„Nuhr im Ersten XXL“

Nuhr noch niederträchtig

Der Kabarettist Dieter Nuhr macht sich in seiner ARD-Sendung über die Angst von Frauen vor männlicher Gewalt lustig und erklärt Morde statistisch zur Randerscheinung. Für seine Pointe bedient er alte Klischees und verhöhnt Opfer. Was soll daran Satire sein?

Ich möchte Ihnen einen Witz erzählen: Kommt ein Kabarettist auf die Bühne und rät Frauen, die nicht ermordet werden wollen, dass sie nicht mit Frauenmördern schlafen sollen.

Lustig, oder?

Okay, der ist gar nicht von mir. Sondern von Dieter Nuhr. Gesendet wurde er vergangene Woche in der ARD-Sendung „Nuhr im Ersten XXL“ (hier ab ca.14:30).

Kabarettist Dieter Nuhr
Dieter Nuhr gibt Tipps für FrauenScreenshot: ARD-Mediathek

Es war irgendwie erwartbar, dass sich Dieter Nuhr früher oder später dem sogenannten Heterofatalismus widmen würde. Gemeint ist damit das kollektive Gefühl der Frustration vieler Frauen über ihre Beziehungen zu Männern, über das seit einiger Zeit diskutiert wird. Es geht zum Beispiel darum, dass Frauen in heterosexuellen Beziehungen seltener einen Orgasmus haben, mehr Sorgearbeit leisten oder häufiger Opfer von Gewalt werden. Manche Frauen stellen deshalb Hetero-Beziehungen grundsätzlich infrage, weil sie denken, dass sie ihnen unterm Strich eher schaden. Aber so tief steigt Nuhr da gar nicht ein.

Perfekte Vorlage für Nuhr

Im Mai veröffentlichte das „SZ Magazin“ einen viel diskutierten Text zum Thema. Unter dem Titel „Wie soll ich einen Mann lieben?“ schreibt Nele Sophie Karsten, als Feministin bedeute eine heterosexuelle Beziehung mit einem Mann letztlich, den eigenen Unterdrücker zu lieben. Wie das gut gehen solle, fragt sie – und:

Warum sollte ich mein freies, glückliches Leben langfristig mit jemandem teilen wollen, der mich statistisch betrachtet gut möglich erniedrigt, schlägt oder sogar tötet?

Für Dieter Nuhr sind solche Thesen natürlich eine dankbare Vorlage. Und all die Männer, die sich von solchen Vorwürfen pauschal angegriffen fühlen, brauchen schließlich jemanden, der für sie einsteht. Wie gut, dass es Dieter Nuhr gibt!

Der Kabarettist ist dafür bekannt, gegen alles auszuteilen, was feministisch, progressiv oder irgendwie woke daherkommt. Im Zweifel tritt er dabei auch gerne nach unten. Seine Stand-ups wirken oft eher wie plumpe Stammtischparolen, nicht wie politische Satire. Nuhr ist, wenn man so will, das lustige Gesicht der Diskursverschiebung nach rechts.

Stellt euch nicht so an!

In der aktuellen Sendung rechnet Nuhr vor, wie unwahrscheinlich es sei, als Frau von einem Mann getötet zu werden. Wenn jedes Jahr 300 bis 350 Frauen ermordet würden, stünden dem Millionen Männer gegenüber, die keine Frau töteten. Die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, gehe also gegen null – so Nuhrs Logik.

Na dann ist ja alles gut. Mal nicht so übertreiben, ihr Weiber!

Dabei macht es sich Nuhr natürlich leicht. Denn er blendet sämtliche anderen Formen von Gewalt aus, die Männer gegen Frauen ausüben. Femizide – ein Wort, das Nuhr vermutlich nicht in den Mund nehmen würde – sind schließlich nur die brutalste Ausprägung dieser Gewalt. Überfüllte Frauenhäuser, körperliche Übergriffe, Chatgruppen und Foren, in denen sich Männer über die Vergewaltigung und Betäubung ihrer Partnerinnen austauschen, frauenfeindliche Hasskommentare im Netz, sexistische Sprüche im Alltag: All das kommt in Nuhrs Stand-up gar nicht vor.

Profi-Tipp vom Satiriker

Zum Abschluss hat er stattdessen noch einen Tipp für Frauen:

„Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erstmal kennenlernt. (…) Vielleicht auch einfach mal fragen, ob er nebenberuflich als Frauenmörder tätig ist.“

Das Publikum klatscht und lacht. Und merkt offenbar nicht, auf wessen Kosten dieser Witz geht. Oder es ist ihm egal. Was vielleicht auch zeigt, wie wenig viele Menschen über Gewalt in Beziehungen wissen – und wie sie über Frauen denken.

Natürlich darf Satire grundsätzlich Witze über alles machen. Nur verfehlt sie in diesem Fall ihre eigentliche Funktion: der Ursache für Missstände humorvoll und pointiert auf den Grund zu gehen.

Die alte Erzählung von der Frau, die selber schuld ist

Nuhrs „witziger“ Tipp zeigt einerseits, wie selbstverständlich es noch immer ist, Frauen, die Opfer von Gewalt werden, eine Mitverantwortung zuzuschieben. Denn er sagt im Kern, sie wären sicherer, wenn sie nicht gleich mit jedem Typen in die Kiste hüpfen und eine Beziehung anfangen. Frauen sollten also besser prüfen, mit wem sie sich da abgeben. Dann wäre alles nicht so schlimm.

Andererseits beruht die Pointe auf einem Irrtum, der offenbar weder Nuhr noch jemandem in der rbb-Redaktion aufgefallen ist. Oder es ist auch ihnen egal, weil man so eine Pointe doch nicht killt, nur weil sie nicht der Realität entspricht. Denn die meisten Frauen, die ermordet wurden, kannten die Männer, die die Tat begangen haben, sehr gut. Sie waren oft über Jahre liiert oder verheiratet mit ihnen. Dass man das hier nochmal erklären muss, ist frustrierend.

Wie kann eine Pointe, die sich auf Kosten von Opfern lustig macht und auf einer falschen Annahme beruht, durch eine Redaktion gehen? Gibt es für solche Gags keine redaktionelle Prüfung? Ist man sich des Hintergrunds solcher Taten überhaupt bewusst? Und würden sie den Gag nochmal so machen?

Was der rbb dazu sagt

Auf unsere Fragen geht der rbb als zuständiger Sender nicht wirklich ein, sondern antwortet eher ausweichend:

„‚Nuhr im Ersten‘ ist eine seit Jahren bekannte und erfolgreiche Satiresendung. Sie wird redaktionell durch den rbb betreut. Für uns als Programmanbieter sind Pluralität, Diversität und Meinungsvielfalt wichtige Werte. Selbstverständlich sind wir uns unserer öffentlich-rechtlichen Aufgabe und Verantwortung bei der Gestaltung des Programms bewusst, in Satireformaten gilt es jedoch auch die künstlerische Freiheit zu achten. Comedy und Satire können und sollen polarisieren, das Spiel mit Klischees oder überspitzter Darstellung ist ihnen immanent. Über Geschmacksgrenzen beim Inhalt wird man wohl immer unterschiedliche Auffassungen vertreten können.“

Das Problem ist nur: Dieter Nuhr spielt hier nicht mit Klischees und Ressentiments, um sie zu hinterfragen. Er greift auf sie zurück und verstärkt sie.

55 Kommentare

  1. „Unter dem Titel „Wie soll ich einen Mann lieben?“ schreibt Nele Sophie Karsten, als Feministin bedeute eine heterosexuelle Beziehung mit einem Mann letztlich, den eigenen Unterdrücker zu lieben.“
    ich kann nuhr echt seit jahren nicht mehr ab. und sein „witz“ mit der greta thunberg schule hat wieder nur gezeigt, wie billig er vorhegt.
    aber, zum zitat:
    1. soll sie nicht
    2. muss sie nicht
    3. und schon gar nicht einen unterdrücker
    kommt mir vor, wie die diskussionen in 80ern, ob lesbische beziehungen prinzipell(!) die besseren seien.
    ist doch einfach dämlich, die aussage mit dem lieben eines unterdrückers.
    solche dummen behauptungen sind einfach dankbarstes futter für alle, die gegen gleichberechtigung sind und bestehende strukturen behalten wollen. und deswegen kann nuhr diese so erfolgreich benutzen.

  2. @das ich:
    Entschuldigung, aber das klingt erschreckend nach Täter/Opfer Umkehr.
    Die gleichberechtigte Beziehung ist noch lange keine Normalität und das eigene Zuhause ist potentiell der gefährlichste Ort für Frauen und auch Kinder.

    Darauf muss immer wieder hingewiesen werden, auch mit drastischen Worten.

  3. Der Witz ist tatsächlich nicht witzig.
    Heterofatalismus heißt, dass es tatsächlich Schicksal ist, oder jedenfalls nicht aus eigener Kraft abwendbar, dass eine Heterobeziehung unglücklich endet.
    Wer so denkt, sollte natürlich keine Beziehung führen. Die Wahrscheinlichkeit, ermordet zu werden, ist zwar tatsächlich schon sehr klein, aber warum ein noch so kleines Risiko eingehen?
    Man kann sich natürlich fragen, warum Leute immer dasselbe tun und erwarten, dass sich was ändert, aber das wäre ein anderer Witz.

  4. Der Witz war schäbig – den verteidige ich nicht. Aber eingebettet ist er in eine durchaus satirisch Missstände aufspießende Nummer: nämlich den Missstand von sprachlich verkleideten pauschalen Vorurteilen gegen Männer wie solche aus dem zitierten Artikel wie der zitierte oder der ZDF-Sendung „Sind alle Männer scheiße?“.

    Diese medial geführte Debatte über toxische Männlichkeit triff auf Männer, die noch nie so wenig toxisch und gefährlich für Frauen waren wie heute. Dieses Missverhältnis aufzuspießen IST satirisch. Auch wenn sie nicht jedem gefällt.

  5. Angenommen, wir folgten dem „Argument“, dass ja fast alle Männer ihre Partnerinnen nicht ermorden: Wäre es dann nicht an der Zeit, die Mordkommissionen der Polizei komplett abzuschaffen? Schließlich wird so gut wie niemand ermordet.

    Solange wir über Kriminalität oder „Stadtbilder“ reden, ist es offenbar kein Problem, archaisches Gruppenverhalten zu unterstellen. Weist eine Frau aber darauf hin, dass es „aber immer ein Mann“ ist, wird es plötzlich ungerecht.
    Wie kann sie nur?

    Wenn sich der Gender-Pay-Gap nur geringfügig verringert, können wir in der FAZ davon lesen, dass Frauen nun den Spieß umdrehten.

    Das Patriarchat sieht in der Ferne sein Ende drohen und reagiert bevorzugt mit Gejammer ( auch so ein Männersport ). In seiner Logik kann es sich ja auch gar nichts anderes vorstellen, als dass Frauen es ebenso treiben würden wie Männer die Jahrtausende zuvor.

    Denn angeblich braucht es Macht und Gier, strenge Hierarchien und abschreckende Strafen, um das Zusammenleben zu organisieren.

    Auch scheint es beim Thema Feminismus so etwas wie den Dunning-Kruger Effekt zu geben und jeder, der auch mal eine Maschine Wäsche wäscht und den Müll rausbringt, hält sich für de fairsten und feministischsten Partner der Welt.

    David Graeber hat zusammen mit David Wengrow ein wunderbares neues Buch geschrieben: „Anfänge“. Der Anthropologe Graeber, unter anderem Autor von „Bullshit Jobs“, und der Archäologe Wengrow rollen darin die Menschheitsgeschichte noch einmal ganz anders auf, auf dem Stand der aktuellen Forschung. Sie zeigen, wie sehr eine rein materialistische und patriarchale Grundhaltung unser Bild von der Welt und der Menschheitsgeschichte bis heute verzerrt und wie schwer es uns fällt, unvoreingenommen zu sein. Ich empfand es als Augenöffner. Auch scheint es beim Thema Feminismus so etwas wie den Dunning-Kruger Effekt zu geben.

    Bei Nuhr argwöhne ich langsam, dass er nur auf Erfolg und Profit achtet und diese Zielgruppe eben bespielt. Ich finde ihn anyway einfach nur noch widerlich.

  6. Ups: Der doppelte Dunning-Kruger ist verunglücktem Copy’n Paste zu verdanken. Sorry.

  7. @Frank Gemein: Es ist eben nie gerecht, Menschen nach (unfreiwilliger) Gruppenzugehörigkeit zu beurteilen. Sie sagen es ja selbst in ihrem Stadtbildsatz. Drehen Sie den mal um: Er ist eben von beiden Seiten her verkehrt.

    Genau gegen solche Pauschalisierungen im Diskurs (Jammern als Männersport) richtet sich doch Nuhrs Nummer.

    Ich lehne es ab, (von mir aus:mittelmäßige) Satire, die einem missfällt, ihren Satire-Charakter einfach mal abzusprechen und dann beim Arbeitgeber nachzufragen, wie der das so findet (wie hier im Artikel). Für mich misslungene Medienkritik.
    Und ich lehne es ab, in Pauschalisierungen und Irrwitz-Analogien (Mordkomission abschaffen) über relevante Themen zu sprechen wie Frank Gemein.

  8. @Chateaudur:
    Satire, auch nur mittelmäßige, tritt niemals nach unten. Deshalb ist eigentlich nichts, was Nuhr ablässt, Satire.

    Das Original:

    „Aber es gibt in Deutschland zig Millionen Männer. Die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, ist praktisch null. Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenlernt.“

    Meine Analogie war also irrwitzig, no shit Sherlock, aber Nuhrs Empfehlung mittelmäßige Satire?

    Ein Großteil dieser Morde findet im sozialen Nahraum der betroffenen Frauen statt. Fahrlässigkeit bei der Wahl eines kurzfristigen Sexualpartners ist dagegen eher die Ausnahme. Mord ist dabei nur der tragische Höhepunkt struktureller Gewalt. Sie hat viele Formen und Gesichter.

    Und es gilt: Jeder Mann, der diese Strukturen verneint oder verharmlost, ist Teil des Problems, ganz egal, was er selbst sonst dazu beiträgt.

    Natürlich bringen manche Menschen, die aus anderen Kulturkreisen zu uns kommen, Frauenbilder mit, die mit Gleichberechtigung unvereinbar sind. Das zu bestreiten hieße, deren Fortbestehen zu akzeptieren.

    Problematisch wird es aber, wenn man einigen Gruppen die Fähigkeit zur Reflexion und Entwicklung abspricht und beim selben negativen Frauenbild der eigenen Gruppe plötzlich auf die Individualität der Täter verweist, um sich reinzuwaschen.

    Archaische Frauenbilder sind doch in der AfD und in Teilen der Union quasi identitätsstiftend und auch sonst nicht gerade selten.

    ,

  9. schon vor der aktuellen Debatte habe ich mich schon oft gefragt, wie die Nuhr-Sendungen von der Redaktion abgenommen werden können, angesichts der zahlreichen Verzerrungen und Falschbehauptungen. Vor gut drei Jahren hat Peer Schader bei DWDL Nuhr einen längeren Artikel gewidmet – und es ist seitdem eher noch schlimmer geworden. Vermutlich hat man bei der ARD aber panische Angst vor dem zwangsläufigen Shitstorm von rechts, weswegen man sich so sehr um Rechtsoffenheit bemüht.

  10. Wenn Nuhr eines bestimmt nicht will, dann ist das, die Polizei abzuschaffen.

    Aber hat hier jetzt wirklich jemand gedacht, dass Satiresendungen „abgenommen“ werden? Satire ist kein Journalismus…

  11. „ Dieter Nuhr spielt hier nicht mit Klischees und Ressentiments, um sie zu hinterfragen. Er greift auf sie zurück und verstärkt sie.“ Ich glaube, dies beschreibt im Wesentlichen das Konzept der Sendung.

  12. Ich wies weiter oben schon einmal darauf hin, dass Satire nicht nach unten tritt.
    Es ist nicht so, dass ein Nuhr das nicht weiß. Deshalb muss ein anderes Oben konstruiert werden. Und dieses Oben ist ein gefühltes. Gleichzeitig wird es als das „eigentlich schon immer Oben“ gerahmt: gesunder Menschenverstand, down to earth, schweigende Mehrheit, you name it.
    Seine Methode entblößte sich vielleicht am offensichtlichsten, als er über das Buch der Kölnerin Alice Hasters frei assoziierte und das als Wissen verkaufte. So war sie auf einmal US-Amerikanerin und ihr Buch in den USA ein Hit, obwohl es dort gar nicht erschienen war.
    Missfällt ihm Wissenschaft, beklagt er Wissenschaftshörigkeit und Eliten. Ersteres bevorzugt bei Themen, die er offensichtlich nicht durchdringt, Letzteres als selbst von Eliten gepushter und gepamperter Zampano par excellence.

    Er konstruiert ein Oben mit den Frames und Metaphern des Kulturkrieges. Dass dieser Kulturkrieg im Wesentlichen aber ein Krieg gegen die ganz Unten ist, führt dazu, dass er sich letztlich permanent in Opferbashing verfängt.

  13. Ts, ts, der bräsige Dieter Nuhr.- wer hätte das gedacht, dass der mal in den 1980igern mit Typen wie Dieter Thomas vom Frankfurter Fronttheater auf Bühnen stand. Man kann’s auch nicht mehr lesen, diese blöde Wortspielerei mit „…Nuhr“.
    Ich halte ihn übrigens nicht – wie #7 – für einen alten wütenden Mann. Das ist sein Geschäftsmodell – er verdient damit Geld, dem deutschen Publikum deutsche Satire nahezubringen, in dem er die mehrheitsfähigen Vorurteile seines Publikums bedient und sich seit Jahren als einer präsentiert, der „die Wahrheit“ sagt, der sich traut zu sagen, was man nicht sagen darf. Und das mit Erfolg, wie man sieht. Die Leute lieben das. Ich denke, das Gros der deutschen Gesellschaft sieht in als Referenz für gute Satire“ und das spricht für die Fallhöhe seiner satirischen Einlagen, die so gross ist, wie das „Epsilon > 0“ in der Mathematik.
    Jetzt kann er sich in dieser Gesellschaft auch noch mit dem Leo-Baeck-Preis als „Kämpfer gegen Antisemitismus“ feiern lassen. Über die Laudatio von Ahmad Ansour wundere ich mich nur.

    Dass der Nuhr nun auch noch so einen Unfug verzapft, wie der zitierte, wird auch spurlos an ihm vorübergehen. Sein Denkmal ist gesetzt. Und da kann man noch nicht einmal der ARD die Schuld geben. Es passt halt zur deutschen Gesellschaft und zu Leserbriefen, die alles, was nur die Silbe „Fem…“ im Wort trägt, als linke Spinnerei abtun kann und sich Statistiken von der Springer – Presse oder den anderen Premiumdenkern des Journalismus erklären lassen müssen.

  14. Schon nach der zweiten oder dritten Sendung mit Nuhr und seinem weiblichen Pendant aus Österreich entschieden wir uns, dieses scheinintellektuelle Gesabber des rechtsdrehenden alten Mannes nicht mehr zu konsumieren. Alleine nur in diesem Zusammenhang fällt es mir schwer den Beitrag von Chateaudur einzuordnen.

  15. Nuhr ist Ausdruck des Versuchs, Zielgruppen zu halten, die sich sonst nicht wahrgenommen fühlen und vorzuweisen, dass der Vielfaltsanspruch eingelöst wird. So etwas gilt dann als Kollateralschaden. Immerhin hegt Nuhr auch einiges ein, wenn er etwa betont, dass Muslime nicht automatisch Attentäter sind – so stelle ich zumindest die Abwägung der Verantwortlichen vor. Dass mit seinen Ausreißern (Stichwort: erstmal kennenlernen) aber Ressentiments in diesen Zielgruppen erst gesät werden und diese am Ende dann genau deshalb abwandern könnten, wird gerne ausgeblendet. Gleichzeitig gibt es einige andere eher linkslastige Satireformate, die für meinen Geschmack belehrend, überheblich und plump wirken. Perlen wie Sarah Bosetti oder früher Georg Schramm sind einfach zu selten – und deren Brillianz wird von der breiten Masse leider auch nur ansatzweise wahrgenommen, fürchte ich.

  16. Etwas mehr Gelassenheit wäre anzuraten. Ich empfinde zum Beispiel die „Perle“ Sarah Bosetti weder als satirisch noch unterhaltsam, eher als Zumutung.
    Dennoch gehört sie für mich durchaus zum Spektrum dessen, was der ÖR-Rundfunk abdecken sollte.
    „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden.“ Bitte bei aller Empörung nicht vergessen.

  17. @Lutz Cleffmann:
    Nun wieder der Ruf nach „Gelassenheit“.

    Also das Drastischste, was ich hier bislang lesen konnte, war die Frage, ob Nuhr überhaupt nicht redaktioniert würde. Den Opfern von Femiziden wird von Nuhr zumindest eine Mitschuld gegeben.

    Ich stelle mir nur vor, etwas Ähnliches würde nach dem nächsten sogenannten „Ehrenmord“ mal ein migrantisch gelesener Prominenter vom Stapel lassen. Da wäre ich auf die gelassenen Reaktionen aber gespannt.

    Geschweige denn, ein Kinderchor sänge irgendetwas gegen Omis. Das darf offenbar nur die Union.

    Männer neigen ganz eindeutig weit stärker dazu, auf Konflikte mit Gewalt zu reagieren als Frauen. Das ist nun wirklich ausreichend untersucht. Interessant ist dabei nur, dass neuere Untersuchungen deutlich in die Richtung weisen, dass das nicht im geringsten im männlichen Wesen angelegt ist, sondern viel eher konditioniert wird.

    Natürlich sind auch Männer nicht alle gleich. Aber den Test, der einer Frau zeigt, dass ihr neuer Schwarm nicht 20 Jahre später, nach dem x-ten Jobverlust und jahrelangem Alkoholmissbrauch, zur Dynamitstange mit viel zu kurzer Lunte wird, kenne ich zumindest nicht.

    Und lieber Herr Cleffmann, wir haben hier jetzt einiges lesen können, was an Nuhr konkret kritikwürdig ist. Mit inhaltlicher Referenz, mit Hinweis auf Falschbehauptungen und auf seine erwiesene Unfähigkeit zur Einsicht.

    Was aber haben Sie denn konkret gegen Frau Bosetti ins Feld zu führen?

    Also inhaltlich. Wo hat sie gelogen, wo war sie zu oberflächlich, wo zu uneinsichtig?

    Ich bin ja selbst kein Fan. Aber mir fallen weder handwerkliche noch inhaltliche Verfehlungen ein, wegen derer sie zu verurteilen wäre.

  18. So, so, #15, der Nuhr erzählt also seinem Publikum, dass nicht alle Muslime automatisch Attentäter sind.
    Sie ahnen wohl nicht, was das Satirische an solchen Aussagen ist. Mit dieser erzieherischen Banalität, die schon grenzdebil ist und die Qualität einer Aussage „Wenn’s regnet, wird’s nass“ hat, zieht der Mann als Brandstifter durch die biederen deutschen Lande und sammelt seinen Beifall ein.
    Sei’s drum.

  19. Ich bin hier bei „das ich“ und „Chateaudur“.

    Nuhr ist unerträglich und der „Witz“ ist nicht lustig oder sonderlich tiefsinnig, aber dem einfach die satire anzusprechen weil „Satire tritt nie nach unten“ ist absurd. Wer definiert dieses „unten“? Spannenderweise nimmt ja genau diesen Punkt Nuhr in seiner Nummer auch satirisch aufs Korn indem er sagt man darf nur „Reiche“ und „Männer“ pauschal kritisieren.

    Das ist doch absurd und genau das
    „Und es gilt: Jeder Mann, der diese Strukturen verneint oder verharmlost, ist Teil des Problems, ganz egal, was er selbst sonst dazu beiträgt.“ nimmt er aufs Korn. Und das ist sehr wohl Satire, auch wenn sie einem nicht gefällt.

    Ich bin als Mann genauso wenig Schuld an irgendeinem Femizid wie ein Moslem Schuld ist an einem islamistischen Terrorakt. Vollkommen egal ob ich in“ Frank Gemeins“ Augen irgendwas verharmlose oder nicht.
    Ich werde nicht zum Täter nur weil ich das Wort Femizid für nicht zielführend halte oder mir sonstwas an der Diskussion nicht gefällt.

    Und natürlich kann Nele Sophie Karsten schreiben was sie will. Aber keiner zwingt sie eine heterosexuelle Beziehung einzugehen. Und das solche Stücke oder auch das besprochene „Sind alle Männer scheiße?“ Serien satirische Erwiderungen Folgen lassen sollte niemanden verwundern.

  20. @Ichbinich:

    Wenn Sie nur lange genug die strukturellen Probleme verleugnen, werden sie sicher von selbst verschwinden. Bis dahin leben wir halt mit dem zunehmenden Einfluss von Tates & Co. und hören uns das Gejammer von Typen wie Zuckerberg und Musk darüber an, dass es angeblich nicht mehr genug Maskulinität gäbe. Wenn nicht gerade wieder ein Incel ein paar Menschen ermordet.

    Und zu dem Beispiel mit den Männern und den Reichen: Exakt so funktioniert dieser Müll. Der reiche Mann opfert so lange herum, bis ihm der Schwachsinn von der reinen Selbstverteidigung geglaubt wird. Ein Fake-Unten wird produziert, damit die Proportionen wieder stimmen.

    Aber verstehen Sie mich bitte richtig: Ich bin selbst ein heterosexueller Mann. Und ich bin auch aus Eigennutz daran interessiert, dass die Ursachen beseitigt werden, die zu diesen Strukturen führen. Dass Sie und andere die Wissenschaft in diesem Punkt verleugnen, lässt sich leider nicht ändern, verweist aber auf ein ganz anderes Problem.

    Immer häufiger werden Stimmen laut, die einen mangelnden Proporz beklagen, wenn es um die Repräsentation politischer Lager geht. Dabei wird dann überhaupt nicht mehr auf Qualität und Fakten geachtet. Ja, das Bestehen auf Evidenz und Sorgfalt wird im Zweifel als Unterdrückung durch linksgrünversiffte Meinungsmonopolisten geframt.

    Das erinnert ganz erschreckend an Trump, und wir sollten uns sehr genau überlegen, ob wir das wollen.

  21. @Frank Gemein: Sie bekommen das Fleißbienchen für die meisten geschriebenen Worte unter diesem Artikel. Herzlichen Glückwunsch.
    Leider macht dieser Wortschwall Ihre Argumentation nicht stichhaltiger als die der anderen. Ich sehe nur den Versuch, die Sichtweisen anderer niederzuschreiben. Ist das vielleicht eine männliche Taktik? Das wäre zumindest lustig, weil ironisch.

    Letztlich können Sie die Tatsache nicht abschaffen, dass alle Rosen Blumen sind, aber nicht alle Blumen Rosen. Das finden Sie doof? Und Sie finden, damit machen sich alle Rosen zum Problem? Ok, das ist Ihr gutes Recht. Sinn muss das nicht ergeben.

    Derzeit bekommen viel zu viele Pseudofeministinnen viel zu viel Aufmerksamkeit, die sich mit blödsinnigen Aussagen, wie oben zitiert, hervortun. Ich bin nicht sicher, ob sie der Stachel im Fleisch der Gesellschaft sind, damit endlich über echte Gleichberechtigung diskutiert wird. Oder ob sie genau das verhindern, weil man sich nur über deren Blödsinn aufregt statt wirklich einen Schritt vorwärts zu kommen. Ich tendiere zu zweiterem, aber nicht vollständig, wie gesagt.

  22. Korrektur: Im zweiten Absatz meines obigen Kommentars muss es heißen, es machen sich alle Blumen zum Problem, nicht Rosen.

  23. @Frank Gemein

    Das ist hier:
    „Und zu dem Beispiel mit den Männern und den Reichen: Exakt so funktioniert dieser Müll. Der reiche Mann opfert so lange herum, bis ihm der Schwachsinn von der reinen Selbstverteidigung geglaubt wird. Ein Fake-Unten wird produziert, damit die Proportionen wieder stimmen.“

    Ist doch Blödsinn. Wer generiert denn hier ein“ fake unten“oder „opfert rum“?

    Mit ist vollkommen klar dass ich durch den Zufall als weißer Mann in Deutschland geboren zu sein, zu einer maximal privilegierten Klasse gehöre. Und ich habe kein Problem damit, dass zu besprechen und zu versuchen über strukturelle Änderungen an unserem System zu verbessern.

    Das heißt aber nicht, dass ich irgendwelche „Männer sind scheiße“ Serien gut finden muss oder applaudiere wenn jemand Unsinn zu „wie soll ich einen Mann lieben“ schreibt.

    Und trotzdem bin ich nicht zuständig dafür, wenn andere Männer ihre Frauen schlagen oder gar umbringen. Diese Gleichsetzung ist absurd und führt genau zu dieser Abwehrhaltung, die Nuhr satirisch überspitzt. Ob ihnen das nun gefällt oder nicht.

  24. @20 Frank Gemein
    Jetzt leugnet man schon die Wissenschaft, wenn man Ihre Weltsicht von Tates-Jüngern und mordenden Incels allüberall nicht teilt. Langsam wird’s absurd.

    Nochmals zurück zum eigentlichen Artikel: Ich finde die zitierte Antwort des rbb übrigens ausgezeichnet. Der Schlussabsatz der Autorin geht inhaltlich nicht darauf ein, sondern wiederholt nur ihr Bild von Nuhr-Satire. Ich betrachte das als Kommentar (was ja okay ist). Eine echte Medienkritik kann ich in diesem Artikel aber nicht finden.

  25. Ein ganz kleiner Einwurf:
    Sowohl Nuhr als auch manche Kommentatoren missinterpretieren den Titel „Sind alle Männer Scheiße?“ wohl etwas in meiner Wahrnehmung. Der ist journalistisch doch genau so angelegt, dass das „Natürlich nicht.“ als Antwort gleich mitschwingt. Deshalb aus meiner Sicht gerade kein gutes Beispiel für mutmaßlich überbordende Wokeness.

  26. Ja, das Bestehen auf Evidenz und Sorgfalt wird im Zweifel als Unterdrückung durch linksgrünversiffte Meinungsmonopolisten geframt.

    Da leben wir in verschiedenen Welten.
    Ich erlebe, dass das Bestehen auf Evidenz und Sorgfalt als Nazi geframt wird. Wobei Framing ein Euphemismus ist für die Kreischanfälle, die man damit im aufgeklärten urbanen Milieu evoziert.

  27. @Peter Sievert: wie viele Männer sind denn scheiße?
    Außerdem, dieselbe Frage über sagen wir Beamte – man tritt ja nicht nach unten – wäre dann ja nicht nur als Satire ok, sondern auch als normale Überschrift. Das „natürlich nicht“ schwingt ja mit.

    Andererseits sehe ich Fragen wie „Wie soll ich einen Mann lieben?“ – wegen vieler Bedenken einschließlich der drohenden Ermordung – unkritisch: sie soll ja keinen Mann lieben. Entweder, der Mann ist ihr Unterdrücker, dann wäre das ein Fehler von ihr, oder nicht, dann sollte er sich fernhalten…

  28. @Chateaudur
    Um mal voran zu kommen:

    […]Laut Bundeslagebild 2024 des Bundeskriminalamts waren 70,4 Prozent der Opfer Häuslicher Gewalt weiblich (BKA 2025: 4). Im Bereich der Partnerschaftsgewalt war der Frauenanteil unter den Opfern noch höher und lag bei 79,3 Prozent (BKA 2025: 5). Bei den Tatverdächtigen von Partnerschaftsgewalt handelte es sich zu 77,7 Prozent um Männer (BKA 2025: 5, 35). Bei der Beziehung zwischen Opfer und Tatverdächtigen von Partnerschaftsgewalt waren 40,6 Prozent ehemalige Partner*innen sowie 59,4 Prozent aktuelle Beziehungspartner*innen (30,8 Prozent Ehe und eingetragene Lebenspartnerschaft; 28,6 Prozent nichteheliche Lebensgemeinschaft) (BKA 2025: 5, 18).
    Frauen erleben am häufigsten Gewalt in heterosexuellen Beziehungen, während Männer häufiger Opfer von Gewalt durch andere Männer im öffentlichen Raum oder Bekanntenkreis werden. [^2] Wenn Männer schwere Gewalt erleben, findet diese häufiger durch andere Männer und im öffentlichen Raum statt (GiG-Net 2008: 19 ff.).[…]
    Eine Auswertung von Mustern von Gewalt in bestehenden Paarbeziehungen konnte aufzeigen, dass Frauen häufig wiederholte Gewalt durch Partner erleben (Schröttle/Ansorge 2008: 19 ff.):

    Von Mustern systematischer Misshandlung (durch schwerere körperliche, sexuelle und psychische Gewalt) in der aktuellen Paarbeziehung waren sechs Prozent der in Beziehung lebenden Frauen in Deutschland betroffen.
    Mehr als jede zehnte Frau (elf Prozent) hatte in der aktuellen Paarbeziehung Muster erhöhter psychischer Gewalt ohne körperliche/sexuelle Gewalt erlebt, die oft nicht als Gewaltmuster erkannt werden, aber mit schweren gesundheitlichen Folgen verbunden sein können.
    Darüber hinaus konnten bei etwa jeder fünften Frau weitere Muster mit a) gering ausgeprägter psychischer (ohne körperliche) Gewalt (15 Prozent), b) einmaliger leichter körperlicher Gewalt (drei Prozent) und c) leichter bis mäßig schwerer körperlicher Gewalt mit gering ausgeprägter psychischer Gewalt (drei Prozent) durch den aktuellen Partner identifiziert werden.
    […]“
    https://www.bundesstiftung-gleichstellung.de/wissen/themenfelder/gewalt-im-geschlechterverhaeltnis-im-engen-sozialen-nahraum/

    In diesem Kontext ist es mir leider unmöglich, Nuhrs Äußerung lediglich als Übertretung individueller „Geschmacksgrenzen“ zu framen, wie es der RBB versucht. Dass genau dieses Framing gewählt und von Ihnen geteilt wird, bestärkt meine Überzeugung nur noch, dass hier ein gesellschaftliches Problem verharmlost wird.

    Es geht nicht darum, ob ein einzelner Satz „geschmacklos“ war oder ob Satire grundsätzlich Zumutungen enthalten darf. Natürlich darf sie das. Aber Satire findet nicht im luftleeren Raum statt. Sie greift in bestehende Diskurse ein, verstärkt Deutungen oder stellt sie infrage. Wenn Gewalt gegen Frauen im sozialen Nahraum statistisch derart klar geschlechtlich strukturiert ist, dann ist es eben nicht belanglos, ob man diese Gewalt durch Pointe, Rollenklischee oder Täter-Opfer-Umkehr relativiert.

    Der entscheidende Punkt ist: Wir reden hier nicht über eine abstrakte Empfindlichkeit, sondern über ein Feld, in dem Frauen überproportional betroffen sind, Männer überproportional als Tatverdächtige auftreten und Trennungssituationen nachweislich besondere Risikolagen darstellen. Wer das dann auf „Humor darf eben weh tun“ oder „man muss auch mal etwas aushalten“ reduziert, verschiebt den Maßstab weg von den realen Gewaltverhältnissen hin zur Befindlichkeit derjenigen, die sich durch Kritik an der Pointe gestört fühlen.

    Gerade deshalb halte ich das Geschmacksargument für unzureichend. Es individualisiert, was strukturell beschrieben werden muss. Es tut so, als stünden hier nur unterschiedliche Humorvorlieben nebeneinander. Tatsächlich geht es aber darum, ob gesellschaftliche Gewaltmuster erkannt oder durch vermeintlich harmlose Pointen erneut vernebelt werden.

  29. Ich kann als Mann nicht wirklich beurteilen, was es für eine Frau bedeuten muss, in einem männlich dominierten Medium gesellschaftskritische Positionen offen zu vertreten, die sich gegen Männlichkeitsbilder und patriarchale Strukturen richten. Aber ich bekomme zumindest eine leise Ahnung davon.
    Vielleicht werden auch deshalb viele feministische Diskurse weitgehend in Abwesenheit von Männern geführt: weil in den meisten öffentlichen Räumen genau jene Machtstrukturen den Diskurs dominieren, deren Existenz zugleich vehement bestritten wird.

    @sid: Für eine so dürftige Polemik hätte ich sicher noch weniger Worte gebraucht als Sie. Inhaltsleere muss halt zumindest einen Rahmen bekommen, nicht wahr?

    Es gibt aber auch Stichworte, die die Gegenrede auffällig auslässt.
    Nehmen wir einmal an, ein bekennender Muslim, der in der Öffentlichkeit steht, ließe nach einem sogenannten Ehrenmord den Satz fallen, Töchter sollten sich eben nicht „wie Huren“ benehmen, wenn sie Ehrenmorde verhindern wollten.
    Würde man das dann auch noch als Satire verteidigen? Oder wäre nicht sofort klar, dass hier die Verantwortung vom Täter auf das Opfer verschoben wird?

    Oder die Tatsache, dass Dirk Peglow, Bundesvorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter, auf die Frage von Frau Hayali, was er denn Frauen angesichts der neuen Zahlen über Gewalt in Partnerschaften rate, sagte:
    „Wenn man nach der statistischen Anzahl geht, besser keine Beziehung mit einem Mann eingehen. Da ist das Risiko erheblich höher, Opfer von psychischer oder physischer Gewalt zu werden.“

    Übrigens:
    Nele Sophie Karstens im o.g. Artikel:
    „Ich mag Männer. Schreibe ich in den folgenden Seiten von „Männern“, dann meine ich Strukturen, nicht Individuen und auch nicht alle Männer.“

  30. @ Frank Gemein
    Gut, dass Sie jetzt einen argumentativen Ton anschlagen – ich meine das ernst.

    Allein: Niemand, wirklich niemand – Nuhr nicht, der rbb nicht, im Forum niemand – bestreitet, dass Gewalt gegen Frauen ein ernstes Problem ist. Wie auch anders? Nehmen Sie das bitte zur Kenntnis.

    Ich problematisiere es, der Nuhr-Nummer einfach ihren satirischen Charakter absprechen. Das ist aus meiner Sicht nicht korrekt, mein Argument habe ich bereits ausgeführt (Aufspießen von Pauschalurteilen in der Debatte. In der Debatte!)

    Es ist mMn nicht korrekt, unabhängig davon, ob man diese Satire für gelungen und erwünscht hält. Darum geht es mir und, wenn ich es richtig verstehe, anderen hier im Forum auch.

    (Ich habe Respekt für Ihren Eifer und Ihre Kenntnis der Sache. Der Ton macht die Musik.)

  31. (Hrmpf, grad noch gelobt, unterdessen kam #29 dazu. Es lohnt sich MmN nicht, gegen Einwürfe zu argumentieren wie „Muslim sagt Hure“ oder „wenn ich Männer sage, meine ich nicht Männer“. Ich hab meinen Punkt gemacht. Schönen Sonntag allerseits)

  32. Der Herr Nuhr versteht die Welt nicht mehr:
    (Zitat aus Deutschlandfunk):
    „Der Kabarettist Dieter Nuhr hat Vorwürfe zurückgewiesen, er habe sich in einer Satire-Sendung über Frauenmorde lustig gemacht. „Habe ich nicht“, schrieb Nuhr auf Facebook – und: „Kein Witz über Femizide, nirgends.““

    Überraschend deutlich wird auch Simon Strauss in der FAZ mit dem Titel:
    „Dieter Nuhr ist kein Komiker mehr“

  33. Ach ist das nicht schön wenn man wie Nuhr, seinen Hass und seine Verachtung einfach als Satire bezeichnen kann nur weil ein paar andere A***löcher auch darüber lachen.
    Und ich finde die Überschrift des Artikels trifft den Nagel auf den Kopf, da muss eigentlich gar nichts mehr hinzugefügt werden.

  34. …und typisch sind jetzt die weiteren Pressreaktionen:
    „die Welt“ , in Person die Anna Schneider sekundiert mit der Überschrift „Dieter Nuhr ist keine Gefahr“ und transportiert das Thema auf die Ebene der Ignoranz der eigentlichen Aussage mit dem Text im Abstract „Der Comedian Dieter Nuhr nimmt Männer vor Pauschalurteilen in Schutz – und kassiert einen Shitstorm. Feministas (m/w/d) kämpfen verlässlich die falschen Kämpfe, während sie an anderer Stelle schweigen.“ – (der Rest steht hinter der Paywall)
    Das ist schon ganz schön flach, intellektuell sowieso, und typisch für die Axel Springer Nachrichtenfabrik strukturelle Probleme nur dort zu erkennen, wo es Asyl- und Sozialbetrug gibt.
    Nach dem Song der Ärzte „Männer sind Schweine“ (1998 veröffentlicht) hätte ich im Leben nicht gedacht, dass die Kerle so derart larmoyant und schon hilflos reagieren und nach Satisfaction rufen wenn eine Frau sich zur Manosphäre artikuliert.

  35. Dieter Nuhr war schon immer unterirdisch. Aber in diesem Fall wundere ich mich doch, warum er so missverstanden wird. Ist das Absicht?
    Nuhr sagt, Frauen sollten die Männer vor der Verpartnerung erst einmal kennenlernen. Daran wird kritisiert, dass die meisten ermordeten Frauen ihre Männer bereits jahrelang gekannt hätten. Aber das ist doch nicht der Kern von Nuhrs Aussage.

    Es ist leider eine traurige Tatsache, dass viele junge Männer aus ihrem konservativen und rückständigen Weltbild nie ein Geheimnis gemacht haben und trotzdem (oder gerade deswegen?) eine Partnerin finden. Ich denke, dass eine Frau sich einem deutlich höheren Risiko aussetzt umgebracht zu werden, wenn sie sich gezielt auf einen Muskelproleten einlässt, der jeden Samstag auf der Tankstelle abhängt um seinen getunten BMW zu waschen, der nichts von Gleichberechtigung hält, dafür umso mehr von Dominanz, Aggression, Eifersucht, Ehre und Gewalt, der Hausarbeit für Frauensache hält, ebenso wie Treue, usw.
    Würden alle Frauen diese Sorte Männer ignorieren, dann wäre die toxische Männlichkeit bereits mit der nächsten Generation weitgehend ausgestorben. Aber leider gibt es genauso viele gestörte Frauen wie es gestörte Männer gibt. Und vielen gefällt nun einmal dieses Verhalten, das sie als „männlich“ wahrnehmen. Somit liegt Nuhr tatsächlich falsch. Es gibt in den meisten Fällen kein Informationsdefizit. Viele Frauen erkennen nach kurzer Zeit, wie ein Mann tickt und finden das aber attraktiv; zumindest solange, bis der Partner tatsächlich gewalttätig wird.

    Das war meine spontane Interpretation, als ich Nuhrs Aussage zum ersten Mal gehört habe. Eine faktisch falsche Aussage, aber kein Grund für einen Shitstorm. Da hat er schon weitaus Schlimmeres gesagt.

  36. So viele empfindliche Männerseelen. Gewalt gegen Frauen, ach komm! Sind doch alle selber Schuld. Hätten doch nur vorher lieb fragen können, ob das Gegenüber ihnen wohlgesinnt ist und den Grundsatz der körperlichen Unversehrtheit achtet. Nur so als Tipp! Schließlich bekommt man doch ganz schnell heraus mit welcher Type man sich einlässt!

    Das ganze ist natürlich keine Verharmlosung von Frauen, sondern ein zugespitzter Kommentar auf die Pauschalisierung von Männern. Schließlich schreiben und schreien doch diese ganzen Feminist*Innen immer, dass ALLE Männer furchtbare Schlägertypen sind. So geht das ja nicht. Das ist ganz doll unfair. Da muss mal satirisch über die Strenge geschlagen werden, indem der gescheiterte konzeptuelle Künstler einfach mal ein bisschen Statistik bemüht. Man muss doch nur mal entspannt auf den Boden der Tatsache zurückkehren und einsehen, dass das wirklich fast gar keine Schläger unter den Männern gibt. Wirklich, die sind doch eigentlich alle ganz brav. Diese ganzen Opfer lassen sich nur auf die falschen ein.

    Nun zur Kirsche auf dieser ekligen Torte: Der arme Kleinkünstler wurde nur falsch verstanden! Wer behauptet, Femizide und Gewalt durch Männer hätte man verharmlost, ist ein ganz toller Tatsachenverdreher! Das verletzt die Rechte des Urhebers in erheblichem Maße! Richtig Geschäftsschädigend ist das! Das nehmt ihr alle ganz schnell zurück, sonst geht’s vor’s Gericht und das wird teuer! Richtig doll!

    Man man man, was für eine Hybris. Diese Flocke schmilzt schneller als die viel zu große Eistüte eines Dreikasehochs! Hätte er sich doch seiner eigenen Worte besonnen: „Wenn man keine Ahnung hat; einfach die Klappe halten!“

  37. Zum Artikel: Danke, die wesentliche Kritik auf den Punkt gebracht. Das ist Medienkritik. Wie man solche Witze allen ernstes als Satire bezeichnen kann, entzieht sich dem gesunden Menschenverstand. Und nein, niemand hat ihn falsch verstanden, man hat seine verletzenden Worte einfach ernst genommen und entsprechend eingeordnet und kritisiert. Wer ernsthaft der Meinung ist, man dürfe als Mann ja gar nichts mehr, sollte sich ernsthaft fragen, ob er zur Selbstreflektion in der Lage ist. Menschen die das nicht schaffen, sollten auch ganz einfach ignoriert werden und sind mit nichtachtung zu strafen, denn es sind nur Trolle und die füttert man bekanntlich nicht.

  38. Herr Becker, kann ja sein, dass Sie sich von „Kerlen“ was anderes erwarten, aber haben Sie schon von „toxischer Männlichkeit“ gehört?
    Das bedeutet u.a., dass Männer nicht über ihre Gefühle reden können und nie zeigen, wenn sie hilflos sind. Jetzt zeigen sie also Hilflosigkeit und reden „larmoyant“ über ihre Gefühle. Tja.

    Dass Nuhr eigentlich humorlos ist, war ja klar, oder?

  39. @ #38
    Danke dafür Frank Gemein.
    Ich liebe es einfach wenn sich diese Idioten selbst vorführen.

  40. Sehr guter Artikel…
    Ich schaue schon länger keine „Satire“-Sendung mehr mit Herrn Nuhr.
    Was mir damals beim regelmäßigen Schwenk der Kamera ins lachende Publikum aufgefallen ist: wer da so sitzt. Und das lustig findet.
    Durchaus geeignet, um Vorurteile bzgl bestimmten Teilen der Gesellschaft zu festigen.
    Sozusagen als finale Gegenwehr zu dieser unsäglichen Art, gesellschaftlich wichtige Themen zu reaktionärisieren.

  41. @ #39 Mycroft: Ernsthaft?

    Über Gefühle reden … Zum Beispiel „Mir geht es schlecht nach der Trennung“ in einer Konversation mit einem Freund. Darum geht es. Wenn man das in sich reinfrisst, wird das bei einigen Menschen zu „Alle Frauen sind scheiße“ mit einhergehender Opferrolle (die auch verlässlich von der eigenen Verantwortung, z. B. für das Scheitern der Beziehung, schützt.) Refeklektionsfähigkeit und so, siehe #37.
    Mit „Gefühle zeigen“ ist nicht gemeint, dass Dieter Nuhr ungefragt seine Gefühle zu Morden an Frauen darlegt (Eine blasierte Form von „Der Rock war zu kurz“). Wenn das dann öffentlich kommentiert wird und es nun um die Gefühle von Dieter Nuhr über die Kritik an seinem Quatsch geht, dann ist das Opferkommunikation – Wer Opfer ist, muss keine Verantwortung für seine eigenen Handlungen übernehmen.
    Könnten Frauen auch machen, aber die sind zu sehr damit beschäftigt, tatsächlich zum Opfer zu werden. Wobei, laut Nuhr sind sie ja, im Gegensatz zu ihm selbst, keine echten Opfer. Sie haben schließlich ’nem Fremden gevögelt. Da muss man halt damit rechnen, dass man ermordet wird. Dumme Frauen aber auch, dass man denen immer alles erklären muss.

    „Die Scham muss die Seite wechseln.“
    Für Scham braucht man allerdings einen funktionierenden Wertekompass.

  42. @Anderer Max,
    Ich meine folgendes:
    Andrew Tate so: „Kerle jammern nicht und sind nicht hilflos.“
    Ulrich Becker: „Genau!“

    Dass nicht gemeint sein soll, dass Männer (Nuhr) _öffentlich_ über ihre Gefühle reden, mag ja sein. Aber das ist dann Doppelbindung.

  43. Ich denke mal, zwei Dinge müssen hier dringend noch klargestellt werden:

    Es sind nicht bestimmte Typen („Muskelproleten an der Tankstelle“ @Melhut).

    Dazu die Bundesstiftung Gleichstellung:

    „Risikofaktoren und Risikosituationen
    Anders als häufig vermutet, betrifft Gewalt im Geschlechterverhältnis und Gewalt gegen Frauen alle sozialen und Bildungsgruppen; sie lässt sich auch nicht überwiegend auf „andere Kulturen“ beziehen (Schröttle/Ansorge 2008: 178). Besonders häufig betroffen sind Frauen, die in Kindheit und Jugend bereits Gewalt durch Eltern oder zwischen den Eltern erlebt haben (ebd.). Darüber hinaus stellt für Frauen die Trennungs- und Scheidungssituation, wenn sie sich von kontrollierenden und gewaltbereiten Partnern trennen, eine Hochrisikosituation dar (ebd.: 205). Mit Abstand am häufigsten von Gewalt betroffen sind Frauen mit Behinderungen. Je nach Gewaltform und Behinderung haben sie im Vergleich zu Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt zwei- bis viermal häufiger Gewalt in Kindheit, Jugend und Erwachsenenleben erfahren (Schröttle et al. 2013: 10).“

    https://www.bundesstiftung-gleichstellung.de/wissen/themenfelder/gewalt-im-geschlechterverhaeltnis-im-engen-sozialen-nahraum/

    Liest mensch sich das aufmerksam durch, erscheinen die Äußerungen Nuhrs noch ekliger, widerwärtiger und menschenverachtender, als sie ohnehin schon sind.

    Schwäche triggert diese Art der Gewalt.

    Der zweite Punkt ist, dass es nicht nur akzeptabel ist, unterschiedliche Perspektiven desselben Gegenstands zu verhandeln („wenn ich Männer sage, meine ich nicht Männer.“ @Chateaudur), sondern notwendig, um Probleme zu verstehen und auf Lösungen hinzuarbeiten. Sie, Chateaudur, haben das anscheinend schon damals nicht verstanden, als ich an anderer Stelle davon schrieb, dass wir Fremde oft so betrachten, als seien sie unlösbar alle von einer gemeinsamen archaischen Gruppenidentität determiniert. Dagegen aber sehen wir die eigene Gruppe als aus lauter Individuen bestehend.

    Jeder Mensch ist gleichzeitig vieles. Wir müssen diese Perspektiven nutzen, um Verständnis zu erlangen. Ich bin das Produkt meiner Herkunft, meines Lebensweges, meiner Bekanntschaften, meines sozialen Umfelds, meiner Bildung, meines Intellekts, meines Geschlechts, meiner sexuellen Orientierung und, und, und.

    Der Mann, der ich bin, hat viele Rollenverständnisse und Unsicherheiten, die zusammen mit anderen Faktoren auch sehr unschön enden könnten.

    Was ist daran so schwer zu verstehen?
    Wir dürfen immer nur individueller Schuld sanktionieren, aber wir müssen alle Perspektiven heranziehen, um sie zu verstehen und gesellschaftlich entgegen zu wirken.

  44. Der oben verlinkte Artikel aus dem Standard begeht den üblichen woken Fehler, jeden Mord an einer Frau als Femizid zu zählen. Solche gutgemeinten Skandalisierungen geben den Nuhrs dieser Welt nur weiter Futter. Selbstverständlich wird nicht jede ermordete Frau wegen ihres Geschlechts ermordet. Schätzungen liegen ungefähr bei der Hälfte und wenn man expliziten Frauenhass zugrunde legt, sehr weit darunter. In schwulen Beziehungen gibt es übrigens einen ähnlich hohen Prozentsatz an Gewaltofpern, nur dann halt männlich.

  45. @ #46:
    „Schätzungen liegen ungefähr bei der Hälfte und wenn man expliziten Frauenhass zugrunde legt, sehr weit darunter.“
    Woher haben Sie die Infos? Frank Gemein und ich hatten uns da mal lang und breit drüber unterhalten und ich habe im Zuge der Recherche absolut keine Zahlen gefunden.

    Denotativ heißt Femizid „Mord an einer Frau“. Demnach sind alle Morde an Frauen Femizide. Das wäre einfach.
    Nun hat Diana Russel das Ganze aber anders definiert, Wikipedia: „Russell definierte 1976 den Begriff Femizid als „von Männern begangene Tötung von Frauen, weil sie weiblich sind.““.
    Und genau an der Zusatzdefinition „weil sie weiblich sind“ störe ich mich auch, auch wenn ich dafür keine rechten Kultur-Kampfbegriffe, wie „woke“ brauche.
    Ich hatte es damals runtergebrochen auf „Ich töte meine Ehefrau ja nicht, weil sie eine Frau ist, sondern weil es diese spezielle Frau ist.“. Das wäre nach Russel also kein Femizid. Aber eben doch, denn Russel nimmt pauschal an, dass im Kopf jeden männlichen Täters „Vorstellungen geschlechtsbezogener Ungleichwertigkeit” existieren. Und das halte ich für Quatsch. Diese „Vorstellungen geschlechtsbezogener Ungleichwertigkeit” müssten belegt werden, meine ich. Und wie soll das gehen, außer per (unzuverlässiger) Selbstauskunft der Täter, z. B. durch Befragung?
    Hinzu kommt noch, dass das Wort femicide dem US-amerikanischen Straftatbestand des „homicide“ (Mord) nachempfunden ist. Im Englischen wirkt es also. In Deutschland haben wir aber schon ein gutes Wort für Mord: Mord. Frauenmord wäre also das Äquivalent. Das ist auch deutlich prägnanter und bedeutungsvoller, als „Femizid“. Aber das nur am Rande.

    Also, woher kommt die Schätzung „ungefähr bei der Hälfte“ und „sehr weit darunter.“? Ich würde es wirklich gerne wissen. Vor Allem, wie man die „Vorstellungen geschlechtsbezogener Ungleichwertigkeit” im Kopf des Täters faktisch identifiziert hat.

  46. @Anderer Max:

    Ich erinnere mich. Mir geht aber mittlerweile ein anderer Gedanke dabei durch den Kopf. Wenn es denn idR nicht um „geschlechtsbezogene Ungleichheit“ geht, aber dennoch die Zahlen bei Hetero-Paaren bzgl. körperlicher Gewalt bis zum Mord so eindeutig Männer als Täter anzeigen, machte das dann für Frauen irgendeinen Unterschied?

  47. Interessanter Link. Wobei die Überschrift natürlich etwas Erläuterung braucht.

    Zunächst einmal beziehen sich die genannten Zahlen auf Lebenszeit-Erfahrungen und nicht zwingend auf Gewalt innerhalb einer konkreten lesbischen Partnerschaft. Laut der dort referierten Studie berichteten lesbische Frauen zwar häufiger als heterosexuelle Frauen von Vergewaltigung, körperlicher Gewalt und/oder Stalking durch eine*n Intimpartner*in. Zugleich wird aber angegeben, dass in 67,4 Prozent dieser Fälle Frauen die Täterinnen waren. Das bedeutet umgekehrt: Ein erheblicher Teil der Gewalt, die lesbische Frauen berichteten, ging nicht von Frauen aus.

    Damit ist die Grundaussage der Überschrift zumindest verkürzt, wenn nicht irreführend. Sie legt nahe, lesbische Partnerschaften seien als solche gewaltbelasteter als heterosexuelle Beziehungen, obwohl die Daten so eindeutig nicht gelesen werden können.

    Ganz sicher ist aber auch: Partnerschaften außerhalb des Mainstreams haben mit eigenen Problemlagen zu kämpfen – etwa mit Minderheitenstress, fehlenden Schutzräumen, Scham, Outing-Angst, schlechterer institutioneller Sichtbarkeit und Beratungsangeboten, die häufig noch immer auf heterosexuelle Beziehungsmuster zugeschnitten sind. Das sollte man ernst nehmen, ohne die Zahlen für eine falsche Relativierung patriarchaler Gewalt zu benutzen.

  48. @ 48: Nein. Genau deswegen sage ich ja, dass Russels Zusatzdefinition „weil sie eine Frau ist“ mindestens kontrovers, wenn nicht gar schlicht falsch ist, weil nicht (außer per Selbstauskunft) nachweisbar. Was natürlich nicht heißen soll, dass man gegen die Gewalt an sich nichts tun soll – Im Gegenteil.
    Die Zahlen sind eindeutig: https://www.bka.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Kurzmeldungen/251121_BLB_Straftaten_gegen_Frauen2024.html
    Wie ich beim letzten mal auch sagte: „Wem diese Zahlen nicht ausreichen, um festzustellen, „dass man da was tun muss“, dem hilft auch die Vokabel „Femizid“ nicht.

    Zurück zu Nuhr. Ich denke, sein vollständiges Statement von Facebook (7 Tage alt) darf hier auch noch mal stehen, oder? Ich erdreiste mich mal, ich der Hoffnung, dass die Schaffungshöhe dieses Wortergusses nicht ausreicht, einen Urheberrechtsanspruch geltend zu machen.
    Selbst wenn, ich kennzeichne es hiermit eindeutig als Zitat von Dieter Nuhr:
    „Vier Tage lang haben Millionen Zuschauer nicht gemerkt, dass es in meiner Sendung etwas Skandalisierbares gab. Dann ist einer Journalistin des Wiener „Standard“ aufgefallen, dass die Möglichkeit besteht, eine Empörungsdebatte loszutreten. Ich hätte „Witze über Femizide“ gemacht. Habe ich nicht. Ich hätte „Victim-Blaming“ betrieben. Habe ich nicht.
    Von denen, die sich gerade wieder in den Medien publikumswirksam erregen, hat die überwältigende Mehrheit die Sendung nicht einmal gesehen. Sonst hätte sie wahrgenommen, dass es in „Nuhr im Ersten“ um etwas ganz anderes ging: Um das Wort „strukturell“, das allen Männern Schuld zuweist, weil sie „strukturell“ Täter sind. Es ging um mehrere Artikel in großen deutschen Zeitungen, in denen Frauen infrage stellten, noch mit Männern leben zu können, weil diese „statistisch töten“. Diese völlig überzogene pauschale Verunglimpfung war Thema meines Beitrages. Ich habe betont, dass jeder Frauenmord selbstverständlich (!) einer zuviel ist, aber dass die Chance, bei der Partnerwahl auf einen Frauenmörder zu stoßen, verschwindend gering ist. Dass das Wörtchen „strukturell“ also wissenschaftlich verbrämt, dass es sich um ein Pauschalurteil gegenüber Männern handelt. Und dass man bei der Partnerwahl gelassen bleiben kann.
    Kein Witz über Femizide, nirgends. Habe ich noch nie gemacht. Werde ich nicht tun. Der Vorwurf ist lächerlich. Interneterregung wird zur Volksmeinung umgedeutet. So ist es üblich in diesen Tagen.
    Es ist bezeichnend und erschütternd, dass die Falschmeldung aus Wien zuerst von der Stuttgarter Zeitung abgeschrieben wurde (die den Artikel indessen geändert hat) und nun ein großer Teil der Zeitungslandschaft Anteil haben möchte an der Aufregung. Das wirft ein trübes Licht auf unsere Medienlandschaft, in der es heute im Wesentlichen nicht um Erkenntnis geht, sondern um die Empörung an sich. Klicks sind die Währung unserer Zeit.“

    Er ist Opfer. Er hat nichts falsch gemacht. Er hat nicht mal einen Witz gemacht – als Comedian in seiner eigenen Comedyshow im ÖRR. Keine Witze! Hat er nicht gemacht!
    Anders kann es nicht sein, anders darf es nicht sein. Ohne Opferrolle keine Begründung für die nächste verbale Gewaltsalve gegen alles was anders ist und/oder man nicht versteht. Proaktives Rumopfern, um die eigene Agitation zu rechtfertigen. Keinerlei Selbstreflexion, Entwicklungsstand Pubertät, passend zur Zielgruppe – Idealismus oder Opportunismus?

  49. @Frank Gemein und @Anderer Max: Viele Dank für die vielen erkenntnisserweiternden Ergänzungen und Links. Ich bin froh, dass ich nun nicht in fb abtauchen muss, um die verteidigenden Worte dieses „Satirikers“ lesen zu können. Keine Ahnung was es braucht, um solche einfachen Aussprüche ohne rot zu werden einfach von sich zu lassen. Ich bin froh, dass ich das nicht kann und ich damit in der Lage bin mich anzupassen. Evolution hat schließlich etwas mit Anpassung zu tun.

    Meine Erwiderung dazu:

    Ja, er hat einen „Witz“ über Morde an Frauen gemacht. Ob man das Femizid oder irgendwie anders nennt, tut nichts zur Sache, da es in Punkt Strafprozess keine Straftat bestand namens Femizid gibt, soweit ich mich erinnern kann.

    Ja er hat „Victim Blaming“ betrieben, indem er mit seinen „Witzen“ transportiert hat, dass sich die Damen doch bitte nicht so haben sollen.

    Wenn sich dieser Herr tatsächlich mit sowas wie Wissenschaft beschäftigen würde und diese auch ernst nehmen würde, könnte er gar nicht zu solchen Aussagen kommen. Diese Aussagen meint er auch nicht ironisch, sarkastisch oder makaber. Er meint sie exakt so, wie er sie ausgesprochen hat. Kann man nun im fb nachlesen.

    Der eigentliche Skandal ist jedoch die Verteidigung vom rbb. Ein Sender der meinte, die Zusammenarbeit mit einem freien Mitarbeiter zu beenden, als dieser sich arg makaber zum Attentatsversuch an Trump auf X äußerte und dazu mitteilte, dass die Äußerungen „… mit den Werten, für die der RBB einsteht, nicht vereinbar“ sind (Zitatquelle: https://www.rbb-online.de/unternehmen/presse/presseinformationen/unternehmen/2024/20240716-rbb-beendet-zusammenarbeit-mit-sebastian-hotz.html).

    Gut zu wissen, für welche Werte der rbb einsteht.

  50. Da googelt man nach einer Woche Nuhrenfreiheit mal wieder nach dem Fall und findet direkt raus, dass er jetzt sogar SLAPP-klagt gegen den Standard: https://mela.de/blog/2026/06/30/nuhr-slappdashery/

    Dieses ganze Geraune von „Snowflakes“ vor paar Jahren … War alles nur Projektion? In Wirklichkeit brauchen die rechten Kulturkämpfer doch ihre safe-spaces, in denen ihnen niemand widerspricht.
    „Every accusation is a confession“

  51. @anderer Max:
    Die Motivation eines Mordes oder sonstigen Verbrechens kann man schon oft feststellen; aber Sie haben natürlich Recht, dass die Definition nicht zirkelschlüssig sein sollte.

    Sonst kriegt man ein Problem nicht in den Griff, egal welches.

  52. Ich finde Diter Nuhr schon lange nicht mehr witzig. Bei seinen Anfängen im Quatsch Comedy Club hatte er etwas Erfrischendes, was er dann aber schnell verloren hat.
    Wenigstens nervt er keine Schulkinder mehr als ehemaliger Lehrer…

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