Nachrichten während der EM? Drauf gepfiffen

Sie haben das möglicherweise nicht mitbekommen: Am Samstag gab es so ein Fußball-Spiel, das am Ende ganz aufregend gewesen sein soll. Es lief im Ersten Deutschen Fernsehen, gut 28 Millionen Menschen haben es gesehen. Rekord.

Aber, wie gesagt: Vielleicht haben Sie es verpasst, wieso auch immer. Weil Sie keine Zeitung lesen. Kein Internet haben. Kein Radio. Und keine Freunde.

Für Sie sendet das „heute journal“ im ZDF.

Ausschnitt "heute journal" 3.7.2016

Screenshot: „heute journal“ 3.7.2016

Die erste, also wichtigste Nachricht war dort gestern, am Sonntag: das Spiel von vorgestern, von Samstag, über das mutmaßlich fast jeder Deutsche und Italiener tagsüber schon geredet hatte, im Büro oder beim Frisör. Aber das ZDF hatte ja, rund 24 Stunden später, noch wichtige Zusatzinfos.

Nationalspieler Jonas Hector erklärte zum Beispiel, dass er einen Elfmeter schießen musste, weil ja irgendwer schießen musste, und dass er ihn „nur irgendwie reinmachen“ wollte. An den Elfmeterpunkt zu gehen, in so einem Spiel, das sei wie „ein Gang durch die Dantesche Vorhölle“, erklärte das ZDF dazu, was Mats Hummels bestätigte. Der sagte übrigens, dass der Torwart seinen Elfer gehalten hätte, wäre er schlechter geschossen gewesen.

Dann gab es „schlechte Nachrichten“ im „heute journal“: Mats Hummels ist gesperrt; Khedira, Schweinsteiger und Gomez sind verletzt, Gomez schwer. Die Fans aber „schweben erstmal noch auf Wolke Sieben“.

Das, also Blabla über Fußball vom Vortag, war die Top-Meldung des Tages.

Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil das „heute journal“ während der Fußball-Europameisterschaft nur zehn Minuten kurz ist, auch an Tagen, an denen das ZDF gar kein EM-Spiel sendet, was an sich schon suspekt ist. Zehn Minuten Zeit, um über die wichtigsten Nachrichten des Tages zu informieren. Wie gestern, in der Halbzeitpause des letzten Viertelfinal-Spiels.

Im Anschluss an den Fußball-Beitrag folgten zwei Film-Beiträge über den Brexit, einer davon erzählte aus einer Fabrik für Trillerpfeifen in Birmingham, weil, Sie wissen: Trillerpfeifen, Schiedsrichter, Fußball – total pfiffig. Und wenn der Chef der Pfeifen-Fabrik noch sagt, er habe sich gewünscht, jemand hätte vor dem Brexit mal „abgepfiffen“, dann pfeift’s endgültig dreizehn.

Übrigens, am Rande:

In der irakischen Hauptstadt Bagdad hat es einen verheerenden Anschlag gegeben.

Das sagte Moderator Heinz Wolf gestern zu Beginn des Nachrichtenblocks im „heute journal“, das da schon gut siebeneinhalb Minuten lief.

Neuesten Angaben zufolge wurden bei dem Bombenanschlag, zu dem sich der Islamische Staat bekannt hat, mehr als 200 Menschen getötet und mindestens genau so viele verletzt; die große Wucht der Detonation zerstörte ein Einkaufszentrum. Tatsächlich „verheerend“, und das „heute journal“ räumte dafür 22 Sekunden frei. Der Fußball-Beitrag war sechs Mal so lang.

Aber es gibt ja die „Tagesthemen“ im Ersten.

Top-Meldung: Fußball-Feier in Reykjavik

Top-Meldung: Fußball-Feier in Reykjavik Screenshot: „Tagesthemen“ 3.7.2016

Die liefen gestern nach dem „heute journal“, um 23 Uhr 15, dauerten 25 Minuten, und dort gab es sogar einen Beitrag über das Attentat im Irak; er dauerte zweieinhalb Minuten. Und wissen Sie, wann der lief?

Genau, nachdem die „Tagesthemen“, gleich zu Beginn, mehr als acht Minuten (!) mit Fußball zugebracht hatten. Acht Minuten. Wer nicht selbst gerade, eine halbe Stunde zuvor, im ZDF verfolgt hatte, dass die Franzosen gegen den „sympathischen Außenseiter“ Island gewonnen hatten, dem erzählte es ARD-Moderatorin Caren Miosga halt nochmal. Und zwar ausführlich!

Nach ihrer Anmoderation lief ein Beitrag mit den „Höhepunkten des Spiels“.

Es folgte eine gut zweiminütige Schalte nach Reykjavik, die mit einer Panne begann und in der zu erfahren war, dass die Isländer stolz und geschmeichelt sind, aber auch besorgt, nur ein „fußballerisches One-Hit-Wonder“ zu sein. Im Hintergrund tanzte ein Isländer dazu seinen Namen.

Ausschnitt "Tagesthemen" 3.7.2016

Screenshot: „Tagesthemen“ 3.7.2016

Es folgte eine weitere Schalte, nach Paris, wo die Reporterin inmitten jugendlicher Franzosen stand, die natürlich ein bisschen sangen und tanzten, und eines der Mädchen antwortete auch länger auf eine Frage der Reporterin, was die aber nur atemlos knapp zusammenfasste. Resümee: „Die Stimmung ist am Höhepunkt des Selbstbewusstseins.“ In Frankreich.

Ausschnitt "Tagesthemen" 3.7.2016

Screenshot: „Tagesthemen“ 3.7.2016

Die Sendung war da an einem Tiefpunkt der Nachrichtenverweigerung, auf den dann auch noch ein Beitrag über das Deutschland-Spiel vom Vortag folgte, in dem Deutsche und Italiener irgendwo im Stuttgart wechselseitig meinten, dass sie die besseren sind. Außerdem zu sehen: abgefilmte Tweets zum Spiel. „Das Netz lacht.“ Der nachrichteninteressierte Zuschauer heult.

Ja, das war ein aufregendes Spiel am Samstag. Eins, von dem noch viele Fans lange erzählen werden. Und das Spiel gestern war auch interessant, weil die Isländer tatsächlich so locker sind, und weil sich entschieden hat, gegen wen Deutschland im Halbfinale antritt. Und, auch das stimmt: Anschläge im Irak gibt es ständig. Aber: Mehr als 200 Tote, etliche Verletzte. Und die öffentlich-rechtlichen Nachrichtenmagazine senden Fußball und Trillerpfeifen-Brexit.

Bei den Turnieren der Vorjahre war das „heute journal“ auch schon kürzer. ZDF-Chefredakteur Peter Frey sagte damals, in der Halbzeitpause zu senden, sei „eine sehr gute Gelegenheit, unser Nachrichtenmagazin ins Schaufenster zu stellen – und wir wissen, bei dieser Gelegenheit ist ein besonders junges Publikum am Schirm.“ Und was bekommt das junge Publikum, wenn es ins ZDF-Nachrichtenschaufenster sieht? Fußball. Als wüssten die, die Frankreich gegen Island schauen, nicht, wie das Spiel am Tag vorher so war.

Zur Europameisterschaft sind offensichtlich alle Kriterien außer Kraft, die sonst angelegt und hochgehalten werden, um Nachrichten zu gewichten, auch im Ersten. Redaktionen im kollektiven Freudentaumel. Da kann man nur hoffen, dass Sie daheim wenigstens eine Zeitung, Internet, Radio und/oder Freunde haben, die sie eloquent auf den neuesten Stand bringen.

Offenlegung: Ich moderiere gelegentlich bei „tagesschau24“.

Nachtrag, 23:03 Uhr. Christian Nitsche, Zweiter Chefredakteur von ARD-aktuell, hat in den Kommentaren (11) geantwortet.

Medien besser kritisieren. Mit Ihrer Unterstützung.

 
Medien besser kritisieren.

43 Kommentare

  1. Ich habe jetzt nicht verfolgt, was tagesschau24, ZDFinfo und Phönix so während des Fußballs machen, gerade in der Halbzeitpause, aber verstehen tu ich das auch nicht.

    Entweder man unterbricht den Fußball für Nachrichten und macht dann auch Nachrichten, oder man sagt: Schaut doch in unsere Zweigsender, für Nachrichten, hier ist jetzt Fußball pur.

    Und gerade wenn auf dem anderen Sender Fußball ist, (ARD vs. ZDF), dann sollte man doch annehmen, dass die eigenen Zuschauer gerade nicht so sonderlich an Fußball interessiert sind.

    Was ich auch schon bemerkt habe, war, dass dann auf 3sat zeitgleich zum Fußball eine Doku lief über Bestechung im Fußball, Doping, Politik mit Sportevents, also auch Sendungen, die ein sportinteressierter Mensch gerne sehen würde, wenn nicht gerade ein Livespiel wäre.

    Ist das Kompromissdenken, nur ohne zu denken? Fußball ist gerade das große Thema, also hängen wir uns da ran, aus Gewohnheit, weil man sich immer an die großen Themen ranhängt? Wir senden selbst keine Livespiele, aber ein wenig wollen wir doch dabei sein? Das Thema zieht Fußballinteressierte an, und vielleicht gibt es jmd., der nicht mitbekommen hat, dass gerade ein wichtiges Livespiel läuft?

    Egal ob DVB-T, Kabel oder Satellit – die Leute haben doch heute alle ÖR Infosender.

  2. Ich bin ja voll bei Ihnen, aber über das Spiel von Samstag abend konnten bis Sonntag abend die allerwenigsten beim Friseur oder im Büro reden, so von wegen geschlossen, you know. Ironie kommt halt besser, wenn die Fakten passen.

    Zum Thema: Wann immer eine Kommunalwahl vorzuzählen ist, oder die Sitzfussball-Liga spielt, fällt in der ARD der Weltspiegel aus (regular SO 19:20) – ersatzlos versteht sich. Die Lindenstrafe aber, unmittelbar davor angesiedelt, die kommt. Zur Not etwas früher oder etwas später, aber Lindenstrasse ist Pflicht. Korrespondentenberichte? Öh, eher weniger.

    Und Zapp, da (Offenlegung:) sind Sie doch häufiger anzufinden, Zapp macht Ferien. Mal wieder, 2 Monate geschlagene Monate lang. Weil, wenn Zapp Ferien macht, dann passiert halt in den Medien nix, da halten die ganz still, so aus Kollegialität.

    Man sieht, der Sendeauftrag des Staatsfunks ist irgendwo zwischen den ganzen Zwangsabgabe-Milliarden verloren gegangen. Lindenstrasse und Fussballnews für monatlich 17,50 Euro.

  3. Wow, exakt das gleiche habe ich gestern in der Halbzeitpause gedacht.
    Wenn ich mich recht erinnere, war es noch vor 2 Jahren gar nicht so schlimm, denn da war die erste Meldung des Tagesjournals in der Halbzeit etwas Fußball-fremdes und der Beitrag zum Spiel kam meist am Ende, sozusagen als Überleitung zur zweiten Hälte. (Trügt mich meine Erinnerung hier?)
    Vielleicht hat ja das „junge Publikum“ überproportional oft weggeschaltet? Wer weiß.
    Im alkoholisierten Freudentaumel von Bombenattentaten zu hören kann einem auch echt die EM-Stimmung versauen, dat sach aber auch menn!

    Eins noch:
    „Die Sendung war da an einem Tiefpunkt der Nachrichtenverweigerung (…)“
    Das wäre doch dann der Höhepunkt der Verweigerung, oder?
    /klugscheiß

  4. Sie kritisieren eigentlich, dass Fussball überhaupt so stark gewichtet wird. Das kann man mit guten Gründen so sehen. Aber wenn man Fussball diesen Stellenwert gibt, ist es konsequent, es als Top-Meldung zu bringen. Den Brexit haben beispielsweise auch wirklich alle mitbekommen, aber am Tag danach war es trotzdem überall Top-Thema mit der Nachbereitung. Sie unterstellen, dass Fussball so belanglos sei, dass die Nachberichte keinen Nachrichtenwert haben. Dies stimmt nicht, außer man hält den Fussball generell für irrelevant. Die Nachrichtensendungen wollen auch wie Zeitungen die „Chronistenpflicht“ erfüllen, wenn diese am nächsten Tag das berichten, was TV, Radio und Internet schon berichteten. Ich verstehe aber, dass es unglücklich erscheint, wenn während einer Fussballübertragung auch noch über Fussball berichtet wird. Es kann aber – wie gesagt – kein Maßstab sein, was schon bekannt sei. Denn das gilt für ALLE Nachrichten.

  5. @3 Hendrik: Da haben Sie recht! Da war niemand im Bürrrro am Sonntag, also nicht so viele wie sonst. Aber Sie wissen, was ich meine. Auch richtig: Die Fernsehsendung „Zapp“ macht zwei Monate Sommerpause, wie die anderen Magazine im NDR Fernsehen auch. Wieso das so ist, müssen Sie den Programmdirektor dort fragen. Nur den Begriff „Staatsfunk“ finde ich, naja, unzutreffend.

    @4 Anderer Max: Tiefpunkt. Höhepunkt. Irgendwas, ja. Wahrscheinlich haben Sie recht.

  6. Ich bin da etwas zwiegespalten. Einerseits ja, ärgerlich dass es solche Meldungen nicht in die Nachrichten schaffen. Andererseits finde ich, dass generell mehr über positive Dinge berichtet werden sollte (weil sonst alle Menschen glauben, die Welt würde immer schlimmer was nicht den Tatsachen entspricht). Krieg und Anschläge gibt es den Rest des Jahres in den Nachrichten doch genug…
    (und ja ich weiß dass das für die betroffenen zynisch ist, deswegen bin ich in dieser Sache wie gesagt auch so hin und her gerissen)

  7. Na also, schöner und wichtiger Artikel, absolut kein Grund um aufgebracht zu sein!
    Schließlich gibt es ja mobile Frisöre, die kommen auf Wunsch auch Sonntags! Alles richtig gemacht!

  8. Es ist erbärmlich, wie ARD und ZDF mit ihren „Nachrichten-Flagschiffen“ in den letzten Jahren umgehen. Tagesthemen und Heute-Journal fungieren oft nur noch als Stichwortgeber und weisen gebetsmühlenartig darauf hin, dass es nähere Infos auf ard/zdf.de u.ä. gibt.
    Und die zehn Minuten in der Halbzeitpause sind ja noch gestrunzt, meistens sind es doch eher 7 Minuten, in denen oberfächliche „Berichte“ zu sehen sind. Der wahre Grund, diese Mini-Nachrichten zu senden, ist doch einzig und allein, die große Quote abzugreifen und am Ende des Jahres einen Superdurchschnittswert zu präsentieren.

  9. Das Spiel Deutschland-Italien geht in die Historie ein. Widerspruch? Und das Match Island-Frankreich legte bekanntlich den nächsten Gegner der Deutschen fest, die – wie erst am Sonntag feststand – mindestens einen gewichtigen Verletzungsausfall haben. All dies rechtfertigte den seltenen Einstieg in die Tagesthemen mit Fussball. Man kann diese Entscheidung diskutieren. Dass die Redaktion „Nachrichtenverweigerung“ betreibt, ist aber starker Tobak. Die wichtigsten Entwicklungen des Tages waren in der 20-Minuten-Sendung: Anschlag in Bagdad, Schäubles EU-Reformplan, Elie Wiesel, Bachmann-Preis… Es war zudem noch Platz für einen Hintergrundbeitrag zu Rußland. Wer da so starke Vokabeln wie „Nachrichtenverweigerung“ gebraucht, liegt falsch und sollte sich als Medienjournalist fragen, welchen Effekt derart formulierte Vorwürfe haben.

    „Nachrichten während der EM? Drauf gepfiffen“ ist eine Überschrift im Boulevard-Stil, sie wird dem Sendeaufkommen überhaupt nicht gerecht. Am Brexit-Tag gab es zum Beispiel stundenlange Sondersendungen im Ersten. Seitdem durchzieht dieses gewichtige Thema jede Nachrichtensendung. Drauf gepfiffen. Und wenn man es schon genau nimmt mit Sekunden und Zahlen: Als gestern die Tagesthemen liefen, war von mehr als 115 Toten die Rede. „Über 200“ stammt von heute. Wer berichtet hierüber: Das Erste. Drauf gepfiffen?

  10. In verkürzten Nachrichten, eigebettet in 5-Std-Fußballblock an Spieltagen kann, genauer, sollte man wirklich komplett auf einen Fußballblock verzichten. Wird wirklich ausreichend abgedeckt, um die spärliche verbleibende Zeit fürs Weltgeschehen nicht wieder damit zu vergeuden.
    Sage ich als Fußballjunkie.

  11. Also, diese Relevanzfrage treibt mich seit längerem um.
    Hab seit kurzem wg. EM ( ich kein Fußballfan, null Ahnung, habe eine perverse Vorliebe für die Besprechungen) nach zehn Jahren Abstinenz das öffentliche Fernsehen auf dem Laptop.

    Ich finde das Relevanzmäßig aus zwei Gründen interessant.
    A. Zu glauben so Einschub zwischen Halbzeit sei irgendwie als Informationsquelle relevant. Find ich seltsam, die Annahme.
    Und
    B.
    Zu glauben solcher Anschlag sei relevant als Nachricht.

    (B, das weiß ich, ist komplex und sprengt hier den Rahmen.)

  12. @11 Christian Nitsche

    Nein, kein Widerspruch. Das war ein historisches Spiel! Und dass sich bei dem Spiel am Sonntag entschied, wer Gegner der deutschen Mannschaft wird, hatte ich ja bereits geschrieben. Ich glaube trotzdem nicht, auch wenn es noch eine Verletzung zu melden gab, dass all das einen so langen Einstieg mit zwei launigen Schalten nahelegt. Aber das sagen Sie ja auch selbst: Man kann es diskutieren. Sollte man. Deshalb mein Beitrag.

    Und verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich stelle keineswegs die Nachrichten von ARD aktuell oder ZDF gänzlich in Frage. Ich kritisiere, wie andere vor mir, insbesondere die Kürzung des „heute journals“ und die Gewichtung gestern in „heute journal“ und „Tagesthemen“. Die Reaktionen auf den Beitrag zeigen, dass es offenbar viele gibt, die es ähnlich sehen und sich den Fußball-Block viel kürzer, auch weiter hinten in einer aktuellen Nachrichtensendung gewünscht hätten. Und Bagdad weiter vorne. Aber, wie erwähnt: Die „Tagesthemen“ waren ja ausführlicher als das „journal“.

    Abschließend: Ja, „Nachrichtenverweigerung“ ist durchaus hart. Kann man auch diskutieren, da gebe ich Ihnen recht. War halt nicht so viel Nachricht im Einstieg, finde ich. Und die Überschrift hier: Naja, so boulevardesk ist die gar nicht, aber zugespitzt, das stimmt. Inspiriert durch die Trillerpfeifen im ZDF. Auch diskutabel. Deshalb ist es gut, dass Sie mitdiskutieren! Ich werde unter dem Text darauf hinweisen.

  13. Vielen Dank, dass ihr das ansprecht. Fande das auch unmöglich. Übrigens war zur gleichen Zeit auch auf den Startseiten von SPON und Zeit Online nicht über Bagdad zu lesen. In anderen, internationalen Medien wie dem Guardian war die Meldung hingegen ganz oben, wo sie hingehört. Völlig unverständlich, wie das in vielen deutschen Medien ausgeblendet wurde.

  14. Aus dem Wiki-Artikel über „Panem et circenses“:
    „Der Ausdruck bezeichnet auch heute noch die Strategie politischer (oder industrieller) Machthaber, das Volk mit Wahlgeschenken und eindrucksvoll inszenierten Großereignissen von wirtschaftlichen oder politischen Problemen abzulenken.“

  15. @ Christian Nitsche

    Ich habe keine journalistische Ausbildung, bin Fußballfan und finde das ARD und ZDF hier Mist gebaut haben. Großen Mist.
    Da sterben extreme viele Menschen bei einem Terror Anschlag und es verkommt (temporär) zur Randmeldung.
    In Deutschland wird ja immer mal wieder gerne von Werten gesprochen. Jedenfalls wenn wir meinen das andere uns in irgend einer Form moralisch und kulturell unterlegen sind.

    Ich behaupte wäre ein Anschlag, in einer europäischen Stadt erfolgt, unabhängig davon wie viele Menschen ums Leben gekommen wären, hätten Sie mit dieser Meldung begonnen.
    Und dann haben Sie auch noch die Unverfrorenheit hier von einem Fußballspiel zu sprechen, das in die Historie eingehen wird. In einem Ton der wenig Demut oder Nachdenklichkeit offenbart.
    Das extrem traurige daran ist, das Sie vermutlich recht haben und die über 200 Toten in einem fernen Land, voller unwichtiger, uninteresanter und unterversicherter Menschen, in einem Monat von den meisten Europäern vergessen worden sein wird.
    Von dem Spiel wird man noch in 50 Jahren sprechen. Und sie tragen Ihr Scherflein dazu bei und schaffen es nicht mal kurz nach dem Anschlag angemessen darüber zu berichten. Historischer war eben der 20 Stunden alte Sieg gegen Italien.

    Über den Anschlag wird erst während der 20 Minuten Sendung „ausführlicher“ . Zielgruppengerechte Pseudonachrichten waren das. Bloß nicht beim Feiern stören. Das lohnt sich erst wenn es Tote und Verletze in der westlichen Hemisphäre gibt.
    Explodierende Einkaufzentren oder feiernde Isländer? Die Zielgruppe will Party sehen!

    Sie schreiben man kann darüber diskutieren. Ich finde man MUSS darüber diskutieren. Nur sehe ich in Ihrem Post keine echte Gesprächsbereitschaft. Eher die Bereitschaft sich zu rechtfertigen. Mag sein das mir Wut und Enttäuschung in diesem Punkt die Sinne vernebeln.

    Aber wir reden hier über die schönste Nebensache der Welt, die es spielend geschafft hat, die Würde des Menschen in die unbedeutendste Ecke, der öffentlich rechtlichen Nachrichtensendungen zu verbannen. Eine Nebensache 20 Stunden alte Nebensache Herr Nitsche.

    Wenn nicht mal gestanden Journalisten genug Menschlichkeit aufbringen, um das auf Anhieb zu verstehen, dann kann man dies wohl erst recht nicht vom Otto Normalbürger erwarten, von denen die meisten jetzt noch wissen wer wann welchen Elfmeter verschossen hat, aber eben die wenigsten wissen was genau in Bagdad passiert ist. 200 Tote und Verletze sind eben nicht historisch genug.

    MfG

  16. Wenn, wie regelmäßig alle zwei Jahre im Sommer, ARD und ZDF ihre Nachrichtenflagschiffe (mit denen sie auch unterm Jahr wegen Quotenprogrammierung immer rücksichtsloser umgehen) zusammen kürzen, und in der verbliebenenen Restzeit mit Fußballblabla den Rest der Weltwirklichkeit an die Wand drücken, komme ich nicht umhin, den öffentlich-rechtlichen tschechischen Rundfunk als Vergleich danebenzustellen und zu loben:

    Der verfügt über sechs Fernsehprogramme, zwei Hauptprogramme (CT1 und CT2) und vier Spartenprogramme, je für Nachrichten, Sport, Kinder und Kultur. Der gesamte Sport (wie aktuell die EM) läuft grundsätzlich im Sportkanal, verdrängt daher nicht die Magazine und Nachrichtenjournale in den Hauptprogrammen, und daneben informiert der Nachrichtenkanal zuverlässig und unabhängig von sportlichen und sonstigen Sonderprogrammierungen. Und der ungleich größere öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland bekommt das nicht hin? Das ist doch ein Witz!

    Und jetzt kommen mir die Programmdirektoren und Intendanten bitte nicht mit „aber die Ministerpräsidenten haben ARD&ZDF einen Nachrichtensender verboten, um n-tv und N24 zu schützen!“. Niemand zwingt ARD und ZDF dazu, ihre Nachrichten zu kürzen oder ausfallen zu lassen, oder die bestehenden Sendezeiten der Nachrichten mit Fangeschrei oder „wollen Sie das nächste Spiel gewinnen oder doch lieber verlieren?“-Journalismus aufzufüllen. Niemand verbietet ARD und ZDF, an Spieltagen zumindest auf tagesschau24 und ZDFinfo vollwertige Tagesthemen und heute-journale auszustrahlen. Von der Möglichkeit, zumindest nachrangige Spiele auf andere Kanäle wie EinsFestival oder ZDFneo auszulagern, wo sie, anders als in den Hauptprogrammen, keine meinungsbildenden Magazine und Nachrichten verdrängen, oder gar den Fußball-Kommerzzirkus den privaten Programmen zu überlassen, mal ganz zu schweigen.

  17. @11 Christian Nitsche:

    Die Rechtfertigung, weshalb ein sportliches UNTERHALTUNGSereignis (ganz egal ob es in die Geschichte eingeht oder nicht) über den Tod von so vielen Menschen gestellt wird; ja das ist für mich *wirklich* starker Tobak.
    Ich habe gerade sehr schlucken müssen und es macht mich einfach nur sprachlos, wie respektlos hier „argumentiert“ wird.

    Und traurigerweise befürchte auch ich, dass einem Anschlag in „näherer Umgebung“ weitaus mehr Aufmerksamkeit geschenkt worden wäre.
    Es wird immer mehr vergessen, dass Menschenleben überall auf dieser Welt gleich wert sind. Diese Abgestumpftheit macht mich traurig.

  18. Danke für diese klaren Worte! Hatte mich auch sehr geärgert, dass hier „News“ als Top-Nachricht verkauft werden und der schreckliche Anschlag von Bagdad so weit nach hinten rutscht. Aber nochmehr hat mich jetzt die Begründung eines der verantwortlich Redakteure (Kommentar 11) geschockt, es sei anfangs doch nur von 115 Tote n die Rede gewesen, dass es 200 Tote sind, sei doch erst später bekannt geworden. ..Also, kein Drama.
    Einige überregionale Tageszeitungen haben immerhin das Foto mit den verheerenden Folgen des Anschlags auf die Seite 1 genommen !

  19. @1Christian Nitsche/11:
    „Geht in die Historie ein“? So im Sinn von „Geschichtsbuch“? Ein Fußballspiel?! Ernsthaft??!

    Und: ich bin überzeugt, wenn man es drauf anlegt, würde sich an jedem Spiel irgendwas „Historisches“ finden (erster Sieg/erste Niederlage gegen X, höchster Drölftelfinal-Sieg, exotischstes/traditionellstes Duell ever, spannendstes Elfmeterschießen, spannendstes Elfmeterschießen nach 0:0, spannendstes Elfmeterschießen nach 8:8, schickste Trainerfrisur seit 1807…). Ich wage aber die Vermutung, dass der Beschluss, das jetzt mal total historisch (und alles andere marginal) finden zu *wollen*, da schon längst gefallen ist.

  20. @AM FENSTER
    Für den Fußballfreund gibt es, wie in jedem anderen Fachgebiet eine spezifische Historie, in diesem Fall sinnigerweise „Fußballhistorie“ genannt. Und in diese geht das Spiel aufgrund der Vergangenheit und des dramatischen Verlaufs dieses Spiels zweifellos ein. Wegen der hohen gesellschaftlichen Relevanz des Fußballs in Deutschland ist es aber jetzt auch Teil der allgemeinen Historie geworden. Während eines Turniers kommt solchen Spielen nunmal eine besondere mediale Aufmerksamkeit zu, da Deutschland als amtierender Weltmeister eine der führenden Fußballnationen mit dem entsprechenden Fanaufkommen ist. Ich weiß, für Fußbalignoranten ist das nur schwer nachzuvollziehen, eine Tatsache bleibt es trotzdem.

  21. @C. Nitsche
    Oh ja, lassen Sie uns diskutieren, bitte.

    Lassen Sie uns darüber diskutieren, warum Millionen Menschen, die sich nicht für Fussball interessieren, aber gerne über das Weltgeschehen informiert werden möchten, in der zusammengekürzten Nachrichten- (ja? ja? „Nachrichten-„. Nicht „Sport-„) Sendung noch minutenlang unwichtige Hintergrundinfos über ein Spiel erhalten.

    Die Kritik an der Gewichtung Fussball ./. Menschenleben haben meine Vorredner bereits hervorragend in Worte gefasst.

    Wären Sie denn bereit, mich zu unterstützen, wenn ich mich beim Nordrhein-Westfälischen Schulamt beschwere? Da haben die mir doch im Geschichtsunterricht nichts, aber auch gar nichts, über Fussballspiele beigebracht. Nur gesellschaftliche Entwicklungen, Kriege, politische Entscheidungen und so’n Zeug. Unverschämtheit!!!!11einself!!
    /sarcasm off

  22. Eines muss man aber zugeben. 200 Tote in Bagdad oder in Afrika von Boko Haram hingemetzelt sind den Medien, der Politik oder der allgemeinen Aufmerksamkeit nicht so viel wert wie 70 Tote in Orlando oder Paris. Ich nenne das für mich „Trauerrassismus“!

  23. @ Frank Reichelt.

    Darf man es denn zum Kotzen finden, wenn über 200 Tote und über 300 verletzte Menschen aufgrund eines einzelnen Anschlags deutlich unwichtiger sind, als ein Fußballspiel das schon seit ca. 20 Stunden vorbei war?

    Ich weiß nicht. Mir liegt das Quer im Magen. Spricht nicht gerade für uns, unsere Empathie oder unsere gern bemühten christlichen Werte.

    Wenn alte Sportereignisse massivste Terroranschläge aus den Nachrichten verdrängen können, wohlgemerkt im Öffentlich Rechtlichen Fernsehen, dann ist das einfach ein Offenbarungseid.

    Wenn die nichtssagende „Elfmetererklärung“ eines Fußballspielers eine größere Relevanz hat, als zerfetzte Leichen von Frauen und Kindern und ein verantwortlicher Mitarbeiter findet, das man darüber reden kann (!), das hier wohl möglich etwas hätte anders gewichtet werden können, dann ist das ein Menschenbild zum Fremdschämen.

    Ihr Einwand ist sicher nicht völlig ungerechtfertigt. Solche Spiele haben eine gewisse Relevanz, weil die Menschen sie für Relevant halten.
    Was sagt es aber über uns Menschen aus, wenn wir einen so massiven Terroranschlag für weniger Relevant zu halten scheinen?
    ämen.

    MfG

  24. @11 Christian Nitsche Ja doch, Widerspruch! Obwohl, ich sehe gerade vor mir, wie Mannschaften von Historikern die Geschichtsbücher neu schreiben. Noch mal kurz zum sacken lassen: Wir reden hier von einem Viertelfinalspiel einer alle vier Jahre stattfindenden Kontinentalmeisterschaft! Der Kommentar entlarvt nur wieder, wie der Fußball-Virus bereits in allen Ebenen der ÖR wütet. Ohne diesen Irrsinn mitzuvertreten, kann man scheinbar keine Leitungsposition mehr bekleiden.

  25. @ Frank Reichelt

    Sorry sollte das zu direkt ausgefallen sein. Im Grunde haben Sie ja recht.

    Aber das Thema regt mich echt auf. Ich bin einfach sauer auf die Medien. Speziell auf die öffentlich Rechtlichen, die ein unglaubliches Händchen dafür haben den trivialsten Mist an prominenter Stelle zu platzieren und alles relevante irgendwo in die hinter letzte Ecke des Programms zu verbannen.

    Jemand schrieb hier Panem et circenses. Besser kann man es fast schon nicht mehr zusammenfassen. Dümmlicher werdende Medien/Programme/Formate in einer komplexer werdenden Welt, das kann in meinen Augen nicht gut gehen.

    MfG

  26. Die Rundfunkanstalten helfen hier tatkräftig mit, dass die Legende, Politik würde wichtige Gesetze im Windschatten von Fußballmeisterschaften verabschieden, am Leben bleibt. (Die Wochen vor der Sommerpause im Bundestag fallen zeitlich mit den Meisterschaften zusammen.) Es ist eine aberwitzige Situation, dass Sport einen derartigen Stellenwert bekommt. Ich mag den tschechischen Ansatz, einfach einen eigenen Kanal dafür (es gibt ja auch noch andere Sportarten, bei denen dann die ARD immer auf ihre Sendungen in den dritten Kanälen hinweist…) und dann steht es den wichtigen Dingen nicht im Weg. (In der DDR war das mit dem zweiten Fernsehen ähnlich…)

    Vielleicht würde es helfen, einfach die Fußballfans aus den Redaktionen zu verbannen, damit dann die Kollegen die Nachrichten gestalten können, die scheinen den Kopf freier zu haben.

    Und der Herr von der ARD sollte sich darüber Gedanken machen, warum ihm kaum einer beispringt. (Und nein, die Quote hat nicht immer recht…) Und die Brexit-Berichterstattung hat hier auch keiner kritisiert. Aber das ist ein eigenes Thema. (Da fehlen mit ein bisschen die „Brexit – na und“-Ansichten in den ÖR-Medien… also Ausgewogenheit und so…)

  27. SCHON LANGE stört mich Folgendes: Die Nachrichten in den öffentlich-rechtlichen Sender sind zwar betont sachlich gehalten, was ich sehr schätze, – sobald es dann jedoch zum Themenblock Sport geht, wird in einen ausführlichen Plauderton gewechselt, der mit dem Charakter der Nachrichten zu anderen Themengebieten in keinem Verhältnis steht. Und beim Männerfussball scheint es ein Muss zur genüsslichen Verbreitung von unterhaltsamen Nichtnachrichten zu geben. Da werden Mutmaßungen, Befindlichkeiten und der Start eines Teams in ein Trainingscamp so ausführlich behandelt wie ein gekentertes Flüchtlingsboot mit Hunderten Toten.

  28. @Christian Nitsche:

    Wieso rechtfertigen Sie sich denn ausgerechnet mit dem Fakt, dass erst am Sonntag feststand, dass die Deutschen Verletzungsausfälle zu beklagen haben? Darüber berichten Sie ja in Ihrer achteinhalbminütigen Fußballshow zu Beginn der Tagesthemen gar nicht.
    Ich finde das Wort „Nachrichtenverweigerung“ trifft diese achteinhalb Minuten doch sehr gut.

  29. Muss ich noch fix los werden:

    Klar, das heute journal hat die Tagesthemen dann doch weit unterboten. Es hat sozusagen mit 22-stündiger Verspätung über ein Fußballspiel berichtet, das (fast) alle gesehen haben.

    Neeee, darüber kann man dann doch nicht diskutieren.

  30. Christian Nitsche, der noch zweite Chefredakteur von ard-aktuell sollte zukünftig wohl nicht mehr nach 23 Uhr kommentieren (Kommentar Nr. 11). Vielleicht aus Müdigkeit, vielleicht aus anderen Gründen scheint spät abends nicht so seine Zeit zu sein, um verantwortlich öffentlich zu reagieren.

    200 Menschen, oder auch (nur) 115 ermordete Menschen sind auch für Bagdader Verhältnisse ungewohnter Terror. Die Redaktion hat offenbar jeglichen Bezug zur Welt und ihrer Aufgabe darin verloren. Vorausgesetzt sie sieht darin das Informieren über wichtige große Themen des Tages.

    Wer natürlich als Aufgabe hat, die Bevölkerung einzulullen bzw. in ihrem Mehltau-verhangenen Merkelland-Tiefschlaf zu halten, hat das alles ganz, ganz brav gemacht.

  31. Ich glaube, dass so eine unterschwellige Gewichtung von Terroranschlägen genau zu den Ressentiments führt, auf die die AfD ihre Erfolge aufbaut. Durch die weit ausufernde Berichterstattung von Terroranschlägen in der westlichen Welt (teilw. über Wochen hinweg) und das Verschieben der Terroranschläge in muslimischen Ländern weit nach hinten in den Nachrichtenblock entsteht sicherlich der Eindruck, beim Terror handle es sich um einen Krieg zwischen Islam und westlicher Welt, und nicht etwa um einen Krieg zwischen IS und dem Rest der Welt.

    Die Anschläge von Paris und Brüssel werden von der Mehrheit der hiesigen Bevölkerung so schnell nicht vergessen werden; von den erst kürzlich verübten Anschlägen in Istanbul und Bagdad wissen die meisten Menschen erst gar nichts. Zusammen mit anderen Faktoren (zu dem auch viele weitere Verfehlungen der Medien gehören) ist das ein perfekter Nährboden für eine rassistische und islamfeindliche Stimmung im Land.

    Das gilt im übrigen generell und nicht nur für die fußballfreie Zeit.

  32. @JensBest
    „Wer natürlich als Aufgabe hat, die Bevölkerung einzulullen bzw. in ihrem Mehltau-verhangenen Merkelland-Tiefschlaf zu halten, hat das alles ganz, ganz brav gemacht.“

    Geht’s auch mal ohne Verschwörungstheorie?
    Bis jetzt hat die Bevölkerung ja noch andere Möglichkeiten, sich zu informieren, da würde eine Nachrichtensendung wohl kaum nutzen.
    Es ist eher so, dass Teile der Bevölkerung sich nicht mehr bemüßigt fühlen, Zeit in die eigene Information zu investieren.

    Hört doch endlich mal mit diesem weinerlichen wir-sind-ja-alle-soooo-unterdrückt-Kram auf. Dolchstoßlegende 2.0, wie lahm. Sie können von „Merkelland“ reden, wenn Sie für Kritik an der Kanzlerin verklagt oder verhaftet werden. Bis jetzt haben Sie noch alle Freiheiten, also haben Sie gefälligst den Anstand, das nicht zu leugnen.

  33. Ich habe im Trillerpfeifen-Beitrag übrigens (vielleicht zu unrecht) eine sehr subtil-humoristische Bezeichnung aller Brexit-Befürworter als „Pfeifen“ gelesen. Und herzlich gelacht.

  34. @7 BR re „Staatsfunk“
    Staatsfunk wie durch eine staatlich verordnete Abgabe alimentiert. Staatsfunk wie durch staatsnahe Gremien „kontrolliert“.
    Staatsfunk wie Anne Will’s denkwürdiges „Wir schaffen das“ Interview.
    Unzutreffend?

    Aber hier ging es ja um den Programmauftrag (auch irgendwie staatlich, oder nicht?) – darum, was Sie und auch ich von Nachrichten erwarten. Nur, ob der eingehalten wird oder nicht, ob Sie das hier kritisieren, oder ob ich den NDR-Programmdirektor wg großzügige Ferienregelung anschreibe, das juckt die Betreffenden, so lange sie derart kuschelig gebettet sind, nicht die Bohne. Die allzeit bräsigen Repliken von Herrn Gniffke, wenn es mal kritisch wird, zeigen das immer deutlich.

  35. @Earonn (34)

    Fakt ist, dass Journalisten, wenn sie aus der Tretmühle der Staatsnachrichten um 19 und 20Uhr heraustreten, plötzlich durchaus gute Berichtertattung machen können.

    Es ist also erkennbar die Struktur, die diese Art der einlullenden Berichterstattung fördert und in diensthabenden Personen wie Nitsche auch ihre ausführenden ignoranten Handlanger findet. Es handelt sich also nicht um eine „Verschwörungstheorie“, sondern um faktische Realität. Der Versuch, die Kritik an dieser Realität durch einen solchen Vorwurf zu diskreditieren, lässt mich müde lächeln.

    Auch ihr Argument, man könne sich ja auch woanders formulieren, deutet auf eine sehr hochmüitige Haltung ihrerseits hin, Earonn. Sie mögen vielleicht aufgrund ihrer Lebenssituation Zeit für stundenlange Recherche haben. Dies trifft aber nicht auf viele Menschen zu, für die der Zeitraum zwischen 19 und 20Uhr eine der wenigen Möglichkeiten bietet, mal am Stück informiert zu werden.
    Wenn dann die zentralen Info-Medien in dieser Zeit einer Märchenstunde gleichen und die Realität in einer weichgespülten Version bringen und sämtliche notwendigen Zusammenhänge unter den Tisch fallen, weil man ja erst mal 50% der Zeit über Fussball berichten muss, dann stellt sich die Frage, ob das einfach Unvermögen und Gewohnheit oder eben doch geltende ungeschriebene Programmatik ist, die da exekutiert wird.

  36. Wenn der NDR Kollege die Überschrift als Boulevard kabelt, dann erklärt sich endlich, warum er diese Art von Tagesthemen auch nur Ansatzweise in die Verbindung mit Information und Journalismus bringt… Ein Nichtverstehen von Inhalt u Format

  37. @37 Jens Best

    „““Wenn dann die zentralen Info-Medien in dieser Zeit einer Märchenstunde gleichen und die Realität in einer weichgespülten Version bringen und sämtliche notwendigen Zusammenhänge unter den Tisch fallen, weil man ja erst mal 50% der Zeit über Fussball berichten muss, dann stellt sich die Frage, ob das einfach Unvermögen und Gewohnheit oder eben doch geltende ungeschriebene Programmatik ist, die da exekutiert wird.“““

    – Die Antwort finden sie in Kommentar 11. Das ist auch im Zeitraum 19 bis 20 Uhr schnell zu erfassen.
    Das sollte auch jegliche Frage nach ausgeführten „Aufgaben“ des „Staatsfernsehens“ die „einlullen“ beantworten.
    Aber für Sie gerne nochmal kurz: Unvermögen und Gewohnheit. Ja.
    Und falls Sie noch Zeit haben: Denken Sie sich noch Abgestumpftheit, Quotequotequote und das große Gefühl der Überlegenheit anderen gegenüber dazu (wobei ich ich vermute, dass letzteres Ihnen nicht unbekannt sein dürfte)

    P.S.: Sie haben übrigens #isso vergessen, um Ihre Argumentation der faktischen Realität zu unterstreichen…

  38. @39 C.S. Sie schreiben wirr und wollen mit ihren beleidigenden Worten lediglich davon ablenken, dass sie nicht auf meine Argumente eingehen.

    Die Wortwahl, mit der sie offenbar versuchen, irgendeine Entschuldigungsargumentation aufzubauen, offenbart den fehlenden Anspruch, den sie an journalistische Berichterstattung anlegen.

    Den erkennbaren Unwillen über Vorgänge journalistisch aufklärend zu berichten bei tagesschau und heute allerdings auf Quotengeilheit zurückführen zu wollen, liess mich wegen seiner Abstrusität kurz lachen.

  39. Immerhin war gestern in Tagesschau/-themen genug Luft, um halbwegs angemessen über den Chilcot-Report zu berichten.

    SZ und Spon fallen in der Hinsicht wieder so extrem auf wie zuletzt beim Panama-Cameron-Gate: Spon gestern mit einem Pflichtübungshaften Artikel auf der Startseite, heute ist das Thema offenbar bereits wieder uninteressant (Für gefühlt 25 Fußballartikel auf der Startseite reicht es dennoch.) (Jetzt habe ich nachgezählt: Es sind 20 zur Fußball-EM und 0 zu Blair-Chilcot)
    Und bei der SZ erschöpfte sich ze Coverage auf der Startseite (so weit ich das gesehen habe) auf einen Kommentar von Kornelius, von dem mir vor allem in Erinnerung bleibt, dass er das alles ungeheuer langweilig findet.

    Ähnlich bei der FAZ, nur überrascht das da weniger.
    Ich bleibe bei meiner „VT“: Die maximal aggressiven Nato-Bellizisten und Falken scheinen der Stall zu sein, dem sich Kornelius und Bidder (im Gleichklang mit Dieckmann) verpflichtet fühlen. Jene, die nicht mal aus dem Irakkrieg eine Lehre ziehen wollen.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass unter deren Leitung eine Kriegslüge wie jene von Saddam’s WMD, noch mal so klar von diesen Medien dekonstruiert wird wie damals noch. Und damit sind unsere Resistenzkräfte gegen Feindbildmalerei und Kriegsgetrommel nachhaltig geschwächt. Die Pickelhauben bekommen wieder Oberwasser und deklinieren sich wieder durch die jeweiligen Adolf-Wiedergänger.

    Hier muss man mal die ARD verteidigen, ganz so fundamental einseitig positioniert scheint man dort noch nicht zu sein.

  40. Wäre es denn interesant gewesen, wenn Tagesschau oder Tagesthemen über den Anschlag im Irak berichtet hätten? Was hätten wir gesehen und gehört? Weinende Frauen, Trümmer, Blaulicht und ein ARD-Korrespondent aus Kairo, der ganz sicher weiß, dass der IS dahinter steckt. Nur woher weiß er das von Kairo aus? Woher der IS allerdings kommt, das könnte man tatsächlich nur verstehen, wenn die Informationen über den Irak in den letzten dreizehn Jahren aus etwas anderem bestanden hätte als ein sinnleeres Hüpfen von Anschlag zu Anschlag – immer von Kairo aus beobachtet. ARD und ZDF haben es dreizhen Jahre lang tapfer geschafft, den militärischen Überfall auf den Irak nicht ein einziges Mal annähernd als das zu bezeichnen, was er ist: ein immenses völkerrechtliches Kapitalverbrechen. Während die Herrschaften angesichts der ungleich komplexeren Lage in der Ukraine und bezüglich der „Annexion“ der Krim das Völkerrecht gar nicht streng genug ausgelegen können.

  41. wundert mich, dass es keine Brennpunkte auf ARD mit Thema UEFA EM gab :-)

    Man wirft ja dem Bundestag immer gerne vor, gerade in der Zeit der großen Fußballturniere schwierige Gesetze durchzubringen. Aber der Vorwurf sollte hier den Nachrichtenredaktionen gelten, die sich nicht stark genug gegen die Sender durchsetzen können, um Fußball Nebensache sein zu lassen und die wirklich wichtigen Dinge zu bringen.

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