„Bibi & Tina“ für Orthopädiepatienten

Adlige mit nichtigen Problemen sind eine Art zweite Heimat für mich, denn mit zwei Töchtern hört man notgedrungen unendliche Stunden lang die Abenteuer von Bibi und Tina (auf Amadeus und Sabrina, sie jagen im Wind …), die ständig auf dem Schloss von Graf von Falkenstein herumhängen. Ich möchte keine Gerüchte verbreiten, aber ich glaube, Tina hat was mit seinem Sohn.

Noch bis Donnerstag wäre das vielleicht eine Geschichte für Patricia Riekel bei der „Bunte“, danach geht sie in den Ruhestand. Ich habe das zum Anlass genommen, diese Woche die „Bunte“ zu lesen, die „Bibi & Tina“ für wartende Orthopädiepatienten, und möglicherweise weiß ich deshalb, wo Bastian Schweinsteiger direkt nach der EM heiraten wird, denn „die Hinweise verdichten sich“ und „alles spricht dafür“, dass er und „seine Ana“ … Sie wissen schon. In demselben Zimmer wie George Clooney und seine Amal übrigens, und in der „Bunte“ wird das so ausgebreitet, dass man vorher schon das Gefühl hat, man wäre bei dem Ereignis dabei gewesen. Ich will nicht zu viel verraten, aber „Welche Frau träumt nicht von einer Hochzeit im venezianischen Palazzo“? Das Fragezeichen ist übrigens von mir, in „Bunte“ steht der Satz als Aussage. Es bleibt also eigentlich keine Frage offen, außer ob Bastian Schweinsteiger und seine Ana direkt nach der EM tatsächlich heiraten, und wenn ja wo. Aber die Hinweise verdichten sich. Alles spricht dafür.

Patricia Riekel schafft es in ihrem Editorial übrigens, ausgerechnet den Teil der Familie Otto (die mit dem Versandhaus) heilig zu sprechen, der tollerweise nicht in den Medien vorkommt, weil er dafür viel zu hanseatisch ist, was mich ganz leicht überrascht bei einer Frau, die eine Karriere damit gemacht hat, dass irgendwie wichtige Menschen mit möglichst sensationellen Geschichten in den Medien vorkommen.

Es geht weiter mit Fotos von Julia Roberts, die auf einem hawaiianischen Strand ihren Mann küsst, was, „ginge es nach US-Medien“, gar nicht sein könne, weil sie ja laut denen längst von ihm getrennt ist (Headline: „Trennung? Von wegen!“). Hier habe ich inzwischen vorsichtig den Eindruck, bei „Bunte“ hat man es nicht so mit Medien, fast noch weniger als mit Menschen, die in Medien vorkommen wollen. Das würde auch die Fotos erklären, die „Bunte“ von Thomas „Dieter Bohlen war gemein zu mir“ Anders und seiner Nora gemacht hat, die jetzt offenbar Claudia heißt und Hundefutter verkauft, das sie auch selber isst (echt wahr!): Die Bilder sehen aus wie aus einem Landhausmode-Katalog für Leute, die wirklich Ruhe brauchen und deshalb keine Freunde wollen. Das muss die Rache von „Bunte“ sein an Leuten, die in die Medien drängen. Subtil, aber sehr wirksam. Ich ziehe den Hut.

Darsteller aus Vorabend-Seifenopern genießen diesen Service nicht und müssen sich selbst bloßstellen, indem sie zum Beispiel wie Sila Sahin und Samuel Radlinger selber Bilder von ihren Flitterwochen auf den Malediven machen und an „Bunte“ schicken. Ich bin mir ziemlich sicher, von Sila Sahin schonmal gehört zu haben, und es klärt sich später auch auf, dass sie bei GZSZ (wie wir Kenner sagen) war, weil eine Nadine Menz nämlich gerade frisch verliebt in New York ist und „Bunte“ romantische Fotos geschickt hat, und Menz ist laut Bildunterschrift die Nachfolgerin von Sahin bei GZSZ.

Es ist wirklich ganz schwer zu übertreiben, wie egal das alles ist, vor allem weil ja hinten noch eine große Rubrik „Bunte Society“ kommt, in der sehr viele Fotos von lächelnden Menschen zu sehen sind, die gerade vor einer Veranstaltung ankommen. Kurz: Der beste Grund, die „Bunte“ zu kaufen, ist, dass man gucken will, ob man drin ist mit all den schönen Fotos, die man von sich eingeschickt hat.

Ein zweitbester Grund fällt mir gerade nicht ein, denn tatsächlich ist die „Bunte“ als Zeitschrift so derart frei von jeder Idee oder auch nur irgendeinem charmanten Moment, dass es schon ärgerlich ist. Die „Bunte Umfrage“ hat zum Thema: „Was macht Fußball so unwiderstehlich?“, und darüber ist als Symbolbild ein Foto von Jogi Löw, der dem ukrainischen Nationalspieler Anatolij Tymoschtschuk die Hand schüttelt. Als Bildunterschrift steht da „So begrüßen sich Sportler“. Man wäre wirklich gern bei der Kreativ-Sitzung dabeigewesen:

„Was machen wir mit der Umfrage?“
„Es ist doch EM. Warum nicht was mit Fußball?“
„Super!“
„Und so ganz positiv: Was macht Fußball so unwiderstehlich?“
„Super! Aber wie bebildern wir das?“
„Na mit einem coolen Bild, wie Jogi Löw jemandem cool die Hand schüttelt!“
„Super! Das ist so positiv!“

Und dann darf eine Klinikdirektorin antworten, sie gucke „ganz gern die hübschen knackigen Fußballkerle an“, und ein Schauspieler sagt, „weil MANN sich ein Stück weit selbst wie eine Spielerfrau fühlen kann, die sich stundenlang überlegt, welches Outfit sie zur Unterstützung anziehen soll“. Das zu lesen ist wie Pangalaktische Donnergurgler trinken, es fühlt sich an als würde einem das Gehirn mit in Zitrone eingelegten Silberbarren aus dem Schädel geschlagen. Am größten auf der Seite abgebildet ist übrigens eine Schauspielerin, die sagt: „Fußball hat Glamour und Personality – und all das zeigt BUNTE, und das finde ich gut!“

Wenn sie das tatsächlich ernst meint, dann habe ich gerade Patricia Riekels wahre Identität entschlüsselt, und ich weiß, was sie leise vor sich hinsagt wenn sie morgens in die Redaktion kommt:

hex, hex!

7 Kommentare

  1. „Welche Frau träumt nicht von einer Hochzeit im venezianischen Palazzo“?
    Ich hebe mal dezent meine Hand (Sie schnellt hoch und schnippt und winkt. Stellen Sie sich mich einfach mal als Hermine Granger aus dem Harry Potter Universum vor…).

    Schon lange stellt sich mir die Frage, was diese Magazine bewirken wollen. Ich verstehe es schlichtweg nicht. Diese ganzen Klischees, die hier bedient werden.
    Und nun würde ich behaupten, ich sei nicht mal übermäßig feministisch veranlagt. Radikale Feminazis oder Alice Schwarzer finde ich schlichtweg doof. Gibt es eigentlich hier auch einen Begriff für die Mitte?

    Die „hübschen knackigen“ Fußballkerle sind mir bei einem Fußballspiel herzlichst egal. Die Outfitfrage ist meistens in zwei Minuten erledigt (ja welche Hose ist denn heute am bequemsten?) und wieso sollte ich mich auch nur annähernd wie eine Spielerfrau fühlen wollen? Dann müsste ich ja am Ende noch irgendwo Schminktipps vor jedem Spiel abgeben (Mascara ist es bei sommerlichen Temperaturen völlig ausreichend, wenn man sich denn unbedingt schminken möchte, liebe Frau Hummels).

    Wo gibt es denn Magazine für Frauen wie mich, denen sogar „Barbara“ ein Stück zu viel ist?!
    Die Durchschnitts-Frau über 30, die sowohl mit Barbie und Gameboy spielte, sich auch mal schminkt und Nagellack benutzt, die den Pangalaktischen Donnergurgler ohne zu googlen zuordnen kann und sich an manchen Tagen abfällig anhören muss, wie burschikos und nerdig man denn heute sei, wenn das Kleidchen im Schrank bleibt und Print-Shirts das Rennen gewonnen haben? Von der ein bisschen zu überschwinglich Begeisterung bezüglich „nicht weiblicher“ Interessen und den Reaktionen darauf, fange ich jetzt gar nicht erst an. Und wieder wären wir bei der guten alten Mitte.

    Da wäre ja Frau-Mitte schon fast geneigt, dies anzuprangern.
    Vielleicht ist es aber auch besser, nach dem alten Motto „nicht ärgern, nur wundern“ vorzugehen.

    Man könnte aber auch mal versuchen, so ein Magazin zu verlegen. Ach ja, da war was… falscher Beruf. Ich sollte mal nach Umschulungsmöglichkeiten fragen.
    Bis dahin suche ich erstmal meinen Kugelschreiber. Könnte sein, dass ich dafür ein Handtuch benötige :-)

  2. @C.S.
    Absolute Zustimmung, darum auch Zweifel, dass die Frau von heute nur darauf wartet (so richtig klischeehaft) von einem Magazin „abgeholt“ zu werden. Der Typ Frau von dem Sie reden bzw. ich kenne (ausschließlich) wartet eigentlich auf gar nichts. Sie macht’s einfach :)

    In diesem Sinne, LG.

  3. Ich „lese“ Bunte beim Arzt – und das ist wirklich so eine Mischung aus Instagram 0.5 und Trägermasse für Beauty-PR (mit dezentem Übergang zu Healthcare …)

    Pangalaktische Donnergurgler :-)

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