Hasswort (71)

Biodeutsch

„Biodeutsch“ war einst ein spöttisches Label, um sich über Deutsche lustig zu machen – und über ihre Unart, die Gesellschaft in Menschen „mit“ und „ohne“ Migrationshintergrund einzuteilen. Inzwischen meinen viele das Wort ernst. Höchste Zeit, es nie wieder zu verwenden!

Dass da was schief läuft, war mir spätestens am 12. August klar. An diesem Tag brachte das „Zeit Magazin“ ein sehr kluges Interview mit Steffen Seibert, ehemaliger ZDF-Journalist und bis vor kurzem deutscher Botschafter in Israel. Er spricht darin über seine Zeit in Tel Aviv, sagt viel Bedenkenswertes über Deutschland und Israel.

Nur ein Satz im Text bremst das Lesevergnügen abrupt. Seibert spricht darin über „biodeutsche Jugendliche“. Es ist kein Satz, der spalten soll, im Gegenteil: Seibert sagt, dass nicht nur migrantische, sondern eben auch „biodeutsche“ Jugendliche sich heute fragen, was der Holocaust mit ihnen zu tun habe.

Und doch ist die Formulierung erstaunlich. Denn wenn selbst ein Diplomat und ausgebildeter Nachrichtensp…

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