Notizblog (56)

Hauptsache, es waren Syrer

Die Debatte über die Nennung der Nationalität von Straftätern ist mühsam. Auch weil sie ständig aufs Neue von Leuten befeuert wird, die das Thema auf der Grundlage falscher Annahmen diskutieren. Wie nun der stellvertretende „Welt“-Chefredakteur Olaf Gersemann.
Screenshot eines „Welt+“-Kommentars mit der Überschrift „Sagen, wer Syrer ist“ von Olaf Gersemann, der auf dem Artikel-Foto abgebildet ist.
Ist kein Syrer: Olaf Gersemann, stellvertretender „Welt“-ChefredakteurScreenshot: Welt

Die Debatte darum, in welchen Fällen Medien die Nationalität von Straftätern nennen sollen, ist aus zwei Gründen mühsam: einem guten und einem schlechten. 

Der gute Grund ist, dass es sich um ein komplexes Thema ohne einfache Antworten handelt. Der Pressekodex warnt vor der Gefahr, „dass die Erwähnung der Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täterinnen und Täter zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten zu einer diskriminierenden Verallgemeinerung individuellen Fehlverhaltens führt“. Diese Gefahr ist real.

Andererseits weckt das bewusste Weglassen solcher Informationen Misstrauen beim Publikum. Es füllt die wahrgenommenen Leerstellen mit Informationen aus anderen Quellen oder, schlimmer, mit eigenen Annahmen und Vorurteilen auf. Die gut gemeinte Selbstbeschränkung kann so einen gegenteiligen Effekt erzielen.

Diskussionen im Presserat

Deshalb diskutiert die Medienbranche seit vielen Jahren über das Thema. Auch der Presserat tut es immer wieder. Im März 2016 zum Beispiel, nach den Ausschreitungen der Kölner Silvesternacht, lud er externe Gäste mit unterschiedlichen Positionen zur Diskussion zu dem Thema in sein Plenum ein. (Auch ich war einer der Teilnehmer.)

Im folgenden Jahr gab er dem öffentlichen Druck nach, die Nennung der Zugehörigkeit eines Verdächtigen oder Täters zu einer Minderheit häufiger zu erlauben, und änderte den Pressekodex. Seitdem ist das Kriterium für die Nennung der Zugehörigkeit nicht mehr, dass „für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug“ bestehen muss, sondern dass „ein begründetes öffentliches Interesse“ vorliegen muss. Was das heißt, darüber kann man natürlich diskutieren. Aber genau das fordert der Presserat: „in jedem einzelnen Fall verantwortungsbewusst zu entscheiden“. 

Eskalierter Streit in Stendal

Olaf Gersemann, der stellvertretende Chefredakteur der „Welt“, lehnt das ab. Er ist am vergangenen Freitag darüber gestolpert, dass die Deutsche Presse-Agentur (dpa) in einer Meldung über den eskalierten Streit zweier Männer in Stendal berichtet hat, ohne deren Nationalität zu erwähnen. Er verfasste einen Post darüber auf X und legte mit einem Kommentar auf Welt.de und auf der „Welt“-Titelseite am Montag nach.

Sein Text ist ein Beispiel für den zweiten, den schlechten Grund, warum diese Debatte so mühsam ist: Sie wird immer wieder neu von Leuten befeuert, die so tun, als seien sie die ersten, die das Thema problematisieren – und die es dann auf der Grundlage falscher Annahmen diskutieren.

Gersemanns Text beruht auf der falschen Unterstellung, dass der Presserat seine Vorgaben, wann es zulässig ist, Merkmale wie Nationalität oder Ethnie zu erwähnen, 2017 verschärft hat. Tatsächlich hat er sie gelockert.

Gersemann erweckt den Eindruck, der Presserat habe 2017 ein „Verschweige-Gelübde“ abgelegt, und fordert, man müsse nun endlich mal „hinterfragen, ob sich die Regeln in der Praxis als dienlich für die politischen Ziele erwiesen haben“. Er scheint aber auch ganz grundsätzlich ein Problem damit zu haben, dass Journalistinnen und Journalisten verantwortungsvoll arbeiten und sich Gedanken über die Wirkung ihrer Arbeit machen. Er nennt die Vorgaben im Pressekodex eine „zeitgenössische Version der Kremlologie“, bei der der Öffentlichkeit absichtlich nur „ein diffuses Bild von der Wirklichkeit zur Verfügung“ gestellt wird. Als zeigten Medien nicht ohnehin zwangsläufig nur einen Ausschnitt der Realität, und als müssten sie sich nicht gerade, weil sie ununterbrochen Entscheidungen treffen müssen, worüber sie berichten und was sie weglassen, darüber Gedanken machen, ob das Bild, das sie zeigen, nicht verzerrt.

dpa dem Pressekodex verpflichtet

Bemerkenswert ist auch, wie sehr Gersemann das Handeln von dpa ins Zentrum seiner Kritik rückt. Deren Nachrichtenchef Froben Homburger hat auf LinkedIn darauf hingewiesen, dass die Agentur dem Pressekodex verpflichtet sei und sich deshalb bei der Entscheidung, wann sie Nationalitäten nennt, an dessen Leitsätzen orientiere:

Bei dpa haben wir das in eigene Leitlinien übersetzt. Unter anderem nennen wir jetzt grundsätzlich bei Verbrechen mit Todesfolge – als „besonders schwere Straftaten“ – die Nationalität von Tatverdächtigen, wenn sie denn bekannt ist. Ob bei einer Tat abseits tödlicher Kapitalverbrechen ein „begründetes öffentliches Interesse“ vorliegt, prüfen wir anhand einer Checkliste. 

Bei nicht-tödlichen Messerattacken kann das beispielsweise der Fall sein, wenn es Hinweise auf einen kulturellen, politischen oder religiösen Hintergrund gibt oder eine klare Tötungsabsicht vorliegt oder Kinder unter den Opfern sind, wenn es sich um die Tat einer Gruppe oder einen gezielten Angriff auf Polizisten oder Rettungskräfte handelte, wenn besondere Waffen wie Macheten benutzt wurden etc.

In der Regel nicht von einem „begründeten öffentlichen Interesse“ gehen wir dagegen aus, wenn es sich um die Eskalation eines gewöhnlichen Streits handelt, wie es in Deutschland jeden Tag vielfach auf Straßen, in Wohnungen, Gaststätten und bei Veranstaltungen zu beobachten ist. Und so bewerten wir auch diesen Fall.

Aber in der Welt der „Welt“ ist die Eskalation eines gewöhnlichen Streits keine Eskalation eines gewöhnlichen Streits, wenn Ausländer daran beteiligt sind. Sie behandelt die Tatsache, dass es sich um zwei Syrer handelte, als entscheidenden Hintergrund: als erkläre ihre Nationalität die Tat.

Information vs. Diskriminierung

Gerade an diesem Beispiel kann man erklären, was der Unterschied zwischen Information und Diskriminierung ist. Wenn eine bestimmte Gruppe von Menschen überdurchschnittlich häufig zum Beispiel als Messerstecher auffällt, ist das eine relevante Information. Aber Medien sollten nicht den Eindruck erwecken, dass man von Angehörigen dieser Gruppe davon ausgehen kann, dass sie im Zweifel zu Messerstechern neigen.

Anders gesagt: Selbst wenn Syrer überdurchschnittlich oft Straftaten begehen, begeht die Mehrheit der Syrer keine Straftaten. 

Die „Welt“ aber sorgt sich so wenig darum, Ressentiments gegenüber Ausländern zu verstärken, dass sie ihrem Artikel sogar die Überschrift gegeben hat: 

Sagen, wer Syrer ist

Das ist vermutlich eine Anspielung auf das legendäre „Spiegel“-Motto „Sagen, was ist“. Aber es reduziert Kriminalitäts-Berichterstattung tatsächlich darauf, der Leserschaft zu vermitteln: Alles klar, wieder ein Ausländer!

Die Überschrift ist eine fast karikaturhafte Illustration der Diskriminierung, vor der der Presserat warnt. Und die „Welt“ kritisiert die Nachrichtenagentur dpa dafür, dass sie sich an den Pressekodex hält. Anders als sie selbst.

Ursprung des Diskrimnierungsverbots

Vielleicht wird es Olaf Gersemann überraschen zu erfahren, dass der Ursprung für die von ihm kritisierte Regel fast 55 Jahre alt ist. Am 10. November 1971 schrieb der Verband der deutsch-amerikanischen Clubs dem Presserat. Der Verband habe sich „stets dafür eingesetzt, rassische Diskriminierung und Vorurteile zu bekämpfen“: 

Wir sehen deshalb mit grossem Bedauern, dass in vielen deutschen Zeitungen der Grundsatz der gleichen Behandlung aller Nationalitäten und Rassen nicht beachtet wird. Wir verweisen dabei besonders auf die nachrichtliche Behandlung amerikanischer Soldaten und besonders der amerikanischen Soldaten schwarzer Hautfarbe.

Der Verband verurteilte „die ständige Hervorhebung farbiger Soldaten“ in der Berichterstattung über kriminelle Delikte. Auch die Bundesregierung schlug dem Presserat vor, darauf zu verzichten, die „Rassenzugehörigkeit“ der Beteiligten zu erwähnen. Verschiedene US-Organisationen hätten die deutsche Presse dafür kritisiert, dass sie im Gegensatz zur Praxis amerikanischer Zeitungen „auf die Hautfarbe der in die berichteten Fälle verwickelten Soldaten hinweist. Darin erblicken die Verbände eine zusätzliche Belastung der farbigen Soldaten.“

Der Presserat empfahl daraufhin, die „Rassenzugehörigkeit“ nicht „ohne zwingend notwendigen Anlass zu empfehlen“ – der Ursprung des später anders formulierten Diskriminierungsverbotes im Pressekodex. 

Es ist leicht vorstellbar, wie die „Welt“ dagegen wettern würde. Vielleicht unter der Überschrift: 

Sagen, wer schwarz ist

21 Kommentare

  1. Zugegebenermaßen anekdotisch. Aber die Syrer und Afghanen, die ich bisher kennengelernt habe, waren extrem fleißig und ehrgeizig (bis hin zu Hochschulabschlüssen) und hatten sich Deutschkenntnisse angeeignet, von denen manche professionellen Deutschtümler nicht einmal zu träumen wagen.

  2. Ich habe derletzt irgendwo in ’nem Nachrichtenportal oder in einem socialmedia Beitrag von einem Medienhaus gelesen, dass bei einer Gewalttat/ Kriminalfall in der Niederlande ein niederländischer Staatsbürger,ich glaube es war syrischer Herkunft, beteiligt war . So ganz weiß ich immer noch nicht was der Informationswert der Herkunft sein sollte. Das habe ich nicht verstanden, was das an der Stelle zu suchen hat. Allgemein bin ich der Meinung, wenn Nationalität/Herkunft nicht die Ursache einer Gewalttat oder eine Auffälligkeit ist, dann hat das nichts in einer Nachricht zu suchen.

  3. Hatten wir schon ein paar mal. Und das wird hier vorhersehbar nicht das letzte mal sein.

    Jahrzehntelang haben Politik und Medien das Lügenmärchen von der ausländerfeindlichen Gewalt erzählt. Und tun es heute immer noch, wenn auch nicht so oft und laut wie früher.
    Die haben die Front Deutsche Ausländer aufgemacht.

    Nun hat sich rumgesprochen, es ist doch nicht so toll mit der Gewalt von Deutschen gegen Ausländer. Aber läuft ganz gut mit der Gewalt von Ausländern gegen Deutsche.
    Und siehe, auf einmal sollen wir diese Kategorien nicht mehr kennen.
    Aber dann wiederum doch, z.B. beim Massenmord an Gil Ofarim; oder beim Grevesmühlitischen Kindermord.

    Ich weiß nicht, ob das so ist, aber es wirkt wie Doppelstandards.

  4. Vielen Dank für die herrliche Bildunterschrift „Ist kein Syrer“. Ich musste so lachen – den Spiegel vorhalten ist immer noch am besten. Ich hoffe, Gersemann hat das gelesen.

  5. bei solchen Debatten in Deutschland bekomme ich immer den Eindruck, das ist die „deutsche DNA“, die ihren Ursprung in Heinrich Treitschkes „Juden sind unser Unglück“ im Jahre 1879 hat.

  6. #6 – Ja, wie oben geschrieben:
    „Jahrzehntelang haben Politik und Medien das Lügenmärchen von der ausländerfeindlichen Gewalt erzählt. Und tun es heute immer noch, wenn auch nicht so oft und laut wie früher.“
    Trotzdem danke für den Beleg, den Statista-Link hätte ich auf die Schnelle nicht gefunden. Habe den gesichert, für den Fall, es kommt wieder jemand mit den sagenumwobenen Baseballschlägerjahren ums Eck.

    Ebenso danke für das weitere. Natürlich haben wir mit Ausländern keine Probleme, und selbst die werden immer weniger.
    Beispiel Kriminalität. Vor zehn Jahren waren Zuwanderer nicht krimineller als Deutsche. Seitdem sinkt die Ausländerkriminalität. Statistisch sind Migranten heute nur noch 2…3 mal so kriminell wie Deutsche.

    usw. usf.

  7. Mein Statista Link belegt, dass ausländerfeindliche Gewalt zwischen 2017 und 2024 drastisch gestiegen ist. Die 90er im Osten werden hier nicht erfasst.

    Diese Statistik geht bis 2001, ich finde leider keine, die bis in die 90er reicht: https://mediendienst-integration.de/rassismus-und-antisemitismus/rassistische-straftaten/zahl-rassistischer-straftaten/
    Aber FrankD hat sicher eine, anhand derer er belegen kann, dass es keine Baseballschlägerjahre gab, oder? Oder?

    Auch interessant, zeigt es doch das tatsächliche Wahrnehmungsungleichgewicht von Straftaten:
    https://de.statista.com/infografik/30252/anzahl-der-registrierten-extremistischen-straftaten-in-deutschland/

    Hier gibt es auch Zahlen und Fakten:
    https://www.verfassungsschutz.de/DE/themen/rechtsextremismus/zahlen-und-fakten/zahlen-und-fakten_artikel.html
    Bei rechtsextremen Straftaten ist der Anteil der Gewaltkriminalität deutlich erhöhter, als in anderen Milieus.

    Zur „2-3 so kriminell, wie Deutsche“ These: Irgendwelcher Belege? Der Statista-link gibt das ja nicht her, da geht es ja um Tatverdächtige.
    Haben Sie den ersten Link in #6 wirklich gelesen? Dort wird ja haarklein erklärt, warum der Anteil der Tatverdächtigen unter Ausländern immer erhöht ist, u. A. dreifach erhöhte Anzeigebereitschaft. Belegt wird also dadurch nur, dass Ausländer öfter angezeigt werden. Dazu kommt die unterschiedliche Demografie: Mehr Jugendliche und mehr Männer unter den Tatverdächtigen. Und junge Männer werden nun mal überdurchschnittlich oft Täter. Hat nichts mit dem Migrationshintergrund zu tun.
    Es kommen noch weitere Faktoren hinzu, aber ich muss ja hier nicht den Artikel zusammenfassen, den können Sie ja selbst lesen.

  8. Damit ich nicht in eine Falle tappe, möchte ich erst mal gern fragen:
    Ist der von Ihnen zuletzt gepostete Unsinn ernst gemeint – oder wollen Sie mit der maßlosen Übertreibung linksradikaler Positionen die Lächerlichkeit und Verlogenheit ebendieser verdeutlichen?

  9. @Anderer Max
    ich verspüre auch jedes Mal den Impuls, die Lügen und kruden Behauptungen des FrankD nicht unwidersprochen stehen zu lassen. Weil es sich bei ihm offensichtlich um einen rechten Troll handelt und er hier, abgesehen von einigen Gleichgesinnten (member Xennial?), auf ziemlich verlorener Flur steht, bin ich diesem Impuls allerdings nie nachgegangen. Danke trotzdem, dass du dir immer wieder die Mühe machst (habe schon so manchen Link von dir genutzt, um hoffentlich weniger böswillige, aber schwurbelempfängliche Menschen aus dem Bekanntenkreis zu korrigieren) . Bewundere dein Durchhaltevermögen angesichts so unverhüllt zur Schau gestellter Reflektionsunfähigkeit und Faktenleugnung.

  10. @anderer Max
    da möchte ich mich #11 direkt anschließen.
    Auch von mir ein herzliches Dankeschön für den unermüdlichen Kampf gegen die Windmühlen und die vielen sehr hilfreichen Links.

  11. Irgendetwas, das die „Lügenmärchen“ These untermauert oder die Analyse von Thomas Laschyk widerlegt?
    Selbst die Provokationen wiederholen sich ja so langsam völlig lieblos.

    @ #11, #12: Danke, tut auch mal gut zu lesen, dass es mehr als nur FrankD und ich mitbekommen. Sagen wir so, wenn er sich selbst beim Trollen keine Mühe mehr gibt und nur noch copypasted, dann höre auch ich auf. Aber dann darf auch echt mal moderiert werden … meine ich.

  12. Hier auch wieder:
    https://netzpolitik.org/2026/polizeiliche-kriminalstatistik-kriminalitaetsrate-sinkt-um-fast-sechs-prozent/

    „Die von der Polizei registrierte Kriminalität ist laut der heute veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um 5,6 Prozent gesunken, bei Zuwanderern sogar um 7,2 Prozent. Dennoch versendete das Bundesinnenministerium eine Pressemitteilung, welche das Thema nicht-deutsche Straftaten in den Mittelpunkt stellt.“

  13. Für FrankD gibt es natürlich keine „ausländerfeindliche“ (aka rassistische) Gewalt. Er und seine Kameraden wehren sich ja nur gegen die Ausländerhorden, die scharenweise über Ultradeutsche wie ihn herfallen.

    Wann fing das eigentlich an, Humanität, Vernunft und selbst schlichte Faktentreue als linksradikal zu verdammen? Kam das mit MAGA oder gab’s das auch schon früher?

    Ich schließe mich dem Dank aus #11 und #12 an.

  14. „wehren sich ja nur“
    Ja genau, diesen Opfermythos will ich ja auch immer beleuchten.
    Faschisten müssen immer Opfer sein, um die eigene Gewalt zu rechtfertigen. „Wehren“ ist da ein sehr gutes Wort in dem Kontext, das hat was Heroisches, Notwendiges, wie eine Bürgerpflicht oder so.

    In Wirklichkeit wehrt man sich auch nur gegen Dazulernen.
    Und gegen einen Sozialstaat, der dank Einwanderung noch ein paar Jahre länger gut funktioniert:
    https://www.volksverpetzer.de/aktuelles/mehr-einwanderung-sozialsysteme/

    Wenn man keine rassistischen Vorurteile hätte, könnte man das ja einfach zur Kenntnis nehmen. Aber das geht nicht, denn „Hauptsache es waren Syrer“.

  15. @18 Daher auch besonders bedauerlich, dass die von Sicherheits- und Wohlstands„experten“ dominierte CDU, die u.a. endlich wieder ein unideologisches Wirtschaftsministerium seit einem Jahr erfolgreich führt, nicht nur mit einem Reformkurs der Umverteilung von unten nach oben (wahrlich nicht überraschend), sondern auch mit absolut sinnentleerten Maßnahmen glänzt, etwa der Abschaffung der Einbürgerung nach drei Jahren oder der Beibehaltung der Grenzkontrollen, die selbst die des linken Gedankenguts vollkommen unverdächtigen Polizeigewerkschaften kritisieren. mMn ist die Diskursverschiebung innerhalb der „konservativen“ Wähler:innen- und Parteibasis so weit vorangeschritten, dass wesentliche Teile der Parteiführung entgegen allen Feigenblättern eine Zusammenarbeit mit der AfD aktiv vorbereiten oder billigend in Kauf nehmen. Unter dieser Prämisse wirkt auch Merz‘ Aussage, mit ihm gebe es keine Minderheitsregierung, wie eine unverhohlene Ankündigung der Realisierung rechter Mehrheiten, falls es beim nächsten oder übernächsten Krach mit der SPD zum Koalitionsbruch kommen sollte. Aber Hauptsache, deutsche Staatsbürger:innen bekommen bald wieder alle Zahnarzttermine in maroden Praxen bei Mediziner:innen gehobenen Alters, die sie wahrnehmen, indem sie mit hochmotorisierten Fossilien durch kulturell einfältige Städte düsen. How to „das Land einen und voranbringen“: Man beweist entgegen (oder gegenüber) demographischen, ökonomischen und kriminologischen Fakten (die Liste ließe sich lange fortsetzen) „Entschlossenheit“. Sry für dieses polemische Derailing. Bleibt nur zu hoffen, dass möglichst viele der zugewanderten Menschen der vergangenen zehn Jahre die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten und Gebrauch von ihrem Wahlrecht machen.

  16. Ich schwafel‘ noch mal:
    Die Bas-Diskussion spiegelt doch gerade gut wider, wie sehr sich die politische Korrektheit mittlerweile nach rechts verschoben hat.
    „Wehe jemand sagt, die Ausländer würden hier nicht nur hinkommen, um uns alle auszunutzen! – Das weiß man doch!“
    Frau Bas ist bald arbeitslos, weil sie das Offensichtliche sagt. Übrigens ähnlich wie Merz beim Thema Rente. Ach, die ist nur eine Basisabsicherung? Echt jetzt? DAFÜR wird Merz kritisiert – dass er ausspricht, was alle wissen? Nicht dafür, dass er macht, was er macht, sondern weil er Binsen ausspricht?

    „Wann fing das eigentlich an“
    In DE: Nachdem eine emphatische Haltung in der Flüchtlingskrise bei Friede Springer für Tränen sorgte, weil die emphatielose Zielgruppe von Bild und Welt schlicht nicht dafür Geld ausgeben wollte, dass man ihr sagt, dass Menschen auf der Flucht auch Menschenrechte haben. Seit man Flüchtende wieder entmenschlicht, läuft der Umsatz der Springerpresse wieder gut – Reichelt musste als Bauernopfer gehen. Das Marketingmodell haben dann die Tichys und Reichelts dieser Welt adaptiert, mit noch mehr Entmenschlichung und noch weniger Menschenrechten.
    8 Jahre alt: https://uebermedien.de/30565/asyl-nicht-mehr-ohne-irrsinn-denken/

    Das ist ja das Erschreckende: Der ganze Rechtsruck ist keine Graswurzelbewegung von unten, sondern finanzieller Opportunismus (u. A. von Verlegern). Klar holt der auch die Ideologen ab, aber die braucht man ja auch nicht mehr überzeugen; das ist das eher wie das Licht und die Schmeißfliegen.

    (Interessant an der Stelle: Holger Friedrich gegen Volksverpetzer)

    International war Orban das Muster, nach dem man spielte, John Oliver hatte da was zu gemacht in den letzten Wochen: https://www.theguardian.com/tv-and-radio/2026/mar/30/john-oliver-maga-viktor-orban)

    Allgemein:
    Die Polarisierung lässt einen die Nachrichten an beide „Seiten“ verkaufen. Trump geht immer, auch beim politischen Gegner. Garantiert gute Click-Through-Rate. AFD und Orban auch. „Unser“ moralischer Aufschrei von mitte-links ist auch nur ein Mittel zum Zweck der Geldvermehrung auf rechter Seite.

    „Wir müssen die AFD endlich ernst nehmen, um ihren Aufstieg zu bremsen!“
    Das glauben heute noch Menschen. „Man muss die nur inhaltlich stellen.“ Nein, weil das nicht geht! Im Schlamm mit Schweinen ringen, und so.
    Es gibt schlicht keine rechten Talking Points. Zuwanderung ist gut für Deutschland. Es gibt keine signifikant erhöhte Kriminalität unter Ausländern. Deutschlands Sozialsysteme brauchen mehr Einzahler aus anderen Ländern. Ende. Alles Fakten, die im Schlamm einer Diskussionssimulation begraben werden sollen. Funktioniert auch – Politisch korrekt ist nun, Frau Bas für Binsen zu „kritisieren“.
    An der Stelle könnte man auch mal wieder auf „Sozialbetrug vs. Steuerhinterziehung“ eingehen … Egal! Nach unten treten is‘ halt einfacher.

    Konrekt zur Finanzierung des „alt right“ Geschäftsmodells:
    https://www.accountabilityjournalism.org/dark-money/who-pays-for-right-wing-media
    „Koch Brothers“ auch gerne mal googlen. Der dunggle Parabbelridda hatte dazu auch ein sehr gutes Video vor ein paar Monaten.

  17. @20 erneut danke für die Link-Liste nach Feierabend. Koch Brothers sind mir ein Begriff, die waren ja auch schon in die ganze „ClimateGate-Affäre“ 2009 rund um Steve McIntyre und Ross McKitrick involviert (im weiteren Sinne durch Finanzierung libertärer/neurechter Thinktanks [z.B. Fraser Institute durch ihre Koch Foundation] aber auch im engeren Sinne durch direkte Unterstützung des Wirkens der beiden genannten Klimawandelleugner, iirc). Aber das führte nun wirklich zu weit weg vom Thema dieses Artikels.

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