Tragen Medien mit ihren Berichten über Demos dazu bei, dass Proteste eskalieren?
Nach den Ausschreitungen in Frankreich warnen Medien auch in Deutschland vor gewalttätigen Protesten. Dieser Fokus auf Gewalt trage mit dazu bei, dass sich soziale Bewegungen radikalisieren, warnt der Protestforscher Jannis Grimm – während über die echten Anliegen der Demonstranten oft zu wenig berichtet werde.
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Die Ausschreitungen in Frankreich sind seit Tagen großes Thema. Medien warnen, dass die gewaltvollen Proteste am 31. Oktober auch nach Deutschland kommen könnten. Damit würden Journalisten eben nicht zur Deeskalation beitragen, findet der Protestforscher Jannis Grimm von der Freien Universität Berlin: „Wenn alle erwarten, dass es knallen wird, dann knallt es auch.“
Wenn Medien über Proteste berichten, fokussieren sie sich oft auf Gewalt und Radikalisierung, kritisiert Grimm. Nichts sei für Journalisten so langweilig wie eine friedliche Marschdemo mit Schildern.
Der Protestforscher wünscht sich, dass Journalisten häufiger mit den Protestierenden selbst sprechen. Außerdem beobachtet er, dass sich das Interesse von Journalisten an wissenschaftlicher Expertise je nach Thema stark unterscheidet. Zu den Protesten in Frankreich bekomme er gerade sehr viele Interviewanfragen. Im Vergleich dazu werde er zu den Hochschul- und Solidaritätsprotesten mit Palästina sehr viel weniger angefragt. Gerade zu linken und linksprogressiven Bewegungen im Inland würden Redaktionen selten Protestforscher befragen.
Wer stattdessen zu Interviews eingeladen wird, warum Redaktionen gerade bei den Demonstrationen zu Nahost-Themen zurückhaltend sind und was er in Interviews gerne viel öfter gefragt werden würde, erzählt Jannis Grimm in dieser Folge von „Holger ruft an“.
Der Gesprächspartner
Jannis Grimm forscht zu sozialen Bewegungen, Protest, politischer Gewalt und Widerstand. Am Zentrum für interdisziplinäre Friedens- und Konfliktforschung der Freien Universität Berlin leitet er die Nachwuchsgruppe „Radical Spaces“. Außerdem ist er Co-Autor einer aktuellen Studie zur deutschen Nahostberichterstattung und Mitglied im Institut für Protest- und Bewegungsforschung.
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