Mehr über Kristina Schröder

Vergangene Woche veröffentlichte Kristina Schröder, ehemalige CDU-Bundesfamilienministerin, heute als Lobbyistin und Politikberaterin tätig, ihre monatliche Kolumne bei der „Welt“. Diesmal ging es um Menschen mit Behinderung. Und es stand darin, wenn man nach der Social-Media-Resonanz geht, Entsetzliches.
Neben allgemeinen Unterstellungen von Sozialdarwinismus, Eugenik, Ableismus, Menschenverachtung und Verfassungsfeindlichkeit hagelte es Beschimpfungen als Faschistin und reihenweise mehr oder minder plakative NS-Vergleiche. Die Tendenz war: Mit so etwas fängt es an – bei Diktatur und Massenvernichtung „lebensunwerten Lebens“ hört es auf.
Liest man den Text vom 9. Dezember hinter der Paywall, findet man wenig, was diese Empörung begründet. Schröders Thema sind die staatlichen Ausgaben nach dem Bundesteilhabegesetz, die in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen sind; nach ihrer Meinung hauptsächlich durch Leistungen, die es früher nicht gegeben habe, wie etwa Reiseassistenz oder intensive individuelle Schulbegleitung für Kinder mit seelischen Krankheiten wie ADHS. Dies alles sei ein wachsendes Problem für die Kommunalfinanzen und unfair, da etwa pflegebedürftige Menschen ohne Behinderungen keine vergleichbaren Leistungen erhielten und außerdem ihr Vermögen oder das ihrer Angehörigen herangezogen werde.
Der letzte Absatz macht dann eine scharfe und ziemlich unmotivierte Kurve zu seit Jahren gängigen Topoi konservativer Politik-Kommentare:
„Aber eigentlich weiß jeder Kundige: Entweder es gelingt uns, wieder deutlich an Wirtschaftskraft zuzulegen – wofür wir mehr und länger arbeiten, unsere sozialen Sicherungssysteme grundlegend reformieren und über Kernenergie oder Gas unsere künftige Energieversorgung sichern müssen. Oder wir werden uns dieses Maß an sozialer Fürsorge nicht weiter leisten können.“
Hat Schröder, wenn man von dieser wenig plausiblen Volte von Sozialleistungen hin zu Atomkraftwerken absieht, einen Punkt? Ein Blick in die aktuelle Finanzuntersuchung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Eingliederungshilfe zeigt, dass die Kostensteigerung um 40 Prozent seit 2018 größtenteils auf gestiegene allgemeine Kosten und sinkende Einnahmen zurückzuführen ist.
Die Leistungsexpansion, die Schröder als nicht finanzierbar darstellt, scheint weniger signifikant. Dass die Kommunen grundsätzlich durch Sozialleistungen wie die Eingliederungshilfe immer stärker beansprucht werden, hört man aber aus allen Ecken. Die jüngste gemeinsame Pressemitteilung der Hauptstädte der Flächenländer nennt neben Sozial- und Jugendhilfe ausdrücklich die Eingliederungshilfe als besonders relevante Belastung.
Dort steht aber auch etwas, das Schröder völlig verschweigt: Schwierig ist weniger die absolute Belastung als die strukturelle Unterfinanzierung der Kommunen, denen durch Bundesgesetze immer mehr Aufgaben aufgesattelt werden, ohne dass der Bund sie dabei unterstützt. Dieses Problem ist sehr alt. Der Bundeskanzler hat bei Gesprächen zum Thema am 4. Dezember das getan, was seit Jahrzehnten üblich ist: Verständnis signalisiert, aber keine Zahlungen zugesagt.
Schröders Text ist also wenig überzeugend und sicher tendenziös, was auch nicht wundert. Es handelt sich schließlich um einen Meinungsartikel einer konservativen Lobbyistin in einer prononciert konservativen Zeitung. Doch wo kommen die Vorwürfe und NS-Vergleiche her?
Offenbar ergänzen sich hier zwei Dynamiken, die beide auf ihre Weise hochproblematisch sind: auf der einen Seite die Tendenz von Medien, Texte auf ihren Websites und in sozialen Medien maximal pointiert zu rahmen, um Klicks zu kassieren; auf der anderen Seite die Tendenz von Social-Media-Nutzern, ihre Kritik möglichst entgrenzt-drastisch zu formulieren. Das Ergebnis ist ein Diskurs, der Emotion produziert, aber Information vernichtet.
Die „Welt“-Redaktion hat den Beitrag unter die Überschrift „Was wir uns künftig nicht mehr leisten können“ gestellt und auch im Teaser zum Text den Inhalt deutlich zugespitzt. Schröder formuliert ihren Schlussabsatz noch im Konditional, für eine hypothetische Zukunft: Wenn wir nicht alle länger arbeiten und hübsche Atomkraftwerke bauen, dann werden wir uns dies nicht mehr leisten können. Die Überschrift macht daraus eine Tatsache.
Viele Accounts haben den Beitrag als Link oder Screenshot geteilt – offenbar ohne Kenntnis des Inhalts. Nur so lässt sich erklären, dass Schröder in Social Media vielfach unterstellt wurde, sie wolle Menschen mit Behinderungen in letzter Konsequenz aus fiskalischen Gründen sterben lassen.
Ohne den Schluss mit Erdgas und Atomkraft hätte ihr Text vielleicht auch eine Gastkolumne in einem Fachblatt für kommunale Wohlfahrtspflege sein können. Aber wir dürfen davon ausgehen, dass die „Welt“ einen im Kern nicht sonderlich provokanten Text nicht aus Versehen hochgejazzt hat. Und wir dürfen auch davon ausgehen, dass es Schröder nicht stört. Sie ist seit 2017 als Kolumnistin für die „Welt“ tätig und weiß, wie dort der Hase läuft.
Das entlastet die Seite der Lesenden und Teilenden jedoch nicht. Dass man auf „der richtigen Seite“ steht, ändert nichts daran, dass sinnvolle Social-Media-Debatten über Texte nur möglich sind, wenn man auch weiß, was darin steht. Doch das war vielen Kommentierenden hier offenbar egal. Verschiedene Social-Media-Beiträge, die die Schröder-Kolumne nach der ersten Empörungswelle auch inhaltlich behandelten, versuchten ihren provokanten „Hot Take“ (Kristina Schröder sieht Menschen mit Behinderungen als lebensunwertes Leben!) argumentativ zu retten – mit mehr oder minder heiklen Kunstgriffen.
So konnte man lesen, dass die „Zahlenkolonnen, die Schröder anführt“, an die berühmten, in vielen Geschichtsbüchern zitierten NS-Schulaufgaben zu den Kosten von Heiminsassen erinnern würden. Dabei nennt Schröder in ihrem ganzen Text nur einen einzigen exemplarischen Geldbetrag, sie führt keinerlei Gesamtzahlen oder Modellrechnungen auf. Auch die implizite Unterstellung in verschiedenen Kommentaren, dass jedes Nachdenken darüber, wie viel bestimmte Bevölkerungsgruppen den Sozialstaat kosten, ökonomisierend, entmenschlichend sei und den Weg zum Massenmord bahne, kann man mit einem großen Fragezeichen versehen. Abgesehen davon, dass die tatsächlichen NS-Verbrechen dadurch verharmlost werden.
Bei allem, oft auch berechtigten, Spott über „Liberalos“ und aufgeblasenes „Diskurs“-Getue gilt: Wer für Emanzipation und Fortschritt stehen will, muss auch für Rationalität stehen. Sich radikal von Konservativen abgrenzen zu wollen, mag gut und schön sein, Desinformation braucht man zu diesem Zweck aber nicht zu betreiben.
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Ein lobenswertes Plädoyer für Vernunft und das richtige Maß. Leider ist es im Sinne der Aufmerksamkeitsökonomie attraktiver, vor Massenvernichtung zu warnen, als für eine Reform der Kommunalfinanzen zu werben. Und so haben wir dann mal wieder eine echte Bullshit-Debatte – während Die Welt und Frau Schröder sich in ihren Kreisen als mutige Verteidiger der Wahrheit feiern lassen können… Clusterfuck.
(Off-topic eine Bitte: Könnten Sie Beiträge von X als Screenshot einfügen, statt sie zu verlinken? Ich habe dort aus Gründen keinen Account, und bei den meisten Links hier sehe ich nur „Du muss Dich einloggen, um diesen Beitrag zu sehen“.)
natürlich tut sie das. sie sagt, dass behinderte personen zu teuer sind und treibt auch noch einen keil zwischen diese und alte menschen. alter trick der konservativen. diesfalls haben behinderte personen die expertise und recht. falls das nicht reicht, binding/hoche lesen. frau schröders text wirkt auf den unkundigen harmlos. sie sagt, leistungen für behinderte menschen sind zu teuer. wenn man diesen satz täglich hört, verliehrt er seine harmlosigkeit. wenn man dann noch weiter in der geschichte stöbert, stellt man fest, daß die kostenfrage fast zwangsläufig zur forderung führt, behinderte personen zu entfernen. in kanada wird behinderten personen nahegelegt, sich mittels maid umzubringen. (maid = Medical Assistance in Dying) Die Empörung nicht wert?
Nein, ich bin in die Diskussion nicht eingestiegen und habe das auch nicht vor. Trotzdem besteht keinerlei Verpflichtung, einen Text zu kaufen, der so provokativ angeteasert wurde. Natürlich kann man den Teaser – und das, was er impliziert – trotzdem verurteilen.
Ob sich irgendwelche Anti-Wokisten dadurch bestätigt fühlen, darf dabei kein Maßstab sein. Meiner Meinung nach wird in diesem Land viel zu sehr darauf geachtet, was irgendwelche Rechtsausleger denken könnten. Ich halte das für eine Hauptursache des Rechtsrucks.
Wenn man dauerhaft kommunikativ auf die Reaktion der Rechten starrt, passiert schnell eins von zwei schlechten Dingen:
Selbstzensur / Vorauseilender Gehorsam: Man macht Dinge nicht, sagt Dinge nicht, erklärt sich ständig – weil „sonst nehmen die das als Munition“. Damit setzt man deren Agenda als Referenzrahmen.
Agenda-Setting durch Empörung: Man reagiert permanent auf deren Marker (Skandalisierung, Begriffsfallen, Kulturkampf-Häppchen) und hilft damit, dass genau diese Themen dominieren – auch wenn man dagegen argumentiert.
Auf den Punkt. Danke dafür! Eine Lösung für das Problem der entgrenzten Dynamiken auf beiden Seiten (Teaser knallt / wird empört aufgegriffen) fehlt bisher. Die aktuelle Konstellation, an der ältere und neuere Medien, Profis und Wutbürger beteiligt sind, ist da sehr stabil. Irgendwie haben ja auch alle was davon: Aufmerksamkeit.
Ergänzung zum Teaser: Da steht, der Anspruch auf Assistenten sei „wünschenswert“, aber „die steigenden Kosten nicht mehr tragbar“ (was der Text, wie Herr Warkus zeigt, in dieser Form gar nicht behauptet). Man kann das trotzdem mit Recht in Grund und Boden kritisieren – die Sache aber zur subtilen Propaganda für eine neue Aktion T4 zu erklären, ist grober Unfug.
Man sollte sowas nicht nur aus taktischen Gründen unterlassen – es verbietet sich schlicht für jeden, der sich intellektuelle Redlichkeit bewahren möchte.
Diese Dynamik – deutlich irreführender Teaser und Reaktionen von Leuten, die nicht hinter die Zahlschranke können und wollen – ist wirklich gut zusammengefasst.
Leider scheitert die offensichtliche Lösung – präzise Zusammenfassung einerseits und sich nicht von allem provozieren lassen andrerseits – wohl daran, dass sie nicht erwünscht ist.
Ich finde die Argumentation von Herrn Warkus ärgerlich: Bei mir kam der Artikel über Bluesky über viele reichweitenstarke linke/linksliberale Accounts an mit Tenor, dass Schröder nahelegt, dass wir uns Assistenzen für Menschen mit Behinderungen/Assistenzbedarf nicht mehr bisher leisten können – und dass so ein Artikel damit nach unten tritt. Das ist eine Zusammenfassung, die eine Kern ihres Artikels doch inhaltlich korrekt wiedergibt. Für Menschen, die von solchen Assistenzen abhängig sind, wirken solche Argumentationen zu Recht bedrohlich und herabwürdigend.
Es ist doch klar das es in der Social Media Welt immer Menschen gibt, die dann noch eine Schippe drauflegen und übertreiben. Die Beispiele, die der Herr Warkus anführt haben aber mal zwei, mal 70 Likes – also wenig bis praktisch keine Zustimmung. Das als Beleg für eine undifferenzierte Empörungswelle von links(liberalen) einzuordnen ist einfach unredlich – und für einen journalistischen Bericht über Social-Media-Dynamiken im Jahr 2025 ehrlich gesagt peinlich.
Hat die WELT auf die Kritik reagiert?
Ich zumindest sehe nur noch die Überschrift wenn ich dem link zum Artikel folge.
@CJE: Same here! Danke.
Es ist schon schlimm genug, dass permanent so getan wird, als sei das Sozialsystem „einfach unfinanzierbar“ – und als müsse man deshalb leider leider diejenigen schlechter stellen, die die geringste Lobby haben. Gleichzeitig geistern immer absurdere Größenordnungen von Reichtum durch die Medien, die man auf gar keinen Fall behelligen dürfe, weil sie angeblich so scheu wie Rehe seien und sonst fluchtartig das Land verließen.
Finanztransaktionssteuer, Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer – alles durch die Bank Teufelszeug, das nur satanistische Stalinisten überhaupt eines Gedankens würdigen. Geht nicht, heißt es, weil Kapital ja international ist – je größer, desto globaler.
Und ausgerechnet für diese Interessen kämpfen bei uns besonders laut die Nationalisten: EU zerschlagen, zurück ins Klein-Klein des Vorkriegseuropas. Damit wir globalisierten Techno-Oligarchen – plus Trump und Putin – noch mehr ausgeliefert sind.
Also Bürgergeld kürzen, sofort sperren, am besten alles. Marginalisierte ohne Lobby vor den Bus werfen – und Menschen mit Behinderungen samt Angehörigen fallen bei Wahlen ja ohnehin nicht ins Gewicht. Im Übrigen bewegen sich die eigenen Wähler*innen oft irgendwo zwischen mildem Sozialdarwinismus und begeisterter Zustimmung zu „Aussortieren“.
Genau deshalb schreien empathiebegabte Menschen auf, wenn wieder die neueste Hundepfeife aus der Ecke der Union erklingt.
Für mich kommen da zwei Dinge zusammen: menschenverachtende Politik und widerlicher Journalismus.
Dass Schröder den Schlussabsatz im Konditional schreibt, macht ihre Haltung ja keinen Deut besser. Im Gegenteil, Bürgerhandhabung nach Gutsherrenart. Im Kern steht da: »Entweder ihr macht unseren ganzen rückständigen CDU-Scheiß mit oder eure Behinderten kriegen ein Problem.«
Springer macht draus: »Entschuldigung, aber ein selbstbestimmtes Leben für Behinderte ist uns zu kostspielig.« Die Agenda dieses Konzerns war schon immer widerlich. 🤮
Ich wünsche mir für einzelne Teilnehmer der aktuellen Politiker- und Journalistenkaste, sie möchten mal ein bisschen um ihre Existenz oder ihre Gesundheit bangen müssen. Der saturierte, wohlgenährte CDU/CSU-Mensch, der rundgelutschte, arrogante Chefredakteur, heruntergebrochen auf ihren bloßen Überlebenstrieb. Ein paar wenige Minuten würden schon genügen, wir hätten andere Stimmungsbilder in Politik und Medien.
@#7: Dass ich plakative Beispiele ausgesucht habe, heißt nicht, dass sie die einzigen wären. Machen Sie mal z.B. auf Bluesky einen Suchlauf nach »Schröder« in Kombination mit »Eugenik«, »Euthanasie«, »T4«, »lebensunwert« und vergleichbaren Termini. Ich habe in der ersten Welle kaum Kommentierungen des Schröder-Texts gesehen, die nicht in der hier skizzierten Form NS-Bezüge herstellten oder Vernichtungsabsichten unterstellten. Wenn das in Ihrem Umfeld anders ausgesehen hat, ehrt das zweifellos Ihr Umfeld.
Mir direkt »Unredlichkeit«, also Lüge, zu unterstellen, verbitte ich mir.
@#2: Dass Sie mir direkt mit »Binding/Hoche lesen« um die Ecke kommen, demonstriert genau das Problem, das ich hier versucht habe zu umreißen.
Ernsthaft Herr @Markus Warkus?
„Machen Sie mal z.B. auf Bluesky einen Suchlauf nach »Schröder« in Kombination mit »Eugenik«, »Euthanasie«, »T4«, »lebensunwert« und vergleichbaren Termini.“
Das ist ja geradezu der anekdotischen Evidenz ihr Lieblingssprössling, was Sie uns da vorschlagen.
Das reiht sich alles für mich in den Chor derer ein, die jetzt singen:
Ja, die Rechtsradikalen sind scheusslich, aber eigentlich tragen ja nur die Linken und Wokisten die Schuld daran.
Kulturkriegs Appeasement in der Dauerschleife.
„Kranke kosten deutsche Wirtschaft 200 Mrd. Euro“ [BILD]
ist dann folgerichtig und konsequent, wenn der Ball im Spiel gehalten werden soll. Andere springen mit auf, wie üblich. Und wie üblich ist der Eindruck wichtiger als die Genauigkeit.
20,8 Fehltage sagt BILD, 14,8 sind es bei DESTATIS. Ursache: BILD zählt die Bruttofehlzeiten, also Wochenenden und Feiertage, mit – egal, ob der Arbeitnehmer dann arbeiten müsste. Als Referenzwert muss 2020 herhalten, um eine allgemeine Tendenz zu belegen, die sich so eigentlich unmöglich belegen lässt. Seit 2022, als die eAU eingeführt wurde, werden zuvor nicht meldepflichtige Kurzfehlzeiten unter 3 Tagen mitgezählt. Das war vorher nicht der Fall.
So weit so erwartbar. Erst sind es nur die Marginalisierten, die angegangen werden, als nächstes wird der Arbeitnehmer diszipliniert. Will er nicht auch bei den Ausgegrenzten landen, muss er gefälligst besser funktionieren.
@#13: Halten Sie es ihrerseits für guten Stil, sich über meinen Namen lustig zu machen?
@Matthias Warkus:
Entschuldigung.
War wirklich keine Absicht. Ich habe das sehr impulsiv geschrieben und nicht noch einmal gelesen. Ich habe das so oft erlebt, dass Leute eben auf diese Art und Weise x-beliebige Behauptungen mit Beispielen aus dem Netz „bewiesen“ haben. Natürlich gibt es diese Beispiele. Für jede ernsthafte Analyse braucht es Quantifizierung und Einordnung. Oder hängen Sie Personen an die Aussagen und kritisieren Sie diese.
Ansonsten läßt sich aus dem Netz einfach alles belegen. Jederzeit.
Was ich bislang noch nicht so auf dem Zettel hatte, ist die Rolle Schröders als stellvertretende Leiterin beim Thinktank Republik 21. Einer NGO, der die Union überraschend staatliche Förderung genehmigte, nachdem sie ebensolche für andere NGOs noch vor kurzen so vehement bekämpft hatte. Kooperation mit dem „ÖRR Blog“, Auftritte bei Nius und erklärter Feldzug gegen die „Brandmauer“ gehören zu deren Repertoire.
Das als „Meinungsartikel einer konservativen Lobbyistin“ zu etikettieren, trifft den Kern zwar – wirkt aber verharmlosend. Es ist eher ein Beitrag aus einer kampagnenfähigen Vorfeldstruktur, die politische Linien verschieben will.
Parallelen zu Agenda und Wirken des Projekts 2025 wären auch von medialer Seite sicher eines zweiten Blickes wert.
Ein bissl akademisch steif isser schon, der Herr Warkus, wenn er meint, dass man sich über seinen Namen lustig macht und Verschreiber anscheinend kategorisch ausschliesst.
Die Empörung des Leservolks über Artikel der Kristina Schröder kann ich gut verstehen. Hätte ich Diazepam in meinem Medizinschränkchen, würde ich es vorher nehmen, bevor ich ihre Ausführungen lese. In der FAZ liest man auch ab und zu etwas von der Madame und ihrem Adlatus, dem Herrn Rödder, wenn sie aus ihrer Denkfabrik R21 ihre Ergüsse die Leser*innenschaft mit ihren schrägen Ansichten verbreiten.
Es ist typisch für diesen fürchterlichen blöden Konservatismus, dass diejenigen, die in derart dezidierter Weise genau wissen, was die Gesellschaft ihrer Vorstellung sich leisten kann oder nicht, genau dort sehen, wo sie nicht stehen: am Rande einer Gesellschaft. Aber mit Gott und Vaterland lässt es sich dann halt auch für die Nationalisten gut begründen. Und diese Fabrikanten haben Zugang zu den Schaltstellen der Macht.
Und das ist die Bruchlinie zur Empörung jener, die genau dort nicht stehn und empfindlich reagieren. Diese Frau ist eine erschreckend gute Deutsche.