Interview mit Tristan Horx über Männer

Ausgerechnet bei digitaler Gewalt folgt die „Zeit“ dem Trend, einen „Trendforscher“ zu befragen

Was hat „maskuliner Gebärneid“ mit digitaler Gewalt zu tun? Über ein abstruses „Zeit“-Interview zur aktuellen Debatte um Collien Fernandes mit dem „Trendforscher“ Tristan Horx, Fachmann für Zukunft und damit für fast alles.

Das Thema Collien Fernandes ist gerade überall, auch in der „Zeit“. In der aktuellen Ausgabe stehen gleich vier Artikel dazu: Ein Leitartikel der stellvertretenden Chefredakteurin direkt auf der Titelseite. Ein Interview mit CDU-Frauenministerin Karin Prien über sexualisierte Gewalt im Politik-Teil. Ein persönlicher Bericht der Schauspielerin Sibel Kekilli über ihre eigenen Erfahrungen mit Schmähungen und Gewalt im Netz.

„Und nun zu den Männern“ heißt es schließlich weiter hinten im Feuilleton. Mit dem Satz ist das vierte Stück, ein Interview, überschrieben. Hier soll es jetzt um die Jungs und jungen Männer von heute gehen, damit die nicht die Täter von morgen werden. Ein wichtiges Thema, eine relevante Perspektive. Das Interview führt die Autorin Shila R. Behjat, Mutter von zwei Söhnen, die selbst ein Buch über „Söhne großziehen als Feministin“ geschrieben hat.

Feuilleton-Seite in der „Zeit“: „Und nun zu den Männern“
Feuilleton-Interview mit Tristan Horx vom 26. März 2026Ausriss: Die Zeit

Expertise vom „Sprachrohr der Generation Y“

Lebenspraxis trifft Expertise, so wohl die Idee des Gesprächs. Ein Pädagoge könnte sicherlich gute Erkenntnisse liefern, auch eine Erziehungswissenschaftlerin oder Bildungsforscherin. Wenn es um „die Jugend von heute“ und ihre generellen Einstellungen zu Leben und Politik gehen soll, käme auch ein Soziologe infrage, alternativ eine Politikwissenschaftlerin. Jungs werden derzeit ja von vielen Seiten beforscht.

Aber halt, wir sind nicht im Wissensressort, sondern im Feuilleton. Und das hat lieber einen „Trendforscher“ eingeladen: Tristan Horx.

Auf seiner Webseite nennt der 32-Jährige sich selbst einen „Millenial“, sieht sich laut SWR als „Sprachrohr der Generation Y“. Unter dem Motto „Make the future great again“ beschäftigt er sich mit dem Großthema Zukunft und ist damit dauerpräsent in deutschen und österreichischen Medien. Auf seinem LinkedIn-Profil beschreibt er sich selbst als „unglaublich lustig“. Zu hören, zu sehen und zu lesen war er in letzter Zeit im WDR, SWR und Deutschlandfunk, bei „Bild“ und „Freundin“, aber auch im „Journalist“, dem Magazin des Deutschen Journalistenverbandes.

Spross einer Zukunftsforscher-Dynastie

Seine Bekanntheit beruht vor allem darauf, dass er quasi einer „Zukunftsforscher“-Dynastie entstammt. Schon seine Eltern sind mit Trendforschung erfolgreich gewesen, jetzt tritt die gesamte Familie Horx mit ihren zwei Söhnen als Zukunftsforscherfamilie auf; ihr neuer Thinktank heißt „The Future:Project“. Das „Handelsblatt“ hat das schillernd-clevere Geschäftsmodell ausführlich beschrieben.

Praktischerweise umfasst das Themenfeld Zukunft alles, was es morgen noch geben wird, und deswegen ist Tristan Horx thematisch flexibel. In Medien äußert er sich zu Mobilität, KI, Tourismus und sozialen Medien, Kinderbetreuung, Longevity, Ernährung, und New Work. Zu keinem dieser Themen hat er selbst an einer Hochschule oder einem Forschungsinstitut geforscht, denn nach seinem Bachelor-Studium der Kultur- und Sozialanthropologie ist er direkt ins Familienbusiness eingestiegen. Außerdem hat er mehrere Bücher geschrieben, steht auf seiner Webseite, darunter auch einen Titel namens „Die Zukunft der Männer“ – womit wir wieder beim Interview in der „Zeit“ wären. 

Autor eines noch nicht veröffentlichten Buches über Männer

Über sein Männer-Buch sind nirgendwo weitere Infos zu finden, was daran liegt, dass es das, anders als auf der Webseite behauptet, noch gar nicht gibt. Das Buch sei seit rund drei Wochen fertiggeschrieben und lektoriert, erklärt er die Angabe auf Anfrage von Übermedien, der Verlag Reclam habe aber den Erscheinungstermin noch einmal auf den Herbst verschoben. 

Das ist nun also die „Expertise“, der die „Zeit“ eine Plattform geben möchte, bei allen möglichen Gesprächspartnern rund um die Riesenthemen Geschlecht, Gender, Gleichberechtigung. Und ja, leider erfüllt das Interview dann auch alle Befürchtungen: Es ist ein Sammelsurium aus Banalem, Allgemeinem, Merkwürdigem – und lädt geradezu dazu ein, in alle Richtungen missverstanden zu werden, weil alles Mögliche angerissen und kaum etwas vertieft wird.

Über Männlichkeit, Muskelkraft und Überflieger-Frauen

Das Gespräch dreht sich um die Männer der Generationen Z und Alpha, also alle, die nach 1995 geboren sind. Horx zufolge hören diese Jungs ständig, dass sie privilegiert seien, würden das im Alltag aber nicht so wahrnehmen und seien deswegen offen für Verschwörungserzählungen und rechte Ideologien.

Diese frustrierten jungen Männer lebten demnach in einer Welt, in der Muskelkraft ausgedient hat. Sie würden ständig ignoriert oder zum Problem erklärt, „typische Männlichkeit“ werde pathologisiert und, davon geht Horx aus, „Männer unter sich“ würden als etwas „Gefährliches“ wahrgenommen. Eigenschaften wie Empathie würden zwar gesellschaftlich gefordert, aber „nicht immer belohnt“, und die Gräben zwischen den Geschlechtern würden immer größer.

Für Feministinnen klingt seine Vision in Teilen paradiesisch: Horx beobachtet einen „Reverse Gender-Pay-Gap“, weil Berufseinsteigerinnen in westlichen Industrienationen inzwischen finanziell besser dastünden als Berufseinsteiger. In Zukunft würden Frauen auch in Führungspositionen im Schnitt mehr verdienen als Männer, weil sie die besseren Abschlüsse mitbrächten, und außerdem all die kommunikativen Kompetenzen, die man im KI-Arbeitsmarkt der Zukunft braucht.

Viele Behauptungen, wenige Quellen

Klar seien Frauen in unserer Gesellschaft weiterhin strukturell benachteiligt, sagt Horx. Aber davon bekämen junge Männer im Alltag eben nichts mit. Eine konkrete Idee hat er deswegen auch gleich mitgebracht: 

„Wenn junge Männer nur etwa 10 Prozent der Wählerschaft ausmachen, müsste ihre Stimme eigentlich stärker gewichtet werden – vielleicht doppelt oder anderthalbfach –, damit sie politisch überhaupt ins Gewicht fallen. Das ist natürlich nicht ernst gemeint. Aber es zeigt das Grundproblem: Politik orientiert sich an Mehrheiten.“

Willkommen in der Welt der Minderheiten. Abgesehen davon, dass natürlich auch junge Frauen in der Wählerschaft eine Minderheit darstellen.

Horx Behauptungen sind extrem holzschnittartig, weil sich weder so riesige Gruppen wie Männer und Frauen, geschweige denn ganze Generationen in einen Topf werfen lassen. Völlig offen bleibt in dem Text auch, woher der „Trendforscher“ seine Thesen nimmt, ob er sich auf Studien bezieht oder sie mit Belegen untermauern kann.

„Maskuliner Gebärneid“ bei Männern?

Einmal geht es zum Beispiel um den netten, kooperativen, etwas stillen Sohn der Interviewerin. So ein Verhalten werde bei der Partnerwahl junger Frauen „nicht belohnt“, sagt Horx. Heißt das, Frauen mögen keine netten Männer?

An einer anderen Stelle geht es um Männer und digitale Gewalt:

„Behjat: (…) 98 Prozent der Deepfakes sind pornografisch, und die Technologie wird vor allem von Männern gemacht, sie stellen 74 Prozent der Menschen, die in der KI-Branche arbeiten. Dort, wo Männer am Drücker sind, schaden sie Frauen.

Horx: Dazu habe ich einen neuen Begriff gelernt. Das ist der maskuline Gebärneid: Weil sie nicht selbst Kinder bekommen können, leben Männer den Neid vor allem in der virtuellen Welt aus.“

Jetzt habe ich erst recht Fragen. Weil Männer keine Kinder bekommen können, verwirklichen sie ihre schöpferische Ader in demütigenden KI-Pornos? Eine Internetsuche nach „maskulinem Gebärneid“ fördert hauptsächlich uralte Artikel zutage, in der aktuellen Debatte scheint das Konzept keine Rolle zu spielen.

Horx verweist auf „Scherz am Rande“

Zum Glück kann ich Tristan Horx in einem Gespräch selbst fragen. Ihm sei es bei dem Gebärneid eher um den Fetisch der Tech-Größen gegangen, den Homo Sapiens nachzubauen, erklärt er. Der Satz sei aber auch eher ein „Scherz am Rande“ gewesen. Ihm habe der Begriff gefallen: „Da weiß man einfach, was gemeint ist.“

Gefragt nach seiner Expertise, verweist er darauf, zehn Jahre lang im damaligen Thinktank seiner Eltern, dem „Zukunftsinstitut“, an Trend-Studien mitgewirkt zu haben. Außerdem sei er an zwei Hochschulen als Dozent tätig und sitze bei der Commerzbank im Nachhaltigkeitsbeirat. Seine Thesen über junge Männer bezeichnet er als „Erklärungsversuche“, er arbeite „holistisch“, wolle „rauskommen aus dem klassischen Silo-Denken“ und mache als Trendforscher eher die weichen Themen. 

Das äußert sich auch darin, dass er in dem Gespräch viele Thesen über die Gesellschaft im Allgemeinen und Männer im Besonderen ausführt, aber auch auf Nachfrage nur wenige konkrete Zahlen und Quellen nennt. Nach dem Gespräch schickt er eine PDF mit zusammenkopierten Grafiken. Die belegen unter anderem, dass in Großbritannien bei Vollzeitangestellten zwischen 16 und 24 Jahren die Frauen seit ein paar Jahren tatsächlich mehr verdienen als die Männer – ein kleiner Reverse Gender-Pay-Gap. Dass nette, stille Männer bei Frauen weniger Chancen haben, belegt er mit einer Studie über die Bedeutung von Bildungsabschlüssen beim Online-Dating und einem Artikel, in dem zumindest erwähnt wird, dass Frauen in Industrienationen womöglich Männer mit „maskulinen Gesichtszügen“ bevorzugen. Zum Konzept des „Gebärneids“ schickt er einen Link zu einem Buch, in dem der Begriff selbst aber gar nicht vorkomme, wie er direkt dazuschreibt.

Es hätte ein gutes Gespräch werden können

Nun ist ein „Zeit“-Gespräch keine Doktorarbeit, in der hinter jeder Behauptung eine Literaturangabe stehen muss. Und natürlich dürfen und sollen sich in Interviews auch Menschen zu aktuellen Themen äußern, die darüber keine wissenschaftliche Abhandlung verfasst haben. (Ein Interview mit einem Jugendforscher gab es ohnehin schon in derselben „Zeit“-Ausgabe, über die Trendstudie „Jugend in Deutschland“.)

Horx sieht sich selbst als durchaus naheliegende Wahl für ein „Zeit“-Interview, als linker junger Mann und als „Brücke zwischen den jungen abgehängten Männern und den Boomern, die die Privileg-Welt geschaffen und genossen haben“. Die Situation der jungen Männer von heute treibt ihn um, er bekomme „bei dem ganzen Incel-Schrott Bauchweh“, sagt er, und: „Ich hätte einer von denen sein können, wenn ich ein bisschen später geboren worden wäre.“

Vielleicht wäre das tatsächlich ein gutes „Zeit“-Gespräch geworden: Ein einigermaßen junger Mann und eine Mutter sprechen darüber, wie Männer von morgen heutzutage aufwachsen – allerdings ohne Anspruch auf Verallgemeinerung, mehr mit Beispielen aus dem persönlichen Erleben. 

Dass laut Vorspann ein „Trendforscher“ „befragt“ wird, hatte für mich tatsächlich wissenschaftliche Substanz suggeriert, aber vielleicht war das Gespräch gar nicht als Experteninterview gedacht. Dafür spricht auch, dass der Artikel fast keine Hintergrundinfos zu Tristan Horx und seinem Fachwissen liefert. Vielleicht ging es mehr um einen Dialog, immerhin stehen in der Print-Ausgabe zwei große Porträtfotos der beiden Gesprächspartner prominent auf der Seite. Als Experte war Tristan Horx dann vielleicht gar nicht eingeladen.

19 Kommentare

  1. Zukunftsforscher sind die Pausenclowns des High Tech Zeitalters. Und so sollte man ihre Vorträge verstehen.
    Sie agieren ein wenig neben der Spur, wie das von Clowns und Hofnarren erwartet wird. Natürlich nicht zu daneben, das könnte leicht zum Liebes-, respektive Auftragsentzug führen.

    Erinnerts Ihr Euch an diese Corona? Besonders den Anfang?
    Ja genau, im Januar und Februar 2020 erzeugte Corona noch eine leichte Erkältung. Und die eine Corona-Gefahr sahen, die waren dumm. Oder Nazis. Oder dumme Nazis.

    Das war die Zeit, als das überhauptnichtstaatlichfinanzierte Intelligenzportal Volksverpetzer den heimlichen Grund aufdeckte, warum die Rechten uns Angst vor dem Corona-Virus machen wollen.

    Das war die Zeit, als Stephanie Probst von BR quer herausgefunden hat:
    „Das Corona-Virus ist mutiert. Und zwar von einem Virus zu einen psychologischen Massenphänomen … Die ersten laufen sogar schon mit einem Mundschutz durch die Städte“.

    Das war die Zeit, als wir von Zukunftsforscher Horx d.Ä. hörten, dass das Corona-Dings eine „Hirninfektion“ ist, von der die Überängstlichen befallen sind (im Beitrag ab 0:54).
    https://x.com/heutejournal/status/1222988818284007424

    Habe ich schon mal erwähnt, dass Zukunftsforscher die Pausenclowns des High Tech Zeitalters sind?

  2. Hoppla.
    Alleine die Wahl des Sohnes eines sich als Zukunftsforscher (meines Wissens ist das eine Bezeichnung, die irgendwie Eingang in die Expertenrunden gefunden hat, wie Heilpraktiker ins Gesundheitwesen), titulierenden Typs zu befragen, zeugt von einer Naivität, die jener gleicht, die Frau Dr. – ihres Zeichens Gattin des Herren mit absolviertem Medizinstudiums) zu fragen, was man denn gegen Orangenhaut machen könne.

  3. @ #1
    Ich erinnere mich besonders daran, daß eine AfD in ihrem Online-Shop Mund-Nasen-Masken verkauft und zu Beginn von Corona gerufen hat: „Deutschland steht vor einer Katastrophe“ und „Shutdown jetzt!“ (beide Zitate von E. Meuthen) – und vor einer „Infektion“, mit der „also nicht zu spaßen“ sei, gewarnt hat, bei der „Vorsorge und Schutz (…) dringend geboten“ seien. (Screenshots vorhanden)

  4. @DWB
    Ganz am Anfang war halt „der Mainstream“ noch im – ist ja alles nicht so schlimm Modus. Da muss man natürlich dagegen sein. Denn das ist ja das einzige das sie können – dagegen sein.

  5. Hab das mal exemplarisch für den „angeklagen“ Volksverpetzer nachgeschaut. Also mit einem kleinen Trick über die direkte URL kann man das Archiv dort auch relativ direkt ansteuern:
    https://www.volksverpetzer.de/page/461/?et_blog

    Da findet sich genau ein Artikel unter sehr vielen von dem einem Autor, in dem er Panikmache und Angstschüren als typische Masche von Rechts-Populisten, insb. AFD darstellt. Hier der genaue Artikel:
    https://www.volksverpetzer.de/aktuelles/rechte-panik-corona-virus/
    Wie man dort sieht, hat er 3 bereits Monate später eingesehen, wie schlecht der Artikel in der kurzen Zeit gealtert ist.

    #4 Meine Erinnerung insgesamt ist aber, dass Ende Januar/ Anfang Feb 2022 Sorge, Relativierung, Überschätzung, Unterschätzung des Corona-Virus insgesamt sehr, sehr unterschiedlich waren und für mich persönlich die Kernwahrheit: „Man es zum jetzigen Zeitpunkt schlicht noch nicht wissen, alles von ‚praktisch irrelevant für uns, weil es eingedämmt würde vor Ort,‘ bis ‚absolut tödliche Pandemie‘ ist möglich.“
    Insbesondere scheinen mir die drei obigen Beispiele in #1 nicht repräsentativ zu sein, sonst hätten wir logischerweise zu dem Zeitpunkt auch noch gar nichts davon gewusst, wenn der „Mainstream“ es nicht für zumindest potentiell gefährlich genug gehalten hätte, um ausführlich darüber zu berichten.

    Um da aber die Autoren zu entlasten, die im Januar 2020 (scheinbar) so falsch lagen: In Deutschland selbst mit Mundschutz herum zu laufen, war bei der verschwindend geringen faktischen Inzidenz zu dem Zeitpunkt medizinisch tatsächlich nicht geboten, auch im Nachhinein nicht und schon gar nicht im Freien. Einen Monat später ging es dann tatsächlich los… und die Mainstream-Medien lernten schnell.

    Datum Infektionen Gesamt Neu- infektionen Tag
    24. Feb. 2020 16 —
    25. Feb. 2020 18 2
    26. Feb. 2020 21 3
    27. Feb. 2020 26 5
    28. Feb. 2020 53 27
    29. Feb. 2020 66 13
    1. März 2020 117 51

    Ansonsten: Also ich vertreibe mir meine Pausenzeit nie mit Zukunftsforschern. Ich vermute ganz egozentrisch, da sehr typisch zu sein, und dass entsprechend praktisch niemand sich in seiner Pausenzeit von Zukunftsforscher belustigen lässt. Von daher: Auch trotz doppelter Erwähnung möchte ich die These, dass Zukunftsforscher die Pausenclowns des High-Tech-Zeitalters sind, ablehnen.

    Insbesondere möchte ich in dem Zusammenhang noch einmal darauf hinweisen, dass die AfD im Feb 2022 auf niedrigen 11% und im Sinkflug war, ob des insgesamt (mit Ausnahme von Spahns Maskendeals) recht vernünftigen Umgangs der Gesellschaft und insbesondere den Medien mit dem Corona-Virus und der guten Lernkurve, die an den Tag gelegt wurde. (Ich vermute übrigens, dass die AfD von Panikmache zu Verharmlosung umschwenkte, sobald die Lockdowns eintraten, aber sicher bin ich mir nicht, so sehr interessierte es mich wahrscheinlich nicht, was die gesagt haben.)
    Von daher vielleicht nicht das geeignetste Thema, um die AfD zu bewerben.

  6. Wow, danke für den Artikel und danke auch für die Kommentare. Ich wusste nicht, dass am Anfang die AfD zur Panikmache geneigt hatte. Allerdings passt es zu dem Verhalten von Freunden, die sich nämlich anfangs mit Masken und Desinfektionsmittel eingedeckt haben, um am Ende völlig gegen Impfung und das Tragen von Masken zu sein. Mir prophezeiten Sie nach der dreifachen Impfung den Tod. Aus ihrer Sicht bin ich eine Anomalie.

  7. Endlich ein Thema, bei dem sich FrankD zweifellos auskennt:

    Pausenclowns.

    Kannste dir nich ausdenken.

  8. Zum Artikel
    Das hört sich n bisschen an wie Stammtischgerede. Gefährliches Halbwissen gepaart mit Gefühlen. Nur war diesmal der Stammtisch daheim mit der eigenen Familie.

    Aber vielleicht hat die Familie Horx dadurch den Vorteil, nicht wie viele andere Familien, sich einig zu sein wenn es um politische Themen geht (zb beim Weihnachtsessen) ;)

  9. „Einmal geht es zum Beispiel um den netten, kooperativen, etwas stillen Sohn der Interviewerin. So ein Verhalten werde bei der Partnerwahl junger Frauen „nicht belohnt“, sagt Horx. Heißt das, Frauen mögen keine netten Männer?“
    Das heißt, dass Frauen nicht gerne den ersten Schritt machen (stille Männer haben einen Nachteil) – aber wer macht den schon gerne – bei der Partnersuche kooperiert man eher weniger, sondern betrachtet andere als Konkurrenz (wettbewerborientierte Männer haben einen Vorteil), und „nett“, das habe ich schon häufiger gehört, sei die kleine Schwester von Scheiße.

    Soll heißen, nur weil die Mutter gut findet, dass der Sohn so nett, kooperativ und still ist, ist er vielleicht trotzdem nicht die Art von Mann, die Frauen als Partner mögen.

    Aber ja, das scheint wirklich ein stark fremdschaminduzierendes Gespräch zu sein.

  10. @Mycroft:
    Wo wir gerade bei Fremdscham sind: Stille Mädchen haben also vor allem Vorteile? Sie lassen sich von den „wettbewerbsorientierten“ Jungen besonders gut beeindrucken und dann direkt abschleppen? Andrew Tate light, oder was?

    Meine Jugend liegt vermutlich deutlich weiter zurück als Ihre, aber Ihr Beitrag klingt trotzdem wie ein Dr.-Sommer-Text aus den Achtzigern.

    Bei diesen Schweizer-Taschenmesser-Experten wie Horx scheint das ähnlich zu laufen: ein paar anekdotische Evidenzen, dazu möglichst Themen, die biografisch noch irgendwie in Reichweite liegen. Den Rest streut man so breit, dass am Ende garantiert irgendetwas anschlussfähig wirkt, spätestens wenn das nächste virale Thema auftaucht.

  11. „Stille Mädchen haben also vor allem Vorteile?“
    Das habe ich weder behauptet, noch wäre das die Konsequenz aus dem, was ich gesagt habe. Stille Mädchen haben wohl weniger Nachteile als stille Jungen bei der Partnersuche, in anderen Dingen ist es vielleicht gleich schlecht. Gegenfrage: warum sollte es für Jungen gut sein, still zu sein, wenn es das für Mädchen NICHT ist?

    „Sie lassen sich von den „wettbewerbsorientierten“ Jungen besonders gut beeindrucken und dann direkt abschleppen?“
    Keine Ahnung. Aber stille Mädchen werden öfter nach Dates gefragt als stille Jungen, insofern haben die immerhin Auswahl, ob und von wem sie sich abschleppen lassen.

    „Meine Jugend liegt vermutlich deutlich weiter zurück als Ihre, aber Ihr Beitrag klingt trotzdem wie ein Dr.-Sommer-Text aus den Achtzigern.“
    Mag ja sein, aber dass „nett“ eher eine höfliche Umschreibung für „ohne größere Probleme, aber langweilig“ ist, kommt mir noch nicht so veraltet vor.

    Aber nun, was denn sind Ihre Erfahrungen bzgl. Dating und Partnersuche? Bevorzugt solche aus diesem Jahrtausend? Bevorzugen Frauen nette, stille und kooperative Männer, wobei „kooperativ“ auch Leute beinhaltet, die dauernd für ihre MMO-Gilde zocken? Und „still“ zwangsläufig heißt, dass der Mann nicht den ersten Schritt macht, weil er sonst nicht mehr still wäre?

  12. Mycroft:
    Sie brauchen etwas Hilfe.
    Stille MENSCHEN haben Probleme Kontakte zu knüpfen, das kann man wohl ohne allzu großes Risiko voraussetzen. Dass stille Mädchen darauf warten, von einem Macker aufgerissen zu werden, hört sich imho eher nach schlechtem Kino an.
    Der Rest Ihres Textes ist dann m.E. der Mycroft Erklärbär mit seinem Rollenverständnis aus der Jungensumkleide und das hört sich verdächtig nach Pickup Artist Philosophie oder sonstwie Gossip an.
    Ich lasse das mal aus.
    Ich denke, die jungen Leute können da gut darauf verzichten.

  13. Guten Morgen,
    @Frank Gemein und @Mycroft, vielleicht können Sie die Frage, welche Erfolgschancen stille Menschen auf dem Datingmarkt haben, anderswo klären; hier gerne wieder zurück zum Thema Trend-/Zukunftsforschung, der Auswahl von Interviewpartnern in der „Zeit“ und der Frage, wessen Stimmen zu digitaler Gewalt Expertise und Perspektiven beitragen können.
    Grüße aus der Redaktion,
    Annika Schneider

  14. Wie der Vater, so der Sohn. Matthias Horx hat auch schon den grössten Blödsinn verzapft. Hier die Top 5-Beispiele aus dem Hause Horx:

    Hier sind 5 belastbare Beispiele, die in der Kritik immer wieder auftauchen:

    1. Internet wird kein Massenmedium
    In einer Studie (2001) prognostizierte Horx, dass das Internet kein breites Massenmedium werde und eher begrenzt bleibe.

    2. Skepsis gegenüber E-Commerce:
    Im gleichen Kontext sagte Horx, massiver Onlinehandel sei problematisch (z. B. wegen Logistik/Verkehr) und deshalb begrenzt.

    3. Digitale Revolution „am Zenit“
    2015 sagte Horx die digitale Revolution sei auf ihrem Höhepunkt angekommen und werde sich abschwächen.

    4. Pegida/Populismus wird „nicht richtig durchkommen“
    Horx prognostizierte einst, der rechte Backlash (Pegida etc.) werde nicht nachhaltig durchschlagen und eher scheitern …

    und 5. seine Corona-Prognosen („Welt danach wird besser“).
    Zu Beginn der Pandemie sprach Horx von einer Art „Reset“, nach dem die Gesellschaft besser, bewusster, nachhaltiger werde. Genau mein Humor.

    Es wundert mich, dass die ZEIT so einen Schwachsinn durchgehen lässt.

  15. @Frau Schneider: sorry, aber diesmal hatte ich schon den Eindruck, bei einem Thema geblieben zu sein, das der Artikel selbst anschnitt.
    Aber wie auch immer. Statt eines hauptberuflichen Kaffeesatzlesers wünsche ich mir mehr Expertise von

    – Juristen zum Thema, welche dt. Gesetze gegen Deepfakes und Identitätsdiebstahl einschlägig wären oder wenn nicht, warum nicht
    – IT-Experten, die erklären, wie man ggfs. Beweise sammeln kann
    – sonstige Menschen, die vielleicht Hilfe anbieten, ohne direkt „vom Fach“ zu sein
    – und natürlich Betroffene, die über ihre Erfahrungen im Umgang damit erzählen wollen

  16. Ich schrieb bereits weiter oben, dass ich das „mal besser auslasse“, wobei es mir eh nur darum ging, dass die Menschen solche „Expertisen“ zum Thema Dating ( von welcher Seite auch immer ) brauchen wie Zahnschmerzen. Es tut mir leid, sollte das nicht deutlich geworden sein.

    Im Prinzip läuft es doch immer gleich ab:

    Ein Thema geht steil ( „viral“, what ever ) und irgendeine Redaktion überlegt sich, was man da noch machen könnte.
    Dann wird nicht etwa überlegt, wer dazu wirklich etwas weiß. Nein, dann wird das Adressbuch nach Leuten durchsucht, die man sowieso immer anruft. Nicht wegen Erkenntnis, sondern wegen Verfügbarkeit. Nicht wegen Kompetenz, sondern wegen Anschlussfähigkeit.

    Bodensatz Variante:
    Dieter Bohlen hat doch gerade wieder eine neue Staffel bei RTL bekommen. Fragen wir ihn doch, was er von der Verstaatlichung der Kakaoplantagen in Guatemala hält und welche Preisentwicklungen bei Schokolade wir nächstes Weihnachten zu erwarten haben. Hatte er da nicht mal diese Freundin aus Lateinamerika?

    Geschniegelt-reaktionärer Mainstream Move:
    Lass uns doch dem Wendt noch mal anrufen, was er zu der zu erwartenden Flüchtlingswelle aus dem Nahen Osten beizutragen hat.

    Seriositätsmimikri:
    Lass uns doch Precht | Lobo | Horx | Experte_ihrer_Wahl noch befragen. Irgendeine thematische Streuwaffe mit ausreichend diffusem Themenfeld wird es schon geben.

    Am Ende unterscheiden sich Bodensatz, Mainstream und Seriositätsmimikry viel weniger, als sie gern behaupten. Das eine ist bloß plumper, das andere geschniegelt, das dritte trägt Brille und spricht in Nebensätzen. Aber alle drei folgen derselben Logik: Ein Thema ist nur dann ein Thema, wenn man noch irgendeinen bekannten Namen dranhängen kann, der es kommentiert, entkernt und in zitierfähige Portionen zerlegt.

  17. Falls sich wer fragt, worauf #1 anspielt mit seinem Geraune:
    https://www.volksverpetzer.de/ueber-uns/
    Dort findet man eine genaue Aufschlüsselung der Finanzierung.

    Und in diesem Beitrag wird noch einmal die gerichtliche Niederlage von NIUS gegen Correctiv betr. Fiananzierungsgeraune thematisiert (Punkt 6):
    https://www.volksverpetzer.de/serie/maerz-2026-sieg-heil-afd/
    „Die Beteiligung an der staatlich geförderten HateAid gGmbH könne […] nicht als Beleg für eine eigene staatliche Finanzierung gewertet werden“

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