ZDF-Doku „Inside CDU“

Bloß keine Sitzgelegenheit auslassen, um sich zu empören!

Die ZDF-Doku „Inside CDU“ zeigt, wie sich Politiker Philipp Amthor einen Strandkorb auf die Terrasse seines Büros stellen lässt. Es folgt: eine irre Aufregung „im Netz“. Dass die Sache so groß geworden ist, daran haben Medien erheblichen Anteil – vor allem auch die Inszenierung des ZDF.

Gespottet wird über den CDU-Politiker Philipp Amthor ja schon, seit er 2017 mit Mitte 20 erstmals Bundestagsabgeordneter wurde: über die Art, wie er sich kleidet und gibt, wie er redet, wie betagt er trotz seines immer noch jungen Alters häufig wirkt. Die „heute show“ im ZDF hat daraus ein ganzes ermüdendes Genre gemacht. 

Philipp Amthor steht auf der Terrasse seines Büros im Bundeskanzleramt und nimmt einen innen blau-weiß gestreiften Strandkorb in Empfang.
Strandkorb-Empfang auf kahler Terrasse.Screenshot: ZDF

Aber dass ein Strandkorb vor Amthors Büro einen derartigen Eklat auslösen würde, über den Medien tagelang berichten, das stand auf keiner Bingokarte für diesen Frühherbst.

Freude und Fremdscham: „Inside CDU“

Seit gut einer Woche läuft in der ZDF-Mediathek die zweite Staffel der Doku-Serie „Inside CDU“ von Steffen Haug und Denise Jacobs. Die erste Staffel, die voriges Jahr erschien, enthielt bereits einige Stellen, die auf Social Media mit Freude und Fremdscham geteilt wurden, die „Disco-Pause“ im Konrad-Adenauer-Haus zum Beispiel.

In der zweiten Staffel  ist nun Philipp Amthor zu sehen, diesen Sommer zum Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit im Bundeskanzleramt befördert, wie er einen neuen, blau-weiß gestreiften Strandkorb auf der Terrasse seines großzügigen Büros in Empfang nimmt. Amthor kommt aus Mecklenburg-Vorpommern, er ist ein Kind der See, und der Strandkorb ist als Reminiszenz an seine Heimat zu verstehen. Ein Objekt, das jeder Deutsche von den Küsten kennt.

Natürlich kann man Amthor für eine merkwürdige Figur halten, seine Politik ablehnen, ihn kritisieren. Aber um den Strandkorb hat sich eine wirklich absurde, übersteigerte Diskussion entsponnen. So ein neuer Strandkorb kostet um die 1600 Euro, berichten diverse Medien. Bezahlt hatte ihn Amthor selbst, mit eigenem Geld, wie es in der Bundespressekonferenz auf Nachfrage hieß. Doch in der Debatte wirkt es, als hätte er sich eine goldene Tebartz-van-Elst-Gedächtnistoilette ins Büro bauen lassen.

Zuerst wurde über den Skandalkorb!!1! in Sozialen Medien gehöhnt. Dann brachten herkömmliche Medien diese nervigen „Das Netz spottet“-Artikelchen. Darauf folgten Politiker aller Lager, die Amthor entweder kritisierten oder gegen Kritik verteidigten, und viele Journalisten hatten natürlich ebenfalls eine Meinung, mal contra, mal auch pro Amthor. Zuweilen war es so laut wie in den Sommerferien am Strand von Warnemünde.

Die CDU als einfaches Opfer

Dass die Sache so groß wurde, daran haben Medien also einen erheblichen Anteil. Weil sie die „Aufregung im Netz“ mit ihren zahllosen Beiträgen multiplizieren und dem Spott den Anschein geben, es handle sich hier um eine relevante Debatte, die wirklich „das ganze Land bewegt“. Dabei ist das Gezeter vor allem ein Indiz dafür, dass die aufgebrachte Mediengesellschaft, oder zumindest ein Teil von ihr, keine Sitzgelegenheit auslässt, sich zu empören. Und die CDU, ohnehin am Boden, ist da gerade ein einfaches Opfer.

Der Stilkritiker der „Süddeutschen Zeitung“ etwa findet ganz bieder, man dürfe es „als dekadent bezeichnen, wenn sich ein Politiker gerade in diesen Tagen politischer Umwälzungen so etwas ins Kanzleramt liefern lässt“. Von „spätrömischer Dekadenz“ ist auch irgendwo im Internet die Rede, viele Medien zitieren es, anonym. Und bei Welt TV durfte der (mit Standleitung zugeschaltete) Politikwissenschaftler Werner Patzelt den Strandkorb zum Beleg aufblasen, wie „grundfalsch“ es sei, wie Nachwuchs für politische Posten rekrutiert werde. Amthor sprach er die „persönliche Reife“ ab, Staatsminister zu sein.

Das Clickbait-Portal „Der Westen“ schreibt derweil was von „Royalen Vibes im Kanzleramt“. „Fast schon königlich“ wirke die Doku-Szene mit Amthor, der wiederum „fast wie ein Sonnenkönig“ wirke. Fast. Aber doch irgendwie schon. Auch dem rechten Wutportal „Nius“ kommt das abwertende „Sonnenkönig“-Framing ganz gelegen, um einen weiteren hämischen Abgesang auf die Regierung und ihre Instinktlosigkeit anzustimmen.

Philipp Amthor steht in seinem Büro und deutet mit der Hand in die Ferne. Neben ihm steht der Mann, der den Strandkorb geliefert hat. Im Hintergrund zu sehen: eine Sitzgruppe aus schwarzem Leder.
Philipp Amthor (l.) in seinem Büro im Bundeskanzleramt.Screenshot: ZDF

Und der „Kölner Stadt-Anzeiger“ facht die Neiddebatte noch etwas an: Das ZDF begleite Amthor in seinem „Alltag, der nur so von Luxus protzt“, schreibt das Lokalblatt. Er fahre mit einer „Luxus-Limousine“ und in seinem „pompösen Büro“ stehe eine „Luxus-Sitzgruppe“. Was halt beides Bundeseigentum ist, aber lasst das doch auch mal dem Amthor persönlich um die Ohren hauen, wo wir gerade dabei sind! Und warum steht da eigentlich kein gebrauchtes Ikea-Sofa im Bundeskanzleramt?  

(Bei „Nius“ haben sie sogar „Luxus-Wasser“ einer bestimmten Marke erkannt, das Amthor im Dienstwagen trinke, aus 0,2-Liter-Fläschchen, die es sonst nur in der Gastronomie gebe. Die Runde um Chefwüter Julian Reichelt ist ganz außer sich.)

„Komplett entgrenzte Aufregung“

Grünen-Politikerin Ricarda Lang hat es ganz gut auf den Punkt gebracht. Die Doku zeige viele Probleme der Konservativen auf, schreibt sie auf X.

„Aber die komplett entgrenzte Aufregung über einen verdammten Strandkorb sagt mehr über die Empörungsmechanismen des politisch-medialen Betriebs als über Philipp Amthor aus.“

Die vom Brüllen schon ganz heiseren Kritiker halten an dieser Stelle gerne entgegen, es gehe ja nicht nur um den Strandkorb. Es gehe um Amthor, um die CDU, um diesen ganzen Politikbetrieb, der sich vom Volk so weit entfernt habe. Mag sein. Aber Lang sagt zu Recht, dass man sich schon fragen müsse, welches Bild auch Medien hier zeichnen würden. Denn es geht eben doch um den verdammten Strandkorb und was aus ihm gemacht wird, Stichwort „Sonnenkönig“, Stichwort „Dekadenz“. 

Woher kommt der königliche Eindruck?

Die „Bild“-Zeitung hat als eine der ersten über die Amthor-Szene berichtet. Und sie hat, wie viele andere Medien im Anschluss, einen X-Post des Dresdner Bundeswehrsoldaten Christopher Pietsch in ihren den Artikel eingebaut, mit der tonangebenden Zeile:

„Dagegen wirkt Ludwig XIV. wie ein bodenständiger Dude.“

„Bild“ hat den Text außerdem mit KI-Bildern irgendwelcher Instagram-Accounts dekoriert, die sich zum Beispiel „Ftznfrtz“ nennen. Ja, genau. Die comicartigen Bilder zeigen Amthor, wie er mit Cocktail im Strandkorb fläzt, oder sich von Merz, Spahn und Linnemann in einer Strandkorb-Sänfte schleppen lässt. Königlich, faul, abgehoben eben – das ist der Eindruck, der vermittelt werden soll, und „Bild“ macht ihn sich zu eigen.

Man kann Amthor manches ankreiden, gewiss, und der CDU ohnehin. Aber dass Amthor ein Däumchendreher wäre, der ständig den lieben Friedrich einen guten Mann sein lässt, ist abwegig. Er ist bekannt dafür, die Ochsentour zu machen. Die ZDF-Doku zeigt auch solche Momente, doch viral gehen jene, über die man lachen und sich empören kann.   

Süffisant ausgekostet

Und das hat letztlich das ZDF bewirkt. Die Filmemacher haben ihr Material süffisant ausgekostet, und sie haben all den Königsmetaphern die Vorlage geliefert. Gleich zu Beginn der vierten Folge schreitet Amthor durchs Kanzleramt, vorbei an den Gemälden früherer Kanzler, er ist sichtlich stolz, oder anders gesagt: Er ist so, wie er eben ist, man kennt das ja inzwischen, alle Witze wurden gemacht. Das ZDF inszeniert Amthor aber auch in der Doku mit einem breiten Grinsen: Unterlegt haben die Autoren die Bilder mit barocker Kammermusik. Der königliche Eindruck ist offenkundig gewollt. 

Auch die Strandkorb-Szene, in der Amthor freundlich anweist, wo die Lieferung zu stehen habe, ist mit derselben Musik unterlegt. Im Anschluss an diese Sequenz haben die Autoren ein Amthor-Zitat montiert. Er spricht dort von dem „schönen Sprachbild, dass Glaubwürdigkeit zu Fuß kommt, aber mit dem Pferde davonreitet“ und meint das offenbar eher selbstkritisch, mit Blick auf die eigene Partei. So eingeschnitten in die Doku, wendet man es aber ironisch gegen ihn, und das Pferd, auf dem die Glaubwürdigkeit in den Horizont trabt, passt bestens ins königliche Bild.

Das ZDF hat die Amthor-Szenen als Promo-Clip für die Doku auf ihrem Insta-Nachrichten-Account „ZDF heute“ präsentiert – gleich mit Witzverweis: „Philipp Amthor kannten früher viele vor allem aus der ,heute show’“, steht im Begleittext. (Weil die „heute show“ ihn zu einer Art running gag gemacht hat.) Inzwischen habe er sich aber in der CDU etabliert, schreibt das ZDF, gelte als großes politisches Talent. Nur zeigt das Video dann nicht das Talent, sondern vor allem den Strandkorb-Besteller, lustig inszeniert. Eine Vorlage, Amthor zur Witzfigur zu machen, lässt man beim ZDF offenbar nicht liegen.

Das Traurige ist am Ende auch, dass der Strandkorb sehr schnell zurückgetreten ist. Das heißt: Amthor hat sich von all der heißen Luft aus „dem Netz“ und diversen Medien umpusten lassen und den umgehenden Abtransport des Möbels in seine Heimat veranlasst. Zurück bleibt ein karger Betonbalkon und ein Paradebeispiel, wie Nichtigkeiten auch von Medien übergroß gemacht werden. 

21 Kommentare

  1. Stimme allem zu. Eine Ergänzung: Amthor hat sich ja entschieden, die Aufstellung des Strandkorbs filmen zu lassen. Hätte der einfach schon da gestanden, wäre wohl nichts passiert. Aber seine Inszenierung hat dazu beigetragen. Und sein Rückzug war womöglich schon einkalkuliert, so viel PR-Strategie kann man Amthor zutrauen.

  2. Andere Meinung zum Thema, der ich deutlich mehr zustimme:
    https://gigold.me/blog/inside-cdu-cringemaster

    „Am Schockierendsten aber ist, wie deutlich klar wird, dass diese Sammlung unsympathischer weißer Männer nicht verstehen, was außerhalb des Konrad-Adenauer-Hauses passiert. Wie unbeholfen das alles ist. Visionslos und frei von jeglichem handwerklichen Geschick.“

    Die Gesamtheit der Cringigkeit kondensierte schlicht im Strandkorb.

  3. @1 Stefan Fries: Ja, das stimmt natürlich, dass Amthor das alles hat filmen lassen. Was das ZDF daraus macht, darauf hat er natürlich keinen Einfluss.

    Dass er schon antizipiert hatte, den Strandkorb wieder zurückzuschicken, kann ich mir aber nicht so richtig vorstellen. Was hätte er von der Nummer, außer Ärger und Spott?

  4. Als jemand, der von dieser Strandkorb-Posse bis heute nur einmal am Rande eine Schlagzeile im Web, über dessen Abtransport, mitbekommen hat, sitze ich hier gerade z. T. etwas fassungslos. Andererseits überrascht es mich nicht, dass dergleichen aus einer „Homestory“-mäßigen Dokumentation „Inside CD“ auf- und herausfällt.
    Ich bin dankbar für den Artikel, mit dem ich diese Posse für mich teilweise abhaken kann. Dankbar bin ich auch, @Anderer Max, für den Kommentar von Herrn Gigold.
    Beide zusammen runden diesen Irrsinn für mich komplett ab:
    1. Die Sache mit der Erregungsspirale, wo ich mir wünschen würde, dass nicht jede Posse von der Springpresse und nachverwandten Konsorten von anderen Medienhäusern rezipiert wird, egal welche „vermeintliche Resonanz“ diese auf Social Media haben.
    2. Diese unsagbare Dämlichkeit der CDU, bei einer weiteren Staffel „Inside CDU“ überhaupt zuzustimmen, ohne sich entweder das Recht einzuhalten, den finalen Schnitt vorab sehen zu dürfen, oder diesen nicht wahrgenommen zu haben. Die Union hat ausreichend Mitglieder in den eigenen Reihen, die, wie Herr Gigold, von Marketing und Auswirkung etwas verstehen. Allerdings, dass man nicht darauf bestanden hat oder die falschen Leute da gesessen haben, passt dazu, dass die Union als solche aktuell keine positive Erzählung und Ideen hat, wo sie in 10–15 Jahren Deutschland hingeführt haben will. (Die SPD ist da kaum besser.)

    Es ist einfach nur bitter und absurd.
    Entschuldigung, dass der Text jetzt länger geworden ist.

  5. Stimme allem zu. Allerdings hat die SZ – offenbar im Rahmen ihrer Binnenpluralität – auf Seite 4 auch kommentiert, dass Amthors einziger Fehler gewesen sei, vor dem Social-Media-Gepöbel eingeknickt zu sein, indem er den Korb habe wieder abtransportieren lassen!

  6. @4: Eine vorherige „Abnahme“ kann man von einer PR-Agentur fordern, nicht von Journalisten. Ich habe die Serie komplett gesehen und kann nicht finden, dass die CDU irgendwie schlecht wegkommt, im Gegenteil. Mir zum Beispiel war diese Szene nicht als skandalisierbar aufgefallen.
    Man kann sich aus allen Formen von Journalismus, ob Text, Ton oder TV, ein paar Sätze oder eine Szene aus TV-Beiträgen aussuchen, um daraus einen „Skandal“ zu produzieren. Es gibt Medien, die auf diesem Geschäftsmodell basieren.
    Qualitätsjournalismus kann eben auch darin bestehen, über etwas nicht zu berichten.

  7. Ich finde, im Kern geht es weder um den Strandkorb noch um die Person. Es geht darum, dass die CDU es zulässt, sich insbesondere durch die Hintergrundmusik so darstellen zu lassen. Darin liegt das wahrgenommene Versagen, das die Wahrnehmung von Politik generell widerspiegelt bzw. unterstreicht.

  8. Der Text spricht auch mir in vielerlei Hinsicht aus der Seele. Das Phänomen, dass es seit Jahren üblich ist, „Erregungen“ aus „dem Netz“ zu übernehmen und als reale Diskurse in Print- und Fernsehjournalismus zu übernehmen, stört mich dermaßen! Wieso gelingt es nicht, diese durch Algorithmen und (teilweise automatisierte) Bots angestachelten sogenannten Debatten auch als solche zu entlarven? Dass das zdf in diesem Fall mit seiner Inszenierung natürlich auch noch auf diese Empörungs-Algorithmen schielt, macht das ganze fast noch ärgerlicher.

  9. @ #2 / Anderer Max: Ja, vieles an der CDU und Amthor im speziellen ist cringe. Der Strandkorb, finde ich, gehört grade nicht dazu. Ist (war) für mich eine liebevolle, vielleicht bisschen schrullige, aber schöne Heimat-Reminiszenz von Amthor. Dass ausgerechnet sowas, was mit Luxus und Dekadenz nun nullkommanichts zu tun hat, von Mob und Medien zum Skandal aufgeblasen wird, ist einfach absurd.

    Im Übrigen war die CDU schon immer bissl cringe, auch als es das Wort hierzulande noch gar nicht gab. Remember Helmut Kohl? Nur gab es damals genügend Konservative, denen das am A. vorbeiging. Gibt’s heute viel weniger, was mir recht wäre, wenn sie nicht großteils zu rechtsextremen Dödeln mutiert wären.

    Und bei den Rechten können die Führer cringe sein wie sie wollen, sie sind trotzdem oder grade deshalb erfolgreich. Mit fällt z.B. kein aktueller Politiker ein, der mehr cringe wäre als Donald Trump.

    @ #10 / D W B: Ein fast genauso blöd aufgeblasener Skandal. Politiker macht geplanten Urlaub, Skandal!!!11! Spahns Kontakte zum Demokratiefeind Peter Thiel, DAS wäre mal Grund für einen Skandal gewesen! Nunja, hat sich ja nun wohl erledigt.

  10. @8 Christoph Fischer: Erstaunlich, aber auch bezeichnend, wie die CDU die Verantwortung dafür tragen soll, und nicht das ZDF. Ein bisschen Täter-Opfer-Umkehr, finde ich…..

  11. @ #9: „Wieso gelingt es nicht, diese durch Algorithmen und (teilweise automatisierte) Bots angestachelten sogenannten Debatten auch als solche zu entlarven?“
    Die Frage finde ich ja spannend, wobei ich sogar noch eher ansetzen würde. Es wäre ja für Plattformbetreiber relativ einfach, die Bots zu kennzeichnen oder gleich zu sperren. Oder zumindest Traffic durch Bot-Content aus den Reichweitenprofilen für z. B. Werbeplatzierung rauszurechnen. Das ginge. Wenn man es wollte. Man will nicht, weil jeder Traffic, also auch Bot-Traffic, den Werbewert des eigentlichen Contents erhöht. Sprich: Alle Werbeportfolios dieser Plattformen werden künstlich aufgeblasen, um mehr Geld von Werbetreibenden verlangen zu können.
    Man müsste also verschobene Debatten gar nicht entlarven, man könnte sie einfach nicht verschoben darstellen. Aber das ist nicht im Interesse der Anteilseigner der Firmen, die diese „Social Media Plattformen“ anbieten. Nächtes Jahr brauchen wir mehr Rendite, als dieses Jahr.

    @ #11: Joa, also ich bin bei Amthors Strandkorb auch völlig entspannt. Ich würde den Kerl ja wegen seiner Politik … ach … is auch egal. Die Bot-Farmen haben erkannt, dass der Strandkorb Aufregungspotential bietet, also wird die Story so lange ausgewrungen, wie es nur geht. Das funktioniert immer am besten bei Themen, bei die Kritik konsequenzfrei geäußert werden kann.

    Das Thema cringe bei den Rechten erkläre ich mir relativ einfach:
    „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich vollumfänglich ungeniert.“ Das ist Zielgruppenansprache. Und das geht auch nur, wenn man gesellschaftlich, z. B. durch die Gnade der richtigen Hautfarbe, entsprechend privilegiert ist, und so seine Opferrolle nur behaupten muss, statt tatsächlich von etwas betroffen zu sein. Hinzu kommt natürlich, dass die Art der Kommunikation „uns“, also Menschen, die an Sachdiskussionen interessiert sind, frustrieren soll, damit wir den Mund halten. Abnutzungsstrategie.

    Ich sage seit mehr als 10 Jahren: Wenn wir die einfach ignorieren, gehen die einfach weg. Davon bin ich nach wie vor überzeugt. Wenn man nicht jeden Furz von Donald Trump zum Politikum gemacht hätte … ach … Strandkorb. Egal.

  12. @12: Für die Strandkorb-Szene ist Amthor („die CDU“) verantwortlich. Er wurde ja nicht heimlich gefilmt, sondern gerade dieser Take wurde von ihm inszeniert (anders übrigens bei vielen anderen Teilen der Dokumentation).

  13. Das ist halt auch typisch deutsch.
    Darüber hat sich ja schon Volker Pispers vor ca 20 Jahren lustig gemacht. Da ging es um die Dienstwagenaffäre. Darüber haben sich die deutschen auch Tage bis wochenlang aufregen können während zb die Italiener sich einen korrupten Mafia Günstling zum Ministerpräsidenten gewählt hatten. Die hätten laut Pispers nicht mal mit der Wimper gezuckt bei sowas wie der Dienstwagenaffäre sondern eher gesagt dass da doch noch ein paar Nutten in den Wagen passen würden.

    Habe leider den Clip nicht mehr gefunden und daher diese dilettantische Kurzfassung geschrieben.

    Aber es ist halt echt traurig dass wir in Deutschland uns über solche Belanglosigkeiten so dermaßen echauffieren können während die wichtigen und echten Probleme und Fehler oftmals sehr wenig Beachtung bekommen.

  14. Ok, gemessen an dem Sachverhalt ist die Aufregung schon etwas dünnhäutig, aber ist der Vergleich mit einem Mafiagünstling nicht schon ein Argument pro Aufregung?
    „Weil ‚wir‘ uns über jeden Mist aufregen, sind unsere Politiker vorsichtiger als die italienischen.“

  15. Das war wie gesagt von Pispers, Satire, natürlich überspitzt.
    Ist mir halt direkt eingefallen bei dem Strandkorb Thema

  16. @ # 11
    Nein, das sehe ich nicht so.

    Ein Politiker, der von den Arbeitnehmern eine Krankschreibung ab dem ersten Tag fordert – aber selbst an eben diesem ersten Tag mit dem eigenen Kind, unter dem Vorwand, es sei krank, in Urlaub fliegt?

    Spahn’sche Bigotterie. Und er merkt es noch nicht einmal.

  17. Irgendwie eine gescheite Mitte finden wäre ja gut. Spahns gesammelte Dreistigkeit kritisieren aber Amthor wenigstens den Dreck unter den Nägeln gönnen. Oder umgekehrt, je, nachdem.

  18. @Earendil (#11):

    Ist (war) für mich eine liebevolle, vielleicht bisschen schrullige, aber schöne Heimat-Reminiszenz von Amthor.

    Genau den Punkt betont auch der aktuelle „Machtwechsel“-Podcast: Dass es Politikern bei solchen Geschichten gerade darum geht, sich als bodenständig und heimatverbunden zu inszenieren. Wenn ausgerechnet ein Strandkorb (!) hier als Beweis des Gegenteils herangezogen wird, ging das offenbar gründlich schief. Was natürlich nicht zuletzt an der Inszenierung des ZDF mit der barocken Tanzmusik lag.

    Die stammt laut Robin Alexander übrigens von Jean Baptiste Lully, dem Hofkomponisten von, na? – Ludwig XIV. Schon beeindruckend, wie allein die Musik dafür sorgt, dass eine Menge Zuschauer plötzlich ein modernistisches Sichtbeton-Büro mit dem Palast von Versailles und den leicht schrägen Herrn Amthor mit dem Sonnenkönig assoziieren. Ein Meisterstück manipulativer Erzählkunst, ein Armutszeugnis für eine Dokumentation (auch wenn man das Publikum, das sich hier bereitwillig manipulieren lässt, nicht aus der Verantwortung lassen darf).

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