Holger ruft an (217)

Macht Behörden-PR dem Lokaljournalismus das Geschäft kaputt?

Kommunen würden mit ihren Social-Media-Aktivitäten die Lokalpresse verdrängen, klagen Verleger. Das sei nicht nur unfair, sondern auch verfassungsfeindlich. Holger Klein hat da so seine Zweifel und ruft beim Journalisten und Rechtsanwalt Hermann von Engelbrechten-Ilow an.
Jurist und Journalist Hermann von Engelbrechten-Ilow
Jurist und Journalist Hermann von Engelbrechten-IlowFoto: privat

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Geht der Lokaljournalismus vor die Hunde, weil die Polizei heute im Netz ihre Meldungen und Fotos direkt veröffentlicht? Das meinen zumindest die deutschen Verleger. Sie berufen sich dabei auf die rechtliche Vorgabe, dass der Staat keine Presse machen darf. Ihr Argument: Weil Kommunen und Behörden wie Polizei und Feuerwehr zunehmend ihre Social-Media-Aktivitäten ausbauten und dabei weit mehr als reine Informationen verbreiteten, würden sie zu ungleichen Konkurrenten der freien Presse im Kampf um Reichweite im Netz. Außerdem stecke dahinter der Versuch, sich der Kontrolle durch den Journalismus zu entziehen.

Aber lässt sich das Verbot für Kommunen, eigene Radiosender oder Zeitungen zu betreiben, so einfach auf Social-Media-Auftritte übertragen? Wie passt das mit der Pflicht zur Öffentlichkeitsarbeit zusammen, die Behörden eben auch haben? Und liegen die Probleme des Lokaljournalismus in Wahrheit nicht ganz woanders – und vor allem: viel tiefer?

Diese und viele weitere Fragen zu dem Thema hat Holger Klein diese Woche an Hermann von Engelbrechten-Ilow. Der Rechtsanwalt und Journalist beschäftigt sich mit den verfassungsrechtlichen Aspekten der öffentlichen Meinungsbildung und hat zuletzt im Auftrag des Verbands Deutscher Lokalzeitungen und Lokalmedien (VDL) eine Umfrage unter Verlagen durchgeführt.

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2 Kommentare

  1. Wenn die „Schöpfungshöhe“ bzw. „Mehrwerte“ des Lokaljournalismus nur aus Zeitvorsprung und Gatekeeperfunktion rüberkommen, dann ist das halt echt dünn. Dafür gebe ich kein Geld aus. Zu den Blaulichtreportagen: In den 90ern, also vor Social Media und auch vor Massennutzung WWW, habe ich die auch mehr als Befriedigung der Sensationslust, als denn als kritische Berichterstattung wahrgenommen. Wenn das alles ist, dann sollte man vielleicht an ganz andere Lösungen in Sachen Kontrolle der Exekutive denken. Die angesprochenen Subventionsmodelle lösen bei mir jedenfalls eher Kopfschmerzen aus.
    Davon unabhängig wäre es natürlich sehr erstrebenswert, wenn Amtsträger und Behörden sich auf sachliche Kommunikation ihrer Inhalte reduzieren müssten. Teure Marketingkampagnen und insbesondere personenzentrierte Darbietungen sind meist unnötig. Sie dienen nicht selten der eigenen Profilierung bzw. Werbung der Personen. Bezahlt aus öffentlichen Mitteln. Tendenziell also bitte weg damit!

  2. Sehe ich ähnlich. Ich glaube weder das die Trennung Journalisten /Aktivisten in der Praxis funktioniert noch das lokaljournalismus hier dem Staat nachgestellt ist. Wenn irgendetwas machen Größe Zeitungen den Lokaljournalismus größtenteils platt und kaum jemand such oder abonniert heute lokale Zeitungen, weil der Mehrwert insgesamt gering ist.

    Cool wäre villeicht andersherum ein Presseportal des Staats das lokalen Journalismus zusammenfasst und auf die Seiten der Presse verlinkt. Natürlich müsste auch hier wieder klar festgelegt werden, wann ein medium presse ist (schwierig) . Im Zuge der „Spaces“ und so könnte aber leichter nicht presse ausgesiebt werden, wenn alles sehr offen und sichtbar gehandhabt würde.

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