Krieg im Nahen Osten

Antisemitische Vorurteile? Wie unterschiedlich man einen Text lesen kann, wenn es um Israel geht

Wie kann man über die vielen Toten in Gaza und im Libanon schreiben, ohne damit Antisemitismus zu befeuern? Über harsche Kritik an einem Text unserer Autorin – und das Dilemma, einen brutalen Krieg zu beschreiben, ohne Vorurteile zu schüren.
Zwei junge Männer auf einem Platz in Tel Aviv machen ein Selfie mit zwei israelischen Flaggen
Tel Aviv im April 2026Foto: Imago/Zuma Press Wire

Nein, niemand hat mir vorgeworfen, eine Antisemitin zu sein. Wohl aber, dass ich in meinem jüngsten Text zu einseitig auf das Thema Israel blicken würde. Ich hatte kritisiert, wie deutsche Medien aus und über Libanon berichten. Vor allem kürzere Nachrichtentexte verharmlosen oder ignorieren oft, was das Vorgehen der israelischen Armee im Libanon konkret bedeutet: dass dort viele Menschen sterben, aber auch Dörfer zerstört und Felder vergiftet werden.

Es sei ein Text mit viel Sympathie für die Menschen in Gaza und im Libanon – und zu wenig Empathie für Israel, die Menschen dort und die Jüdinnen und Juden in Deutschland. So der Tenor einiger Kommentare und Zuschriften zum Text.

Israel als Angreifer

Ein Kollege, den ich um Fee…

Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag!
    Ich möchte noch etwas verdeutlichen, was im Artikel bereits angelegt ist. Mein Wunsch für mehr Ausgewogenheit ist, Akteure wie Hamas, Hisbollah, Huthis, aber auch Autonomiebehörde, Regierungen in Iran, Libanon, Ägypten, Syrien auch ganz klar als solche wahrzunehmen und zu beschreiben – nämlich als Akteure.
    Auch sie haben Ziele und Handlungsmöglichkeiten. Auch sie treffen Entscheidungen, dieses zu tun und jenes zu lassen.

    Dies würde der Ausgewogenheit sehr guttun!

    Ich nenne nur ein Beispiel: Bei der Unterversorgung der Bevölkerung in Gaza nur Israel als Akteur zu nennen ist einseitig. Ebenso trugen auch die Entscheidungen der Hamas (die eigenen Leute bei der Verteilung von Hilfsgütern zu bevorzugen; die Geiseln nicht freizulassen; etc.) und die Weigerung der ägyptischen Regierung, die eigene Grenze zu Gaza für Flüchtlinge zu öffnen und diese mit internationaler Hilfe zu versorgen, zur Krise bei.

    Insgesamt finde ich, geben deutsche Medien und die deutsche Medienkritik, im Nahost-Schlamassel aber eine recht gutes Bild ab, im Vergleich zum Beispiel zu britischen und skandinavischen Medien. Dieser Artikel ist ein weiterer Beweis dafür. Darum nochmals ein herzlicher Dank für die Reflektion!

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