Vor allem auf Social Media gehören Beleidigungen zum Alltag. Das wollen sich aber insbesondere Politiker immer weniger gefallen lassen und bringen beleidigende Kommentare zur Anzeige. Eine Entwicklung, die laut Strafrechtlerin Elisa Hoven „mittlerweile jedes Maß verloren“ hat.
Als ein Mann aus Unterfranken Robert Habeck als „Schwachkopf“ bezeichnet hatte, stellte dieser einen Strafantrag. Auch ein Schüler, der „Merz leck Eier“ auf ein Demo-Plakat geschrieben hatte, bekam ein Strafverfahren aufgebrummt. Solche Fälle sorgen für Empörung – und für die Frage: Welche Beleidigungen müssen Politiker und auch Bürger eigentlich aushalten? Und wie viel sollte die Justiz da mitreden?
Darüber spricht Elisa Hoven, Professorin für Strafrecht an der Universität Leipzig, mit Holger Klein. Hoven hat drei Jahre lang zu digitalem Hass geforscht und beobachtet, dass die Justiz immer mehr Beleidigungen verfolgt – vor allem die gegen Politiker.
Hoven stellt klar: „Menschen, auch Politiker, müssen sich nicht alles gefallen lassen, sie müssen sich nicht so beschimpfen lassen.“ Sie sagt aber auch, die aktuelle Entwicklung habe „mittlerweile jedes Maß verloren“.
Was würde Hoven an der derzeitigen Gesetzeslage ändern? Wie kann man anders einer Verrohung auf Social Media entgegenwirken? Und warum ist das Thema Meinungsfreiheit zu einem rechtspopulistischen Kampfthema geworden? Darüber sprechen Holger Klein und Elisa Hoven in der neuen Folge „Holger ruft an…“.
Die Gesprächspartnerin
Elisa Hoven ist Professorin für Strafrecht und Medienstrafrecht an der Universität Leipzig und Richterin am Sächsischen Verfassungsgerichtshof. In ihrer Forschung befasst sie sich mit aktuellen kriminalpolitischen Themen wie Fake News, digitalem Hass und Sexualstrafrecht.
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