Sexualisierte Gewalt ist keine Foto-Lovestory
Irgendjemand in der Redaktion der „Stuttgarter Zeitung“ hielt das offenbar für eine gute Idee: einen Artikel über Substanzen, mit denen Frauen beim Feiern willenlos gemacht werden, mit dem Foto einer fast nackten Frau zu illustrieren, die auf dem Boden liegt.

Licht, Laser und Nebel sollen wohl an einen Club erinnern. Und die leuchtenden Handabdrücke und Schlieren auf dem Körper der Fr…

Wirklich gruselig, die Beispiele. Dabei muss wirklich nicht alles bebildert werden, und (gestellte) Gewalt schon mal gar nicht. Ich sehe darin auch eine Folge der Symbolfoto-Flut, die in den Nullerjahren ausgebrochen ist. „Da muss noch was hin“, mag ein Motiv sein, oder: „Such mal noch ein Bild, das Template sieht da noch ein Foto vor, sonst sieht der Dreispalter nicht aus“. Und heraus kommen dann die berüchtigten Blaulicht-Fotos oder die wehende Europaflagge — und eben die beschriebenen Entgleisungen. Kein einziges dieser Bilder informiert über irgendetwas, sie sind daher Rauschen und dürften eigentlich in Nachrichten-Medien nichts verloren haben. Und dennoch leistet sich praktisch kein Medien-Medium mehr die Größe, mal nur die Typografie arbeiten zu lassen. Wieviel mehr Wucht hätten wichtige Texte, wenn sie souverän auf der Seite stünden!
@Carsten Witt
Leider unrealistisch. Bei Print ist eine typografische Lösung in Ausnahmen möglich. Bei Online nicht. Texte ohne Bild werden erwiesenermaßen viel weniger geklickt/gelesen. Die Not für „da muss ein Bild hin“ besteht nunmal. Umso wichtiger, dass sich Redaktionen in einer ruhigen Minute darüber beraten, wie man es besser machen kann.
Derjenige, der ein Bild zu dem Thema braucht, ist auch derjenige, der den Artikel sowieso nicht liest, geschweige denn versteht.
Ich habe mich schon oft über Bilder/Darstellungen zu eindeutigen Themen gewundert. Grade bei diesem Thema finde ich es auch kritisch, ob nicht der gegenteilige Effekt auftritt:
Text wird nicht gelesen aber Bild macht aufmerksam und wirkt kontraproduktiv anregend oder auffordernd.
@ Chateaudur
Hab Dank für den Einblick! ich glaube gern, dass „mit Bild“ generell besser klickt als „ohne“. Hinzufügen möchte ich, dass „Klicks“ gar nicht der erstrebenswerte KPI sind. Abschlüsse an der Paywall (nach bewiesenem Wert) zählen und Steigerung des Life-time Value (durch länger anhaltende Mitgliedschaft). Es mag aber auch Argumente dagegen geben — Sichtbarkeit? doch andersrum: braucht das der Spiegel? Mindestens ein A/B-Test über „qualifizierte Bildaussage“ vs. „Stockfoto“ sollte allemal drinsein. Da kommt dein Punkt mit der „ruhigen Minute“ genau richtig.