Wie politisch sollte die WM-Berichterstattung sein?
50.000 Journalisten haben sich für die Fußball-Weltmeisterschaft akkreditiert. Der Sportjournalist Ronny Blaschke findet, dass sie noch mehr über wirtschaftspolitische Verflechtungen berichten sollten. Auch wenn politische Sportjournalisten weltweit Gefahren ausgesetzt sind.
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Nächste Woche beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in den USA, Mexiko und Kanada. Rund 50.000 Journalisten haben sich dafür akkreditiert. Doch diese WM ist anders. Verschiedene Organisationen, darunter Reporter ohne Grenzen und das Committee to Protect Journalists, haben eine deutliche Reisewarnung ausgesprochen. Sie weisen Journalisten und Fans auf die eingeschränkte Meinungsfreiheit in den USA hin. Medienvertreter müssten unter anderem damit rechnen, dass bei der Einreise ihre Laptops und Social-Media-Kanäle durchleuchtet werden. Und auch danach sei Vorsicht geboten.
Einmal angekommen, sei es dann dennoch die Aufgabe von Medien, nicht nur über das Sportereignis an sich zu berichten, findet der Journalist und Autor Ronny Blaschke. Auch wirtschaftliche und politische Verflechtungen müssten sie kritisch beleuchten. Blaschke befasst sich seit Jahren mit politischen Themen im Sport. Im Übermedien-Podcast sagt er, dass diese kritische Sportberichterstattung zwar teilweise stattfinde, aber nicht dominiere. Auch aus wirtschaftlichen Gründen:
„Private Medienhäuser, nehmen wir mal die Qualitätszeitungen ,Süddeutsche‘, FAZ, die berichten auch kritisch. Aber die wissen auch: Bei der WM wird der meistgelesene Artikel jetzt nicht der kritische Fifa-Beitrag sein.
Doch gerade bei einer solch engen Beziehung, wie sie etwa Fifa-Präsident Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump pflegen, müssten Journalisten genau hinsehen.
Wie finden Medien die richtige Balance zwischen klassischen Spielberichten und politischen Recherchen zu dem Großereignis? Begegnen sich Sport- und Politikjournalisten in den Redaktionen auf Augenhöhe? Und welchen Gefahren sind Journalisten weltweit ausgesetzt, die zu problematischen Verflechtungen im Sport recherchieren? Darüber sprechen Holger Klein und Ronny Blaschke in der neuen Folge von „Holger ruft an …“.
Der Gesprächspartner
Ronny Blaschke, 44, hat Sport- und Politikwissenschaften studiert und arbeitet als freierJournalistPerson, die Informationen recherchiert, prüft und anschließend der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt,… Mehr. Er befasst sich vor allem mit politischen Themen im Sport und arbeitet unter anderem für Deutschlandfunk, „Süddeutsche Zeitung“ und „Zeit“. Blaschke hat mehrere Bücher verfasst, zuletzt: „Spielfeld der Herrenmenschen – Kolonialismus und Rassismus im Fußball“. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet.
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