Fatale Anreize

„Klasse gemacht!“ – Wie KI schleichend die Urteilskraft im Journalismus ersetzt

Warum erzeugen fragwürdige KI-Anwendungen eigentlich keinen Widerspruch in Redaktionen? Eine Antwort liegt in den psychologischen Effekten der bequemen Tools. Sie filtern zunehmend Zweifel, Reibung und Widerspruch aus dem Arbeitsalltag heraus.
KI kann Journalisten im Alltag durchaus „empowern“. Aufgrund der psychologischen Anreize schießt die Arbeit mit ihr jedoch leicht übers Ziel hinaus.Foto: Canva/Montage: ÜM

Als Übermedien im Januar recherchierte, dass die Webseiten von „Frankfurter Rundschau“ und „Merkur“ einen Artikel veröffentlicht hatten, der mithilfe eines KI-Tools in weiten Teilen nahezu wortgleich aus einer Reportage des „Guardian“ übernommen worden war, folgte ein vertrautes Ritual der Branche: Der Text wurde offline genommen, der Autor entschuldigte sich mit dem lapidaren Hinweis, interne Leitlinien zum Umgang mit KI seien nicht eingehalten worden. Die Botschaft dahinter: Das Plagiat war ein individueller Regelbruch, ein Einzelfall.

Doch genau diese Einordnung greift zu kurz. Denn sie wirkt beruhigend – und lenkt vom eigentlichen Problem ab. Der Fall ist kein Ausrutscher, kein reines Versehen, sondern Symptom einer neuen Produktionsideologie im digitalen Journalismus. Er zeigt exemplarisch, wie ökonomischer Druck, Reichweitenlogik, ungenaue KI-Leitlinien und der allzu routinierte Einsa…

1 Kommentare

  1. Bald besteht so eine „Redaktion“ dann aus einem Chef.Red. und zwei „Promptern“. Wer braucht schon Rechercheure, Lektoren, Übersetzer – Wir haben doch KI.

    Das hier ist urz, aber lesenswert:
    https://blog42.eu/nebenwirkungen-der-ki/
    „Hier wird beschrieben wie z.B. die Doku von Open Source Projekten von KIs gelesen wird und dann ihren Nutzern beim Lösen von Problemen hilft. Das Problem hierbei ist, dass Nutzer, die ihr Problem mit Hilfe der KI gelöst haben keinen Grund mehr haben auf die Webseite der Entwickler zu gehen.“

    Und genau so wird es erst den Redaktionen und dann den Medien selbst gehen.

    Ich meine ja, ohne ein großflächiges KI-Verbot (z. B. wegen der Urheberrechtsverletzungen beim „Anlernen“ der KI) sollten wir bald mit der Diskussion über soziale Sicherungssysteme beginnen, bei den erwarteten Arbeitslosen.

    Nicht vergessen: Ist alles unvermeidlich! Es gibt keine Alternative. Unternehmer müssen Personalkosten sparen um Wettbewerbsfähig zu bleiben. Bitte immer wieder nachbeten, bis man es glaubt. Dann Fritze wählen und alles wird gut! Nicht nach oben schauen!

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