Was, wenn nicht einmal Hans Leyendecker Hans Leyendecker ist?

'Tötung wie eine Exekution'
„Spiegel“-Titelgeschichte 27/1993

Stilecht für jemanden, der im Jahr 1993 festhängt, wandte der ehemalige Generalbundesanwalt Alexander von Stahl sich vor zwei Jahren per Telefax an den „Spiegel“: „Mich interessiert noch heute: Hat es den Zeugen gegeben, oder hat Leyendecker ihn erfunden?“ Gemeint ist der Informant, der dem Investigativ-Journalisten Hans Leyendecker erzählt hatte, GSG9-Beamte hätten den RAF-Terroristen Wolfgang Grams bei seiner Festnahme im Stile einer Hinrichtung erschossen.1)Grams hatte bei einem vorhergehenden Schusswechsel den GSG9-Beamten Michael Newrzella getötet. Die Geschichte war falsch, der Informant hatte gelogen, das ist unbestritten. Grams hatte sich, bereits schwer verletzt, selbst getötet.

Im Nachgang der Aktion am Bahnhof des mecklenburgischen Bad Kleinen im Jahr 1993 und der darauf folgenden „Spiegel“-Titelgeschichte „Der Todesschuss“, in der die Hinrichtung als wahrscheinlichste Version der Ereignisse dargestellt wurde, war Innenminister Rudolf Seiters zurückgetreten und von Stahl in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden.2)Er hatte während Pressekonferenzen sich widersprechende Aussagen getroffen. Seine Karriere war vorbei.3)Als ziemlich prägende Gestalt einer nationalliberalen Bewegung widmet er seitdem viel Zeit und Energie der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Und er fühlte sich offensichtlich ungerecht behandelt. Jetzt dürfte er nach 27 Jahren zumindest ein bisschen Genugtuung spüren.

Denn eine Kommission des „Spiegel“4)Die Kommission, die ursprünglich für die Aufklärung des Falles um den Lügenreporter Claas Relotius gegründet wurde, was der Geschichte einen komischen Spin gibt, denn Leyendecker ist so sehr kein Relotius, dass jede Verbindung der beiden untersuchten Fälle schräg ist. hat nach aufwändiger Recherche einen komplizierten Untersuchungsbericht vorgelegt, der zu dem Schluss kommt, dass es den lügenden „Zeugen“ zwar gegeben hatte, nämlich einen anonymen Anrufer; Leyendecker und die „Spiegel“-Chefredaktion hätten aber schon damals erkennen müssen, dass er keine verlässliche Quelle war.5)Ein einzelner anonymer Anrufer ist aus naheliegenden Gründen praktisch nie eine verlässliche Quelle. Die aktuelle „Spiegel“-Führung schreibt, das Magazin habe „mit der Berichterstattung auf Basis einer mangelhaft geprüften und falschen Aussage einen journalistischen Fehler begangen.“

Leyendecker und sein damaliger Chefredakteur Hans Werner Kilz widersprechen der Darstellung. Es habe einen weiteren Informanten gegeben, den sie beide gesprochen hätten, Leyendecker auch von Angesicht zu Angesicht, die Identität des Informanten wäre ihm bekannt. Der anonyme Anrufer habe die Geschichte später nur bestätigt. Und Hans Leyendecker ist Deutschlands großer investigativer Journalist, er hat unzählige Skandale aufgedeckt, sowohl beim „Spiegel“ als auch später bei der „Süddeutschen Zeitung“6)Beides jeweils unter dem Chefredakteur Hans Werner Kilz..

Mehrere Ebenen, alle unangenehm

Unangenehmer kann es also nicht werden: Leyendecker steht für das Beste im Journalismus, seit Jahrzehnten. Er ist, um im Bild zu bleiben, eine sehr, sehr glaubwürdige Quelle. Aber der Bericht der „Spiegel“-Kommission macht deutlich, dass seine Version der Ereignisse von damals, wenn überhaupt, nur mit Biegen und Brechen mit den belegbaren Tatsachen in Einklang zu bringen ist. Von außen betrachtet möchte ich sagen: Dass sich da offensichtlich die beiden letzten noch in Betrieb befindlichen Faxgeräte in Deutschland gefunden haben, hat uns einen gigantischen Kackmoment beschert.

Denn es gibt mehrere Ebenen in dieser Geschichte, und keine davon ist angenehm. Ich muss mich auf jeder einzelnen völlig verrenken, um sie für mich auch nur ansatzweise beherrschbar zu machen. Die erste ist, dass es für die allermeisten Menschen auf der Welt egal sein dürfte, wo genau der Fehler lag, der dazu führte, dass der „Spiegel“ eine falsche Geschichte druckte. Wie auch immer man es dreht und wendet, Leyendecker ist auf einen Lügner hereingefallen, und das gibt er seit jeher offen zu. Für jeden anderen als Rudolf Seiters und Alexander von Stahl kann es eigentlich egal sein, wo jetzt ganz genau der Fehler lag, der dazu geführt hatte.

Aber es geht hier nicht um irgendeinen Fehler, sondern um einen „journalistischen“: den begründeten Verdacht, Leyendecker und der „Spiegel“ hätten damals ihre Quellen nicht richtig geprüft. Und das rührt am Heiligsten des Journalismus.

Journalistische Fehler vs. Betrug

Einmal zur Abgrenzung: Die Lügengeschichten des Claas Relotius zum Beispiel waren keine journalistischen Fehler, sondern schlicht Betrug. Um journalistische Fehler begehen zu können, muss man erstmal Journalismus betreiben. Wenn ich mit einem Pyramidensystem Anleger um ihr Geld bringe, begehe ich auch keine Fehler in der Anlageberatung. Lügen sind in allen Berufen problematisch, da unterscheidet sich ein Journalist nicht von einem Banker, Arzt oder Kellner. Aber wenn der Bericht der „Spiegel“-Kommission richtig wäre, hätte Leyendecker eine Quelle ungeprüft übernommen7)Und 27 Jahre über die Tatsache gelogen, aber das ist dann meiner Meinung nach auch kein journalistischer Fehler, sondern ein menschlicher. , und das ist ein Fehler, den Journalisten exklusiv haben, weil hier ihr eines echtes Privileg liegt: Journalisten müssen ihre Quellen nicht preisgeben, nicht einmal vor Gericht.

Es wird viel gefordert, was Journalisten alles sein müssten: objektiv und kritisch, unabhängig und was noch alles, aber im Prinzip kann man an jedem einzelnen Punkt antworten, die Anforderungen an Journalisten unterscheiden sich nicht von denen, die an jeden Beruf gestellt werden. Das Informationshandwerk ist genau das, ein Handwerk, und wer es sauber ausführt – wer also alle relevanten Informationen zu einem Sachverhalt verständlich und möglicherweise sogar ästhetisch ansprechend in ihren Kontext bringt –, der wird den Anforderungen gerecht. So wie ein Tischler, der alle notwendigen Teile so zusammenbaut, dass da ein Tisch steht. Der Tisch sollte benutzbar sein, sicher und möglichst auch noch schön, und natürlich geht das auf unterschiedlichem Niveau, sowohl was das Material angeht als auch beim Design. Aber es genügt, das Handwerk ordentlich auszuführen.

Im Journalismus jedoch es gibt diesen einen Moment, diesen einen erhabenen Augenblick, der in keinem anderen Handwerk nötig ist: Wenn eine Quelle für eine wichtige Geschichte aus Gründen anonym bleiben muss, dann kann es sein, dass wirklich nur der eine Journalist8)In der Regel lassen sich Chefredakteure einweihen, wenn es um die Identität von Quellen geht, aber bei Hans Leyendecker, dem renommiertesten Investigativ-Journalisten des Landes, wäre es verständlich, wenn sich seine Chefs tatsächlich voll auf sein Wort verließen und nicht verlangten, dass er ihnen gegenüber seine Quellen offenlegt. Das ist übrigens ein wirklich großes Vertrauen, denn verantwortlich im Sinne des Presserechtes bleibt der Chefredakteur. die Quelle kennt. Ohne diese Regelung wäre investigativer Journalismus fast unmöglich. Deshalb brauchen wir diesen Moment.

Wann es auf einen Menschen und seine Integrität ankommt

Aber auch die Probleme sind offensichtlich: Donald Trump behauptet ungefähr jeden Tag, die Geschichten über ihn wären erfunden und die anonymen Quellen, von denen Journalisten sie bekommen, würden nicht existieren. Die Behauptung stellt sich regelmäßig als falsch heraus, was zeigt, wie sorgsam Journalisten9)In diesem Fall besonders häufig von der „New York Times“ und der „Washington Post“, deren beider Berichte aus dem Weißen Haus unendlichen Respekt verdienen. in der Regel mit der Freiheit umgehen, an diesem einen Punkt nicht direkt10) Indirekt natürlich schon: Ob die Geschichten stimmen oder nicht, stellt sich ja meist irgendwann heraus. Hätte Leyendeckers Informant damals (selbst ohne echte Kenntnis der Situation) zufällig die Wahrheit gesagt, würden wir heute garantiert nicht darüber sprechen, egal wie gut geprüft die Quelle gewesen wäre. überprüfbar zu sein.11)Der Quellenschutz ist in den USA übrigens nicht annähernd so umfassend wie in Deutschland, dort hat es immer wieder Fälle gegeben, in denen Journalisten in Beugehaft genommen wurden, um ihre Quellen zu erfahren. Aber es stimmt: Sie sind es nicht.12)Es gibt allerdings ein ganzes Genre, nämlich das, dem „Topf voll Gold“ gewidmet ist – die so genannten „Yellows“ –, in dem regelmäßig „Insider“, „Freunde“ oder sonstwie angeblich mit den prominenten Objekten der Berichterstattung verbundene Quellen auftauche, bei denen ich regelmäßig die Befürchtung habe, sie sind frei erfunden. Warum dieses Genre sich offensichtlich völlig vom Journalismus abgetrennt fühlt – ein Gefühl, das hoffentlich aber keineswegs sicher von einem Großteil der Leser geteilt wird – ist rätselhaft. Und etwas, über das ich nicht nachdenken kann, ohne Magengeschwüre zu kriegen. Wenn es einen Moment im Journalismus gibt, in dem es tatsächlich auf den einen Menschen und seine Integrität ankommt, dann ist es dieser.

Und das ist das Unangenehme: Leyendecker hat in seiner langen beruflichen Laufbahn mehr anonyme Quellen gehabt als woanders ganze Redaktionen, und er hat reihenweise Skandale aufgedeckt. Er ist nicht einfach einer der Guten, er ist die Benchmark.

Und das ist die Ebene, auf der es richtig wehtut: Die allermeisten von uns sind in diesen Beruf gegangen, um Hans Leyendecker zu sein. Es mag sein, dass wir heute über Justin Bieber schreiben oder Handys testen, dass wir anstatt Skandale aufzudecken nur Schlagzeilen darüber machen, dass Armin Laschet im Flugzeug seinen Mund-Nasenschutz für mehrere Sekunden abgenommen hat, oder Kolumnen schreiben auf einer Medienkritikseite in diesem Internet, aber das eigentliche Ziel, also das, was wir machen wollen, wenn wir mal groß sind, ist Hans Leyendecker sein; Skandale aufdecken; die Wahrheit ans Licht bringen, auf dass die Guten gewinnen und die Bösen sterben. Es wäre sehr schwer erträglich, wenn nicht einmal Hans Leyendecker Hans Leyendecker ist.

Notwendige, unzumutbare Fragen

Die schlimmste Verrenkung kommt aber erst noch. Nach 27 Jahren ist auf die Erinnerung von keinem Beteiligten mehr wirklich Verlass; die wenigen noch erhaltenen Unterlagen, zum Beispiel die Abschrift des heimlich aufgenommenen Gesprächs mit dem anonymen Informanten, sprechen gegen Leyendeckers Version13)Die Zitate in dem Text „Der Todesschuss“, die ja von dem ersten nur Leyendecker namentlich bekannten Informanten stammen sollen, finden sich wortgleich in dem Gesprächsprotokoll mit dem anonymen Anrufer. Leyendecker erklärt das damit, dass die beiden sich abgesprochen haben. Die „Spiegel“-Kommission hält es für sehr unwahrscheinlich, dass zwei Menschen, selbst wenn sie sich untereinander absprechen, in größerem Umfang wortgleich Aussagen treffen. . Eigentlich könnte er sich von dem Verdacht, unsauber gearbeitet zu haben, nur reinwaschen, indem er seine Quelle preisgibt – was die einzige Sache ist, die er auf keinen Fall tun kann.

Er empfindet schon die Tatsache, dass die Kommission überhaupt danach gefragt hat, als Zumutung. Der dpa sagte er:

„Dass der ,Spiegel’ den Quellenschutz im Grunde nicht respektiert, ist für jemanden, der fast zwanzig Jahre für dieses wichtige Blatt gearbeitet hat, nicht nachzuvollziehen. Die Frage der Kommission, ob ich einen Kontakt zu der damaligen Quelle herstellen könne, war eine Bankrotterklärung der heutigen ,Spiegel’-Macher.“

Er hat damit irrerweise zugleich recht und nicht recht. Quellenschutz ist nicht verhandelbar. Punkt. Aber er hätte, mit der Aufgabe betraut, einen Fehler aufzudecken, den jemand möglicherweise zu verschleiern versucht, das Objekt seiner Recherche natürlich auch mit den unzumutbaren Fragen konfrontiert. Die Bankrotterklärung der „Spiegel“-Macher könnte höchstens sein, überhaupt den Versuch zu unternehmen, etwas aufzuklären, von dem jedem klar sein konnte, dass es keine befriedigende Auflösung geben kann, nicht nach 27 Jahren, nicht ohne dass Leyendecker täte, was er nicht tun kann.

Allerdings hat die Tatsache, dass etwas höchstwahrscheinlich nicht aufzuklären ist, gerade Leyendecker nie aufgehalten. Eine Bankrotterklärung wäre für ihn eigentlich, es gar nicht erst zu versuchen.

Und so sind wir verhakt in einem Moment, der nur Verlierer haben kann. Ich werde mich nicht zu einem Urteil versteigen, ich weiß nicht, welche Version stimmt, die plausible oder die wunderbare. Ich weiß nicht, ob Leyendecker wirklich seine Quelle schützt oder sich selbst, wenn er sie nicht benennt, und ich glaube, wir werden die Antwort nicht erfahren – schützen würde er sie in jedem Fall.

Schrödingers Quelle wird vielleicht für immer gleichzeitig existieren und nicht existieren. Was am Ende bedeutet: Wer von uns ganz sicher sein will, dass es Leyendecker wirklich gibt, der muss es wahrscheinlich einfach selbst sein.

Fußnoten

Grams hatte bei einem vorhergehenden Schusswechsel den GSG9-Beamten Michael Newrzella getötet.
Er hatte während Pressekonferenzen sich widersprechende Aussagen getroffen.
Als ziemlich prägende Gestalt einer nationalliberalen Bewegung widmet er seitdem viel Zeit und Energie der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“.
Die Kommission, die ursprünglich für die Aufklärung des Falles um den Lügenreporter Claas Relotius gegründet wurde, was der Geschichte einen komischen Spin gibt, denn Leyendecker ist so sehr kein Relotius, dass jede Verbindung der beiden untersuchten Fälle schräg ist.
Ein einzelner anonymer Anrufer ist aus naheliegenden Gründen praktisch nie eine verlässliche Quelle.
Beides jeweils unter dem Chefredakteur Hans Werner Kilz.
Und 27 Jahre über die Tatsache gelogen, aber das ist dann meiner Meinung nach auch kein journalistischer Fehler, sondern ein menschlicher.
In der Regel lassen sich Chefredakteure einweihen, wenn es um die Identität von Quellen geht, aber bei Hans Leyendecker, dem renommiertesten Investigativ-Journalisten des Landes, wäre es verständlich, wenn sich seine Chefs tatsächlich voll auf sein Wort verließen und nicht verlangten, dass er ihnen gegenüber seine Quellen offenlegt. Das ist übrigens ein wirklich großes Vertrauen, denn verantwortlich im Sinne des Presserechtes bleibt der Chefredakteur.
In diesem Fall besonders häufig von der „New York Times“ und der „Washington Post“, deren beider Berichte aus dem Weißen Haus unendlichen Respekt verdienen.
Indirekt natürlich schon: Ob die Geschichten stimmen oder nicht, stellt sich ja meist irgendwann heraus. Hätte Leyendeckers Informant damals (selbst ohne echte Kenntnis der Situation) zufällig die Wahrheit gesagt, würden wir heute garantiert nicht darüber sprechen, egal wie gut geprüft die Quelle gewesen wäre.
Der Quellenschutz ist in den USA übrigens nicht annähernd so umfassend wie in Deutschland, dort hat es immer wieder Fälle gegeben, in denen Journalisten in Beugehaft genommen wurden, um ihre Quellen zu erfahren.
Es gibt allerdings ein ganzes Genre, nämlich das, dem „Topf voll Gold“ gewidmet ist – die so genannten „Yellows“ –, in dem regelmäßig „Insider“, „Freunde“ oder sonstwie angeblich mit den prominenten Objekten der Berichterstattung verbundene Quellen auftauche, bei denen ich regelmäßig die Befürchtung habe, sie sind frei erfunden. Warum dieses Genre sich offensichtlich völlig vom Journalismus abgetrennt fühlt – ein Gefühl, das hoffentlich aber keineswegs sicher von einem Großteil der Leser geteilt wird – ist rätselhaft. Und etwas, über das ich nicht nachdenken kann, ohne Magengeschwüre zu kriegen.
Die Zitate in dem Text „Der Todesschuss“, die ja von dem ersten nur Leyendecker namentlich bekannten Informanten stammen sollen, finden sich wortgleich in dem Gesprächsprotokoll mit dem anonymen Anrufer. Leyendecker erklärt das damit, dass die beiden sich abgesprochen haben. Die „Spiegel“-Kommission hält es für sehr unwahrscheinlich, dass zwei Menschen, selbst wenn sie sich untereinander absprechen, in größerem Umfang wortgleich Aussagen treffen.

9 Kommentare

  1. Ein halbes Jahr vor dem Ereignis von Bad Kleinen war ein Buch herausgekommen, das spekuliert hatte, die RAF der 3. Generation würde gar nicht existieren, sei aber jedenfalls nicht schlagkräftig.
    Neben dieser Spekulation enthielt es Beweise, dass die Aussagen des Zeugen und V-Manns ‚Nonne‘ über die Rolle dieser RAF bei der Ermordung von Alfred Herrhausen eine geheimdienstliche Konstruktion waren. Das hat den Behörden noch länger gar nicht geschmeckt.

  2. Die Frage nach dem oder den Informanten ist ja dreifach sinnlos:
    – wenn sie komplett erfunden sind, kann Leyendecker sie nicht beantworten
    – wenn sie existieren, wird er es nicht tun, und darf nicht gezwungen werden
    – wenn er es tatsächlich doch täte, haben sie kein Interesse daran, darüber zu reden: selbst, wenn sie ehrlicherweise das glaubten, was sie behauptet haben, wird man sie jetzt für Lügner und Betrüger halten. Sie würden vermutlich leugnen, jemals mit Leyendecker oder sonstwem darüber gesprochen zu haben.

    Von solchen technischen Details wie die, dass sie inzwischen nicht mehr am leben sein könnten, oder dass sie ihre Meinung zum Thema geändert haben, ganz zu schweigen. Wenn es Informanten gibt, die ehrlicherweise den Vorgang als nach „Art einer Hinrichtung“ wahrgenommen haben, diese aber bis dato keine Anstalten machten, ihre Version noch anderweitig der Presse zu erzählen, kann man konkludent schließen, dass diese das nicht (mehr) wollen.

    Ansonsten sieht man hier das Problem, sich zu sehr an menschlichen Vorbildern auszurichten. Menschen sind ehlbar – wenn man sich klar macht, dass man ein Ideal erreichen will, von dem man meint, dass Leyendecker ihm am nächsten kommt, wäre die Erkenntnis, dass auch Leyendecker sich diesem Ideal nur asymptotisch annähert, vermutlich eher ein Achselzucken wert.

  3. Bei „Leyendecker und und die „Spiegel“-Chefredaktion“ ist ein „und“ zu viel und bei „wo jetzt ganz genau Fehler
    lag“ ein „der“ zu wenig.

    Danke für den Hinweis! Ist korrigiert. -jk

  4. @ Andreas Müller (#1):

    Sie meinen „Das RAF-Phantom“, nicht wahr?

    Ein Buch, das maßgeblich von Gerhard Wisnewski verfasst wurde, der inzwischen damit hausieren geht, dass das CERN bei Genf harmlose Ortschaften mit Neutrinostrahlen beschieße und auf diese Weise Erdbeben auslöse.

    Ein Buch, dessen Inhalt von Mitgliedern der damals angeblich nicht mehr existenten RAF (namentlich Hogefeld und Haule) als „Unsinn“ bzw. „schwachsinnig“ bezeichnet wurde.

    Ein Buch, dass der heutige Compact-Herausgeber Jürgen Elsässer feierte, während jeder halbwegs seriöse RAF-Experte darüber die Augen verdreht.

    Passt zu ihnen.

  5. Das Müller-Bot hat nicht nur von Corona sowie Klimawissenschaft eine Ahnung, das kann auch zur RAF mit untrüglichem Fachwissen glänzen.
    Wenn Uebermedien morgen mit einer Fotostrecke über Katzenkinder aufwartet, weiß der Müller-Bot sicher auch schon veterinärmedizinisch begutachtet die alternative „Wahrheit“ über die niedlichen Killer.
    Und LLL-tl;dr bestätigt das auf 14 DinA4-Seiten.
    Früher hätten die beiden am Wasserhäuschen beim Doornkaart in der Ecke gestanden und niemand hätte ihr Gebrabbel beachtet. Heute sind sie dank AOL-CD „drin“ und dürfen dank viel Zeit durch Arbeitslosigkeit gepaart mit Selbstüberschätzung und und Sendungsbewußtsein Kommentarspalte beeinflussen.
    Sommerhaus der Deplorables.

  6. @ Kritischer Kritiker #4
    Ich „meine“ nichts, sondern habe eine Quelle verlinkt, die die Fakten benannt hat, u.a. den Namen des Buches und der „drei Journalisten“, gegen die wegen „Geheimnisverrat“ ermittelt wurde. In derselben Zeitung war im selben Jahr zu lesen, dass der V-Mann ‚Nonne‘ für die Beihilfe zu dem schweren Verbrechen freigesprochen wurde. Er hatte zwar keinen Mittäter ins Gefängnis gebracht, bekam aber zuletzt trotzdem doch noch irgendwie die Kronzeugenregelung: „Täter“ freigesprochen, Narrativ gerettet.
    „Hogefeld…Haule…Elsässer“
    Aha, Sie haben sofort im Wikipedia-Artikel zum Buch nachgeschaut.
    Dass Terroristen und Terrorexperten gemeinsam „Unsinn“ sagen und die Augen verdrehen, beeindruckt mich jetzt nicht sonderlich. Terroristen sind schließlich auch Terrorexperten. Und ihre gemeinsame, verbissene Verteidigung desselben Narrativs ist auch in anderen Terrorfällen schon aufgefallen, zB bei Verena Becker, Stefan Aust und der Bundesanwaltschaft.

  7. @ Schnellinger:

    Sorry, aber ich finde nicht nur die Gleichsetzung von Müller mit dem zwar lang, aber seriös argumentierenden LLL daneben, sondern auch das herablassende ad hominem gegenüber beiden.

  8. Ist „Kackmoment“ nicht ein wenig zu derbe Sprache in einem Betrag, der sich mit journalistischer Qualität auseinandersetzt?

  9. Nichts gegen Leyendeckers seriöse Arbeit.

    Mir fiel er allerdings wegen seiner Mitautorschaft eines mE unseriösen Artikels, »Heiliger Schein«, in der SZ im Jahre 2012 auf. Thema waren CIA & Dalai Lama – ein Thema mit dem ich etwas vertraut bin.

    Herr Leyendecker & Mitautoren hätte ja mal ’nen Tibetologen oder ’ne Tibetologin befragen können. Eine wissenschaftlich arbeitende Tibetologin wandte sich in einem Leserbrief auch an die SZ. Dieser Leserbrief wurde dort aber aus Platzgründen nicht abgedruckt. Dort heißt es: »Ich hätte weitaus bessere Recherchen erwartet, und keine Behauptungen, die geschichtliche Fakten verdrehen, Schwarz-Weiß-Malerei betreiben und ein neues Feindbild zu kreieren versuchen – für derartige Informationen brauchen wir keine Zeitungen. «

    Online zu finden ist der Leserbrief hier: https://info-buddhismus.de/Heiliger-Schein_Dalai_Lama_CIA_Sueddeutsche_Zeitung.html

    Parallel zu dem SZ Artikel hatte Panorama einen ähnlichen Beitrag einen Tag zuvor gesendet. Die US Filmemacherin Lisa Cathey, die die Dokumentation „CIA in Tibet“ damals produzierte und auf deren Interviews und Recherchen sich sowohl der Panorama-Beitrag als auch der Artikel der Süddeutschen Zeitung „Heiliger Schein“ (08. Juni 2012) von John Goetz, Hans Leyendecker und Bastian Obermayer im Wesentlichen stützte, distanzierte sich in einem Schreiben an die ARD von dem Panorama Beitrag: »Neben ihrem eigenen Filmmaterial stellen die Autoren meine Arbeit falsch dar, indem sie selektiv Aussagen aus den Interviews in meinem Blog nutzen, die ihrer Absicht entgegenkommen, und wichtige Informationen weglassen, die dies nicht tun. Das Thema, die Zuschauer dieser Sendung und meiner Dokumentation haben Besseres verdient.«
    https://info-buddhismus.de/Panorama_Dalai_Lama-CIA-Lisa_Cathey.html

Um kommentieren zu können, müssen Sie Übonnent sein.

Probeabo starten