Die Schmutzkampagne deutscher Klatschblätter gegen Herzogin Meghan

Sie habe natürlich gewusst, sagt Herzogin Meghan in einer kürzlich erschienenen Doku, dass es nicht einfach werden würde, das Leben als Ehefrau von Prinz Harry, als Teil der Royal Family, als Protagonistin in den Geschichten der Weltpresse. „Aber ich dachte, es würde fair werden. Und das ist der Teil, mit dem ich mich wirklich schwer abfinden kann.“

Wenn (die Medien) Dinge schreiben, die einfach nicht wahr sind, und ihnen gesagt wird, dass sie nicht wahr sind, aber sie sie trotzdem schreiben dürfen – ich kenne niemanden auf der Welt, der das Gefühl hätte, dass das in Ordnung ist.

Sie habe „wirklich versucht“, das alles über sich ergehen zu lassen, doch sie glaube, dass das großen inneren Schaden anrichte.

Darum gehen sie und ihr Mann nun in die Offensive.

Screenshot: Statement by His Royal Highness Prince Harry, Duke of Sussex - 01 October 2019 - As a couple, we believe in media freedom and objective, truthful reporting. We regard it as a cornerstone of democracy and in the current state of the world – on every level – we have never needed responsible media more. Unfortunately, my wife has become one of the latest victims of a British tabloid press that wages campaigns against individuals with no thought to the consequences – a ruthless campaign that has escalated over the past year, throughout her pregnancy and while raising our newborn son. There is a human cost to this relentless propaganda, specifically when it is knowingly false and malicious, and though we have continued to put on a brave face – as so many of you can relate to – I cannot begin to describe how painful it has been. Because in today’s digital age, press fabrications are repurposed as truth across the globe. (...)

In einem für das Königshaus ungewöhnlichen Statement kritisierte auch Prinz Harry vor wenigen Wochen die „skrupellose Kampagne“ britischer Klatschmedien, die seit seiner Hochzeit mit Meghan vor gut einem Jahr noch einmal eskaliert sei.

Über Monate hinweg hätten einige Medien „eine Lüge nach der anderen“ veröffentlicht, hätten seine Frau nahezu täglich in den Dreck gezogen. Für diese Medien sei es „ein Spiel“, bei dem er und Meghan „von Anfang an nicht mitspielen wollten“.

Fast täglich neue Lügen und Attacken: Das „Spiel“ der britischen Tabloids

Dieses „Spiel“ habe schon seine Mutter getötet, so Harry, und er könne er nicht länger dabei zusehen, wie seine Frau den gleichen Mächten zum Opfer falle. Darum seien nun auch juristische Schritte eingeleitet worden. Etwa gegen die „Mail on Sunday“, die Auszüge eines privaten Briefes von Meghan an ihren Vater veröffentlicht hatte. Dabei habe das Blatt nicht nur ihre Privatsphäre verletzt, sondern auch absichtlich Sätze ausgelassen, um Meghan in einem schlechten Licht dastehen zu lassen und „um Sie, den Leser, zu manipulieren“.

Die „unerbittliche Propaganda“ der Klatschmedien, schreibt Harry, zerstöre Menschen und zerstöre Leben – vor allem, „wenn sie wissentlich falsch und böswillig ist.“

Und obwohl wir versucht haben, uns nichts anmerken zu lassen, kann ich nicht ansatzweise beschreiben, wie schmerzhaft es war. Denn in der heutigen digitalen Zeit werden die Lügengeschichten überall auf der Welt als Wahrheiten wiederverwendet.

Und ganz besonders: in Deutschland.

Wenn die „Daily Mail“, die „Sun“, der „Daily Mirror“ oder eine andere Postille irgendetwas über Meghan schreibt, dauert es meist – wenn überhaupt – nur wenige Stunden, bis es von deutschen Medien nacherzählt wird. „Wie eine britische Zeitung berichtet, hat Meghan dies und das gemacht“, schreiben sie dann, als wären das immer seriöse Quellen, die sie zitieren. Portale wie Derwesten.de, Merkur.de, Focus.de oder Stern.de können gar nicht genug bekommen von diesen Meghan-Stories. Wie sie zustande gekommen sind und was dran ist an ihnen, interessiert in den Redaktionen offenbar niemanden.

Auch aus dem privaten Brief, gegen dessen Veröffentlichung Meghan nun klagt, wurde in etlichen deutschen Medien zitiert. Viele der Artikel sind bis heute unverändert online, etwa bei „Bild“, den „Stuttgarter Nachrichten“ oder der „Welt“ – die es sogar fertig bringt, in einem Artikel über die Rechtswidrigkeit der Veröffentlichung des Briefes Auszüge des Briefes zu veröffentlichen.

Und dann gibt es noch jene deutsche Medien, die sich mit dem bloßen Nacherzählen der britischen Klatschgeschichten nicht zufriedengeben – und eigene Lügen in die Welt setzen.

Bis zur Hochzeit des Paares drehten sich die in Deutschland produzierten Falschmeldungen hauptsächlich um die Schwangerschaft Meghans: Immer wieder behaupteten Redaktionen, das Geschlecht des Babys (bzw. der Babys) schon zu kennen. In vielen Fällen war sie da noch nicht mal schwanger.

In Wahrheit bekamen sie: einen Jungen.

Seit gut einem Jahr haben sich Inhalt und Ton der Lügengeschichten jedoch radikal geändert. Inzwischen geht es den deutschen Klatschautorinnen und -autoren – wie ihren britischen Kollegen – in erster Linie darum, Meghan als eiskaltes, egoistisches, unerträgliches Scheusal zu diffamieren. Und dafür ist ihnen jedes Mittel recht.

Titelseite von "Die Aktuelle": Prinzessin Meghan - Jetzt zeigt sie ihr zweites Gesicht! - "Sie hat alle getäuscht!" - Harrys Ehe ungültig?! - Der ganze Skandal!

Im Artikel behauptet „Die Aktuelle“ (Funke-Mediengruppe), es sei „ein Dossier aufgetaucht, das alles in neuem Licht erscheinen lässt …“

Artikel in "Die Aktuelle": Sie folgte von Anfang an ihrem eiskalten Plan!

Devilish Duchess – „teuflische Herzogin“ steht auf einem Dossier, das dem britischen Geheimdienst MI5 zugespielt wurde. Die Herzogin – das ist Prinzessin Meghan, 38. Und was bisher durchsickerte, hat enorme Sprengkraft. Könnte sogar Harrys Ehe ungültig machen! Wegen arglistiger Täuschung …

In dem Dossier befänden sich Aussagen von Vertrauten Meghans, die zeigten, dass sie Harry nur geheiratet habe, um reich und berühmt zu werden.

Das Leben entlarvt sie und ihr Lügen-Gebäude nur nach und nach. Langsam sehen wir Meghans zweites Gesicht. Das einer skrupellosen Frau. Die für Ruhm und Reichtum in die Rolle einer anderen Frau (Diana!) geschlüpft ist. Die Harry von der Familie isoliert, mit ihm nach Amerika auswandern will, ihn steuert wie eine Marionette. Er verprasst für sie Millionen, und pfeift auf alles, was ihm wichtig war. Eine neue Tragödie!

So weit wir es bisher überprüfen konnten, ist „Die Aktuelle“ das einzige Medium auf der ganzen Welt, das über dieses angebliche Geheimdienst-Dossier berichtet hat. Wahrscheinlich hat die Redaktion die Geschichte einfach erfunden.

Und damit ist sie nicht alleine. Jede Woche stoßen wir in deutschen Zeitschriften auf Artikel über Harry und Meghan, die offenkundig ausgedacht sind – und in ihrer Respektlosi…

17 Kommentare

  1. Wer so einen Scheiß liest und glaubt, ist doch selbst schuld. Und das diese Sorte Pressemeute keine Gnade kennt, war schon immer so.

  2. @Ralf Reske
    Weil „diese Sorte Pressemeute“ schon immer so war, ist das völlig okay, was sie machen und man/frau darf sich nicht dagegen wehren? Und Täter sind eigentlich die Leser*innen dieses „Scheiß“, weil sie „diese Sorte Pressemeute“ dazu zwingt Meghan zu diffamieren, weil sie sonst deren „Scheiß“ nicht mehr kaufen würde? Ist das ihr Ernst?

  3. Wehren kann man sich so lange man will. Bringt nur nichts. Solange der Müll gekauft wird, solange wird er produziert.

  4. Solange es sich unterm Strich lohnt den Dreck rauszubringen, wird das auch gemacht.

    Da ist die eine oder andere Klage schon mit eingerechnet.

  5. Doch, doch, wehren bringt etwas. Seit das schwedische Königshaus und die deutsche Klatschpresse erfolgreich verklagte, gibt’s keine derartigen medialen „Treibjagden“ mehr auf dessen Mitglieder. Nur noch der übliche Quark zu imaginierten Schwangerschaften. Wenn die weiblichen Mitglieder der europäischen Königshäuser all die Kinder bekämen, die ihnen die Yellow Press andichtet. lägen sie ununterbrochen im Wochenbett. Das Frauenbild dieser Blätter ist noch rückständiger als das ihrer Leserinnen und das der Monarchien: Frauen sind nur dazu da Kinder zu bekommen und die Klappe zu halten.
    Die Nummer mit den namenlosen „Zimmermädchen“ und „Butler“ kannte allerdings schon meine Grossmutter (Jahrgang 1897), die gerne mit namenlosen „Geschäftsfrauen“ argumentierte, die ihr das erzählt hätten, wenn sie etwas wollte, von dem der Rest der Familie nicht zu überzeugen war.

  6. @MartinF:
    Nun, da ja diese Philosophie „der Konsument ist der zu jagende Täter“ bei Kinderpornos sehr konsequent angewendet wird, warum soll sie hier nicht gelten ? Zweierlei Maß, wie immer in diesem Irrenhaus Deutschland.

  7. @RK:
    Eigentlich keine schlechte Idee, die Leser von Tichys Einblick und Compact strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Vielleicht sollten Sie ganz schnell ihr Abo kündigen?

  8. Manchmal wünsche ich mir für die RKs dieser Welt eine schöne große Insel, auf der sie dann Ihr ideales Staatswesen errichten und leben können. Dafür würde ich eine Menge spenden, nur um Zugucken zu dürfen.

  9. Das ganze Problem wird sich m.E. nur juristisch (ggf. durch juristische Reformen) lösen lassen). „Pressefreiheit“ ist nicht das Recht zur Verleumdung. Systematische Verleumdung darf sich finanziell nicht rentieren – um dies durchzusetzen, bedarf es aber der Justiz. Sonst ist das Verleumden nämlich lukrativ.

  10. @LLL bereits heute gibt es ausreichend Rechtsmittel um sich gegen Verleumdungen und Falschbehauptungen zu wehren. Was ich bei Falschbehauptungen persönlich gut fände, wäre eine verpflichtende Richtigstellung an gleicher prominenter Stelle.

    Wenn die Bildzeitung auf der Titelseite irgendeinen Schmuh sich aus den Fingern saugt, dann muss eine Richtigstellung an genau der gleichen Stelle stehen. Ich glaube Uebermedien und Bildblog hätten dann viel Spaß, bei den Collagen.

  11. Ach ,Holger,ach!!
    Beschauer von Kinderporn sind sowohl Täter wie auch Zeuge.
    Ist ein schwieriges Konzept,ich weiß.
    Also solange es ausreichend und finanziell potente Nachfrage gibt,wird es Produzenten geben.
    Und nicht vergessen Kinderporn ist kein gutes Beispiel für Meinungsfreiheit!
    Was ich meine ist,kann man machen aber kann leicht als Verharmlosung wahrgenommen werden.
    Damit tut man nur Kinderporn-Produzenten oder Legalisierern einen Dienst.
    Man sollte ja nicht vergessen was in Kinderporn passiert,ödere?!
    Eine Sache die das Verharmlosen der Diffamierung der Royal oder Promis allgemein mit sich bringt,die aber auch Kinderporn betrifft,ist die Desensibilisierung gegenüber grundsätzlichen Grenzverletzungen.
    Das man sich die Wahrnehmung so manipulieren lässt…
    weil man nicht gegen dieses Bedürfnis ankämpft.
    Das man Dinge hinnimmt,die einen weil sie jemand anders passieren,keinerlei persönliche Empathie mehr auslösen können…
    Auf der anderen Seite sich aber nur noch über Luke Mockridge aufregen können will!

  12. @13: Sag mal bist du noch ganz knusper oder was?

    Deine Ansichten über Kinderpornographie, wo das Thema die Royals sind, interessieren mich nicht, behalte also diesen Müll in Zukunft gefälligst für dich.

    Unglaublich, was hier für Gestalten unterwegs sind.

  13. Nr.11 LLL

    So ist es. Der Gesetzgeber sollte in die Pötte kommen und die rechtlichen Voraussetzungen schaffen, dass derartige Verleumdungen, Lügen, Stalking und Hetze, empfindliche Mindeststrafen zur Folge haben müssen. Was heutzutage an Entschädigungssummen aufgerufen wird, ist ein Witz. Das zahlen die Verlage aus der Portokasse.
    Außerdem sollten die als Verantwortliche genannten Figuren dieser Schmierblätter auch endlich persönlich zur Verantwortung gezogen werden. Klagen richten sich doch immer nur gegen Verlage.

    Ich hoffe, dass sich die von derartigen Lügen und Nachstellungen Betroffenen endlich zur Wehr setzen und diese widerlichen Schmierfinken konsequent juristisch angehen.

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