Haltung statt Wirklichkeit? Ein ehemaliger Redakteur bricht mit der SZ

Birk Meinhardt war von 1992 bis 2012 Redakteur bei der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ), zunächst im Sportteil, dann als Reporter der berühmten Seite Drei. In seinem Buch „Wie ich meine Zeitung verlor“ rechnet er jetzt mit der SZ ab. Er wirft ihr vor, dass „die gesamte Berichterstattung einseitig geworden“ sei und „alles nur noch in eine Richtung gebürstet“ werde. Als Autor habe er Probleme bekommen, als er Artikel schreiben wollte, die der vorherrschenden Meinung widersprachen. Die SZ nennt die Vorwürfe gegenüber Übermedien „irreführend und nicht zutreffend“.


Solches Eingeenge und Luftabgeschnüre

Es gibt eine große Erweckungsszene in diesem Buch. Sie klingt wie aus einem Spielfilm, und obwohl niemand auf einen Tisch springt, kann man sich leicht Robin Williams in ihr vorstellen.

Die Szene spielt irgendwann 2017. Birk Meinhardt war bei einem Seminargruppentreffen mit Studienkollegen aus der DDR. Alle erinnerten sich an alte Zeiten, bis Meinhardt auffiel, dass jeder sich nachträglich zum Dissidenten verklärte. „Das sind doch alles Märchen“, sagte er, „wir schildern unsere Geschichte nicht so, wie sie abgelaufen ist, sondern wie wir wünschen, daß sie abgelaufen wäre.“

Und dann schlug er einen Bogen von der DDR-Vergangenheit in die Gegenwart der Bundesrepublik. „Ich spüre wieder solches Eingeenge und Luftabgeschnüre“, rief er:

„Im einzelnen läuft es hier jetzt anders natürlich, für mich jedenfalls – wartet mal, wartet mal kurz! Ich sprang auf. Mir war was eingefallen, was Reclamgelbes, ich hatte es doch erst vorhin im Zug gelesen! Ich holte es aus der Tasche. Ich schlug mir damit auf die flache Hand und hielt es kurz hoch. Tocqueville.“

Meinhardt las seinen früheren Kommilitonen vor, was Tocqueville vor knapp 200 Jahren „über die Demokratie in Amerika“ schrieb,

„in dem Ding steht schon genau drin, was heute abläuft, 1835, und alles schon enthalten, hier zum Beispiel, die Allmacht der Mehrheit. Tocqueville schreibt sogar von Tyrannei. Die tyrannische Mehrheit, die einen drohenden Kreis ums Denken der Minderheit errichtet.“

Dem einzelnen, der in der Minderheit sei, werde nicht nach dem Leben getrachtet, aber er sei täglichen Nachstellungen ausgesetzt. Wer ihn ablehne, sage das laut; wer ihm zustimme, schweige und entferne sich.

Meinhardt redete und zitierte „entflammt“, und als er kurz innehielt und zweifelte, stellte er fest, dass

„etwas Famoses geschah. Alle zeigten sich genauso entflammt. Alle warfen ihre Panzerungen ab und begannen zu diskutieren, ehrlich und schonungslos, einer rief sogar, man müsste kündigen, man dürfte keinen Tag länger dableiben, da erbleichte ein anderer, der in der Regionalzeitung, in der sie beide arbeiteten, ewig sein Vorgesetzter gewesen war, sowas Ketzerisches hatte er noch nie gehört von ihm, es war ein Sich-Streiten, ein Sich-Erkennen und ein Sich-nicht-Übelnehmen“

und am Ende waren alle „innig“ und „beschwingt“.

Eine internationale Debatte

Das ist die große Erzählung, vor der die kleinen Geschichten in diesem Buch spielen und die sie brisant und aktuell machen, obwohl sie ziemlich speziell und schon etwas älter sind. Die Erzählung sagt: Es ist wieder soweit. Man muss wieder aufpassen, was man sagt, weil man sonst zum Verstummen gebracht wird, nicht mit den Mitteln einer Diktatur, aber genauso effektiv. Und die Medien spielen dabei eine große, eine gefährliche Rolle.

Meinhardt erzählt das vor dem Hintergrund seiner DDR-Biographie; in den USA wird es auch mit Vergleichen zur McCarthy-Ära erzählt. Über 150 Intellektuelle haben vor zwei Wochen in einem offenen Brief gewarnt, dass „der freie Austausch von Informationen und Ideen, der Lebensnerv einer liberalen Gesellschaft, von Tag zu Tag mehr eingeengt“ werde. Bari Weiss hat als Meinungsredakteurin bei der „New York Times“ gekündigt, weil sie sagt, dass sie wegen ihrer vom linken Mainstream abweichenden Positionen gemobbt werde. Andrew Sullivan hat das „New York“-Magazin verlassen, weil er das Gefühl habe, dass sein Konservatismus für viele Kolleginnen und Kollegen eine kaum noch zu tolerierende Peinlichkeit darstelle.

Die Geschichten, die Birk Meinhardt in seinem Buch „Wie ich meine Zeitung verlor“ erzählt, handeln von der „Süddeutschen Zeitung“. In seiner Schilderung ist die SZ ein Blatt, in dessen Redaktion man Schwierigkeiten bekommt, wenn man versucht, Artikel zu schreiben, die nicht ins sorgfältig kuratierte Bild passen. Die die übersichtliche Weltsicht stören, die Sortierung von Gut und Böse verkomplizieren. Ein Blatt, das – kurz gesagt – genau so ist, wie es die Kritiker von sogenanntem „Haltungsjournalismus“ und sogenannten „Mainstreammedien“ immer schon angenommen haben.

Genau genommen hat Meinhardt weniger ein Buch über die SZ geschrieben, als eines über sich selbst und seine Erfahrungen mit der SZ. Es ist kein im engeren Sinne journalistisches Buch: Er hat nicht recherchiert und mit anderen Leuten über ihre Erfahrungen mit oder bei der SZ gesprochen; er hat auch niemanden bei der SZ mit seinen Vorwürfen konfrontiert. Es ist ein rein biographisches Buch, wie vermutlich der Untertitel „ein Jahrebuch“ deutlich machen soll.

Dadurch beruhen die weitreichenden Schlussfolgerungen über die SZ, zu denen das Buch einlädt, auf sehr wenigen einzelnen persönlichen Erlebnissen, die subjektiv geschildert werden. Das macht es nicht weniger wirkungsvoll. Aber problematisch.

Ein allzu gut geölter Mechanismus

Die in vielerlei Hinsicht entscheidende Geschichte ist die einer Seite-Drei-Reportage, die Meinhardt im Jahr 2010 schrieb. Sie ist nie erschienen, und kurz danach endet auch die Arbeit Meinhardts bei der Zeitung.

Der Artikel stellt anhand von zwei Fällen die Frage, ob der Kampf gegen Rechts auch unschuldige Opfer fordert. Ob die Öffentlichkeit zu schnell urteilt, wenn die Sache scheinbar klar ist und in ein vorgefertigtes – und oft ja auch zutreffendes – Muster von rechtsextremistischer Gewalt passt.

Meinhardt formuliert es im Buch so:

„Mir ist etwas aufgefallen, in den Zeitungen, im Fernsehen, im Radio. Wenn es Auseinandersetzungen zwischen rechten oder für rechts gehaltenen Jugendlichen gibt, werden von den Moderatoren und Kommentatoren mit erstaunlicher Schnelligkeit die Rechten dafür verantwortlich gemacht. Sie sind es ja auch oft genug. (…)

Manchmal scheint mir [die Schuldzuweisung] einem allzugut geölten Mechanismus zu entspringen (…).“

Er habe deshalb recherchiert, um sich selbst die Frage zu beantworten, „ob es eigentlich Rechte gibt, die erst von der Öffentlichkeit verurteilt wurden und dann von Gerichten, obwohl sie vielleicht oder ganz sicher nicht hätten verurteilt werden dürfen, gibt es solche Fälle?“

Den daraus resultierenden Artikel hat er komplett im Buch veröffentlicht. Es hilft bei der Beurteilung von Meinhardts Vorwürfen, sich ihn und sein Thema genauer anzusehen.

Ein Neonazi als Justizopfer

Der erste Fall, mit dem sich das Stück beschäftigt, ist der des Nazi-Skinheads G. aus Brandenburg, der mit zwei Kameraden immer wieder rechtsextreme Straftaten beging. Das Trio war im Ort für seine Aggressionen bekannt. Nach einem Brandanschlag auf einen Döner-Imbiss 2004, bei dem ein Mann verletzt wurde, wurden alle drei zu acht Jahren Haft verurteilt. Eine Zeitungszustellerin sagte aus, sie habe drei Verdächtige gesehen; der Aussage der Mutter, ihr Sohn habe an jenem Abend das Haus nicht verlassen, wurde nicht geglaubt.

Erst nach Jahren stellte sich nach Recherchen eines Journalisten der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ heraus, dass der vermeintliche dritte Täter in diesem Fall ausnahmsweise wirklich nicht dabei war. Das Verfahren wurde neu aufgenommen, G. wurde freigesprochen. Im Gefängnis hatte er sich vom Rechtsextremismus abgewandt.

Angesichts der Vorgeschichte des Angeklagten habe es sich der Richter in der ersten Instanz wohl zu einfach gemacht, erklärt Meinhardt in seinem Artikel. Brisant ist eine mögliche Erklärung für dieses Fehlurteil: Dieser Richter habe Ambitionen gehabt, Richter am BGH zu werden. Er war vorher aber zweimal öffentlich für Entscheidungen kritisiert worden, in denen er im Zweifel für rechtsextreme Angeklagte geurteilt hatte. Meinhardts Artikel suggeriert, dass der Richter sich entschlossen hatte, aus politischem Kalkül und aus Karrieregründen nun im Zweifel gegen den rechtsextremen Angeklagten zu urteilen.

Es ist eine interessante, vielleicht bezeichnende Geschichte. Wenn man andere Berichte über den Fall und den Prozess liest, erfährt man dort zwar nichts über die angeblichen Motive des Richters, aber dafür andere Details. Zum Beispiel, dass alle drei Angeklagten die Tat geleugnet hatten und im Prozess keine Aussagen machten. Meinhardt erwähnt nur, dass die zwei tatsächlichen Täter das taten, „schöne Kumpels waren das, vor Gericht hatten sie geschwiegen, um ihre Haut zu retten“, schrieb er in seiner Reportage. Er schrieb nicht, dass auch G., der Unschuldige, keine Aussage machte – um seine Kameraden zu schützen. Gemeinsam spekulierten sie darauf, dass die Indizien bei allen dreien nicht für eine Verurteilung reichen würden.

Der Richter, der G. im Wiederaufnahmeprozess schließlich freisprach, sagte zu ihm: „Sie haben Ihre Verurteilung durch ihr Schweigen mitverursacht.“

Das verkompliziert natürlich die scheinbar einfache Geschichte vom Neonazi, der zu Unrecht verurteilt wird, weil ein Richter im Zweifel gegen Neonazis entscheidet. Nun könnte man sagen, dass auch eine lange Seite-Drei-Geschichte nicht jedes Detail erzählen kann. Aber wäre dieses Detail nicht wichtig?

Und: Diese Komplizierung fehlt ausgerechnet in einem Stück, das sich als Plädoyer für Komplizierung gibt.

Eine Aufsehen erregende Gewalttat in Potsdam

Der zweite Fall, von dem Meinhardt in seinem Artikel für die Seite Drei erzählen wollte, ist ungleich bekannter. Es ist die Geschichte eines Deutsch-Äthiopiers, der in Potsdam 2006 nachts auf der Straße zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt wurde. Auf einer Tonaufnahme war zu hören, wie er zuvor rassistisch beschimpft wurde. Der Fall sorgte für größte Aufmerksamkeit und Empörung, insbesondere im Vorfeld der Fußball-WM in Deutschland. Der Bundesstaatsanwalt zog den Fall – gegen den Protest des damaligen Brandenburger Innenministers Jörg Schönbohm – an sich. Zwei Verdächtige, die man bald fasste, wurden in der Öffentlichkeit schnell vorverurteilt.

Im Prozess brach die Indizienkette gegen sie zusammen. Die Angeklagten wurden freigesprochen. Zweifelhaft blieb, ob es sich überhaupt um einen rassistischen Überfall handelte: Vielleicht hatte das alkoholisierte Opfer zuerst mit Beleidigungen und sogar mit Tätlichkeiten begonnen.

Meinhardts Artikel für die Seite Drei erzählte das alles nach und rechnete mit mehreren prominenten Persönlichkeiten ab, die sich an der Vorverurteilung beteiligten und nichts hören wollten, was gegen die naheliegende Geschichte eines weiteren typischen Falls rassistischer Gewalt im Osten Deutschlands sprach. Und die sich, auch im Nachhinein, keiner Schuld bewusst sein wollten und auf der richtigen Seite sahen.

Neben dem Generalbundesanwalt Kay Nehm waren das der frühere Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye und der Fernsehmoderator Günther Jauch. Heye ist einer der Gründer des Vereins „Gesicht zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“. Kurz nach dem Vorfall in Potsdam hatte er gesagt:

„Es gibt kleine und mittlere Städte in Brandenburg und anderswo, wo ich keinem, der eine andere Hautfarbe hat, raten würde, hinzugehen. Er würde sie möglicherweise lebend nicht mehr verlassen.“

Daraus wurden das Schlagwort von den „No-Go-Areas“.

Jauch hatte in seiner Sendung „Stern TV“ mehrmals den Vorfall in Brandenburg behandelt; das Opfer war zweimal zu Gast. Der Deutsch-Äthiopier wurde von Jauch „liebkost“, schreibt Meinhardt; die Lebensgefährtin eines der Angeklagten hingegen „gegrillt“. Jauch sei „völlig mitgerissen“ gewesen „vom damaligen Sog“ und habe diesen Sog in seiner Sendung „noch gehörig verstärkt“. Auch Jahre später zeige er keinerlei Einsicht, wie problematisch das sei.

Meinhardts Artikel, der damals nicht erschien, endet so:

„Das letzte Wort gehört Uwe-Karsten Heye. ‚Hoffentlich kriegt Ihre Story keinen falschen Zungenschlag‘, sagt er zum Abschied und schenkt einem das jüngste Buch seines Vereins, einen gediegenen Band, aufgemacht als Poesiealbum.“

Eine Art Enteignung

Meinhardt schildert, wie sich die Veröffentlichung seines SZ-Textes zunächst verzögerte und dann verschiedene Verantwortliche verschiedene Bedenken gegen seinen Text anmeldeten, hier eine Änderung wollten, da eine Ergänzung, dort eine Kürzung. Mal sollte der Schluss mit dem Poesie-Album wegfallen, mal die eigene, nicht immer rühmliche Rolle der SZ etwa im Fall Sebnitz thematisiert werden; gegenteilige Fälle, in denen rechte Täter nicht hinreichend verfolgt wurden, sollten rein, Günther Jauch sollte raus. (Meinhardt legt nahe, dass dahinter steckte, dass der Ressortleiter damals privat mit dem Moderator Silvester gefeiert habe und ihm kein Ungemach bereiten wollte; die SZ bestreitet das.)

Es entwickelte sich wohl ein unfreundlicher Mailwechsel mit dem stellvertretenden SZ-Chefredakteur. Schließlich schlug der Ressortleiter vor, dass ein Mitarbeiter den Text überarbeitet; Meinhardt könne aber vor der Veröffentlichung noch einmal darüberschauen. Meinhardt antwortete: Werfen Sie den Text in die Mülltonne, mit freundlichen Grüßen.

Nun ist es nicht unüblich, dass Artikel vor der Veröffentlichung auf der Seite Drei der SZ gründlich überarbeitet werden, unabhängig von der Autorin oder dem Autor. Der mühsame Prozess kann sich, so erzählen es Redakteure, Tage oder Monate hinziehen. Die Verantwortlichen sehen darin ein Ringen um die beste Qualität, einen Ausdruck von besonderer Sorgfalt; getragen aus der Verpflichtung gegenüber dem besonderen Prestige, das diese Seite immer noch habe.

Birk Meinhardt sieht darin, dass andere seinen Artikel verändern wollten und sollten, nicht nur einen politischen Eingriff, der ihn an die Zensur in der DDR erinnerte. Er hat auch ein grundsätzliches Problem damit, dass nicht jedes Wort so gedruckt werden sollte, wie er es geschrieben hatte.

So schildern es ehemalige Kollegen, so deutet er es auch selbst in seinem Buch an. Meinhardt hatte schon länger Schriftsteller werden wollen; der Streit um diesen Seite-Drei-Text forcierte den Berufs-Wechsel. Es sei eine große Erleichterung gewesen, als der Lektor des Romans, an dem er schrieb, im Vorgespräch zu ihm gesagt habe: „Es ist Ihr Buch.“ Meinhardt jubelt:

„Meines ist es. Mein Text. Er gehört, bis er gedruckt ist, nur mir. Niemand sonst hat die Verfügungsgewalt. Das ist in diesem Verlag hier also eine Selbstverständlichkeit. In dem Moment begriff ich, daß es in der Zeitung nicht so ist. Jeder Redakteur darf einen Text, den ein Autor geschrieben hat, nach seinem Willen verändern, es gibt nichts, was üblicher wäre. Manchmal ist es zum Vorteil des Textes, manchmal zum Nachteil, immer ist es eine Art Enteignung. Ich hatte schlicht Glück wegen meiner Urkunden, daß meine Texte vorsichtiger behandelt wurden als andere, es brauchte einen Text, in dem ich ein Tabu brach, damit man ihn mir, sanft und doch bestimmt, entwendete.“

Mit den „Urkunden“ meint Meinhardt die Kisch-Preise, die er gewonnen hatte, gleich zwei in drei Jahren. Was er als „Glück“ beschreibt, erlebten andere als Problem, denn nach diesen Preisen sei die Zusammenarbeit mit ihm schwieriger geworden: Meinhardt habe nur noch wenige Artikel geschrieben und sich in seiner Selbsteinschätzung als Schriftsteller bestärkt gesehen. Er habe angefangen, sein Denkmal zu pflegen, sagt ein ehemaliger Kollege, und redaktionelle Abläufe zu ignorieren. Er habe einen Seite-Drei-Artikel verfasst, der doppelt so lang war, wie auf eine Seite Drei passte. Der solle dann eben in zwei Teilen veröffentlicht werden.

Man kann größere Teile von Meinhardts Buch als langen, enttäuschten Bericht eines Journalisten lesen, der eigentlich immer schon lieber und besser Schriftsteller geworden wäre. Aber durch diese Lesart verliert das Buch natürlich viel von seiner Brisanz. Es würde dann nicht ganz so viele Leute interessieren und beeindrucken und in ihren Zweifeln an der Realitätstreue der Medien zweifeln lassen.

Ein Tabubruch?

Der entscheidende Punkt ist, dass Meinhardt behauptet, er habe Probleme mit seinem Artikel bekommen, „weil er ein Tabu brach“.

Tat er das wirklich?

Die Frage, die ihn angeblich zu seinem Artikel animierte, ob es eigentlich Menschen gibt, die im Kampf gegen Rechts zu unrecht verurteilt oder vorverurteilt wurden – man kann sie statt brisant auch treuherzig finden, denn diese Frage hat die SZ schon vor ihm klar mit Ja beantwortet.

Sie hat den Fall des in Potsdam zusammengeschlagenen Deutsch-Äthiopiers ausführlich und kontinuierlich begleitet. Am Anfang hat sie zwar, wie viele andere, voreilig die Erzählung vom rassistischen Angriff übernommen und vom „schlimmsten ausländerfeindlichen Überfall in der Landeshauptstadt seit der Wende“ geschrieben. Sie referierte in den folgenden Monaten aber auch akribisch die aufkommenden Zweifel und Widersprüche.

Bereits wenige Tage nach dem Überfall warnte ein Artikel im SZ-Feuilleton vor „Entrüstungsmaximalismus“:

(…) wer nicht auf der höchsten Stufe der Alarmiertheit einsetzt, gilt rasch als Verharmloser. Oder als einer, der am rechten Rand fischen wolle. Je bestürzter man sich umgekehrt gibt, desto unangreifbarer wird man. Denn es geht ja um nichts weniger als um Schwarz und Weiß, um Gut und Böse. Augenmaß und Ruhe gelten da schnell als verdächtige Pedanterie. Das hat Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm jetzt zu spüren bekommen, als er mit einem Urteil über den vermuteten rechtsradikalen Hintergrund des Anschlags auf Ermyas Mulugeta in Potsdam den polizeilichen Ermittlungen nicht vorausgreifen wollte.

Am Tag nach dem Freispruch berichtete die SZ groß auf ihrer Seite Drei. Sie beschrieb, welche Folgen der falsche Verdacht für die beiden Angeklagten hatte:

„Björn L. hat über seinen Anwalt erklären lassen, er sei weder rechtsradikal noch fremdenfeindlich. Aber sein Name sei inzwischen zu einem Synonym für ausländerfeindliche Delikte geworden. ‚Egal, wie das Verfahren ausgeht, mein persönlicher Schaden ist nicht mehr reparabel.‘ (…)

Thomas M. hat bis zu seiner Festnahme als Fahrer von behinderten Kindern gearbeitet. Seitdem ist er arbeitslos.“

Das letzte Wort gab der Artikel dem Anwalt von Björn L.:

„Der Verteidiger von Björn L., der Potsdamer Anwalt Matthias Schöneburg, hat gesagt: ‚Wäre der Fall nicht so politisiert worden, wäre es vielleicht nie zur Anklage gekommen.‘ Wahrscheinlich hat er Recht.“

In einem Kommentar begrüßte der Prozess-Berichterstatter die Freisprüche und schrieb:

„Es hat in den vergangenen Jahren wenige Verfahren gegeben, die von Vorurteilen und Vorverurteilungen so aufgeladen waren wie dieses. (…)

Die Hysterie, die im vergangenen Jahr ausgebrochen war, ist nicht nur damit zu erklären, dass der Fall viele Klischees zu erfüllen schien – der Angriff fand in Ostdeutschland statt und er traf ein dunkelhäutiges Opfer. Derartige Angriffe werden in Ost und West sehr unterschiedlich aufgenommen: In Ostdeutschland stößt man oft auf erschreckende Gleichgültigkeit; im Westen gibt es bisweilen eine Tendenz zur Überreaktion. Wenn aber die eine Seite über- und die andere Seite untertreibt, dann ergibt sich daraus leicht eine Zuspitzung, in der die Fakten nur noch eine kleine, die eigene Wahrnehmung dafür aber eine umso größere Rolle spielt.“

Das stand alles schon in der Zeitung, bevor Birk Meinhardt mehr als drei Jahre später in Bezug auf Björn L. formulierte:

„Er ist ein Beispiel dafür, was geschehen kann, wenn im Kampf gegen Rechts der Blick auf die Tatsachen verlorengeht; eine Schraubendrehung zuviel, und schon ist was, oder wer, kaputt.“

Einen großen Teil der Fakten, die Meinhardt 2010 erzählen wollte, kannten SZ-Leser längst; auch ihre Einordnung war nicht neu. Wie plausibel ist dann seine Behauptung, sein Text habe ein „Tabu“ gebrochen und sei deshalb verhindert worden?

Neu war allerdings, wie pointiert Meinhardt Jauch und Heye ins Visier nahm. Er schrieb, auf sie gemünzt:

„(…) das ist vielleicht das finsterste an der ganzen Geschichte: Wie Differenzierung noch heute abqualifiziert wird als Verharmlosung; wie die Selbstgerechten von einst an ihrer Kampflinie festhalten (…).

Man kann mit ihnen stundenlang in schöner Atmosphäre Kaffee trinken und angeregt darüber reden, was nicht läuft bei Gott und in der Welt, aber wenn man die Frage aufwirft, wie eine im Grunde prächtige Haltung durch Übertreibung sich zuweilen selbst diskreditiert, und ob sie, Heye und Jauch, vielleicht Anteil daran gehabt hätten, erheblichen sogar, wollen sie einem nun gar nicht folgen.“

War das zuviel Kritik an den „Guten“? Oder war das Problem, wie sich Meinhardt aus der Chefredaktion angeblich anhören musste, dass das Stück von den Rechten als Beweis dafür genommen werden könnte, dass sie ungerechtfertigterweise verfolgt würden?

Das entspräche einem zentralen Vorwurf, der den sogenannten „Mainstream-Medien“ von Kritikern gemacht wird: Dass unbequeme Wahrheiten unter den Teppich gekehrt werden, um nicht den Falschen in die Hände zu spielen – was ihnen in Wahrheit noch viel mehr in die Hände spiele.

Ein neuer Anlauf

Birk Meinhardt war raus aus der SZ, er war erstmal Schriftsteller. Erst 2017 bot er sich dem Blatt wieder an, er brauchte Geld, die SZ freute sich, ihn wieder zu beschäftigen. Sie stimmte sogar zu, dass er als freier Autor Seite-Drei-Reportagen schreibt, was normalerweise angestellten Redakteuren vorbehalten ist.

Als erstes wollte Meinhardt über die amerikanische Militärbasis Ramstein schreiben, nein: gegen die amerikanische Militärbasis Ramstein und gegen den furchtbaren Drohnenkrieg, den die USA von hier aus in der arabischen Welt führen.

Den Artikel, den er verfasste (und der ebenfalls in seinem Buch veröffentlicht ist), beschreibt er selbst als „krampfig“. Er ist extrem einseitig; „absichtsvoll“ nennt ihn Meinhardt selbst, „im Grunde trieb mich die Scham, daß ich mich wieder für diese Zeitung zur Verfügung gestellt hatte, fuhr die nicht grundsätzlich einen geradezu devoten transatlantischen Kurs? Ja.“

Der Chefredakteur, der das Manuskript las, ließ ihm ausrichten, dass das so auf keinen Fall veröffentlicht werde, und Meinhardt räumt zwar ein, dass dem Stück die andere Seite fehlte, fragte sich aber, ob es nicht bloß daran liege, „weil ich die Amerikaner, und nicht die Terroristen, als feige schildere?“

Er machte sich zögernd und widerwillig ans Nacharbeiten, und bekommt dann plötzlich den Anruf, dass er es ganz lassen kann: Er dürfe gar nicht mehr für die Zeitung arbeiten, aus juristischen Gründen.

Meinhardt lässt die Leserinnern und Leser seines Buches einige Seiten im Unklaren, ob das nur ein Vorwand ist und es in Wahrheit doch nur wieder darum geht, ihn und seine angeblich unbequemen Geschichten loszuwerden. Erst dann klärt er auf, dass es tatsächlich juristische Gründe waren, die nichts mit ihm zu tun haben.

Aus der Redaktion heißt es auf Nachfrage von Übermedien: Ein Arbeitsrechtsprozess mit einem anderen Mitarbeiter habe dazu geführt, dass niemand anders aus Berlin als Reporter beschäftigt werden durfte. Man bedaure, wie Meinhardt davon völlig unschuldig betroffen wurde; das sei extrem unglücklich gewesen.

Späne, die sich nach dem Magneten ausrichten

Für Meinhardt war es, wenn man ihm glaubt, ein Glück. Denn nun ist er immerhin nicht wieder in dem Blatt aufgetaucht, das ihm inzwischen vollständig verhasst ist. Er wirft ihm vor, die Realität auszusperren und „einer Haltung Ausdruck zu verleihen und nicht mehr der Wirklichkeit“. Große Teile der Realität würden gemeinschaftlich, geschlossen, uniform ausgeblendet,

„so indentitisch [sic] zeigen sich eigentlich nur Späne, die sich nach dem Magneten ausrichten, heiliger Journalismus, und wenn der Magnet, aus welchen Gründen auch immer, seine Lage verändert, folgen die Späne wieder, sie folgen.“

Meinhardt wettert gegen den Gebrauch des Wortes „Flüchtlinge“ – sogar das Wort „Wirtschaftsflüchtling“ ist ihm zu positiv – und er fragt sich, warum in der Zeitung über Flüchtlinge immer nur Erfolgs-Geschichten stünden und nie Problem-Geschichten.

Er sieht sich in seinem Buch genötigt, einen Absatz einzuschieben, in dem er schildert, wie er mal einen Busfahrer, der eine Gruppe junger ausländischer Männer grundlos auflaufen ließ, „Arschloch“ genannt habe. Er schreibt das, um zu beweisen, dass er kein Rassist ist. Dass er dazu schreibt, dass er es selbst merkwürdig findet, dass er sich dazu genötigt fühlt, macht es nicht besser.

Er nimmt den russischen Präsidenten Putin in Schutz:

„Mein altes Blatt kommt, was Rußland betrifft, seit Jahren ohne Differenzierungen aus. Es ist zum Platz der Einseitigkeit geworden, zur Grube, in die alle Zusammenhänge und Hintergründe fallen, die Verständnis fürs russische Handeln wecken oder befördern könnten, nur ein Beispiel, ein kleines nur: Der russische Präsident, wie er als Alleinherrscher tituliert wird und als Zar, wie es immer heißt, sein Reich, als gäb’s in der deutschen Politik keine Richtlinienkompetenz, als wär’s nicht die Kanzlerin gewesen, die 2015 wie eine Zarin gehandelt hat (…).“

Die Richtlinienkompetenz der Kanzlerin und der über Leichen gehende Autoritarismus von Wladimir Putin, nur Nuancen derselben Machtausübung. Ist das wirklich die Perspektive, die den deutschen Medien fehlt, das Stück der Realität, das sie ausblenden?

Irreführend und nicht zutreffend

Es kostet etwas Überredungskraft, die „Süddeutsche Zeitung“ dazu zu bringen, sich öffentlich zu dem Buch zu äußern. Schließlich lässt sich Chefredakteur Wolfgang Krach mit den Worten zitieren:

„Die Anschuldigungen, die in dem Buch erhoben werden, sind irreführend und nicht zutreffend. Sie lassen sich im Übrigen leicht widerlegen. Wer die SZ in den vergangenen Jahren gelesen hat, wird feststellen, dass wir regelmäßig – auch auf der Seite Drei – etwa über Probleme mit Flüchtlingen oder Migranten geschrieben haben. Ebenso haben wir mehrmals und ausführlich über den Drohnenkrieg der Amerikaner vom US-Stützpunkt Ramstein aus berichtet. Sofern in dem Buch also der Eindruck erweckt wird, die SZ scheue sich, über diese Themen zu schreiben, ist das abwegig.

Dass Autoren Geschichten zur Überarbeitung zurückerhalten, wie das Herrn Meinhardt immer wieder passiert ist, gehört bei der SZ zum redaktionellen Alltag. Dies hat journalistische Gründe, sie haben nichts mit der Haltung des Autors oder dem Tenor des jeweiligen Textes zu tun.“

Hat er Recht? Ist das die ganze Geschichte? Ist das überzeugend für Leute, die die „Süddeutsche Zeitung“ lesen? Ist es überzeugend für diejenigen, die mit großer Skepsis die etablierten Medien verfolgen oder die sich von ihnen abgewandt haben? Ist es überzeugend für Leute wie den ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten, die auf das Buch verweisen?

Ich habe mit drei SZ-Redakteuren über den Vorwurf gesprochen, dass es nur Erfolgsgeschichten über Flüchtlinge und Migranten auf die Seite Drei schafften, keine Problemgeschichten. Alle drei widersprachen und wussten auch sofort ein konkretes Gegenbeispiel. Aber alle drei nannten dasselbe: Einen Bericht von Hans Holzhaider im August 2018 über einen Prozess gegen vier junge Asylbewerber, die ein Jahr zuvor in Dessau eine Flaschensammlerin vergewaltigten – eine Gerichtsverhandlung, die, wie er schrieb, „nur auf sehr mäßiges öffentliches Interesse stößt“, der er aber großen Raum gab.

Fällt den dreien als erstes derselbe Bericht ein, weil er in Wahrheit so eine große Ausnahme war? Die Redakteure bestreiten das: Auf der Grundlage einer überwiegend links-liberalen Haltung, die auch für eine Offenheit gegenüber der Aufnahme von Asylbewerbern stehe, schreibe man selbstverständlich auch über das, was es an Problemen gibt.

Ein Dossier mit anderen Artikeln

Die SZ schickt, um das zu untermauern, ein PDF-Dossier mit vielen Artikeln.

Im November 2019 berichtete sie in einem längeren Stück über Helfer, die entnervt aufgeben, weil sie bei den geflüchteten Menschen Engagement und Eigeninitiative vermissen. Bereits im Dezember 2015 veröffentlichte sie die „ehrliche Bilanz“ einer Flüchtlings-Helferin mit vielen Enttäuschungen.

Im Oktober 2017 berichtete die SZ groß auf Seite Drei über Hussein K., der in Frankfurt Freiburg eine Frau vergewaltigt und ermordet hat: „Eine Geschichte über die Grenzen der Willkommenskultur“.

Im September 2017 erschien ein Leitartikel mit der Überschrift: „Frauen und Flüchtlinge – Berechtigte Sorge“.

Auf ihrer Seite Drei hat die SZ Reportagen aus dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge veröffentlicht; über Polizisten, die „wegen der Flüchtlingswelle seit Monaten frustriert am Limit arbeiten“; über die Stadt Freiburg, „die friedensbewegte, weltoffene Stadt“, die „ein Problem mit Flüchtlingen hat“; über einen kleinen Ort in Baden-Württemberg, der 4600 Einwohner hat und 1000 Flüchtlinge und sich sehr alleingelassen fühlt – Überschrift: „Hilfe“.

Meinhardt beklagt, dass die SZ über Pegida-Demonstrationen berichtet habe, ohne auch nur einen Demonstranten zu zitieren. Aber es gibt auch eine große Seite-Drei-Geschichte vom Februar 2016, in der Pegida-Anhänger ausführlich zu Wort kommen sowie eine Frau, die der SZ geschrieben hatte, weil sie zornig war, dass Pegida pauschal als rechtsextrem dargestellt werde.

Es ist merkwürdig, das alles aufzulisten: Welche Menge an Beispielen müsste es geben, damit Vorwurf entkräftet wäre, dass die SZ die Realität frisiert? Wie müsste das Verhältnis von Guten-Flüchtlings- zu Böse-Flüchtlings-Geschichten sein, und ist es nicht schon ein Problem, die gegeneinander aufzurechnen?

Andererseits braucht Birk Meinhardt auch nur sehr wenige persönliche Geschichten, um ein zumindest scheinbar überzeugendes Bild vom Alltag einer Haltungsredaktion zu zeichnen, in der unbequeme Dinge nicht geschrieben werden dürfen. Sein Buch plädiert dafür, die Wirklichkeit in all ihrer Farben zu zeigen, und reduziert sie selbst auf ein sehr monochromes Bild.

Es ist ein problematischer Beitrag zu einer wichtigen Debatte. Der müsste sich die SZ viel entschlossener stellen, auch und gerade in eigener Sache. Schon um nicht eine Diskussion darüber, ob man knifflige Diskussionen totschweigt, totzuschweigen.

Offenlegung: Ich habe bis 2001 für die Medienseite der „Süddeutschen Zeitung“ gearbeitet. Deren verantwortlicher Redakteur war in dieser Zeit u.a. Alexander Gorkow, der 2009 Chef der Seite Drei wurde und in dieser Funktion in Meinhardts Buch eine Rolle spielt.

149 Kommentare

  1. Birk Meinhardt beschreibt in seinem Buch sehr anschaulich ein Hauptproblem des heutigen Meinungs-Journalismus. Ein Herdenverhalten innerhalb der Redaktionen, weil keiner aus dem vorhandenem Meinungskorridor ausscheren will. Querdenker ecken an, oder sind unerwünscht.
    Bari Weiss hat in ihrem Kündigungsschreiben an die New York Times diese journalistischen Schwachpunkte deutlich gemacht.
    “ Einst große journalistische Institutionen haben ihre Standards verraten und ihre Prinzipien aus den Augen verloren“, schreibt sie treffend. Ein „Forum für die Erörterung aller Fragen von öffentlicher Bedeutung zu machen und zu diesem Zweck eine intelligente Diskussion aus allen Ecken des Meinungsspektrums einzuladen “, das wollen heute weder New York Times noch Süddeutsche Zeitung mehr leisten. Stattdessen werden die politischen Bedürfnisse der Hauptleserschaft durch einen moralisch überhöhten Meinungsjournalismus befriedigt.
    Das Kündigungsschreiben ist eine schallende Ohrfeige für so einen verarzten Journalismus:
    https://www.bariweiss.com/resignation-letter

  2. @Dirk Weller: Meinhardt beschreibt es vielleicht anschaulich, aber beschreibt er es auch überzeugend? Wenn er so ungewünscht war als angeblicher Querdenker, warum empfing ihn das Blatt 2017 erst einmal wieder mit offenen Armen?

    (Der Link zu Bari Weiss steckt auch oben schon im Artikel.)

  3. 1.) Ich sage es wieder: Wer „daß“ schreibt, hat was vor.
    2.) Die Antwort auf die Frage, welche Menge an Beispielen es geben müsse, um den Frisier-Vorwurf zu entkräften: Die Frage ist falsch gestellt. So lange nicht *alle* Artikel und Beiträge Birk Meinhardts Realität widerspiegeln, wird der Mann nicht zufrieden sein.
    Das mache ich an Dingen fest wie der Unwahrheit, „die Kanzlerin“ habe 2015 wie eine Zarin gehandelt. Oder der Problematik pb es nun „Flüchtlinge“ oder „Wirtschaftsmigranten“ seien, bei der Meinhardt nur seine Formulierung zulässt.
    Aber das ist leider alles egal, denn Meinhardts Buch wird der Knaller, sich super verkaufen und die Nachfolger werden noch schärfer und pointierter. Das glaube ich, weil ich zufällig heute einen Medien-Coach in den Kress-News gelesen habe, der diese Art der „Abrechnung mit dem Haltungsjournalismus“ spielt:
    https://kress.de/news/detail/beitrag/145497-job-kolumne-kuendigen-weil-die-politische-linie-nicht-mehr-passt.html
    Der Clou: Juan Moreno wird in eine Reihe gestellt mit Ulfkotte un Meinhardt, alles Abrechnung, alles aus politischen Gründen. Das zeigt: Das Narrativ ist wirksam, jetzt werden Fälle reingepackt, ob sie passen oder nicht.
    Schade.

  4. Es könnte natürlich auch sein dass der ehemalige SZ-Autor, wie einige andere Journalisten in diesem Alter, Richtung rechts radikalisiert.
    Und dann eben eher bei Tichys Einblick oder PI News die „Meinungsfreiheit“ finden kann die er sucht. Die vor allem darin besteht dass er unwiedersprochen daherreden darf und einen gefühlten Rechtsanspruch darauf hat dass seine Zeitung das auch abdruckt.
    Oder anders gesehen, völlig kritikunfähig ist.

  5. Vielen Dank für den guten Artikel!

    Sehr interessante Analyse.

    Dass das Buch natürlich trotzdem in seiner Blase genügend Leser/Verbreiter finden wird, steht sicher trotzdem außer Frage.

  6. @slowcar
    Ich glaube nicht, dass es das Alter ist. Ich glaube es ist „2015“.
    Die Differenz zwischen der Wirklichkeit und der Geschichte, „die Kanzlerin hat eigenmächtig die Grenzen geöffnet“, erklärt für mich alles.
    Tichy, Steingart, wie sie heißen, beharren darauf, dass das eine valide Erzählung ist. Und wer widerspricht, lügt.

  7. Es ist doch seit jeher so, das Zeitungen eine gewisse redaktionelle Linie haben. Je nachdem ob ich Bild, Welt, FAZ, Spiegel, Focus, Süddeutsche kaufe, erwarten mich dort andere Inhalte und andere Sichtweisen.

    Man bekommt den Eindruck als wünscht er sich eine Zeitung ohne Redaktion. Wenn er das will, muss er halt sein eigenes Ding machen und dann selbst verantworten was er schreibt.

    Möglicherweise hat sich auch nicht die „Süddeutsche“ verändert, sondern er selbst.

  8. Interessantes Detail: Bei meinen russischen Freunde hat Putin in der Tat den Spitznamen „Zar“ und es kam mir nicht so vor, als wäre das ein origineller Insider, sondern durchaus üblich im russischen Alltag. Also vielleicht ist diese von Meinhardt kritisierte Betitelung alles andere als reine Polemik.

  9. Als Leser, der jetzt keine besonderen Russland-Kenntnisse hat, nervt mich die Formulierung vom „Zar“ schon, weil sie so platt und unorinell ist. Und ich glaube, dass man auch streiten kann, wie differenziert die Russland-Berichterstattung ist oder nicht ist. Aber nicht ernsthaft mit jemandem, der dann „und die Richtlinienkompetenz“ ruft.

  10. Danke für den Text, Stefan. Birk Meinhardt betreibt halt Opferkult.

    Die Aussage von Wolfgang Krach („Dass Autoren Geschichten zur Überarbeitung zurückerhalten, wie das Herrn Meinhardt immer wieder passiert ist, gehört bei der SZ zum redaktionellen Alltag.“) kann man getrost erweitern:

    Bei jeder professionellen Redaktion, egal ob Zeitung-Hörfunk-TV, gehört das zum Alltag. Das ist die gute angelsächsische Tradition. Wer meint, dass seine eigenen Beiträge sakrosankt wären, soll halt ein Buch schreiben oder einen Blog betreiben oder selber Verleger werden.

    Und für die Leute, die meinen, das sei doch Zensur: Schaut mal genauer, was „alternative Medien“ veröffentlichen – und wie oft, besser: wie selten da mal etwas auftaucht, was vom redaktionellen Kurs abweicht. Etwas Positives über Flüchtlinge bei Tichy, Achgut, PI? Etwas Kritisches über Putin bei Nachdenkseiten? Da kann man lange suchen.

  11. Tolle Recherche, tolle Analyse, toller Text. Ich habe von Herrn Meinhardt bisher nichts gelesen. Schön, zu wissen, dass das auch nicht nötig ist.

  12. „Es könnte natürlich auch sein dass der ehemalige SZ-Autor, wie einige andere Journalisten in diesem Alter, Richtung rechts radikalisiert.“

    Wieso „könnte“?
    Warum wird der rechtsradikale Rechtsradikalismus immer noch unterschätzt? Warum wird er angezweifelt?
    Warum kommt es sogar so weit, dass der rechtsradikale Rechtsradikalismus regelrecht geleugnet wird?
    Dabei sind die rechtsradikalen Rechtsradikale überall. In Studien, in Aufrufen, in interdisziplinären Forschungsprojekten, im Gesabbel der A-A-Stiftung …
    Selbstverständlich ist der rechtsradikale Birk Meinhardt auch so ein Rechtsradikaler. So wie alle, die auch nur einen halben Schritt aus dem Glied heraustreten. Alles rechtsradikale Rechtsradikale.
    So einfach ist die Welt.

  13. @Stefan Niggemeier
    Ja, stimmt. Und zudem erschafft es noch ein Bild von Putin, wie er es sich selber wünscht.

  14. Was Meinhardt bewegt, kann ich bestens nachvollziehen. Mal ganz abgesehen davon, dass seine Reportagen Glanzlichter der SZ waren, die ich immer genossen habe, auch wenn das Thema an sich mich mal eher nicht interessiert haben sollte, finde ich es unendlich schade, dass ein solch begnadeter Journalist einer der Top 3 der Überregionalen verloren geht und wohl im Wimmelbild der Internetblogs untertaucht. Wie 99 Prozent der hier Mitlesenden und Postenden wird auch Meinhardt eher grundsätzlich „links“ wie „rechts“ denken…aber eben auch schrankenlos, dogmenbefreit, im besten Sinne objektiv. Wie sich ein guter Journalist alle die Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte definiert hat. War da irgendeine „Haltung“ notwendig? Höchstens gegenüber dem Chefredakteur, wenn es darum ging, seinen mit Schweiß und Tränen entstandenen Leitartikel oder eben die mühsamst recherchierte und formulierte Reportage zu verteidigen.

  15. Schade, ich hatte mir das Buch schon auf meine Leseliste gesetzt. Klang ja interessant. Aber dieses Review (und andere) zeigen doch eher: Da meckert wer rum, weil die Redaktion seine Texte nicht eins zu eins abdruckt und sich für die journalistische Offenbarung bedankt.

    Wie oft die SZ bisher positiv oder negativ über Flüchtlinge berichtet hat, das ist doch eher eine Frage für Medienwissenschaftler. Schließlich wirft jemand das Wort Tendenzschutz ein und die Arbeit endet mit einer kleinen Diskussion über die innere Pressefreiheit in der Redaktion. Das würde sich natürlich nicht so gut verkaufen wie ein Buch über irgendeinen Haltungsjournalismus, wäre aber näher an der Realität dran.

    Vielleicht kaufe ich mir das Buch doch noch, für die Reportagen, auch wenn sie nicht die Standards der Seite 3 erfüllen. Lohnen sie sich?

  16. Es ist doch häufig so – und das beobachte ich auch an mir – dass man mit dem Alter nicht mehr mit den jüngeren Leuten mitkommt.

    Was rege ich mich manchmal über junge Leute und ihre Naivität auf z.B. bei den letzten BLM-Demos in Deutschland oder davor bei FFF in Deutschland und bin da auch nie mitmarschiert, obwohl es Themen sind, die mich sehr berühren und bei denen ich seit Jahrzehnten engagiert bin.
    Aber nicht mit diesen naiven Leuten – aus meiner Sicht.

    Es ist nicht das Problem der SZ oder bei mir von BLM oder FFF, sondern meine Starre, dass ich mich jetzt nicht mehr noch weiter bewegen will, da ich meine Position gefunden habe und ich nicht mit der Masse der jungen Leute mitarbeiten kann.

    Das müsste sich Herr Meinhardt auch mal überlegen, ob nicht er das Problem hat und nicht die SZ.

  17. Die Leute, mit denen Meinhardt sich über Kreuz gelegt hat, waren ja auch nicht gerade Millenials.

    Und wie ich den Artikel verstanden habe, ist die Blattlinie jetzt nicht komplett anderes als Meinhardts, sondern Meinhardt stört, dass die SZ noch andere Meinungen vertritt als seine, was jetzt ja schon recht dreist ist und doppelt dreist, wenn das dann noch als _eingeschränkte_ Meinungsfreiheit gefrämt wird.

    Was jetzt natürlich nicht ausschließt, dass die xte Änderung an einem Artikel überzogen gewesen sein kann und diese „arbeitsrechtlichen Gründe“ kommen mir schon etwas seltsam vor. „Du sollst keine anderen Reporter neben mir in Berlin haben?“ – „Tja, liebe Leserinnen und Leser, unser Reporter in Berlin ist im Urlaub, keine Ahnung, was Frau Merkel uns gerade zu sagen hat. Wir hätten zwar einen in Brandenburg, aber der darf die Landesgrenze nur zu privaten Zwecken überschreiten…“

  18. @Tom G. Warrior
    Ihr Kommentar ist eine Pathos aufgeladene Verklärung, dass jemand mit zuviel Star-Allüren nicht klar kam in der Teamarbeit und sein Ego nicht genug gestreichelt wurde und dazu wollen Sie unterschieben, dass es keine (bzw. kaum noch) frei denkenden Journalisten mehr gäbe, was auch nichts als (nostalgische) Verklärung ist auf dem Niveau, dass früher noch „Typen“ in der Bundesliga gespielt hätten.
    Sie haben übrigens glatt das „Blut“ zu den „Schweiß und Tränen“ in Ihren gesammelten Phrasen vergessen. „Haltung“ im Sinne einer bewussten Verantwortung für die Demokratie und Wahrheit sollten Journalisten schon immer gehabt haben, das können Sie auch mit („mühsamsten“) abgedroschenen Rhetorik nicht wegwischen. „Sturmgeschütz der Demokratie“ , der Spruch hat schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel.

  19. Kurios! Dabei ist ja im Gegenteil alles vorhanden, aber Leute wie Meinhardt scheinen nicht zu ertragen eine Minderheitsmeinung zu vertreten und fühlen (!) sich in der Folge gegängelt wenn sie Widerspruch bekommen und/oder auch einfach das Gespräch nicht stattfindet weil das Gegenüber dieses oder jenes Gespräch schon tausendmal geführt hat und schlichtweg keine Lust mehr drauf hat. Und danach meiner Erfahrung manche Leute (vielleicht auch Meinhardt?) ein erhöhtes Bedürfnis haben ständig dies und das zu diskutieren kann das sogar Freundschaften bzw. zwischenmenschliche Ebenen belasten.

    Und sagen sie mal so jemandem oder in manchen Kreisen bzw. einem öffentlichen Forum dass man z.B. 2015 das Handeln der Bureg im Großen und Ganzen richtig findet, da ist aber was los. Oder z.B. vor 20 jahren dass man Veganer ist! Muss man halt erstens den Mut zu haben und es zweitens aushalten.

    Denn der eigentliche Kern ist das viele derjenigen die sich gerade über die vermeindliche Diktatur der Mehrheit empören es nie gelernt haben damit umzugehen eine Minderheitenmeinung zu vertreten….

  20. Aus einem der obigen Zitate:
    „aus welchen Grünen auch immer“
    Fehlt da ein [sic] oder ein ‚d‘? Oder verstehe ich den Witz nicht?

  21. Es gibt bestimmte Themen, die extrem tabubehaftet sind. Hier mal ein Beispiel: https://krautreporter.de/3386-wir-mussen-uber-zerstorerisches-verhalten-von-frauen-reden

    Die Redaktion stellt dem Text eine langatmige Warnung voran, redet gleich am Anfang von einem „Tabu“.

    Ich könnte mir auch schwer vorstellen, dass z.B. bei Übermedien ein Text erscheint, der das auch in „Qualitätsmedien“ verbreitete Narrativ der toxischen Männlichkeit so hart mit einem Gegennarrativ konfrontiert. Ich erinnere nur an die Pro7-Sendung Männerwelten, die hier gefeiert wurde, die sogar einen Wikipedia-Eintrag hat und zu der es – wenn man Wikipedia glaubt – inhaltlich offenbar nicht die geringste Kontroverse gibt.

    Kritik zu solch etablierten Narrativen (es gibt Journalisten, die offen sagen, dass es ihnen um Narrative geht) findet man tatsächlich fast nur noch in Alternativmedien.

  22. Als jemand, der die meisten Zeitungen nur online ohne Abo liest, kann ich mir kein Urteil über die Süddeutsche erlauben. 2015 und die Jahre danach haben mich allerdings zu der Überzeugung geführt, dass die großen Medien wie Staatsfunk, Spiegel, Welt FAZ und Zeit eine einseitige Berichterstattung pro Asyl betreiben und die Presselandschaft zu großen Teilen unglaubwürdig ist. Die Einhelligkeit der Berichterstattung bewog mich 2015 sogar dazu von Gleichschaltung der Presse zu sprechen. Ausnehmen möchte ich nur den Cicero, dessen Abonnent ich seitdem bin. Auch wenn mich diese ewige Lamento, wie Deutschland vom Ausland und den Ausländern ausgenommen wird anödet bis zum geht nicht mehr. Es gibt Menschen, die ihrer Zeit voraus sind und solche die mit den Wölfen heulen. Die Süddeutsche schien mir in den letzten Jahren zu den letzteren zu gehören. Auch wenn sich die Einseitigkeit gebessert hat, ist das Vertrauen in eine unabhängige Berichterstattung in der deutschen Presse tief gestört.

  23. Wer, wenn die Mehrheit nun einmal eine andere Meinung hat als er selbst, von „Gleichschaltung“ spricht, der verwirkt eigentlich das Recht auf eine Antwort.

    „Staatsfunk“ hätte aber eigentlich auch schon den sofortigen Leseabbruch herbeiführen müssen.

  24. @Christoph Kuhlmann #26: Die Einhelligkeit haben Sie sich nur vorgestellt. Es gab eine Mehrheitsmeinung, eine breite Zustimmung zu Asyl, über die ich mich immer noch freue. Was wäre auch die Alternative gewesen? Hätten wir beim Erreichen der diskutierten Obergrenze alle überzähligen/nachfolgenden erschießen sollen? Wer sollte das Tun? Die Bundeswehr? Die Polizei? Der Grenzschutz? Der Innenminister persönlich? Sie haben Staatsfunk geschrieben.

  25. Er hat „Staatsfunk“ geschrieben. Ist deshalb jedes seiner Argumente „staatszersetzend“? Die „Süddeutsche“ war und ist krass einseitig der „guten“ Seite verpflichtet. Ich lese sie trotzdem. Ich zahle auch freiwillig für Niggemeier. Wer Medienkritik für notwendig hält, kommt an ihm nicht vorbei. Was mich aber wirklich ärgert, ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Er nimmt Geld von allen Haushalten, repräsentiert aber vornehmlich ein bildungsbürgerlich-grünrotes Spektrum. Die alt- und ostdeutsche und die migrantische Unterschicht kommt kaum zu Wort.
    Das Büchlein von Birk Meinhardt habe ich einen Tag vor Niggemeiers Kritik vollständig gelesen. Es ließ mich etwas ratlos zurück. Es dürfte die „Lügenpresse“-Rufer nicht so richtig begeistern, aber auch nicht die Anhänger der „Qualitätsmedien“. Eine Kaufempfehlung kann ich deshalb nicht abgeben, außer für sehr speziell und individuell Veranlagte wie mich.

  26. „Nun ist es nicht unüblich, dass Artikel vor der Veröffentlichung …gründlich überarbeitet werden, unabhängig von der Autorin oder dem Autor…Die Verantwortlichen sehen darin ein Ringen um die beste Qualität“
    Auszuschließen, dass Prantl’sche Kommentare auch nur im Ansatz einem derartigen Prozess der Qualitätssicherung ausgesetzt sind.
    Anders ist es kaum zu erklären, dass der große Maestro die (richtige) Vorahnung, dass ein Gesetz grundgesetzwidrig ist, mit der Überzeugung verbinden kann, dass dasselbe Gesetz den reinsten Geist des Grundgesetzes atmet.
    Was könnte wohl „Ringen um die beste Qualität“ für einen so halsbrecherischen Spin bedeuten? Etwa, dass ein anderes Mitglied der Redaktion die Argumentation für frei assoziierten und juristisch atemberaubenden Blödsinn erklärt?
    Reportagen, die dieser Prantl’schenTendenz zur Wunschlyrik widersprechen, dürften es in der SZ auf Dauer unabhängig von jeder Qualität sehr schwer haben.

  27. Es ist halt so, dass man bei Verwendung gewisser Begriffe sich selbst recht klar positioniert. Und das andere diese Positionierungen dann eben auch wahrnehmen und danach entscheiden, mit wem eine Diskussion was bringt und mit wem nicht.

    Auch um schöne Wörter wie das Wort „gut“ gesetzte, nicht dem Zitieren dienende Anführungszeichen taugen hervorragend als Sollbruchstelle für die Auseinandersetzung mit Kommentatoren.

  28. Meinungsfreiheit =/= Recht auf Publikum

    Dass er ein Publikum finden wird, da bin ich mir sicher.

    Das „Lossagen“ von der „Meinungsdiktatur“ ist ja bereits ein Marketinginstrument in eine bestimmte Zielgruppe. Für jemanden, der lieber Schriftsteller, als Journalist sein will (Narrativ dieses Artikels, weiß nicht, ob es stimmt) ist das natürlich ein Freilos für mehr Publikationen. Seit dieser eine SPD- Heini dieses eine Buch über Laien-Genetik geschrieben hat, haben viele erkannt, dass mit der „Abweichler-Rolle“ gut Geld zu machen ist.
    Ich bin mittlerweile fest davon überzeugt, dass da (aller-meistens) nicht mehr hintersteckt. Das „Lossagen“ ist quasi der Marketing-Kick in eine eine neue Filterblase, in der man dann auch viel fluffiger
    aufgenommen wird, weil siehe letzen Absatz Kommentar #12 von FPS. Gegenrede existiert in der Blase nicht, aus Zielgruppen-Gründen. Dort wird nicht zur Meinungsbildung beigetragen, sondern Meinungsbestätigung verkauft.

    Davon ab wundert es mich auch nicht, wenn der „Mainstream“-Journalismus immer einseitiger wird. Er kann ja auf selbsternannte „Alternativmedien“ verweisen, dort findet man die entsprechende „Gegen-„Meinung dann ja überlaut.
    Die Gefahr besteht allerdings m. E. tatsächlich, dass dadurch Lagerdenken entsteht. („Die Anstalt“ hatte dazu mal eine großartige Folge Thema „Schützengräben des Journalismus“, oder so.)

    Das ist aber auch eben nur eine gefühlte Wahrheit, dass der Mainstream immer mainstreamiger wird. Linksradikale Gruppen behaupten das ja seit jeher, nur halt mit dem Vorzeichen „wird immer rechtslastiger“. Deren kommerzieller Erfolg hält sich jedoch auch seit jeher in Grenzen, vielleicht ja auch weil die Zielgruppe eben nicht so von kommerziellem Erfolg angetan ist.

  29. „Denn der eigentliche Kern ist das viele derjenigen die sich gerade über die vermeindliche Diktatur der Mehrheit empören es nie gelernt haben damit umzugehen eine Minderheitenmeinung zu vertreten….“ (Rotjäckchen, #23)
    „Wer, wenn die Mehrheit nun einmal eine andere Meinung hat als er selbst, von „Gleichschaltung“ spricht, der verwirkt eigentlich das Recht auf eine Antwort.“ (Bazooka Joe, #28)

    Ich glaube, das trifft den Kern. Diese Leute waren ihr ganzes (bundesrepublikanisches) Leben lang im Mainstream. Dann hat sich entweder der Mainstream oder ihre eigene Haltung (oder beides) verschoben, und nun erleben sie auf einmal, dass es auch in einer demokratischen Gesellschaft einen gewissen Korridor aktzeptierter Meinungen gibt. Das war schon immer so, hat diese Leute aber nie gestört, denn sie haben sich ja innerhalb des Korridors bewegt.

    Dass sich dieser Korridor innerhalb der letzten Jahrzehnte verschoben hat, würde ich überigens nicht bestreiten – wohl aber, dass er enger geworden ist. Manche Positionen, die früher (nicht in der Steinzeit, sondern vielleicht in den 1980er Jahren) noch zum Mainstream gehörten, werden heute großteils nicht mehr akzeptiert – aber dafür sind andere Positionen, die ehedem geächtet waren, heute akzeptiert. Ich kann schon verstehen, dass manch einer das als verkehrte Welt empfindet, andere empfinden es sicher eher als Befreiung. Aber wenn einem nur wieder DDR-Vergleiche (gähn) einfallen, wenn man sich in einer Minderheitenposition wiederfindet, wird’s albern.

  30. Der Artikel ist jedenfalls eine gelungene Demontage in freundlichem Ton. Herr Meinhardt suchte also für eine Reportage Fälle von Rechten, „die erst von der Öffentlichkeit verurteilt wurden und dann von Gerichten, obwohl sie vielleicht oder ganz sicher nicht hätten verurteilt werden dürfen“ – und fand keine. Nur einen Fall, in dem die falsche Verurteilung wohl nichts mit öffentlicher Vorverurteilung zu tun hatte und überhaupt dem Gericht nicht anzulasten war, zudem im Wiederaufnahmeverfahren, also durch die Justiz selbst, angesichts neuer Indizien revidiert wurde. Und einen anderen, in dem es gar nicht erst zu einer falschen gerichtlichen Verurteilung kam. Trotzdem hält er auf Biegen und Brechen an seiner Story fest, lehnt Verbesserungsvorschläge ab (darunter den, „die eigene, nicht immer rühmliche Rolle der SZ etwa bei Sebnitz“ zu thematisieren – seltsam für die behauptete Tabuisierung von Kritik und abweichenden Meinungen…) und zieht sich schließlich in die Schmollecke zurück. LOL.

    Nicht ganz einverstanden bin ich mit dem Schluss des Artikels. Wenn (wenn!) etwas nicht existiert, sollte man nicht deshalb darüber sprechen, weil sonst andere behaupten könnten, man würde etwas totschweigen.

  31. Kleine Ergänzung zu #34: Daneben gibt es noch den Typus des Renegaten, der sich früher zwar nicht im gesamtgesellschaftlichen, aber zumindest im Mainstream seiner politischen Strömung bewegt hat und nun nicht damit klarkommt, dass er sich von diesem Mainstream – oder dieser von ihm – entfernt hat.

  32. “ vielleicht in den 1980er Jahren noch zum Mainstream gehörten“
    Meinhardt kann damals nicht zum bundesdeutschen Mainstream gehört haben, weil er zu der Zeit noch vom „antifaschistischen Schutzwall“ vor diesem beschützt wurde.
    „DDR-Vergleiche“
    Höchst naheliegend, nicht nur für ihn, sondern auch für den Mainstream seit den 1990er Jahren, für den sie prägend waren bis hinein in die Gegenwart. Das wissen auch die SZ und wichtige Persönlichkeiten: Indoktrination ist fast bequem (für die Regierung und vielleicht auch eine Mehrheit)

  33. Christoph Kuhlmann schrieb:
    „… haben mich allerdings zu der Überzeugung geführt, dass die großen Medien wie Staatsfunk, Spiegel, Welt FAZ und Zeit eine einseitige Berichterstattung pro Asyl betreiben und die Presselandschaft zu großen Teilen unglaubwürdig ist. “

    Wer keinen Unterschied zwischen FAZ und Welt einerseits und Zeit/SZ andererseits erkennen kann, der lässt mich eher ratlos zurück. Schauen sie sich doch mal die Diskussionsbeiträge zu Umweltschutz, Dieselskandal, Tempolimit, Ehe für alle, Werbung für Abtreibung, … an.

    weiter Zitat: […] Es gibt Menschen, die ihrer Zeit voraus sind und solche die mit den Wölfen heulen. Die Süddeutsche schien mir in den letzten Jahren zu den letzteren zu gehören. Auch wenn sich die Einseitigkeit gebessert hat, ist das Vertrauen in eine unabhängige Berichterstattung in der deutschen Presse tief gestört.“

    Mein Eindruck ist eher genau das Gegenteil: ein Großteil derer, die sich über zu einseitige oder gleich(geschaltet)e Berichterstattung beschweren, sind diejenigen, die eben nicht mehr mit der Zeit gehen und sich in erträumte gute alte Zeiten zurückwünschen. Und während der Rest der Republik dann eine diverse Disukussion darüber führt, wie man Zukunft gestalten kann und welche Schwerpunkte man setzt, welche Minderheitenrechte es zu schützen gilt, wie man umsetzt und wann, beharren diese Menschen auf einem aus der Zeit gefallenen Standpunkt, von dem aus dann alles gleich aussieht. Der ist dann auch nicht links oder rechts, sondern einfach hinten.

  34. @Christoph Kuhlmann: Ich habe mir vor einigen Jahren die Mühe gemacht, die Berichterstattung von „Zeit“ und „Tagesthemen“ über die Flüchtlingskrise im Detail zu untersuchen. Sie werden darin vermutlich teilweise Ihre These bestätigt sehen, aber ich würde sagen, es ist deutlich komplizierter:

    Einmal „Willkommen!“ und zurück: Die „Zeit“ und die Flüchtlinge

    Die Sorge, dass es kippt: Die Flüchtlingskrise in den „Tagesthemen“

  35. Nicht totschweigen, um dem Vorwurf entgegenwirken, man täte das – klingt wie eine schlaue Taktik.
    Wenn man als Zeitung ehrlich nicht der Ansicht ist, eine zu einseitige Darstellung der Wirklichkeit zu bringen, und das auch tatsächlich belegen kann, indem man auf entsprechende Artikel verweist, ist das doch eine gescheite Antwort. Oder, man ist tatsächlich einseitig.
    Nebenbei kommt mir das sehr so vor, als wären politische Differenzen nicht die einzigen gewesen, sondern auch private. Jetzt ist das Private natürlich auch politisch, aber vllt. war der casus cnactus auch „Zerbrechliche Künstlerseele trifft auf Hardcore-Redaktion“?

  36. Einen Gedanken dazu möchte ich auch noch formulieren: Natürlich kann ein einzenlnes Medium auch einseitig berichten (nach journalistischen Standards). Der Vorwurf, der ja immer wieder erhoben wird, ist ja aber dass ALLE Medien einseitig berichten. Oder sogar, dass alle Medien zur gleichen Seite hin berichten und somit bestimmte Teile des Meinungsspektrums nicht mehr bedient werden. Was mir allerdings aufgefallen ist: Medien, die mal so, mal so, berichten, werden dafür nicht entlohnt. Zum einen sind sie tatsächlich nicht so angenehm zu lesen, denn hier wird die Meinungsbildung auf den Leser übertragen, er muss es leisten gegebenfalls die widersprüchlichen Perspektiven zu gewichten (aka die kognitive Dissonanz aufzulösen aka aus These und Antithese die Synthese zu bilden). Das ist fordernd und anstrengend (mithin das Gegenteil einer Wohlfühlblase). Zum anderen finden dann auch Anfeindungen aus allen Richtungen des politischen Spektrums statt, sowohl gegen das Medium als auch innerhalb der Leserschaft. Das ist meine persönliche Beobachtung (z.B. in den Kommentarspalten des „Tagesspiegel“). Ich würde vermuten, dass das Medium das auch wirtschaftlich merkt. Mich würde da eure Meinung interessieren.

  37. @42: Meine Meinung: Klar verkauft sich Polarisierung besser in die jeweilige Zielgruppe. Wir konsumieren mehr von dem, was wir mögen, so banal sich das anhört. Meinungsbildung dem Konsumenten zu überlassen ist wirtschaftlich gefährlich – Gerade in Zeiten, in denen jede Meinung ganz einfach monetarisiert werden kann.

    Thema Kommentarspalten: Die werden doch eh nur noch instrumentalisiert, Tagesspiegel, heise, tagesschau.de, etc. Gerade bei kontroversen Themen sind die Kommentare der organisierten Gruppen immer sichtbarer, als die differenzierten. Bei dem Kommentar-Vote-System auf heise kann man das gut ablesen – Je einseitiger der Kommentar, desto grüner die Leiste. Beliebt: „Es ist doch so, dass die grüne Verbotspartei den Tod des Rechtsstaats will“ – Profit.
    Tagesschau.de bietet ja z. B. auch „Bewerten Sie den Artikel“. Auch daran kann man die Organisation einiger Gruppen gut ablesen.

    Kommentarspalten bringen Interaktion, machen die Website wertvoller für Werbung. Also bringt Polarisierung mehr Profit.

  38. Von der Marktlogik her – wenn alle Zeitungen ein Narrativ anböten, außer einer, die ein ganz anderes Narrativ hätte, dann würde die durch dieses Alleinstellungsmerkmal ja super Umsatz machen.
    Jetzt werden die VTler natürlich sagen, dass die Kräfte des Marktes nicht für die Medien gelten, weil: Mainstreamgleichschaltung. Aber nunja, Logik und „Logik“.

  39. Nur am Rande:
    „Sie haben Ihre Verurteilung durch ihr Schweigen mitverursacht.“
    Das ist eine seltsame Aussage des Richters. Es ist das schlichte Recht jedes Beschuldigten, zur Tat nicht auszusagen. Die Nichtaussage ist auch kein belastender Umstand. Es gibt auch keine Pflicht, seine Unschuld nachzuweisen oder sonstwie mitzuwirken am Verfahren. Nur umgekehrt besteht eine Pflicht: Die Schuld muss nachgewiesen werden. Was sie aber offenbar nicht wurde.

    Dasselbe Aussageverweigerungsrecht besteht natürlich auch für die anderen Beschuldigten („schöne Freunde“), was man Birk M. vorhalten kann. Insbes. ist eine entlastende Aussage („X. war nicht dabei“) natürlich nicht zu erwarten, da Täterwissen. Wer tatsächlich schuldig ist, tut ohnehin gut daran, lieber zu schweigen als evtl. schnell als Lügen zu entlarvende Aussagen zu machen.

    Ein Fehlurteil ist ein Fehlurteil. Das lässt sich schlecht durch die Inanspruchnahme eines Rechts relativieren.

  40. @ Lars (#45):

    Ein Fehlurteil ist ein Fehlurteil. Das lässt sich schlecht durch die Inanspruchnahme eines Rechts relativieren.

    Stimmt schon. Zumindest in der Theorie. In der Praxis ist ein Gericht bei der Urteilsfindung aber auf Informationen angewiesen. Wenn ein Angeklagter ihm bewusst die Informationen vorenthält, die zu seinem Freispruch führen würden – dann liegt das auch in der Verantwortung des Angeklagten, oder?

  41. @Lars: Sein Schweigen wurde ja auch nicht als belastend gewertet. Dass man ein Recht in Anspruch nehmen darf, ohne dass einem allein aus der Inanspruchnahme Nachteile erwachsen dürfen, heißt aber nicht, dass es keine Folgen geben kann, die sich nachteilig auf einen auswirken. In dem Fall war halt die Folge, dass dem Gericht Informationen, die zu einem „vernünftigen Zweifel“ geführt hätten, nicht vorlagen.

    Das Ganze war sicher ein Fehlurteil im objektiven Sinne, weil einer der Verurteilten die Tat halt nicht begangen hatte. Ob man daraus dem Gericht einen Vorwurf machen kann, ist eine andere Frage. Das wäre nur möglich, wenn es auch angesichts der damals vorliegenden Aussage- und Indizienlage vernünftige Zweifel hätte haben müssen.

  42. Ich mag eigentlich nur meine eigenen Beobachtungen wiedergeben, weil der Artikel und sein Sujet schlicht eine Interna ist. Was weiß ich, wie die bei der SZ ihre Artikel schreiben, überarbeiten und bei Bedarf in Konferenzen über dessen Veröffentlichung debattieren…

    Um den Kontext offen zu halten, die erwähnten Beobachtungen: Vorfall – News – Shitstorm – News in anderem Tonfall. Soll heißen: Nicht selten wird der Tonfall anders, wenn der Shitstorm eintritt, mit dem man vielleicht nicht gerechnet hat. Es fällt dann leichter, Differenzierung zu rechtfertigen, aber dazu braucht es erst den wütenden Mob. Der blökt zwar Sachen heraus, der die Grenzen des Sag- und Denkbaren nicht selten sprengt, aber irgendwo in dem Geraune sind auch subtile Kritikpunkte vertreten, die überdenkbar sind.

    Was das Buch vielleicht wie eine trotzige Abrechnung erscheinen lässt, kann man diesem Artikel eigentlich auch unterstellen. Frontenkrieg ist das. Wie so häufig in den letzten Jahren, wenn Reizthemen Lager bilden. Und da keine Seite gewillt ist, klein beizugeben, lehne ich mich zurück und betrachte mir dieses Meinungstennis amüsiert.

  43. Wer nur in den Spiegel schaut, sieht immer nur sich selbst. Seine Blickrichtung, sein „Opfersein“, seine Intention, dass die Andern das Übel sind. Hinzu kommt eine ausgeprägte Egozentrik. Wer von der „Dikatur der Mehrheit“ spricht, hat ein Problem mit Demokratie. Wer sich einbringen möchte, kann mitgestalten. Wer allerdings auf der Tribüne sitzt und die Spielregeln auf dem Feld bestimmen möchte, der pflegt den Opferkult. Auch Medienschaffende sind, wie man sieht, davon nicht ausgenommen,.

  44. man muß sich nicht „streiten“, ob die rußlandberichterstattung der sz einseitig ist. es genügt, sie täglich zu lesen. ich kann zu den belegen für meinhardts vorwürfe nichts sagen. wer aber seit jahren unaufhörlich journalisten mit einseitiger berichterstattung konfrontiert, die z.b. in der auslandsberichterstattung von dümmlichen freund-feindbildern: „guter westen – böser osten“ lebt, bis hin zu lobeshymnen über die nato und allen kriegen, die der westen führt, hat zwangsläufig sympathien für meinhardt.
    man kann habermas nur zustimmen, der schrieb: „zur postdemokratischen einschläferung der öffentlichkeit trägt auch der gestaltwandel der presse zu einem betreuenden journalismus bei, der sich arm in arm mit der politischen klasse um das wohlbefinden von kunden kümmert“.
    auch dieses portal scheint mir eine blase zu sein, in der sich die user hauptsächlich gegenseitig bestätigen. wohin man auch immer schaut: überall nur blasen

  45. „Man muß sich nicht streiten“ heißt in dem Fall: Sie finden es völlig unnötig, über Ihre Meinung zu debattieren, die halt richtig ist.

    Auch wenn Sie dann in Folge nur Klischees nachkäuen. (Die SZ als pauschales Kriegsloberblatt scheint mir etwa eine sehr gewagte Lesart zu sein.)

    Das Habermas-Zitat stammt übrigens aus einem Artikel über die Folgen der Finanzkrise für Griechenland, erschien in ebenjener Süddeutschen, ist von 2015 und sollte im Kontext gelesen werden.

    Was Sie hier tun können:
    https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/europa-sand-im-getriebe-1.2532119-3

  46. Danke für einen genauen und gut recherchierten Artikel mit einer nachvollziehbaren Einschätzung des Sachverhalts. Was die Debatte über die Berichterstattung zu Flüchtlingen angeht, fehlt mir in den Medien immer der Hinweis darauf, dass man sich über Flüchtlinge aus Syrien nicht wundern muss, wenn man geholfen hat, den Staat zu destablisieren (siehe „Das neue Syrien kommt aus Wilmersdorf“ bei der ZEIT).

    Ich möchte außerdem anmerken, dass das wahre Problem aus meiner Sicht anderswo zu suchen ist, nämlich in der bewussten Unterdrückung von Informationen zu der Integrity Initiative (deren Leiter zusammen mit unter anderem Christopher Steele als „Experte“ für den Russland-Bericht des UK diente) oder den OPCW-Whistleblowern (von Wikileaks veröffentlicht, die doch früher immer gerne zu Rate gezogen wurden – in diesem Fall aber: kein Sterbenswörtchen, obwohl der SPIEGEL laut Peter Hitchens an den weiterführenden Recherchen beteiligt war) in Sachen Duma und der anschließenden völkerrechtswidrigen Angriffskriegshandlung von US, UK und F, die den dritten Weltkrieg hätte herbeiführen können.

    Die „Anstalt“ hat den Sachverhalt seinerzeit mit dem Bonmot von der „NATO-Pressestelle“ auf den Punkt gebracht.

    Haben die „Übermedien“ dazu eigentlich etwas geschrieben?

  47. Meine Ausführungen waren für jedermann offensichtlich medienkritisch.

    Die Story ist belastbar. Aber selbst wenn sie es nicht wäre, hätten die Medien darüber berichten müssen, dass die Vorwürfe der OPCW-Inspektoren gegenüber der OPCW-Leitung existieren. Wie gesagt, es bestand die Gefahr von WW III.

    Ein Nebenaspekt ist: Seit Wikileaks über Instrumente der CIA berichtet hat, Hackerangriffe anderer Staaten vorzutäuschen, werden die von Wikileaks veröffentlichten Dokumente von den Medien nicht mehr aufgegriffen. Das geht natürlich Hand in Hand mit der politischen Verfolgung und Folter von Julian Assange. Immerhin wurde über Nils Melzers diesbezügliche Vorwürfe berichtet.

  48. Ihnen ist gar nicht aufgefallen, daß es sich um eine zugespitzte, ironische formulierung handelt. Offenbar wollten sie mich gar nicht verstehen. Die aussage ist: wie soll man über etwas diskutieren ohne bezug auf die empirie, daß es sich eben um eine empirische frage handelt. D.h. die richtigkeit meiner aussage ist nur überprüfbar durch kontinuierliches lesen der sz über jahre hinweg.

    Es ist nett, wenn sie mir vorwerfen, daß ich nur klischees nachkäue, obwohl ich mich beinahe täglich seit jahren dank intensiver lektüre u.a. über die bellizistische und russophobe berichterstattung aufrege. Es freut mich sehr, daß sie einen gänzlich ungetrübten, somit klischeefreien blick auf die wirklichkeit haben.

    Habermas ist erstens kein sz-journalist, zweitens stand der artikel im feuilleton, drittens hat er sich auf die kritik der politik fokussiert, viertens nimmt man eine kritik, die sich nur in einem einzigen satz findet, auch mal dann in kauf, wenn man für das eigene blatt einen so renommierten intellektuellen gewinnen kann und fünftens bestätigt die ausnahme die regel.

  49. niggemeier schreibt: “ Es ist ein problematischer Beitrag zu einer wichtigen Debatte. Der müsste sich die SZ viel entschlossener stellen, auch und gerade in eigener Sache. Schon um nicht eine Diskussion darüber, ob man knifflige Diskussionen totschweigt, totzuschweigen“. genau das aber tut sie nicht. sie lobt sich förmlich selbst, wie z.b. ihrem neuen „wertepapier“ zu entnehmen ist oder den antworten auf die zuschauerfagen in der „sz-werkstatt“ anläßlich des 75. geburtstages. sie blendet ganze realitäten aus, wie z.b. die anschwellende medienkritik, die zu einem großen teil mittlwerweile auf empirischen studien beruht. diese medienkritik existiert für die sz gar nicht. kritisiert man journalisten konkret, was ich seit jahren regelmäßig praktiziere, reagieren sie entweder gar nicht oder sie befinden sich ausschließlich im verteidigungsmodus.

  50. Wie sz mit kritik umgeht:

    Ich schreibe:

    sie zitieren unter der überschrift „gesprächsbedarf“ annette ramelsberger und meinen, daß sie damit treffend die haltung der redaktion und den umgang mit den lesern beschrieben habe: „ wir lernen dort, wo wir kritisiert werden. Wir versuchen, mit ihnen ins gespräch zu kommen“. Und sie fügen hinzu: „ und es wird in den redaktionen auch immer wichtiger genommen“.

    Es gibt wohl wenige leser*innen, die sich so intensiv kritisch mit den journalist*innen der sz auseinandergesetzt haben wie ich. Ernüchternder können die reaktionen nicht sein: entweder sie werden ignoriert und ihnen wird mitgeteilt, wie recht der oder die kritisierte hat. Beispielsweise die reaktion: „ ich sehe schon: meine Argumentation hat Sie wenig überzeugen können. Sehen Sie es mir nach, wenn ich trotzdem dabei bleibe“ ( es liegt somit nur an mir). Das war es dann. Kritik empfinden die journalist*innen als narzißtische kränkung und als anmaßend, wo sie doch immer recht haben. Es gibt keine einzige stellungnahme, aus der auch nur ansatzweise eine selbstkritische betrachtung hervorgeht. So müssen sie sich also die realität schönreden. Man muß sich eben selbst loben, wenn das lob der leser*innen ausbleibt. Deswegen machen sie immer im september am wochenende zahlreiche veranstaltungen zur positiven selbstdarstellung. Gnädigerweise dürfen die leser*innen dort auch fragen stellen. Dummerweise bin ich dort immer der einzige, der keinen harmonieschwindel betreibt, sondern die manipulative berichterstattung kritisiert.

    Sie schreiben weiter: „ das beste mittel gegen hass und hetze ist zuverlässiger journalismus“. Jetzt wissen sie also, warum es so viel hass und hetze gibt. Wer das schreibt, interessiert sich so wenig für die leser*innen wie für die mittlerweile anschwellende medienkritk. Selbst habermas hat in ihrer zeitung geschrieben: „ „ zur postdemokratischen einschläferung der öffentlichkeit trägt auch der gestaltwandel der presse zu einem betreuenden journalismus bei, der sich arm in arm mit der politischen klasse um das wohlbefinden von kunden kümmert“.

    Mit freundlichen grüßen

    Die antwort der sz:

    zu einer Diskussion oberhalb der Gürtellinie gehören immer beide Seiten.

    Wenn Sie der SZ manipulative Berichterstattung unterstellen, also (laut Duden) Agitation und Demagogie bis hin zu Verführung und Verhetzung, dann geht das unter die Gürtellinie.

    Und wenn Sie schon dieser Meinung sind …

    „Kritik empfinden die journalist*innen als narzißtische kränkung und als anmaßend, wo sie doch immer recht haben. Es gibt keine einzige stellungnahme, aus der auch nur ansatzweise eine selbstkritische betrachtung hervorgeht. So müssen sie sich also die realität schönreden. Man muß sich eben selbst loben, wenn das lob der leser*innen ausbleibt.“

    … dann dokumentieren Sie doch selbst, dass Sie an einem Dialog gar kein Interesse haben.

    Das Problem liegt bei Ihnen, nicht bei uns.

    Mit freundlichen Grüßen

  51. Mal wieder eine schöne und treffende Analyse. Für mich aus der Generation Praktikum sind die Meinhardts, Tichys, Poschardts, Steingarts etc. narzisstische Egomanen, deren „Querdenken“ aus dem neoliberalen FDP-Programm besteht, das wie die Fahne im Wind mal mehr nach rechts oder links gedreht wird. Welche größere deutsche Redaktion wird denn bitte nicht von diesem Typus bestimmt? Deshalb hatte man beim Thema Flüchtlinge zunächst tatsächlich relativ undifferenziert berichtet und einen auf Menschenfreund gemacht, so mein Eindruck. Während man ein paar Jahre zuvor die sozial katastrophalen Agenda-„Reformen“ abgefeiert hat. Es ist völlig offensichtlich, warum das Vertrauen in Medien gelitten hat. Herr Meinhardt und seine Freundinnen und Freunde haben großen Anteil daran.

  52. sie machen merkwürdige aussagen, als ob die tichys für den vertrauensverlust verantwortlich sind. diese gehören ja gar nicht zu den mainstreammedien, die einen vertrauensverlust verzeichnen. was man auch immer von meinhardt halten mag, er legt die finger in eine wunde. sie verkehren die tatsächlichen verhältnisse ins gegenteil. sie machen den kritiker der verhältnisse zum verursacher dieser verhältnisse. und egomanen gibt es überall. diesen vorwurf nur auf die tichys zu beziehen, hat selbst etwas egomanisches an sich.

  53. @FRANZ JOSEF

    Was wollen Sie denn mit Ihrem „Dialog“ in 59 beweisen?

    Außer Eigenlob „Es gibt wohl wenige leser*innen, die sich so intensiv kritisch mit den journalist*innen der sz auseinandergesetzt haben wie ich“, „Dummerweise bin ich dort immer der einzige, der keinen harmonieschwindel betreibt, sondern die manipulative berichterstattung kritisiert.“ etc. stehen da nur Unterstellungen ala: „ihr habt nicht meine Meinung daher seid ihr nicht selbstkritisch“.
    Zu einer Diskussion würde auch gehören, dass Sie sich von Fakten überzeugen lassen würden.
    Aus dem was Sie schreiben, würde ich davon nicht ausgehen…

    Und mit Leuten, die ihre „Fakten“ von achgut oder sonstwo her haben, lohnt eine Diskussion halt einfach nicht.

    (p. S. : Nein, ich unterstelle Ihnen nicht, dass Ihre Argumente generell fehlerhaft sind. In dem Text oben steht aber nix dazu. Und Ihre Herangehensweise klingt halt etwas nach „ich weiß alles besser, schreibt es gefälligst wie ich es denke weil das ist richtig“).

  54. @Ichbinich

    auch ihr ps.s.beiträgt belegt, daß sie gar nicht zur kenntnis nehmen, was ich der sz geschrieben habe. um den sz-autor zu zitieren: “ Das Problem liegt bei Ihnen, nicht bei mir.

  55. @Franz Josef: Sie werfen Redakteur*innen also vor, russophob, bellizistisch und ignorant zu sein und wundern sich dann, warum Ihren Leserbriefen nicht die Aufmerksamkeit geschenkt wird, die Sie sich wünschen (nein: erwarten)?

  56. @Mr Re

    natürlich werfe ich das der sz vor. schließlich bin ich lanjähriger abonnent und intensiver leser der sz. ich ziehe mir doch diese vorwürfe nicht aus den fingern. außerdem habe ich das dem sz-journalisten nicht vorgeworfen., sondern ihm lediglich geschildert, wie journalist*innen auf kritische leser reagieren. bitte genau lesen, das scheint aber große schwierigkeiten zu bereiten. es ist auch kein leserbrief gewesen, sondern ein mail an den sz-journalisten. schon wieder nicht genau gelesen.

  57. Dieser Artikel hier bringt sehr gut auf den Punkt, warum ich bei der Lektüre ein sehr unangenehmes Gefühl hatte.
    Interessant finde ich die Sebstdarstellung als „heller Kopf“ bis Seite 90 und die anschließende Orientierung an second-Hand-Propaganda. Die Wahrheitsliebe ist ab dort wie fortgeblasen.
    Schade eigentlich, das Buch hätte ein Diskussionsbeitrag zum Ethos des Jurnalismus werden können.

  58. die sz schrieb gestern: „aber die deutschen haben es ihm (trump) auch sehr leicht germacht mit ihrer hartnäckigen weigerung, ihre verteidigungsausgaben auch nur in die nähe jener zwei prozent des bruttoinlandsprodukt zu heben, auf das sich die nato-staaten 2014 geeinigt haben.“ ich könnte jeden tag solche belege erbringen. diese aussage ist übrigens falsch. man einigte sich gar nicht auf das 2%-Ziel., vereinbart war lediglich, daß deutschland sich in richtiung der 2% bewegen solle. militärischev aufrüstung ist somit das gebot der stunde, teilt die sz ihren lesern mit. sie schreibt, die zahlen sind nun mal da, “ seit der westen 2014 unter dem eindruck der ukrainekrise jäh aus der liebgewordenen vorstellung erwachte, krieg mitten in europa sei nicht mehr vorstellbar.“ daraus folgt: den völkerrechtswidrigen jugoslawienkrieg hat es gar nicht gegeben.

  59. Die Süddeutsche über Andrij Parubij, der ja ansonsten nicht gerne erwähnt wurde:

    „Andrij Parubij ist amtierender Vorsitzender des nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine. Er leitete die Selbstverteidigung der Protestierenden bei den Unruhen auf Kiews Straßen. Als inoffizieller „Kommandeur des Maidan“ genießt er hohes Ansehen bei der Bevölkerung. Ein aktuelles Anliegen ist für ihn: „Wir müssen der Welt zeigen, dass wir in der Lage sind einen Staat aufzubauen.“

    Parubij war schon immer ein Rebell. Ende der achtziger Jahre wurde er festgenommen, weil er eine illegale Kundgebung für die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion abhielt. Auch an der Orangen Revolution 2004 war er beteiligt und saß für die Partei des zeitweiligen Präsidenten Wiktor Juschtschenko, „Nascha Ukrajine“ (Unsere Ukraine), im Parlament. 2012 stellte er sich für die Liste von Timoschenkos Vaterlandspartei zur Verfügung und wurde erneut ins Parlament gewählt.“

    https://www.sueddeutsche.de/politik/ukraine-nach-janukowitsch-abgang-wer-nun-in-kiew-wichtig-wird-1.1896845

    „Parubij war schon immer ein Rebell.“ Da hat sich also der Autor Matthias Kolb mit der Biographie Andrij Parubijs befasst, und das ist seine Zusammenfassung. Da fehlen einem die Worte.

    Andrij Parubij war Mitbegründer der Sozial-Nationalen Partei der Ukraine, die sich später in Swoboda umbenannte und die SS-Wolfsangel als Abzeichen gegen den Dreizack tauschte; er war Leiter der paramilitärischen Truppe „Patriot der Ukraine“, die die SS-Wolfsangel im Wappen führte; er hat sich auch auf europäischer Ebene für Stepan Bandera engagiert; er war schon 2004 „Kommandant des Maidan“.

    In den Jahren nach dem Artikel diente Parubij als NATO-Liaison der Ukraine und übergab den Mördern von Odessa vor der wohlgeplanten Aktion schusssichere Westen. Er traf sich mit John McCain, Martin Schulze und trug im schottischen Parlament und am RUSI vor.

    All das war nur möglich, weil niemand von den Leitmedien willens war, bei Wikipedia nachzuschlagen und über die dort über den Mann vorhandenen Informationen zu berichten.

    Höhepunkt der Geschichtsvergessenheit und eine wahre Schande aber war es, dass dieser Mann buchstäblich Seite an Seite mit dem damaligen Bundespräsidenten Gauck der Opfer von Babyn Jar gedachte, die seine ideologischen Vorgänger mitgeholfen hatten zu ermorden. Kein deutsches Leitmedium fand dies auch nur einer Randbemerkung wert.

    https://www.welt.de/kultur/article158457428/Wenn-wir-in-den-Abgrund-blicken-schwindelt-es-uns.html

    Ich lasse feinsinnige Unterscheidungen hier ausnahmsweise mal außen vor: Der Mann ist ein Nazi.

    Für die Süddeutsche ist dieser Nazi ein „Rebell“ – genau wie auch die Kinderkopfabschneider unter den syrischen Aufständischen und Söldnern für die deutschen Leitmedien „Rebellen“ sind.

    Es zeigt sich hier in einer Nussschale, dass die Berichterstattung in den deutschen Medien über den Maidan und die Folgen zuallermindest von entscheidenden Auslassungen geprägt war. Andrij Parubij ist eine Symbolfigur dafür, dass die westliche Russlandpolitik mit der Ukraine-Krise auf Angriff geschaltet hat, dafür wie nach WW II bereit ist, Nazis als Hilfstruppen zu akzeptieren, und dass die deutschen Leitmedien inklusive der SZ bei diesem Thema antirussische Hetze durch das Weglassen entscheidender Informationen über eben diese Hilfstruppen betrieben haben.

    Das heißt natürlich nicht, dass jede Handlung Russlands gut zu heißen ist. Aber wir sind hier ja nicht im Kindergarten, wo man so etwas gesondert erwähnen muss, nicht wahr?

  60. @63: „ich werfe…vor“, „diese Vorwürfe“, und dann „ich habe ihm nichts vorgeworfen“? Entscheiden Sie sich, sich innerhalb zweier Sätze selbst zu widersprechen, macht Diskussionen anstrengend. Von einer Mail steht da auch nichts, ist aber auch irrelevant. Sie haben Recht und alle anderen sind so unverschämt, das nicht unumwunden anzuerkennen, schon klar.

  61. @Franz Josef (65): Das von Ihnen angeführte Zitat stammt von der Meinungsseite der SZ; inwiefern ist die Formulierung einer deutlich als solcher gekennzeichneten Meinung eine Manipulation?

    Und das 2%-Ziel der NATO würde ich, unabhängig davon, ob ich es für sinnvoll halte, schon so verstehen, dass man diese 2 % mittelfristig auch erreichen möchte; wo genau sehen Sie hier also Manipulation durch die SZ?

  62. @Floyd: in diesem Fall trifft nicht so sehr der vorwurf der manipulation zu, sondern vielmehr der vorwurf der hofberichterstaatung. der ausdruck “ hartnäckige weigerung“ läßt erkennen, daß der journalist dieses ziel befürwortet und sich mit ihm identifiziert. daß auf dieser seite meinungen vertreten werden, ist nicht das thema. thema ist, daß sowohl im Berichts-als auch im Meinungsteil nur bellizistische Positionen und solche zu wort kommen, die eindeutig eine stärkere militarisierung anstreben.

    und es ist ein unterschied, ob man das 2%-Ziel selbst anstreben muß oder man sich ihm lediglich annähern soll. erst jetzt hat der staatssekretär thomas silberhorn im verteidigungsministerium mitgeteilt, daß deutschland seinen verpflichtungen nachkomme.

  63. Grundsätzlich denke ich dass er nicht falsch liegt, was die Gesamtheit der Medien angeht. Um jedoch speziell bei der SZ zu bleiben, denke ich, dass es mehr um persönliche Enttäuschung als um Zensur geht. Die Geschichte in Bezug auf Jauch z.B. mag ja stimmen, aber das entspricht ja noch nicht dem Filtern nach politischen Haltungen. Meiner Erfahrung nach und wie auch in diesem Artikel berichtet halte ich dies für keine (großen) Probleme bei der SZ.

    Damit ist die SZ aber leider eine Ausnahme und keine Regel, nicht mehr viele Zeitungen berichten objektiv (oder zumindest so objektiv wie es „früher“ möglich war).

  64. @Luca: meinen sie im ernst, daß die sz objektiv“ berichtet? wer zensiert wird, erlebt zwangsläufig enttäuschungen, so daß man, wenn man nur will, dem zensierten immer enttäuschung als eigentliches motiv zuschreiben kann. wenn man sich hingegen mit medienkritik gründlicher beschäftigt, wird man mit dieser psychologisierenden deutung sehr vorsichtig sein.

  65. Ich fand Nigge mal wichtig und gut.
    Nun ist er langsam einer von denen geworden, die er mal bekämpfte.

  66. „Franz Josef, auf Sie hat die Medienkritik-Welt gewartet!“.

    manche möchten sogar mitteilen, daß sie gar nichts mitzuteilen haben. warum sie mir diesen artikel empfehlen, weiß ich nicht. ich habe gar nichts über neutralität geschrieben und sie auch nicht gefordert

  67. „der ausdruck “ hartnäckige weigerung“ läßt erkennen, daß der journalist dieses ziel befürwortet“

    Das ist, um es einmal vorsichtig zu sagen, eine gewagte These.

    Wenn ich nun schreibe, dass Sie sich hartnäckig weigern, Grautöne in der Berichterstattung zu sehen, möchte ich damit nämlich nicht ausdrücken, dass ich das befürworte.

    Aber wenn man sich jahrelang jeden tag ärgert, würde einem was fehlen, wenn man sich nicht mehr ärgert.

  68. „der ausdruck “ hartnäckige weigerung“ läßt erkennen, daß der journalist dieses ziel befürwortet“

    Das ist, um es einmal vorsichtig zu sagen, eine gewagte These.

    erstens steht gar nicht fest, daß die bunsdesrepublik ihren verpflichtungen nicht nachkommt, zweites ist es beim besten willen kein zufall, daß er das adjektiv verwendet. damit soll ein vorwurf zum ausdruck gebracht werden und drittens geht das aus dem ganzen artikel hervor.

    Wenn ich nun schreibe, dass Sie sich hartnäckig weigern, Grautöne in der Berichterstattung zu sehen, möchte ich damit nämlich nicht ausdrücken, dass ich das befürworte.

    da verwechseln sie etwas. der journalist kritisiert ja diese weigerung. daß sie aus meiner kritik manipulativer berichterstattung schließen, daß ich nicht differenzieren würde, belegt doch, daß sie nur in schwarz-weiß-kategorien denken können.

    Aber wenn man sich jahrelang jeden tag ärgert, würde einem was fehlen, wenn man sich nicht mehr ärgert.

    ich hätte die sz längst abbestellt, wenn es nicht auch lesenswerte beiträge gäbe. was sie veranlaßt, dieses manipulative medium in schutz zu nehmen, weiß ich nicht. wahrscheinlich lesen sie die sz gar nicht regelmäßig.

  69. Mir tut das in der Seele weh, zuzusehen wie einst geachtete, und teils auch für ihre Offenheit gefürchtete Medien scheinbar im Sturzflug begriffen sind.
    Gerade heute wieder kommt der Spiegel mit einer Korrektur für ein Foto, welches angeblich AKTUELL einen trotz akuter Corona-Warnung rappelvollen spanischen Strand zeigt. Das Foto ist aber in seiner XMP-sig mit 2020-04-30 getaggt und konnte somit unmöglich aktuell sein.

    Der Umgang des Spiegel mit Bildern und Quellen macht mir inzwischen Unbehagen, auch wegen peripherer Betroffenheit:
    https://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/juniormarathon-linz-eltern-zerren-heulende-kinder-ins-ziel-a-1085604.html

    zeigt vermeintlich Bilder von ehrgeizigen Eltern welche überforderte Kinder über eine „Baby-Marathon“-Strecke von 42 Metern zerren. Das Foto suggeriert Qual und Geschreie.

    Wir haben dort Verwandte, die waren dort dabei. Es gab kein geschrei und Gezerre, es gab sogar Videoaufnahmen davon. Das Bild lügt. Mehrere Teilnehmer die auf den Bildern erkannt wurden mussten sich im Realleben Beschimpfungen anhören und haben beim Spiegel protestiert.
    Es gab keine Reaktion, aber wenige Tages danach startete eine Spiegel-reihe, inkl. Berichten, Glosse und diversen Redaktions-Kommentaren zum Thema „Helikopter-Eltern“.

    1. Keine noch so gute Absicht erlaubt Falschdarstellung oder Übertreibung.
    2. Wenn unter dieser sogar noch Unbeteiligte, bzw. Unschuldige leiden müssen, dann wird es richtiggehend kriminell.

  70. „Es gab kein geschrei und Gezerre, es gab sogar Videoaufnahmen davon. “

    Sie haben Aufnahmen von keinem Geschrei? Die will ich nicht nicht sehen.

    Aber mal ernsthaft: selbst der Veranstalter hat die Problematik eingestanden. Dass nicht alle Eltern so gehandelt haben, wie auf dem Bild zu sehen ist, heisst eben nicht, dass nicht eine Mehrheit so gehandelt hat.

    “ „Es ist leider nicht das erste Mal, dass wir solche Bilder sehen mussten. Leider hat der übertriebene und falsche Ehrgeiz der Erwachsenen von Jahr zu Jahr zugenommen“, sagt Tröbinger. Der Organisator ist selbst Marathonläufer und Vater von drei Töchtern. Er weiß: „Linz ist leider kein Einzelfall. Eigentlich müssten die Kinder vor ihren Eltern und Großeltern geschützt werden“, meint er.“

    https://kurier.at/chronik/oberoesterreich/linzer-juniormarathon-eltern-zerrten-ihre-kinder-ins-ziel/190.897.393

    Dass viele Kinder und Eltern Spaß hatten, heisst eben nicht, dass es einigen anders ging.

  71. „was sie veranlaßt, dieses manipulative medium in schutz zu nehmen, weiß ich nicht. wahrscheinlich lesen sie die sz gar nicht regelmäßig.“

    Ach so, Sie sind von der SZ-Abowerbung. Jetzt hab ichs kapiert.

    „SZ – das Blatt, wo ich mich ärgern tat, wann ich’s lesen würd. Jetzt bestellen!“

  72. manche sind ganz stolz darauf, zum zweck der selbstvergewisserung nur dümmliche kommentare abzugeben, besonders im internet

  73. Preisausschreiben:

    Wer ist in der lage, artikel ausfindig zu machen, die belegen, daß es in der sz zur westlichen militärpolitik, natürlich auch zur nato, auch kritische berichte und kommentare gibt? man sollte meinen, daß die „vierte gewalt“ bei fragen von tod und leben ein besonders kritisches auge hat. der sieger erhält von mir ein kostenloses exemplar von meinhardt

  74. pannor

    ja, die arme augstein muß für ALLES herhalten, als grandioser beleg für „vielfalt“ und „diversität“, obwohl sie doch als ausnahmeerscheinung genau das bestätigt, was ich schreibe. und es gibt noch ein zweites journalistisches alibi, nämlich prantl, der aber nur zur innenpolitik geschrieben hat. interessanterweise steht die rezension gar nicht in der sz, sondern ist nur per video zugänglich. sogar der vorgänger von kister, nämlich kilz, hat im gespräch mit mir seine verwunderung über die homogenität der berichterstattung der sz in der ukrainekrise zum ausdruck gebracht.

    von karl kraus stammt die aussage: „zur vollkommenheit fehlte ihm nur noch ein mangel“. diesen mangel hat die manipulierende sz keineswegs. zur manipulativen vollendung hat sie sich franziska augstein als alibi ausgesucht. Endlich haben sie aus tausenden von artikeln den rettenden gefunden. sie bekommen das buch dennoch, da ich es ja versprochen habe

  75. @niggemeier

    ihnen fällt gar nicht auf, daß sie mit diesem hinweis meine vorwürfe nur noch einmal bestätigen. denn es handelt sich hier um geheime machenschaften, die natürlich von medien aufgegriffen werden ( schon allein wegen des Aufmerksamkeitseffekts), so wie die sz und die anderen medien kriminelle machenschaften in der wirtschaft ebenfalls publizieren. eine kritische haltung zu kapitalistischen zuständen ist diese aufdeckung aber beileibe nicht.

  76. @Franz Josef: Die SZ hat die geheimen Machenschaften nicht nur aufgegriffen (und kritisch kommentiert), sondern teilweise sogar aufgedeckt. Ich verstehe nicht, was Sie wollen. (Ich fürchte, den Empfängern Ihrer Leserbriefe ging es ähnlich, sehe aber gern die Schuld ausschließlich bei mir.)

  77. niggemeier

    auch sie haben offenbar schwierigkeiten mit dem lesen, denn ich habe ja selbst von aufdeckung geschrieben. zudem habe ich gar keinen leserbrief geschrieben, sondern einen journalisten angeschrieben, auf dessen antwort der begriff „realsatire“ ohne jeden zweifel zutrifft. lesen fällt halt schwer.

    leserbriefe von mir werden übrigens nicht mehr veröffentlicht, nachdem ich die leiterin der leserbriefe im telefonat darauf hingewiesen habe, daß die hamas bereits offiziell den staat israel anerkannt hat. daraufhin hat sie mich angebrüllt, daß die hamas raketen nach israel schießt.

  78. pannor

    natürlich dürfen sie sich darauf freuen, sie bekommen es aber trotzdem nicht, denn mir fiel ein, daß es sich um artikel handeln müsse und nicht um ein video. deswegen ist mir die rezension ja entgangen. dazu kommt, daß es nur eine rezension eines buches, das gar keine kritische haltung zur nato hat.

  79. Ich kann verstehen wenn sich die SZ nicht mehr mit Quengelkindern herumschlagen möchte. Kauf ihm doch endlich mal einer ein Eis.

  80. @stefan pannor #78

    Sie können sich in dem

    https://www.youtube.com/watch?v=HUtlMUQR6Jw&t=36

    zwar sehr kurzen, aber relativ gut erkennbaren Video-Ausschnitt vom „Baby-Marathon“ über 42,5 Meter davon überzeugen, dass man hier den Schnappschuss-Effekt eingesetzt hat, mit dem man mit einem aus einer längeren Sequenz Einzelbild ausgesuchten selbst anmutigste Menschen wie Volltrottel, oder attraktive Menschen wie ein halbes Monster aussehen lassen kann.
    Eine Privatperson hatte die kompletten 42,5 Meter rückwärts laufend gefilmt und auf einer Webseite hochgeladen (dort sieht man auch die Kinder aus dem Foto vom Spiegel durchgehend, und sie sehen eben nicht so gequält aus). Nachdem dann seine Seite ge-shitstormt wurde hat er es entnervt entfernt.

    Was den Kommentar vom Veranstalter angeht, da kann ich nur spekulieren. Es steht zu befürchten, dass der gute Mann einfach keine Lust mehr darauf hatte sich weiter mit der tollwütigen Masse vermeintlicher Kinderschützer herumzustreiten, da ein versuchter Diskurs mit Rabulisten zu nichts weiterem führt als Hörsturz und dem Anflug von weiteren peripheren Stänkerköppen.

    Und wie gesagt, auf den sehr fragwürdigen Bericht von den gequälten Kindern und den irren Eltern folgten wochenlang sehr viele Spiegel-Seiten „Helikopter-Eltern“.

    Wer Angst davor hat eine anstrengende Arbeit zu machen, um sie dann aber doch kurz vor der Publikation wegen eines Fehlers, sei es Übertreibung oder schlimmer noch: Falschberichtertstattung wegen zu viel Haltung, in die Tonne treten zu müssen, der sollte von Wissenschaft und Journalismus lieber die Finger weg lassen.

  81. @ Richard Kraus #49

    Sie schrieben: „Wer von der „Dikatur der Mehrheit“ spricht, hat ein Problem mit Demokratie.“

    Klingt vernünftig, ist es rein rational betrachtet natürlich auch. Verkennt aber die Tatsache, dass wir in einer Zeit leben wo es Menschen schwerfällt zwischen Meinung und Fakt zu unterscheiden. Rational ist out, laut in der Menge ist in. Die Stärke liegt in der Gruppe, das Hirn liegt brach.

    Man verwechselt Meinung mit Fakt, und verteidigt diese wie ein Heiligtum. Sachlicher Widerspruch, gar zweifellose bewiesener Fehler oder Falschdarstellung/ -interpretation wird abgebügelt. Evidenz? Egal, wir sind mehr, also haben wir recht. Man trommelt seinen Haufen zusammen und argumentiert mit Mehrheit.
    Es wird als Stärke gesehen eine einmal getroffen Entscheidung bis aufs Blut zu verteidigen. Man macht keine Fehler.
    Die Rattenfänger freuen sich über die Entwicklung. Idealistische Menschen werden in die Frustration gedrängt und ziehen sich zurück.

  82. Passend zum Thema Süddeutsche Zeitung und Kritik eine kleine Anekdote:
    In https://www.sueddeutsche.de/kultur/joerg-bernig-radebeul-kulturamtsleiter-debatte-1.4932021 wird behauptet, Bernig sei im „Verlagssortiment“ von Götz Kubitschek vertreten. Das stimmt nicht und wäre eine Petisse, wenn es diese Fakenews nicht in die Wikipedia geschafft hätte (https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B6rg_Bernig). Fehler passieren, aber trotz zweier Hinweise (einer im Juni, einer im Juli) hat es die Redaktion bisher nicht geschafft, das zu korrigieren. Es riecht, nein stinkt nach Haltungsjournalismus.

  83. Die NYT ist schon einen Schritt weiter als die deutschen Leitmedien. Sie wagt den Schritt in die offene Geschichtsfälschung:

    „Adding to these challenges, democracy in Latin America has also lost a champion in the United States, which had played an important role in promoting democracy after the end of the Cold War by financing good governance programs and calling out authoritarian abuses.”

    https://www.nytimes.com/2020/07/29/world/americas/latin-america-democracy-pandemic.html

    Ich bin sicher, die Menschen in Kolumbien, Brasilien, Chile, Argentinien, Nicaragua, Kuba und Bolivien bedauern von ganzem Herzen, dass die USA sich unter Trump nicht mehr so rührend für gute Governance und gegen autoritäre Anwandlungen in Lateinamerika engagieren wie zuvor.

    (Und auch das stimmt natürlich nicht. Stichworte: Elliott Abrams, Mike Pompeo, Venezuela.)

    Vermeintlich liberale westliche Leitmedien wie die NYT, der Guardian oder auch die SZ sind zu bloßen Verstärkern der geopolitischen Narrative der transatlantischen Eliten geworden.

    Dabei ist der Mangel an Selbstreflexion besonders schwer zu ertragen: Bei „Mohrenstraße“ gehen sie auf die Barrikaden, finden aber nichts dabei, dass die Intervention in Libyen zu Sklavenmärkten geführt hat; Frauen- und Schwulenrechte halten sie zu Recht hoch, meinen aber zugleich, kinderkopfabschneidende Islamisten als „Rebellen“ bezeichnen zu müssen; Nazis im Inland lehnen sie ab und schreiben hervorragende, investigative Artikel über deren Netzwerke, einen Andrij Parubij aber übersehen sie geflissentlich.

    Das ist nämlich „unser“ Nazi.

  84. Ulrich Teusch kommt mir da wie gerufen:

    „Ob New York Times, Le Monde oder der Guardian, ob FAZ, Süddeutsche oder Die Welt, ob CNN oder BBC, ob ARD oder ZDF — sie alle unterdrücken absichtsvoll wichtige Nachrichten. Sie alle gewichten einseitig, pushen also die ihnen genehmen Informationen und halten die unangenehmen weit unten. Sie alle versehen Nachrichten mit einem Spin, liefern die Meinung, die man dazu haben soll, gleich mit. Sie alle messen mit zweierlei Maß, bedienen sich verbindlicher Sprachregelungen, konstruieren interessengeleitete Narrative, fahren Kampagnen, betreiben Propaganda. Und sie tun es alle auf die gleiche Weise. Es herrscht ein frappierender medialer Gleichklang. Statt vitaler Pluralität erleben wir eine stetig wachsende Homogenisierung des Mainstreams.“

    https://multipolar-magazin.de/artikel/das-ende-der-glaubwurdigkeit-systemmedien-sind-nicht-reformierbar

  85. Das rhetorische Mittel der Wiederholung halt…

    In der Tat verzichtet Teusch auf meine Einschränkung, dass die Homogenisierung der Berichterstattung nur für bestimmte Themen gilt.

  86. Aber, werter Herr Niggemeier, wie kommt es denn, dass die Medienkritik von Übermedien hier an ihre Grenzen stößt?

    Nehmen wir die OPCW-Whistleblower: Mit dem Stichwort „OPCW“ findet man auf ÜM nur einen, aber sehr ehrenwerten Eintrag zur Skripal-Affäre.

    Die flächendeckende Abwesenheit einer Berichterstattung über die Vorwürfe von Ian Henderson, einem langjährigen OPCW-Waffeninspektor, und anderen Inspektoren, die für die OPCW vor Ort in Duma waren, die OPCW-Leitung habe ihre Berichte verfälscht, wurde nicht kritisiert.

    Die Medien hätten über die Wikileaks-Veröffentlichungen berichten können, sie hätten über Hendersons Stellungnahme vor der UN berichten können, über die abfälligen Kommentare des deutschen UN-Gesandten Christoph Heusgen, über die Wikileaks-Veröffentlichungen. Sie hätten Experten heranziehen können und die Angelegenheit mit kritischem Sachverstand und Augenmaß unter die Lupe nehmen. Gegebenenfalls hätten sie die OPCW-Inspektoren widerlegen können.

    Nur eines hätten sie nicht tun dürfen, wenn sie nicht gegen den Pressekodex verstoßen wollten: Nicht berichten.

    Ian Henderson:

    https://www.youtube.com/watch?v=ZknLgDXuaBg

    Ein Journalist bei Newsweek wollte berichten, durfte aber nicht und hat daraufhin gekündigt. Der Spiegel war an den Recherchen laut Peter Hitchens beteiligt, hat aber nichts zum Thema veröffentlicht.

    Übermedien hätte die fehlende Berichterstattung kritisieren können.

    Woran lag es, dass auch das nicht geschehen ist? Fehlt Ihnen das Wissen? Das Interesse? Haben Sie Angst, „Verschwörungstheoretiker“ und „Assad-Versteher“ genannt zu werden? Haben Sie solche Themen schlicht nicht auf dem Radar oder fühlen Sie sich nicht kompetent? Das würde mich wirklich interessieren.

  87. niggemeier

    Fünf mal „alle“ in so wenigen Sätzen. Na, das ist ja mal eine differenzierte Darstellung.

    „alle“ bezieht sich nicht darauf, daß auf allen gebieten manipuliert wird, sondern nur darauf, daß alle der genanten medien auf diese weise manipulieren

  88. niggemeier

    wollen sie ihr portal nicht umbenennen in: „MitdenMedien“? es ist aufschlußreich, daß sie dem buch von meinhardt nichts positives abgewinnen konnten. sie sind kein medienkritiker, sondern vor allem ein kritiker der medienkritiker. es war voreilig von michael meyen, daß er sie letztes jahr eingeladen hat.

  89. hier wird die rechnung ohne den wirt gemacht. wie kann man über dieses thema diskutieren, ohne die medienwissenschaftliche, genauer: medienkritische literatur zur kenntnis. hier einige beispiele

    http://www.deutschlandfunk.de/glaubwuerdigkeit-der-medien-journalismus-hat-nicht-mehr-die.694.de.html?dram:article_id=353123: Glaubwürdigkeit der Medien“Journalismus hat nicht mehr die Aufklärungsautorität wie vor 20 Jahren“ interview mit michael haller, doktorvater von krüger

    florian zollmann: Media, Propaganda and the Politics of Intervention

    jörg becker: medien im krieg – krieg in den medien.

    https://swisspropaganda.wordpress.com/der-propaganda-multiplikator/: Der Propaganda-Multiplikator: Wie globale Nachrichtenagenturen und westliche Medien über Geopolitik berichten

    Fazit:
    In dieser Fallstudie wurde am Beispiel des Syrienkriegs die geopolitische Berichterstattung von je drei führenden Tageszeitungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Vielfältigkeit und journalistische Eigenleistung hin untersucht.

    Die Resultate bestätigen die hohe Abhängigkeit der geopolitischen Berichterstattung von den globalen Nachrichtenagenturen (63 bis 90%; ohne Kommentare und Interviews) bei gleichzeitigem Fehlen von eigener investigativer Recherche, sowie die ein­seitige Kommentierung der Ereig­nisse zugunsten der Konfliktpartei USA/NATO (82% positiv vs. 2% kritisch), deren Botschaften von den Zeitungen zudem nicht auf allfällige Propaganda hin überprüft werden.

  90. „preisausschreiben beendet. es gab keine belege und daher auch keinen sieger“

    Naja, sagen wir so: keinen, den Sie anerkennen würden, weil natürlich von vornherein feststand, dass Sie nicht meinen, was Sie sagen.

  91. Naja, sagen wir so: keinen, den Sie anerkennen würden, weil natürlich von vornherein feststand, dass Sie nicht meinen, was Sie sagen.

    sie müssen nicht jedesmal mitteilen, daß sie nicht lesen können

  92. Alle Informationen, die man zu Duma und der OPCW benötigt, finden sich in Aaron Matés Artikel in „The Nation“ oder hinter den Links in seinem Text:

    https://www.thenation.com/article/world/opcw-leaks-syria/

    Es ist ein ungeheuerer Skandal, dass kein Leitmedium in Deutschland die Geschichte aufgegriffen hat.

    Ich rufe dann ein andermal wieder peinlich berührtes Schweigen hervor. Vielen Dank nochmal für den Artikel und bis dahin!

  93. gestern hat brössler erneut kundgetan, daß es die aufage der medien ist, sich in den dienst der nato zu stellen und die bevölkerung vom segen der nato zu überzeugen: “ ebenso wichtig wäre es aber auch, den europäischen beitrag zur nato zu stärken – und die bevölkerung von ihrem sinn zu überzeugen“ . das ist an dreistigkeit nicht zu übertreffen.

    und käppner hat einmal zu afghanistan gesachrieben: “ vor allem aber fehlt der politik wille und kraft, den deutschen zu vermitteln, daß die soldaten in einem fernen…land…uns allen dienen“. wenn also deutsche soldaten in afghanistan sterben, profitieren wir alle davon. deswegen hat die sz diese aufgabe übernommen

  94. @Franz Josef: Ich weiß schon, dass Sie der einzige sind, der hier lesen kann, aber Brössler schreibt:

    Es ist daher richtig, wenn die Bundesregierung und der größte Teil der Opposition die Truppenreduzierung beklagen. Ebenso wichtig wäre es aber auch, den europäischen Beitrag zur Nato zu stärken – und die Bevölkerung von ihrem Sinn zu überzeugen.

    Er schreibt nicht, zumindest nicht explizit, dass es Aufgabe der Medien sei, sondern der Regierung und dem Teil der Opposition, die da mit ihr einer Meinung ist.

  95. was daran beleidigend sein soll, weiß ich nicht. ich habe nur kognitive fähigkeiten in zweifel gestellt. ich habe mich mit ihm direkt 2010 auseinandergesetzt. er versprach mir dreimal ( beim dritten mal sogar telefonisch), diese auseinandersetzung aufzunehmen, was bis heute unterblieben ist.

  96. Vielleicht muss bald der Artikel oben ausgetauscht werden, damit die Diskussion darunter dazu passt. Wie wäre es mit „Warum die SZ voll doof ist, niemand lesen kann, und irgendwas mit NATO“?

  97. eben an die sz geschrieben:

    Sehr geehrter herr ,

    die leser werden nun seit über einem jahr permanent mit diesem thema beinahe täglich konfrontiert mit dezidiert antichinesischer ausrichtung. Diese massierung dient einem klar definierten zweck: china, neben putin, ist ein weiteres feindbild. Die leser aber haben ein sensorium für aufdringliche berichterstattung und wenden sich von propagandistischer berichterstattung ab. kritische leserbiefe dazu werden unterdrückt ( ein Leserbriefschreiber, der neulich einmal glück hatte, bestätigte mir, daß seine bisherigen leserbriefe nicht veröffentlich wurden).

    Damit diese zu ihrem ziel kommt, müssen internationale zusammenhänge systematisch ausgeblendet werden, obwohl es doch die aufgabe eines seriösen, umfassend informierenden journalismus wäre, genau diese zusammenhänge auszuleuchten. Was der westen, insbesondere die usa, zu dieser entwicklung beitragen, darf somit gar nicht zur sprache kommen, siehe weiter unten. Der privilegierten position von frau augstein ist es zu verdanken, daß sie in ihrer 14-tägigen kolumne, die freilich aber nicht im politikteil stehen darf, kontrapunkte setzt und darauf hinwies, daß die komplette übernahme der sonderverwaltung von hongkong durch peking sich aus „obwaltenden außenpolitischen umständen“ ergibt.

    Sie zitieren einen ehemaligen bewohner von hongkong, der beklagt, daß mit dem neuen sicherheitsgesetz alles denken uniformiert werden soll. Das betrübliche ist nur, daß es bei uns dieses gesetzes gar nicht bedarf, um dieselbe absicht medial zu verfolgen. Es gibt eine alte erfahrung: je mehr verfeindete sich bekämpfen, desto ähnlicher sind sie sich. China verfolgt sehr aufmerksam die westliche berichterstattung und zieht daraus seine konsequenzen. So entsteht eine eskalationsspirale, die sie freilich verleugnen müssen, damit sie weiterhin funktioniert.

    Mit freundlichen grüßen

  98. wie öffentlichkeit funktioniert. diese stellt sich heutzutage vor allem über personelle präsenz her. personelle vertrautheit konstituiert sich über die präsenz der immergleichen personen in der öffentlichkeit. der augenfälligste beleg sind die tv-diskussionen. dort sitzen immer die gleichen leute, da sonst das risiko besteht, daß meinungen zu tage treten, die den engen korridor des erlaubten überschreiten und die rezipienten verwirren. auffällig ist, daß immer mindestens fünf teilnehmer geladen sind mit der folge, daß keine kontroverse diskussion ensteht und jedem teilnehmer nur zwei statemnets zur verfügung stehen.

    deshalb habe ich jetzt lesch angeschrieben, nachdem er schon wieder in einem meiner mails auftaucht, die ich bekomme.

    Sehr geehrter herr lesch,

    sie werden immer gottähnlicher. In kürze werden sie die omnipräsenz unseres schöpfers erreicht haben. Ich bange, ob meine wohnung wohl eine leschbefreite zone bleiben wird. Der unterschied zu gott: der verschleißt sich nicht so schnell. Er ist so klug, daß er sich nicht überall hineindrängelt und sein wirken im hintergrund bleibt.

    Mit bangen grüßen

  99. Franz Josef hat wohl einen ausgeprägten und sehr unangenehmen Geltungsdrang.
    Kein Wunder, wenn seine Leserbriefe ignoriert werden.

  100. Franz Josef hat wohl einen ausgeprägten und sehr unangenehmen Geltungsdrang.
    Kein Wunder, wenn seine Leserbriefe ignoriert werden.

    außer polemik haben sie nichts zu bieten, womit sie mir unwillkürlich recht geben. fakten? fehlanzeige. da sie nichts zu sagen haben, sind sie weiterhin ganz aufs polemisieren angewiesen. sie merken gar nicht, daß sie sich nur selbst entlarven.

  101. „da sie nichts zu sagen haben, sind sie weiterhin ganz aufs polemisieren angewiesen. sie merken gar nicht, daß sie sich nur selbst entlarven.“

    Weiterhin?
    Ich hab bisher gar nichts geschrieben, nur eben festgestellt, dass Sie diesen unangenehmen Geltungsdrang haben.
    Fakten?
    Ich lese die SZ kaum, hab also tatsächlich wenig Fakten zum Thema beizubringen.
    Was mich aber nicht daran hindert, zu beobachten, wie Sie sich aufführen und mein Verständnis dafür weckt, dass die SZ Ihre Leserbriefe zu ignorieren scheint.
    Vielleicht könnte dieser Hinweis ja eine Entlarvung dahingehend sein, dass Sie als sender mal über Ihre Art zu senden nachdenken sollten.

    Allerdings, ich fürchte, da wird nichts kommen, was mit Selbstreflexion zu beschreiben wäre. Ihre Meinung ist ja schon fest und unerschütterlich. Wahrscheinlich sind Sie auch noch stolz drauf.

  102. wenn man nichts zu sagen hat, muß man die person selbst angreifen. ich schreibe hier nur, um auf grundlage von fakten eine auseinandersetzung zu führen, mehr nicht. das ist aber nicht möglich, das empfinden sie als provokation. in ermangelung von fakten bleibt ihnen nichts als polemik übrig, mit der sie absichtsvoll von ihrer unfähigkeit zur sachlichen auseinandersetzung ablenken wollen. wer mit diskussionen im internet vetraut ist, kennt diese strategie bestens.

  103. Meine Güte, da verträgt jemand aber so gar keine Kritik.

    Kann es wirklich nicht sein, dass jemand, der nur mit liest und vom Thema keine Ahnung hat, nicht dennoch darüber urteilen kann, wie jemand rüber kommt?
    Und falls das Möglich ist, kann es wirklich nicht sein, dass Sie dann auch einen unangenehmen Eindruck machen?

    Wenn es Ihnen um die Sache geht, warum denn dann nicht mit weniger Beleidigungen und Beschimpfungen arbeiten?

    Sie zitieren aus Ihren Leserbriefen, wo Sie aufgrund Ihrer Formulierungen klar machen, dass es Ihnen um einen sachlichen Umgang doch gar nicht geht. Was hat Ihr Brief an Lesch mit Sachlichkeit zu tun?
    Sie schreiben, wenn man nichts zu sagen hat, muss man ans Persönliche gehen. Und zitieren dann Ihren Lesch-Brief. Da sagen Sie nichts zur Sache.

    Meine Sache ist, dass ich einen Geltungsdrang bei Ihnen wahrnehme. Zum Beispiel, in dem Sie hier Leserbriefe an ganz andere Redaktionen zitieren. Was hat das mit Übermedien zu tun? Sachlich nichts. Es hat aber etwas mit Geltungsdrang zu tun. So ganz sachlich gesehen.

    Aber gut, wenn Sie meinen, Ihrer Sache damit einen Gefallen zu tun. Mich wundert bei der Art und Weise nicht, wie schon geschrieben, dass Sie nicht Ernst genommen werden.

  104. ich verlasse nun diese kloake, da jede sachliche diskussion unterbunden wird. der beitrag wird eh gleich gelöscht

  105. @Franz-Josef

    Der arme Prof. Lesch kann einem leid tun. Er hat die Aufgabe übernommen (oder auch zugetragen bekommen) eine Art Bindeglied zwischen der wissenschaftlichen Welt und dem Normalo herzustellen. Spöttisch könnte man sagen Sesamstrasse für Erwachsene, würde damit aber die Kinder beleidigen, denn die sind gegenüber neuem Wissen aufgeschlossener und neugieriger als manche Eltern.
    Was sich in zwanzig Jahren pseudo-wissenschaftlichem Edutainment-zeug mancher Sender plus der in sich geschlossenen Benutzergruppe namens Social-Media als undurchdringliche Watteverpackung um manches Hirn gelegt hat scheint mit sachlichen Argumenten und Fakten nicht mehr heilbar.
    Inzwischen müsste die planlose Besserwisserei gegenüber jedem Anderen der seine Arbeit tut doch mehr als einmal komplett die Runde gemacht haben und auch beim letzten zur Erkenntnis geführt haben, daß Forengelaber und schnelles googeln eben keine Ausbildung und kein Studium ersetzen.
    Der Kaufmann faselt dem Dachdecker mit irgendwelchem Zeug über bei Vollmond gehobelten Dachlatten dazwischen, der erklärt dafür seinem Automechaniker seinen Job und der belehrt seinen Arzt mit den neuesten Erkenntnissen aus der facebook-Medizin.

    Das ist alles Müll. Gleichzeitig kommen aber Forschungserfolge oder Erkenntnisgewinn in den allermeisten Fällen nicht mit zuckender Beleuchtung, dunklen Kellern und geheimnisvoll raunenden Halbschatten daher, sondern sind für 99% der Menschheit denkbar unspektakulär.
    Und dafür braucht man dann einen Lesch oder Yogeshwar, der in erträglicher Zeit aus wissenschaftlichem Kauderwelsch extrahiert und mit einfachen Worten erklärt, warum die wissenschaftliche Sensation vielleicht in ein paar Jahren oder Jahrzehnten uns allen nützen kann. Ohne was wegzulassen, aber auch ohne dass jedes zweite Wort UFO oder Präastronautiker ist um die Leute bei der Stange zu halten.
    Die Leute haben ein grundsätzliches Interesse an was geforscht wird, auch wofür Steuergeld aufgewandt wird, ob man wirklich weiterkommt. Und das obwohl z.B. der Alltags-PC oder das Handy seit Jahren exponentiell leistungsfähiger werden. Obwohl Heilungschancen um ein vielfaches höher liegen als früher und einst Unheilbares immer mehr seinen Schrecken verliert. Obwohl wir mit Hubble auf einmal zigtausend mehr Sterne optisch erkennen konnten als vorher.
    Und trotz diesem Segen, im Jetzt zu leben und die Segnungen unserer Zeit jahrelang geniessen zu können erlebt der Wunsch nach dem einfachen, ursprünglichen Leben im Mittelalter oder spirituellem Blabla eine Wiederauferstehung.
    Sie müssen ihm nicht zuschauen, sie müssen ihm auch nichts glauben. Lassen Sie es einfach. Man fragt Sie nicht ab ob sie ihm zugehört haben.

    Warum Sie sich durch seine angebliche Omnipräsenz beeinträchtigt fühlen weiß ich nicht. Eine Zwangsbeschallung mit Lesch oder anderen Erklärbären ist mir bis dato nicht aufgefallen.

  106. #120 ist FJ Wagner auf Feenstaub.

    Mal ehrlich:
    „(…) nachdem er schon wieder in einem meiner mails auftaucht, die ich bekomme.“
    Ich glaube, da lebt jemand noch so in 2001, als die T-online Startseite noch für alle gleich aussah und jeder die gleichen „Prinz aus Nigeria“ Spams bekam.
    Und das ist ja das eigentliche Problem: Da konnte man sich wenigstens noch über die gleichen Dinge reden / lachen. Heute sieht das Interwebz für jeden völlig unterschiedlich aus. Und je mehr man sich in ein „rabbit hole“ begibt … etc.

  107. Wenn schon eine „Edelfeder“ Federn lassen muss, wie geht es dann erst angestellten Lohnschreibern auf unterer Ebene? Es geht nicht nur um einzelne Artikel, sondern wie von Birk zutreffend beschrieben, die freiwillige Selbstkontrolle, was man meint, noch sagen oder schreiben zu dürfen. Beispiel: Willkommenskultur 2015 ohne Gegenstimmen, dabei lag bei Fortdauer der Sturz Merkels durch Partei oder Bundespräsident in der Luft. Anderes wenig bekanntes Beispiel: Der mysteriöse Tod der Richterin Kirsten Heisig 2010 (Neukölner Modell schnellen Jugendstrafrechts) bei dem in keinem deutschen Leitmedium die Frage gestellt wurde: „Kann es Mord gewesen sein“. Dementsprechend wurde auch nicht in diese Richtung ermittelt. Naturwissenschaftliches Beispiel zu 9/11: Könnnen Flugzeuge komplett in einer Stahlträgerfassade verschwinden, ohne dass am Einschlagspunkt irgendetwas herunterfällt, oder lässt sich der Einsturz des WTC-Hochhauses Nr.7 glaubhaft anders als durch eine kontrolliert herbeigeführte Sprengung erklären? – Zu allem schweigt die Journalistenzunft und vergibt den Stempel der Verschwörungstheorie.

  108. @Hans Oltmann
    Zitat:“Naturwissenschaftliches Beispiel zu 9/11: Könnnen Flugzeuge komplett in einer Stahlträgerfassade verschwinden, ohne dass am Einschlagspunkt irgendetwas herunterfällt?“

    Die Stahlträgerfassade hatte einen quadratischen Grundriss von 61*61 Metern. Da waren nicht vier Stahlträger aussen und zwei in der Mitte, sondern mehrere Hundert Eingekleidet in Aluminium (womit sie auch Ihr „Thermit“ erklärt haben, Thermit ist Eisenoxid und Aluminium), dann zig Lagen Ständerwerk mit Trockenbauplatten, Decken aus Stahlbeton, zahllose Fahrstuhlschächte aus Stahlbeton. Möbel, Ausstattung Kabel, Rohre und Menschen, 70 Meter dick.
    Die Außenhaut eines Flugzeuges ist außer an Fenstern, Türen und Streben etwa 1,2 mm dick und nur durch die Verstrebung in der Lage ihr eigenes Gewicht zu tragen. Ein Flugzeug hat keine Knautschzone, es ist die Knautschzone. Es hat auch keine Frontal-Steifigkeit um einen Aufprall zu überstehen, einen Aufprall kann nämlich niemand überleben.

    Und wie kommen Sie auf die Idee dass dort nichts heruntergefallen sei? Man kann beim zweiten Einschlag sehr gut erkennen dass neben Flammen auch massig Trümmer am anderen Ende austreten.

  109. „Zu allem schweigt die Journalistenzunft und vergibt den Stempel der Verschwörungstheorie.“

    Natürlich. Wenn Sie Journalismus als Bereich des wilden Spekulierens ansehen, haben Sie etwas grundlegend mißverstanden. Nichts anderes als unbegründete und kontrafaktische Spekulation verlangen Sie ja: der Verschwörungshansel Wisnewski wollte beweisen, dass ein Mord vertuscht werden solle, erstritt sich Zugang zu den Akten, und siehe da, es war kein Mord, genau wie alle gesagt hatten. Dumm gelaufen.

  110. @ Stefan Niggemeier:

    „herrycoke: Fünf mal ‚alle‘ in so wenigen Sätzen. Na, das ist ja mal eine differenzierte Darstellung.“

    Darf ich Ihnen hierzu einige Fragen stellen, Herr Niggemeier?

    1) Wie bereits dargelegt wurde, impliziert eine Formulierung im Sinne von „die Medien 1 bis N, sie alle (!) tun dies und jenes“, eindeutig nicht, dass all die genannten Medien STETS oder in ALLEN Bereichen mit zweierlei Maß messen, wichtige Fakten verschwiegen würden usw. Es bedeutet einfach, dass „alle“ die genannten Medien, also jedes dieser Medien (in besorgniserregenden Maße) journalistische Standards verletzt.
    Diese Kritik von Teusch mag man für falsch halten – was aber bitte ist an ihr „undifferenziert“?

    2) Gibt es nicht genügend Beispiele, an denen sich die Kritik von Teusch belegen lässt? Es wurde von anderen bereits auf die inzwischen umfangreichen OPCW-Leaks hingewiesen, wie sie von Wikileaks dokumentiert werden. Es hat sich gezeigt, dass der Original-Bericht, der von den Experten vor Ort erstllet worden war, nahezu in sein Gegenteil verkehrt wurde, dass wichtige Evidenz (etwa die übereinstimmenden Einschätzungen der konsultierten Toxikologen) völlig ignoriert wurde usw. usf.
    Will man ernsthaft bezweifeln, dass „alle“ (sic!) die von Teusch genannten Medien (und die allermeisten anderenauch ) dazu nicht (oder so gut wie nicht) berichtet haben? Und das, obwohl das Thema unzweifelhaft brisant genug wäre?
    Cailin Johnstone schrieb dazu:

    „As of this writing, a Google News search for this story brings up an article by RT, another by Al-Masdar News, and some entries by alternative outlets you’ve almost certainly never heard of like UrduPoint News and People’s Pundit Daily.

    Make no mistake about it: this is insane. The fact that an extremely important news story of immense geopolitical consequence is not getting ANY mainstream news media coverage, AT ALL, is absolutely stark raving insane.

    Up until the OPCW leaks, WikiLeaks drops always made mainstream news headlines. Everyone remembers how the 2016 news cycle was largely dominated by leaked Democratic Party emails emerging from the outlet. Even the relatively minor ICE agents publication by WikiLeaks last year, containing information that was already public, garnered headlines from top US outlets like The Washington Post , Newsweek, and USA Today. Now, on this exponentially more important story, zero coverage.“
    https://caitlinjohnstone.com/2019/12/28/medias-deafening-silence-on-latest-wikileaks-drops-is-its-own-scandal/ )

    3) Gäbe es nicht auch genügend weitere Beispiele, an denen sich Teuschs Kritik plausibel machen ließe – etwa die Ukraine- und die Griechenland-Berichterstattung, um nur zwei Beispiele zu nennen, zu denen Sie selbst geschrieben haben? Ich möchte Sie nicht langweilen, indem ich ihre früheren Texte zum Thema lang und breit zitiere; aber aus Ihren damaligen Texten lässt sich leicht erkennen, dass sie den allgemeinen medialen Umgang mit den entsprechenden Themen für ernsthaft bedenklich gehalten haben. (Ein singuläres Zitat: „Ich fürchte, dass selbst Sisyphos den Auftrag ablehnen würde, all die Fehler, Irrtümer, Boshaftigkeiten, Unterstellungen, Voreingenommenheiten, Verdrehungen und Ressentiments in der Berichterstattung deutscher Medien über die neue griechische Regierung richtigzustellen, aus Sorge, die Aufgabe könnte ihn zu einem unglücklichen Menschen machen“).
    Man kann jetzt über einzelne Worte und Formulierungen streiten und Teuschs Kritik ist „systermischer“ (er spricht zum Beispiel von „Narrativen“); aber auf der Basis Ihrer Kritik erschiene eine vergleichbare Analyse – jedenfalls bezogen auf die beiden Themen – doch wohl zumindest sicherlich nicht als abwegig. Wieso also diese scharfe Kritik an Teusch?

    Ich verstehe übrigens auch überhaupt nicht, wieso zum nahezu völligen Totschweigen der Enthüllungen zur OPCW auf Übermedien nichts kam und fühle mich an die Aussage erinnert, dass die Kritik auf Übermedien eben so gestaltet wird, dass die Medien damit durchaus umgehen können. Eine Kritik, die die Glaubwürdigkeit weiter Teile der Medien grundlegend (!) beschädigen könnte, findet sich jedenfalls kaum auf Übermedien. Die gab es wie gesagt ab und zu noch im alten Blog – aber das scheint vorbei zu sein.

    (Ich bin einmal gespannt, ob ich auch nur auf eine der drei weiter oben aufgeführten Fragen 1) – 3) eine inhaltliche und substantielle Antwort erhalte. Ich bezweifle es ein wenig, Aber ich hoffe, ich werde eines Besseren belehrt.)

  111. @135: Und welche dieser Fragen hat Ihrer Meinung nach irgendeinen Bezug zu dem Artikel unter dem Sie kommentieren?

  112. @ Sven:

    Die Fragen haben einen Bezug zur ausgiebigen Diskussion in den Kommentaren. Genügt dies nicht, um dazu etwas anmerken zu dürfen?

    Zudem: Wenn dies hier nicht die passende Gelegenheit ist, um das allgemeine Verhalten von Übermedien zu reflektieren oder zu debattieren: Wo ist sie dann? Oder sollte das erst dann ein Thema der Kritik und der Debatte werden, wenn auf Übermedien ein Artikel zum Thema „Grundsätzliches zum Kurs von Übermedien“ erscheint? Also voraussichtlich nie?

    Statt inhaltlich auf meine Fragen einzugehen, gehen Sie auf die Meta-Ebene und delegitimieren sie. Das ist die einfachste Antwort auf kritische Fragen, die man überhaupt geben kann.

  113. Es ist ein untrügerisches Zeichen für den Niedergang eines medienkritischen Mediums, wenn es mit anderen Kritikern strenger verfährt als mit den Medien selbst. In diesem Fall müsste es allerdings Überübermedien heißen. Die Ideologie setzt schon da ein, wo der Umstand, dass Medien wie SZ, DLF, ZEIT ONLINE etc. heute unliebsame Phänomene gerne ausblenden, als Frage bzw. als Behauptung eingeführt wird. Können Sie sich vorstellen, dass jemand we Kraus bei einer so offenkundigen Sachlage ebenso vorgegangen wäre? Hier müsste ein „Medienkritiker“ klar Stellung beziehen.

    BTW: Haben Sie eigentlich auch ein hübsches PDF-Dokument mit Über(über)medientexten, in denen die Behauptungen von Leuten zerpflückt werden, die meinen, in „den Medien“ würden Flüchtlinge immer nur als problematisch bzw. Verbrecher dargestellt? Denn auch diese Falschbehauptung findet sie oft. Halten Sie da auch gegen, und wenn nicht: Warum nicht? Nein, kritisieren Sie lieber Leute, die Schönfärberei kritisieren – „gibt es sie wirklich, diese Schönfärberei, wer weiß, weiß“ da machen Sie nichts falsch, das ist ein Dienst an der Demokratie!
    Jetzt denken wemöglich auch Sie: Aha, ein Rechter. Schade. Aber das würde der durchschnittliche SZ-Redakteur vermutlich auch denken. Und natürlich kritisieren auch sie lieber die unscharfe Verwendung des Begriffs „Cancel Culture“ als die unscharfe Verwendung des Begriffs „rechts“. (Wieder: „Aha, ein Rechter.“)
    Übermedien war früher vielversprechend, heute schwimmt es im Malstrom. Die letzten Texte von Samira El Ouassi waren weitere Tiefpunkte. Die ist beim Spiegel schon richtig.
    PS: Ist das schon „Hate Speech“? (Wieder so ein trennscharfer Begriff!)

  114. Das Problem ist, dass – ich zitiere – „die Mainstreammedien so oft alle einem Narrativ folgen“. Quelle: S.Niggemeier: https://www.youtube.com/watch?v=VH4pHhKlk3k
    Das tun „die Mainstreammedien“ auch heute, im Bezug auf BLM, im Bezug auf Corona. Sie haben einfach nur aufgehört, das durchweg kritisch zu begleiten. Lieber fallen Sie über irgendeinen Stumpfsinn der Bildzeitung her. Übermedien wird zum Medium, in dem wichtige Debatten (wie die über die woke SZ oder Cancel Culture oder die zu starke Fixierung auf Drosten oder oder oder) beerdigt, statt angestoßen werden.

  115. Dann möchte ich die Tatsache, dass ich heute nach lange aufbleiben muss, nochmals für einen Kommentar hier nutzen:

    Ich weiß nicht, ob Tobias Schröder Stefan Niggemeier richtig zitiert hat, und da das verlinkte Video 1 1/2 Stunden geht, kann ich es auch nicht gerade mal nachprüfen (eine Zeitangabe wäre sehr nett). Aber wenn ja, dann wäre es interessant, folgende Aussagen gegenüberzustellen:

    Zitat Ulrich Teusch:

    „Ob New York Times, Le Monde oder der Guardian, ob FAZ, Süddeutsche oder Die Welt, ob CNN oder BBC, ob ARD oder ZDF — sie alle unterdrücken absichtsvoll wichtige Nachrichten. […]“

    Angebliches Zitat Niggemeiner (zit. n. Tobias Schräder):

    Das Problem sei, dass „die Mainstream-Medien so oft alle einem Narrativ folgen“.

    Wo wäre hier insbesondere im Hinblick auf die (angeblich fehlende) „Differenzierung“ der fundamentale Unterschied oder die Funktion des Wörtchens „alle“?

    Herr Niggemeier hat in einem Interview mit Michael Meyen (*) sinngemäß in etwa gesagt, dass der Unterschied zwischen Übermedien und den Nachdenkseiten sei, dass die Nachdenkseiten Medienkritik aus einer linken Perspektive betreiben würden (was legitim sei), Übermedien aber aus einer allgemeinen.

    (* Meyen hat inzwischen ja selbst erlebt, dass es unangenehm werden kann, einen bestimmten Mainstream allzu grundlegend zu kritisieren und seine Tabus zu missachten. Auf Übermedien finden wir nichts dazu, da wird das nicht problematisiert. Dafür wird uns wortreich erklärt, dass der Begriff „Cancel Culture“ unangemessen sei und es ein entsprechendes Phänomen gar nicht gäbe, und wenn doch, dann nur als einen legitimen Markt-Mechanismus.)

    Das stimmt nicht. Zwar mag die Perspektive der Nachdenkseiten weiter links zu verorten sein als die von Übermedien. Jedenfalls, wenn „links“ im traditionellen Sinne gemeint ist, in welchem es auch um soziale und nicht nur um identitätspolitische Fragen geht. Denn wenn es eine unterprivilegierte Gruppe gibt, die sich auf Übermedien im Gegensatz zu so ziemlich allen anderen so gut wie gar nicht findet, dann sind es die sozial Schwachen. Aber um die ein großes Aufhebens zu machen ist ja auch nicht mehr en vogue.

    Der eigentliche Unterschied ist aber der, dass die Nachdenkseiten (oder z.B. auch das Multipolar-Magazin oder zum Teil auch der eingestellte Blog von Meyen) die Medien sehr viel grundsätzlicher und härter kritisieren als Übermedien.
    Beispielsweise haben die Nachdenkseiten – deren Meinung ich übrigens durchaus nicht immer teile – die Berichterstattung zu Julian Assange heftig kritisiert. Und zwar bevor ein etwas anderer Umgang mit Assange dann auch mal in die Mainstream-Medien zu beobachten war, nachdem Nils Melzer interveniert hatte und es amerikanischer Zeitungen schemenhaft gedämmert ist, dass der Fall enorme Konsequenzen für die Pressefreiheit überhaupt haben kann. (Randnotiz: Melzer übt eine implizite aber scharfe Medienkritik; sinngemäß sagte er, dass er, ein völlig falsches Bild von der Sache hatte, da er der Berichterstattung geglaubt hatte.)
    Oder die Nachdenkseiten haben immer wieder kritisch über die OPCW-Leaks berichtet; ein Thema, dessen praktisch völlige Ignoranz durch fast alle klassischen Medien einem den Atem verschlagen muss.

    Übermedien hat beide Themen, soweit ich das zu erkennen vermag, gar nicht behandelt.
    Und das oder vieles andere hat mit links oder rechts nichts zu tun. Überhaupt nichts. Es hat vielmehr mit der Frage zu tun, ob man, falls eine schonungslose Analyse dies erfordert, bereit ist, die Medien in einer Weise zu kritisieren, die beim Rezipienten das Vertrauen in die Medien fundamental erschüttern könnte. Oder ob man dazu nicht bereit ist.

    Wie die Antwort bei Übermedien ausfällt, liegt relativ klar auf der Hand. Vielleicht hat das damit zu tun, dass Übermedien es sich mit den Medien auch nicht zu sehr verderben will oder kann. Es ist jedenfalls enttäuschend. Lange Zeit habe ich versucht, mir die Sache schönzureden – vor allem, weil Herr Niggemeier früher noch ein paar Texte verfasst hat, in denen auch fundamentales Medien-Versagen in wichtigen Fragen kritisiert wurde – ein Medien-Versagen, das geeignet war, das Vertrauen in die Medien im Fundament zu erschüttern. Der Blog-Text zur Ukraine-Krise ist vielleicht das beste Beispiel. („Umso mehr bin ich darauf angewiesen, Menschen, die darüber berichten, zu vertrauen. […] Aber am Ende bleibt ein großer Teil, bei dem ich einem Augenzeugen, einem Reporter, einem Kommentator, einem Medium schlicht vertrauen muss. Dieses Vertrauen ist an vielen Stellen angeknackst.“)

    Aber das ist lange her. Einer der letzten „subversiven“ Texte handelte über einen Zwischenfall an der Grenze zu Venezuela. Aber da wurde die Venezuela-Berichterstattung auch nur in diesem Einzelfall und nicht generell kritisiert.
    Und nachdem weder zu Assange noch zu den OPCW-Leaks bzw. zu deren mediale Behandlung (noch zum Fall Meyen) etwas kam, habe ich aufgehört, mir Illusionen zu machen.

    Es verwundert dann auch nicht, dass das Buch „Mainstream“ von Uwe Krüger zwar positiv rezensiert wurde – dass aber die entscheidende Kritik Krügers ansonsten hier kaum irgendeinen Widerhall findet und keineswegs für kritische Analysen herangezogen wird. Die entscheidende Kritik lautet nämlich, dass auch die deutschen Medien in hohem Maße vom Indexing-Phänomen betroffen sind und also wichtige Informationen, Argumente und Sichtweisen oftmals weitgehend ignorieren, wenn bzw. weil sie innerhalb der Macht-Eliten wenig Rückhalt erfahren.
    Ein solcher Ansatz wäre aber eben wieder eine Medienkritik, die ans Eingemachte gehen würde, die den Medien ernsthaft weh tun könnte. Und eine offene, kritische, faire Diskussion solcher Ansätze offenbar auch schon.

    Statt also eine Kritik zu üben, die auch und vor allem die heißen Eisen in die Hand nimmt (ja, an denen kann man sich verbrennen!), scheinen immer mehr Texte im Margarete-Stokowski-Style verfasst zu werden (vor allem von El Ouassil). Und das schreibe ich als jemand, der fast allen gesellschaftspolitischen Analysen von Herrn Niggemeier zustimmen konnte und der hier im Blog ausführlich gegen undifferenzierte Vorurteile gegenüber „den“ Islam und gegen die Vorurteile gegenüber einer Erziehung, die sexuelle Vielfalt thematisiert, anargumentiert hat.

    Aber das ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass oftmals zwar Fragen von sekundärer Bedeutung behandelt werden, während gleichzeitig höchst brisante Themen nicht vorkommen. Oder möchte irgendjemand ernsthaft bezweifeln, dass eine Auseinandersetzung mit dem Medienversagen im Fall Assange oder im Fall der OPCW ungleich relevanter wäre als der 50. Artikel, der sich mit der irreführenden Berichterstattung der Yellow-Press über Prominente auseinandersetzt? (Artikel der letzteren Art wären willkommen, wenn es auch ein paar der ersteren Art gäbe; man möchte ja auch nicht immer nur extrem schweren Stoff.)

    Und meine Fragen aus Kommentar 135 wurden natürlich auch nicht beantwortet. Auch das ist ein Unterschied: Früher hat sich Herr Niggemeier nach meiner Erinnerung noch mit sachlicher und begründeter Kritik auseinandergesetzt. Auch das ist offenbar pas­sé.

  116. @Tobias Schröder @LLL Volle Zustimmung. Sehr traurig. Auch für mich war der letzte Text von El Ouassil der Tiefpunkt. Und das bei Übermedien! Stokowskystyle trifft es ganz gut. Hat nur nichts mit analytischer, intelligenter „Kritik“ zu tun, die diesen Namen verdient. Medienmainstream.

  117. Inzwischen habe ich mir das von Tobias Schröder verlinkte Video angesehen (ist auch sehenswert).

    Die Original-Formulierung lautet (ca. ab Min. 8):

    „Ich glaub ein ganz großes Thema, was schief läuft ist, dass Medien so oft fast alle einem Narrativ folgen.“

    Da Teuschs Behauptung ja wie gesagt keineswegs impliziert, dass die Medien immer Narrativen folgen (und auf ähnliche Weise weitere Standards verletzen) oder dass dort, wo der Mainstream solches tut, immer alle Medien dabei sind, sehe ich da immer noch keinen fundamentalen Unterschied.

    Dass Teusch sich tatsächlich bewusst ist, dass auch da, wo Medien einem Narrativ folgen, es oftmals auch Gegenbeispiele gibt, geht übrigens auch klar aus anderen Texten von ihm hervor – ich zitiere hier etwa aus seinem Buch „Die Lückenpresse“:

    „In der Tat: Nähme man vollständig zur Kenntnis, was die Leit- und Qualitätsmedien dieser Welt, von Neuseeland bis Kanada, so alles veröffentlichen, könnte man sich aus den vielen investigativen Recherchen, spektakulären Interviews oder brisanten Hintergrundartikeln vermutlich ein komplett alternatives Weltbild zusammenbasteln. Und was die zahlreichen Hörfunk- und Fernsehprogramme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks allein in Deutschland Tag für Tag an ‚kritischem Journalismus‘ senden, würde reichen, um daraus ohne Mühe ein beachtliches Alternativprogramm zusammenzustellen. Das alles stimmt – und es ist doch irreführend. Es ist, als würde man sagen: ‚Stimmt es denn etwa nicht, dass der FC Bayern eine erfolgreiche Jugendarbeit betreibt?‘ Natürlich stimmt es. Aber es ändert kein Jota daran, dass sich in diesem Fußballunternehmen alles um den millionenschweren Profiklub dreht.“

    Oder in meinen Worten: Wenn am Donnerstag weit nach Mitternacht in einem der Spartenkanäle der ÖR eine hochwertige Dokumentation läuft, die direkt oder indirekt ein bestimmtes Narrativ infragestellt, dann ist das schön. Aber das wiegt es nicht auf, wenn in den Hauptnachrichten zur besten Sendezeit von Montag bis Sonntag eben an jenem Narrativ weitergesponnen wird.

    Des Weiteren möchte ich noch anmerken, dass Herr Niggemeier nach meinem Eindruck manchmal dazu neigt, strengere Maßstäbe an scharfe Kritiker der Medien und an Alternativ-Medien als an Mainstream-Medien anzulegen. Dabei haben die klassischen Medien im Grunde eine viel höhere Verantwortung und ihr Versagen kann ungleich schwerere Folgen haben – siehe dazu in besagtem Buch das Kapitel „Wenn die Medien ihren Job gemacht hätten“.

  118. Danke lieber LLL, dass Sie mich auf diesen Strang aufmerksam gemacht haben. Volle Zustimmung auch von mir zu den genannten Gedanken zur Richtung, die Übermedien einschlägt.

    Ich frage mich, inwieweit das vielleicht auch mit dem (zahlungswilligen) Publikum von Übermedien zu tun hat. Mein Eindruck ist, dass es zwar auch die (geo)politisch Interessierten gibt, die die ganz großen Problemstellen des medialen Systems im Blick haben – aber viele scheinen doch eher hier zu sein, um seichte und folgenarme Medienkritik zu konsumieren und sich darin bestätigen zu lassen, dass es im Großen und Ganzen kein Problem gibt, und dass das Buch von Birk Meinhardt wirklich sehr problematisch ist. Das hat zum Beispiel neulich erst die durchaus ätzende Glosse von Herrn Rosenkranz zum medialen Umgang mit dem „Zweite Welle“-Begriff wieder sehr schön gezeigt. Dort konnte man reihenweise affektgeladene Kommentare lesen, Rosenkranz sei wohl unter die Rechten gegangen, was solle denn so etwas auf Übermedien, das sei ja schwer „enttäuschend“, usw.

    Wenn dieses Verhältnis einigermaßen repräsentativ für den zahlenden Übermedien-Kunden ist, dann ist natürlich schon aus einer wirtschaftlichen Betrachtung her fraglich, ob sich Übermedien eine ernsthafte Kritik der Medien z.B. bezüglich Julian Assange, der OPCW, oder überhaupt eine Kritik leisten will, die dem Weltbild der Mehrheit der zahlenden Kundschaft ganz grundsätzlich nicht entsprechen würde.

    Ein anderer Punkt ist sicher – das ist jedenfalls mein Eindruck als sehr langjähriger Leser – dass Herr Niggemeier im Grunde ein unpolitischer Mensch ist. Mit Mut, Akribie und einem Sinn für Gerechtigkeit, sicher, weshalb er genau der Richtige war, um der Bild entgegenzutreten und diese Kritik ins digitale Zeitalter zu hieven. Aber die eigentlichen Schwachstellen und Probleme des medialen Systems können nicht kompetent reflektiert werden, ohne sich tief in die (macht)politischen Verhältnisse, Einflüsse, deren Geschichte, usw, einzuarbeiten, die diese Schwachstellen erst erzeugen. Ob Übermedien dafür jemals die richtige Plattform sein wird? Ich wage es zu bezweifeln.

    Andererseits ist es eben auch spannend, hier auf Mitkommentatoren wie Sie alle zu treffen, liebe LLL, Svenja, Tobias Schröder, Cherrycoke, u.v.m., und irgendetwas hält uns offensichtlich alle – unregelmäßig – hier.

  119. @ Illen:

    Vielen Dank für den Kommentar.

    Ja, das ist natürlich richtig; wenn man wirtschaftlich über die Runden kommen will, muss man sich nach dem zahlenden Publikum (unter dem auch viele Journalisten sein dürften) richten, und falls dieses tatsächlich eine allzu „radikale“ Medienkritik ablehnen sollte, wäre es schwer, die zu liefern.

    Dass Übermedien nicht extrem „politiklastig“ ist, ist sicher richtig; und das wäre an sich sogar ein Aspekt, den man m.E. nicht nur negativ finden muss. Offen gesagt habe ich es sogar ein wenig genossen, dass es hier nicht immer um die ganz schweren Themen geht; dass man hier etwas lesen konnte, was zum Teil auch für mich interessant was, ohne sich ständig entsetzen zu müssen, was bei einer scharfen „politiklastigen“ Medienkritik mitunter fast unvermeidlich ist. Es kann ja auch in der Medienkritik eine gewisse Arbeitsteilung geben.

    Ich glaube jedoch, dass es zumindest einige Themen von solcher Relevanz gibt, dass Medienkritik einfach nicht anders kann, als sich ihrer anzunehmen, wenn sie ihrem Anspruch gerecht werden will. Hierzu gehörten etwa die Ukraine- und die Griechenland-Berichterstattung; beides hatte Herr Niggemeier damals behandelt. Und dazu würden auch andere Phänomene gehören wie etwa eben der OPCW-Skandal, wo die beinahe durchgehende Grabesstille der Mainstream-Medien so unglaublich ist, dass man meinen würde, dass nur ein hartgesottener Verschwörungstheoretiker sich so etwas ausdenken könnte. Oder der Fall Assange – wo hinzukommt, dass es hier auch grundlegend um Pressefreiheit und Journalismus geht.
    Natürlich gäbe es auch andere Themen von sehr hoher Relevanz; dass Übermedien aber gerade zu beiden den genannten Fällen jeweils GAR NICHTS zu sagen hat (nicht einmal etwas extrem vorsichtig Formuliertes), ist m.E. sehr enttäuschend.
    Und dass dann auch noch sehr ernstzunehmende Kritiker wie Ulrich Teusch, die sich genau solcher Themen annehmen, auf so oberflächliche Weise abgecancelt werden, setzt dem noch das I-Tüpfchen auf. Das war dann auch der Punkt, wieso ich überhaupt kommentiert habe; ansonsten habe ich nämlich eigentlich resigniert.

    In diesem Zusammenhang finde ich auch die Kritik am Rubikon, die hier neulich zu lesen war, als etwas wohlfeil. Ja, man kann am Rubikon viel kritisieren (ungeachtet der Frage, inwieweit die Übermedien-Kritik an den richtigen Stellen ansetzt); und ja, es gibt große Qualitätsunterschiede zwischen verschiedenen Rubikon-Artikeln; und ja, es kommt ein erheblicher Teil relativ oberflächlich rüber und ist eher Meinung als scharfe Analyse; und ich selbst lese den Rubikon selten. Aber immerhin hat der Rubikon auch zu medienpolitisch sehr relevanten und brisanten Themen Texte veröffentlicht, und zumindest einige davon enthalten durchaus Substanz – wohlgemerkt zu Themen, zu denen Übermedien beharrlich schweigt. (Dennoch hat der durchschnittliche Teusch-Text sicherlich ein weit höheres Niveau als der durchschnittliche Rubikon-Text.)

    Ich erinnere mich immer mehr an die Kritik, die schon lange an Übermedien geübt wurde: Sinngemäß, dass es letztlich selbst ein Teil des Mainstream ist und diesen stabilisiert. Nach dem Motto: So weit kann „seriöse“ Medienkritik gehen, aber bitte nicht sehr viel weiter.

    Ich schätze Ihre Kommentare, lieber Illen, schon lange sehr (und auch die einiger andere Leute empfinde ich als wirklich gewinnbringend); aber es ist nicht gerade ein Kompliment für Übermedien, wenn jemand sagen muss, dass er aus den Kommentaren oft (wenn auch nicht immer) mehr lernen kann als aus den Artikeln.
    Und ich persönlich habe immer mehr das Gefühl, dass wenigstens meine Anwesenheit hier wenig Sinn hat. Die Kritik an den Medien hier scheint mir immer weiter weg vom Grundsätzlichen zu gehen. Wie gesagt werden nach meiner Wahrnehmung auch immer mehr und mehr Artikel publiziert, die in ihrer Einseitigkeit, Voreingenommenheit und streckenweise Oberflächlichkeit an Stokowsky-Werke erinnern.
    Und Übermedien scheint auch entschlossen jenem pseudo-linken identitätspolitischen Mainstream zu folgen, welcher der Frage, ob irgendjemand das falsche Wort für Schwarze benutzt haben könnte, WEIT mehr Aufmerksamkeit widmet als der Frage, wie viele Schwarze in prekären Verhältnissen leben (zumindest mir scheint es, dass auffallend viele Klomänner Schwarze sind). Auch hieran findet sich Kritik vor allem in den Kommentaren.

    In so vielen Punkten immer dagegenzuhalten oder den Versuch zu machen, in der Kommentar-Spalte auf den Elefanten im Raum hinzuweisen, dem der Artikel sorgsam ausgewichen ist, empfinde ich für mich persönlich aber auf Dauer als unbefriedigend. (Außerdem habe ich nach einem entsprechenden Kommentar den Eindruck, dass meine Beiträge hier vom Chef ohnehin eher als nervend denn als bereichernd empfunden werden.
    Wofür Übermedien nichts kann, was aber natürlich auch frustriert, ist die Tatsache, dass so viele Leute hier kommentieren, die nicht einen halbwegs sachlichen Kommentar ohne Diffamierung und persönliche Attacken hinkriegen.)

    Insoweit ist das Fazit für mich enttäuschend. Ich hatte viel größere Hoffnungen in Übermedien gesetzt; nicht, dass es besonders politisch werden würde, aber doch, dass wenigstens besonders brisante Fälle Erwähnung finden würden. Denn alles andere bedeutet effektiv, dass das Verhalten der Medien weichgezeichnet wird. Schade. Vielleicht ändert sich das noch irgendwann, vielleicht auch nicht.

    (Ich möchte allerdings auf keinen Fall so verstanden werden, dass ich anderen, die ähnliche Einstellungen haben wie ich, nun irgendwie nahelegen wollte, sich ebenfalls (weitgehend) zurückzuziehen. Im Gegenteil: Ich würde Ihre Kommentare vermissen, und wenn es diese und die einiger anderer Personen nicht gäbe, vielleicht gar nicht mehr hier mitlesen.)

  120. AKA:
    Ich hätte so gern, dass Übermedien über die Themen berichtet, die ich für wichtig halte und dann auch so, wie ich sie sehe.
    Leider tut das Übermedien nicht und daher ist hier alles weich gespült.
    Der Betreiber antwortet mir nicht in einem Strang, in dem ich nach Tagen und x anderen Kommentaren eine Frage an ihn richte, das enttäuscht mich doch sehr.
    Krönend hinzu kommt, dass die Kommentatoren mich nicht in Watte packen.
    Da muss ich hier dann leider aufhören zu kommentieren.
    Gott sei Dank gibt es einige, die hier noch ähnlich wie ich denken und kommentieren, daher lese ich hier wenigstens noch mit.

    In was für einer egozentrischen Welt so einige Leben. Entlarvend.

  121. @ Micha:

    Es wurde mit konkreten Argumenten dargelegt, dass Übermedien auf Themen von sehr großer Relevanz nicht eingeht. Auch wurde von anderen und mir argumentativ darauf eingegangen, wie wenig begründet Niggemeiers Teusch-Kritik war.

    Wenn Ihre einzige Antwort in der pauschalen Unterstellung besteht, es ginge uns nur darum, dass wir etwa über Themen lesen können, die zufällig unserem subjektiven Geschmack treffen, und zwar unserer Meinung entsprechend aufbereitet, dann hätte ich folgende Frage an Sie:

    Wie müsste man eine Kritik derart, dass ein Medien-Journal Themen von hoher Relevanz ignoriert denn überhaupt formulieren und begründen, damit NICHT solche Unterstellungen kommen? Oder halten Sie eine derartige Kritik PRINZIPIPIELL für unzulässig, völlig ungeachtet der konkreten Umstände und Begründungen?

  122. @LLL
    „Wie müsste man eine Kritik derart, dass ein Medien-Journal Themen von hoher Relevanz ignoriert denn überhaupt formulieren und begründen, damit NICHT solche Unterstellungen kommen? “
    Ich habe nichts unterstellt.
    Ich habe zusammengefasst, was Sie geschrieben haben: das „Ihre“ Themen nicht kommen, Sie darauf hingewiesen haben und wegen fehlender Reaktion in Ihrem Sinne hier nicht mehr schreiben wollen. Auch eventuell nicht mehr lesen wollen, wenn bestimmte Leute, die Ihre Meinung teilen, hier auch nicht mehr schreiben.

    Aber ich kann ja mal versuchen, aufzuführen, wie man das Vernünftig machen könnte: NICHT einen Thread zu einem anderen Thema entführen, sondern sich zum Beispiel per Email an die Betreiber richten?
    Ich hab zwei Mal Emails an Übermedien geschrieben, bei denen es zwar um technische Sachen ging, nicht um inhaltliche Kritik, aber ich bekam jeweils am selben Tag von Herrn Rosenkranz Antwort.
    Vielleicht würde es Ihnen ähnlich ergehen, wenn Sie mal Herrn Niggemeier anschreiben? Bzw., die allgemeine Kontaktadresse verwenden (falls Sie das schon getan haben und darüber geschrieben haben: Sorry, ich kann Ihre ewigen Textwände, in denen immer und immer wieder steht, dass Sie etwas nicht so und so meinen/getan haben, um es dann eben doch immer und immer wieder so auszudrücken, wie Sie es eigentlich nicht getan/gemeint haben wollen, nicht mehr zu Ende lesen, es ermüdet ungemein).

    Sollte auf den Email-Kontakt eine Antwort kommen, die Sie befriedigt, dann sollte doch alles gut sein?
    Sollte keine Antwort kommen, die Sie befriedigt oder sollte Ihre Anfrage ignoriert werden, dann können Sie Ihre Konsequenzen ziehen. Zum Beispiel nicht mehr hier lesen oder kommentieren. Oder Sie können Ihr Leid hier in Textwänden schildern, wie Sie es schon seit Ewigkeiten tun.
    Nur, wenn Sie den letztgenannten Weg nehmen, dann müssen Sie sich halt an Kommentare gewöhnen, die dann auch mal auf Ihre Art und Weise eingehen und sich vom Artikelthema entfernt haben. Weil es dann ja nur um Ihre Art und Weise geht (wie zum Beispiel jetzt in diesem Kommentar).

    „Oder halten Sie eine derartige Kritik PRINZIPIPIELL für unzulässig, völlig ungeachtet der konkreten Umstände und Begründungen?“

    Sie bemängeln, dass es persönliche Angriffe gibt und schreiben dann so etwas, was natürlich nichts anderes als ein persönlicher Angriff ist. Für mich in Ordnung, Sie wehren sich halt. Das tun Sie und Illen und Sunddancer in nahezu jedem Beitrag. Und nirgends wird so getan, als ob das jetzt so wahnsinnig unverständlich wäre und als ob man sich deshalb aus der Sachdebatte verabschieden müsse.
    Deshalb mag ich zum Beispiel die Art von Someonesdaughter so. Da ist immer sachliches, gepaart mit ordentlich Wums, der mal einen Punkt macht und durchscheinen lässt, dass man eben nicht immer alles hinter weich gespülten Worten verstecken kann.

  123. @LLL
    „Auch wurde von anderen und mir argumentativ darauf eingegangen, wie wenig begründet Niggemeiers Teusch-Kritik war.“
    Wenn ich das jetzt richtig sehe, dann hat Niggemeier den Namen Teusch nicht einmal in diesem Strang hier ausgeschrieben, er hat nur auf ein Zitat kurz und knackig geantwortet, dass er dieses Zitat etwas wenig differenziert betrachtet.
    Und daraus basteln Sie sich zurecht, dass Niggemeier/Übermedien nicht gut auf Kritik eingeht, wenn Sie dann nur noch über Teusch schreiben?
    Sie schreiben gar, die Kritik von Niggemeier an Teusch war wenig begründet, wobei die Kritik nur aufzählte, dass ein bisschen oft das Wort „alle“ drin vorkam und es daher wenig differenziert erscheint.
    Ist das wirklich Ernst gemeint?

  124. Allgemein noch:

    Weitere Beispiele dafür, wie Übermedien aus Sicht mancher Leute (u.a. von mir) den Elefanten im Raum ausspart, finden sich in der Diskussion unter dem Artikel „Die Maskenpflicht als Drama bei ‚Spiegel‘ und ‚Zeit'“, insbesondere ab # 137.

    @ Micha:

    Ich habe offen gesagt wenig Hoffnung, dass eine EMail in inhaltlicher Angelegenheit viel bringen würde, nachdem es wirklich eine erhebliche Anzahl von Kommentaren in unterschiedlichen Strängen gibt, wo ähnliche Kritik geäußert wurde. Trotzdem danke für den sachdienlichen Hinweis.

    Ansonsten vermissen Sie m.E. jeweils den springenden Punkt, aber es hat aus meiner Sicht wenig Sinn, das ausdiskutieren zu wollen. Wir haben bereits so viel in mehreren Threads diskutiert und sind zu keinem Ergebnis und nicht mal zu einer Annäherung gekommen.
    Und auch wenn ich noch in diesem und einem anderen Thread etwas aktiv bin, möchte ich mich dann wie gesagt eh bis auf Weiteres erst einmal weitgehend zurückziehen, vielleicht auch dauerhaft.
    Die Macher von Übermedien werden mit Ihren Kommentaren ohnehin mehr anfangen können als mit meinen; in jedem Fall aber sind Sie sicherlich viel eher das anvisierte Publikum als ich, und nach meinem Eindruck wird das immer deutlicher; und entsprechend werden auch Personen mit Ihrer Haltung immer mehr den Kommentarbereich prägen.

    Ich sage das völlig neutral und ohne Wertung. Natürlich würde ich mir persönlich wünschen, dass es anders wäre, aber ich habe das so hinzunehmen, wie es ist. Insofern – und das meine ich ernst und nicht ironisch – wünsche ich Ihnen noch eine gute Zeit, und, falls Sie noch heute hier lesen, eine gute Nacht.

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