fremdenfeindlich

Bei der Benennung von rechtsextremer Gewalt drucksen wir Journalist*innen oft verunsichert herum. Nazis wollen nicht so genannt werden, und Hetzjagden will neuerdings der Verfassungsschutz freigeben können. Schlimm genug, dass dieser Druck von rechts offenbar wirkt.

In der fraglichen Bemühung, einen möglichst allgemein gefassten und nicht wertenden Begriff zu finden, hat sich die Berichterstattung vieler Medien allerdings auf ein Wort eingestimmt, das den Rechtsruck faktisch nicht nur verharmlost, sondern aktiv mitträgt.

Die Nachrichten im Deutschlandfunk berichten seit dem 27. August in Bezug auf Chemnitz nahezu täglich von „fremdenfeindlichen“ Übergriffen und „fremdenfeindlicher Gewalt“. In der „Tageeschau“ war von dem Konzert in Chemnitz als „ein deutliches Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit“ die Rede. Wenn es einzelne Autor*innen gibt, die das Wort vermeiden, ist kaum ein deutsches Medium zu finden, in dem das Wort „fremdenfeindlich“ in Bezug auf rechte Gewalt der letzten Wochen nicht zumindest in online Artikeln vorkommt – von „Süddeutsche“ bis FAZ, von „taz“ bis „Spiegel Online“.

„Wolfgang Schäuble prangert Fremdenfeindlichkeit an“, betitelt auch „Zeit Online“ gerade einen Artikel.

Wer tatsächlich von Rechtsextremen angegriffen wurde, sind Geflüchtete und Eingewanderte, jüdische Restaurantbetreiber, Menschen mit nichtweißer Hautfarbe. Es ist anzunehmen, dass sie untereinander nicht viel gemeinsam haben, oder höchstens zufällig – trotzdem werden sie jetzt unter einem Begriff geführt: Fremde. Aber wer hat eigentlich entschieden, dass sie in Deutschland fremd sind? Viele nicht-weiße und nicht-christliche Menschen sind in Deutschland geboren und in Chemnitz oder anderen deutschen Städten zu Hause. Und auch die, die nicht deutsch sind, womöglich erst seit Kurzem in Deutschland leben, könnten sich durchaus eingelebt haben – es sollte eigentlich zu hoffen sein, dass sie sich nicht fremd fühlen.

In dem Wort „Fremdenfeindlichkeit“ schwingt aber mit, dass man diese „Fremdheit“ nicht ablegen kann, egal, ob man deutsch ist oder nicht, oder ob man vorhat, in diesem Land sein Leben aufzubauen oder nicht. Die Fremdheit wäre damit an äußerliche Merkmale gebunden. Das aber ist Rassismus und muss als solcher benannt werden.

Richtig machte es deshalb „Zeit Online“ in einem Artikel vom 27. August, in dem es heißt: „Hunderte Rechte […] haben Menschen angegriffen, von denen sie offenbar annahmen, dass sie keine Deutschen seien.“
Auch die „Tagesschau“ berichtete zunächst, Rechtsextreme „griffen Menschen an, die sie für Ausländer hielten“.

Hier wird die rechte Einteilung in „wir“ und „die Fremden“ nicht übernommen, sondern klar als Annahme kenntlich gemacht: Die rassistische Annahme nämlich, Deutsche seien an ihrem Aussehen erkennbar. Es braucht mehr Wörter, die diese Aufklärung leisten.

Denn die Wortwahl hat gerade bei einem so schlagzeilendominierendem Thema wie Chemnitz eine performative Wirkkraft. Sie legitimiert oder delegitimiert die Tatsachen durch die eine oder die andere Benennung. Man stelle sich die Reaktion der Öffentlichkeit vor, wenn es in der Berichterstattung einstimmig geheißen hätte: „Rechte machen Jagd auf Bewohnerinnen und Bewohner in Chemnitz.“

Anstatt ein „Wir“ gegen „die Fremden“ oder „die anderen“ abzugrenzen, würden rassistisch diskriminierte Menschen in das „wir“ mit einbezogen und die Rechtsextremen daraus ausgeschlossen werden. Die Reaktion der Menschen – aber auch der Politik – wäre sicherlich schärfer gewesen. Rechte Gewalt würde sich dann nicht mehr gegen etwas unbestimmtes „Fremdes“ richten, sondern gegen uns alle. Genau das tut sie ja auch – vorausgesetzt, wir nehmen uns gegenseitig als Menschen wahr, wie der SPD-Abgeordnete Karamba Diaby vorschlägt.

Auch hier gilt: Werden rassistische Gewalttaten „Ausländerfeindlichkeit“ genannt, dann nimmt man weiterhin an, es gäbe ein deutsches Aussehen und trägt den Rassismus mit. Aber zumindest bezeichnet „ausländisch“ einen klar definierten Sachverhalt, nämlich die Tatsache, nicht die deutsche Staatsbürgerschaft zu besitzen. In zutreffenden Kontexten also durchaus benutzbar.

„Fremd“ hingegen bedient eine diffuse Angst vor dem Unbekannten. Als Wort, das bestimmte Teile der Bevölkerung benennen will, ist es unsachlich. Laut Duden kann „fremd“ sowohl „ausländisch“ als auch „unbekannt“, „nicht vertraut“ oder auch einfach nur „ungewohnt“ bedeuten.

Wer sich aber immer noch nicht an meine dunklen Haare oder die Hautfarbe meiner Nachbarin gewöhnt hat, sollte das einfach schleunigst tun – dann wäre das Problem von ganz alleine gelöst.

„Fremde sind Freunde, die man nur noch nicht kennengelernt hat“, sagt ein Sprichwort. Und legt damit die Engstirnigkeit jener bloß, für die es überhaupt Fremde gibt.

21 Kommentare

  1. Ich sehe die Problematik, aber „Schäuble kritisiert Feindlichkeit gegenüber Menschen, die für Ausländer gehalten werden, ungeachtet der Frage, ob diese tatsächlich Ausländer sind“ ist irgendwie das Gegenteil einer Schlagzeile.
    Und wenn die Verwendung des Wortes „Fremdenfeindlichkeit“ die Feststellung des „Fremden“ über die Hintertür legitimiert, was sagt „Rassismus“ dann über „Rassen“ (beim Menschen) aus? Genau das gleiche, befürchte ich.

    Und, bei aller Berechtigung von Sprachkritik, insbesondere an hauptberuflichen Sprachverwenderinnen und -verwendern:
    Ich persönlich lerne aus den Berichten über „Fremdenfeindlichkeit“ nicht, dass es ein „deutsches Aussehen“ gäbe, sondern bloß, dass es Menschen gibt, die das glauben. Wenn ich etwas über „Schwulenfeindlichkeit“ lese, denke ich ja auch nicht, dass es ein „Hetero-Aussehen“ gibt. Mir ist trotzdem klar, dass es Menschen gibt, die das denken, aber das ist eben Teil des Denkfehlers, nicht Teil der Berichterstattung.
    Und jetzt glaube ich nicht, dass ich ein besonders kritischer Mensch sei, der gegen die – absichtlichen oder versehentlichen – „Einflüsterungen“ der Medien besonders immun wäre.

    Aber wie wäre es mit „Unbekanntenfeindlichkeit“?

    „Menschen jagen Menschen in Chemnitz“ fände ich als Schlagzeile übrigens toll. Nicht, weil ich den Sachverhalt toll fände, sondern weil ich dann den Rest einfach lesen muss.

  2. Mir fällt in letzter Zeit auf (der Artikel hier schlägt in die gleiche Bresche), dass seitens der Medien auf einer Meta-Ebene gefragt, bzw. agumentiert wird.
    Öffentlich wird in Headlines die Fage gestellt: „Wie schafft es die Politik, das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen?“.
    Man redet über mich, als Konsumenten. Ich bin nicht Adressat der Frage, sondern Gegenstand des Gesprächs. Wem wird diese Frage überhaupt gestellt? Und warum?

    Andere Beispiele:
    „Wie kann die CSU in Bayern noch aufholen?“
    Im Text dann Diskussion, darüber, den Wähler nicht zu verunsichern, blabla. Hall, ICH bin der Wähler! Ihr redet über mich in der dritten Person, obwohl ich anwesend bin! Da sind solche Buzzfeed-Listen informativer, so Leid mir das tut „7 Gründe CSU zu wählen – Und 7 dagegen“

    „Warum ist die AfD im Osten so beliebt?“
    Hallo! Ihr redet über mich! Nicht mit mir!

    Ich finde nicht die 100%ig richtigen Worte, hoffe dennoch, verstanden zu werden.

  3. Schön: „Menschen jagen Menschen in Chemnitz“.
    Noch schöner, weil man Orte nicht diskriminieren sollte:
    „Menschen jagen Menschen, irgendwie, irgendwo, irgendwann“.

  4. Danke für den Hinweis. Ganz einfach: aus wird fremdenfeindlich wird menschenfeindlich. Darf ich dann jetzt wieder Gegenreden schreiben? Oder muss ich mich nun für jedes Mal, dass ich von Fremdenfeindlichkeit sprach schämen? Dann muss sich auch jeder schämen, der von Flüchtlingen spricht. Man sollte sie schließlich Geflüchtete nennen.

  5. Fremdenfeindlichkeit ist ein Euphemismus, der nur das Wort Rassismus ersetzen soll, weil es sich so krass anhört. Rassismus ist in den Augen vieler doch nur dann gegeben, wenn es um Schwarze oder Juden geht (Parole: Rassimus gibt es in Deutschland nicht.). Fremdenfeindlichkeit signalisiert ferner, dass es als Pendant doch bitte um mehr Freundlichkeit gehen sollte. Damit ist es aber nicht getan, denn es geht um Rechte und Ansprüche.

    Fremd sind mir z. B. ein Herr Winterkorn, Zumwinkel, Reus oder eine Frau Weidel, mit denen ich keine sozialen Übereinstimmungen feststellen kann. Vertraut ist mir dagegen die Kollegin im Hochregallager, die ein Kopftuch trägt.

    Für mich ist in dem Zusammenhang mit den Ereignissen in Chemnitz völlig belanglos, ob es sich bei der Verfolgung „undeutsch“ aussehender Personen um einen „Sprint“ (Fleischhauer bei spon) oder um eine „Hetzjagd“ handelte. In beiden Fällen wäre dies im Erfolgsfall (einfangen) für die Opfer übel ausgegangen.

  6. Jenseits us-importierter pseudopoststruktureller Strömungen heißt Rassismus auch heute noch, dass man Menschen aufgrund rassisch gedachter Abstammung für minderwertig hält, und Fremdenfeindlichkeit, dass man jemanden, der einem fremd ist, nicht im eigenen Umfeld (bzw im „eigenen“ Land) haben will, völlig unabhängig davon, ob man ihn für minderwertig hält.

    Das ist eine gute Unterscheidung, die mithilft, gesellschaftliche Debatten einzuhegen und friedlicher zu gestalten. Und deshalb sollte man auch von Fremdenfeindlichkeit reden, wo man die Frage, inwiefern zB Demonstranten andere Menschen für minderwertig halten, nicht beantworten kann.

    Es ist ein mE völlig abwegiger Gedanke, man könne Fremdenfeindlichkeit dadurch bekämpfen, dass man Menschen mit möglichst drastischen Vokabeln belegt, die man sich für diesen Zweck einfach neu definiert, und solange damit beschimpft, bis sie umfassend beschämt sind und sich ändern (oder wenigstens die Klappe halten). Das wird nicht passieren. Stattdessen arbeitet man nur selbst mit an gesellschaftlichen Spaltungen, die sich irgendwann nicht mehr durch eine wie auch immer geartete friedlich-verbindende Politik schließen lassen, Gott bewahre.

    Aber wenigstens hat man sich auf dem Weg dahin moralisch ordentlich gebauchpinselt.

  7. Nur zur Klarstellung. Dass Neonazis, ob sie mit Hakenkreuz-Aufnäher und Hitlergruß „demonstrieren“ oder nicht, auch Rassisten sind, bestreite ich nicht.

  8. Das „fremdenfeindlich“ bezieht sich ja auch nicht darauf, ob sich ein Migrant eingelebt hat oder sich noch fremd fühlt, sondern darauf, dass jemand mit diesen Leuten „fremdelt“ und ihnen feindlich gegenübersteht. Die Klassifikation als „fremd“ sagt eigentlich nichts über den so eingeordneten aus, sondern viel mehr über den der einordnet.

    „Wer tatsächlich von Rechtsextremen angegriffen wurde, sind Geflüchtete und Eingewanderte, jüdische Restaurantbetreiber, Menschen mit nichtweißer Hautfarbe. Es ist anzunehmen, dass sie untereinander nicht viel gemeinsam haben, oder höchstens zufällig – trotzdem werden sie jetzt unter einem Begriff geführt: Fremde.“

    Werden sie das wirklich, oder beschreibt der Begriff nicht, dass der Rechtsextreme Leute angreift, die ihm fremd sind? Das sind bei Rechtsextremen meist sehr viele Leute, denen er feindlich gegenüber steht, weil ihm außerhalb seines rechten Gedankengutes, vieles fremd ist.

    „In dem Wort „Fremdenfeindlichkeit“ schwingt aber mit, dass man diese „Fremdheit“ nicht ablegen kann, egal, ob man deutsch ist oder nicht, oder ob man vorhat, in diesem Land sein Leben aufzubauen oder nicht.“

    Es geht bei „Fremdenfeindlichkeit“ auch nicht um die Unterscheidung zwischen deutsch und (angeblich) nicht-deutsch, sondern zwischen „fremd sein“ und „vertraut sein“. Auf „Fremdenfeindlichkeit“ kann auch ein Deutscher im eigenen Land stoßen. Mit starkem sächsischen Dialekt kommt man (in den letzten Wochen wieder häufiger) sehr schnell in den Genuss von „Fremdenfeindlichkeit“. Das kritisiert aber keiner, obwohl es im Grunde genau der gleiche Mechanismus ist: Leuten außerhalb von Sachsen sind „diese Sachsen“ offensichtlich auch fremd, obwohl sie schon seit fast 30 Jahren zum vereinten Deutschland gehören. Das schlägt nicht immer in Feindlichkeit um (obwohl das in den sozialen Medien durchaus häufig in diesen Bereich kommt) aber man merkt doch immer wieder ein starkes „fremdeln“ in den meist aus einer westdeutschen Feder geflossenen Artikeln. Das ist dann auch kein Maßstab dafür, ob sich die Sachsen in Deutschland fremd fühlen, sondern dafür, wie sie aus der Sicht der anderen 15 Bundesländer wahrgenommen werden.

    In manchen Dörfern in Deutschland kann man noch so deutsch aussehen, noch so hochdeutsch sprechen und noch so sehr in Deutschland geboren sein; wenn man dort nicht schon Jahrzehnte lebt oder gar geboren wurde, bleibt man ein Fremder. Es gibt Leute in Chemnitz, für die sind alle fremd, die nicht in Karl-Marx-Stadt geboren wurden.

    Dieses Problem wird man nicht lösen, wenn man es immer nur im Zusammenhang mit Migration anprangert und kritisiert. Fremdenfeindlichkeit ist ein viel größeres Problem und es wird immer größer, da diese Gesellschaft es zunehmend verlernt mit „fremden“ Meinungen, Ideen, Ansichten, usw. umzugehen. Toleranz gegenüber fremden nimmt zunehmend ab und mündet sehr oft in Feindschaft; man sehe sich dazu mal die ganze Shitstorm-Problematik an. Beim Rassismus wird das nur besonders deutlich, weil die Gesellschaft darauf trainiert ist, das schlimm zu finden.

  9. Illen: Wer verlangt, den Teilnehmern am Vernichtungskrieg, den Mördern von sechs Millionen Juden und zwanzig Millionen Sowjetbürgern »Ehre« zu erweisen, wie Gauland das immer wieder tut, ist ein Nazi. Punkt. Wer sagt, »an einer bestimmten Stelle, zwischen 1933 und 1945« sei »die deutsche Geschichte völlig schiefgelaufen« – nicht etwa 1933, bei der Ermächtigung der NSDAP, der Einrichtung von KZs für Nazi-Gegner und der Ankündigung, dass Juda verrecken müsse, sondern vielleicht erst auf dem halben Weg hin zu 1945, etwa 1939, ein Jahr nach der noch nicht schiefgelaufenen »Reichskristallnacht«, ist ein Nazi. Wer seine Partei oder ihn, der das im Interview mit der Funke-Mediengruppe so ungeschönt offenbart wie Hitler seine mörderischen Pläne in Mein Kampf, wählt oder sonstwie fördert, etwa indem er an Demonstrationen teilnimmt, auf denen den übers Mittelmeer Flüchtenden im Chor ein »Absaufen! Absaufen!« zugerufen wird, ist ein Nazi. Und muss nicht zuletzt deshalb so genannt werden, weil es das einzige ist, was der Nazi und sein Umfeld fürchten.

    Wenn Politik und Medien gegen jede Beweislage darauf bestehen, dass hier »besorgte Bürger ihre Sorgen und Ängste« austoben, denken sie an ein Morgen, an dem ihre Karriere, wenn nicht ihr Leben an dem Daumen hängen, den ein Gauland oder eine Weidel über sie hebt oder senkt.(Quelle: konkret)

    Ihre Definition/Beispiele von „Nazi“ sind zu eng gefasst.

  10. Mir gefallen zwei Sachen an dem Artikel nicht:
    Zum einen finde ich es befremdend, dass Menschen die Kritik an einem nicht akzeptablen Verhalten üben, was ja wichtig ist, jetzt unterstellt wird, dass sie ebenfalls den Rassismus mittragen, wenn Sie dabei das Wort „Fremdenfeindlichkeit“ benutzen.
    Zum anderen finde ich es etwas anmaßend, wenn die Autorin, ihre eigene Interpretation des Wortes zum Maßstab erhebt.
    Ihre Interpretation ist zunächst einmal Ansichtssache und tatsächlich auch interessant. Dann aber festzulegen, wer es bei Nutzung oder Umschreibung des Wortes falsch oder richtig macht, ist meines Erachtens nicht legitim.

  11. Fremdenfeindlichkeit hat das Pech, ein nichtfremdes Wort zu sein. Das Fremdwort Rassismus, hingegen, kann ja der Autorin zufolge weiter verwendet werden. Und das, obwohl es Abwertung und Feindlichkeit aufgrund vermeintl. Rassenzugehörigkeit bedeutet, mithin Opfer des Rassismus als rassisch verschieden stigmatisiert. Das so zu handhaben erscheint mir nicht so recht zu Ende gedacht. Beide Begriffe beinhalten einen Perspektivenwechsel, eine Sicht vom Rassisten („Die sind rassisch anders und schlecht“) und vom Fremdenfeind („Die sind und bleiben fremd und schlecht*“) aus. Aber nur aus dieser Innensicht lassen sich solch Begriffe definieren, denn in der Außensicht lösen sich die Begriffe ja völlig auf.

  12. #10 Gerdos

    Ich würde Ihnen bei Ihren Ausführungen gar nicht groß widersprechen. Nur was das mit meinem Beitrag zum Begriffspaar Rassismus/Fremdenfeindlichkeit zu tun haben soll ist mir ehrlich gesagt unklar. Mit „drastischen Vokabeln“ meinte ich in diesem Zusammenhang die Forderung, nicht mehr von Fremdenfeindlichkeit, sondern nur noch von Rassismus zu reden.

    Wo ich Ihnen aber entschieden widersprechen würde, ist Ihre Aussage, Leute hätten Angst, Nazis genannt zu werden. Das sehe ich überhaupt nicht. Die Höcke-Fraktion hat keine Angst, sondern nutzt den Vorwurf zur Agitation. Offen auftretende Hitlergruß-Nazis haben offensichtlich auch keine Angst. Und die Vielzahl „besorgter“ Bürger haben auch keine Angst, sondern sind wütend, aus einer mittlerweile vielfältig und erschöpfend dargelegten Anzahl von Gründen, von denen die Migration nur derjenige ist, auf den sich Unzufriedenheit schon immer sehr leicht kanalisiert hat. Ich sehe nicht was es da helfen soll, mit der Gießkanne Nazietiketten zu verteilen, jenseits der Höckes dieser Republik.

  13. Schon wieder ein „Auweia-Artikel” will die Autorin nicht begreifen, dass es Menschen gibt, die alles ablehnen, was ihnen fremd ist? Aber 9 TFE hat’s ja schon beschrieben… Ich hat schon immer befremdet, dass es in Teilen Deutschlands Fremdenzimmer gibt… wo sonst Gästezimmer angeboten werden… aber, dass man sich so an dem Wort Fremdenfeindlichkeit hochziehen kann befremdet mich noch mehr…

  14. @#10 Werner L.
    „…will die Autorin nicht begreifen, dass es Menschen gibt, die alles ablehnen, was ihnen fremd ist?“
    Das ist es ja. Es geht hier nicht um diese Leute, die alles ihnen fremde ablehnen. Sondern um die, die (entweder: vor allem oder ausschließlich) solche „Fremden“ ablehnen, die äußerlich anders aussehen als die Mehrheit – auch dann, wenn diese in der gleichen Stadt wie sie selbst geboren wurden.
    Das ist dann keine „Fremdenfeindlichkeit“ im Wortsinn mehr, sondern Ausschluss nach einem anderen Kriterium, in diesem Fall einem äußerlichen. Daher ist es dann Rassismus und nicht mehr „Fremdenfeinlichkeit“.
    Darum finde ich den Punkt, den die Autorin macht, berechtigt: Dieses Wort hilft in vielen Fällen dabei mit, Menschen zu vermeintlich „Fremden“ zu machen, die keine „Fremden“ sind, verdeckt dabei den eigentlichen Grund, weshalb manche Menschen andere Menschen jagen und reproduziert leider sogar die Wahrnehmung bei den Lesenden/Hörenden, dass „anders aussehen als die Mehrheit“ gleichbedeutend mit „fremd sein“ ist.

  15. Vorsicht Sarkasmus
    „fremdnfeindich“ ist doch totalst Out…
    der aufgeklärte Wasauchimmer benutzt das neue unverbrauchte
    „Migrations-kritisch“!
    Diese Vielfalt der den Einfältigen dienlichen Begrifflichkeiten ,wunderbar

  16. Nee, sorry. Das stimmt so nicht.

    „Fremdenfeindlichkeit“ definiert niemanden als fremd oder als Fremden per se. Das kann es schon allein deswegen nicht weil die Gegengruppe dabei nicht definiert ist. Fremd im Verhältnis zu was? Fremd in Deutschland? Können Franzosen dann nicht fremdenfeindlich sein? Genau.

    „Fremdenfeindlichkeit“ heisst umständlicher „Feindlichkeit gegenüber allem als fremd empfundenem“. Ein Antisemit z.B. ist „fremdenfeindlich“ weil IHM Juden oder das Judentum fremd sind, weil er es in feinster Lagerabgrenzung und Rudelbilding „wir gegen die“ als nicht zu seiner eigenen Gruppe zugehörig ansieht, aus welchen Blödsinnsgründen auch immer. NICHT weil Juden oder das Judentum allgemein, generell, in Deutschland oder überhaupt, „fremd“ wären. Das Wort ist nicht dazu da, um etwas über die Opfer dieser Feindlichkeit auszusagen, sondern über die Ausgangspunkte derselben.

  17. @#20 Nona:

    Ja, ich sehe Ihren Punkt. Sie haben Recht.

    Im Kontext der Debatte, die hier in Deutschland gerade geführt wird, wird das Wort „fremdenfeindlich“ dabei häufig dann angewandt, wenn es darum geht, dass weiße Menschen (meist, die sich selbst als Deutsche sehen), andere, zumeist nicht-weiße Menschen aufgrund ihres Äußeren diskriminieren – weil sie sie nicht als Deutsche sehen.
    Dadurch wird das Wort in einen Zusammenhang mit dem Aussehen von Menschen gesetzt, ist mein Gefühl.
    Wenn es um Gewalt gegen Juden geht, wird, meiner Wahrnehmung nach (die täuschen mag), eher von „antisemitischen“ oder „judenfeindlichen“ Handlungen gesprochen, seltener von „fremdenfeindlichen“.

    Wie Sie sagen, mag der Ursprung (subjektives als „fremd“ wahrnehmen) hinter all diesen diskriminierenden Handlungen ein sehr ähnlicher sein.
    Ich glaube nur, dass viele Menschen mit dem Wort „fremdenfeindlich“ etwas verbinden, das in einer abstrakten und für die Menschen selbst nicht klar definierten Weise (und möglicherweise auf irgendwelchen Vorkriegs-Deutschland-Vorstellungen fußend) „fremd“ für ihr Deutschland-Bild ist. Und ich glaube, dass zu diesem Bild durchaus Juden gehören, jedoch eher weniger nicht-weiße Menschen.

    Das zusammen gesehen mit der hauptsächlichen Verwendung des Wortes „fremdenfeindlich“ in den Medien im Kontext von diskriminierenden Handlungen gegenüber nicht-weißen Menschen (was aber erstmal nur mein persönlicher Eindruck ist), sagt dann – leider in irreführender Weise, wie Sie richtig dargestellt haben – für viele Menschen eher etwas über die Opfer der Feindlichkeit aus. Leider damit verbunden, dass sie die Perspektive der Täter nicht kritisch reflektieren. Das ist aber nur mein Eindruck.
    Meine Annahme dafür, warum das so ist, ist, dass viele aus der wei0en Mehrheits-Gesellschaft eben jene, überholten und möglicherweise komplett falschen Vorstellungen von diesem „alten“ oder „ursprünglichen“ (vor allem weißen) Deutschland mit den Tätern teilen – auch wenn nicht mit der gleichen, ins „feindliche“ übergehenden Umgangsweise wie die Täter.

    Als Beispiel dieses blöden und irreführenden Mechanismus‘ kann vielleicht mein letzter Kommentar gesehen werden?

    Ich weiß nicht, ob ich das was in meinem Kopf an Gedanken dazu herum schwirrt, jetzt auch in verständlicher Weise hier in Worte fassen konnte.
    Und vielleicht bin ich auch schon über das eigentliche Thema hinausgeschossen.

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