Mehr über Donald Trump
Da sind sie bei „Bild“ ja mächtig stolz! Sie hatten diese Woche keinen Geringeren als US-Präsident Donald Trump im Interview. Naja, tatsächlich hat Trump dem US-Magazin „Politico“ ein Interview gegeben, nicht „Bild“. Aber „Bild“ und „Politico“ gehören beide zum „Global Reporters Network“ des Axel-Springer-Verlags und sind daher so etwas wie Geschwister. Deshalb kann man das Trump-Interview auch bei „Bild“ anschauen.
Und weil man bei Springer so stolz ist auf den Coup – oder sollte man besser sagen: auf die exklusiven Lügen? – sah die „Bild“-Startseite am Dienstag zeitweise so aus:

Trump rechnet also in „Bild“, so stand es da, mit „unserer Migrationspolitik“ ab – und mit ganz Europa. Er wirft der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel Versagen vor und behauptet tatsächlich, vor 2015, also vor der Migrationskrise, habe es in Deutschland gar keine Kriminalität gegeben – und „Bild“ macht daraus eine fette Überschrift:
„Deutschland war faktisch kriminalitätsfrei“
Dass das „faktisch“ nicht stimmt und einfach Bullshit ist, steht nirgends. Stattdessen hat „Bild“ in der faktenfreien Überschrift sogar auch noch das Wort „faktisch“ ergänzt. Trump selbst sagte im Interview lediglich: „Germany was crime free.“
Dass Trumps Behauptung eine Lüge ist, stellt weder Interviewerin und „Politico“-Chef-Korrespondentin Dasha Burns im Gespräch klar, noch erfährt man es im „Bild“-Text von Filipp Piatov, dem stellvertretenden Leiter des Politikressorts. Dessen Beitrag betet vor allem Trumps markigste Aussagen in direkter oder indirekter Rede nach.
Dabei wissen sie ja bei „Bild“, dass Donald Trump Lügen verbreitet. Wer weiß es nicht? Eine kurze – wenn man das überhaupt so nennen kann – Einordnung zu dem Trump-Zitat gibt es immerhin von „Bild“-Moderator Thomas Kausch, der mit Dasha Burns ein Interview über ihr Interview geführt hat. Kausch spielt den Ausschnitt über Angela Merkels angebliches Versagen ein und sagt anschließend:
„Dass es vor 2015 keine Kriminalität in Deutschland gab, stimmt natürlich nicht“.
Kausch lacht dabei und geht dann lapidar über zur nächsten Frage an seine US-Kollegin.
Es wirkt wie Resignation. Als hätte man sich längst abgefunden. Als seien Lügen des US-Präsidenten halt normal. Als müssten die Zuschauer damit klarkommen. Und als müsste man das eigentlich nicht nochmal erwähnen. Dabei muss man das, immer wieder.
„Flood the zone with shit“, so hat Trumps früherer Berater Steve Bannon die Taktik beschrieben: Alles, auch und vor allem Medien, mit Scheiße überfluten, jeden Tag. Unendlich viele Behauptungen und Lügen. Und statt diesen etwas entgegenzusetzen, haben sich „Politico“ und vor allem „Bild“ offenkundig entschieden, ein ausgiebiges Bad in diesem Jauchefass zu nehmen.
Auch rassistische Anspielungen, etwa auf den Nachnamen des Londoner Bürgermeisters Sadiq Khan, der pakistanische Wurzeln hat, bleiben größtenteils unwidersprochen. Wie viele weitere Behauptungen, zum Beispiel, dass europäische Länder „verfallen“ würden. Oder dass ein Angriff des US-Militärs auf ein Boot mutmaßlicher Drogenschmuggler 25.000 Amerikanern das Leben gerettet haben soll.
Trump nutzt das 45-minütige Gespräch vor allem dafür, andere Politiker für dumm zu erklären (ausgenommen Victor Orbán aus Ungarn), seinem Vorgänger Joe Biden einen niedrigen IQ zu attestieren (auch nicht neu) und zu signalisieren, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj selbst Schuld sei, wenn er den „Friedensplan“ nicht akzeptiere und es weiter Tote in der Ukraine gebe.
Vieles, was Trump sagt, war schon bekannt. Man ist nach dem Interview deshalb ungefähr so schlau wie vorher. Oder womöglich sogar dümmer.
Dasha Burns stellt auch Fragen, über die sich der US-Präsident sichtlich freut. Zum Beispiel, welche Note er der Wirtschaft geben würde. Antwort: Eine eins. Eine eins mit fünf Sternen. Natürlich.
Mittlerweile sind bei „Bild“ fast ein Dutzend Meldungen zum „Politico“-Interview mit Trump erschienen. Es geht dabei nicht um Erkenntnis, es geht um Content, Klicks und Show. Es ist eine Journalismus-Simulation zur Schlagzeilen-Produktion. Und „Bild“ wird dabei auch nicht müde, in Klammern immer wieder das Alter der Interviewerin (33) zu betonen – was so bei anderen (männlichen) Kollegen eigentlich nie gemacht wird.

Im Interview über das Interview erzählt Dasha Burns auch, wie respektvoll der Präsident gewesen sei. Jener Präsident, der es sich auch im Gespräch nicht nehmen lässt, gegen „Politico“ auszuteilen. Und der Burns namentlich auf dem Medienpranger des Weißen Hauses listet, einer Seite, auf der Journalist:innen öffentlich diskreditiert werden.
Dass Dasha Burns auf dieser „Schwarzen Liste“ steht, macht „Bild“ ebenfalls zur Meldung. Warum sie dann aber trotzdem Donald Trump interviewen durfte, erfährt man nicht. „Bild“ übernimmt dafür ausführlich die Perspektive des Weißen Hauses auf angebliche „Media Offenders“ wie „Politico“ und Burns:
„Der Vorwurf: Die Medien hätten mit unvollständigen Daten ein falsches Bild von Trumps Kriminalitäts-Politik in Washington D.C. verbreitet. Auslöser war ein Eintrag im Politico-Newsletter ‚Playbook‘, in dem ein WSJ-Artikel zitiert wurde. Das Weiße Haus spricht von einem ‚Hoax‘ – also einer gezielten Falschmeldung – und nennt das eigene Pranger-Portal einen ‚Dienst an Wahrheit und Transparenz‘.“
Toll. „Bild“ zitiert, was das Weiße Haus, was Trump behauptet – ohne die Kollegen und deren Berichterstattung zu verteidigen. Ohne zu erwähnen, welche Belege sie haben für das, was sie schreiben.
Trump ist mit so einem Interview natürlich zufrieden, was für eine Überraschung. Und „Bild“ ist sich nicht zu blöd, selbst das feierlich zu vermelden:
„Donald Trump lobt großes ,Politico‘-Interview“
Ein US-Korrespondent des Blatts berichtet über eine Rede Trumps am Dienstag in Pennsylvania – und seine „ungewohnten Töne“.
„Zwar kanzelte er wie gewohnt die Presse generell als schrecklich ab, doch das Interview mit Dasha Burns (33) bewertet er als ‚gut‘ und ‚fair‘.“
Na, da schau an! Als wäre ein solches Lob aus Trumps Mund eine Auszeichnung. Es ist eher ein Armutszeugnis. Etwas, wo man sich fragen müsste: Was ist schiefgelaufen?
Schon seit Trumps erster Amtszeit ringen Medien damit, wie man seiner Mischung aus Irrsinn, Lüge und Desinformation begegnet, ohne sie zu reproduzieren. Manchmal gelingt das, häufig nicht. Und Trump – wie „Politico“ und „Bild“ – derart die Bühne zu bereiten und all den shit, den er verbreitet, auch noch mit großen Schlagzeilen zu adeln, das ist schon ein besonders peinlicher und auch schädlicher Fehlgriff.
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Dass das geneigte Publikum abseits der True-Crime-Blase sich vielleicht noch erinnert, dass es „früher“, also vor 10 oder 20 Jahren, das eine oder andere Verbrechen gab und diese Überschrift insofern ausnahmsweise Mal alleine einordnen könnte, ist vielleicht nur das halbe Argument.
Aber im Vergleich zu den USA ist D. immer noch „crime-frei“, also wo ist da der Diss?
Strategie funktioniert doch. Sogar üm informiert uns über Trumps letzte übelriechende Fürze. Anstatt zu lüften.
Solange sich die Schlagzeilen über Trump (wahlweise AFD) verkaufen, wird die Strategie weiter gehen. Die Schlagzeilen werden immer knalliger, die Aussagen immer radikaler. Geklickt wird von Followern und Hatern, respektive aus bias confirmation bzw. Autounfall-Gaffen.
Alles steht, wie im Artikel auch gut aufgegriffen, in Bannons Playbook und wurde mit Project 2025 noch mal verfeinert.
Da braucht es gar keine 1984-Analogien mehr, es ist stumpf „don’t believe your eyes and ears“ (der Artikel referenziert übrigens auch das Politico-Interview):
https://nymag.com/intelligencer/article/nobody-but-trump-thinks-this-is-an-a-plus-economy.html
Über jede noch so dumme Lüge wird ausführlich berichtet:
Demokraten wollen deine Familie trans machen
https://www.lgbtqnation.com/2025/12/says-democrats-want-to-turn-every-member-of-your-family-transgender/
Calibri ist eine DEI-Schriftart
https://www.msn.com/en-us/news/politics/calibri-font-becomes-the-latest-dei-target-as-rubio-orders-return-to-times-new-roman/ar-AA1S60Xj
Das ist der sinnlose Auswurf alleine von gestern.
Diese Schlagzeilen könnte ohne Basis ein Bot produzieren („Schlagzeil-O-Mat“, ja so lange bin ich schon dabei). Würde auch keinen Unterschied machen, weil würde geklickt werden.
Was bringt es, darüber zu berichten? Warum klicken wir das? Immer wieder. Wenn die Autounfall-Gaffer-Seite nicht mitmachen würde, gäbe es wenigstens nicht noch einen Stau auf der Gegenfahrbahn. Aber das scheint gegen die menschliche Natur zu sein (Hufeisentheorie, Zwinkersmilie).
Solange die USA das mächtigste Land der Erde sind, wird ihr Staatsoberhaupt wichtig sein.
Solange das Staatsoberhaupt wichtig ist, werden Medien darüber berichten.
Solange darüber berichtet wird, werden diese Berichte auch gelesen, gehört oder angesehen werden.
Jetzt könnte man natürlich auch einfach die verschiedenen Aussagen nicht einfach wiedergeben, sondern einordnen – „Gab es wirklich keine Kriminalität vor Merkel?“ – aber irgendein Trottel wird natürlich immer, egal wie oder warum, Trump glauben.
Aber es kann nicht Ziel sein, dass Medien auch wirklich den DAMN (dümmsten anzunehmenden Mediennutzer) überzeugen, weil der im Zweifel aufhört, Medien zu nutzen, sondern einfach Argumente bringt, was Trump eher selten macht.
Der Vergleich mit ÜM wäre übrigens nicht die Schaulustigen auf der Fahrspur in Gegenrichtung, die einen zweiten Stau verursachen, sondern der Verkehrsfunk, der einen vor dem Stau warnt.
Nun, Dasha Burns hat alles richtig gemacht; anders als ihre Kolleginnen, die von Trump als „piggy“ oder „stupid“ beschimpft wurden, weil sie die richtigen Fragen gestellt hatten. Daß ausgerechnet die Bild-Zeitung, die seit jeher jedes Vergehen oder Verbrechen publizistisch ausschlachtet, wo immer sie kann, die Aussage, Deutschland sei einmal kriminalitätsfrei gewesen, unwidersprochen stehen lässt, ist ein Treppenwitz.
Sind denn alle wirklich so dumm oder stellen sie sich dümmer als sie sind? Jeder, der noch bei Troste ist, weiß, dass es in jedem Land der Welt Verbrechen und Verbrecher gibt, Korruption, Misswirtschaft und dergleichen. Aber es gibt auch mehr oder weniger positive Aspekte (in vielen Ländern) wie Freiheit, Demokratie und Wohlstand, Mitgefühl und Anteilnahme mit den Schwächsten der Gesellschaft (ach, ist ja jetzt ein Hasswort). Wenn ausgerechnet der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sich über Kriminalität in anderen Ländern sorgt, ist das schon ein wenig bizarr. Was Kriminalität betrifft, sind die USA eher ein abschreckendes Beispiel. Trotzdem gibt es einen Anstieg vor allem der Gewaltkriminalität durch Flüchtlinge (ach, bestimmt ein Hasswort) seit 2015. Damit erreichen wir immer noch nicht annähernd die Kriminalitätsrate der USA. Aber schön ist das nicht. Darüber zu reden ist angebracht. Etwas dagegen zu tun (aber was) wäre auch nicht falsch. Auch einem Trump kann etwas rausrutschen, was nicht total falsch ist. Es gibt keine Brandmauer zwischen richtig und falsch. Wahrheit und Lüge liegen näher beieinander als uns lieb ist. Richtig und falsch sind oft eindeutig, aber nicht immer.
Danke für die Info und die Einordnung. Schade, dass ich mich nicht wundere.
»Sie reden zuviel. Und sie liefern nicht« ist eine treffende Selbsteinschätzung der Trump-Regierung. 🥳 Unfassbar, dass die normalerweise ausgezeichnete Zeitung BILD in der Schlagzeile das Wort »Europa?« davorgestellt hat. Es verzerrt die Aussage komplett.
Das ist Journalismus der untersten Schublade, den sogar ich als BILD-Abonnent der ersten Stunde nicht gutheißen kann. Ich werde daher mein Abo umgehend kündigen. Den Tischgrill Commodore Optibrat 4000 GT, den wir 1952 als Aboprämie erhielten, gebe ich selbstverständlich zurück.
@Florian Blechschmied
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/153880/umfrage/faelle-von-gewaltkriminalitaet/
Ja: Wir haben aktuell die höchste Zahl bei „Gewaltkriminalität“ seit 2007. Gerade deshalb ist es aber problematisch, ausgerechnet 2015 als Referenzjahr herauszugreifen – das wirkt weniger wie Analyse und mehr wie der Versuch, ein bestimmtes Narrativ zu stützen.
Wenn man sich den Verlauf anschaut, ergibt sich ein anderes Bild:
Nach 2015 gab es bis 2017 einen abrupten Anstieg – ungefähr zurück auf das Niveau von 2011. Danach gingen die Zahlen über die Jahre stetig zurück. Mit Covid kam ein gut erklärbarer Tiefstand (wobei häusliche Gewalt und ihre Erfassung weiterhin ein großes Problemfeld bleiben). Der deutliche Anstieg, über den Sie sprechen, ist post-Covid passiert und wird zu einem beträchtlichen Teil auch mit jugendlichen Tatverdächtigen in Verbindung gebracht.
Als Ursachen nennen Fachleute eine Gemengelage aus psychosozialen Faktoren, Belastungen und Armut – und in wirtschaftlich schwächeren Regionen fällt der Anstieg stärker aus. Aber die Pandemie blenden Sie als mgl. (Mit)Ursache vorsorglich gleich aus.
Dazu die Tagesschau vom 23.11.2023:
„Bei den Gewalttaten sei im ersten Halbjahr 2023 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar ein stärkerer Anstieg bei Ausländern als bei Deutschen zu verzeichnen, teilte das BKA weiter mit. Im Verhältnis zur deutlich gestiegenen Anzahl nichtdeutscher Menschen an der Gesamtbevölkerung falle der relative Anstieg deutscher und nichtdeutscher Tatverdächtiger jedoch ähnlich aus.“
Hinzu kommt: Zugewanderte Gruppen sind im Schnitt jünger, häufiger männlich, oft ärmer und teils unter besonders belastenden Bedingungen untergebracht (Aufnahmeeinrichtungen, Enge, Perspektivlosigkeit). Das sind Risikofaktoren – keine „Kulturformel“.
Trotzdem präsentieren Sie – in der Logik von Trump – Migration als die „eigentliche Ursache“, und die politische Konsequenz heißt dann: Abschieben. Damit die Abhilfe-Simulation läuft, gern auch Azubis, Schüler – und am besten gleich noch Zusagen an ehemalige afghanische Hilfskräfte kassieren. Man muss ja irgendwie auf Zahlen kommen. Das ist keine Problemlösung, das ist Symbolpolitik.
Und noch ein Punkt, der in dieser Debatte regelmäßig untergeht: Gewaltkriminalität ist auch deshalb sichtbar „hoch“, weil (glücklicherweise) die Anzeigenbereitschaft zunimmt. Gewalttäter sind überwiegend Männer, Opfer sehr oft Frauen. Dazu kommen Femizide – und eine enorme Dunkelziffer, gerade bei sexualisierter Gewalt. Viele Taten werden nicht angezeigt, weil Täter Partner, Familienmitglieder, Bekannte, Kollegen oder Vorgesetzte sind.
Kurz: Sie haben einen bequemen Sündenbock gefunden. Glückwunsch.
Aber gehen Sie die anderen Ursachen auch an – Armut, Perspektivlosigkeit, falsche Rollenbilder, emotionale Unreife, Gewalt in Beziehungen und Familien? Oder bleibt es bei einer Alibipolitik, die Ressentiments bedient und komplexe Zusammenhänge wegwischt?
@ Florian Blechschmied
Sie verkennen, daß der MAGA- Bewegung religionsähnliche Züge innewohnen: Wenn der dear leader es sagt (und von Fox News und zunehmend weiteren Medien, die Trump systematisch unter seine Kontrolle bringt, weiter transportiert und verstärkt wird) muss es wahr sein. Und für viele dieser Wähler geht der Begriff „Welt“ nicht über die USA hinaus.
ob ich in dieaem zusammenhang erich kästner zitieren darf? oder ist das blasphemisch?: „Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“
aber bildleser und noch viel schlimmer bildreporter sind das wohl gewohnt?? hatte nicht ein gewissen axel springer mal gesagt, dass er leide, wenn er bild-zeitung lese?? na gut, der lebt schon länger nicht mehr und sein nachfolger bei der witwe – also geschäftlich gesehen – setzt doch vermutlich des konzerngründers gedanken folgerichtig um. oder?
Frank Gemein, Sie können hier gern noch mehr davon bringen. Aber auch das änderte nichts daran, die Ursache eines Großteils der sozialen Problem in Deutschland ist die verfehlte Migrationspolitik.
Das wissen Sie auch. Jeder weiß das.
Die nach Deutschland importierten Migranten sind vielfach so kriminell und vielfach so oft Transferleistungsbezieher wie die indigene Bevölkerung.
Dies können Sie x-mal durch den Wolf drehen – es ändert nichts am Sachverhalt.
Wenn Sie wollen, können Sie das mit den „Zusagen an ehemalige afghanische Hilfskräfte“ präzisieren. Zum Beispiel hinsichtlich der Frage, wie viele afghanische Hilfskräfte es gab und wie viele Afghanen seit dem Rückzug der Bundeswehr nach Deutschland eingeflogen wurden. Und warum das immer noch nicht genug sind.
Wollen Sie?
Klar, @FrankD, wenn Sie das sagen, dann spinnt der BKA, die Kriminologen und insgesamt die Statistik. Schliesslich haben Sie ja einen Twitter Account und da bekommt man all die sonst nicht verfügbaren Informationen.
Und nun husch wieder Spielen! Die Erwachsenen unterhalten sich.
@ Florian Blechschmied
Sie verkennen, daß die MAGA- Bewegung religionsgleich strukturiert ist: Was der dear leader sagt, muß wahr sein. Weil er der dear leader ist. Und für nicht wenige Trump-Wähler ist die „Welt“ nicht größer als die USA selbst.
„Ursache eines Großteil der sozialen Probleme in Deutschland ist die verfehlte Migrationspolitik“ ist ja nicht ganz falsch – es bräuchte z.B. mehr Einwanderung, um das Sozialsystem zu retten und dass man jahrzehntelang getan hat, als sei Deutschland gar kein Einwanderungsland, war ja auch ein großer Fehler.
Es lohnt sich doch immer wieder, Maja Göpel zuzuhören:
„Es gibt zwei wichtige Merkmale für ein Kippen ins Autoritäre: eine sehr starke Ungleichheit in der Gesellschaft und ein Diskurs, der nicht sachlich über Lösungen diskutiert, sondern nach Schuldigen sucht.“
(Interview mit AI, 16.09.2025)
Und @Mr Re:
Allein mit „besserer Migrationspolitik“ sind die Sozialsysteme nicht zu retten. Zwei Aussagen sind gleichzeitig wahr:
Die Ausgaben wachsen – und sie werden auf immer weniger Schultern verteilt.
Gemessen am BIP sind die Ausgaben in den letzten Jahrzehnten gar nicht wirklich gestiegen – je nach Berechnungsgrundlage liegen sie grob um die 30 %.
Wer das Schreckgespenst eines „überbordenden Sozialstaats“ malen will, rechnet häufig Leistungen mit ein, die sich in anderen Ländern nur privat Versicherte leisten können – und verzerrt so den Vergleich.
Was stattdessen stattgefunden hat – besonders seit dem Fall des Eisernen Vorhangs – ist eine Entsolidarisierung der Vermögenden. Das kommunistische Schreckgespenst galt als besiegt; der Druck, sich um die Versorgung aller (und damit um gesellschaftlichen Frieden) zu kümmern, sank. Die soziale Marktwirtschaft der BRD war ein Gegenmodell – und wurde politisch zunehmend ausgehöhlt.
Parallel verschob sich Wertschöpfung: ein wachsender Anteil des BIP entsteht in Dienstleistungen, weg von klassischer Produktion. Und politisch waren Margaret Thatcher (später auch Tony Blair) im UK sowie Kohl und Schröder in der BRD wichtige Motoren dieser Entwicklung.
Immer mehr Vermögen sammelt sich bei immer weniger Menschen. Dieses Vermögen schrumpft schon deshalb nicht, weil es nicht verbraucht werden muss – anders als bei großen Teilen der Gesellschaft, die von Monat zu Monat sicherstellen müssen, dass der Tisch gedeckt ist und die Mieten bezahlt werden können. Die Vermögensteuer wurde 1997 ausgesetzt (faktisch abgeschafft), Erbschaftsteuern auf große Vermögen sind oft lächerlich niedrig und leicht zu umgehen, Steuerehrlichkeit vielerorts ein Fremdwort. Renditen – auch aus immer neuen Finanzgeschäften – leisten so kaum einen angemessenen Beitrag zur Finanzierung des Sozialstaats.
Gleichzeitig werden Monopole und Oligopole wahrscheinlicher und mächtiger (der Medienmarkt ist nur ein Beispiel dafür, wie ganze Sparten auf wenige Konzerne zusammenschrumpfen). In den USA kaufen sich Tech-Oligarchen nach Belieben Meinungsmacht und Einfluss.
Nationalismus erscheint manchen Konzernführern als vorzügliches Werkzeug, um die Macht multinationaler Staatenbünde zu brechen: Wenn Konzerne multinational agieren, Staaten aber gegeneinander ausgespielt und politisch geschwächt werden, dann ist das Ziel – Entdemokratisierung – ein gutes Stück näher.
Den Sozialstaat retten wir daher final nur, wenn wir gleichzeitig:
die Umverteilung von unten nach oben stoppen und
die Marktmonopolisierung wirksam begrenzen.
Und natürlich müssen die destruktiven Werkzeuge namens Reform UK, Rassemblement National (ehemals Front National) oder AfD, die das freie Europa weiter demontieren wollen, noch energischer bekämpft werden.
Ich habe kein Schreckgespenst eines überbordenden Sozialstaats an die Wand gemalt.
@Mr Re:
Das habe ich auch an keiner Stelle behaupten wollen. Irgendwie klappt das mit unserer Kommunikation nur so mittelgut.
Was ich meine: In Debatten über „den Sozialstaat“ werden sehr oft Dinge miteinander verrechnet, die nur auf dem Papier vergleichbar sind. Ob Sozialausgaben „hoch“ oder „niedrig“ sind, hängt nämlich stark davon ab, was in die Rechnung fällt und wie es finanziert wird (Steuern/Beiträge vs. privat).
Beispiel Gesundheitsversorgung: Wenn man bei uns die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (plus den staatlich/solidarisch finanzierten Teil) in „Sozialausgaben“ einrechnet, ist das natürlich ein großer Block. In den USA sind die Gesamtausgaben für Gesundheit pro Kopf aber trotzdem sehr hoch – nur ist ein größerer Teil davon stärker marktförmig organisiert und führt häufig zu mehr Reibungsverlusten (z.B. Verwaltung, Preise, Zugang), ohne dass das automatisch in bessere Versorgung oder bessere Ergebnisse übersetzt wird.
Der Punkt ist: Ein höherer Anteil am BIP ist nicht automatisch „überbordender Sozialstaat“ – er kann auch schlicht bedeuten, dass Leistungen kollektiv organisiert werden, die anderswo privat bezahlt werden (oder privat bezahlt werden müssen).
Ist zwar nicht mehr zum Thema, aber ich mag den Sozialstaat auch. Daher fände ich es ja ganz gut, wenn er noch ein Weilchen Bestand hätte.
Großartig. Realitätsverweigerung im Endstadium
So etwas sollte es auch für unser Land mal geben. Die Zahlen wären sehr ähnlich.
Fraser Nelson, „columnist for the London Times“, zerpflückt die Erzählungen eines Nigel Farage und anderer „far-right politicians“ über die Verbrechensentwicklung im UK. Der Kulturkrieg ist ein Propagandafeldzug und sein Erfolg eine Schande.
https://www.youtube.com/shorts/Afl1y_Cpiq4