Witzkritik

Lasst doch mal Tucholsky in Ruhe!

Der Schriftsteller und Satiriker Kurt Tucholsky prägte zu Zeiten der Weimarer Republik den Satz „Satire darf alles“. Bis heute beziehen sich Kommentatoren und Medien auf ihn – und sie missbrauchen ihn, findet unser Autor. Denn wer andauernd „Satire darf alles“ ruft, verhindert eine wirkliche Debatte über die Qualität komischer Kunst. 

Ich weiß nicht, ob Sie‘s wussten, aber Satire darf alles. Zum Glück erinnern deutsche Medien regelmäßig daran. Man begegnet dem Satz in allen Farben und Formen. Es gibt ihn in der überzeugten Variante („Bei ihm war nichts politisch korrekt. Satire darf alles!“), in der beiläufigen („Satire darf ja bekanntlich alles“), in der Variante mit Einschränkungen („aber muss sie auch?“), in der mit Erweiterungen („manchmal darf sie auch einen blinden Fleck haben“), in der zornigen („nur solange sie ins eigene Weltbild passt“). Es gibt ihn auch in subjektiv-abgemilderter Form („finde ich“), bis hin zur weichgespülten Intendanten-Variante: „Satire genießt einen sehr weiten Schutz, das betont auch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts regelmäßig.“

Der Schriftsteller Kurt Tucholsky
Kurt Tucholsky (1890–1935)Foto: IMAGO / GRANGER Historical Picture Archive

Der „Lieblingssatz der deutschen Debattenkultur“, wie es die „Zeit“ ausdrückte, stammt von Kurt Tucholsky, einem Publizisten und Satiriker der Weimarer Republik, der Satire verfasste unter Gefahr für Leib und Leben. Also einer, der es wissen muss. „An Tucholskys Befund hat sich nichts geändert“, konstatierte vor ein paar Jahren die „Welt“.

Hier soll nun nicht schon wieder die Frage durchgekaut werden, was denn Satire nun wirklich darf. Ich möchte dafür plädieren, Tucholsky einfach in Frieden zu lassen, und die Rede von der Satire, die alles darf, nicht mehr zu benutzen. Das Rumreiten auf diesem Satz hat Konsequenzen, und zwar keine guten. Er täuscht Reflexion vor, erstickt aber in Wahrheit jede ernsthafte Diskussion über komische Kunst im Keim.

Ein gekränkter Idealist

Der Satz passt heute nicht mehr, das wird mit einem Blick auf den historischen Kontext deutlich. Im Januar 1919 erschien im „Berliner Tageblatt“ der Text „Was darf die Satire?“ unter Tucholskys Pseudonym Ignaz Wrobel. Er enthält fast alle Zitate, die einem im Umgang mit Satire heute noch häufig begegnen. „Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist: er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an“, etwa. Oder: „Die Satire muß übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht.“ Und natürlich, das berühmte Ende: „Die echte Satire ist blutreinigend: und wer gesundes Blut hat, der hat auch einen reinen Teint. Was darf die Satire? Alles.“ Auf wenigen Zeilen, scheint es, entwirft Tucholsky eine klare Theorie der Satire. 

In der Praxis sah es anders aus: Zum Veröffentlichungszeitpunkt war die Weimarer Republik wenige Wochen alt. Der Erste Weltkrieg war verloren, eine Revolution hatte den Kaiser weggespült. Zwei Wochen vor Erscheinen wurden die Sozialisten Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg von rechtsradikalen Freikorps ermordet. In dieser gewaltvollen Atmosphäre war Satire nichts, was man sich abends im Öffentlich-Rechtlichen ansah. Sie war mitunter lebensgefährlicher politischer Aktivismus. Nicht ohne Grund schrieb Tucholsky unter seinen berühmten Pseudonymen.

Die Weimarer Verfassung garantierte in den folgenden Jahren zwar offiziell, dass keine Zensur stattfindet, doch der Realität entsprach das nicht. Der Maler und Satiriker Georg Grosz stand mehrfach vor Gericht, etwa wegen Beleidigung, Angriff auf die öffentliche Moral oder Blasphemie. Der Lyriker Erich Weinert bekam durch ein eigens geschneidertes Gesetz, die „Lex Weinert“, Auftritts- und Redeverbot. Carl Ossietzky, der Herausgeber der „Weltbühne“, für die Tucholsky schrieb, musste sich für Tucholskys Aussage „Soldaten sind Mörder“ vor Gericht verantworten. Im aufsehenerregenden „Weltbühne-Prozess“ wurde er 1931 wegen Landesverrats verurteilt.

Ein Schutzschild für Ohnmächtige

In so einem gesellschaftlichen Klima zu schreiben, Satire dürfe alles, bedeutet: Satire muss das Recht haben, die Mächtigen, Staat, Kirche, Reichswehr, ohne Angst vor Gefängnisstrafen kritisieren zu können. Satire sollte ein Schutzschild sein, für Ohnmächtige gegen einen übermächtigen, repressiven Staat. 

100 Jahre später dient der Satz dagegen als Schutzschild, um sich gegen Kritik immun zu machen. Niemand muss mehr fürchten, wegen Landesverrats vor Gericht gestellt zu werden. Niemand muss heute für einen Witz ins Gefängnis. Wenn sich der Staat für Satire interessiert, zieht das in der Regel keine Strafe nach sich.

Der Kabarettist Uwe Steimle sagte bei einer AfD-Veranstaltung im Juli im Hinblick auf Bundeskanzler Friedrich Merz: „Wo ist Stauffenberg, wenn man ihn mal braucht?“ Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf und stellte sie wieder ein. Der Fairness halber sei dazugesagt: nachdem Steimle eine Unterlassungserklärung abgegeben hatte. Aber selbst wenn der Fall am Ende vor Gericht gelandet wäre, entscheiden diese meist zugunsten der Künstler. Etwa im Fall von El Hotzo. Der Satiriker stand wegen eines Witzes über den Attentatsversuch auf US-Präsident Donald Trump vor Gericht und wurde freigesprochen. Alles war von Meinungs- und Kunstfreiheit gedeckt.

Dieter Nuhr mit Tucholsky betrachten?

Tucholsky riskierte etwas. Heutige Kabarettisten und Comedians riskieren mediale Aufregung oder im schlimmsten Fall ein Verfahren, das in aller Regel eingestellt wird oder mit einem Freispruch endet. Das ist lästig, aber kein Grund, jede Kritik zur Zensur zu erklären. Nein, niemand steht heute in der Tradition eines verfolgten Satirikers aus der Weimarer Republik. Die Anrufung Tucholskys soll Diskussionen über die Angemessenheit bestimmter Witze beenden. Im Sinne von: Es ist doch alles in Ordnung, und das hat schon Tucholsky gesagt. Tucholsky in allen Ehren, aber warum sollte ein hundert Jahre alter Spruch uns etwas über die Betrachtung von Dieter Nuhr, Lisa Eckhart, Jan Böhmermann oder El Hotzo verraten? 

Doch dass die historische Lage eine ganz andere ist, wird ausgeblendet. Der Meister hat gesprochen. Dass man sich mit Tucholsky auf einen linken Intellektuellen bezieht, dessen Bücher die Nationalsozialisten verbrannten, verleiht dem Ganzen dann noch eine moralische Aura, die sie eigentlich nicht hat.

Der Satz ist wirkmächtig. Und selbst wer ihn einschränkt oder relativiert, bleibt in seinem Bannkreis. Wenn TV-Sender um Schadensbegrenzung bemüht sind, schreiben sie in Pressemitteilungen gerne, Satire würde Sachverhalte polarisieren, zuspitzen, würde provozieren und Dinge auch bewusst verkehren. Auch diese Rechtfertigung zieht ihre Autorität aus dem von Tucholsky angeblich ausgestellten Freifahrtschein.

Andere Formulierung für „Satire ist eigentlich egal“

Folgt man dieser Sichtweise, bedeutet das: Nicht die Analyse des Werks entscheidet, sondern ein Etikett, das die Künstler oder TV-Sender selbst vergeben. Satire darf alles, also dürfen auch die Menschen, die Satire machen, alles. Ob eine Satire Satire ist, ist dann einfach Definitionssache, und nicht mehr etwas, was in der konkreten Auseinandersetzung mit einem Kunstwerk erörtert wird. Satire ist nicht das, was kunstvoll ist, kreativ, gewitzt oder originell, etwas, das gelingt. Vielmehr ist Satire das, was gedurft wird. Kaum jemand, der eine Satire kritisiert, will sie ja verbieten, die Verteidigung über das Dürfen geht also an der Diskussion vorbei. „Satire darf alles“ beantwortet die Frage nach der Qualität mit einer Antwort über Erlaubnis. „Satire darf alles“ ist so gesehen nur eine andere Formulierung für „Satire ist eigentlich egal“.

Das erkennt man beispielsweise gut in einem Gespräch, das die „Ostdeutsche Allgemeine“ mit Uwe Steimle anlässlich des Stauffenberg-Aufregers geführt hat. Der Kabarettist erklärt darin:

„Bei Satire gilt: Wer sich betroffen fühlt, ist gemeint. Das ist das Grundprinzip der Satire.“

Nicht nur darf Satire alles, sie muss, folgt man Steimle, ferner nicht einmal treffend sein – sie trifft qua Widerspruch. Eine magische, sich selbst erfüllende Prophezeiung, für die ein Künstler nichts tun oder können muss, aber dann doch gerne auch den besonderen Schutz der Kunstfreiheit einfordern möchte. Unter dem Deckmantel Tucholskys kann Kritik einfach zur drohenden Zensur umgedeutet werden und der Künstler sich als widerständig inszenieren. Es ist frappierend, wie sehr Künstler die eigene Kunstform dadurch kleinmachen können.

„Comedians dürfen halt sowas“

Der Spruch hat die öffentliche Debatte in Deutschland über Jahrzehnte eingespurt in das Paradigma der Erlaubnis. Er ist tief eingesickert und steckt auch in verwandten Formeln wie „Comedians wandern immer an der Grenze zum Tabu“ oder „loten die Möglichkeiten des Sagbaren aus“. Nicht ohne Grund wurde der Programmtitel des Comedians Chris Tall, „Darf er das?“, zu einem in der Comedyindustrie gern bemühten Spruch.

Als der Comedian Luke Mockridge im September 2024 Witze über Sportler mit Behinderung machte, überschlugen sich die Medien in der Debatte darüber, ob Mockridge das durfte und unter welchen Bedingungen derartige Witze erlaubt seien. Wie weit darf Humor gehen, fragte das ZDF.

Dass Mockridge das Thema gar nicht durchdrungen hatte, sich auf dem gefährlichen Terrain – Witze über Behinderte – nur unsicher bewegte und obendrein vom US-amerikanischen Comedian Shane Gillis abgekupfert hatte, fiel unter den Tisch. Medien, die dann „Comedians dürfen halt sowas“ als leichte Erklärung akzeptieren, verhindern aktiv, dass eine ästhetische Auseinandersetzung mit Kunstwerken, die Satire und Witz ja eben auch sein können, stattfindet.

Dass der Satz so oft bemüht wird, drückt auch einen Mangel aus, eine Leerstelle im Diskurs der Gegenwart. Gäbe es eine Tradition der Debatte, des Streits, der ästhetischen Auseinandersetzung um komische Kunst, bräuchte es das Zitat gar nicht. Der Diskurs hätte genug eigene Ressourcen, um ästhetische Fragen differenzierter zu beantworten oder möglicherweise unter neuen Gesichtspunkten anders zu stellen.

Wie es ohne Tucholskys Spruch gehen kann, hat übrigens Tucholsky selbst am besten gezeigt. Als Anfang der 1930er Jahre bekannt wurde, dass SA-Führer Ernst Röhm homosexuell war, kam es zu einer breiten Satirekampagne mit allerlei Karikaturen („Amor im Braunen Hause“). „Ich halte diese Angriffe gegen den Mann nicht für sauber“, schrieb Tucholsky in der Weltbühne, passenderweise wieder unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel. In klaren Sätzen erklärt er, warum die Satire gegen Röhm infam ist und außerdem am Ziel vorbeigeht. Ob die Satire das auch durfte, war Tucholsky am Ende egal.

17 Kommentare

  1. Die Links auf die Tucholsky-Texte funktionieren (zumindest bei mir) nicht.
    Ansonsten: eine wertvolle Beobachtung und Analyse, dankeschön.

  2. Schöner Artikel, danke dafür!

    Bei Röhm stellte Tucholsky ja die Frage, was Satire _soll_. Gegen Schwule sein oder doch lieber gegen Nazis?

  3. Erinnert mich an dieses Video über mel brooks: https://m.youtube.com/watch?v=62cPPSyoQkE (Englisch)

    Wie Tucholsky wird Mel Brooks gerne missbraucht, um kritischer Auseinandersetzung mit humoristischen Werken aus dem Weg zu gehen. Ebenso war er wesentlich reflektierter darüber, was Satire sein sollte, als es sich manche einbilden oder wünschen.

  4. Satire, Satire über alles! Ein Politiker, der nicht karikiert wird, ist unbedeutend. Ein Politiker, der strafrechtlich gegen Satire vorgeht, ist als Politiker ungeeignet. Die höchste Kunst der Satire ist es, wenn ein Satiriker einen Politiker in den höchsten Tönen lobt. Dagegen kann ein Politiker gar nichts tun.

  5. Es sprach Uwe Steimle, der einst einen Journalisten vor Gericht zerrte, weil der ihn „völkisch-antisemitischen Jammer-Ossi“ nannte.
    Nach Steimles eigener Definition musste der Journalist ja recht gehabt haben, da „Wer sich betroffen fühlt, ist gemeint.“.
    Bei den blau angemalten „Komikern“ muss immer im Hinterkopf behalten, dass sie nur ihre eigene Definition von Humor („Wo ist der Stauffenberg, wenn man ihn mal braucht?“) geschützt sehen wollen.
    https://www.sueddeutsche.de/kolumne/leserbriefe-afd-steimle-chrupalla-li.3519337
    Von denen muss man sich „Geschichtsrevision“ vorwerfen lassen, wenn man die afd mit der nsdap vergleicht.

  6. Den besten Spruch zum Thema brachte Juvenal vor rund 2000 Jahren:
    Manchmal ist es schwieriger, keine Satire zu schreiben.
    (Juvenal wurde nicht gekreuzigt oder den Löwen vorgeworfen, aber nach Assuan verbannt…)
    Das geschilderte Problem hat sich inzwischen aber höchstens verschärft…

  7. @ #7: Schwierig. Das Moderne Problem ist ja eher, dass das, was „uns“ wie Satire vorkommt, von der eigentlichen Zielgruppe als seriöser Inhalt erkannt wird. Das sind dann z. B. die „Bereicherer“ Dogwhistles. Oder wenn unter dem ARD-Video über eine mutmaßlich Straftat von Jufgendlichen 10 Mal sinngemäß steht „Waren bestimm Kevin, Markus und Karl xD xD xD“.
    Ich sehe da eine plumpe Satire auf schlecht gemachte rassisitische Weichei-Kommunikation, die sich nicht traut zu ihrem Rassismus zu stehen, weil dieser gesellschaftlich sanktioniert wird. Es ist aber tatsächlich keine Satire. Die Message ist tatsächlich „Ausländerkriminalität, raus aus meinem Land!“ und nicht „Schaut mal wie dämlich Rassisten kommunizieren.“.
    Ich persönlich bin ja vom Glauben abgefallen, als ich von Diane Morgan hörte, dass ihre Kunstfigur Philomena Cunk ein Ausdruck ihrer eigenen, tatsächlichen Wissenschaftsmüdigkeit und nicht, wie ich davon ausging, eine Parodie auf kindlich zur schau gestellte Wissenschaftsmüdikeit / Denkfaulheit, ist. Nein, die Gute meint das echt ernst. „Science is boring.“ ist der ernst gemeinte Inhalt.

    Ich würde zu Juvenal sagen: „Satire ist, wenn sie vom Empfänger erkannt wird. Sie muss nicht mal als solche gemeint sein.“

  8. Gemeint ist wohl mehr sowas wie, dass man Merkel nicht besser persiflieren könnte, als wenn man sie wortwörtlich zitiert. Man darf Merkel also nicht zitieren, wenn man keine Merkelsatire schreiben will.
    Das macht mich sehr betroffen und auch ein Stück weit traurig.

    „Waren bestimmt Kevin, Markus und Karl.“ IST natürlich ironisch gemeint von Leuten, die ausländerfeindlich sind. Die gehen nämlich davon aus, dass das Kevin, Markus und Karl nicht waren.

  9. Pispers sprach von Merkel „beleidigen“, nicht von persiflieren. Aber ja, der Tenor ist der gleiche.

    Und klar benutzen die Ironie. Warum die nun zum Stilmittel der Ironie greifen, da hatte ich auch bereits einen Erklärungsansatz mitgeliefert: Damit man den Rassismus nicht sieht, weil er öffentlich sanktioniert wird. Das ist grund-unehrlich (ich sprach von Weichei), weil halt niemand einem verbietet rassistisch zu sein. Man muss nur mit Gegenwind rechnen.
    Weil „man das so ja nicht (mehr heutzutage) (in unserem schönen Land) (bei dieser Regierung) (in diesen Zeiten) sagen darf“, kommuniziert man unauffälliger.
    Selbstverständlich dürften die einfach sagen „Ich spekuliere, dass der Täter Mustafa, Abdullah oder Mohammad heißt!“ Das wiederum kann man dann natürlich nicht mehr drehen und wenden, damit man sich slebst als Opfer inszenieren kann. Also setzt man sich vorher schon in die gefühlte Opferrolle und spricht ausweichend von „Die heißen bestimmt Kevin, Markus und Karl.“. So insinuiert man dann auch direkt, von einer linksgrünen Meinungselite zum schweigen gebraht worden zu sein, obwohl man einfach nur kleine Eier hatte, zu seinem Rassismus zu stehen.

    Wir beide hatten ja auch mal die „cancel culture“ Debatte, ist für mich ganz ähnlich. Es ist eine Meinungsverschiedenheit, bei der so getan wird, als ob eine Seite im vorhinein übermächtig und in der Lage sei, andere Meinungen zu „canceln“. Dabei traut man sich einfach nur nicht, zui einer bestimmten (vermutlich gesellschaftlich sanktionierten) Position zu stehen.
    Oder wie ich auch schon öfters sagte: Ich wünsche mir selbstbewusste Nazis, die nicht präventiv Opfer von anderen Meinungen sind.

  10. „Waren bestimmt Kevin, Markus und Karl.“ IST natürlich ironisch gemeint von Leuten, die ausländerfeindlich sind. Die gehen nämlich davon aus, dass das Kevin, Markus und Karl nicht waren.

    Das ist wirklich absurd, was da abgeht. Nur weil die Täter Migrationshintergründler sind, behaupten die pösen Rechten, die Täter sind Migrationshintergründler.

    Aber was ist der Grund, was treibt die an, die Situation so zu beschreiben, wie sie tatsächlich ist?
    Die sollten sich ein Beispiel an den Hochintelligenten nehmen, die machen so nämlich nicht.

  11. Dass jeder ironische Kommentar gleich Satire ist oder sein soll, glaube ich auch nicht.
    Aber natürlich kann man sich auch als Opfer sehen, wenn man sagt, die Täter hießen bestimmt Mohammed, Achmed und Ali.
    Dass man Ironie und Humor bräuchte, um sich als Opfer zu inszenieren, wäre ja völlig plausibel und logisch.

  12. @ #9: Juvenal wird gerne so gelesen, im Sinne von „Die Wirklichkeit ist so verrückt, allein der bloße Fakt ist schon Satire genug“. Dabei ist der Satz eine Aussage über Empörung als Antrieb. „Si natura negat, facit indignatio versum“. (wo die Natur/das Talent verweigert, macht die Empörung den Vers) Juvenal hielt sein zeitgenössisches Rom für so verkommen, dass man notgedrungen Satiren schreiben musste, selbst wenn man dafür keine Beganung hätte. Der heutige Gebrauch macht daraus ein „Da muss man nichts mehr hinzufügen“ bzw. ruft „Realsatire!“. Insofern wäre das auch mal ein Kandidat für einen eigenen Artikel :)

  13. Ist schon interessant, wie man gleich von Anfang an das schwer beleidigende Gedicht des Herrn B. umtanzen kann und statt dessen auf sich auf Steimle wirft.

  14. „Nur weil die Täter Migrationshintergründler sind, behaupten die pösen Rechten, die Täter sind Migrationshintergründler.“
    Na eben nicht. Erst mal ist der Migrationshintergrund des Täters bei einer Straftat völlig egal (duh.) und zweitens spekulieren die Blaubraunen ja immer sofort, ohne etwas zu wissen. Wenn es gar nicht stimmt, wird es totgeschwiegen. Seriös wäre, nicht darüber zu spekulieren. Zumal komplett irrelevant. Lügenkommunikation nach Bildzeitungsvorbild halt, kennen wir ja seit >10 Jahren.

    @ #14:
    Bitte, sagen Sie es doch einfach. Wer ist Herr B.? Böhmermann? Geht es um den Majestätsbeleidigungsparagraphen? Der „Eklat“ mit Erdogan, bei dem der türkische Staatspräsident versuchte, in die deutsche Pressefreiheit einzugreifen? Wie ist denn da das dümmlich-blaubraune Narrativ; wie wird das denn wieder gedreht, damit man Opfer sein kann?

  15. @14:
    Da will ich Ihnen zwar grundsätzlich nicht widersprechen.
    Empörung als Antrieb ist allerdings auch nicht weniger geworden. Juvenal empörte sich noch über brutale Gewaltherrschaft, Willkürjustiz und Bürger, die sich das gefallen ließen, solange Brot und Spiele da waren und sie Muckis pumpen konnten.
    Die Gewalt und Willkür zumindest sind zwar drastisch reduziert, die Empörung aber nicht.

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