Wieso ist das so? (35)

Warum sind seriöse Nachrichtenseiten so machtlos gegen Fake-Anzeigen?

Markus Lanz ist verhaftet und Deutschland trauert um Peter Maffay: Solche irreführenden Online-Anzeigen finden sich auch auf Webseiten von Medien wie dem „Spiegel“. Warum die Masche nicht in den Griff zu kriegen ist – und wer dahintersteckt.

Die angebliche Nachricht klingt sensationell, irgendein Skandal um eine prominente Person. Doch wer auf die Anzeige klickt, landet auf der Website von Anlagebetrügern. Die vermeintlichen Meldungen sind Fake – ebenso wie die Ziel-Websites, deren Gestaltung oft den Online-Auftritt der „Tagesschau“ imitiert. 

Warum zeigen auch seriöse Nachrichtenportale die Fake-Anzeigen? Vor zweieinhalb Jahren ging „Spiegel“-Redakteur Torsten Kleinz den Hintergründen dieses „Milliardengeschäfts“ nach, als auch Leser:innen des Nachrichtenmagazins zunehmend mit den Inseraten konfrontiert waren. Im Übermedien-Interview erklärt er, auf welche Betrugsmaschen er stieß, warum gegen die Werbung bis heute kein Kraut gewachsen ist – und welche Methoden uns in Zukunft drohen.


Übermedien: Herr Kleinz, wie oft hatte der „Spiegel“ schon die vermeintliche Nachricht von Markus Lanz‘ Inhaftierung oder dem Live-TV-Eklat zwischen Sarah Wagenknecht und Alice Weidel auf seiner Seite?

Torsten Kleinz: Das kann ich nicht sagen. Heute wird auf Internetseiten Werbung ausgespielt, ohne dass die Seitenbetreiber wissen, was da genau vor sich geht. Zwei Personen können etwa zur selben Zeit auf die gleiche Webseite gehen und sie bekämen vermutlich gänzlich unterschiedliche Werbemotive ausgespielt. 

Welche Masche steckt hinter den Fake-Ads? 

Betrug mit Online-Anzeigen ist ein altes Phänomen. Prominente dafür zu missbrauchen, kam vor ein paar Jahren als Mode auf, nach meiner Wahrnehmung klingt das auf Nachrichtenseiten aber wieder ab. Das Prinzip ist immer dasselbe: Die bekannten Namen sollen das Interesse der Leute wecken. Wer auf die Anzeige klickt, landet auf einer Website, die mehr oder weniger gut eine etablierte Medienmarke imitiert – mal den „Spiegel“, mal die „Tagesschau“. Auf dieser Seite steht dann ein langer Text, dem zufolge die prominente Person einen Super-Anlage-Tipp hatte und zum Schweigen gebracht wurde. 

Das klingt wenig realistisch…

Ja, und je weiter man runterscrollt, umso unglaubwürdiger wird es. Eigentlich denkt man: Darauf kann niemand reinfallen. Aber offenbar haben die Täter sehr gut gelernt, wie sie ihre Manipulation langsam weitertreiben. Es gibt offenbar genügend Menschen, die bereit sind, ein so beworbenes Anlageprodukt auszuprobieren. Das geschieht über eine weitere Website, die oft sehr eindrucksvoll gestaltet ist und verspricht, das Geld der Kunden zu vermehren. Üblicherweise leistet man dann eine kleine Anzahlung von 250 Euro – aus denen nach Darstellung auf der Website in enormer Geschwindigkeit ein paar Tausend Euro werden. Oft melden sich dann Call-Center-Mitarbeiter per Telefon und verleiten die Leute dazu, immer weiter zu investieren. Das ist ein sehr geschicktes Spiel mit Vertrauenswürdigkeit.

Das Geld ist dann natürlich weg, oder? 

Genau. Die Beträge auf dem Onlinekonto sind rein fiktiv. Wenn man sich das auf sein richtiges Konto auszahlen lassen möchte, heißt es, es gebe technische Probleme – oder der Kontakt bricht ganz ab. Manche haben 10.000, 50.000 oder sogar mehrere hunderttausend Euro auf diese Weise verloren. 

Schon die angeblichen Nachrichten in den Anzeigen sind frei erfunden – warum schafft es solche Werbung trotzdem auf seriöse Nachrichtenportale? 

Weil die Anzeigen nicht direkt beim „Spiegel“ und anderen Nachrichtenseiten platziert werden, sondern bei Werbemarktplätzen. Diese Unternehmen blenden die Anzeigen ihrer Kunden auf tausenden unterschiedlichen Websites ein. Deren Betreiber sehen die Fake-Ads erst, wenn sie längst auf ihrer Seite sind – und können erst nachträglich etwas dagegen tun. 

Bei Print-Publikationen entscheiden die Medienhäuser selbst, welche Anzeigen sie annehmen. Je nach Verlag hat die Chefredaktion sogar ein Mitspracherecht. Warum passiert das online nicht? 

Vor 20 Jahren hat das auch auf Websites noch geklappt. Seitdem hat das Online-Anzeigengeschäft einen gewaltigen Konzentrationsprozess erlebt. Verlage haben zwar noch Abteilungen, die gezielt Online-Werbung annehmen – aber wer relevante Werbeeinnahmen erzielen möchte, ist gezwungen, an diesem Massengeschäft teilzunehmen. Wer sich da verweigert, bekommt im Wettbewerb riesige Probleme. 

Dieses Massengeschäft, bei dem Anzeigen erst im Moment des Seitenaufrufs ausgespielt werden, nennt sich Programmatic Advertising, richtig? 

Genau. Und es ist nicht so, dass die Werbemarktplätze die Anzeigen überhaupt nicht prüfen würden. Zum Teil werden diese sogar von etablierten Kundenkonten eingereicht. Dann aber passiert Folgendes: Sobald die Werbung angelaufen ist, werden das Anzeigenmotiv und die verlinkte Website ausgetauscht. Diese Methode nennt sich Cloaking [deutsch: Tarnen/Verhüllen, Anm. d. Red.]. Verlage und auch ihre Werbepartner merken also erst hinterher, dass etwas falsch läuft. 

Wenn von den Partnern der Verlage die Rede ist – sprechen wir da über Google? 

Das Geschäft ist sehr komplex. Die Verlage haben Verträge mit einer Reihe von Werbemarktplätzen, die wiederum Verträge mit tausend anderen Werbeanbietern haben – und die mit weiteren Dienstleistern. Wer konkret an der Ausspielung einer bestimmten Anzeige beteiligt ist, ist kaum nachzuvollziehen. Richtig ist aber: Google ist der größte Werbekonzern. 

Gerade für Nachrichtenportale geht es um die eigene Glaubwürdigkeit. Wenn es ein Werbepartner nicht schafft, Betrugsanzeigen auszuschließen – warum gehen Verlage dann nicht zu einem anderen Partner?

Leider ist mir kein Anbieter bekannt, der eine relevante Größe hat und zugleich frei von solchen Problemen ist. 

In seinem Ad Safety Report gibt Google an, im Jahr 2024 insgesamt 5,1 Milliarden Anzeigen gestoppt und fast 40 Millionen Accounts von Werbekunden gesperrt zu haben. Das klingt erst einmal eindrucksvoll. 

Ich lese diese Reports nicht als Erfolgsstory, sondern eher als Anzeichen, wie groß das Problem ist. Wenn Google 40 Millionen Accounts gesperrt hat, heißt das ja auch: 40 Millionen Nutzerkonten haben versucht, etwas zu machen, was nicht in Ordnung war. Das ist deutlich mehr als noch vor ein paar Jahren, aber dem steht auch ein wachsendes Werbevolumen entgegen. 

Könnte Google mehr tun?

Das Unternehmen hat vor Jahren den Versuch gestartet, alle Werbekunden vorher zu verifizieren. Auch wenn das konsequent passieren würde, blieben Angriffsmöglichkeiten offen. Zum Beispiel klauen Betrüger die Accounts bereits legitimierter Werbekunden. Gegen solche Angriffe kann sich auch Google nur beschränkt wehren. 

Wer genau schaltet denn die Fake-Anzeigen? Sind das die Anlagebetrüger selbst oder Mittelsleute? 

Soweit bekannt, ist das ein industriell organisiertes Geschäft mit verteilten Rollen. Es gibt Akteure, die die Werbung buchen. Andere setzen die Websites auf und betreiben die Callcenter. Die Hintermänner aufzuspüren, ist nicht einfach, zudem wandelt sich das Geschäft. Dank KI brauchen die Banden keine Leute mehr, die Deutsch sprechen, um Menschen in Deutschland zu betrügen. Wahrscheinlich verdienen derzeit die Betreiber von Scam-Fabriken in Myanmar am meisten Geld mit solchen Maschen. 

Wir sprechen also von organisierter Kriminalität? 

Davon kann man ausgehen. Drumherum ist ein Markt von Unternehmen entstanden, die Online-Kriminellen ihre Dienstleistungen anbieten – von der Programmierung von Malware über das Betreiben gefälschter Websites bis zum Erstellen konkreter Anleitungen, wie man eine solche Anzeige mit KI aufsetzt. Die können gutes Geld verdienen, ohne große Risiken einzugehen. Denn an der konkreten Betrugstat sind sie nicht mehr beteiligt. 

Auf „T-Online“ hat ein Staatsanwalt kürzlich berichtet, dass sogar Bankvorstände und Finanzberater auf die Verlockungen der betrügerischen Investmentmodelle hereingefallen sind. Die meisten Internetnutzer:innen haben weniger Finanzmarktexpertise – wie lassen sie sich schützen? 

Die eine Maßnahme, die Erfolg verspricht, gibt es nicht. Wir müssen auf allen Ebenen ansetzen, von der Aufklärung der Bevölkerung zu diesen Betrugsmaschen bis zur ganzen Verwertungskette der Werbebranche, die dafür sorgen muss, dass solche Anzeigen möglichst selten auftauchen. 

Haben die Verlage wirklich gar keine Option, nur noch solche Anzeigen zuzulassen, die sie vorher prüfen konnten? 

Das wurde immer wieder versucht. „BuzzFeed“ hat sich vor zehn Jahren lautstark gegen das Programmatic Advertising ausgesprochen und wollte stattdessen erreichen, dass große Kunden aufwendige Werbung exklusiv bei ihnen buchen. Zum Beispiel entstand so ein sehr bekannter Spot mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama, der für Obamacare [die unter Obama eingeführte Krankenversicherung, Anm. d. Red.] warb. Die Hoffnung war, dass dies ein Gegenentwurf zum Massenmarkt sein könnte. 

War es aber nicht…

Wir sehen ja, was daraus geworden ist: Heute macht „BuzzFeed“ die übliche Massenwerbung und musste zwischenzeitlich seinen ganzen Newsroom entlassen. Also: Versuche gab es durchaus, aber der Markt ging komplett in die andere Richtung. Heute fließen weit über 90 Prozent der Online-Werbebudgets in das Programmatic Advertising

Das Stichwort Künstliche Intelligenz ist bereits gefallen. Es kursieren bereits KI-generierte Fake-Videos, in denen Eckart von Hirschhausen im Maischberger-Studio ein Produkt in die Kamera hält und ungerührt Werbung für dubiose Abnehmpillen macht, sogar seine Stimme ist imitiert. Noch wirkt das relativ schlecht gemacht – aber ist das bereits ein Vorgeschmack auf das, was uns in Zukunft blüht? 

Je besser die KI wird, umso leichter sind solche Fakes zu produzieren. Die Werbebranche setzt aber auch große Hoffnung darauf, dass es mit KI gleichzeitig auch einfacher wird, solchen Betrug zu erkennen und abzuschalten. Ich denke nicht, dass das perfekt funktionieren kann. Aber zumindest halte ich es für offen, ob es in Zukunft besser oder schlechter wird. 

Das klingt nach einem nicht enden wollenden Katz- und Mausspiel mit den Betrügern…  

So ist es. Wenn ein Kanal geschlossen ist, werden sich die Übeltäter andere suchen. Werbung hält Einzug in immer neue Bereiche – neulich bekam ich auch eine Fake-Promi-Werbung als Spam-E-Mail geschickt. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Betrüger in Zukunft ihre Schockmotive direkt auf das Display eines modernen Autos ausspielen. 

Das wohl bekannteste Motiv der gefälschten Promi-Anzeigen ist wohl das von der angeblichen Verhaftung von Markus Lanz. Warum ausgerechnet diese Story, warum Markus Lanz? 

Ich glaube nicht, dass die Leute, die solche Motive entwerfen, Spezialisten für Popkultur und Psychologie sind. Es ist wohl einfach so, dass immer neue Motive ausprobiert werden – und mit Markus Lanz scheint es besonders gut geklappt zu haben. 

20 Kommentare

  1. Irgendwie traurig diese Haltung „Ja, ist eben so, kann man nichts machen“. Doch, da kann man schon was machen, dass zeigt doch diese Seite (Übermedien). Es gibt alternative Geschäftsmodelle im Online-Publizieren, nur haben sie beim Spiegel keinen Bock, sich damit zu beschäftigen.

  2. Da ein nicht geringer Teil dieser Fake Geschichten auf dubiose Anlagegeschichten rausläuft sehe ich als eines der Hauptprobleme die Gier der Menschen. So wenig wie möglich investieren (Zeit, Arbeit, Geld) und so viel wie möglich rausbekommen.
    Das mag jetzt etwas zynisch klingen aber ich habe keinerlei Mitleid für die „Betrugsopfer“ dieser Masche.

  3. Die Seuche Programmatic Advertising kann sich verbreiten, weil die Mediennutzungskompetenz der meisten Menschen miserabel ist. Deshalb lässt sich das Problem nur durch Gesetze lösen, die die ausspielenden Medien in Haftung nehmen – verbunden mit rigorosem Enforcement. Das Presserecht kennt seit jeher die Haftung für Inhalte der Inserate. Dass das bei Online-Medien bis heute anders läuft als in Print, ist für mich nicht nachvollziehbar. Vor 25 Jahren hatte man sich nicht nur eingeredet, das Internet sei ein rechtsfreier Raum, man hat diesen faktisch geschaffen und sich ausdehnen lassen. Für digitale Startups lag Welpenschutz im Trend. Heute sind die Welpen aber ausgewachsene Höllenhunde.

  4. Programmatic Advertising ist doch nur die Spitze des Eisbergs. Mein Mitleid mit den gierigen dummen Opfern ist nicht besonders groß, man sollte aber nicht vergessen, dass da im Zweifel ganze Familien, Freundeskreise, Kollegen oder Mitarbeiter mit hineingezogen werden, von denen sich Geld geliehen, „ausgeborgt“ oder hinterzogen wurde. Und am Ende, wenn die dummen gierigen mit leeren Händen dastehen, dann müssen wir Steuerzahler bzw. die Sozialgemeinschaft eh wieder helfen.

    Warum ist Onlinewerbung i.d.R. So abgrundtief schlecht, sowohl inhaltlich als such von der technischen Umsetzung? Stellt Euch vor, dass beim Print-Spiegellesen jemand einem den Artikel aus der Hand reißt, zwei Seiten zurück blättert, der Artikeltext mit einem Aufkleber überdeckt wird. Dann ist die Seite wieder weiß, ihr müsst zurück zum Kiosk und Euch eine neue Ausgabe holen. Und dann, weil ihr beim letzten mal mit dem Spiegel Eurem Nachbarskind zum Geburtstag ein Hello-Kitty-Freundebuch mitgebracht habt in den nächsten zehn Spiegelausgaben nur noch Hello-Kitty-Freundebücher und „Peter Maffey tot“ beworben wird. Unvorstellbar? Online fühlt es sich für mich so an.

    Wie viel Geld bekommt am Ende „Der Spiegel“ dafür, dass ich mir einen Artikel anschaue? Ich habe gerade mal eine zufälligen Artikel angeschaut, da steht 27 mal Anzeige und dann hat es noch 12 mal Links zu Videos und Artikeln im Netzwerk (11 Freunde, Manager Magazin etc.) und noch 15 „Serviceangebote von SPIEGEL-Partnern“. Ich muss meinen Internetprovider, Strom und mit Wartezeit bezahlen, diesen ganzen Scheiß herunterzuladen. Das ist zwar nicht ganz so dramatisch, wie die GenAI Regenwaldverbrennung, aber überlegt mal das Ausmaß des ganzen.

    Mein Freund John Gruber lebt davon, das er ein randseitiges Technikblog schreibt, dass jede Woche einen Sponsor hat, der mit einem winzigen Banner wirbt und einmal in einem Artikel erwähnt wird. I.d.R. bekommen die Leser in der Zeit auch noch Sonderrabatte auf die beworbenen Produkte. Er bewirbt auch nichts, was er selbst nicht gut findet.

    Ich würde tatsächlich viel Geld bezahlen, wenn ich ein Portal wie Spiegel, Zeit, SZ, Taz, Faz abonnieren könnte, wo ich handverlesene, wenige, hochwertige Anzeigen angezeigt bekäme, die professionell kuratiert wäre, bei dem Links auf Originalquellen vorhanden wären, und alte überholte Artikel nicht parallel zu den aktuellen nach vorne gespült werden. Ohne, dass meine Daten ausspioniert und gegen mich verwendet werden.

    Ich habe nämlich nichts gegen Werbung. Nur diesen unverschämten und unnützen Quatsch, für den man angeblich nichts kann.

  5. Sorry, aber so einfach wie es sich Herr Kleinz hier macht möchte ich die beteiligten Firmen, vor allem Google, nicht davonkommen lassen. Denn natürlich könnten die noch einiges mehr tun.
    Klar, sie prüfen. Und dann ändern die Kunden die Inhalte der Anzeige? Warum genau muss das dann nicht neu geprüft werden?
    Merkt man das nicht? Warum nicht? Binden die wirklich Inhalte von fremden Servern in ihre Anzeigen ein? Und selbst wenn, haben die noch nie etwas von einer Prüfsumme gehört?
    Genauso das mit den verifizierten Werbenden. Natürlich wird dann versucht an Verifikationen heran zu kommen. Aber sein wir doch mal ehrlich, wenn das einem Werbenden mal passiert ist wird es hoffentlich schwerer. Würde jedenfalls die Flut drastisch reduzieren.
    Und natürlich gäbe es für Google auch noch den Weg von diesem Geschäftsmodell ganz Abstand zu nehmen. Wenn ein großer Vermittler das so tun würde, würde es jedenfalls ganz anders aussehen als wenn es ein einzelnes Medium tut.

    Das Problem ist halt, mit der Masche verdienen sie. Und mit der Aussage, man könne ja nichts dagegen tun, können sie sogar noch einen kleinen Teil des erstohlenen Geldes einsacken!

  6. Torsten Kleinz: Das kann ich nicht sagen. Heute wird auf Internetseiten Werbung ausgespielt, ohne dass die Seitenbetreiber wissen, was da genau vor sich geht.

    Sie könnten aber wissen, was da vor sich geht. Erstens halten sie die relevanten Verträge und zweitens verdienen sie Geld damit. Und es gibt auch heute schon Seitenbetreiber, die Ads filtern bzw. Ausschlusskriterienlisten pflegen.

    Früher wurden für Kleinigkeiten Privatpersonen ohne kommerzielle Interessen gerne mal in Störer- und Verbreiterhaftung genommen. Das wurde erfreulicherweise größtenteils abgeschafft. Aber hier finde ich es geradezu aberwitzig, dass man nicht mindestens die Gewinne plus Buß-/Ordnungsgelder abschöpfen kann. Dann würden die Seitenbetreiber nämlich ziemlich schnell dafür sorgen, dass nur harmlose Werbung ausgespielt wird.

    Die zunehmend unseriöse Werbung auf vielen Seiten hat mich übrigens dazu bewogen wieder einen Werbeblocker zu installieren. Ich habe an sich kein Problem, wenn Seiten Geld über Werbung verdienen, aber so halt nicht. Kleine Anekdote dazu: Als ich mal an meinem Router (zu) viele Werbeanbieter-IPs geblockt hatte wurden mir anschließend von spiegel.de die Werbung direkt als Content ausgespielt. :-?

  7. Ist es eigentlich legal, die Marke SPIEGEL zu nutzen oder zu imitieren, insbesondere zu finanziellen Zwecken?

  8. Keiner kann für irgendwas was. Die Politik ist machtlos. Das Gewerbe muss Bürokratie beanstanden. Werbewirtschaft ist durch und durch verkommen; zum Sündenbock. Und überhaupt weiß der Seitenbetreiber doch gar nicht, was er auf seiner Seite machen kann. Er ist Spielball von Interessen amerikanischer Konzerne. Kann da nix für. Bedienungsanleitung durchlesen ist für Schlappis. Und nach dem Weg fragen sowieso. Die zieh’n uns eh das Steuergeld aus der Tasche und stecken es in Migranten. Weiß man doch.
    Keiner kann für irgendwas was. Ich erst recht nicht. Ich betreibe nur einen Blog. Und wer mich kritisiert, der cancelt. Kann man nix machen.

  9. @Sebastian: Das kann man so nicht sagen.

    Nur weil Ich Übermedien gegen Geld abonniert habe heisst das nicht, dass Ich den Spiegel auch gegen Geld abonnieren würde. Ich lese in deren App täglich, aber nicht um mich zu informieren sondern eher als Zeitvertreib.

    Wahrscheinlich wäre mein Leben auch nicht viel anders, wenn Ich das dort nicht lesen würde.

    Für 5 € würde Ich vielleicht sogar ein Spiegel + Abo abschliessen aber nicht für die aktuellen 20 € im Monat….

  10. Das Victim Blaming, das bei Betrugsthemen nahezu zwangsläufig aufkommt, auch hier in den Kommentaren, macht mich wirklich wütend! Ich arbeite seit über einer Dekade in der Betrugsabteilung einer Bank und kenne solche Fälle zur Genüge. „Gier“ ist uns allen eigen, denn sie sichert unser Überleben. Wir leben in einer Welt, in der wir täglich den irrsinnigen Reichtum Weniger miterleben, d.h. das Konzept, dass Andere ohne große Anstrengung ein Luxusleben führen können, wird uns vorgelebt. Auch davon, dass jemand durch reines Glück zur rechten Zeit die richtige Aktie gekauft hat und jetzt steinreich ist, liest man immer wieder. Warum sollten wir also nicht mal Glück haben, und zur rechten Zeit am rechten Ort (auf der rechten Website gelandet) sein? Es ist wahnsinnig einfach, Menschen, die auf Betrugsmaschen hereinfallen, für dumm zu erklären. Sobald man aber mit ihnen spricht (und das habe ich vielfach), erkennt man, wie gut diese Maschen sind. Alles in einem sagt: „Das kann nicht sein. Das ist zu schön, um wahr zu sein“. Aber das kleine bisschen Hoffnung auf ein schöneres, sorgenfreieres Leben sagt: „Was soll’s, 250 EUR kann ich ja mal investieren. Wenn es Quatsch ist, ist das zu verschmerzen, aber wenn doch was dran ist….“. Und dann hängt man am Haken. Dann hat man ein Konto, auf dem die ganzen Gewinne eingehen. Wie soll man denn erkennen, dass das „Anlagekonto“ nur virtuell ist? Es sieht genau so aus wie mein echtes Onlinekonto bei meiner Hausbank. Und mein „Anlageberater“ ist nett und professionell und spricht genau so wie Banker halt reden. Total kompetent. Und dann: Lässt man sich seinen „Gewinn“ ausbezahlen. Der ist für die 250 EUR „Anlagesumme“ nach paar Tagen bei, sagen wir auch 250 EUR. Und dann wird das tatsächlich auf mein echtes Konto bei meiner Hausbank überwiesen (ja, das Risiko gehen die Täter manchmal ein). Also: Wow, das funktioniert wirklich!
    Und dann ist kein Halten mehr. Die nächste Überweisung ist dann bei 2500. Dann 5000. Und je mehr man bezahlt hat, umso mehr wappnet man sich selbst gegen aufkommende Zweifel.
    An solche Personen kommt dann keiner mehr ran, keine Freunde, Familienangehörigen, Bankangestellten und nicht mal die Polizei. Das geht bis zum kompletten Ruin, leider viel zu oft bis zum Suizid, wenn sich das Opfer den Betrug dann letztlich doch eingesteht.
    Ich habe eine enorme Wut auf die Täter und auch auf Werbeanbieter wie Google, die meiner Meinung nach so wenig unternehmen, weil sie viel zu gut dran verdienen. Ich verstehe nicht, warum die EU nichts unternimmt. Wenn man Twitter verknacken kann, weil die nichts gegen Fakeaccounts tun, dann kann man auch Google verpflichten, dafür zu sorgen, dass die von ihnen zur Verfügung gestellten Werbeinhalte echt sind. Kann mir keiner weismachen, dass man nicht irgendwie unterbinden könne, dass z.B. die Websites nachträglich geändert werden. Da fehlt es schlicht am Willen.

  11. Allen, die sich über schlechte Werbung beklagen, sei gesagt, dass viele Websites wie Spiegel und Zeit ein pur-Abo anbieten, nicht zu verwechseln mit dem Plus-Abo. Man bekommt dadurch keine zusätzlichen Inhalte angezeigt, aber Werbung und Tracking fehlen.

  12. @ #10 inga
    „„Gier“ ist uns allen eigen, denn sie sichert unser Überleben.“
    Genauso sichert uns die Bereitschaft zum teilen das Überleben. Wenn die Gruppe stark ist ist die Überlebenschance größer.
    Und die Sicherung des Überlebens durch Gier gilt in einem Szenario in dem die Ressourcen knapp sind.
    Die heutige Gier die ich meine hat mit der Anhäufung von Vermögen zu tun.

    Aber direkt zur Klarstellung: Ich verachte dieses ganze im Text beschriebene System.

    Und meine Kritik richtet sich an die Gedankenlosigkeit der Menschen die niemals drüber nachdenken woher diese super Renditen denn kommen sollen. Egal, Hauptsache schnell Kohle generieren. Wenn sie mal darüber nachdenken würden, würden sie es sich bestimmt zweimal überlegen.

    Aber sie haben recht, meine Aussage dass ich keinerlei Mitleid empfinde war zu hart und stimmt so auch nicht.

    Es ist halt wie es so schön heißt:
    Don`t hate the player, hate the game.
    Aber da ausschließlich die Spieler das Spiel am laufen halten habe ich trotzdem einen gewissen Hass auf sie.

  13. @#11 Martin:

    Allen, die sich über schlechte Werbung beklagen, sei gesagt, dass viele Websites wie Spiegel und Zeit ein pur-Abo anbieten, nicht zu verwechseln mit dem Plus-Abo. Man bekommt dadurch keine zusätzlichen Inhalte angezeigt, aber Werbung und Tracking fehlen.

    Ich darf zu allererst schon mal erwarten, dass mir per Werbung/Drittanbieter auf einer Seite weder Schadsoftware noch kriminelle Inhalte untergejubelt werden. Da finde ich einen Verweis auf die werbefreien (Pflicht-)Angebote nur bedingt hilfreich. Getrackt wird man dann meist dennoch. Nur halt nicht mehr von den Werbepartnern. Man beachte beispielsweise auf abo.spiegel.de/werbefrei-lesen/ die Wortwahl „ohne Werbetracking“

  14. Noch etwas: Ich habe von etlichen Opfern gehört, „das ist eine Empfehlung, die ich aus dem Spiegel habe, absolut seriös“. Auch die News-Portale können sich da nicht schulterzuckend auf die bösen, bösen Werbeanbieter rausreden. Fakt ist doch: Wenn Googel nicht so gut an den Betrugswerbungen verdienen würde, würden Spiegel und Co ebenfalls weniger Geld durch Werbung einnehmen. Fraglich, ob sich Jouralismus dann noch „rechnen“ würde. Wir haben unsere Gesellschaft mehr und mehr in die Hände der Techriesen gegeben. Und wo wir es vorher mit der Gier hatten: Ein Durschnittsbürger, der hofft, durch eine vermeintlich neue Anlageform Geld zu verdienen vs. Techmilliardären (und demnächst Billionären). Aber der erste Impuls ist bei manchen, auf erstere hämisch hinabzuschauen und sie der Gier zu bezichtigen. Passt.

  15. @#inga
    Sie können mich ruhig direkt ansprechen. Hier war ich der einzige der das geschrieben hat.
    Aber einfach mal ein Vorwurf in den Raum reinwerfen. Ich würde hämisch auf andere hinabschauen. Das ist ein ganz schön dreister Vorwurf.
    Und dass ich nur den „Durchschnittsbürger“ Gier vorwerfen würde aber den Techmilliardären nicht, auch einfach mal eine Behauptung.

    Danke für die Diskussion

  16. @MT: Nein, da war auch noch ein zweiter Kommentar. Und vielleicht zur Einordnung (ich hatte das oben bereits erwähnt): Bei Berichten zu Betrugstaten kommt es in den Kommentaren _immer_ zum Victim Blaming (daher richten sich meine Kommentare auch nicht direkt an Sie, sonst hätte ich das in der Tat so geschrieben).
    Das fällt mir natürlich besonders auf, weil ich eben die Opferperspektive etwas besser kenne. Und Aussagen wie „selber schuld“, „kein Mitleid“ oder wie oben wörtlich „die dummen, gierigen Opfer“, sind einfach Standard. Und ja, das empfinde ich als hämisch. „Kein Mitleid“ beinhaltet ja doch auch implizit so etwas wie „geschieht ihm recht“.
    Sie schrieben oben: „Don`t hate the player, hate the game.
    Aber da ausschließlich die Spieler das Spiel am laufen halten habe ich trotzdem einen gewissen Hass auf sie.“ Nur: Die Opfer sind in dem Game nicht die Player, sondern der Gewinn, um den gespielt wird. Hassenswert sind die Täter und die wirklich gierigen Profiteure, die sich aus eigenem Profitinteresse ganz bewusst dafür entscheiden, nichts zu unternehmen, wohlwissend, dass Menschen dadurch Schaden erleiden werden.

  17. „die dummen, gierigen Opfer“
    Tut mir leid, hatte ich überlesen. Ja das ist so nicht ok.
    Ich selbst habe meine Aussage ja teils wieder zurückgenommen.

    Und das die Opfer geschützt werden sollten vor raffgierigen Konzernen und Mechaniken die nur zum ausbeuten gedacht sind ist hoffentlich überwiegender Konsens.
    Ich bin ebenso überzeugt Spiegel und die anderen Beteiligten könnten sehr wohl anders wenn sie nur wollten.

    Ich würde gerne noch viel mehr dazu schreiben, da dies mMn nur ein kleiner Auswuchs eines verkommenen Systems ist aber das würde dann schon wieder arg off topic gehen.

  18. Es ist Betrug. Das ist eine Aufgabe des Rechts und des Gesetzgebers, da mehr zu tun, um das zu ahnden. Medien wollen mit Werbung Geld verdienen. Faktisch verdienen sie aber mit diesem Betrug Geld. Sie müssten dafür also auch verantwortlich gemacht werden. Wenn der Spiegel (z.B.) für betrugsbedingte Verluste seiner Online-Leser haftbar gemacht würde, würde der Dreck schnell von der Seite verschwinden. Dieses „Ist halt so“ ist inakzeptabel.

    Hinzu kommt: Diese (wie andere) Werbeinhalte sind zu wenig von den redaktionellen Inhalten unterscheidbar. Oft genug muss man nach der kleinen „Werbung“-Beschriftung suchen, ansonsten ähneln sich echte und Fake-Meldungen zu sehr. Das ist allein schon wegen des Aufwands beim Lesen nervend. Wenn da so viel Stuss steht, senkt das die Glaubwürdigkeit des Mediums. (Dessen echter Stuss kommt ja noch oben drauf.)

  19. Ich weiß, individuelle Lösungen funktionieren auf gesellschaftlicher Ebene nicht. Mit einem Werbeblocker aus einem Minicomputer (Pi-hole auf einem Raspberry Pi) ist zumindest mein Internetkonsum von der allermeisten Reklame befreit. Mir wird nur die Reklame vorgesetzt, die die Webseiten selbst ausspielen, und die ist in der Regel harmlos, also nicht betrügerisch und ohne Malware.
    Werbung ist definitiv nicht die Antwort auf die Herausforderungen, die Medienhäuser durch das Netz erfahren. Sie schafft mehr Probleme als sie löst.

  20. Bei Meta wurde kürzlich nachgewiesen, dass sie abermillionenfachen Betrug dulden – Weil sie eben sehr gut daran verdienen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei Google anders läuft. Getan wird erst dann etwas, wenn es Konsequenzen hat.
    Dem Spiegel ist es vielleicht ein bisschen unangenehm, aber letztlich weist man die Schuld lieber von sich, kann man nix machen, ist halt Internet.
    Natürlich könnte da etwas gemacht werden, das würde aber viele Milliarden Dollar Umsatz kosten, wieso sollte das ein Konzern freiwillig umsetzen?

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