Ständig kritisieren Journalisten die Regierung – ist ja auch ihr Job. Aber treiben sie es manchmal zu weit? Und spielen sie mit ihrer Nörgelei am politischen System den Demokratiefeinden in die Hände? Anruf beim Leiter des „Spiegel“-Hauptstadtbüros, Christoph Hickmann.
Christoph Hickmann leitet das Hauptstadtbüro des „Spiegel“.Foto: Anna Dittrich/Der Spiegel
Journalisten müssen beruflich vor allem kritisieren. Die Regierung, die beschlossenen Reformen, die Politiker selbst. Zwischen all der berechtigten Kritik kommt es aber auch immer wieder vor, dass Journalisten zu sehr ins Nörgeln geraten und gehässig werden.
Als etwa Olaf Scholz noch Bundeskanzler war, schrieb der Leiter des „Spiegel“-Hauptstadtbüros, Christoph Hickmann, dass Scholz nur wegen einer Sache Bundeskanzler wurde: Weil er derjenige war, „der morgens um vier noch in der Dorfdisco rumstand und etwas weniger betrunken war als die anderen, während Armin Laschet sich gerade auf der Tanzfläche übergeben hatte“.
Ist das zu hart? Und vor allem: Spielen Journalisten mit solchen Äußerungen am Ende denjenigen in die Hände, die unserer Demokratie ohnehin schon den Rücken gekehrt haben? Diese Gedanken hat sich Christoph Hickmann in einem Essay für den „Spiegel“ gemacht.
Mit Holger Klein spricht er im Podcast darüber, wie man trotz berechtigter Kritik am politischen System klarmachen kann, dass es ein gutes ist – und, ob das überhaupt der Job von Journalisten sein sollte. Außerdem erzählt er, wann er selbst künftig weniger hämisch sein will und wo sich Politikberichterstattung noch ganz grundsätzlich ändern sollte.
Der Gesprächspartner
Christoph Hickmann, Jahrgang 1980, leitet das Hauptstadtbüro des „Spiegel“. Seit 2006 arbeitet er als politischer JournalistPerson, die Informationen recherchiert, prüft und anschließend der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt,… und beobachtet seit 2009 das Geschehen in der Hauptstadt. Seine journalistische Laufbahn begann er bei der „Süddeutschen Zeitung“, für die er aus Berlin vor allem über die SPD und sicherheitspolitische Themen schrieb, bevor er 2018 zum „Spiegel“ wechselte.
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