Die FAZ-Legende von Jens Spahns Kinderwunsch in „herzlosen Zeiten“
Gegen 15 Uhr vermeldeten Medien am Samstag den Rücktritt des Unionsfraktionsvorsitzenden Jens Spahn. Nur drei Stunden später ging es in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ schon um sein mögliches Comeback. Der NRW-Korrespondent des FAZ-Feuilletons hatte einen Kommentar zu Spahns Rücktritt geschrieben.
„Nun ist Jens Spahn der erste deutsche Politiker, der wegen eines Kinderwunschs zurücktreten musste“,
lautet der erste Satz des Textes. Das ist falsch. Spahn ist nicht zurückgetreten, weil er mit seinem Mann eine Familie gründen wollte und sich diesen Wunsch erfüllt hat. Er ist zurückgetreten, weil das Paar sein Kind von einer Leihmutt…

Was das Absicht, dass auch hier die Aufklärung über die Intention des FAZ-Autors erst so spät benannt wird und man auf dem Weg dahin über manch eine vorherige Formulierung gewundert hat? :)
(„Warum sollte jemand, der Spahn offenbar auf Biegen und Brechen verteidigen möchte, X oder Y noch tun, um die Wahrheit zu betonen…?“ so etwa gings mir durch den Kopf in den ersten Absätzen.)
Wenn ja, hat der Kniff gut gewirkt und man konnte das Erlebnis des FAZ-Artikels womöglich ganz gut nachempfinden.
Lieber Peter Sievert,
diese Absicht hatte ich tatsächlich gar nicht. Das ist dann wohl eher eine Schwäche meines Textes, wenn Sie sich in die Irre geführt fühlen. Aber nett, dass Sie das als „Kniff“ auslegen :)
Herzliche Grüße
Annika Schneider
Mir ging das tatsächlich auch so wie #1 beim Lesen.
Tatsächlich nehme ich die Berichterstattung aktuell aber auch so wahr, dass der Rücktritt vor allem auf diese Leihmutterschaft bzw. die damit verbundene Doppelmoral zurückgeführt wird. Dabei ist das so ziemlich die harmloseste Verfehlung, die sich Spahn seit seiner Zeit als Gesundheitsminister geleistet hat. Von daher scheint es mir fast schon Kalkül zu sein, den unvermeidlichen Rücktritt jetzt so herbeizuführen („Für ein mögliches Comeback sei der Kinderwunsch von Spahn ‚geradezu ideal und im Grunde nicht zu übertreffen’“). Nur dass ich mir nicht mal bei Jens Spahn vorstellen kann, dass in diesen Karrierismus jetzt ein Kind mit reingezogen wird.
Nachfrage aus Interesse: Gibt es einen Grund, weshalb Sie Herrn Spiegel nicht beim Namen nennen ubd konsequent vom „FAZ-Autor“ schreiben?
Dass Narrativ wurde übrigens auch von Herrn Neubauer (Spiegel) im Presseclub vertreten. Zitat „die Partei der Christen, die Partei der Familien, diePartei der heiligen Leihmutter Maria (sic!)“.