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Naomi Ōsaka ist ein Tennis-Superstar – sie steht derzeit auf Platz 15 der Weltrangliste. Aufmerksamkeit bekam die Japanerin bei den gerade abgeschlossenen French Open aber vor allem für etwas anderes: ihre Outfits, ihre selbst ernannte „Court-ure“– High Fashion auf dem Tennisplatz.
Bei ihrem zweiten Match trug sie beispielsweise ein sandfarbenes Outfit, oben sportlich, unten mit Pailletten-besetztem Flatterrock. Dazu gehörte eine lange Schleppe, die sie aber fürs Spiel ablegte. Auch sonst tritt sie gerne pompös auf: mit Rüschen, langen Roben, Glitzer.

Die „Zeit“ widmete den außergewöhnlichen Looks der Japanerin einen langen Text im Feuilleton: „Jedes Kleid ein Schmetterball“. Es gebe zwar viele, die Ōsakas Outfits feiern, schrieb der Autor, aber ihr Style könnte für einen unfairen Wettbewerbsvorteil sorgen. Dabei meint er nicht den Wettbewerb um den Sieg in Paris, sondern den um mediale Aufmerksamkeit. Denn Ōsaka könne „andere Spielerinnen überstrahlen, die rein sportlich genauso viel Anerkennung verdienen. So gesehen wäre ihre ‚court-ure‘ eindeutig ein Foul Play.“
Das klingt, als würde die japanische Sportlerin sich Medienberichterstattung erschleichen wollen – und unterschlägt, dass die Entscheidungen darüber noch immer in Redaktionen getroffen werden.
Denn mediale Aufmerksamkeit ist für die Spielerinnen tatsächlich ein knapp bemessenes Gut. Für österreichische Medien hat das gerade erst eine Studie belegt: Nur 15 Prozent der Sportberichterstattung in Printmedien entfallen dort auf Frauen.
In Deutschland zeigt sich ausgerechnet bei der „Zeit“ ein ähnliches Bild, trotz der warnenden Analyse im eigenen Feuilleton. Denn zählt man dort die Artikel über die French Open, unbearbeitete Agenturmeldungen ausgenommen, kommt man auf insgesamt 16 Texte – zwölf davon widmeten sich Männern. Der Tennisspieler Alexander Zverev war als einziger deutscher Favorit Thema in gleich acht Texten, vom Achtelfinale bis zum Sieg. Das erklärt einen Teil des Ungleichgewichts – aber eben nur einen Teil.
Der italienische Favorit Jannik Sinner, Weltranglisten-Platz eins, schied in der zweiten Runde aus. Die „Zeit“ berichtete darüber nicht nur, sondern analysierte außerdem ausführlich seine Hitzetauglichkeit. Dem 39-jährigen Serben Novak Djokovic, ebenfalls früh ausgeschiedene Legende, widmete die Redaktion neben einer kurzen Matchbeschreibung einen Hintergrundartikel über seine Zukunft als „Senior“-Spieler.
Bei den Frauen sah es hingegen mau aus: Über Naomi Ōsaka und die Belarussin Aryna Sabalenka, aktuell an der Spitze der Weltrangliste, erschienen weder Spielberichte noch Hintergrundanalysen aus der Redaktion.
Neben dem Feuilleton-Text über Ōsakas Outfits gab es lediglich drei kurze Berichte mit Agenturmaterial, in denen es wenig um sportliche Leistung ging. Der Text über die Deutsche Tamara Korpatsch fokussierte sich auf ein Wortgefecht mit ihrer Gegnerin und der Artikel über Polin Maja Chwalińskas Überraschungserfolg ging mehr auf ihre Emotionen als auf ihr Spiel ein. Außerdem wurde der Sieg der russischen Spielerin Mirra Andrejawa in einem kurzen Bericht abgedeckt.
Dass eine ausgewogenere Berichterstattung möglich ist, beweist die „Sportschau“. Denn bei den Frauen passierte durchaus Dramatisches: Als Weltranglistenerste Aryna Sabalenka überraschend aus dem Halbfinale flog, gab sie im Anschluss eine Pressekonferenz, bei der sie niedergeschlagen zugab, am liebsten sofort mit dem Tennis aufhören zu wollen. Auch über Ōsakas plötzliches Ausscheiden im Achtelfinale wurde berichtet.
Am Freitag, dem Tag nach dem Halbfinale, dominierten auf der Turnierseite der „Sportschau“ die Ergebnisse der Frauen. Dort gab es gleich zwei Artikel zu Maja Chwalińskas „sensationellem Halbfinaleinzug“ und den „langen Ballwechseln“, mit denen sie ihre Gegnerin auslaugte. In einem weiteren Text ging es um Mirra Andrejewa, die ebenfalls zum ersten Mal ins Finale einzog.
Das sind gleich drei Artikel an einem Tag, genauso viele wie die „Zeit“ zu Frauen-Matches der French Open insgesamt publizierte. So gesehen hat Ōsaka den Aufmerksamkeitswettbewerb gewonnen. Die Verlierer sind die „Zeit“-Leser:innen, die von einem spannenden Turnier nur die Hälfte mitbekommen.
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Danke.
Das ist in allen Bereichen ein Elend.
Ich hab keine Erfahrungen mit Tennis, aber ich habe mit Leichtathletik zu tun. Da gibt es zusätzlich zur fehlenden Berichterstattung bei den Damen noch den zusätzlichen Nachteil, dass die Oberteile der Damen so klein sind, dass statt 5 nur 1 Sponsor Platz hat
Sie Frage, ob man dem Sport oder der Politik den Vorrang in der Berichterstattung geben sollte, wird also mit einem klaren Nein beantwortet. Hachja…
@2: Wie meinst du das? Ist das ein mir nicht bekanntes Zitat? Diese Frage wird doch im Artikel gar nicht verhandelt.
Ach, im Nachbarartikel geht’s darum, ob man bei der WM auch noch über politische Themen berichten kann…