Wie es die Spins des iranischen Regimes in deutsche Medien schaffen
Blickte Ali Khamenei, der vor kurzem getötete, frühere iranische Staatschef, grundsätzlich „säkular und pragmatisch auf die Dinge“? War sein Denken in erster Linie „von Fragen der nationalen Sicherheit bestimmt“? Das jedenfalls behauptete Vali Nasr, Professor für Internationale Beziehungen und Nahoststudien, 2025 in einem „Spiegel“-Interview.
Iran-Kenner dürften überrascht sein, denn sie wissen: Ali Khamenei forderte Kinder im Staatsfernsehen zum Märtyrertum auf und erklärte, „ein Islam, der nicht regiert, ist wertlos“. Im Januar töteten iranische Regimekräfte Tausende weitgehend unbewaffnete Demonstranten. Sie hatten laut iranischen Beamten den Befehl, scharf zu schießen und keine Gnade zu zeigen.
Doch von dieser Seite Khameneis ist im „Spiegel“-Interview nichts zu lesen.

Iranfreundliche Narrative
Vali Nasrs beschönigende Aussagen über die Islamische Republik verwundern jedoch nicht, wenn man weiß, dass er einem Netzwerk aus Experten nahesteht, die iranfreundliche Narrative in der westlichen Öffentlichkeit verbreiten. Einige dieser Experten haben sich in der Vergangenheit mutmaßlich direkt mit Vertretern der iranischen Regierung abgestimmt.
Übermedien hat bereits mehrfach berichtet, wie iranische Propaganda immer wieder in deutsche Medien gelangt. Dazu gehören Experten mit familiären Verbindungen zum Regime genauso wie westliche Korrespondenten, die zum Teil verharmlosend über Menschenrechtsverletzungen berichten. Letzteres wohl auch, weil kritische, unabhängige Berichterstattung aus Iran kaum möglich ist, wenn man sein Pressevisum nicht riskieren will.
Iran-Experten sind gefragt
Auch jetzt, angesichts innerer Unruhen und des Krieges mit den USA und Israel, ist die Nachfrage deutscher Medien nach Iran-Experten wieder sehr groß. Doch dabei kommen regelmäßig Personen zu Wort, die im Verdacht stehen, Lobbyismus für die iranische Regierung zu betreiben.
Ein solcher Fall wurde im September 2023 durch geleakte E-Mails zwischen vermeintlich unabhängigen Iran-Experten und der iranischen Regierung öffentlich.
Wie das US-Medium „Semafor“ und das Exil-Medium „Iran International“ damals aufdeckten, habe sich 2014 unter dem Namen „Iran Experts Initiative“ (IEI) ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Politikberatern in den USA und Europa gebildet. Es soll die öffentliche Meinung zugunsten Irans beeinflussen.
Zeitlich fiel das in die Hochphase der Verhandlungen um ein Atomabkommen mit den USA. Der Deal wurde im Juli 2015 in Wien abgeschlossen und sparte letztlich das iranische Raketenprogramm und die Finanzierung von Terrormilizen aus. Ein Ergebnis, das ganz im Sinne Teherans war.
Kurz nach der Enthüllung von „Semafor“ und „Iran International“ war der 7. Oktober 2023, der Terroranschlag der Hamas gegen Israel. Das trug womöglich dazu bei, dass die Recherche nicht so viel Aufmerksamkeit erhielt. Dabei hatten es die E-Mails in sich: Sie offenbarten, wie hochrangige Regierungsbeamte mit Thinktanks und Akademikern kommunizieren, um für einen für Iran vorteilhaften Atomdeal zu werben.
„Patriotische Pflicht“
Die von Iran vereinnahmten Experten handelten offenbar aus Überzeugung. So soll Ali Vaez, ein gefragter Iran-Analyst bei der Denkfabrik „International Crisis Group“, laut US-Magazin „Tablet“ dem iranischen Außenminister 2014 folgendes geschrieben haben:
„Als Iraner habe ich aufgrund meiner nationalen und patriotischen Pflicht nicht gezögert, Ihnen in jeder Hinsicht zu helfen.“
Laut dem „Semafor“-Bericht schickte Vaez einem iranischen Regierungsbeamten einzelne Artikel vor der Veröffentlichung zur Durchsicht.
Mindestens ein Text, über den vorher auch das iranische Außenministerium lesen durfte, wurde im Online-Magazin „National Interest“ unter dem Titel „False Dilemmas in the Iran Talks“ veröffentlicht. Darin tut Vaez die Sorge des Westens über das iranische Atomprogramm als „künstliche Diskussion“ und als „Obsession“ ab.

Mehr als zehn Jahre später wird derselbe Vaez immer wieder als „führender Iran-Experte“ in deutschsprachigen Medien befragt. Allein in diesem Jahr hat ihn der „Spiegel“ schon drei Mal interviewt (hier, hier und hier), auch in diesem Text taucht er beim „Spiegel“ als Experte auf. Über seinen politischen Hintergrund erfährt der Leser allerdings nichts.
Auch Vali Nasr ist ein gefragter Iran-Experte in deutschsprachigen Medien. Er tauchte zwar selbst nicht in den geleakten Mails auf, fällt aber immer wieder mit verharmlosenden Aussagen über das Regime auf – wie eben der im „Spiegel“, dass Ali Khameneis Denken „säkular“ und „pragmatisch“ gewesen sei. In den vergangenen Monaten wurde er zum Beispiel auch von „Welt“, „Cicero“ und „Neuer Zürcher Zeitung“ interviewt.
Diplomatischer Außenseiter
Seit der Islamischen Revolution 1979 gilt Iran in der internationalen Gemeinschaft als Außenseiter. Das ist aus gutem Grund so: Denn in Iran dürfen erwachsene Männer 13-jährige Mädchen heiraten, die Regierung lässt Menschen wegen Alkoholbesitz oder Verstößen gegen die Hidschab-Pflicht auspeitschen und richtet, gemessen an der Einwohnerzahl, jährlich so viele Menschen hin, wie kein anderes Land. Darüber hinaus finanziert Iran Terrormilizen in der Region und beauftragte Anschläge gegen Oppositionelle und mutmaßlich auch gegen jüdische Ziele in Deutschland.
Dieser Außenseiter-Status erschwerte es Teheran, seine Interessen im Ausland durch offizielle Lobby-Organisationen zu fördern. Stattdessen setzte man also auf informelle Netzwerke aus Akademikern und Thinktanks. Sie sind teils aus persönlicher patriotischer, teils aus ideologisch amerikakritischer Motivation dem Iran grundsätzlich gewogen.
Vorwürfe gegen ehemaligen NYT-Kolumnist
In einzelnen Fällen soll es sogar finanzielle Zuwendungen für die regimefreundlichen Experten gegeben haben. 2021 wurde in den USA Kaveh Afrasiabi verhaftet, ein bekannter iranisch-amerikanischer Politologe, der zuvor als Gastautor Meinungsstücke unter anderem für die „New York Times“ und „The Guardian“ schrieb.
Ihm wurde vorgeworfen, als „nicht registrierter Agent für den Iran“ aktiv zu sein. Für seine Arbeit soll er bis zu 265.000 Dollar durch iranische UN-Beamte erhalten haben. 2023 wurde Afrasiabi im Rahmen eines Gefangenenaustauschs mit dem Iran begnadigt, bevor ein Urteil gegen ihn ausgesprochen war. Afrasiabi bestreitet die Vorwürfe.
In der Regel aber handeln die proiranischen Experten diskreter. Das sorgt in der Diaspora mitunter für Spekulationen, wer mit dem Regime wohl unter einer Decke steckt – auch wenn nicht immer etwas dran ist an den Gerüchten.
Für eine „iranfreundliche Haltung“ im Ausland
Diskret geht jedenfalls auch der „National Iranian American Council“ (NIAC) vor, eine Organisation, die in den USA oft als Irans „inoffizielle Lobby“ bezeichnet wird. Sie selbst wehrt sich vehement gegen den Vorwurf. Vor Gericht konnte sich NIAC gegen die Unterstellung, ein „Agent des Regimes“ zu sein, jedenfalls nicht durchsetzen.
NIAC-Mitgründer Trita Parsi, ein schwedisch-iranischer Politologe, beschreibt seine Arbeit sogar selbst als proiranische Einflussnahme. Ziel sei die „Aufhebung der wirtschaftlichen und politischen Sanktionen der USA gegen den Iran“ sowie „Druck auf die US-Gesetzgeber auszuüben, damit diese eine iranfreundlichere Haltung einnehmen“. So steht es in internen Dokumenten, die bei einem Gerichtsprozess öffentlich wurden.
Die „Iran Experts Initiative“
Auf ähnliche Weise funktionierte die erwähnte IEI-Gruppe. Durch Gastbeiträge, Interviews und diverse Veröffentlichungen sollten die teilnehmenden Experten iranfreundliche Positionen verbreiten. Saeed Khatibzadeh, der Initiator der Gruppe und späterer Sprecher des iranischen Außenministeriums, präsentierte die Initiative seinen Vorgesetzten seinerzeit als Erfolg. Die Texte aus der Feder der irantreuen Experten seien „nicht nur auf Englisch, sondern auch in mehreren anderen internationalen Sprachen erschienen“, schrieb er in einer Mail.
Zum Netzwerk gehörte, neben dem bereits erwähnten Ali Vaez, auch der deutsch-iranische Politologe Adnan Tabatabai. Er beriet jahrelang die deutsche Bundesregierung zur Iranpolitik und trat in den Medien regelmäßig als Iran-Experte auf.

Übermedien hat bereits 2022 kritisch über Tabatabais verharmlosende Aussagen über das iranische Regime und dessen familiäre Verbindungen berichtet. Mittlerweile wird Tabatabai von Medien kaum noch als Iran-Experte angefragt. Er beklagte im September 2023 in einem Interview mit der „Welt“, er sei „aufgrund seines familiären Hintergrunds unter Generalverdacht“ gestellt worden.
Nur wenige Tage nach diesem Interview folgte im US-Medium „Semafor“ die erwähnte Enthüllung der E-Mails rund um die IEI-Initiative. Demnach hatte sich auch Tabatabai dem Regime aktiv als Gehilfe angeboten. Konkret soll er dem iranischen Außenministerium vorgeschlagen haben, in dessen Auftrag Artikel und Gastkommentare zu verfassen.
Tabatabai bestritt auf Anfrage der „Welt“ die Authentizität der E-Mails. Andere Mitglieder der IEI erklärten, die Darstellung von „Semafor“ und „Iran International“ sei in weiten Teilen „falsch oder ungenau“. Sie gingen dabei aber weder auf Details ein noch bestritten sie die Echtheit der E-Mails.
Tatsächlich wurde die Veröffentlichung in den USA kontrovers diskutiert und teilweise als „Kampagne“ bezeichnet. Dabei ging es aber vor allem um die Autoren und die Motivation hinter der Recherche – nicht um deren Inhalt. So hatte der „Guardian“ ausschließlich anhand anonymer Quellen 2018 berichtet, „Iran International“ werde aus dem Umfeld des saudischen Königshauses finanziert – was das Medium in einer ausführlichen Stellungnahme bestritt. „Semafor“-Autor Jay Solomon wiederum musste 2017 das „Wall Street Journal“ wegen mutmaßlicher Geschäftsbeziehungen zu einem exil-iranischen Informanten verlassen.
„Semafor“ selbst hat eine Replik auf die eigene Recherche veröffentlicht, deren Autor die Experten in Schutz nimmt. Allerdings: Genau wie der Großteil der beschuldigten Experten bestreitet auch er nicht die Authentizität der geleakten E-Mails.
Die wiederkehrenden proiranischen Talking Points
Die Krux ist: Auf den ersten Blick sind die regimefreundlichen Positionen nicht sofort als solche zu erkennen. Keiner der Experten rechtfertigt die Praktiken des Regimes, weswegen Iran heute international isoliert ist: etwa das öffentliche Hängen von Homosexuellen oder die Vergewaltigungen von Frauen in den Gefängnissen. Im Gegenteil. Menschenrechtsverletzungen im Iran werden regelmäßig benannt und sogar kritisiert.
Die proiranischen Narrative wirken subtiler. Sie zielen nicht darauf, die westliche Öffentlichkeit von der Legitimität des iranischen Regimes zu überzeugen. Vielmehr soll mithilfe im Westen salonfähiger Argumente eine Iranpolitik angestoßen werden, die letztlich den Machthabern in Teheran dient.
Die wichtigsten Talking Points sind:
- Westliche Sanktionen als Wurzel allen Übels: Regimenahe Experten stellen Menschenrechts- und Völkerrechtsbrüche als unausweichliche Reaktion auf äußeren Druck, insbesondere durch Israel und die USA dar. Auch wenn Sanktionen in der Forschung tatsächlich umstritten sind: Im Buch „How Sanctions work“ behaupten Ali Vaez und Vali Nasr pauschalisierend, dass Sanktionen immer die Bevölkerung treffen und die Repression im Iran verschärfen würden. Ein Peer Review kritisiert das Buch als „parteiisch“ und seine Ergebnisse als „unzuverlässig“.
- Die Illusion eines „moderaten“ Reformlagers: Anstatt Konfrontation – etwa mittels Sanktionen – fordern die regimenahen Stimmen Dialog und eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen. Dies geht aber nur, wenn es innerhalb des Regimes ausreichend einflussreiche Kräfte gibt, die ebenfalls für Dialog und Öffnung des Landes sind: die sogenannten „Reformer“. In Iran selbst gilt die Unterscheidung zwischen sogenannten Reformern und Hardlinern längst als Farce. Unter dem aktuellen Präsidenten Masoud Pezeshkian, der auch von deutschen Medien immer noch „gemäßigt“ genannt wird, wurden so viele Menschen hingerichtet wie seit 1988 nicht mehr. Dennoch verweisen die Experten auf ein vermeintliches Reformlager, das durch Dialog und eine Normalisierung der Beziehungen gestärkt würde. In der NZZ behauptet Vali Nasr etwa im Februar, unmittelbar nach dem staatlichen Massaker an Tausenden Demonstranten, das beste Szenario sei für Iran, dass „das Regime von innen heraus eine moderate Führungsperson hervorbringt“.
- Diskreditierung der Opposition: Die proiranischen Analysten stellen die iranische Opposition als zersplittert, unorganisiert und unfähig dar. Gegenüber „Cicero“ erklärte Vali Nasr, kurz nachdem Hunderttausende Iraner einem Protestaufruf des iranischen Oppositionspolitikers Reza Pahlavi gefolgt waren und vom Regime zu Tausenden ermordet wurden, dass Pahlavi keine Organisation im Inland besitze und daher nicht als Akteur eines Wandels geeignet sei. Dass es aufgrund der systematischen Überwachung und Repression für Regimegegner so gut wie unmöglich ist, sich im Land zu organisieren, erwähnt Nasr nicht. Kürzlich attestierte Nasr Teilen der iranischen Diaspora sogar, „Identitätsprobleme“ zu haben und „weiß sein zu wollen“.
- Stabilitätsargument: Nicht zuletzt ist da die Auffassung, dass die Islamische Republik, trotz aller Übel, immerhin ein Garant für Stabilität in der Region sei. Die Alternative, also ein Sturz des Regimes, seien „Radikalisierungsschübe“, „neue Fluchtbewegungen“ und eine „Instabilität, die bis nach Europa reicht“, prognostizierte Ali Vaez am 28. Februar im „Spiegel“. Wenige Tage später warnte auch Bundeskanzler Merz vor einem „neuen Syrien-Szenario“ und „unkontrollierten Migrationsbewegungen“. Noch im Januar rechtfertigte das Regime mit dem selben Argument – einem möglichen Syrien-Szenario – ein Massaker an Tausenden Demonstranten: das Blutbad sei nötig, um Chaos und Bürgerkrieg zu verhindern.
Warum fällt das so wenigen auf?
Doch warum gelingt es den Experten immer wieder, diese Positionen in den Medien zu verbreiten?
Einerseits liegt es an ihrer subtilen Wirkung: Auch legitime Argumente können sich mit bestimmten Narrativen des iranischen Regimes decken: etwa dass Reza Pahlavi, der Sohn des letzten iranischen Schahs, kein geeigneter Oppositionspolitiker sei; oder dass Krieg das falsche Mittel ist, um gegen das Regime vorzugehen. Nicht jeder, der ein solches Argument teilt, ist automatisch ein Apologet des Regimes. Doch aus iranischer Sicht soll die Häufung solcher Talking Points letztlich zu einer Appeasement-Politik im Sinne Teherans führen.
Andererseits beruht der Erfolg der Propagandisten auf ihrer dezentralen Organisation: Es gibt kein zentrales Register, auf der man die proiranischen Experten findet, es ist vielmehr ein loses Netzwerk aus Kontakten: Vaez aus der IEI-Initiative veröffentlicht Bücher mit Vali Nasr, der von der Organisation NIAC wiederum als einer der „sachkundigsten und zukunftsorientiertesten Experten überhaup“ bezeichnet wurde. Das erschwert den Durchblick.
Wer als Journalist bei Iran-Experten sichergehen will, müsste also nach Verbindungen zu diesen Organisationen recherchieren und prüfen, ob der jeweilige Experte häufig die obengenannten Talking Points wiederholt.
Wenig Kenntnis in den Redaktionen
Nicht zuletzt scheinen einige Redaktionen schlicht nicht zu wissen, wen sie da als Experten anfragen. Eine Kollegin, Nahostredakteurin für eine große deutschsprachige Tageszeitung, war beispielsweise überrascht, als ich ihr das erste Mal von der iranischen Lobby-Organisation NIAC und von der IEI-Initiative erzählt habe – sie hörte offenbar zum ersten Mal davon. In unserem Gespräch ging es um Ali Vaez, den sie gerade erst interviewt hatte. Ihre Wahl sei auf Vaez gefallen, weil auch zahlreiche andere Medien Vaez ihn zuvor befragt hatten.
Im Falle des „Spiegel“, wo in diesem Jahr bereits drei Interviews mit Vaez erschienen sind, waren die „kontrovers diskutierten“ Recherchen von „Semafor“ und „Iran International“ der Redaktion zwar bekannt, erklärt der Pressesprecher des Medienhauses gegenüber Übermedien. Dennoch hält man beim „Spiegel“ Vaez aus folgenden Gründen für eine relevante Stimme:
„Er ist promovierter Nuklearphysiker und einer der wenigen Analysten mit Kontakten sowohl nach Teheran als auch zu westlichen Diplomaten. Aus diesen Gründen gehört er zu den weltweit gefragtesten Iran-Experten und wird von der ‚New York Times‘ über BBC und NPR bis zu AP regelmäßig befragt, als Gastautor und Podcast-Gast geladen. “
Was der „Spiegel“ als Relevanzkriterium wertet – nämlich die Präsenz in anderen Medien – ist für die iranischen Lobbyisten sicher eine Auszeichnung der eigenen Bemühungen.
Wie umgehen mit diesen Experten?
Das alles bedeutet nicht, dass Experten wie Vaez in Zukunft gecancelt werden sollten. Denn das Argument, dass er sich gerade durch seine Kontakte ins Innere des iranischen Systems auszeichnet, trägt. Das iranische System ist für Außenstehende eine Black Box. Da kann eine gewisse Nähe zu diesem System auch hilfreich sein, um früher als andere zu erkennen, was sich innerhalb des iranischen Machtapparats abspielt. So erklärte Vaez im April beispielsweise der „New York Times“, dass die Macht des neuen Obersten Führers, Modschtaba Khamenei, begrenzt ist. Er sei „den Revolutionsgarden untertan“. Die Öffentlichkeit hat ein berechtigtes Interesse an solchen Informationen.
Die Öffentlichkeit hat aber auch ein Anrecht darauf, zu erfahren, wessen Positionen ihr unterbreitet werden. Und sie hat ein Interesse daran, zu erfahren, wie proiranische Propaganda im Westen funktioniert und woran man sie erkennt.
Zur journalistischen Verantwortung gehört also, den Hintergrund der betreffenden Experten und die Lobbyismus-Vorwürfe, die gegen sie bestehen, transparent zu machen. Denn dann erscheinen bestimmte Aussagen dieser Experten – etwa zur Frage, wer für diesen Krieg verantwortlich ist, oder zum „säkularen Denken“ eines Ali Khameneis – in anderem Licht.

Vielen Dank für diese Erläuterungen.
Ja, dem Dank schließe ich mich gerne an.
Das Problem mit der fehlenden
Transparenz betrifft anscheinend aber auch die Journalisten selbst.
Danke für diesen ausgesprochen wichtigen – und seit langem notwendigen- Artikel!
Danke für den Artikel.
Nur, wer macht das eigentlich nicht?
Es ist ein Unterschied, ob man schreibt, dass es eine „gain of function“ Forschung in Deutschland nicht geben wird, oder, man schreibt, dass es der Bundesregierung nicht bekannt sei, dass es sie geben wird.
Oder man veröffentlicht, was der ranghöchste Soldat der Nato vor kurzem erklärt hat oder dies nicht tut.
Die Zahl der Beispiele ist auf allen Seiten unendlich und dass nicht nur in der iranischen oder russischen Propaganda.
Sehr interessanter Beitrag, darum bin ich seit Jahren Übernnent!