„Bild“-Rüge wegen Trump-Interview

Hört endlich auf, Politikerlügen unwidersprochen zu verbreiten!

„Bild“ gibt eine dreiste Lüge von US-Präsident Trump ohne Einordnung wieder. Der Presserat wertet das als schweren Verstoß gegen den Pressekodex. Der Fall zeigt: Es braucht endlich einen Branchenstandard für den Umgang mit unwahren Politiker-Aussagen. Auch andere Medien haben dafür immer noch keine gute Praxis entwickelt.

Dass der Presserat „Bild“ mal wieder gerügt hat, ist eigentlich keine besondere Nachricht. Die jüngste Rüge ist es schon. Sie sanktioniert nicht nur eine singuläre redaktionelle Verfehlung, sondern trifft einen wunden Punkt der gesamten Medienlandschaft: Wie sollten Redaktionen mit lügenden Politiker:innen umgehen? 

Auf jeden Fall nicht so, wie „Bild“ mit Donald Trump, befand der Presserat: Eine Interviewaussage des US-Präsidenten hätte das Boulevardblatt nicht einfach verbreiten dürfen, eben weil sie falsch ist. Wer es dennoch tut, und auch noch so wie „Bild“, verstößt damit erheblich gegen den Pressekodex

Die Lüge: Deutschland „kriminalitätsfrei“

Das Interview war ein Coup, den „Bild“ groß vermarktete. Geführt hatte es Dasha Burns, Reporterin des Nachrichtenportals „Politico“, das seit 2021 ebenfalls zum Axel-Springer-Konzern gehört. Auf bild.de erschienen das dreiviertelstündige Gespräch als Video und als Text am 9. Dezember vergangenen Jahres. 

Szene aus dem „Politico“-Interview: Donald Trump (r.) und Journalistin Dasha Burns sitzen sich in dunkelbraunen Stühlen gegenüber.
Interviewerin Dasha Burns (l.), US-Präsident Donald Trump.Screenshot: „Politico“

Wenig überraschend tat Trump in dem Interview Trump-Dinge: Er polterte und polemisierte, verzerrte und verdrehte. Bei der Migrationspolitik wich seine ganz eigene Wahrheit besonders eklatant von der Realität ab. Millionen Menschen sei es „erlaubt“ worden, nach Europa „zu strömen“, wo „viele dieser Menschen“ dann schwere Straftaten begangen hätten, sagte Trump. Um dann mit einem „Schauen Sie nach Deutschland“ den bemerkenswertesten Teil seiner Tirade einzuleiten: 

„Deutschland war kriminalitätsfrei, und [die frühere Bundeskanzlerin] Angela [Merkel] hat zwei große Fehler gemacht: Immigration und Energie. Aber das sind zwei echte Hämmer.“

Natürlich ist es legitim, Merkels Umgang mit der Migrationskrise im Jahr 2015 zu kritisieren. Aber Deutschland als „kriminalitätsfrei“ zu bezeichnen, bis dann allein die Syrer oder Afghanen Gewalt in ein gänzlich friedliches Land brachten? Es braucht keinen Faktencheck voller Verweise auf Kriminalitätsstatistiken, um festzuhalten, dass das grober Unfug ist. 

Die Lüge als Schlagzeile 

Eine typische Trump-Lüge? Ja. Und eine Lüge, die eine Redaktion natürlich nicht auch noch reproduzieren sollte. Schließlich macht der US-Präsident mit solchen Aussagen Politik, und nicht nur er. Auch deutsche und europäische Populisten schüren mit Unwahrheiten Ressentiments, unter anderem gegen Eingewanderte, und erzeugen eine Stimmung, von der sie selbst profitieren. Jede Unwahrheit verzerrt die öffentliche Wahrnehmung der Realität.

Auszug der „Bild“-Startseite vom 9.12.2025 mit den Überschriften: „,Deutschland war faktisch kriminalitätsfrei‘ – Trump rechnet in BILD mit unserer Migrationspolitik ab“ und „,Die meisten europäischen Staaten verfallen!‘ Das ganze Trump-Interview im Video“.
Auszug der Bild.de-Startseite vom 9.12.2025.Screenshot: Bild.de

Interviewerin Burns ließ Trumps Behauptung jedenfalls unwidersprochen, und „Bild“ verbreitete sie munter weiter. In dem gerügten Artikel erkor die Redaktion die Lüge sogar zur Überschrift

„Trump rechnet mit Migrationspolitik ab: ‚Deutschland war faktisch kriminalitätsfrei“ 

Das „faktisch“ (wo wirklich keinerlei Fakten waren) hatte „Bild“ noch dazu gedichtet, Trump hatte das gar nicht so gesagt.

Unter der Lügen-Überschrift machte sich Filipp Piatov, Vize-Politik-Chef bei „Bild“, dann erkennbar keinerlei Mühe, Trumps Unsinn auch als solchen zu bezeichnen. Im Gegenteil: Er zitierte ihn schlicht.

Beschwerde beim Presserat

Ich hatte deshalb eine Beschwerde beim Presserat eingereicht und um Prüfung gebeten. In seiner Sitzung Mitte Juni griff der Beschwerdeausschuss zum schärfsten Schwert, über das er verfügt: Er sprach eine öffentliche Rüge aus, wegen eines „schweren Verstoßes“ gegen das Gebot der wahrhaftigen Berichterstattung und der journalistischen Sorgfaltspflicht. Denn: 

„Zwar darf die Redaktion auch falsche Aussagen von öffentlichen Personen wie dem US-Präsidenten zitieren bzw. aufgreifen. Allerdings sind diese dann entsprechend hinreichend deutlich journalistisch einzuordnen, sodass die Leserschaft den wahren Sachverhalt erfährt.“

Das ist eine wichtige Unterscheidung. Denn wenn Politiker lügen oder blanken Unsinn von sich geben, hat das ohne Zweifel Nachrichtenwert. Medien müssen darüber sogar berichten – es gehört zum vollen Bild, das Wähler:innen von Personen in hohen Ämtern haben sollten. Aber man muss es eben zwingend einordnen. Die Frage ist, wie Medien das am besten machen sollten, sodass am Ende nicht vor allem die Lügen hängen bleiben.

Wo beginnt die Sorgfaltspflicht?

Die Antwort darauf ist weniger einfach, als es auf den ersten Blick erscheint: Wo beginnt die Sorgfaltspflicht? Und was bedeutet sie für den gehetzten Redaktionsalltag? 

Dass alle Politikredaktionen der Republik Rechercheure auf eine Anekdote von CSU-Chef Markus Söder ansetzen, der zufolge die SPD bei Koalitionsverhandlungen „nur veganes Essen“ serviert habe – um dann zu merken, dass dies gar nicht stimmt? Das scheint kaum umsetzbar.

Dass die „Zeit“ ein Interview mit Wolfram Weimer wegwirft, weil der Kulturstaatsminister darin die ziemlich irre (weil komplett falsche) Behauptung aufstellt, dass die AfD bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg nicht in den Landtag gekommen sei? Zumindest sollte es eine solche Aussage bei einer ernst zu nehmenden Redaktion nicht ins Blatt schaffen. 

Dass die Faktenchecker Alarm schlagen, wenn Wirtschaftsministerin Katherina Reiche ihren einigermaßen offensichtlichen Hintergrund als Vertreterin der Gaslobby abstreitet – und zwar bevor die „Tagesschau“ darüber berichtet? Ja, das sollten sie unbedingt! 

Auch (oder gerade) im Zeitalter der KI scheint es wenig realistisch, dass Medien jede Politiker-Behauptung prüfen, bevor sie diese wiedergeben. Im Fall von Trump allerdings war die Unwahrheit ja so offensichtlich. Das festzuhalten – und nicht auch noch, wie „Bild“, in die Überschrift zu packen – sollte kein Problem darstellen. 

Der Axel-Springer-Verlag will dennoch keinen Verstoß gegen den Pressekodex erkennen. Es handele sich um ein wörtliches Zitat des US-Präsidenten, das man bloß wiedergegeben habe, argumentierte laut Presserat ein Justiziar des Axel-Springer-Verlags gegenüber dem Beschwerdeausschuss. Und weiter: 

„Zur wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit gehöre auch die Widergabe zugespitzter oder kontroverser Aussagen, sofern deren Urheberschaft transparent sei.“

Das ist eine lahme Ausflucht. Schließlich geht es nicht um eine lediglich kontroverse Zuspitzung, sondern um eine Falschinformation – und nicht darum, ob diese zitiert werden durfte, sondern ob eine Einordnung erforderlich ist. Die reichte ein „Bild“-Moderator zwar in einem weiteren Video nach: Dass es in Deutschland vor 2015 keine Kriminalität gegeben habe, „stimmt natürlich nicht“, sagt er eher beiläufig. Dem Presserat reichte das aber nicht, zumal die Redaktion die Unwahrheit ja in Texten und Überschriften ohne Richtigstellung verbreitet hatte. 

Faktenchecks, die keiner liest

Das erinnert an die Diskussion über Faktenchecks, wie sie etwa Fernsehsender zu den Wahlkampf-Shows mit Kandidat:innen veröffentlichen – natürlich erst nach der jeweiligen Sendung. Das Problem: Die Faktenchecks liest kaum ein Mensch, während die falschen oder irreführenden Behauptungen aus der Sendung längst ein Millionenpublikum erreicht haben. Und obendrein fröhlich weiterverbreitet werden, zum Beispiel als Stream in der Mediathek oder als Schnipsel in Social Media. 

Nimmt man die Rüge des Presserates ernst, läuft diese Praxis – also das Weiterverbreiten von etwas, das als Unwahrheit entlarvt wurde – den ethischen Standards der Branche ebenso zuwider wie die Verbreitung der Trump-Lügen durch die Springer-Medien. 

Wir haben es also nicht nur mit einem „Bild“-, sondern mit einem Branchenproblem zu tun. Anstatt ständig neue Wehklagen über das „postfaktische Zeitalter“ auszustoßen, sollten Journalist:innen endlich einen Standard entwickeln, wie sie mit Interviews umgehen, sobald klar ist, dass Politiker (oder andere Personen) dort Unwahrheiten verbreiten. Bei Live-Interviews, gerade mit Populisten, ist das natürlich nicht immer direkt in der Live-Situation zu lösen. Alle Lügen etwa eines Donald Trump sofort zu benennen und zu korrigieren, ist praktisch unmöglich. 

Aber die Unwahrheit einfach weiterzusenden, zu streamen, zu zitieren, kann nicht die gängige Praxis bleiben. Ein Journalismus, der wissentlich Lügen verbreitet, macht sich lächerlich. Der Presserat sieht das wohl auch so, hilft in der Praxis aber nur begrenzt: Mit seiner Rüge skizziert er eine rote Linie – was fehlt, ist das „How-to“.

Als Mikrofonhalter sind Journalist:innen überflüssig

„Bild“ hätte es zumindest im Text von Filipp Piatov leicht gehabt: Statt das unwahre Trump-Zitat in die Überschrift zu heben und frecherweise auch noch mit einem „faktisch“ zu verfeinern, hätte sie die Aussage in einem Artikel „Wie Trump mit Falschaussagen die Migrationsdebatte anheizt“ aufarbeiten können. Zum Beispiel. Das wäre jedenfalls journalistisch richtig gewesen – ob es in die Agenda von „Bild“ gepasst hätte, steht auf einem anderen Blatt.

Womöglich gibt es da aber ein anderes Problem – denn die Zitate entstammten ja dem „eigenen“ Interview. Macht man das als Redaktion: einen Politiker interviewen, um dann dessen Lügen als solche zu deklarieren? Ist es dann womöglich das letzte Interview, das er der Redaktion gibt? 

Eigentlich sollte das jedem Journalisten schnurzpiepegal sein. Jede:r Politiker:in hat heute nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, Positionen und Polemiken zu verbreiten – und nach eigenem Gusto auch Lügen. Dafür braucht es Websites und soziale Medien, aber keine Journalist:innen. 

Sieht man von pseudojournalistischen Formaten wie „{ungeskriptet} by Ben“ einmal ab, beschränkt sich deren Aufgabe nämlich nicht darauf, einem Politiker das Mikrofon zu halten. Ihre Existenzberechtigung rührt aus dem kritischen Nachfragen, aus dem Liefern von Hintergründen und Kontext, aus dem Verbreiten von Informationen, die Politiker:innen von sich aus nicht geben – und aus dem Richtigstellen von Unwahrheiten. 

Redaktionelle Eigeninteressen

Dieser Anspruch kann mit dem Eigeninteresse von Medienhäusern kollidieren. Auch das ist kein neues und gewiss kein alleiniges Springer-Problem. Angela Merkel und Olaf Scholz dürften jeweils Hunderte inhaltsferne Interviews gegeben haben, ohne jede Aussage von Belang. Selbst „Spiegel“, „Süddeutscher Zeitung“ & Co. aber gereicht allein der Umstand, dass man die Kanzlerin im Interview hatte, zur großen Nachricht. 

Im Fall Springer/Trump hat das allerdings eine ganz eigene Pointe. Dass der US-Präsident Politico überhaupt ein Interview gab, kam überraschend. Noch einige Monate zuvor hatte er „Politico“ vorgeworfen, „Fake News“ zu verbreiten. Er sah das angeblich „radikal linke“ Blatt in einen „SKANDAL“ verwickelt. Also nicht in irgendeinen Skandal, sondern in den „VIELLEICHT GRÖSSTEN DER GESCHICHTE!“: Politico habe über demokratisch gesteuerte Regierungsinstitutionen acht Millionen US-Dollar erhalten, um positive Berichte über die Demokraten zu publizieren. 

Nur zur Sicherheit: Das waren „Fake News“! (Und sie stehen bis heute in Trumps eigenem sozialen Netzwerk „Truth Social“.) 

Die Chance zum Interview bot sich offenbar erst, als „Politico“ Trump zur „einflussreichsten Person in Europa“ ausgezeichnet hatte. Zumindest behauptete Trump in dem Interview, dies sei der Grund für seine Gesprächsbereitschaft gewesen. Bereut hat er es anscheinend nicht. Im Anschluss lobte er das Gespräch und sagte: „Es war ein gutes Interview, weil sie keine Argumente hatten.“

Besser kein Interview als so eins

Das allein ist schon ein tödlich vergiftetes Lob für eine Journalistin. Und eine Redaktion, die sich zum Handlanger eines notorischen Lügners macht, gibt einen wesentlichen Teil ihrer journalistischen Daseinsberechtigung auf. Besser, man hätte auf das Interview verzichtet. Anstelle so eines Exklusiv-Interviews könnte man beim Selbstmarketing ja zur Abwechslung die eigenen journalistischen Kernkompetenzen herausstellen. 

Was es also braucht? Interviews nur nach journalistischen Maßstäben; Unwahrheiten, die als solche bezeichnet und nie ohne Einordnung reproduziert werden; und Live-Interviews, die für nachträgliche Streams bearbeitet und mit Korrekturen versehen werden, damit Lügen keine langen Beine bekommen. 

Wenn sich die großen Medienhäuser auf Standards dieser Art verständigen können, wäre schon vieles gewonnen. Mit einer solchen Branchenübereinkunft wüssten Politiker:innen dann auch, worauf sie sich einlassen. Und sollten sie ein „echtes“ Interview deswegen ablehnen, muss das für den Journalismus nicht unbedingt schlecht sein.

16 Kommentare

  1. Solange sich die Lügen verkaufen (und es dafür keine echten Sanktionen gibt), werden sie verbreitet werden.
    Wenn Döpfner und Friede „Presserat“ hören, kriegen die doch ’nen Lachanfall. Zurecht, wenn eine „Rüge“ das Maximum an möglicher Sanktionierung darstellt.
    So ein Klassenbucheintrag verliert seine Drohwirkung ganz schnell, wenn die Schüler rausfinden, dass die Klassenbücher nach dem Schuljahr konsequenzfrei ins Archiv oder Ablage P wandern.

    Nicht böse gemeint:
    Ich bewundere ja die, seit nunmehr 10 Jahren andauernde, Hilflosigkeit der Medienlandschaft. Selbst im Juli 2026 erscheint bei übermedien noch ein Moralartikel über die Veröffentlichung von Trump-Lügen.
    „Was es also braucht? Interviews nur nach journalistischen Maßstäben; Unwahrheiten, die als solche bezeichnet und nie ohne Einordnung reproduziert werden; und Live-Interviews, die für nachträgliche Streams bearbeitet und mit Korrekturen versehen werden, damit Lügen keine langen Beine bekommen.“
    Das Aufschreiben von Wünschen (gern Mitte Dezember) ist ja nett, aber was bringt das? Soll Springer jetzt ne Selbstverpflichtungserklärung unterschrieben, oder wie stellt man sich die Durchsetzung dieser Forderung vor?
    Ich sage es mal ganz klar: Ohne echte Konsequenzen (Geldstrafen z. B.) werden die ’nen Scheiß machen. Und das wissen eigentlich auch alle.

  2. Ich weiß nicht, ob „Lüge“ das richtige Wort ist. „Lüge“ bedeutet, dass der Lügner bewusst die Unwahrheit sagt. Ich glaube, Leute wie Trump sind davon überzeugt, dass das, was sie da so plappern, auch so stimmt. Sie erzählen also unbewusst die Unwahrheit. Wissen tu ich es nicht. Aber ich frage mich auch, ob nicht auch hier die Unschuldsvermutung gelten muss, also man „Lüge“ nicht verwenden darf / sollte, bis erwiesen ist, dass der Lügner wusste, dass er Falsches behauptet.

  3. Und das sagt Hey, die Bild-KI dazu:
    „Was man dazu sagen kann

    Dass eine Einordnung nötig gewesen wäre, ist gut begründbar. Im BILD-Text steht die Behauptung als Zitat, aber ohne erkennbaren Faktencheck oder klaren Gegenhalt. Warum die Redaktion das nicht getan hat, lässt sich aus den verfügbaren Quellen nicht sicher belegen. Ich kann also nicht seriös sagen, welches Motiv dahinterstand.“

  4. „Trump weiß nicht, dass er lügt“ ist sicher eine Meinung, die man haben kann, aber nicht muss. Sind pathologische Lügner also generell keine, weil sie selbst dran glauben? Wird so eine Lüge euphemistisch zu einer Unwahrheit?

    Wie ich vor Jahren schon mal sagte: Das kann man eh nicht auseinanderdividieren, weil derjenige ja auch lügen kann, ob er weiß, dass es eine Lüge ist, oder nicht.
    Platt: Man kann den Leuten nur vor’n Kopp gucken.“
    Im Bereich medizinische Scharlatanerie, wie z.B. Homöopathie, unterscheide ich für mich zwischen den Dummen und den Dreisten. Die Dummen glauben wirklich an die Heilwirkung und multiplizieren das Marketing ihres dreisten Gurus gratis. Der dreiste Guru weiß natürlich, dass er nur wasserbesprühte Milchzuckerkügelchen verkauft, wird aber natürlich seinen Kunden (Jüngern) sagen, dass er selbst auch dran glaubt. Das gehört alles zum Marketing, denn der Guru hat kein Interesse an Heilung, sondern am Verkauf. Wissen kann man also nie wirklich, „ob jemand an das glaubt, das er verkauft“. Der Verkäufer wird immer behaupten, selbst dran zu glauben.

  5. Der Begriff „Lüge“ hat inzwischen eine inflationäre Verwendung erfahren.
    Jeder Fehler oder Versehen, insbesondere wenn es sich um den ÖRR handelt, wird gleich als „Lüge“, also als beabsichtigt fehlerhafte oder falsche Information, abqualifiziert.

  6. Dass die BILD glaubt, was Trump sagt, meinte ich. Nicht, dass Trump glaubt, was er sagt.
    Wenn eine Zeitung ein Bußgeld für eine unwahre Politikeraussage zahlen muss, kann sie ihn dann haftbar machen?

  7. „Der Axel-Springer-Verlag will dennoch keinen Verstoß gegen den Pressekodex erkennen. Es handele sich um ein wörtliches Zitat des US-Präsidenten, das man bloß wiedergegeben habe, argumentierte laut Presserat ein Justiziar des Axel-Springer-Verlags gegenüber dem Beschwerdeausschuss.“:

    genau so werden sie bei Springer, respektive Bild, weitermachen. Presserat hin, Presserat her.

  8. @T.Mido Ich würde Ihrer Definition von Lüge widersprechen wollen, oder sie zumindest erweitern. Wenn ich eine Faktenaussage treffe, von der ich genau weiß, dass ich sie mir gerade ausdenke und sie durch keinerlei tatsächliches Faktenwissen untermauern kann, dann ist das auch eine Lüge.
    Wenn ich meinem Kollegen erzähle, dass sein Mann ihn betrügt obwohl ich den nicht einmal kenne – dann ist das eine Lüge. Selbst dann, wenn ich fest davon ausgehe, das dem wohl so sein wird – weil der Kollege ist ja hässlich, kein Mann würde es mit ihm aushalten ohne fremd zu gehen (und ungefähr auf diesem Niveau argumentiert Trump ja seine ‚Überzeugungen‘).
    Es bliebe sogar dann eine Lüge, wenn sich irgendwann herausstellt, dass der Mann tatsächlich fremd gegangen ist.
    Etwas zu als Fakt zu behaupten, von dem einem klar sein müsste, dass man das nicht weiß, ist eine Lüge.

  9. Es gibt bestimmt eine Grauzone zwischen Vermutung ins Blaue und Lüge, aber auch Vermutungen sollten nicht als Tatsachen wiedergegeben werden.

  10. Das ist ja nicht das erste Mal, dass die Springerpresse Politikerlügen unkommentiert stehen lässt.
    Wie war das eigentlich, als Agnes Strack-Zimmermann dort uneingeordnet behaupten durfte, dass 99% der COVID-Patienten in den Intensivstationen Ungeimpfte sind – Wie ist der Springer-Verlag mit der Rüge des Presserats umgegangen?

    OK, war ne Scherzfrage.

  11. Oder nehmen wir die WELT vom 12.03.2016. Dort konnte Fratzscher uneingeordnet rauslassen „Flüchtlinge werden Renten der Babyboomer zahlen“.

    1. Wurde das vom Presserat gerügt?
    2. Wie ist Springer mit der Rüge umgegangen?

    1. Natürlich nicht
    2. Hä?

    Aber hier will ich die Kritik mal nicht übertreiben. Jeder weiß, zumindest jeder der mehr als 3 Gramm Gehirn besitzt, Fratzscher spielt intellektuell und moralisch in derselben Liga wie die Corona-FernsehprofessorInnen (m/w/d) Lauterbach, Drosten, Wieler, Buyx, Brinkmann & Gen.
    Einordnung nicht erforderlich.

  12. Ich habe mir das Agnes Strack-Rheinmetall Video mal angesehen, was sollte daran gerügt werden müssen? Die Interviewte hat ja die Falschinformation gegeben, nicht die Interviewerin der Welt. Ich glaube, eine sekundenaktuelle Klarstellung kann man nicht von ihr erwarten, zumal die Info auch gar nicht so derbe falsch war, denn es waren „mehr als 90%“:
    https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1017232

    Passt aber gut in das vorige Diskussionsthema „Lüge, Versehen, Fehler, Unwahrheit?“, danke für das praxisnahe Beispiel, FrankD.

    Dass Einwanderer (müssen keine geflüchteten sein) mit ihrer Arbeitskraft am deutschen Arbeitsmarkt auch die Renten der Boomer finanzieren, ist ja absolut richtig. Wieso sollte da was gerügt werden müssen?
    Hier ein paar Links zum Nachvollziehen:
    https://volksverpetzer.de/faktencheck/bas-tagesthemen-faktencheck/
    https://volksverpetzer.de/aktuelles/mehr-einwanderung-sozialsysteme/

    Ja, Volksverpetzer böse, daher:
    https://www.wiwo.de/politik/konjunktur/arbeitsmarkt-auslaender-stabilisieren-deutschen-arbeitsmarkt/100240092.html
    https://www.dia-vorsorge.de/auslaendische-rentenversicherte-stabilisieren-das-system/

  13. Und täglich grüßt das Murmeltier.

    65 Prozent der Syrer beispielsweise, die 2015/16 ins Land gekommen sind, beziehen Bürgergeld – 500.000, davon 350.000 sind erwerbsfähig

    Wenn von den Syrern nur ein Drittel arbeitet, da muss man kein Excel-Sheet aufmachen um zu wissen, die Bilanz ist negativ. Extrem negativ.
    Wer anderer Meinung ist, kann gern vorrechnen, wie das arbeitende Drittel mit dem Mehrprodukt seiner Arbeit nicht nur die nichtarbeitenden Zweidrittel, sondern auch nebenher auch noch die Rente der Boomer finanziert.
    Ich bin gespannt.

    Dazu kommen noch die anderen Kosten. Die syrisch gelesenen Menschen sind zehnmal so gewalttätig wie die Deutschen. Die Gewaltbilanz der afghanisch gelesenen ist auf dem Niveau der syrischen. Wo kommt das Geld für die Finanzierung der Schäden der exorbitanten Gewaltkriminalität her? Gibts dazu auch Studien?

    Diese Rechnungen von wegen „stabilisieren die Rente“ sind Trixereien nach Art des Middelhoff. Aus der Gesamtbilanz wird die genehme Facette gezeigt – auf der Hauptversammlung jubeln die Aktionäre, im Feuilleton die Hochintelligenten.
    Das Problem ist nur, dass diese oder jene schöngerechnete Facette nichts taugt, wenn die Gesamtbilanz negativ ist. Arcandor ist schon Pleite, Deutschland nicht.
    Noch nicht.

  14. Es gibt Hoaxes, die sind nicht totzukriegen.
    Zu Coronazeiten war das beispielsweise die schwedische Bevölkerungsdichte. Wenn es um Ausländerkriminalität geht, sind es die ausländerspezifischen Straftaten, die Hochintelligenten selbst dann bringen, wenn die verlinkten Vergleichsstatistiken diese ausdrücklich ausschließen.

    Und bei der Belegung der Intensivstationen sind es die Coronaungeimpften.
    90%. So war das Ende 2021. Und das hört einfach nicht auf.
    Egal wie oft dokumentiert ist, dass die die Patienten mit unbekanntem Impfstatus den Ungeimpften zugeschlagen haben, es sind und bleiben 90%.

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