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Beim Fußballspiel zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden sollen am vergangenen Samstag nach Angaben der Polizei bis zu 70 Einsatzkräfte bei Ausschreitungen verletzt worden sein, einige von ihnen „erheblich“. In drei Fällen ermittelt die Polizei nun wegen des Verdachts auf versuchten Mord.
Der sächsische Landesverband der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat dazu am Wochenende eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der er die Gewalt gegen Polizeibeamte „verurteilt“. Illustriert ist sie mit einem Bild, auf dem ein am Kopf blutender Polizist zu sehen ist, der von zwei anderen Polizisten gestützt wird. Offenbar entfernen sich die Beamten von einer Gruppe vorwiegend schwarz gekleideter Menschen im Hintergrund.
Man muss annehmen, dort das reale Resultat der Ausschreitungen in Magdeburg zu sehen: ein Foto vom vergangenen Samstag.

Doch wer genau hinsieht, bemerkt unten rechts im Bild den winzigen Hinweis:
„GdP SN – KI: ChatGPT“
Auch wenn es also zunächst so wirkt: Es handelt sich nicht um ein Foto einer realen Situation, sondern um ein Fake-Bild einer Künstlichen Intelligenz.
In Sozialen Netzwerken wird die GdP Sachsen dafür scharf kritisiert. Im Laufe des Dienstags hat sie den Bildnachweis deshalb verändert (in „KI-generiert: ChatGPT“) und einen „Nachtrag“ unter der Pressemitteilung veröffentlicht. Dort heißt es:
„Zur Verdeutlichung und Transparenz weisen wir noch einmal darauf hin, dass es sich bei der Darstellung um ein KI-generiertes Bild handelt, welches nicht die eigentliche Einsatzsituation vorgeben soll.“
Sie weisen „noch einmal“ darauf hin?
Auf Nachfrage von Übermedien, weshalb die GdP überhaupt ein KI-generiertes Bild verwendet, schreibt der Landesvorsitzende der GdP Sachsen, Jan Krumlovsky, man habe sich bewusst für ein KI-Bild und gegen ein „rein abstraktes Symbolbild“ entschieden, um „den Ernst der Lage und die Belastung der Einsatzsituation sichtbar zu machen“:
„Ziel war es, auf die Gewalt im Zusammenhang mit dem Fußballspiel aufmerksam zu machen, ohne reale Einsatzkräfte, Beteiligte oder unbeteiligte Dritte abzubilden. In einer sensiblen Lage wie dieser sollten weder Einsatzbeamte identifizierbar gezeigt noch konkrete Einsatzsituationen oder laufende Ermittlungen visuell dargestellt werden.“
Auf die Frage, inwiefern er es für vertretbar halte, mit KI-generierten Bildern zu arbeiten, schreibt Krumlovsky:
„Grundsätzlich halten wir den Einsatz von KI-generierten Bildern dann für vertretbar, wenn sie klar als Illustration erkennbar sind, transparent gekennzeichnet werden und keinen dokumentarischen Anspruch erheben, sondern der thematischen Einordnung dienen.“
Was hier allerdings fragwürdig ist, denn das Bild ist keinesfalls gleich als „Illustration“ erkennbar. Es wirkt dokumentarisch, auch wenn „Uniformen, Kennzeichnungen und Ausrüstung“ laut Krumlovsky „generisch gehalten“ sind und „keine reale Einheit“ der sächsischen Polizei darstellen. Aber wer weiß und merkt das? Man muss es für eine authentische Abbildung halten, zumal auf den ersten Blick und in Verbindung mit der Überschrift.
Und es ist auch nicht auffällig als KI-Bild gekennzeichnet, schon gar nicht, wenn man es in Sozialen Medien teilt. Dann erscheint in der Vorschau zu der Zeile „Gewalt im Fußballspiel Magdeburg gegen Dresden“ das Bild – ohne KI-Hinweis.
So ein künstliches Bild emotionalisiert und manipuliert, das ist das Problem. Es dient dazu, eine Situation in eigener Sache möglichst dramatisch zu verkaufen. Pressemitteilungen sollen aber ja vor allem Medien mit Stellungnahmen und Zitaten versorgen, mit Fakten. Ein Foto ist eigentlich gar nicht notwendig. Und falls doch: Was spräche gegen Symbolbilder, wenn man denn keine realen Fotos zeigen kann oder will?
Pressemitteilungen der Polizei oder von deren Gewerkschaften sind häufiger mit Vorsicht zu genießen, Journalisten sollten sie immer kritisch prüfen – vor allem, wenn es um Vorfälle geht, bei denen die Polizei selbst betroffen ist. Sie ist dann keine objektive Quelle, sondern eine Partei in einer Auseinandersetzung, also befangen.
Ein solches KI-Bild zu verwenden, sät Zweifel an der Glaubwürdigkeit: Wenn schon das Bild lügt, lügt dann womöglich auch der Text?
Krumlovskys Antwort wirkt nicht, als wolle die GdP Sachsen künftig keine KI-Bilder mehr verwenden. Er schreibt, dass man „die öffentliche Diskussion zum Anlass“ nehme, „unsere internen Abläufe im Umgang mit KI-generierten Inhalten weiter zu präzisieren, insbesondere im Hinblick auf Kennzeichnung und Kontextualisierung“.
Nachtrag, 29.1.2026. Die GdP Sachsen hat das KI-Bild inzwischen ersetzt – und verwendet nun ein Blaulicht-Symbolfoto.

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Okeee, wenn quasi beamtete Staatsdiener auf diese Weise lügen dürfen, wer dürfte es dann nicht?
Peinlich. Und noch peinlicher ist die mangelnde Einsicht als Polizei-Repräsentanz. Wird öfter mit erfundenen Beweisen hantiert? Sollte die Polizei nicht eine redliche und ehrliche Institution darstellen?
@Pumpmann (#2):
Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Das Bild hat nicht die Polizei verbrochen, sondern eine Gewerkschaft für Polizisten.
Danke für die Info. Das war mir schon klar, hatte ich nicht mit erwähnt. Aber sollte eine Polizeigewerkschaft nicht unbedingt eine Fake News Schleuder sein? (Trotz Ostermann). Feuerwehr und Polizeimeldungen werden fast immer 1zu1 in Regionalportalen weitergegeben. In dessen Fahrwasser sind dann die Anhängsel vertreten , wie hier mit AI-Slop Fake News. Das ist äußerst bedenklich.
Weder die Polizei, noch die Polizeigewerkschaften sollten überhaupt auf den Gedanken kommen, KI-Bilder zu benutzen.
Das gibt deren Feinden schlicht Munition für ihre Aussage, der Polizei (oder der dazugehörigen Gewerkschaft) könne man nicht trauen und der Staat lügt sowieso wie gedruckt.
Ist es eigentlich ein Problem, dass ich inzwischen aus eigener Erfahrung eher den Ausführungen der Hooligans glauben würde (so ich sie gelesen hätte), als denen der Polizei? Ich meine, die geben sich ja nichtmal mehr Mühe halbwegs glaubwürdig zu sein.
Andererseits warum aus, die Presse druckt ja auch weiterhin alles, was sie von sich geben ungecheckt.
Ich finde ja schon seit je her auch den Einsatz von Archiv- und Symbolbildern kritisch bis unmöglich. Mit der Einfachheit zu generierender bzw. veränderbarer beliebiger Bilder wird das Problem noch akuter. Bildquellenhinweise in gedeckten Farben und oder Kleingedrucktem sind m.E. nicht ausreichend. Wie wäre es mit großen Hinweisen (10-15% der Bildfläche) in kontrastreicher Schrift. Zumindest für alle Bilder welche nicht direkt dort entstanden sind, worüber der Bericht/die Nachricht handelt? Und für Bilder die manipuliert wurden? Bsp.: Es sollte für jeden sofort intuitiv erkennbar sein, wenn die abgebildete lachende/weinende/wütende/… Person an einem anderen Tag, in einem anderen Kontext abgelichtet wurde. Bei Manipulationen des Bildinhalts, ob jetzt mit oder ohne KI, müssten noch deutlichere Warnhinweise drauf. Bleibt natürlich die Frage welche Filter, Croppings, Freistellungen, kleinere Retuschen bei Pickeln o.ä. noch zu tolerieren wären…
@Kritischer Kritiker: das ist technisch korrekt, aber eine Polizeigewerkschaft besteht doch aus Polizisten, oder?
Wenn in einem Gesangsverein, der komplett aus Polizeimitgliedern besteht, das Horst-Wessel-Lied gesungen würde, wäre diese Feinheit auch eher egal.
@Mycroft (#8):
Was für ein absurder Vergleich. Ich habe die Kommunikation der GdP nicht verteidigt, ich habe lediglich darauf hingewiesen, dass nicht die Polizei der Urheber ist des Fake-Bildes ist, wie Pumpmann behauptet hatte – das ist keineswegs egal, weil für Behördenkommunikation andere Maßstäbe gelten.
So, und jetzt kann der nächste schreiben, dass ich es anscheinend in Ordnung fände, wenn Polizisten außer Dienst das Horst-Wessel-Lied sängen, denn schließlich habe ich Mycroft ja irgendwie widersprochen. Nur zu, immer weiter mit dem Moralspektakel…
Ok, anders formuliert – nicht die Behörde als solches hat die sehr tentiöse Darstellung erstellt und veröffentlicht, aber die Personen, die das taten, die das verteidigen und die das demnach für gut und richtig halten, arbeiten alle bei der Polizei.
Und das Verhältnis von Polizei und Polizeigewerkschaft ist nicht so antagonistisch wie bei Lokführergewerkschaft und Bahn. Random Beispiel, aber die Bahn könnte sich aus diesen Gründen deutlich glaubwürdiger vom Fehlverhalten ihrer Angestellten nach Dienstschluss distanzieren.
Wenn die „Tagesschau“ ein Statement der Polizei will, fragt sie nicht einmal die Polizei, sondern gleich die Gewerkschaft der Polizei:
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/gewerkschaft-der-polizei-berlin-100.html
War das Spiel nicht in Magdeburg? Wieso stellt dann die GdP Sachsen ein gefälschtes KI-Bild ein? Zuständig für Magdeburg wäre doch die Polizei von Sachsen-Anhalt.
#8, mycroft
“ aber eine Polizeigewerkschaft besteht doch aus Polizisten, oder?“
nein. da können ebenso z.b. angestellte der polizeibehörde mitglied sein.
#12: seit der Wiedervereinigung neigen Sachse und Sächsin dazu, dem Restdeutschland klarzumachen, wie man „richtig“ und „wahrheitsgemäß“ berichtet.
@#13:
Ok, Sie haben Recht, aber angenommen, dieses Foto hätten ein Jurist, eine Lohnbuchhalterin und ein Hausmeister verbrochen, die Mitglieder der GdP seien.
Wäre es eine legitime Einstellung, Ihrer Meinung nach, wenn die Polizisten in der GpD sagten: „Weil das keine Polzisten sind, stört es mich nicht, dass sie nicht ehrlich sind, wenn sie – auch in meinem Namen stellvertretend – lügen, solange es zu meinen Gunsten ist.“?
Netzpolitik hat auch was (grob) zum Thema gebracht:
https://netzpolitik.org/2026/polizei-im-netz-wie-die-polizei-soziale-netzwerke-mit-copaganda-flutet/