„Sarajevo-Safari“

Der Medienhype um eine unbewiesene Menschenjagd

Reisten reiche Westeuropäer während des Bosnienkriegs ins belagerte Sarajevo, um gegen Bezahlung Menschen zu erschießen? Viele Medien erzählen die Geschichte, als sei sie belegt. Dabei stützen sie sich auf unseriöse Quellen und äußerst fragwürdige Rechercheure.
Einwohner Sarajevos waren während der Belagerung der Stadt dem Beschuss von Heckenschützen ausgesetzt. Rund 350 Zivilisten sollen so getötet worden sein. IMAGO / Markus Matzel

Seit November verbreitet sich weltweit in Medien eine makabere Geschichte. Sie spielt in den 90er Jahren, im Bosnienkrieg. Reiche Westeuropäer sollen damals viel Geld bezahlt haben, um während der vierjährigen Belagerung Sarajevos durch bosnisch-serbische Einheiten auf unschuldige Menschen zu schießen. Ihr Motiv: Mordlust.

Keine Story aus Bosnien-Herzegowina hat in den vergangenen Jahren eine derart große mediale Aufmerksamkeit erhalten. RTL titelte: „Menschen-Safari in Europa – Touristen haben Schwangere und Kinder gegen Bezahlung erschossen.“ Welt TV bewirbt einen Beitrag auf Youtube mit dem Titel: „Unfassbar! Wie im Horrorfilm! Touristen zahlten, um auf Kinder zu schießen!“. „Der Spiegel“ berichtete von „reichen Europäern, die zur Menschenjagd nach Sarajevo reisten“. In den sozialen Netzwerken äußern Nutzer*innen unter Posts zu den Berichten in Medien wie der FAZ, „ZDF heute“ oder dem „Tagesanzeiger“ verständlicherweise fassungsloses Entsetzen über diese Grausamkeit. Das Problem: Bislang gibt es keine nachprüfbaren Belege dafür.

Klar ist: Rund 11.500 Menschen wurden während der Belagerung getötet, laut Forschungs- und Dokumentationszentrum in Sarajevo bis zu 350 Zivilist*innen durch Scharfschützen. Unter den ausländischen Kämpfern waren vor allem Freiwillige aus Serbien, die für ein Großserbien kämpften; zudem gibt es Berichte über politisch motivierte Serben aus der Diaspora und ausländische Rechtsextreme. Doch für die Geschichte von reichen Westeuropäern, die aus dekadenter Mordlust und gegen Bezahlung nach Sarajevo kamen, fehlen bislang jegliche Beweise.

Recherchen aus dem Einkaufszentrum

Die Story der „Sarajevo-Safari“ verbreitete sich nun vor allem aufgrund des Mailänder Schriftstellers Ezio Gavazzeni – und seines jüngsten Buchs mit dem Titel „I Cecchini del Weekend“, auf Deutsch: „Die Wochenendschützen“. Schon Gavazzenis Autorschaft irritiert. Denn dank eines Textes der Mailänder FAZ-Korrespondentin wissen wir: Gavazzeni schreibt gerne Kriminalromane, hat sein Büro im Food Court eines Mailänder Kaufhauses aufgeschlagen und war nie in Bosnien-Herzegowina. Laut seiner Homepage hat er zudem Reiseführer zu Mailand, Paris, den griechischen Inseln, Madeira und den Azoren verfasst – aber keinen zu Sarajevo. Auch für sein Buch über die „Sarajevo-Safari“ nahm er die rund tausend Kilometer Fahrt in die bosnische Hauptstadt nicht auf sich.

Nun behauptet also ausgerechnet er, mehr herausgefunden zu haben als bosnische und internationale Journalist*innen in den vergangenen 30 Jahren – und mehr als der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in 24 Jahren Arbeit und einer mehr als zehn Millionen Seiten umfassenden Dokumentensammlung.

Eine anonyme Quelle als Hauptzeuge

Seit mehreren Monaten liegt Gavazzenis Buch auf Italienisch vor – und man liest darin Erstaunliches. Der Autor schreibt, er sei durch den 2022 erschienenen Film „Sarajevo-Safari“ des slowenischen Regisseurs Miran Zupanič auf das Thema aufmerksam geworden. Dieser Film stützt sich über weite Strecken allein auf einen anonymen Slowenen, der von hinten gefilmt und mit verfälschter Stimme berichtet, damals mit Presseausweis für einen ausländischen Geheimdienst in Sarajevo gewesen zu sein. Er behauptet, die bosnischen Serben hätten ausgerechnet ihn – den Geheimdienstler eines fremden Landes mit Presseausweis – zu den reichen ausländischen Schützen geführt, von denen sonst kaum jemand etwas mitbekam. Seine Aussagen lassen sich nicht überprüfen.

Dafür zeigt der Film das Ehepaar Stana und Samir Ćišić, deren einjährige Tochter Irina von einem Scharfschützen erschossen wurde. Irina Ćišić ist eines von mehr als 1600 Kindern, die die Belagerung Sarajevos nicht überlebten. Der Film liefert jedoch keinen Beleg dafür, dass ihr Tod etwas mit reichen ausländischen Scharfschützen zu tun hatte. Durch den Schnitt wird dieser Zusammenhang aber suggeriert – und er passt perfekt zur Erzählung, dass die angeblichen Sniper-Touristen besonders gern auf Kinder schossen und dafür extra bezahlten. Stana und Samir Ćišić tauchen auch in deutschsprachigen Berichten zur „Sarajevo Safari“ öfter auf.

Raunende Vermutungen ohne Grundlage

Im Film gibt es nur eine Quelle, die mit Namen auftritt und behauptet, mehr über die „Sarajevo-Safari“ zu wissen: den ehemaligen bosnischen Geheimdienstler Edin Subašić. Doch auch er berichtet aus zweiter Hand. Gefangene Serben hätten ihm während des Krieges von fünf Italienern erzählt, die mit Jagdgewehren auf Menschen geschossen hätten. Subašić behauptet zudem, sein damaliger Chef habe ihm Anfang 1994 berichtet, der italienische Militärnachrichtendienst SISMI habe die Informationen bestätigt, den Abreiseort identifiziert, die Gruppe neutralisiert und zugesichert, dass sich solche Vorfälle nicht wiederholen würden. Als der Film 2022 erschien, erstattete die damalige Bürgermeisterin von Sarajevo, Benjamina Karić, Anzeige. Knapp vier Jahre später sind keine Ermittlungsergebnisse bekannt.

Ezio Gavazzeni hat „Sarajevo Safari“ im Sommer 2023 gesehen und daraufhin die Macher und einige der Protagonist*innen kontaktiert. In seinem Buch spekuliert er nun zunächst, warum der Film weder von den großen Fernsehsendern in Italien noch in anderen europäischen Ländern gezeigt wurde. Schon hier kippt das Buch ins Verschwörungstheoretische: Der Autor raunt, der Film sei ausgerechnet in jenen Ländern nicht gezeigt worden, aus denen die mutmaßlichen Schützen stammen sollen. Die Organisatoren der „Sarajevo-Safari“ seien bis heute wohl so mächtig, dass sie die Ausstrahlung verhindern könnten – es müsste also ein Netzwerk sein, das Einfluss auf Sender in Italien, Frankreich, Belgien, den ORF, das ZDF und sämtliche ARD-Landesanstalten nehmen könnte. Der naheliegendere Grund, dass kleine Dokumentarproduktionen aus Slowenien es eher selten ins Programm großer europäischer Sender schaffen, scheint Gavazzeni nicht zu kommen – was einiges über seine Arbeitsweise verrät.

Namen und Daten fehlen

Ansonsten besteht das Buch zu weiten Teilen daraus, dass der Autor die Gespräche mit seinen Quellen aufschreibt und dabei alle Namen und Daten weglässt, die irgendetwas überprüfbar machen würden. Man kann es nun halten wie Gavazzeni, und den Personen ihre wilden Geschichten einfach glauben. Die Gespräche liefern allerdings gute Gründe, Zweifel an den vermeintlichen Zeugenaussagen zu haben.

Der Mailänder Schriftsteller Ezio Gavazzeni sitzt vor einem Bücherregal.
Der Mailänder Schriftsteller Ezio Gavazzeni will Hinweise auf spektakuläre Verbrechen gefunden haben. IMAGO / Anadolu Agency

In Kapitel 13 begegnet uns etwa eine „Christiana S.“, die behauptet, als freiwillige Helferin mit ihrem Wohnmobil ins belagerte Sarajevo gefahren zu sein, um dort ohne größere Organisation Lebensmittel und Medikamente zu verteilen – in eine Stadt also, aus der damals kaum jemand heraus- oder hineinkam. Dort will sie an einem Freitagabend mehrere italienische Scharfschützen-Touristen mit Mailänder Akzent getroffen haben. Wenige Monate später soll ihr Ähnliches in Priština passiert sein – und das, obwohl zwischen den Kriegshandlungen in Sarajevo und Priština mehrere Jahre und nicht Monate lagen.

Ein Ort, den es gar nicht gibt? Egal.

Das gesamte achte Kapitel dreht sich um ein Treffen mit dem bosnischen Reiseführer Nermin Kahriman auf der Mailänder Tourismusmesse. Kahriman wurde 1995 geboren und kann sich daher nicht selbst an die Belagerung erinnern. Im Gegensatz zu den meisten anderen Quellen im Buch hat er aber immerhin einen Namen. Was ihn zum Kronzeugen der „Sarajevo-Safari“ macht? Er führt italienische Tourist*innen durch Sarajevo, von denen manche erzählen würden, sie hätten von italienischen Scharfschützen gehört.

Außerdem berichtet Kahriman von seinem Vater: Dieser habe, als der Krieg in Kroatien begann, nicht auf Kroaten schießen wollen und deshalb den Dienst bei der jugoslawischen Infanterie in Norilsk verweigert. Allein: Einen solchen Ort gibt es in der Region nicht. Norilsk liegt in Sibirien, rund 5000 Flugkilometer von Sarajevo entfernt. Dass diese und andere Aussagen des Zeugen so also nicht stimmen können, erfährt man in dem Buch nicht. Und wenn schon so leicht nachprüfbare Fakten offensichtlich falsch sind, warum sollte man dann den Behauptungen vertrauen, die nicht nachprüfbar sind?

Was ein Kriegsverbrecher mit toten Stars gemeinsam hat

Im zehnten Kapitel fährt Gavazzeni nach Triest, um dort den „Legionär“ zu treffen. Dieser behauptet, Leibwächter von Ceca gewesen zu sein – der damals wohl erfolgreichsten serbischen Sängerin und Ehefrau des Kriegsverbrechers Željko Ražnatović, besser bekannt als Arkan. Der „Legionär“ erzählt außerdem, Arkan lebe heute auf Zypern. Das wäre beeindruckend, schließlich wurde Arkan am 15. Januar 2000 im Hotel Intercontinental in Belgrad angeschossen und starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Aber wer weiß: Vielleicht war alles nur inszeniert und Arkan lebt. Ob auf Zypern auch Tupac, Michael Jackson und Kurt Cobain wohnen, erwähnt der „Legionär“ leider nicht – weniger seriös wären seine Ausführungen dadurch allerdings auch nicht geworden.

Ein ukrainischer Blauhelmsoldat sitzt mit zwei Jungen während der Belagerung von Sarajevo am Ende der berüchtigten „Sniper Alley“. Heckenschützen nahmen die Straße häufig unter Beschuss.
Ein ukrainischer Blauhelmsoldat sitzt mit zwei Jungen während der Belagerung von Sarajevo am Ende der berüchtigten „Sniper Alley“. Dort drohte ständig Gefahr durch Heckenschützen.IMAGO / Newscom World

Der wichtigste Kronzeuge des Buches wird „der Franzose“ genannt: angeblich ein Söldner, der bis heute wütend sei, weil man ihn für seinen Einsatz in Sarajevo nicht bezahlt habe. Was er erzählt, klingt wie aus einem Horrorfilm: 230 Italiener hätten an der „Sarajevo-Safari“ teilgenommen, dazu noch einmal ähnlich viele Franzosen und Belgier sowie einige Schweizer und Österreicher – insgesamt also wohl um die 500 Personen. Einer der Italiener, angeblich bis heute berühmt und gelegentlich im Fernsehen zu sehen, habe an einem einzigen Tag sechs Menschen getötet. Nach ihren Morden hätten die Sniper-Touristen Patronenhülsen als Souvenirs mitgenommen. Diese seien vorher eingefärbt worden, um den Preis festzulegen: Das Erschießen von Kindern sei teurer gewesen. Patronen für alte Männer seien schwarz und blau gewesen, für Frauen gelb, für Jungen blau und für Mädchen rosa.

Die Zahlen ergeben keinen Sinn

Schon quantitativ sind diese Angaben fragwürdig. Wenn mehrere hundert ausländische Sniper-Touristen nach Sarajevo kamen und einzelne von ihnen an einem Tag bis zu sechs Menschen ermordeten, müssten sie jedes der bis zu 350 dokumentierten Scharfschützenopfer getötet haben. Die bosnisch-serbischen Belagerungstruppen hätten ihnen dann allenfalls assistiert.  

Der „Franzose“ behauptet außerdem, die Sniper-Touristen seien auch nach Tuzla gebracht worden. Doch Tuzla stand unter Kontrolle der Regierungstruppen Bosnien-Herzegowinas; die Frontlinie verlief rund 15 Kilometer östlich der Stadt. Das war nah genug, um Tuzla mit Artillerie und Granaten zu terrorisieren – aber viel zu weit entfernt, um mit Gewehren auf Menschen zu schießen.

Deutsche Medien loben das Buch

Gavazzeni hält die Aussagen des „Franzosen“ trotzdem für glaubwürdig – weil seine Hauptquelle, ein „Unbekannter“, ihn für glaubwürdig hält. Ein Unbekannter bestätigt also die Aussagen eines Anonymen. Reicht das, um die zentralen Behauptungen des Buches als Tatsachen zu erzählen? Mehrere deutsche Leitmedien sehen das offenbar so.

„Der Spiegel“ veröffentlichte am 17. März einen Artikel, der sich weitgehend auf Gavazzenis Buch stützt und die Behauptungen dort als Tatsachen wiedergibt. Die Ausführungen des „Franzosen“ zu den Patronenhülsen werden unkritisch wiedergegeben. Der Titel des Texts: „Die reichen Europäer, die zur Menschenjagd nach Sarajevo reisten“. Kein Konjunktiv, kein Fragezeichen. Der Teaser lautet:

„Sie kamen übers Wochenende, schossen bevorzugt auf Frauen und Kinder, dann kehrten sie in ihr bürgerliches Leben zurück. Jahrzehnte nach dem Bosnienkrieg wird gegen die mutmaßlichen Scharfschützen-Touristen ermittelt.“

Das pflichtschuldige „mutmaßlich“ reicht nicht, um den Eindruck einer fragwürdigen Quellenlage zu vermitteln. Auf die vielen Ungereimtheiten in Gavazzenis Buch wird im Text zudem nicht hingewiesen. Den Leser*innen wird der Eindruck vermittelt, es mit einem seriösen Sachbuch zu tun zu haben.

Die irritierende Binnenpluralität der FAZ

Die FAZ präsentierte das Buch in einem Text mit dem Titel „Gegen Geld durften reiche Europäer in Sarajevo auf wehrlose Zivilisten schießen“. Der Vorspann verwendet zumindest das einschränkende „sollen“:

Während der Belagerung von Sarajevo sollen reiche Westeuropäer hohe Summen bezahlt haben, um auf die Stadtbewohner schießen zu können. Ein neues Buch geht dem Verbrechen nach. Was man erfährt, ist ungeheuerlich.

Die Zeitung lobt die Stärken des Buches, gibt die Aussagen des „Franzosen“ unkritisch wieder und schreibt: „Das Buch ist vor allem dort stark, wo es seine Leser mit zu diesen Stimmen nimmt, die erstmals zu hören sind.“ Dass an vielen Stellen offensichtlich Unsinn erzählt wird, erfahren die Leser*innen auch in diesem Text nicht.

Allerdings könnten regelmäßige Leser*innen der FAZ durchaus auch anderes erfahren haben. Denn die Redaktion legt bei diesem Thema eine beeindruckende – oder auch: verwirrende – Binnenpluralität an den Tag: Gleich drei Journalist:innen haben sich in der FAZ mit der „Sarajevo Safari“ befasst – mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen.

So realistisch wie King Kong

Bereits am 20. November 2025 erschien ein Text des Italien-Korrespondenten Matthias Rüb. Darin setzt er sich sehr kritisch mit der ersten Welle der Berichterstattung auseinander: Diese habe „Gavazzenis unbewiesene Behauptungen fast schon als Tatsachen“ dargestellt. Dann traf sich allerdings Karen Krüger, Feuilletonredakteurin mit Sitz in Mailand, mit Gavazzeni und schrieb die beiden bereits erwähnten Texte, die die Arbeit des italienischen Krimiautors ausdrücklich loben. Seit Ende Juni befasst sich nun auch der Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien, Michael Martens, mit dem Thema. Sein zweiter Text erschien am 5. Juli 2026 und ließ wenig Zweifel daran, wie Martens die Sache bewertete. Unter der Überschrift „Das Märchen von der Menschenjagd“ schreibt er:

„Die Geschichte von der bosnischen Menschenjagd durch Hunderte reicher Ausländer ist ungefähr so realistisch wie die Behauptung, King Kong sei während des Krieges aufgetaucht, um Sarajevo zu verteidigen.“

In seinem ersten Artikel zu dem Thema, der sich bereits kritisch mit der Quellenlage auseinandersetzt, lautet der zweite Satz: „Auch die F.A.Z. berichtete.“ Wie die FAZ darüber berichtete und dass diese Berichterstattung möglicherweise fehlerhaft war, erfahren die Leser*innen jedoch nicht. Auch der Instagram-Beitrag der FAZ, der am 16. Dezember Krügers Text bewarb, ist mit über 15.000 Likes, Hunderten Kommentaren und ohne Einordnung weiter online.

Martens hat auf X jedenfalls einen weiteren Artikel angekündigt, in dem es auch um die schweren Vorwürfe gegen den amtierenden serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić gehen soll.

Ein Präsident als Guide für Sniper-Touristen?

Der serbische Präsident Aleksandar Vučić hält eine Rede.
Dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić wird von einem Autor vorgeworfen, ebenfalls an den „Sarajevo Safaris“ beteiligt gewesen zu sein. Glaubhafte Belege gibt es dafür nicht. IMAGO / VCG

Diese Vorwürfe stammen von einem Mann namens Domagoj Margetić. Er will Dokumente besitzen, die belegen sollen, dass der serbische Präsident damals als eine Art „Touristenguide“ für die reichen Hobby-Scharfschützen fungierte. Viele deutschsprachige Medien verbreiteten auch diese Behauptung.

Margetić wurde in zahlreichen Medien als „Investigativjournalist“ geadelt, unter anderem in der Bild, der FAZ, der Berliner Morgenpost, dem Falter, der taz, der Zeit im Bild und in den Blättern für deutsche und internationale Politik. „Spiegel“-Reporter Walter Mayr traf sich für seine Reportage sogar mit Margetić „im Hinterzimmer eines Cafés in der kroatischen Hauptstadt Zagreb“, wo ihm der „Rechercheur“ mitgebrachte Dokumente in braunen Papierhüllen mitbringt.

Margetić selbst hat zwar schon lange keine Recherchen in seriösen Medien mehr veröffentlicht, dafür aber kürzlich ein Buch. Darin behauptet er, Aleksandar Vučić sei 1992 als 22-jähriger Jurastudent nach Sarajevo geschickt worden, um dem bosnisch-serbischen Kommandanten auf dem jüdischen Friedhof eine von Slobodan Milošević erstellte Todesliste zu übergeben. Der Ort war eine zentrale Scharfschützenposition über der Stadt. Vučić sei dort geblieben, habe ausländische „Sniper-Touristen“ betreut und ihre Morde auf VHS gefilmt, um sie später erpressen zu können. Unter den Schützen seien laut Margetić Minister, Generäle, Diplomaten, frühere Präsidenten – und sogar ein damals amtierender europäischer König gewesen.

Seine zentralen Quellen seien der frühere kroatische Ministerpräsident Josip Manolić, der ehemalige bosnische Vize-Geheimdienstchef Nedžad Ugljen und der frühere serbische Abgeordnete Vladimir Cvijan. Alle drei leben nicht mehr und können Margetićs Darstellung nicht widersprechen. Von noch lebenden hochrangigen Quellen legt er nichts Vergleichbares vor.

Ein wirres Video über einen ehemaligen CDU-Politiker

Ende Juni veröffentlichte Margetić auf X zudem ein wirres Video, in dem er den ehemaligen deutschen CDU-Politiker Bernd Schmidbauer mit der „Sarajevo-Safari“ in Verbindung bringt. Schmidbauer war von 1991 bis 1998 Staatsminister unter Helmut Kohl und Beauftragter für die Nachrichtendienste des Bundes. In dem Video hält Margetić Dokumente in die Kamera und behauptet, Schmidbauer sei damals von Vučić auf dem jüdischen Friedhof in Sarajevo betreut worden, um auf Zivilist*innen zu schießen. Die Dokumente habe er persönlich vom rechtsextremen bosnisch-serbischen Kommandanten Slavko Aleksić erhalten, kurz bevor dieser im Dezember 2025 starb.

Wieder also ein Toter, der Margetić nicht mehr widersprechen kann und ihm kurz vor seinem Tod wichtige Unterlagen übergeben haben soll. Außerdem wirft er der FAZ vor, ihre kritische Berichterstattung über die Sarajevo-Safari sei mit der Bundesregierung abgesprochen, weil hohe Kreise in der CDU versuchten, die ganze Angelegenheit zu vertuschen.

LG Hamburg: „Spiegel“ hat Sorgfaltspflicht verletzt

Die absurden Vorwürfe gegen Schmidbauer, die FAZ und die CDU wurden von deutschsprachigen Leitmedien nicht verbreitet. Offenbar gelten andere journalistische Standards, wenn es um völlig unbelegte Behauptungen über einen früheren ranghohen CDU-Politiker geht – und nicht um einen ausländischen Präsidenten. Einige Redaktionen müssen sich dennoch fragen lassen, warum sie die kruden Thesen einfach aufgreifen und Margetić auch noch zum „Investigativjournalisten“ adeln.

Dass eine solche Berichterstattung problematisch sein kann, zeigt auch ein Verfahren vor dem Landgericht Hamburg. Am 18. Mai 2026 erließ das Gericht eine einstweilige Verfügung: „Der Spiegel“ dürfe nicht weiter den Eindruck erwecken, Vučić sei während der Belagerung Sarajevos an gezielten Tötungen von Zivilist*innen beteiligt gewesen. Begründet wurde dies damit, dass der Spiegel die journalistische Sorgfaltspflicht und die Voraussetzungen zulässiger Verdachtsberichterstattung nicht eingehalten habe. Bei Verstößen drohe ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro.

„Der Spiegel“ depublizierte die strittigen Passagen zunächst, unter anderem wegen der fehlenden Stellungnahme Vučićs. Nachdem dessen Dementi nachträglich eingeholt worden war, wurden die Stellen im Text wieder ergänzt. 

Auch Recherche schützt die „Zeit“ nicht vor fragwürdigen Ergebnissen*

Bezeichnend für die Berichterstattung zum Thema ist auch, dass selbst aufwändige Recherchen zu fragwürdigen Ergebnissen führen. So veröffentlichte „Die Zeit“ Anfang Mai eine Reportage aus Sarajevo. Der Titel: „50.000 € um ein Kind zu erschießen“. Auch hier fehlt das Fragezeichen in der Überschrift und auch hier finden sich die unbelegten Vorwürfe gegen den serbischen Präsidenten:

„Auch der amtierende serbische Präsident Aleksandar Vučić soll Medienberichten zufolge auf diesem Friedhof an der Organisation der Menschenjagd beteiligt gewesen sei. Er bestreitet das.“

Natürlich kann man darauf verweisen, dass hier nur andere Medienberichte zitiert und Vučićs Dementi erwähnt werden. Man kann aber auch sagen: Bei derart schweren Vorwürfen reicht das nicht, wenn zugleich unerwähnt bleibt, wie unseriös die Primärquelle ist.

In der Reportage findet sich allerdings, ganz am Ende, ein bemerkenswerter Satz:

„Noch ranken sich viele Mythen um die Menschenjagd. Alle Erkenntnisse beruhen auf Aussagen, die sich bislang nicht verifizieren lassen.“

Bei vielen Leser*innen scheint das aber nicht angekommen zu sein. Unter dem Artikel finden sich 180 Kommentare; viele zeigen, dass die Kommentator*innen die „Sarajevo-Safari“ für belegt halten. Daran ändern weder dieser Satz noch der häufige Konjunktiv viel. Der Kommentar mit den meisten Interaktionen lautet:

„Das ist so ziemlich das Widerlichste, was ich lesen mußte. Offensichtlich ist die Menschheit nach dem Holocaust kein bisschen zu Verstand gekommen. Mir ist übel.“

Gerade das zeigt, dass die schwache Quellenlage viel deutlicher hätte herausgearbeitet werden müssen. Stattdessen geht die Reportage der Frage nach, ob auch Deutsche unter den Tätern waren, und nennt einen 62-jährigen Mann aus Slowenien, der damals beim US-Geheimdienst gearbeitet habe und genau das bestätigt. Nicht unwahrscheinlich, dass es sich dabei um dieselbe Person handelt, die schon im Film „Sarajevo Safari“ als anonymer Kronzeuge auftaucht. Eine kritische Einordnung seiner Einschätzung findet im Text nicht statt.

4650 Zeugenaussagen – und nur einer will etwas wissen

Nicht alle Personen, die sich zur „Sarajevo-Safari“ äußern, sind anonym. Öffentlich bekannt ist etwa der US-amerikanische Feuerwehrmann und Ex-Marine John Jordan. Er sagte am 22. Februar 2007 vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien aus, er habe mehrfach „tourist shooters“ gesehen. Zugleich sagte er aber auch, keinen von ihnen beim Schießen beobachtet zu haben. Zwischen einzelnen Zeitungsartikeln von 1995 und dem Film „Sarajevo Safari“ von 2022 ist Jordans Aussage die einzige öffentlich dokumentierte Zeugenaussage zu diesem Thema.

Von 4650 Zeug*innen, die in mehr als 24 Jahren vor dem Tribunal befragt wurden, gab also nur ein einziger US-Bürger an, etwas von reichen Ausländern mitbekommen zu haben, die auf die Stadt schossen. Wer unbedingt möchte, kann das als Beleg werten. Man kann es aber auch anders lesen: Wenn sonst niemand unter den vielen Zeug*innen davon berichtete und sich unter mehr als zehn Millionen Seiten Dokumenten nur diese Aussage findet, liegt dann nicht näher, dass sich hier eine Einzelperson irrt?

Auch Gavazzenis Zeugen rudern zurück

Der zweite Zeuge, der mit Gesicht auftritt, ist Aleksandar Ličanin, der behauptet, als Kämpfer auf der Seite der bosnischen Serben in Sarajevo gestanden zu haben. Internationale Aufmerksamkeit bekam seine Aussage durch einen „Times“-Artikel. Ličanin behauptet darin, er habe Aleksandar Vučić in Cafés mit ausländischen Scharfschützen sprechen sehen. Der Artikel erklärt auch, wer Ličanin nach so vielen Jahren dazu gebracht habe, über das mutmaßlich Erlebte zu sprechen: Domagoj Margetić. Er ist es auch, der Ličanin in seinem Werk als einzigen lebenden Zeugen für seine Anschuldigungen gegen Vučić aus dem Hut zaubert.  

Inzwischen haben sich auch zwei der wenigen namentlich genannten Kronzeugen aus Ezio Gavazzenis Buch in einer Recherche des „Balkan Investigative Reporting Network“ (BIRN) zu Wort gemeldet. Der Ex-Geheimdienstler Edin Subašić zweifelt dabei an, dass die im Buch genannten Zahlen über die Scharfschützen und die Geschichte mit den eingefärbten Patronenhülsen stimmen können. Der italienische Diplomat Michael Giffoni wiederum erklärte, Gavazzeni hätte ihn für sein Buch gar nicht kontaktiert, obwohl er als einer der Hauptzeugen präsentiert wird. Zudem sei er falsch zitiert worden. Er äußert grundlegende Zweifel an Gavazzenis Darstellung. Die Investigativjournalisten von BIRN sprachen zudem mit Expert*innen und ehemaligen Militärs, von denen alle angaben, nie irgendwelche belastbaren Informationen über eine „Sarajevo Safari“ erhalten zu haben.

Die Mailänder Staatsanwaltschaft ermittelt

Gegen einen 80-jährigen ehemaligen Lkw-Fahrer aus Norditalien laufen derzeit Ermittlungen im Zusammenhang mit den angeblichen „Sarajevo Safaris“. IMAGO / Independent Photo Agency Int.

Was fairerweise erwähnt werden muss: Im November 2025 gab es tatsächlich Anhaltspunkte dafür, dass Gavazzeni auf etwas Belastbares gestoßen war. Denn die Mailänder Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen gegen vier italienische Staatsbürger auf, nachdem er der Behörde noch vor Veröffentlichung des Buchs seine Ergebnisse übergeben hatte.

Bislang wurde keiner der vier Männer angeklagt oder verurteilt. Namentlich bekannt ist nur ein 80-jähriger früherer Lkw-Fahrer, dem rechtsextreme Ansichten zugeschrieben werden; bei einer Hausdurchsuchung wurde eine Mussolini-Büste gefunden. Sollte er tatsächlich auf bosnisch-serbischer Seite gekämpft haben, wäre er somit wohl eher ein ideologisch motivierter Rechtsextremer als ein gelangweilter Millionär, der sich übers Wochenende zum Töten nach Sarajevo und wieder zurückbringen ließ.

Berichterstattung wird der Quellenlage nicht gerecht

Zum jetzigen Zeitpunkt kann also kaum jemand seriös sagen, ob es reiche Ausländer gab, die in Sarajevo aus purer Mordlust mit dem Scharfschützengewehr unschuldige Zivilist*innen ermordeten – oder gar einen „Sniper-Tourismus“. Was wir sagen können, ist, dass die Quellenlage sehr dünn ist und in weiten Teilen auf der Arbeit eines italienischen Krimiautors, eines kroatischen Verschwörungstheoretikers und einiger, meist anonymer, Zeugenaussagen beruht, von denen viele nicht glaubwürdig sind. Die deutsche Berichterstattung wird diesem Umstand in weiten Teilen nicht gerecht. Stattdessen setzt sie auf den klickträchtigen Effekt eines Grusel-Cocktails aus Empörung und Entsetzen. 

Und während in Redaktionen darüber spekuliert wird, ob auch reiche Personen aus ihrem Land unter den Tätern waren, leben in Bosnien und Herzegowina, Serbien und in der Diaspora weltweit noch immer viele Männer, die sich in Sarajevo schwerer Kriegsverbrechen schuldig gemacht haben und dafür nie zur Rechenschaft gezogen wurden. Nur waren das mehrheitlich keine reichen Westeuropäer, sondern serbische Freiwillige und Soldaten, von denen bislang kein einziger für die Scharfschützenmorde in Sarajevo verurteilt wurde. Für mediale Aufmerksamkeit sorgt dieser Umstand allerdings nicht – im Vergleich zur Erzählung von mordenden Millionären mit Jagdgewehren ist es wohl einfach nicht spektakulär genug.

*Korrekturhinweis, 15.7.26: Wir hatten in dieser Zwischenüberschrift zuerst das Wort „Fehler“ verwendet. Da diese Formulierung aber so nicht im Text vorkommt, haben wir das präzisiert.

12 Kommentare

  1. Guter Artikel, Kompliment.
    (»[..] wer Ličanin nach so vielen Jahren dazu gebracht habe, über das mutmaßlich Erlebte zu sprechen«:
    Ličanin spricht nicht über das mutmaßlich Erlebte, sondern spricht über das angeblich Erlebte. )

  2. Danke für diesen beeindruckenden Beitrag! Auch ich habe die Artikel in Spiegel und Zeit gelesen und als erwiesen verbucht. Das macht skeptisch.
    Gleichzeitig bin ich froh, dass dies anscheinend eine erfundene Räuberpistole ist.

  3. In der FAS war in der Ausgabe vom vom 5.7 auch ein längerer Bericht über den „Hype“ und die sehr dünne „Faktenlage“ ohne allerdings darauf hinzuweisen, daß in der FAS im Dezember 25 auch ein sehr eindringlicher Artikel im Feuilleton erschienen ist, der bei mir ebenfalls dazu geführt hat, daß ganze für mehr oder weniger bewiesen zu halten. Interessant das nun ein halbes Jahr später, daß ganze eine andere Wendung nimmt.

  4. Danke für diesen Artikel und die Recherche. Ich habe die Geschichte damals im Spiegel gesehen und aus Ekel gar nicht erst gelesen.

    Schade, dass die deutsche Presse nichts aus dem Relotius-Skandal gelernt hat. Geschichten, die sich zu gut anhören, sind halt manchmal einfach Fiktion. Dieses mal von einem wirklichen Krimiautor. Und der Spiegel ist wieder vorne mit dabei.
    („True“) Crime klickt seit Jahren gut, genau wie Fiktion. Mischungen sollten gekennzeichnet werden.

  5. Erst mal vielen Dank, Krsto Lazarević, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, den ganzen Schrott durchzuwühlen.

    Diese Meldungen hatte ich damals so halb aufgeschnappt. Nicht weiter beachtet, weil ich schon lange den durch die Methode der zunehmenden Vergangenheit entstandenen Geschichten gegenüber misstrauisch bin. Wenn wirklich was dran ist, werden wir das schon erfahren.

    Insoweit steht man jedesmal ratlos vor der Frage, warum diese Gschichtn ausn Paulanergarten die Meute in ihren Bann ziehen.
    Aber vielleicht ist es auch umgekehrt. Vielleicht giert der Zeitgeist danach. Und dem folgen dann die Nachrichten und Reportagen. Wäre ja nicht das erste mal.

  6. Danke für die gute Recherche. Ich hab die Spiegel- und FAZ-Artikel gelesen, konnte sie zunächst nicht glauben, dachte mir aber „wenn so viele so konkret schreiben muss da wohl was dran sein“.

    Was ich besonders traurig finde: Diese Fakestory erhält so viel Aufmerksamkeit, was aber nachweislich jetzt gerade, seit drei Jahren in der Ukraine passiert, das interessiert kaum. Seit drei Jahren werden gezielt Zivilisten von Drohnenpiloten in Cherson gejagt, mittlerweile auch in anderen Frontstädten. Letztes Jahr gab es in Cherson alleine mehr als dreimal so viele Opfer, wie durch die angebliche Safari im Bosnienkrieg. Die bei Russen mit Belustigung „Human Safari“ genannt Taktik zielt darauf ab Drohnenpiloten an Zivilisten zu trainieren, bevor man sie gegen Soldaten loslässt. Und das ist kein Geheimnis, Telegram, VKontakte sind voll mit Videos, wo sich über die „ukrainischen Nazis“ lustig gemacht wird.
    Deutsche Medien bringen seit knapp zwei Jahren immer mal wieder vereinzelt kurze Beiträge raus, aber nichts im Ansatz, wie bei Sarajevo. Das empfinde ich, als das größte Versagen. Lieber die krass klingende erlogene Story nutzen, anstatt die min. genauso grausame Realität.

  7. 2014 war ich in Sarajevo – auf Besuch.
    Dort lernte ich einen Mann kennen – einen Bosniaken, der den Krieg in Sarajevo verbrachte. Er erzählte vom Alltag damals und davon, dass Serben am Wochenende an die Front der eingeschlossenen Stadt kamen und Jagd auf Zivilisten gemacht haben.
    Mit anderen Worten: ich schliesse das nicht aus, dass so etwas stattgefunden hat. Im Gegenteil. Dem inhärenten serbischen Nationalismus traue ich solche Ereignisse zu. Anscheinend lässt sich das investigativjournalistisch nach mehr als 30 Jahren nicht mehr gerichtsfest belegen.

  8. @9: Dass Serben (auch aus der Diaspora) teilweise übers Wochenende an die Front nach Sarajevo fuhren, ist tatsächlich bekannt – und steht auch so in unserem Text. Auch, dass dort Scharfschützen auf Zivilisten schossen.

    Die kursierende Story von den „Sarajevo-Safaris“ erzählt aber etwas anderes: Nämlich, dass „reiche Westeuropäer“, gewissermaßen aus dekadenter Mordlust, viel Geld dafür bezahlt hätten, um dort auf Zivilisten zu schießen.

    Aber auch hier gilt: Unser Autor behauptet nicht, dass so etwas auf keinen Fall stattgefunden haben könnte. Er kritisiert vielmehr, wie wenig Medien in ihrer Berichterstattung der nicht existenten Beleglage gerecht werden.

    Beste Grüße aus der Redaktion

  9. Ich schließe mich dem Dank der vorangehenden Kommentare an. Auch bei mir konnte ich diesen „klickträchtigen Effekt eines Grusel-Cocktails aus Empörung und Entsetzen“ deutlich feststellen.
    Grundsätzlich: Das Elend und die Grausamkeit ist ja so allgegenwärtig, dass man als Medienkonsument oft genug unwillkürlich dazu übergeht, alles für irgendwie virtuell zu halten. Für die eigene psychosoziale Gesundheit vielleicht notwendig, trotzdem natürlich schlecht. Umso problematischer, wenn auch etablierte und seriöse Medien das auf solch unprofessionelle Weise befördern. Für mich ist Übermedien eine unverzichtbare Ergänzung zum täglichen Mediengeschehen geworden.

  10. Ähnlich wie bei anderen Kommentaren erging es mir, als ich die Story im Spiegel las und weitgehend glaubte. Ich hatte kurz zuvor den Roman von Gaea Schoeters „Trophäe“ gelesen, wo es auch um eine Safari-Menschenjagd (eines reichen Amerikaners) in Afrika geht. Die Autorin hat die Geschichte konstruiert und erklärt, dass die Sache mit der Menschenjagd erfunden ist, aus ihrer Sicht aber in die postkoloniale Szenerie des Roman-Settings passt. Daran merkt man, wie Medienkonsum (Roman + Spiegel) manchmal vertrackt zusammenwirken können und ein Bild entsteht, das man selbst nicht mehr kontrolliert.

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