Endlich fragt’s mal einer!

đŸ€­

WAS DARF ICH HEUTE NOCH SAGEN?“, fragt die große Illustrierte „Stern“ diese Woche in Großbuchstaben auf ihrer Titelseite. Es geht um „Gendern, FlĂŒchtlinge, Israel: warum wir nicht mehr vernĂŒnftig miteinander reden“.

Topaktuelles Thema also: Meinungsfreiheit. Endlich fragt’s mal einer!

"Stern", Ausgabe Nr. 50/2023
„Stern“ vom 7.12.2023 Cover: Stern

Auch die Aufmachung: pfiffig. Darauf muss man erst mal kommen: eine Frau hĂ€lt sich den Mund zu, Super-Symbolfoto, das gab’s noch nie. Naja, oder vielleicht – doch. Vielleicht ist der aktuelle „Stern“-Titel einfach der „Focus“-Titel von vor drei Jahren, Ausgabe 43/2020. Nur ohne putzige Porzellanaffen.

„Focus“-Titel, 17.10.2020

Oder … Moment mal.

Oder ist der aktuelle „Stern“-Titel der „Zeit“-Titel von 2019?

"Die Zeit", Nr. 45
„Die Zeit“, Oktober 2019 Cover: Die Zeit

Oder der „SĂŒddeutsche“-Titel von 2019? Hm, nee. Da ist keine Hand, da klebt ein Pflaster auf dem Mund. Das ist ja was ganz anderes.

SĂŒddeutsche Zeitung: "Was man noch sagen darf"
„SĂŒddeutsche Zeitung“, 25.10.2019 Cover: SĂŒddeutsche Zeitung

Zwischenfrage: Wieso haben sie bei den „Ruhr Nachrichten“ eigentlich (kĂŒrzlich erst) den Leuten, die sich den Mund zuhalten, auf die Hand, die den Mund zuhĂ€lt, einen geöffneten Mund gepappt? Und weshalb haben „Stern“, „Focus“ und „Zeit“ das nicht gemacht? Alles brennende Fragen, ĂŒber die wieder niemand spricht!

Screenshot eines Artikels der "Ruhr Nachrichten"
Aktuelle Mund-zu-auf-Serie der „Ruhr Nachrichten“ Screenshot: Ruhr Nachrichten

Und wieso haben sie beim „Spiegel“, als sie dort 2019 dasselbe Thema auf den Titel hoben, das jetzt auf dem aktuellen „Stern“ ist und auch schon auf dem „Focus“, der „Zeit“, bei den „Ruhr Nachrichten“ und ĂŒberall sonst war, ganz darauf verzichtet, dass sich irgendwer den Mund zuhĂ€lt? Hallo?

"Spiegel"-Titel 45/2019
„Der Spiegel“, November 2019 Cover: Spiegel

Und beim „Freitag“ auch, was ist los? Nur HĂ€nde, keine MĂŒnder.

Titelseite der Wochenzeitung "Der Freitag" von 2019.
„Der Freitag“, September 2019 Cover: Der Freitag

Aber, immerhin, der „Stern“ hat es diese Woche doppelt und vierfach ausgeglichen mit der abgefahrenen Idee, nicht nur einfach ein Cover zu machen, mit einer Person, die sich den Mund zuhĂ€lt, sondern gleich: vier!

Vier verschiedene Titel der "Stern"-Ausgabe 50/2023
„Vielfalt“ Ă  la „Stern“ (Ausgabe 50/2023) Cover: Stern

Der „Stern“ preist das im Editorial als „Vielfalt“ an: Vier Cover mit vier weißen Menschen, zwei Frauen, zwei MĂ€nner, die sich alle den Mund zuhalten.

Aber womöglich scheint das auch nur so. Womöglich ist das alles ein großes MissverstĂ€ndnis. Der Kollege Jonas Leppin vom „Spiegel“ hĂ€tte da jedenfalls eine kurze, berechtigte Frage angesichts dieses topaktuellen Titels:

28 Kommentare

  1. Beim Stern weiß man, dass man sich ohne jede Gefahr hinter den fahrenden Zug werfen darf. Auch wenn er in die falsche Richtung fĂ€hrt.

  2. Was mich ja am meisten Ă€rgert ist, dass ich anscheinend die Zeit irgendwie verpennt haben muss, als jeder alles ĂŒberall sagen durfte, ohne dafĂŒr kritisiert zu werden. Alle anderen weißen alten MĂ€nner erinnern sich, aber mir will es einfach nicht gelingen!

  3. Ich möchte uebrigens gerne lösen: Man darf nach wie vor sehr viel, ja fast alles sagen & kann sich auch ein Z-Schnitzel bestellen-nur muss man eben mit Kommentaren, Kritik & Abwehr rechnen.

  4. zu #2
    Also ich erinnere mich tatsÀchlich an diese Zeit.
    In den 90ern als ich noch jung, dumm, pubertierend und extrem rebellisch war.
    Da war es leider tatsĂ€chlich so, dass „schwul, Zigeuner, Mongo, Spast“ und Ă€hnliches als Schimpfwörter akzeptiert oder zumindest toleriert waren. Insofern man Schimpfwörter an sich ĂŒberhaupt als akzeptabel bezeichnen kann.
    Aber es gab auch niemand der das kritisiert hÀtte. Daher hat der Lerneffekt damals noch etwas lÀnger gedauert.
    Aber fĂŒr mich/uns haben die ErklĂ€rungen, warum das nicht geht ja auch problemlos ausgereicht im damit aufzuhören. Ebenso war es halt auch die „ich teste jetzt Grenzen aus und bin voll rebellisch“ Phase.
    Als Erwachsener darauf zu bestehen, weiterhin so ein MĂŒll zu labern, ist einfach nur traurig und fĂŒr mich auch ein Mangel an Empathie.

  5. Der stern verwechselt zwar nicht „dass“ und „das“, wohl aber benutzt er hier „scheinbar“ im Sinne von „anscheinend“. Oder fĂŒhlen sich da wirklich nur „scheinbar viele“ irgendwie (bzw. das GefĂŒhl an sich ist der trĂŒgende Schein?). So, stern, das durfte ich jetzt aber gerade noch sagen, ohne dass ich Drohanrufe aus eurer Redaktion kriege (darf man ja aber nicht sagen!)

  6. Aber, immerhin, der „Stern“ hat es diese Woche doppelt und vierfach ausgeglichen mit der abgefahrenen Idee, nicht nur einfach ein Cover zu machen, mit einer Person, die sich den Mund zuhĂ€lt, sondern gleich: vier!

    Vier Prominente, die damit gegen reale oder vermeintliche Sprechverbote demonstrieren wollen – okay. Vier völlig unterschiedliche Models, um zu symbolisieren, dass sich von jungen, schwarzen Lesben bis zu alten, weißen Hetero-Mackern alle irgendwie sprechunterdrĂŒckt fĂŒhlen – auch okay. Aber vier weiße, deutsche Mittelschichts-Gesichter jung- bis mittleren Alters auf vier verschiedenen Covern? Was will der Stern uns damit sagen? Kann mir das jemand erklĂ€ren?

  7. @MT:
    Ich muss leider widersprechen. Auch Gottschalk galt ja als junger Rebell, der sich was traut. Und das hat er wohl verinnerlicht. Er bewegte sich dabei aber in einem Korridor, der im wesentlichen kongruent war mit dem, was man sich an Stammtischen und in Bierzelten erzĂ€hlte. An den RĂ€ndern ein wenig lockerer und ein paar Begriffe, die sonst eher hinter vorgehaltener Hand geĂ€ußert wurden. Das genĂŒgte zum massentauglichen „der traut sich was“.

    Ich musste in den 70igern auf ein anderes Gymnasium wechseln, weil ich auf die Aussage, dass die Freiheit des Einzeln da endet, wo die Freiheit eines anderen anfĂ€ngt, gefragt habe, warum Homosexuelle dann nicht heiraten dĂŒrften.
    Ich bin nicht homosexuell, war es nie, aber mir schien das damals mit 14 schon unlogisch.
    Das Resultat war die Empfehlung, mich in ein Erziehungsheim zu geben, Schulnote schlagartig im Keller und ein Besuch beim Kinderpsychologen.

  8. FrĂŒher (letzte Woche) durfte die Humboldt-Uni (ist alt und jedenfalls nach einem weißen Mann benannt, obwohl sie keine Geschlechtsorgane oder Haut hat) noch behaupten, die Meinung einer Mitarbeiterin von ihr sei mit ihren Werten nicht vereinbar. Offenbar werden die Grenzen des Sagbaren immer enger.

    @KK#6:
    Da das anscheinend alles RechtshÀnder sind, will der Stern wohl die Existenz von LinkshÀndern verunsichtbaren.
    Ernsthaft, nach der „tollen“ Aktion der Nationalmannschaft darf so etwas in D. einfach nicht mehr stattfinden. Dank Übermedien kommt man hoffentlich mit sozialen Druck statt staatlichen Verboten aus.

  9. @Mycroft:
    Die Vollbrecht Klamotte wieder. Kommt jetzt noch das imaginierte Canceln der österreichischen Ulknudel, dann haben wir den Tichy/Nius Fundus abgehakt.

    Es wurde der Uni untersagt, sich von der Aktivistin ( und dass sie eine ist, fĂŒhrte letztlich zur Ausladung ) in dieser Form zu distanzieren. Wer wurde denn da nun gecancelt, die Uni?

    Dass Sie sich wegen ihres Geschlechtes benachteiligt fĂŒhren ist ja nun keine Nachricht mehr, was also wollen Sie uns heute mitteilen?
    Dass Vollbrecht keinen rein biologischen Vortrag halten wollte, erkennt man ĂŒbrigens an dem Wort „Gender“ in dem Vortragstitel. Dass sie eine Aktivistin ist daran, wo sie ihren Vortrag sonst noch so untergebracht hat.

    Aber dass vor 50 Jahren mehr kontroverse BeitrÀge and den UniversitÀten möglich gewesen wÀren, glaube auch nur die ganz schmerzfreien Patienten.
    Da brauchte es nur die richtige ( weil falsche ) Themenauswahl. Wenn die Kandidaten es ĂŒberhaupt ĂŒber den Radikalenerlass hinaus geschafft haben.
    Und FÀlle wie heute die Entlassung von Frau Bahr Aslan, gab es damals nur seltener, weil Frauen, noch dazu migrantisch gelesene, gleich gar nicht eingestellt worden wÀren.

    Sie machen sich mal wieder nur lÀcherlich mit diesem Anti-woke Import aus USA.

  10. „Wer wurde denn da nun gecancelt, die Uni?“ Es gibt doch keine Cancel-Culture, und wenn versucht wird, jemanden doch zu canceln, profitiert die gecancelte (hier: juristische) Person durch die Publicity, also nein, niemand wurde gecancelt. Die Uni darf nur eben nicht mehr alles sagen, was sie will, selbst, wenn’s wahr wĂ€re.

    „Dass Sie sich wegen ihres Geschlechtes benachteiligt fĂŒhren ist ja nun keine Nachricht mehr,“ Ă„Ă€hh, nein, das war Sarkasmus. Ich habe nicht dasselbe Geschlecht wie eine Uni; jedwede Diskriminierung der Uni kann meine mutmaßliche Diskriminierung weder belegen noch widerlegen.

    „was also wollen Sie uns heute mitteilen?“ Einen Fall von „Aussage darf nicht mehr getroffen werden.“ als Antwort auf die Überschrift.

    „Aber dass vor 50 Jahren mehr kontroverse BeitrĂ€ge and den UniversitĂ€ten möglich gewesen wĂ€ren, glaube auch nur die ganz schmerzfreien Patienten.“
    Insofern haben Sie natĂŒrlich Recht; in den 70ern hatte die Uni halt noch bestimmt, was nicht gesagt werden durfte, heute ist das ein Gericht. Liegt bestimmt an den Unis.

    In den USA stellten sich Uni-Vertreter letztens sehr an, sich zum Thema „Mobbing und BelĂ€stigung“ zu Ă€ußern. Scheinbar durften sie nicht sagen, ob ein Aufruf zum Völkermord unter „Mobbing und BelĂ€stigung“ fĂ€llt.

  11. „Insofern haben Sie natĂŒrlich Recht; in den 70ern hatte die Uni halt noch bestimmt, was nicht gesagt werden durfte, heute ist das ein Gericht. Liegt bestimmt an den Unis.“
    Radikalenerlass, schon mal gehört ?!
    Im ĂŒbrigen ist grĂ¶ĂŸtenteils-, und besonders war „die Uni“ idR keine Abstraktum, sondern ein weisser alter Mann.
    Bestenfalls eine kleine Ansammlung davon.
    Warum es da seltener zu Kontroversen kam, will mir aber jetzt nicht einfallen. Es muss an den Gerichten liegen.

  12. „Radikalenerlass, schon mal gehört ?!“
    Achja, da war mal was. 1972.
    Wir sind von 1972 fast doppelt so weit entfernt wie 1972 von der Nazizeit.
    Aber gut, weil die 70er nicht die goldene Zeit der Redefreiheit waren, fĂŒr die so ungefĂ€hr niemand sie gehalten hat, ist es ja nicht so schlimm, wenn zur Abwechslung die alten weißen MĂ€nner in der Uni einen drĂŒber kriegen, denn dann ist es zumindest keine Verschlechterung.
    (Persönlich habe ich schon den Eindruck, dass deren Werte und die Meinung der Mitarbeiterin nicht so ganz kompatibel sind und die Uni insofern nicht ganz unrecht, aber da will ich nicht drauf beharren…)

  13. „Die goldene Zeit der Redefreiheit“ ist eine nur gefĂŒhlte RealitĂ€t derer, die jetzt mit Widerspruch nicht umgehen können, wĂŒrde ich behaupten.
    Die eigenen „Spezln“, heteronormativ geeicht bis zum Anschlag, alt-weiss-mĂ€nnlich in mindestens 9 von 10 FĂ€llen, ein paar Token noch zum Beweis, das jede(r) etwas schaffen kann ( Ă€hnlich realitĂ€tsnah wie jede andere TellerwĂ€schegeschichte auch ), als Gatekeeper installiert und schon leb(t)en wir im Paradies der Zotenfreiheit und des OpfertĂ€tschelns. Oder dem marketplace of ideas und setzt die Idee sich nicht durch, war sie einfach nur zu schwach ( im Hintergrund kreischt ein hysterisch grinsender Murdoch mit einem Döpfner an der Leine ).

    Wer in den 80igern und 90igern grenzenlose Redefreiheit erlebte, hatte einfach nur keine wirklich ausgefallenen Ideen.
    Wie war das mit dem Affen im Zoo? Er sieht seine Gitter nicht, denn sie waren schon immer da?

  14. Ich sage mal so:
    Diejenigen, die die 70er als „goldene Zeit der Redefreiheit“ in Erinnerung haben, dĂŒrften grĂ¶ĂŸtenteils tot oder in Rente sein.
    Diejenigen, die die 80er so in Erinnerung haben, vergessen irgendwie, dass in Teilen D.s erst Ende der 80er die Redefreiheit eingefĂŒhrt wurde.
    Die, die die 90er so in Erinnerung haben, vergessen, dass man ohne soziale Medien einerseits viel schlechter die Öffentlichkeit erreichte, aber andererseits auch schlecht Shitstormen kann. Leserbriefe an die Zeitung, anyone?

    Sind Sie wirklich sicher, dass der Stern „heute“ mit der Situation von vor 25-50 Jahren vergleicht?

  15. RÀtselhaft, dass dieser Topos so interessant ist und so ein Titel immer wieder verfÀngt.
    Ich vermisse von den Gazetten einen Überblick zu dem „Was man wieder sagen darf“.
    Gab’s sowas und ich habe es verpasst?

  16. So arbeiten wir uns nun die Jahrzehnte. Gehen wir es doch mal umgekehrt an: Die einzigen Redeverbote, die mir bekannt sind, sind die, die Unionsbefreier wie MĂ€rz oder Ploß zum Thema Gendern per Gesetz einfĂŒhren wollen, oder die es in Bayern nun tatsĂ€chlich gibt.

    Verbieten gegen putative Verbote, Deppenfutter vom feinsten.

  17. „So arbeiten wir uns nun die Jahrzehnte.“
    Ja, frĂŒher, da waren das noch richtige Rede- und Schreibverbote, das kennt die Jugend von heute gar nicht mehr, da mussten wir bei jedem Wetter durch den Schnee barfuß zur Schule stiefeln, wo man nur sagen durfte, was die Schule hören wollte, und die Jugend von heute soll sich mal nicht so anstellen und lieber die Klappe halten.

    Es gibt aber auch den umgekehrten Fall:
    Irgendeine Rektorin oder so in den USA musste zurĂŒcktreten, weil sie nicht gesagt hat, dass an ihrer Uni Aufruf zum Völkermord als „Mobbing und BelĂ€stigung“ gilt, _obwohl_ sie es durfte. USA halt, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

  18. „und die Jugend von heute soll sich mal nicht so anstellen und lieber die Klappe halten.“
    Sicher, es ist ganz besonders die „Jugend“, die sich heute in ihrer Meinungsfreiheit bedroht sieht.

    So junge und diverse Menschen wie Nuhr, Martenstein und Gottschalk z.B..
    Ziemlich armes Witzchens ĂŒbrigens. Wenn gegenwĂ€rtige Greise behaupten, es gĂ€be eine Zensur und die Meinungsfreiheit wĂŒrde HEUTE unterdrĂŒckt, wĂ€hrend man frĂŒher alles sagen durfte, dann bleibt nur die Analyse der Vergangenheit, um das zu widerlegen. Nennt sich Logik.
    Die Glorifizierung der Vergangenheit betreiben nun aber Sie, unisono mit diesen Herren, indem Sie von einem Shangri La der freien MeinungsĂ€ußerung fantasieren, nicht ich.

    Polizeigewalt, FrĂŒhsexualisierung … da sind nach dem Gendervebot schon die nĂ€chsten Redeverbote in der Pipeline.

    Aber das betrifft die SilberrĂŒcken ja nicht.

  19. „Sicher, es ist ganz besonders die „Jugend“, die sich heute in ihrer Meinungsfreiheit bedroht sieht.“
    Jugend ist relativ, Herr Gemein.
    1. Sie weisen Kritik an einem Problem zurĂŒck, von dem Sie selbst sagen, dass es existiert, mit der BegrĂŒndung, dass es nicht neu sei, wie behauptet.
    2. Sie erklĂ€ren weiterhin, dass das Problem frĂŒher eher schlimmer war.
    3. Sie belegen das anhand eines Beispieles von Anfang der 70er (Radikalenerlass).
    Kurz gesagt, Sie klingen wie mein Vater, nur dass der andersdenkende nicht als Affen bezeichnete.

  20. Ehrlich gesagt interessiert mich ihr Vaterproblem nicht im geringsten.

    1. Ich wies die Behauptung zurĂŒck, dass es um die Meinungsfreiheit HEUTE schlechter bestellt sei als FRÜHER.
    Mensch durfte bspw. seit WWII nie den Holocaust leugnen oder Volksverhetzung betreiben. Es steht also außer Frage, ob Meinungsfreiheit begrenzt ist.
    Sie ist es.
    2. Neben den gesetzlichen Regularien gab und gibt es einen sorgsam orchestrierten Kanon der von handverlesenen FĂŒhrungspersonen und Gatekeepern am Leben gehalten wird. Wenn eine migrantisch gelesene Dozentin einer Polizeiakademie beschreibt, dass sie Angst vor Rassismus bei der Polizei hat, dann ist sie raus. Da spielt es ĂŒberhaupt gar keine Rolle, wie berechtigt diese Angst ist.
    Kompletter Blödsinn dagegen ist dieses Rumgeopfer alternder Cis-Veteranen, wenn sie mit ihren Schenkel- klopfern und tatschern nicht mehr bei allen in der Pole-Position landen.
    Kennste wa, kennste?
    Oder wenn sie die Medienrevolution des digitalen Zeitalters einfach nicht kapieren können, wo jeder im Zweifel eine Stimme haben kann und es deshalb auch mal Kritik hagelt.

    3. Der Radikalenerlass war nur ein Beispiel von vielen.

    Ich entschuldige mich hier ĂŒbrigens ausdrĂŒcklich bei den Affen. Es war nicht meine Absicht, hier irgendwelche Vergleiche anzustellen.

  21. „1. Ich wies die Behauptung zurĂŒck, dass es um die Meinungsfreiheit HEUTE schlechter bestellt sei als FRÜHER.“
    Ja, DAS habe ich mitbekommen. Ist kein Argument, mit der heutigen Meinungsfreiheit zufrieden zu sein und deshalb keine Titelgeschichten darĂŒber zu schreiben.

    „2. Neben den gesetzlichen Regularien gab und gibt es einen sorgsam orchestrierten Kanon der von handverlesenen FĂŒhrungspersonen und Gatekeepern am Leben gehalten wird.“
    Achwas? Davon habe ich ja noch nie gehört. Gut, dass Übermedien das Thema thematisierte, ich wĂ€re ja sonst dumm gestorben. Also noch dĂŒmmer als so schon.

    „Kompletter Blödsinn dagegen ist dieses Rumgeopfer alternder Cis-Veteranen…“
    Was ist jetzt das Argument? Weil reichweitenstarke Menschen wie Gottschalk, Nuhr und Martenstein ein Problem (das angeblich mehr als die HĂ€lfte aller Deutschen hat) erst bemerken, wenn sie selbst davon, und eher minimal, „betroffen“ sind, soll der Stern nicht darĂŒber berichten? Oder, weil es zur Abwechslung mal die richtigen trifft? Oder der Stern „darf“ darĂŒber berichten, aber soll das „noch“ weglassen, ansonsten Freigabe?

    „3. Der Radikalenerlass war nur ein Beispiel von vielen.“ Das wĂ€re ein Argument, wenn sich der Stern auf die Situation von vor 50 Jahren bezöge. Wegen Medienrevolution halte ich das schon deshalb fĂŒr Kokolores, weil man damals schon ohne Gatekeeper weniger Möglichkeiten hatte, seine Meinung zu verbreiten. (Das mag jetzt zur gefĂŒhlten Meinungsunfreiheit beitragen – es gibt viel mehr Gates, die andere keepen können.)

  22. Ich finde ja die implizit durchscheinende Anforderung, ein Thema sollte nur mit noch nie da gewesenen illustrativen Ideen bebildert werden, etwas vermessen und schlecht umsetzbar.
    Was mir noch einfĂ€llt: „Volkskrankheit RĂŒcken“ (bebildert mit einer körperlich als schön gelesenen jĂŒngeren Frau, inklusive Abbildung des Hinterteils. Immer wieder gerne genommen in der Branche. Oder erinnert sich noch jemand daran, wie sowohl Focus als auch Spiegel das Salmonellenthema unabhĂ€ngig voneinander mit Eiern auf dem Titel illustrieren, die in einem Sarg anstelle eines Eierkartons lagen? Hach, das waren noch Skandale…

  23. @Mycroft in
    #8:
    „Offenbar werden die Grenzen des Sagbaren immer enger.“
    #21:
    Moi:
    „Ich wies die Behauptung zurĂŒck, dass es um die Meinungsfreiheit HEUTE schlechter bestellt sei als FRÜHER.“

    @Mycroft:
    „Ja, DAS habe ich mitbekommen.
    Ist kein Argument, mit der heutigen Meinungsfreiheit zufrieden zu sein und deshalb keine Titelgeschichten darĂŒber zu schreiben.“

    Sie mĂŒssen schon wissen, was Sie eigentlich sagen wollen. Oder Sie wollen mal wieder nur streiten, ohne Inhalt. Dann schade um die Zeit.

  24. Meine Aussage in #8 war ironisch gemeint, denn sicher zĂ€hlt „letzte Woche“ nicht unironisch als „frĂŒher“. Weiterhin korreliert der Verlust an Redefreiheit der Uni mit einem Gewinn an Redefreiheit der Mitarbeiterin, insofern wurden die Grenzen des Sagbaren in Wahrheit nicht enger, sondern verschoben sich bloß zugunsten der Mitarbeiterin. Ich bitte um Entschuldigung, dass ich keine Ironiesmilys verwendet hatte.
    Dass Sie nicht finden, dass es frĂŒher mehr Meinungsfreiheit gab, habe ich verstanden; ich halte es aber fĂŒr ein dĂŒnnes Argument gegen den Sterntitel, zumal Sie ja gleichzeitig sagen, dass die Meinungsfreiheit begrenzt sei.

  25. @Mycroft:
    Ach die Ironie mal wieder. Na dann.

    Klar kann der Stern so einen Titel machen. Das Resultat ist ja fĂŒr alle sichtbar in den Auslagen zu bewundern. Das wĂ€re dann der Themenbereich Kaiman im Baggersee, Leitkultur und Elvis im Supermarkt gesichtet.

Einen Kommentar schreiben

Mit dem Absenden stimmen Sie zu, dass Ihre Angaben gemäß unseren Datenschutzhinweisen gespeichert werden. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.