchgesetzt wird.
    Wenn „wir“ das nicht kritisieren, was bringt es uns, oder auch der libanesischen Zivilbevölkerung, oder dem Gazastreifen, wenn „wir“ stattdessen Israel kritisieren? Also „unsere“ Medien vor allem? Das war jetzt rhetorisch.

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