Immer wieder wird darüber debattiert, ob das Feuilleton heute zu zahm und zu vorsichtig sei mit der Bewertung von Kunst. Der Kulturjournalist Johannes Franzen erklärt, was an diesem Vorwurf dran ist und warum fehlende Ressourcen das eigentliche Problem sind.
Kulturjournalist und Literaturwissenschaftler Johannes FranzenFoto: Marion Koell
Es gebe keine Verrisse mehr, Kunstkritik sei weichgespült – diesen Vorwurf hört man immer wieder. Der Literaturwissenschaftler und Kulturjournalist Johannes Franzen sagt: Diese Debatte sei ein „Diskurstheater“, das alle zwanzig Jahre neu aufgeführt werde. Das heißt allerdings nicht, dass Kritik an der Kritik grundsätzlich ungerechtfertigt ist.
Das eigentliche Problem sei jedoch nicht, dass alle zu nett geworden sind, sondern dass man sich Kritik leisten können muss, meint Franzen, der diese Woche zu Gast im Übermedien-Podcast ist. In vielen Medienhäusern schwänden die Ressourcen. Gleichzeitig trauten sich manche Autor:innen nur noch unter Pseudonym, ein neues Taylor-Swift-Album zu besprechen – aus Sorge, von den Fans der Künstlerin angegriffen zu werden.
Warum ist negative Kritik überhaupt wichtig? Gibt es in Zeiten von Social Media überhaupt noch die großen Kritiker wie Marcel Reich-Ranicki? Wieso sind das größte Problem nicht die Algorithmen, sondern die riesigen Marketingbudgets? Und was hat Goethe über Kritiker geschrieben? Darüber sprechen Holger Klein und Johannes Franzen in der neuen Folge von „Holger ruft an …“.
Der Gesprächspartner
Johannes Franzen ist Literaturwissenschaftler, Kulturjournalist und Mitarbeiter am Seminar für Deutsche Philologie an der Universität Mannheim. Er veröffentlicht Essays unter anderem in der FAZ, der taz und „Zeit Online“ und ist Mitbegründer des Online-Feuilletons „54books“. Für Übermedien schrieb er eine Serie über die Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie.
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