Döpfners Lügen fürs Leistungsschutzrecht

Der Vorstandschef von Axel Springer macht sich Sorgen. Das ist nichts Neues, Mathias Döpfner neigt schon länger ganz außerordentlich zur Apokalypse. Aber wer wollte ihm widersprechen, wenn er „weltweit eine Schwächung der Demokratien der Mitte“ beklagt. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, nehme er nur „verunsicherte, taumelnde, schwächelnde, verunsicherte Demokratien der Mitte“ wahr. Einige davon gingen den Weg zu den vermeintlich einfachen Lösungen: Ungarn zum Beispiel, Italien, Großbritannien, die USA.

Nur drei Länder fallen Döpfner ein, die diesem Trend zum Populismus trotzten, in denen „aus der Mitte heraus ein neuer Typus politischer Führung definiert wird, der mit viel Tatkraft und Entschiedenheit agiert und Kraft entwickelt“: Kanada. Frankreich. Und Österreich.

Österreich, das seit Ende vergangenen Jahres von einer Mitte-Rechts-Regierung unter Beteiligung der FPÖ regiert wird, einer rechtspopulistischen Partei mit rechtsextremen Wurzeln, Kräften und Tendenzen.

Nicht auszuschließen, dass Döpfner die FPÖ wegen ihrer Islamophobie sympathisch ist. Vielleicht ist sein Lob für die Regierung auch nur eine freundliche Geste gegenüber dem Gastgeber: Er sprach am Donnerstag zur Eröffnung der Medienenquete, zu der der österreichische Medienminister geladen hat.

Mathias Döpfner spricht bei der Medienenquete in Wien. Screenshot: ORF

Vermutlich aber ist die Schwärmerei einfach Teil des Lobbyismus in eigener Sache: Döpfner hofft sehr darauf, dass die österreichische Regierung während ihrer EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr Entscheidungen im Interesse Springers und der Presseverleger durchsetzt.

Es geht dabei darum, die geplante E-Privacy-Verordnung zu verhindern und ein europäisches Leistungsschutzrecht für Presseverlage einzuführen. Beides ist nach den Worten Döpfners „absolut zukunftsentscheidend, schicksalhaft für die Medienlandschaft und die demokratische Grundordnung in Europa“.

Döpfner räumte ein, dass das deutsche Leistungsschutzrecht praktisch gescheitert sei. (Die Bundesregierung weigert sich beharrlich, eine eigentlich vorgesehene Evaluierung vorzunehmen.) Die deutschen Verlage hatten damals erheblichen Druck auf die Politik ausgeübt und die Öffentlichkeit regelmäßig in die Irre geführt.

„Jeder kann einen Artikel kopieren und vermarkten“

In dieser Tradition zeichnete Döpfner vor der versammelten Medienbranche in Österreich nun ein grotesk verzerrtes Bild über die herrschende Rechtslage. Nach seinen Worten ist das sogenannte geistige Eigentum im Moment in der digitalen Welt nicht geschützt. Jeder dürfe sich einen Artikel oder Film, den ein Verlag hergestellt hat, nehmen und kopieren und selbst kommerziell vermarkten.

Doch, das sagt der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer tatsächlich:

„Es geht (…) um die Frage, ob das geistige Gut, das da produziert wird, ein geschütztes Gut ist oder nicht. Im Moment ist es ein in der digitalen Welt nicht geschütztes Gut. Jeder kann einen Artikel, ein Video, ein journalistisches Element, das ein Verlag erstellt hat, nehmen, kann es kopieren, kann es in einen anderen Kontext stellen und selbst erfolgreich vermarkten.“

Das ist natürlich nicht wahr. Die Artikel und Videos, die ein Verlag erstellt, sind genauso wie alle anderen Inhalte durch das Urheberrecht geschützt. Man darf sie nicht ohne Genehmigung des Urhebers nehmen, kopieren und selbst vermarkten.

Döpfner aber behauptet, das sei nicht nur erlaubt, sondern geschehe sogar:

„Die großen Plattformen tun das, von Google bis Facebook, von Amazon bis Snapchat. Es tun aber auch viele Aggregatoren, und es ist ein Zustand, der dazu führen wird, dass immer weniger überhaupt noch Geld investieren, um Qualitätsinhalte zu produzieren, weil es kein Geschäftsmodell mehr gibt. Wenn ich in den Supermarkt gehen kann und mir einfach ein Pfund Butter oder eine Tüte Milch mitnehmen kann, ohne dafür zu bezahlen, warum sollte noch jemand hergehen und dafür bezahlen, und warum sollte noch jemand Butter oder Milch herstellen. Es gibt keinen Anreiz mehr.“

Niemand nimmt den Verlagen straflos die Butter aus dem Regal. Unternehmen wie Google und Facebook verlinken auf die Inhalte der Verlage und zeigen dafür kurze Vorschauen an. Die Verlage wollen, dass sie im Grunde schon für diese Verlinkung zahlen müssen, Kritiker reden deshalb auch von einer „Link-Steuer“.

„Jeder Verleger, der dieses Recht nutzt, wird ausgelistet“

Die meisten Versuche, Parallelen für digitale Mechanismen in der analogen Welt zu finden, sind problematisch, aber der Butter-Klau-Vergleich von Döpfner ist von atemberaubender Beschränktheit. Er behauptet, den Zeitungen würden ihre kompletten Inhalte weggenommen – als könne man ganze Artikel auf Google lesen. Er führt das noch ein weiteres Mal konkret aus, wenn er erklärt, warum es bislang kein Leistungsschutzrecht für Presseverlage gegeben habe:

„Ganz einfach, weil in der analogen Welt keiner auf die Idee gekommen wäre, eine Zeitung zu nehmen, sie auf den Kopierer zu legen, sie 100.000-mal zu kopieren und dann selber an irgendwelchen Vertriebsstellen für teuer Geld zu verkaufen. Das lohnte sich nicht. Deshalb brauchte es das nicht.“

Google und Facebook kopieren keine Zeitungen. Und sie verkaufen die Zeitungen auch nicht für teuer Geld. Wenn jemand das macht, macht er sich strafbar.

Das „geistige Gut“, wie Döpfner es nennt, ist also, anders als er sagt, geschützt. Zum einen durch das Urheberrecht. Zum anderen aber ja auch durch das deutsche Leistungsschutzrecht, für das der Verlag, den Döpfner leitet, gekämpft hat wie kaum ein Zweiter. Nach diesem Gesetz dürfen etwa Suchmaschinenanbieter nur „einzelne Wörter oder kleinste Textausschnitte“ anzeigen.

Döpfner räumt ein, dass dieses Gesetz, wie von seinen Kritikern vorhergesagt, keine positiven Wirkungen hatte:

„In Deutschland gab es einen Versuch, das deutsche Leistungsschutzrecht, der ist de facto durch die Marktmacht von Google ausgehebelt worden, weil Google gesagt hat: Jeder Verleger, der dieses Recht nutzt, wird bei uns ausgelistet. Es gibt keinen Text mehr von ihm, kein Foto mehr von ihm, kein Video mehr von ihm, wir listen nur noch die Überschrift. Fast alle Verleger haben gesagt, dann können wir dieses Recht nicht nutzen.“

Noch einmal langsam und zum Mitdenken: Die Verlage wollen nicht, dass Google in den Suchergebnissen einfach ungefragt eine Vorschau ihrer Inhalte anzeigt, sogenannte „Snippets“. Sie erkämpfen ein entsprechendes Gesetz (bei dem nicht ganz klar ist, welche Länge einer Vorschau noch zulässig ist). Google reagiert darauf und zeigt die Snippets nicht mehr an, wenn Verlage das nicht wünschen. Die Verlage rufen: Skandal! So geht uns ja der ganze Traffic verloren!

Der Knackpunkt ist, dass die Verlage nicht wollen, dass Google keine Snippets anzeigt. Sie wollen, dass Google für die Snippets bezahlt. Google will aber nicht für Snippets zahlen und zeigt sie im Zweifel lieber nicht an. („Ausgelistet“ hat Google entsprechende Inhalte oder Anbieter, anders als Döpfner formuliert, nicht.)

Um es mit dem irren Vergleich von Döpfner zu sagen: Die Verlage wollen nicht, dass Google aufhört, in ihren Supermärkten Butter und Milch zu klauen. Die Verlage wollen Google dazu verpflichten, bei ihnen Brot und Milch zu klauen und dafür zu bezahlen.

„Es hat auch deshalb nicht funktioniert, weil Deutschland zu klein ist“

Es laufen dazu noch Gerichtsverfahren, aber nichts deutet im Augenblick darauf hin, dass man Google dazu zwingen kann, Inhalte anzuzeigen, für deren Anzeige Google zahlen müsste. Daran ist das Leistungsschutzrecht in Deutschland de facto gescheitert.

Mathias Döpfner aber sagt, Google habe seine marktbeherrschende Stellung missbraucht. Er hat aber einen noch originelleren Grund, woran das Gesetz gescheitert sei:

„In Deutschland hat es auch deshalb nicht funktioniert, weil Deutschland als Land, als Markt schlicht zu klein ist. Wenn aber auf europäischer Ebene 500 Mio EU-Bürger sich in diesem Rechtsrahmen bewegen, dann wird es auch für die Aggregatoren, für die Suchmaschinen, für die sozialen Medien, schwer, das zu ignorieren oder schwer, es durch schiere Marktmacht auszuhebeln.“

Warum das so sein soll, lässt er offen. Die Marktmacht der großen amerikanischen Konzerne ist ja auf europäischer Ebene nicht kleiner.

In den nächsten Tagen finden im Rechtsausschuss des EU-Parlamentes entscheidende Abstimmungen über neue Urheberrechtsgesetze statt, unter anderem auch das Leistungsschutzrecht. Es gibt Berichte, wonach die Union außerordentlichen Druck auf Abgeordnete ausübe, im Sinne Springers abzustimmen. (Nach seinem Vortrag fragte der österreichische Medienminister Gernot Blümel, ÖVP: „Gibt es zu wenig Lobbying deutscher, österreichischer klassischer Medien in Brüssel?“ Antwort Döpfner: „Ganz klar.“)

Döpfner bettelt in Wien:

„Ich appelliere an die österreichische Regierung, alles zu tun, damit dieses europäische Verlegerrecht beschlossen wird und die Grundlage für Wettbewerb und Meinungsvielfalt in Europa schafft.“

Nur so würden auch in Zukunft Nachrichten produziert, die mit Sorgfalt und Mühe versuchten, die Menschen möglichst wahrheitsgemäß zu informieren. Also, anders als Döpfner.

26 Kommentare

  1. Ja, es ist schon grausam das dieses böse böse google sich doch glatt weigert direkt Geld über Ads mit google news zu verdienen und es den Verlagen damit unmöglich machen doppelt abzukassieren, über google und über die eigene verlinkte Seite.

    Da kommen dann solch unlogischen Geschichten wie das Leistungsschutzrecht in Deutschland zustande oder sowas wie in Spanien wo Verlage gesetzlich Geld von google nehmen müssen was zur kompletten Abschaltung geführt hat.

    Für mich macht das google perfekt für alle. Klar haben die insgesamt einen kleinen Mehrwert durch google news (Markenname + Leute nutzen oft im Anschluss die normale google Suche mit Ads) aber insgesamt kommt dieser freie Service allen Nutzern UND den Verlagen zugute. Von daher verstehe ich diesen Aufschrei nicht.

  2. Den Aufschrei verstehe ich schon. Google verdient viel Geld mit den Inhalten anderer Leute – genauer gesagt natürlich damit, sie auffindbar zu machen. Gute Inhalte selbst zu finanzieren, ist aber unglaublich schwer. Dieses Ungleichgewicht ist für die Produzenten von Inhalten ein Ärgernis: Ein großer Teil des Werbegeldes, das sie früher eingenommen haben, nehmen nun Konzerne wie Google ein.

    Das lässt sich aber nicht durch ein Leistungsschutzrecht reparieren.

  3. Das Geld von google kommt aber nicht über google news rein, eben nur indirekt über die damit erhöhte Nutzung der normalen Suche.

    Was mich persönlich interessieren würde: Wenn google news in Deutschland eingestellt würde, gingen die Einnahmen der Verlage hoch oder runter? Fehlende Einnahmen durch Verlinkung vs. zusätzliche Einnahmen durch die direkten Aufrufe der Verlagsseiten.

    Ich würde eher auf – in Summe – runter für die meisten Verlage tippen. Ich denke die Leute würden sich ähnlich verhalten und statt google news, vermehrt social media news Plattformen wie reddit nutzen um news zu konsumieren. Und dort wird wesentlich vielseitiger verlinkt als in google news.

  4. Was ich total geil finde: Niggi bringt die Überschrift „Döpfners Lügen fürs Leistungsschutzrecht“ ohne Bedenken zu haben, dafür belangt zu werden. 1/2 bis 2 Jahre Knast rufen die Anwälte dafür beim OLG Hamburg auf und das OLG unterstützt da freudig erregt.

    Dabei werde ich gerade von Stern/Bertelsmann wegen einer ähnlichen, aber harmloseren Aussage zu Propaganda vor Gericht (also OLG Hamburg) gezerrt (Wir gehen jetzt deswegen vors Verfassungsgericht) und Übermedien hatte darüber auch berichtet. Vgl. http://www.kanzleikompa.de/2018/04/15/das-oberlandesgericht-hamburg-im-syrienkrieg-stern-und-marc-drewello-blauer-bote-11/ und http://blauerbote.com/spendenkonto-fuer-gerichtsverfahren-gegen-den-stern/

    Es scheint also völlig klar zu sein, dass solche Überschriften möglich sind, solange man das belegt, dass aber für Kritik von Propagandalügen andere Regeln gelten. Übermedien reklamiert da ganz selbstverständlich ganz andere Regeln (wie sie für alle gelten sollten) für sich als für Leute, die den Kriegskurs und die Lügen unserer Medien kritisieren. Später (falls die Menschheit das überlebt) heißt es dann wieder „Wir haben von nichts gewusst“ etc..

    Ich kritisiere ausdrücklich nicht diesen Artikel von Übermedien, sondern dass man für gleiche oder vergleichsweise harmlosere Artikel, die Propaganda, Lügen und Krieg kritisieren, in den Knast kommen kann und/oder das Leben zerstört wird.

  5. Seine Begründung klingt logisch für Menschen, die das Internet nicht nutzen (Oettingers). Für solche allein scheint sie mir gemacht. Wie der Satz “Jeder Inhalt im Internet ist in einem Verlagshaus entstanden“. Wenn man das in seiner täglichen Papierzeitung liest und das Internet nicht kennt, kann man das sicher ganz gut glauben.

  6. @ Stefan Niggemeier:

    Eine ernst gemeinte, nicht rhetorische Frage: Welche größeren Medien, die potentiell vom Leistungsschutzrecht profitieren, haben bisher wenigstens im Großen und Ganzen sachlich berichtet (also nicht gelogen, keine Tatsachen verdreht, keine offensichtlich wichtigen Informationen weggelassen)?

  7. @LLL: Das kann ich nicht sagen. Aber manche Verlage und Redaktionen stehen dem Leistungsschutzrecht durchaus skeptisch gegenüber, was sich auch in der Berichterstattung auswirkt. Dazu würde ich „Zeit Online“, „Spiegel Online“ und „Süddeutsche Zeitung“ zählen. Und auch bei den anderen müsste man differenzieren. Ich habe da aber keinen kompletten Überblick über die Berichterstattung.

  8. @LLL:
    Das ist jetzt möglicherweise etwas de-railing, aber ich glaube Sie verstehen die Rolle der Medien falsch. Jakob Augstein hat in der Phoenix-Sendung „Zukunft Europas – Wie transportieren die Medien die Pläne“ vom 29.04.18 ab Minute 36 zusammengefasst gesagt, dass die Medien wirtschaftlich alles richtig machen würden, weil z.B. DIE ZEIT Deutschland eben so beschreibt, wie ihre Leser Deutschland sehen wollen. Den Medien die Aufgabe abzuverlangen, „die ganze Wahrheit“ zu berichten (nebenbei, wie könnten sich die Medien dann noch voneinander unterscheiden?) würde sie zwingen, gegen ihre ökonomischen Interessen zu handeln. Einzig die öffentlich-rechtlichen Medien mit ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit könnten auf die Aufgabe, „die ganze Wahrheit“ zu berichten, verpflichtet werden.

  9. Mal ganz naiv gedacht: Würde das Produkt „Google News“ nicht relativ konfliktfrei funktionieren, wenn das Geschäftsmodell umgedreht werden würde? Wer dort erscheinen will, muss sich anmelden?

  10. @9: Google News funktioniert in den meisten Teilen der Welt konfliktfrei. Nur die dt. Presse möchte gerne am Geschäftsmodell von Google mitverdienen. Klar, wenn man 20 Jahre lang die Digitalisierung aktiv ignoriert hat, muss man sich an erfolgreiche Modelle anderer dranhängen.
    Für ein „Anmelde“-System müsste Google Ressourcen im Unternehmen frei machen, wieso sollte Google das tun? Ich investiere doch nicht in einen Zweig, an dem nachher Andere verdienen, die mit ihrem Angebot vll. sogar eine Konkurrenz darstellen.
    Ich bin sicher kein Google-Fan und deren Monopolstellung wird uns in den kommenden Jahren noch öfter pieksen, aber für die Auswirkungen auf die dt. Presselandschaft kann Google nicht verantwortlich gemacht werden. Da hätte man Ende der Neunziger mal selbst ein deutsches Web-Unternehmen pushen müssen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.
    Bis Mitte der Zehner-Jahre wurde über den „Schwund des Printgeschäfts“ geheult.
    Die Lösung waren Paywalls, oder wie Döpfner es nennt „Bild Plus Abo“
    Is‘ halt alles Neuland seit 20 Jahren, #kannmannixmachen

    Erinnert mich an „Huch, die Abgaswerte meines X7 waren manipuliert? Und das hat nun reelle Konsequenzen? Huch?!“

  11. @M_K: Der Witz ist (soweit ich zumindest weiß), dass man sich dort anmelden muß, bevor man indiziert wird.

  12. @11:
    Jein … Man muss sich bei „Google Publisher Center“ anmelden, dort wird dann innerhalb von ein paar Wochen geprüft, ob die angemeldete Seite als „News“-Seite qualifiziert ist:
    https://support.google.com/news/publisher-center/answer/7526037
    https://support.google.com/news/publisher-center/answer/7526416

    Aber darum ghet es ja nicht. Sich einfach nicht anzumelden ist für Döpfner und Co. ja keine Lösung, weil dann der Traffic über diese Seiten verloren geht. Deswegen ja das Leistungsschutzrecht ;)

  13. Aber auch da braucht es kein Leistungsschutzrecht, um die eigenen Artikel zu schützen. Da reicht eine robots.txt. Nur, und das steht ja auch im Artikel oben, dann gibt es weniger Zugriffe auf die Seiten der Verlage, was sich letztlich auch auf deren Werbeeinnahmen auswirkt.

  14. @12:
    Ganz blöd gesagt: Dann nehme ich den Google / Bing Bot einfach aus meiner robots.txt raus …
    Google etwas nicht anzeigen zu lassen, ist sehr sehr einfach.
    „Aber der Traffic!“

  15. @MartinF

    Was ist denn ‚die ganze Wahrheit‘ ?

    Der zur Zeit so populäre Wunsch speist sich meiner bescheidenen Meinung nach aus einem fundamentalen Mißverständnis dessen, was Medien leisten können. Jede Veröffentlichung findet ihre Grenzen in den Ergebnissen der zugrundeliegenden Recherche. Die Ermittlung und Sichtung vorhandenen Wissens gehören dazu, doch das allgemein zugängliche ‚Archiv der etablierten Wahrheit‘ existiert nicht (bzw.: es ist bis auf etwas abstrakte Mathematik leer und wird das auf ewig bleiben). Mehr als eine Annäherung an die Wahrheit kann somit kein Medium leisten, auch keins, das völlig frei von ökonomischen Zwängen und Voreingenommenheiten wäre.

    Die Aufgabe, sich der Wahrheit anzunähern, verbleibt letztlich beim Medienkonsumenten. Durch Konsultation verschiedener Inhalte (insb.: aus verschiedenen Quellen), durch Nachdenken, durch eigenes Urteil.

    In diesem Sinne zeichnen sich Qualitätsmedien durch umfassende Dokumentation von Quellen, Nachvollziehbarkeit von Schlüssen und wenig innere Widersprüche aus. In der Regel dürfte man auch erwarten, daß Aspekte, die einem persönlich zu einem Thema einfallen, zumindest aufgegriffen wurden.

    Die Vorstellung, die Tagesschau aufzurufen, um eine Viertelstunde später ‚die ganze Wahrheit‘ erfahren zu haben, ist jedenfall Wunschdenken, um nicht zu sagen: naiv.

    MfG, Carsten

  16. Döpfners Problem lässt sich doch ganz einfach zusammenfassen: die meisten Menschen würden die Erzeugnisse seiner Verlages nicht vermissen, wenn sie diese nicht durch massive SEO und Social Media Arbeit auf den Screen gespült bekommen würden.
    Die Gesellschaft als Ganzes wäre sicherlich deutlich besser, wenn Google Springer auslisten würde. Was utopisch und traurig zugleich ist.

    Um die Analogie zum Supermarkt noch zu komplettieren: Springer möchte nicht nur, dass Butter und Milch geklaut werden und Google dafür bezahlt, sondern Springer gibt sich auch noch sehr viel Mühe und stellt extra Leute dafür ein um Google zu zeigen, wie sie am meisten Butter und Milch klauen können, füllt anschließend gut gelaunt die Regale wieder auf in der Hoffnung, Google kommt bald wieder.

  17. @Carsten Beck
    Kein Widerspruch, ich habe „die ganze Wahrheit“ extra in Anführungszeichen gesetzt, weil ich mir der Unmöglichkeit dieser Forderung bewußt bin. Mir geht es vielmehr um die Aussage von Augstein, dass die privaten Medien eben nicht „die ganze Wahrheit“ berichten wollen, sondern nur das, was ihre Leser lesen wollen, d.h. es ist ihre wirtschaftliche Aufgabe, Filterblasen zu bedienen. Würden sie über den Rand der Filterblasen hinwegschreiben würden sie ihre Leser verlieren (sie könnten ersatzweise auch neue Leser gewinnen). Die einzigen, die bisher noch Filterblasen ignorieren dürfen (wie lange noch und ob sie es machen ist eine andere Frage) sind die öffentlich-rechtlichen Medien.

  18. @ SN, 7:

    Danke für die Antwort – dann stellt sich die Situation diesbezüglich sogar positiver dar, als ich vermutet hätte.

    @ MartinF:

    Es scheint mir doch noch ein gewisser Unterschied vorzuliegen, ob ein Medium über ein Thema durchaus berichtet, aber das so selektiv und irreführend tut, dass die Leute aufs Glatteis geführt werden, oder ob man bestimmte Themen einfach gleich ausblendet. Es scheint mir, dass Augstein in seiner Kritik eher an den letzteren Fall denkt.
    Und ob das wirklich im Interesse der jeweiligen Medien ist, nur die Realität ihrer jeweiligen Konsumenten zu berücksichtigen? Ich zumindest würde es vorziehen, möglichst breit informiert zu werden, auch im Hinblick auf Zustände und Entwicklungen, die außerhalb meiner Lebenswelt existieren resp. stattfinden…

  19. Im Sommer 2014 habe ich mir auf presseschauder.de ellenlange Diskussionen mit Christoph Keese zum LSR geliefert.

    Döpfners Meinung zum Thema LSR entspricht der von Keese von vor vier Jahren. Weder Argumente noch Zeit beirren diese beiden Herren in ihren irrigen Ansichten.

    Geht halt nicht um Logik und Argumente, sondern bloß um Geld.

  20. Vor dem Hintergrund, dass der Einnahmenverlust der Verlage bereits dazu geführt hat, dass die allgemeine journalistische Qualität abgenommen hat, und ich nicht glaube, dass Mehreinnahmen letztlich bessere Qualität bedeuten würde, wäre mir die Option, dass Verlage wie Springer aufhören, sogenannte journalistische Erzeugnisse zu produzieren ganz Recht. Es bliebe ja noch genug Journalismus im öffentlich-rechtlichen Bereich übrig fürs erste.

  21. Schön seziert und gut einige Hintergründe aufgedeckt. Danke dafür.
    Denke, wenn man das Gesetz mal genau liest, geht es nicht nur um den Schutz und damit den Profit der Verlage, von denen übrigens keiner vor rund 20 Jahren gezwungen wurde, ihre Inhalte kostenlos und nur rein werbefinanziert im Internet bereitzustellen. Sondern auch um eine Restauration des alten Status quo. Die nutzergenerierten Inhalte und die ganze Transparenz im Internet, diese neue Macht der alles verlinkenden, teilenden Medienmassen, nerven doch sowohl Verlage als auch Politiker. Daher auch dieses erweiterte Linkverbot. Dass das ggf. auch die Innovation im Mediensektor bzw. den Verlagen selbst verhindert und damit den Verlagen schaden kann, haben dabei die wenigsten Verleger erkannt.

  22. Das lustigste an der Sache ist IMHO, daß diese Nummer jetzt von genau denselben Leuten durchgedrückt wird, die sonst immer der tiefsten Überzeugung sind, der Markt würde alles von selbst regeln.

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