Warum erfahren wir so wenig über die Flutkatastrophe in Tibet?
Bei der Sturzflut im Himalaja sind mehr als tausend Menschen ums Leben gekommen. Doch zur genauen Lage in Tibet, das neben Nepal auch betroffen ist, gibt es nur wenige Berichte. Und wenn, dann nur solche, die Chinas Regierung gerne zeigen will. Anruf bei SZ-Korrespondentin Lea Sahay.
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Aus Nepal sah man zerstörte Dörfer, hörte Interviews mit Betroffenen, sah die Bergung der Leichen. Und aus Tibet? Auch dort hatte die Flut katastrophale Auswirkungen. Doch unabhängige Bilder aus der von China kontrollierten Region gibt es nicht. Der chinesische Staat zensiert alles, was nicht seinem Wunschbild entspricht.
Lea Sahay berichtet seit zehn Jahren aus China, aktuell für die „Süddeutsche Zeitung“. Im Podcast sagt sie:
„Das ist wirklich wie ein Naturgesetz, dass wir nicht nach Tibet dürfen. Das ist das Erste und das Letzte, was man über unsere Berichterstattung wissen sollte, und trotzdem ist es überhaupt nicht präsent.“
Das Ziel Chinas: nicht die Kontrolle verlieren über das, was von dort erzählt wird. Auch von der Sturzflut lässt die Regierung nur die Bilder zu, die sie selbst von der Region zeichnen möchte. Im Podcast beschreibt Sahay Rettungsvideos mit pathetisch unterlegter Musik und Interviews mit einem Rettungshund. Aufnahmen von der Zerstörung des Grenzpostens zwischen Nepal und Tibet, die auf sozialen Plattformen geteilt wurden, sind hingegen allesamt verschwunden.
Wie wehrt sich Chinas Bevölkerung gegen die ZensurWenn staatliche (oder andere) Stellen die Verbreitung oder den Zugang zu unabhängigen...? Wie kommt Sahay trotz allem an Informationen? Und was passiert, wenn sie mal wieder vom chinesischen Außenministerium vorgeladen wird? Darüber sprechen Holger Klein und Lea Sahay in der neuen Folge „Holger ruft an…“.
Die Gesprächspartnerin
Lea Sahay ist China-Korrespondentin der „Süddeutschen Zeitung“ und berichtet aus Peking über die chinesische Politik und Gesellschaft. Von 2016 bis 2018 arbeitete sie in Shanghai für die „Wirtschaftswoche“. Sie ist Moderatorin des SZ-Podcasts „China und wir“, Autorin von „Das Ende des chinesischen Traums“ (2024) und Mitautorin von „Richtig recherchieren“ (2026). Als Vorstandsvorsitzende des Vereins journalists.network setzt sie sich für die Förderung der Auslandsberichterstattung und junger Journalisten ein.
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