Alexander Prinz über sein Ende bei Funk

„Dieses System ist so riesig und unbeweglich“

„Der Dunkle Parabelritter“ hat nach zwei Jahren das Jugendangebot von ARD und ZDF wieder verlassen. Was er unterschätzt hat, wieso er sich teilweise „persönlich verarscht“ fühlt und ob er trotzdem nochmal für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk arbeiten würde, erzählt er im Interview.
YouTuber Alexander Prinz
YouTuber Alexander PrinzFoto: Ronny Goetter / Bearbeitung: Alexander Prinz

Vor zwei Jahren wechselte Alexander Prinz mit seinem Kanal „Der Dunkle Parabelritter“ zu Funk. Für viele war das überraschend. Der bis dahin eigenständige YouTuber hatte zuvor immer wieder laut das Jugendangebot von ARD und ZDF kritisiert. Die Kooperation wirkte auch wie eine Antwort von Funk auf alte Vorwürfe: zu ideologisch, zu sehr von großstädtischen Perspektiven geprägt. Mit Prinz kam zudem eine markante Stimme aus Ostdeutschland ins Netzwerk.

Früher produzierte Prinz seine Videos alleine, inzwischen hat er in Halle eine Produktionsfirma gegründet – mit einem Team, das ihn inhaltlich und technisch unterstützt. Seine Videos tragen Titel wie „AfD – Warum eigentlich nicht?“ und locken nach wie vor mit reißerischen Vorschaubildern. Dem „Spiegel“ sagte er vor zwei Jahren über diese Strategie: „Ich möchte Leute abholen, die für so etwas anfällig sind, ja. Und diesen Leuten dann die Möglichkeit geben zu überdenken, ob sie weiter so anfällig dafür sein wollen.“ 

Videos auf dem Kanal „Der dunkle Parabelritter“
Screenshot: YouTube / Der Dunkle Parabelritter

Prinz steigt in seine Videos zwar oft provokativ, teils sogar polemisch ein. Wer jedoch dranbleibt, bekommt differenzierten, undogmatischen, gründlich recherchierten und zugleich meinungsstarken und unterhaltsamen Content. Ein gutes Beispiel dafür ist sein Video über Migration.

Vergangenen Sonntag hat Prinz in einer „Abrechnung“ auf YouTube bekannt gegeben, dass er Funk wieder verlassen hat. Wir haben mit ihm über das Ende der Zusammenarbeit gesprochen – und ihn gefragt, unter welchen Umständen er noch einmal zusagen würde und wie er künftig ein Publikum jenseits von Plattformlogiken und Algorithmen erreichen möchte.


Übermedien: Funk und du habt nach zwei Jahren also „schlussgemacht“. In deinem neuesten Video wird nicht so richtig klar, von wem die Trennung ausging.

Alexander Prinz: Die Trennung ist einvernehmlich. Die Altersgruppe, die wir auf YouTube mit unserem Format erreichen, ist für Funk zu alt. Aber ehrlicherweise war sie auch vorher schon zu alt. Dass unsere Zusammenarbeit ein Auslaufdatum haben wird, war von Anfang an klar. 

Nach dem ersten Jahr habe ich aber auch gesagt: Uff, das war schon anstrengend. Damals war ich gerade dabei, meine Redaktion überhaupt erst aufzubauen. Wir haben quasi ein ganzes Jahr daran gearbeitet, sie so zu entwickeln, dass es funktioniert. Also dass Dinge leichter laufen und Stressfaktoren geringer werden. Dann haben wir es noch ein Jahr probiert, es ist aber nicht weniger stressig geworden. Außerdem habe ich gemerkt, dass die öffentlich-rechtlichen Strukturen für das Internet oft einfach zu langsam sind.

Wie ist dein Team aktuell aufgestellt?

Wir sind insgesamt 18 Leute, die für alle Kanäle arbeiten. Dazu zählen Cutter und Redakteure – Festangestellte sowie Freelancer. Dementsprechend haben wir natürlich schon vorgeplant. Es sind andere Projekte am Laufen. Beispielsweise arbeiten wir mit der Landeszentrale für politische Bildung in Sachsen-Anhalt zusammen. Bei ein paar Ausschreibungen warten wir noch auf Rückmeldung. Ansonsten sind ja drei große Kanäle auf YouTube zu betreuen, die auch auf Spotify ausgespielt werden. Außerdem haben wir mehrere TikTok-Kanäle.

Im Video, in dem du über die Trennung von Funk sprichst, nennst du vor allem drei große Kritikpunkte am öffentlich-rechtlichen Rundfunk: die behördenähnliche Trägheit, die Zielgruppenlogik (also, dass erfolgreiche Formate gestrichen werden, wenn die Zielgruppe zu alt wird) und den Umgang mit der Plattform TikTok. Kurz vor deinem Wechsel zu Funk hattest du in einem Video diese Punkte eigentlich auch schon aufgezählt. Warum bist du trotzdem zu Funk gegangen? Hast du das unterschätzt?

Ich war wirklich überzeugt, dass sich etwas ändern könnte. Wie lachhaft das auf mich jetzt wirkt nach zwei Jahren. Dass ich gedacht habe, dass das, was wir tun, irgendeine Bedeutung hätte für dieses riesige System. Das ist eigentlich die größte Erkenntnis für mich: Dass dieses System so riesig und so unbeweglich ist, dass Einzelne gar nichts daran ändern können. Und das habe ich jeden Tag bemerkt, weil auch Leute, mit denen wir zusammengearbeitet haben, daran verzweifelt sind. Mir war nicht bewusst, wie viel zur eigentlichen inhaltlichen Arbeit dazu kommen würde. Und wie viele Notwendigkeiten und Verantwortlichkeiten es gibt. Das war teilweise so belastend und hat meine Arbeit extrem verlangsamt. Wer im Vorfeld gedacht hat, er könnte bei Funk ganz normal als YouTuber weiterarbeiten, der ist dann natürlich komplett abgefuckt, um das mal so drastisch zu sagen. 

Kannst du ein Beispiel nennen? 

Das, was Funk sein soll, ist gut und wichtig: In einem neuen Medium mit jungen Medienschaffenden Inhalte zu kreieren, die einen journalistischen Anspruch haben und die eine junge Zielgruppe erreichen. Es fehlt aus meiner Sicht aber die Bereitschaft, sich auf die Metriken der Plattform so einzulassen, dass es funktionieren kann. Meine Erkenntnis ist, dass Aktualität alles schlägt, alles. Es war aber zum Beispiel nicht möglich, ein tagesaktuelles TikTok zu veröffentlichen, weil das so viele Leute beim MDR absegnen mussten. Ich wundere mich, wie in diesem Kontext Dinge wie der „Brave Mädchen“-Podcast entstehen konnten.

Du meinst den Läster-Podcast einer Influencerin und einer Reality-TV-Darstellerin, den Kritiker als „unterkomplex“ bezeichnet haben. Er lief für zehn Folgen bei Funk und wurde kürzlich abgesetzt…

Also ich kann es mir aus allem, was ich bei Funk erlebt habe, nicht erklären, wie es so etwas geben kann. In meinem Umfeld war Qualitätssicherung ein Riesending. Man fühlt sich da auch persönlich verarscht, ehrlicherweise: Ich musste eine Quelle dafür angeben, dass Marie Antoinette auf der Guillotine gestorben ist, und dann darf es so einen Podcast geben? Ich hatte eine Person in Vollzeit, die nichts anderes gemacht hat, als die Korrektheit von Quellenangaben zu überprüfen, Schnittlisten zu korrigieren und Abnahmen mit der Redaktion zu koordinieren. Wir haben eine Tasse für unsere Gegenparts beim MDR produziert, auf der das Wort „Quelle“ draufsteht. Und ich meine, das spricht ja für sich, wenn 600 Quellen für ein Video angegeben werden müssen. Wo im Internet gibt es so was? Das ist absurd.

Andererseits spricht das auch für Qualität. Ich habe den Eindruck, dass deine Videos differenzierter und genauer geworden sind.

Ich hatte vor meiner Zeit bei Funk auch 200 Quellen bei manchen Videos. Dass sie differenzierter geworden sind, hat damit zu tun, dass jetzt eine Redaktion dran sitzt – und nicht mehr ich alleine. Die verschiedenen Perspektiven haben die Qualität der Videos allgemein sehr verbessert. Und deswegen möchte ich das auch gerne aufrechterhalten und meine Redaktion weiterhin finanzieren können. Bei politischen Themen ist die Monetarisierung von YouTube-Videos durch Werbung allerdings sehr schwierig. Themen wie Selbstmord, Krieg oder Terrorismus sieht YouTube sehr ungerne. Wenn du einen Beitrag zu diesem Thema veröffentlichst, ist es sehr wahrscheinlich, dass er demonetarisiert wird (nicht mehr über Werbung Geld einspielen kann, Anm. d. Red.).

Neben YouTube ist Funk nun auch auf TikTok immer präsenter. Du siehst das sehr kritisch. Warum?

YouTube hat zwar auch seine Probleme, die vor allem in der kapitalistischen Marktlogik liegen. Allerdings unterstelle ich YouTube keine gezielte Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch das Blocken oder Nicht-Blocken von Inhalten. Bei TikTok ist das komplett anders. Dort werden ganze Themenbereiche – selbst wenn man sie nur am Rande berührt – teilweise komplett aus dem Verkehr gezogen. Ich finde es höchst problematisch, dass sich öffentlich-rechtliche Sender der Logik einer Plattform unterwerfen, bei der man davon ausgehen kann, dass sie einerseits durch die Kommunistische Partei in China beeinflusst wird und andererseits indirekt auch durch Freunde von Donald Trump. Das passt für mich nicht zu der Vorstellung, wie ein von uns allen finanziertes Medienangebot verbreitet werden sollte. Zumal TikTok auch nicht der Ort ist, an dem ausschließlich Jugendliche unterwegs sind. Die Altersstruktur auf TikTok ist ähnlich wie auf anderen Plattformen. Natürlich versucht man jetzt, verlorenen Boden wieder gutzumachen, weil man die eigenen Mediatheken zu spät bespielt hat. Aber ich glaube nicht, dass TikTok dafür die Lösung ist.

Was ist denn die Lösung, um junge Menschen zu erreichen? 

Genug Budget, um Inhalte zu generieren, die für diese jungen Menschen attraktiv sind. Und nicht zu denken, dass sich jeder in der Zielgruppe für jedes Thema interessiert. Ich weiß nicht, wie deine Erfahrung war, aber in meinem Umfeld hat sich mit 15 niemand für Politik interessiert. Du interessierst dich für Themen des Lebens, für gesellschaftlich relevante Themen vielleicht, wenn Leute etwas aufarbeiten, was in deiner Welt stattfindet. Du kannst den Leuten aber nicht oktroyieren, dass sie sich jetzt für Geopolitik begeistern sollen. Das führt dazu, dass tolle Formate, die fantastisch funktionieren, eingestampft werden, weil sie eine ältere Zielgruppe erreichen als von Funk vorgesehen. Beispiele sind die Formate „Walulis“ und „Crisis – Hinter der Front“. 

Der Gedanke, Menschen vom jungen bis ins mittlere Alter zu begleiten und ihnen weiterhin passende Angebote zu machen, existiert eigentlich nicht. Stattdessen gibt es dann nur noch die ältere Zielgruppe, die linear im Fernsehen etwa mit Tatorten versorgt wird. Umgerechnet entsprechen etwa 27 Tatorte dem kompletten Funk-Budget. Das ist doch absurd. Gleichzeitig entsteht eine Lücke zwischen etwa 30 und 50 Jahren. Diese Gruppe wird höchstens lose mitgedacht, aber es gibt kein konkretes Angebot für sie. Genau das ist aber meine Zielgruppe: Menschen, die mit YouTube aufgewachsen sind und jetzt in diesem leeren Raum sitzen. Das wirkt insgesamt sehr schlecht durchdacht. Wenn eine Marke fast zehn Jahre existiert, ist doch klar, dass auch ihre Zielgruppe älter wird.

Es gibt bestimmt Leute bei Funk, die das ähnlich sehen. Wie bist du dort mit deiner Kritik angekommen? Wurde das gehört?

Fast alle Leute, mit denen ich dort konkret zu tun hatte, sehen das. Sie erleben täglich, wie schwierig und absurd die Situation ist. Ich glaube, ich würde ausrasten, wenn ich bei Funk verantwortlich wäre und ein Produkt aufbauen würde, das eigentlich fantastisch funktioniert – das man dann aber verlassen oder aufgeben muss. Diejenigen, die die fehlende Modernität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks am stärksten kritisieren, sind oft genau die Menschen, die dort selbst arbeiten. Da gibt es viel Frustration, aber auch viele Ideen und Vorstellungen davon, was man eigentlich machen könnte.

„Schade Funk“ - Video-Thumbnail mit Alexander Prinz
Screenshot: YouTube / Der Dunkle Parabelritter

Du sprichst in deinem Video auch die Arroganz etablierter Medien an, dir als YouTuber gegenüber. Was meinst du damit und was würdest du dir wünschen?

Mich deprimiert, dass das, was wir machen, für alle immer nur Internet ist. Man wird dafür in der großen, weiten, etablierten Medienwelt nicht wahrgenommen. Ich hatte die Hoffnung, dass die Zusammenarbeit mit Funk daran etwas ändert. Das ist nicht passiert. Man wird nicht ernster genommen. Und das finde ich sehr traurig, denn unsere Qualität kann sich eigentlich schon jetzt mit Fernsehbeiträgen messen. Ich würde mir wünschen, dass man einfach mal das Budget eines normalen Informationsformats im Fernsehen bekommt, und dann gucken wir mal, was läuft.

Würdest du nochmal ja sagen, wenn dir der MDR oder ein anderer Sender eine Politsendung im Fernsehen oder in der Mediathek anbieten würde?

Grundsätzlich ja, natürlich. Ich bin da unbelehrbar. Ich glaube immer noch daran, dass es gut ist, dass wir den ÖRR haben. Und ich bin gerne bereit, auch weiterhin meinen Teil zu leisten, um ihn zu verbessern. Unser Projekt lief ja nach allen Metriken sehr erfolgreich. Wir haben 600 Millionen Minuten Watchtime in zwei Jahren mit Diskursanalyse erreicht. Nur war der Prozess eben sehr viel anstrengender, als er hätte sein müssen. Also: Ja, ich bin dazu bereit. Aber eine Einschränkung muss ich doch machen: Nicht nochmal auf meinem Hauptkanal. 

Du gründest nun auch eine neue Medienmarke bei Steady. (Transparenzhinweis: Auch Übermedien ist Publisher bei Steady.) Das ist im Grunde das Gegenteil von Plattformlogiken und Algorithmen, weil die Inhalte dort nicht kostenlos sind, sondern von einer Community finanziert werden. Glaubst du nicht, dass du damit einen Teil – vielleicht sogar einen großen Teil – deiner bisherigen Zielgruppe verlierst? Und welche Art von Journalismus wollt ihr dort machen?

Der Unterschied zu unseren bisherigen Formaten liegt vor allem in den Themen und darin, wie wir an sie herangehen. Nehmen wir als Beispiel die Automobilbranche. Wenn wir dazu ein Video auf YouTube machen, wäre das wahrscheinlich ein Stück darüber, wie die Automobilindustrie in Deutschland den Bach runtergeht – also so ein typisches „Downfall“-Format, weil wir wissen, dass das gut funktioniert. Bei Steady könnte man dagegen ein viel spezifischeres Thema behandeln. Zum Beispiel: Welchen Einfluss hat der Wegfall von Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie auf den sozioökonomischen Raum Mittelsachsen? So ein Thema würde auf YouTube kaum jemand anklicken, weil es für die Plattformmetriken zu speziell ist. Auf YouTube muss man Inhalte immer auf einen Kern herunterbrechen. Sobald man stark regional wird oder sich an ein sehr spezifisches Publikum richtet, verliert man dort an Reichweite. Bei Steady spielt das keine Rolle. Wenn im Newsletter ein Artikel dabei ist, der nicht interessiert, scrollt man einfach weiter. Wir verlieren dadurch auch keine Zielgruppe. Die Leute, die unsere Inhalte auf den großen Plattformen sehen – wo wir weiterhin zig Millionen Views im Monat haben –, bleiben dort. Diese Kanäle bespielen wir genauso wie bisher. Aber für diejenigen, die sagen: „Alex, wir verstehen, was du sagen willst, wir haben Bock auf den Rest“, gibt es dann Steady.

Was ich an deiner Rolle immer interessant fand, ist, dass du schon vor deiner Zeit bei Funk eine Bubble angesprochen hast, die die Öffentlich-Rechtlichen sehr kritisch sieht. Gerade deshalb fand ich es bemerkenswert – und auch klug – von Funk, dass sie dich zu sich geholt haben. Konntest du diesen Teil deiner Fans jetzt ein wenig vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk überzeugen? 

Na ja, es gibt sicherlich einige, die sich dadurch „bekehrt“ gefühlt haben. In den Kommentaren tauchen zum Beispiel oft Aussagen auf wie: „Jetzt, wo du beim ÖRR bist, zahle ich die GEZ doch gerne.“ Ob das ironisch gemeint ist oder ein Fünkchen Wahrheit dahintersteckt, weiß man natürlich nie. Ich denke schon, dass es aus Sicht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks strategisch ein guter Schritt war, mich dazuzuholen. Für kritische Zuschauer hat das vielleicht gezeigt: Das Produkt verändert sich nicht, der Typ wird nicht Teil einer politisch gelenkten Maschinerie. Vielleicht ist es doch gar nicht so schlimm. Meine Zielgruppe sind Menschen, die kritisch sind, aber noch offen für andere Perspektiven. Ich bekomme oft Kommentare von Leuten, die sagen: „Ich bin selten deiner Meinung, aber ich möchte deine Meinung hören.“ Und das ist wichtig.

In deinem Video sagst du auch, dass du bei den Verantwortlichen viel Angst gespürt hast. Hat das die Themenwahl bei deinen Videos beeinflusst?

Nein, bei uns war das nicht der Fall. Ich habe aber bei vielen Leuten im Öffentlich-Rechtlichen das Gefühl, dass sie Angst vor politischem Backlash haben – besonders bei denen, die in verantwortlichen Positionen sind. Dabei darf man auch nicht unterschätzen, dass politischer Druck oft indirekt ausgeübt wird, etwa durch Anfragen oder Klagen. Und da ist natürlich dieser öffentliche Druck vonseiten der AfD, wenn sie sich unterrepräsentiert fühlen könnte. Ich würde da sagen: Fickt euch, ist mir doch egal! Aber das geht halt nicht. Die AfD muss sich in irgendeiner Form repräsentiert fühlen – oder man muss als Medium zumindest argumentieren können, warum sie sich nicht missachtet fühlen können. Sich diesem politischen Spiel auszuliefern, ist für mich aber problematisch. Das ist keine Neutralität, wenn man sich dem Kulturkampf unterwirft. Die, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ablehnen, wollen ihn ohnehin abschaffen. Ob man noch zwei Jahre nett zur AfD ist oder nicht, wird daran nichts ändern.

10 Kommentare

  1. Schön, auch wenn ich mit Herrn Prinz nicht immer einverstanden bin (und keinen Metal mag), halte ich ihn doch für einen ziemlich reflektierten Zeitgenossen. Dass er jetzt differenzierte Kritik aus der Innenschau von Funk liefern kann, ist viel wert.

  2. Ich finde den Ansatz von Funk nachvollziehbar und gut. Wie will man sonst garantieren, dass immer wieder eine heranwachsende Generation im ÖRR vertreten ist? Daran würde ich nichts ändern. Unverständlich finde ich nur, dass offenbar kein Übergang erfolgreicher Formate in andere Schichten vorgesehen ist.

    Problematisch scheint das aber vor allem für Personality-Formate zu sein. Die lassen sich nur mühsam oder gar nicht vom alternden Host lösen. Bei Die Da Oben scheint das von längerer Hand mitgedacht worden zu sein, da geht dann jetzt ein prägendes Gesicht wie Jan Schipmann, aber das Format kann bleiben. Auch bei MrWissen2go wäre ein Hostwechsel denkbar, weil der Grundansatz weniger egozentrisch ist. Der Parabelritter kann nicht auf Funk überleben, das ist klar und in meinem Augen richtig. Er müsste dann jetzt zu ZDF Neo oder so. 😉

    Insgesamt frage ich mich bei Funk jedoch, ob sie die intendierte Zielgruppe wirklich ansprechen. Ich bin über 50 und schaue regelmäßig einige Funk-Formate. Der Parabelritter gehört dazu.

    Ich wundere mich, dass dieser angebliche Quellenfetisch nicht eher gefeiert wird. Ich finde es jedenfalls beeindruckend, dass das auch für Marie Antoinette gilt. Zu ihr gibt es ja einiges vermeintliches Allgemeinwissen, das eigentlich falsch ist (Möge das hungernde Volk Kuchen essen).

    Sicher kann man es übertreiben und das scheint beim Parabelritter stellenweise wohl auch passiert zu sein. Aber ich finde, man hat es dem Format auch angemerkt, dass es durch Funk fundierte wurde. Bin gespannt, ob sie das ohne der Funkokratie aufrecht halten können. Der Anspruch scheint jedenfalls da zu sein.

    Dass Funk nicht alle Formate gleich intensiv behandelt, hat mich auch überrascht. Aber bei einem launischen Laberpodcast auch irgendwie nachvollziehbar. Sonst funktioniert er doch in der Form gar nicht mehr. Es sind doch letztlich Stammtischgespräche. Und ein Wesenskern dieser ist ja, Meinungen rauszuhauen, ohne vorher recherchiert zu haben. Bei „Live“-Dialogen wird immer auch Müll verzapft. Deshalb halte ich sie für grundsätzlich problematisch, wenn sie aufgezeichnet werden. Das sieht man an Talkshows besonders gut, da ist der Meinungs- und Haltungsdruck ja prinzipbedingt besonders hoch. Genau deswegen scheinen viele Leute solche Formate auch spannend zu finden. Es ist ja wie eine Arena, und das Publikum fragt sich insgeheim, wer sie wohl mit „Verletzungen“ verlässt. Eine Bestätigung meiner These sehe ich auf YouTube, wo dann zig Folgevideos feiern, wenn Person X angeblich Person Y gegrillt, zerlegt oder gefickt hat – oder Person Z sich einfach blamiert hat.

  3. Allein, dass er „oktroyieren“ und nicht „aufoktroyieren“ sagt, zeigt, dass er seine Worte mit Bedacht und Verstand wählt :-)
    Vielen Dank für das gute Interview, auch wenn es bzgl. des ÖRR leider durchaus ernüchternd ist …

  4. Er spricht mir aus der Seele (darum schau ich ihn ja auch etwa so lang, wie ich Übermedien lese :D)
    Du hast wirklich richtig erfolgreiche digitale Formate und schmeißt sie aus funk raus oder stampfst die Formate ein, weil die Zielgruppe bis 21 überschritten wird. Das kann doch wirklich keiner verstehen.
    Und die wechseln dann natürlich direkt auf das Fernsehen bzw. Mediathek? Macht euch doch nicht lächerlich! Warum ist man nicht in der Lage z.B. YouTube richtig zu nutzen und einfach als Art Fernsehen für alle ab Jahrgang 1990 anzusehen, denn genau das ist es.

  5. #6: Ich weiß nicht, ob du mich adressieren wolltest. Mein Einwurf, dass Formate etwa zu ZDF Neo wechseln können, wenn die Zielgruppe nicht mehr in das Funk-Fenster passen, impliziert nicht, dass Leute dann ihre Sehgewohnheiten ändern. Auch dann sollten die Sendungen weiter bei YouTube bleiben und natürlich dort ihre Kanäle behalten.

    Ich bin zwar von 1976, aber mein ÖRR-Konsum findet auch größtenteils über die YouTube-Ausspielung statt. Das hat aber mehr praktische Gründe. In den Mediatheken kann ich keine Sendungen abonnieren, um einen persönlichen Feed zu erhalten. Gäbe es zuverlässige RSS-Feeds oder eine ActivityPub-Schnittstelle, würde ich darauf zurückgreifen.

    So „missbrauche“ ich eben YouTube. Dabei nutze ich aber nicht die Website, sondern die App Unwatched. Damit bin ich unbeeinflusst von Algorithmen, Empörungsempfehlungen und dem meist nutzlosen bis verstörenden Kommentarsumpf.

  6. Alexander Prinz ist ein Rebell. Zwar nicht in der Liga der Superrebellen (Campino, Krumbiegel, Grönemeyer & Gen.), aber das kann ja noch werden.

    Außerhalb der Echokammer erreicht er niemand mit seiner Brockenwerferei, doch darauf kommts wohl gar nicht an. Seine in Schnoddersprache geführten Selbstgespräche gegen Rechts dienen der rituellen Selbstvergewisserung in der Bubble. Die Unseredemokratie schätzt so was. Deshalb ist egal, ob er direkt von den Öffis finanziert wird oder über andere staatliche Geldflüsse. Solange er rebelliert, ist seine finanzielle Zukunft abgesichert.

  7. Campino ein Superrebell? Weil er Schlagertexte mit punkähnlicher Musik kombiniert?

    Ansonsten scheint der Beitrag aber mehr eine Selbstbeschreibung zu sein, mal abgesehen von den Finanzierungstheorien abseits des ÖRR.

  8. Diese rituelle Selbstvergewisserung gibt es immer nur in Bubbles, in denen ich nicht bin!
    Auf ewig gefangen im Spiegelstadium.

Einen Kommentar schreiben

Mit dem Absenden stimmen Sie zu, dass Ihre Angaben gemäß unseren Datenschutzhinweisen gespeichert werden. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.