Witzkritik

Lasst doch mal Tucholsky in Ruhe!

Der Schriftsteller und Satiriker Kurt Tucholsky prägte zu Zeiten der Weimarer Republik den Satz „Satire darf alles“. Bis heute beziehen sich Kommentatoren und Medien auf ihn – und sie missbrauchen ihn, findet unser Autor. Denn wer andauernd „Satire darf alles“ ruft, verhindert eine wirkliche Debatte über die Qualität komischer Kunst. 

Ich weiß nicht, ob Sie‘s wussten, aber Satire darf alles. Zum Glück erinnern deutsche Medien regelmäßig daran. Man begegnet dem Satz in allen Farben und Formen. Es gibt ihn in der überzeugten Variante („Bei ihm war nichts politisch korrekt. Satire darf alles!“), in der beiläufigen („Satire darf ja bekanntlich alles“), in der Variante mit Einschränkungen („aber muss sie auch?“), in der mit Erweiterungen („manchmal darf sie auch einen blinden Fleck haben“), in der zornigen („nur solange sie ins eigene Weltbild passt“). Es gibt ihn auch in subjektiv-abgemilderter Form („finde ich“), bis hin zur weichgespülten Intendanten-Variante: „Satire genießt einen sehr weiten Schutz, das betont auch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts regelmäßig.“

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