ARD und ZDF ziehen mit Verona Pooth um

Wissen Sie was? Die Pooths sind umgezogen!

ARD und ZDF haben darüber kürzlich groß, naja: berichtet. Fast zeitgleich liefen nachmittags in beiden öffentlich-rechtlichen Sendern Beiträge darüber, was für ein tolles Haus die Verona und der Franjo Pooth jetzt haben, was da alles zu tun war – und was es mit dem Fäärnseeeher in der Küche auf sich hat.

In der ARD, bei „Brisant“, haben sie munter behauptet, sie hätten die Poths beim Umzug begleitet, aber das ist Unsinn: Das Material haben die Sender dem freien Promi-Reporter Jan Mendelin abgekauft, der offenbar einen Draht hat zur Familie Pooth, die schon vor Jahren plante, ihren Hausbau einem Sender anzudrehen. Keiner wollte. Nun haben die Pooths dann doch noch viel Sendezeit für ihre Villa bekommen, von RTL – und eben von ARD und ZDF.

Wir wollten wissen, wie viel die beiden öffentlich-rechtlichen Sender für die Boulevard-Belanglosigkeit gezahlt haben, aber darüber wollen ARD und ZDF lieber nicht reden. Die vollständigen Antworten dokumentieren wir hier.

Unsere Fragen

1. Welche Produktionsfirma hat das Material gedreht und vertrieben?

2. Wie hoch ist das Honorar, das die Produktionsfirma von ARD/ZDF für diesen Film bzw. für das Rohmaterial erhalten hat?

3. Inwieweit wurde Familie Pooth für die Dreharbeiten honoriert?

4. Da die Filme in ARD und ZDF am selben Tag liefen: Inwieweit war eine Sperrfrist für das Material vereinbart?

5. Wussten Sie, dass Sie die Rechte am Material nicht exklusiv haben?

6. Wieso ist der Hausbau der Pooths ein Thema für Ihre Sendung?

Die Antwort des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), der das Magazin „Brisant“ im Ersten produziert:

1. Das Lizenzmaterial stammt von der Firma Jan Mendelin

2. Jan Mendelin hat den im MDR für derartiges Rohmaterial üblichen Minutenpreis erhalten. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass der MDR hierzu keine weiteren Angaben machen möchte.

3. Da es sich um Lizenzmaterial handelt, kann der MDR dazu keine Auskunft erteilen.

4. Eine Sperrfrist wurde mit der Produktionsfirma nicht vereinbart.

5. Der Redaktion war dies bewusst, da es sich um Lizenzmaterial handelt.

6. Verona Poth zählt zu den Prominenten in Deutschland und erregt somit bereits seit vielen Jahren mediales Interesse.

Die Antwort des ZDF für die Sendung „hallo deutschland“:

1. Der freie Produzent Jan Mendelin hat das Material gedreht und angeboten.

2. Das ZDF hat mit dem Produzenten, der „hallo deutschland“ auch bereits andere Beiträge angeboten hat, einen Rahmenvertrag, der sich an den Sendeminutenpreisen orientiert.

3. Wie bereits aus Antwort 2 abzulesen ist, hat das ZDF die freie Produktionsfirma für das angebotene Material gemäß Rahmenvertrag und Sendeminutenpreisen bezahlt. Vom ZDF wurde die Familie Pooth für die Dreharbeiten nicht honoriert.

4. Das Material wurde zu einem bestimmten Zeitpunkt den Sendern angeboten – RTL, ARD und ZDF haben es genutzt.

5. Das war der „hallo deutschland“-Redaktion bekannt.

6. Die Zuschauerinnen und Zuschauer von „hallo deutschland“ sind immer wieder interessiert am Leben der Familie Pooth, das ja bereits seit mehreren Jahren zu einem Großteil auch in den Medien präsent ist.

Quellen
„Brisant“ (ARD) 27.10.2016
„hallo deutschland“ (ZDF) 27.10.2016
„Guten Morgen Deutschland“ (RTL) 27.10.2016
„Punkt 12“ (RTL) 27.10.2016
StarClipTV (Youtube) 31.10.2016

14 Kommentare

  1. Wie ich ja inzwischen ständig schreibe, findet das gesamte deutsche Fernsehen in meinem Fernseher nur noch im äußersten Notfall statt.

    Aber mir ist schon vor Jahren beim flüchtigen Zappen aufgefallen, dass in „Brisant“ und „hallo Deutschland“ mehrfach zeitgleich irgendwelche nichtssagenden Berichte liefen, die offensichtlich aus dem gleichen Rohmaterial gefertigt wurden. Besonders in Erinnerung um einen angeblichen Aufreger rund um einen Zahnarzt.

    Schön, dass es endlich auch mal anderen auffällt. Vielleicht ändert sich ja doch mal was, wenn es etwas mehr Aufmerksamkeit für diese Gebührenverschwendung gibt. Die Hoffnung usw.

  2. Ist es nicht so, dass die Unfallberichterstattungsmagazine „Brisant“ und „hallo deutschland“ einen beachtlichen Teil der Beiträge einkaufen? Es gibt ja sogar spezielle Produktionsfirmen, die bei Polizeimeldungen hinausfahren und drehen. Immerhin dürfte das für die Sender günstiger sein, als für solche belanglosen Magazine selbst Teams vorzuhalten. Da passt das hier ja auch zu.

    BTW: Wo sind sie denn hingezogen? Ich will mir das nicht ansehen.

  3. Die zwei Boulevardmagazine von ARD und ZDF haben Filme über ein deutsches Glamour-Pärchen gekauft, und das zum normalen Einkaufspreis und nicht einmal exklusiv? Skandal. ;-)

  4. Das ist doch noch klein und nett. Die Firma SetOne („Marken werden Medien. Relevanter Content mit weltweiter Reichweite“) betreibt dasselbe in richtig großem Maßstab. Und zwar nicht nur für die Promis selbst (im oben beschriebenen Fall ist ja Familie Pooth sozusagen selbst die Marke, die durch die Medienpräsenz ihren eigenen Marktwert steigert), sondern für große Marken. Funktioniert z.B. so: Ich habe als Marke ein Promi-Testimonial unter Vertrag, gehe zu SetOne, lasse mich dort beraten, was ich mit dem Testimonial wie produzieren muss (oder lasse mir das direkt von SetOne produzieren, das gibts auch im Paket), um meine Inhalte in den Redaktionen unterzubringen. Völlig aus der Luft gegriffenes Beispiel: An Weihnachten wäre es doch schön, wenn Promi xy erzählt, wie es bei ihm zuhause an Weihnachten zugeht. Das wird gern genommen in den Redaktionen. Man sieht, was gekocht wird. Welche Küchengeräte dabei benutzt werden. In welcher Küche da jemand steht etc. Die Marke kann jetzt bei SetOne gegen Geld „buchen“, wie oft und in welchen redaktionellen Umfeldern der erstellte Beitrag untergebracht wird. Dabei arbeitet SetOne Hand in Hand mit den Redaktionen zusammen: „In einem eingespielten, verlässlichen Workflow arbeiten wir täglich mit unseren redaktionellen Ansprechpartnern (…) zusammen. Dabei fragen wir die aktuellen Bedürfnisse der Medien schon vor der Produktion ab, damit Ihre Themen passgenau für alle Bewegtbild-Medien umgesetzt werden können.“ Win-Win nennt sich das…
    Funktioniert bei entsprechenden Themen natürlich auch ohne Promis, denn „Es geht um journalistisch relevante Geschichten, die der Logik Ihrer Marke sowie des Mediums entsprechen – und nachhaltig wirken, sofern sie primär als redaktionell wahrgenommen werden.“

  5. Franjo Pooth ist ein Pleitier, Verona Pooth eine ehemalige Moderatorin zweitklassiger Fernsehformate und haupts. bekannt als Kurzzeit-Naddel eines Schlagerproduzenten. Warum solche Hintere-Buchstaben-Prominenz überhaupt beständig in den Medien stattfinden muss, ist mir unverständlich, warum auch noch in öffentlich-rechtlichen, ist zudem noch ärgerlich. Zur Akzeptanz von Gebühren/Beiträgen ist es nicht geeignet: „Oh toll, ARDZDF bringt die gleiche Sch … wie RTLPRO7, da zahl ich doch gerne für …“ Äh, nein.

  6. Ungeachtet der persönlichen Interessenlage ist „Boulevard“ eine Sparte, die Interesse erregt, ich fürchte, dass derartige Beiträge bei „brisant“ mehr Zuschauer haben, als bspw. eine „Don Carlos“ – Aufführung , die auf 3sat ausgestrahlt wird. Letztlich haben die ÖR auch den Auftrag breit gefächerte Interessen zu bedienen. Deswegen kann man weder Boulevard (oder Volksmusik) gänzlich aus dem ÖR verbannen. Über die richtige Platzierung und Dosierung kann man natürlich reden oder gar streiten, keine Frage.
    Aber sich kurz nach Eurem Beitrag zur ausbleibenden Senkung der Rundfunkgebühren auf diese Pooth-Umzugsstory zu stürzen wirkt schon polemisch.

  7. Sehr hübsch gemacht (also der Beitrag vom Rosenkranz)!
    Es sei noch angemerkt, dass ARD und ZDF immer, wenn sie sich selbst rühmen, wie viel Information sie doch in ihrem täglichen Programm haben, solche Sendungen auch dazu zählen.

  8. Mal von der grundsätzlichen Problematik von Boulevardmagazinen abgesehen, wird mir nicht richtig klar, worin die Relevanz dieses Falls besteht, sofern die Informationen von ARD und ZDF richtig sind und tatsächlich übliche Minutenpreise gezahlt wurden. Vielleicht kann Niggi da noch was zu schreiben.

  9. Dieser Fall verdeutlicht den täglichen Irrsinn der öffentlich-rechtlichen Boulevardmagazine exemplarisch. Ein völliges Nichts an Inhalt. Epische Länge. Dasselbe Material, fast zeitgleich, nachdem es schon bei RTL gründlich durchgenudelt wurde. Bekloppte Off-Texte und Anmoderationen. Dann diese offenkundige Schauspielerei bei der ganzen inszenierten Fernseher-Sache. Waaaaa.

  10. öhem…auch auf die Gefahr, irritert angeschaut zu werden, wage ich die Frage: wie hoch ist denn der „übliche Minutenpreis“ und für wieviele Minuten wurde der Herr Mendelin bezahlt?

  11. „Ich finde Fernsehen doof und schaue es nicht, wie ich es bereits in allen anderen Kommentarspalten (quasi als Disclaimer) auf dieser Seite kundgetan habe. Ich bin daher der ideale Kommentator für Artikel zum diesem Thema.“

  12. Ein Fernseher in der Küche?
    Frei nach dem Kaleu: Das muss die Pooth abkönnen.

    Man hätte die vergeudete öffentlich rechtliche Sendezeit viel besser nutzen können, um die Trennung Pietro/Sarah Lombardi investigativ zu durchleuchten. Aber immerhin bietet sich eine dramatische Fortsetzung dieser Eigenheimsoap an; spätestens dann, wenn Frau Pooth den Empfangsbolzen über der Spülmaschine mit der Mikrowelle verwechselt.

  13. Herrlich verfasst. Für mich hat sich die Investition von ARD und ZDF auf jeden Fall gelohnt. Allein wegen der wunderbaren Kritik die dabei rausgekommen ist….

  14. Häh? Soweit ich weiß hat die Pooth schon immer in Meerbusch gewohnt. Ist ja bei mir sozusagen umme Ecke. Die ist nach D’dorf gezogen, wie ja auch im Folgenden erklärt wird. Aber der kleine Versprecher der Brisant-Frau ist wahrscheinlich noch unbedeutender als dieser TV-mediale Schwachsinn an sich … ;-)

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