Mehr über Die Zeit
Lebt Wolfram Weimer in einer anderen Welt? Diese Frage stelle ich mir, seit ich das „Zeit“-Interview mit dem Kulturstaatsminister gelesen habe. Geführt hat es Bernd Ulrich, bei der „Zeit“ Redakteur für besondere Aufgaben.
Er sprach mit Weimer unter anderem über die Frage, warum dieser drei Buchhandlungen von einem staatlichen Preis ausgeschlossen hat, über die Köpfe einer Fachjury hinweg – und über das Thema Kulturkampf. Außerdem ging es um die Landtagswahl in Baden-Württemberg Anfang März.

Bernd Ulrich fragt Weimer dazu:
„Die vergangene Wahl in Baden-Württemberg und die kommende in Rheinland-Pfalz könnten tatsächlich zu einer gewissen Renaissance der politischen Mitte werden, der Kulturkampf zwischen den drei verbliebenen Mitte-Parteien – SPD, Grüne und Union – scheint nicht stattgefunden zu haben. Jedenfalls zunächst. Es scheint Kräfte in den Medien, aber auch in der Union zu geben, die den Frieden mit den Grünen partout nicht wollen. Was entgegnen Sie denen?“
Nur nochmal kurz zur Erinnerung: Die SPD hat 5,5 Prozent in Baden-Württemberg eingefahren. Noch nie gab es bei Landtags- oder Bundestagswahlen ein schlechteres Ergebnis für die Partei. Angesichts dieser Tatsache von einer „Renaissance der politischen Mitte“ zu sprechen, verbuche ich hier einmal als, nun ja, gewagt.
Viel mehr verwirrt hat mich aber die Antwort von Wolfram Weimer: Die Mitte der Gesellschaft könne Autoritarismus und Extremismus substanziell zurückdrängen, wenn sie sich „über die Parteigrenzen hinweg ihrer selbst, ihrer Republik und ihrer Kraft bewusst“ werde. Baden-Württemberg sei ein Beispiel, dass das schon passiere. Weimer wörtlich:
„Jetzt kann man über diese Wahl und die Vergiftungen vieles sagen, aber unterm Strich ist die Linkspartei nicht reingekommen und die AfD auch nicht, von der man noch im Herbst dachte, der Aufschwung geht immer weiter. Die spielt nun einfach gar keine Rolle. Jede AfD-Stimme war und ist eine verlorene Stimme. Das ist das Ergebnis auch dieser Wahl. Und deswegen freue ich mich als Kämpfer gegen den Kulturkampf natürlich über die Entwicklung.“
Hä? Die AfD ist nicht in den Landtag gekommen? Spielt keine Rolle mehr?
Gibt es noch ein zweites Baden-Württemberg, von dem ich nichts weiß? Oder haben sich die Wahlhelfer krass verzählt und die AfD hat in Baden-Württemberg gar nicht 18,8 Prozent erreicht – und damit fast doppelt so viele Stimmen wie bei der vorigen Landtagswahl 2021? Waren die Bilder von jubelnden AfD-Politikern in der „Tagesschau“ vielleicht KI-generiert?
Zur Sicherheit habe ich direkt nochmal nachgeschaut. Ja, die AfD hat mit 18,8 Prozent ihr bisher stärkstes Ergebnis in Baden-Württemberg eingefahren. Ich zweifle in solchen Situationen immer erst mal an mir selbst. Auch, weil ich davon ausgehe, dass das, was in einem großen „Zeit“-Interview steht, in der Regel stimmt. Ich habe diese Stelle mindestens zehnmal gelesen. Aber ich verstehe einfach nicht, wie der Kulturstaatsminister auf so eine Aussage kommt. So ein Interview wird ja in der Regel autorisiert, also vom Interviewpartner nochmal gegengelesen. Wäre die falsche Aussage versehentlich passiert, wäre das doch in irgendeiner Abnahmeschleife aufgefallen.

Ich habe auch nachgefragt beim Autor, ihm geschrieben, dass ich verwirrt bin. Aber weil ich bislang keine Antwort bekommen habe, versuche ich hier einfach mal selbst zu erklären, wie es zu dieser Formulierung kommen konnte.
Erklärung 1: Wolfram Weimer meinte, AfD und Linke haben es nicht in die Regierung geschafft. Ob man es nur in die Opposition schafft oder ganz aus dem Parlament fliegt, macht für ihn keinen Unterschied.
Erklärung 2: Der Kulturstaatsminister hat Probleme damit, die AfD und die FDP auseinanderzuhalten. Denn tatsächlich sind die Liberalen aus dem Landtag in Baden-Württemberg geflogen. Und seit dieser Sendung des „ZDF Magazin Royale“ weiß jedes Kind, wie staatsfeindlich die Liberalen sind.
Erklärung 3: Das Interview wurde gar nicht mit Weimer geführt, sondern mit dem „Weimatar“, dem KI-Avatar von Wolfram Weimer. Wissen Sie noch? Den gibt’s wirklich! Und vielleicht hatten sie den virtuellen Minister falsch gepromptet?!
Erklärung 4: Womöglich ist auch die „Zeit“-KI beim Transkribieren und Kürzen des Gesprächs mit irgendwas durcheinandergekommen…
Erklärung 5: Wolfram Weimer empfängt in seinem Ministerium kein Fernsehen, Internet- und LTE-Verbindung in seinem Büro sind auch mies, und die Zeitungen, die am Montag nach der BaWü-Wahl die Wahlergebnisse vermeldet haben, wurden aus Kostengründen schon vor längerer Zeit gekündigt. Im Dossier, das ihm seine Mitarbeiter zur Wahl in Baden-Württemberg geschrieben haben, ist ein Tippfehler oder ein Kaffeefleck. Ausgerechnet da, wo das Ergebnis der AfD steht. Echt blöd gelaufen.
Erklärung 6: Weimers Mitarbeiter haben nach ihrer Mail an die disqualifizierten Buchhandlungen gleich eine zweite Mail aufgesetzt, in der den gewählten AfD-Landtagsabgeordneten erklärt wurde, dass sie doch nicht in den Landtag dürfen. Weil dem Verfassungsschutz Informationen vorliegen. Ist zwar nicht Weimers Kompetenzbereich, aber egal.
Erklärung 7: Die „Zeit“ will testen, wie schlau ihre Leser sind. Wem als Erstes auffällt, was für einen Quatsch Weimer da erzählt, der gewinnt eine Kreuzfahrt mit Sabine Rückert und Andreas Sentker. (Liebe „Zeit“, Sie können mich hier über den Gewinn benachrichtigen. Ich wollte schon immer mal mit dem Schiff verreisen. Aber wenn’s geht, bitte nicht Richtung Dubai.)
Oder haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, noch eine andere Erklärung? Schreiben Sie mir oder gleich in die Kommentare!
Eine andere Sache treibt mich aber auch um. Denn man könnte bzw. müsste als „Zeit“ in so einem Interview ja auf die Idee kommen, die falsche Aussage zurechtzurücken. Den Staatsminister darauf hinweisen, dass es die AfD sehr wohl mit ziemlich gutem Ergebnis in den Landtag geschafft hat. Oder ihn zumindest fragen, wie er diese Aussage denn genau meint.
Stattdessen geht es weiter mit dieser knallharten Frage:
„Zum Kulturkampf: Auf einer Skala von eins bis zehn, wie sehr freuen Sie sich auf Ihren Auftritt bei der Leipziger Buchmesse?“
Weimers Antwort:
„Fünf.“
Nachtrag, 7.4.2026: Die „Zeit“ hat die Passage im Weimer-Interview mittlerweile korrigiert. Wie es zu der falschen Aussage gekommen ist, die AfD habe es nicht ins Parlament geschafft, erklärt die Zeitung im Korrekturhinweis unter dem Text nicht. Weimers Antwort lautet nun: „Jetzt kann man über diese Wahl und die Vergiftungen vieles sagen, aber unterm Strich ist die Linkspartei nicht reingekommen. Auch der Aufschwung der AfD hielt sich in Grenzen, von dem man dachte, er geht immer weiter. Die spielt nun einfach gar keine Rolle. Jede AfD-Stimme war und ist eine verlorene Stimme.“
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Es gab einige Stimmen der Erleichterung darüber, dass die AfD nicht so stark abgeschnitten habe wie frühere Meinungsumfragen es hätten befürchten lassen. Auch lag sie etwas unter dem Bundestagswahlergebnis in BaWü. Irgendwer schrieb dazu, die Partei sei zuletzt wieder etwas in die Defensive geraten. Vielleicht hat Weimer so etwas aufgeschnappt. Aber angesichts des tatsächlichen Wahlergebnisses ist das schon eine kühne These.
Ok, Deine Interpretationsansätze sind ja wohl eher satirisch gemeint, wobei ich Erklärung 4 gar nicht mal für so unrealistisch halte. Irgendwo im Autorisierungs hin und her, ist das wohlw as schief gelaufen
Aber stimmt die Bezeichnung Minister im ersten Satz? Ist Weimer nicht „nur“ Staatsminister im Bundeskanzleramt?
Ein Minister (Bundesminister) leitet ein eigenes Ministerium und ist Mitglied des Kabinetts. Ein Staatsminister im Bund ist hingegen kein Minister im eigentlichen Sinne, sondern ein Parlamentarischer Staatssekretär mit besonderem Aufgabenbereich, der keinen eigenen Geschäftsbereich führt.
Erklärung 8: Herr Weimer versteht „1984“ nicht als Warnung, sondern als Gebrauchsanweisung. (Auf die Idee ist er natürlich nicht von selbst gekommen, Stichwort: „Flood the zone with shit.“)
@butterchicken (#2):
Ja, das mit dem Titel ist wirklich verwirrend: „Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien“ ist sowohl eine Person (derzeit W. Weimer) als auch eine Oberste Bundesbehörde mit immerhin 470 Mitarbeitern.
Ein „Staatsminister“ ist entweder (in einigen Bundesländern) ein Landesminister, oder – wie Sie ja schon schreiben – ein Parlamentarischer Staatssekretär des Bundes, der auf Vorschlag des Bundeskanzlers diese Bezeichnung tragen darf, ohne dadurch ein Bundesminister zu werden (kein Stimmrecht im Kabinett).
Und um das Chaos perfekt zu machen: Der Kulturstaatsminister trägt diesen Titel ursprünglich, weil er ein Parl. Staatssekretär im Bundeskanzleramt war – was er aber seit 2013 nicht mehr ist. Nun ist er Staatsminister „beim“ Bundeskanzler, von denen es insgesamt drei gibt. Puh.
Zur Sache: Schadenfreude ist die schönste Freude.
#2
Ein Staatsminister ist qua Bezeichnung offenbar ein Minister, niemand hat Weimer als „Bundesminister“ bezeichnet.
@Peter Sievert (#3):
Gleich zwei Maximalvorwürfe:
1. Weimer strebt eine totalitäre Diktatur an.
2. Weimer bedient sich dafür der Methoden von Steve Bannon.
Ich kann Herrn Weimer nicht leiden und bin solidarisch mit den angefeindeten Buchläden (der Buchladen Rote Straße in Gö ist meine alte Stammbuchhandlung, zufälligerweise). Außerdem bin ich ziemlich fassungslos, dass ausgerechnet ein konservativer Kulturstaatsminister bezüglich der DNB einen Angriff auf das gedruckte Buch startet.
Aber: Wäre es nicht sinnvoll, weniger mit Projektionen und steilen Thesen zu arbeiten, und sich stattdessen stärker an der Sache zu orientieren? Diese Dauerwarnung vor dem absolut Bösen hilft m.E. nicht, reale Probleme zu bekämpfen. Sie führt im Gegenteil zu Abstumpfung. Wenn jede Fehlleistung in einem Interview letztlich als Teil einer faschistischen Strategie interpretiert werden kann – was ist dann mit den wirklichen Faschisten? Erscheinen sie nicht harmloser?
(Davon ab halte ich es für ausgeschlossen, dass Weimer strategisch Unkenntnis über die Wahlergebnisse in BaWü vortäuscht, um sich davon irgendeinen propagandistischen Effekt zu erhoffen.)
Also von ihren Erklärungen halte ich die erste für am wahrscheinlichsten.
Die sechste würde mich am meisten freuen;)
Meine Vermutung ist eher eine Mischung aus Desinteresse, Fahrigkeit und Kopfmäßig ist er noch voll bei der Buchhandlungsgeschichte.
@butterchicken @Kritischer Kritiker
Ich habe den Minister im Vorspann jetzt zum Staatsminister gemacht und danke Ihnen, dass Sie so aufmerksam und genau sind!
Träumen wir nicht alle von einem Ländle ohne AfD?
#6
Nun mal nicht so bierernst… Den Ton des Textes kann mal doch auch mal im Kommentar weiterspinnen. Ihr ganzer Absatz geht entsprechend vollständig fehl in der Annahme, wie ich über Weimer denke.
Unpolemisch sei schlicht festgehalten:
Viele Politiker neigen dazu, in Interviews einfach Dinge wider besseres Wissen aus PR-Gründen zu behaupten. Was durchaus verachtenswert ist.
@Peter Sievert (#10):
Alles klar, danke für die Klarstellung. Ich bin zugegebenermaßen dünnhäutig, was solche Sachen betrifft. Kaputter öffentlicher Diskurs und so…
#11
Sehr gerne. Und um da noch etwas Versöhnliches hinzuzufügen:
Mit dem Gedanken bin ich sehr einig, dass man vorsichtig sein sollte mit begrifflichen Zuschreibungen. In vielen Fällen bewirkt dies tatsächlich Abstumpfung und ungewollt auch eine Relativierung der deutschen Massenmörderei im letzten Jahrhundert.
Nächste Frage:
„mich als Kämpfer gegen den Kulturkampf“ – gibt es auch noch einen zweiten Wolfram Weimer, von dem man nichts weiß?
Sorry, aber da muss ich mal einhaken.
Wir erleben einen fast ungebremsten Fall, mit immer neuen Wellen der „Sagbarmachung“ des zuvor Unsagbaren — global eine Renaissance des Autoritarismus, musikalisch unterlegt vom atonalen Gemurmel: „Das kann man doch nicht vergleichen, das verharmlost doch den echten Schrecken!“
Wir beharren so lange auf der Unvergleichbarkeit mit dem Faschismus, bis wir die Unvergleichbarkeit endgültig entsorgt haben werden.
Halte ich Weimer für einen Faschisten? Vielleicht eher für einen Wasserträger. Was er aber ist, ist ein Kulturkrieger par excellence.
Und dieser Kulturkrieg ist ein essentieller Baustein des rechtsextremen Gesellschaftsumbaus.
Zu dem Thema empfehle ich auch dieses tolle Interview mit Eva von Redecker:
„Dieser Drang nach Härte – taz Talk meets Buchmesse Leipzig“
Die wenigsten Deutschen in der Weimarer Republik waren Faschist:innen, so wie wir sie heute vom Ende her beschreiben würden.
Eine Vergleichbarkeit mit der Gegenwart zu leugnen hat etwas Lemminghaftes.
Sorry, der Link zum Interview fehlte:
https://www.youtube.com/watch?v=WiPIygZ8-FI
Für mich ist Frau von Redecker, zumal nach dem Tode Hambermas‘, unangefochten die maßgebliche Stimme der Philosophie in diesem Land.
Trotz der traurigen Ursache (AFD im Landtag mit Stimmengewinnen) hat dieser Artikel mich zum Schmunzeln gebracht (viele Gründe gibt es ja nicht mehr zum Lachen). Aber er ist einfach köstlich gesxhrieben!
Selbstpositionierung durch Empörung ist nicht so mein Ding. Sich an Wolfram Weimer abzuarbeiten ist eine der leichteren Übungen für Journalist*innen: Er lieferte genügend hanebüchenen Stoff, und des Beifalls aus der nicht-rechten Kulturszene (also von fast allen) kann man sich sicher sein.
Mein Einwand: WW ist als ernstzunehmender Debattierer oder kulturpolitischer Akteur schon so tot, dass jede immer-noch-mehr-kritische Beschäftigung mit ihm auf mich schon wie das Abgreifen von „low hanging fruits“ wirkt, oder wie Leichenfledderei.
Über das (Un-)vermögen von WW sind wir uns alle einig, glaube ich. Da neuer Erkenntnisgewinn dazu nicht mehr zu erwarten ist könnten wir / könntet Ihr es ja auch mal gut sein lassen.
@17: Da Herr Weimer ja umfangreiche Konsequenzen aus seinen Handlungen gezogen hat … Moment …
Im Rahmen meiner Recherche zu diesem Kommentar stolperte ich hierüber und musste laut lachen:
https://www.schwaebische.de/politik/die-fakten-sind-eindeutig-warum-regt-sich-kaum-wer-auf-4110387
„Dass ausgerechnet die (AFD-nahe Medien, wie Apollo News) nun trotzdem so hart mit ihm ins Gericht gehen, zeigt vor allem eins: dass sie – anders als andere – unvoreingenommen ihren Job machen.“
Humor können se.
@17
Wow, diese Einstellung finde ich zutiefst deprimierend und traurig.
Da jetzt alle wissen dass er unfähig ist soll man ihn nun in Ruhe lassen. Ein Freifahrtschein für alle Unfähigen und Böswilligen ist das dann.
Lasst sie doch unsere Demokratie aushöhlen und kaputt machen.
@Anderer Max:
Das muss man ihnen lassen, den Rechten:
Mit der Korruption kennen sie sich aus.
Der Guru in den USA derweil:
„Unbekannte setzen 580 Millionen Dollar auf Ölwetten – Minuten vor Trumps Post“
[SPON]
@ Frank Gemein: Mit 580 Millionen kann ich nur ca. einen halben Tag den Iran bombardieren. Das lohnt doch kaum. /s
Echte Patrioten verlangen einfach das 345-fache vom Senat – Zusätzlich zum normalen Verteidigungsbudget, das bereits dem 1.552-fachen der Ölwetten-Summe entspricht.
Das bisschen Insiderhandel …
Bitte nicht so pessimistisch.
Für den Fall, dass die Wähler nicht aufhören falsch zu wählen, drohen die sog. „demokratischen Parteien“ doch schon jahrelang mit Konsequenzen.
Dann werden die nämlich nicht mehr Politik gegen Deutschland und gegen die Deutschen zu machen, sondern, bitte festhalten!, für Deutschland und für die Deutschen.
Das war es dann für die Schwefelpartei.
Bitte noch etwas Geduld.
@14, Frank Gemein:
Der empfohlene Talk ist wirklich gut, ich verlinke ihn einfach mal direkt:
https://www.youtube.com/watch?v=WiPIygZ8-FI
Die Idee des Phantombesitzes ist in der Tat ein sehr interessantes Konzept!
#14 (Nicht) Vergleichen und (nicht) gleich setzen sind ja nun aber zwei paar Schuhe. Davon abgesehen: Für meinen Teil – und ich denke, da ist KK nicht anderer Meinung – bin ich natürlich über aktuelle Entwicklungen auch sehr besorgt.
Möchte dann vielleicht einige Gedanken dazu noch einmal erläutern:
1) Als deutscher Staatsbürger jemanden als „Nazi“ zu bezeichnen, externalisiert den mir gebührende historische Schuld weg auf die Bezeichneten, sozusagen als deren geistige Nachfolger während ich mich auf die gute Seite der Geschichte schlage. Die historische Schuld gebührt aber uns allen, ich gehöre zu den Nachfahren der Nazis.
2) (Selbst eine begründete) Prognose in die Zukunft ist keine abgeschlossene Tat. Auf der Konferenz in Potsdam mag über Deportation, Remigration, usw. usf. geredet worden sein, die Teilnehmenden haben meine allerhöchste Verachtung. Aber sie sind keine Massenmörder und haben keinen Weltkrieg entfacht. Sie als „Nazis“ zu bezeichnen relativiert aus meiner Sicht dadurch diese Taten. (Siehe 1) , als Deutscher sollte man umso vorsichtiger damit sein.)
3) Es ist meines Erachtens viel wichtiger, offensiv aktiv FÜR Menschlichkeit, Nächstenliebe, Rechtsstaat, Bürokratie, Intellektualismus, Kosmopolitimus, Multikulti, Völkerverständigung, Emanzipation und viele weitere erstrebenswerte Dinge einzutreten als deren Gegner Label anzuhängen und einfach gegen die zu sein, die gegen alles sind. Ein passender Vergleich(?): Um die Opfer kümmern statt um die Täter.
4) In Anlehnung an 3) Es ist zumindest ermüdend, den strategischen Umgang mit den Ewiggestrigen zu diskutieren und stellt diese auf ein (Aufmerksamkeits)-Podest, das sie nicht verdient haben.
@Peter Sievert:
Auf der gesamten Seite wurde der Begriff „Nazi“ bis eben exakt drei Mal gebraucht.
Alle drei Male in Ihrem Kommentar.
In meiner Kindheit und Jugend galt noch das geflügelte Wort „Wehret den Anfängen“. Mit der aufkommenden Appeasement-Welle ist es vollständig verschwunden. Es ging um den Faschismusbegriff, und da ist es eben so, dass man Menschen nicht allein an ihren Taten, sondern eben auch schon an ihren Worten als Faschisten erkennen kann.
Fromm, Arendt, Adorno und wie sie alle hießen, haben den autoritären Charakter doch nicht aus Langeweile untersucht.
Es ist diese fatale Neigung, das Dritte Reich erzählerisch zu einem Alien-Überfall zu verfremden, bei dem hinterher angeblich niemand wusste, woher die Täter eigentlich kamen.
Und auch heute wird Antisemitismus gern den Migrant:innen zugeschrieben, während man so tut, als sei der deutsche Mann zu sexueller Gewalt gegen Frauen grundsätzlich unfähig. Höchstens vielleicht bei den Linken oder den Queeren, versteht sich.
Frau von Redecker hat mit der These vom „Phantombesitz“ ein bestechendes Erklärmodell geliefert, gerade auch für die Gegenwart, in der die Ungleichverteilung des Reichtums absurde Dimensionen angenommen hat. Der Phantombesitz an der Nation, an den Frauen, ja selbst an den Ausländer:innen, aus dem man ein Gefühl der Überlegenheit bezieht, ist das Surrogat für die Verluste auf der ganzen Linie.
@24
Es war ja auch nicht auf diese Kommentarspalte gemünzt. Es kommt aber oft genug vor.
Dass eine absolute Singulasierung des Nationalsozialismus die Gefahr birgt, dass wiederum als Alienüberfall/Naturkatastrophe zu externalisieren, da stimme ich ja völlig zu.
Trotzdem: Eine inflationäre Verwendung und Zuschreibung birgt auf der anderen Seite die Gefahr der Bagatellisierung.
Und in Deutschland ist Faschismus nicht von Nationalsozialismus zu trennen. Also insbesondere der Anwurf „Faschist“ vs. „Nazi“, auch weil das ja selten im Rahmen einer wissenschaftlichen Abhandlung geschieht.
Glauben Sie übrigens indes wirklich, dass es in der breiten Bevölkerung in Ihrer Jugendzeit weniger Ressentiments gegenüber Ausländern oder autoritäre Neigungen gab? Und ein Appartement irgendeiner Art dazu geführt hätte, das diese zurück kamen? Habe da so meine Zweifel.
In meiner Jugend jedenfalls gab es sehr viele offen Rechtsradikale in den Baseballschlägerjahren, die man zum beträchtlichen Teil tatsächlich auch wegen ihrer Taten ganz nicht-inflationär Nazis nennen konnte.
Es ist besorgniserregend, dass dies zum Teil wieder ins Stadtbild zurück kommt, aber Verhältnisse wie in den 90ern sind es noch nicht wieder bei uns.
Zum Schluss : Ich weiß nicht ob Sie es so meinten, aber zwischen den Zeilen klingt das so, als würde ich mich mitschuldig machen als Teil des „Appeasement“, dass in Deutschland der Faschismus/Autoritarismus am Erstarken ist. Da fühle ich mich persönlich ganz ehrlich etwas gepiekst:
Als Lehrer/in in der nordostdeutschen Provinz kämpft man täglich gegen diese Scheiße im Kopf an. Da brauchts keine Belehrung über Arndt und Adorno.
Mittlerweile wurde das Interview angepasst. Wäre natürlich trotzdem spannend, wie es „fälschlicherweise“ (Zitat Korrekturhinweis) zu dieser Aussage kam.