Der britische Prinz Andrew wird beschuldigt, vor rund 20 Jahren eine Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Viele Medien beschreiben das als „Sex-Skandal“ – was Unsinn ist. Es geht um mutmaßlichen Missbrauch Minderjähriger. Gerade bei diesem Thema sollten Medien feinfühliger und differenzierter in ihrer Wortwahl sein.
„Über 30 Jahre hinweg war das Netz zumeist eine wunderbare Kraft für das Gute“, sagt der Begründer des World Wide Web. Das ist ein wunderbarer Anlass über den furchtbaren inflationären Gebrauch des Wortes „wunderbar“ zu schimpfen.
Wer diesen Begriff nutzt, erschafft ein positives Bild – und wertet gleichzeitig alle ab, die nicht „Realos“ sind. Pascal Siggelkow findet das bedenklich: Wer den Begriff „Realpolitik“ verwende, ersticke politische Debatten bereits im Keim.
Empört heißt es, der neue EU-Kommissionsvorsitz sei „im Hinterzimmer“ ausgekungelt worden. Das ist ein sprachpolitischer Kunstgriff, um Entscheidungen zu diskreditieren, die anders ausfielen, als man sich das wünschte. Der Begriff ist toxisch. Freiheit bedarf einer geschützten Sphäre.
Im Zuge der Video-Affäre um den früheren FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache machte auch das Wort „Oligarch“ wieder Karriere. Offenbar ist es für Russen reserviert – warum eigentlich?
Das Wort „Diskurs“ macht sich in allen großen Debatten breit, vor allem in den linken Filterblasen. Es wird nicht mehr gestritten oder debattiert, sondern es werden Positionen in Diskursräume eingebracht. Dadurch schwebt die Auseinandersetzung nicht nur sprachlich über den tatsächlichen Missständen.
Eine Frau wird von ihrem Mann umgebracht, aber in Medienberichten ist nicht von einem „Mord“, „Frauenmord“ oder „Femizid“ die Rede, sondern von „Beziehungsdramen“ oder „Familientragödien“. Unsere Autorin sagt: Hört auf mit den verharmlosenden Begriffen!
In den Nachrichten ist meistens von „Fremdenfeindlichkeit“ die Rede, wenn es um Rechtsextremismus und Rassismus geht. Doch das Wort ist nicht so harmlos, wie es tut – sondern macht den entscheidenden Rechtsruck selbst mit.
Früher bekam sie ein paar hundert Hasskommentare, heute sind es teilweise mehr als 20.000. Ist das noch ein „Shitstorm“, ein Sturm der Entrüstung? Oder nicht eher eine gezielte Kampagne, die das Ziel hat, zu zermürben und die Gesellschaft zu zersetzen? Renate Künast fordert deshalb: Finden wir ein neues Wort!
Das Wort „Multikulti“ klingt für unseren Gastautor nach nonchalant-liberaler Weltoffenheit, aber er findet: Es richtet sich im Kern gegen den Zusammenhalt unserer Gesellschaft, und Deutschland wäre auch ohne „Multikulti“ ein weltoffenes Land.
Journalisten bezeichnen Taiwan oft als „abtrünnige Provinz“ Chinas. Der Begriff ist wohl eine Erfindung westlicher Medien, könnte aber von chinesischen Propagandaexperten nicht besser ausgedacht sein. Er ist ein Etikett, das Taiwan nicht verdient hat.
Anfang März sprach Dorothee Bär, die neue Staatsministerin für Digitalisierung, in einem ZDF-Interview über Flugtaxis. Inzwischen mag sie zwar noch Flugtaxis, auch das Wort an sich, aber nicht, wie es verwendet wird.