Neuer RTL-Investigativreporter

Der Mann, der jeden Quark rauskriegt, sogar den der Bundeskanzlerin

Vor einem Monat gab RTL in einer Pressemitteilung mit dem Titel „Info-Offensive“ stolz bekannt: „Felix Hutt verstärkt das Investigativ-Team bei RTL“. Der Sender setze zukünftig „noch mehr auf investigative Recherchen“. Vor seinem Wechsel zu RTL war Hutt zehn Jahre Reporter beim „Stern“, zuletzt schrieb er für den „Spiegel“.

Michael Wulf, Chefredakteur Primetime bei RTL News, kündigte an, dass Hutt „gemeinsam mit seinem Team bereits an spannenden Stories dran“ sei. Hutt erklärte: „Zusammen mit meinem Team bei RTL werden wir hochwertige und mutige Geschichten visuell erzählen.“

Am Donnerstagabend bewies er in einem mehrstündigen Spezial mit dem Titel „Angela Merkel – Ihr Weg, Ihre Geheimnisse & ihre Zukunft“ seinen Mut. Der Abend beruhte zu großen Teilen auf seinen Recherchen als Investigativreporter. Wir dokumentieren in einem Zusammenschnitt seine spektakulärsten Enthüllungen über das bislang unbekannte Leben der scheidenden Bundeskanzlerin: Seen, Treppen, Brote, alles.

 

Mitarbeit: Stefanie Menschner

22 Kommentare

  1. Pakte noch ne Wasserrutsche mit ins Bild und ich denke ich bin wieder Acht Jahre alt und schaue Galileo.
    „Investigativ“ Journalismus ist hier einfach ein glatter Euphemismus. Ich gehe jetzt meine Schlüssel suchen, so als Privatdetektiv.

  2. Ist doch eigentlich eine nette Strecke für RTL-Reisen – die schönsten Stationen aus Angela Merkels Leben im komfortablen Reisebus erleben, nur 299,-, Kaffee inklusive!

  3. Da denkt man immer so: „Konservative Politikerinnen, das sind die schlimmsten. Bestimmt führt die ein ganz wildes und verruchtes Privatleben.“
    Und dann erfahre ich: Nein.
    Ich fühle mich enttäuscht und auch ein Stück weit traurig.

  4. Was ich mich frage: Können Journalisten, die solche Formate produzieren, eigentlich noch gut schlafen? Hutt scheint das Handwerk ja mal gelernt zu haben, liefert aber nichts als Nichtigkeiten ab (zeitlich möglichst breit getreten, man will ja irgendwie Sendezeit füllen).

    Und „investigativ“ ist anscheinend, wenn man in der Gegend rumläuft und sich dabei filmen lässt, wie man auf etwas zeigt. Da es keine Einblendung gibt wie etwa „Felix Hutt wurde zu diesem Film gezwungen“ macht er so etwas bewusst. Wie aber vereinbart man dies mit den Grundsätzen, die man mal gelernt hat? Ich war jung und brauchte das Geld?

  5. oh gott! das ist journalismus?
    kommunikationstheoretisch würde ich hier schulz v. thun ausgraben: es ist auch selbstauskunft.

  6. „Investigativ“ – ein weiterer Begriff, dem mit solchen „Werken“ eine Umdeutung, eine Verwässerung droht (wie bei „Wahrheit“, „Ehrlichkeit“, „Integrität“). Ich frage mich, ob es bei RTL und Herrn Hutt Gleichgültigkeit, Dummheit oder Absicht ist … aber auch die Ehre eines Menschen ist derzeit offenbar schon für recht kleines Geld zu haben.

  7. Es ist so schaurig und peinlich. Ich will das nicht sehen. Und dennoch liegt Stefan Niggemeier richtig, dies zu kommentieren. – Ich verstehe ja, dass die Verdienstmöglichkeiten für Journalisten immer begrenzter werden, aber muss man/frau wirklich jeden Scheiß machen? Antwort: ich fürchte, ja!

  8. Jap, genau das Niveau, das ich von RTL (und auch Pro7) erwarte. Mit diesem Wissen mache ich mir weniger Sorgen, die „Nachrichten“-Formate der beiden Quatschsender könnten ernsthaft dem ÖR Paroli bieten. Ich frage mich nur, was die ARD-Journalisten da wollen…

    Mein Lieblingszitat des Zusammenschnitts ist übrigens: „Vielleicht trifft sie auch deshalb so gute Entscheidungen.“ (Irgendwo bei Minute 5:10).

  9. „Ich frage mich nur, was die ARD-Journalisten da wollen…“

    „Mr. Krabs, warum Sie die Krosse Krabbe 2 direkt neben der ersten gebaut?“

  10. #9 „Ich frage mich nur, was die ARD-Journalisten da wollen…“

    Im Zweifel etwas banales wie mehr Geld?

  11. #10 und #11: Geld, klar. Vielleicht ist meine Denkweise doch seltener als ich dachte… Jedenfalls muss ein Job für mich mehr sein als nur Geld aufs Konto zu spülen. Keine Frage, ein hohes Gehalt und im Zweifel ein höheres ist grundsätzlich erstmal begrüßenswert.
    Wenn ich aber dafür meinen seriösen Ruf zerstöre und nicht mehr die Arbeit in der Weise machen kann, wie meine eigenen Ansprüche es verlangen, dann ist das doch ein schlechter Deal.
    Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die ÖR-Nachrichtenfrontleute so mies verdient haben, dass sie es nötig haben, jedes höhere Gehaltsangebot anzunehmen.
    Vielleicht bin ich aber auch naiv und die werden nur irgendwo im Flur kurz angehauen, ob sie für Summe x wechseln wollen, und nach drei Minuten verhandeln wird der Vertrag unterschrieben.

  12. vlt sind wir mit unserer kritik auch auf dem holzweg. möglicherweise zieht herr hutt in betracht, dass die potenziellen konsumenten solcher shows ohnehin eher überschaubare ansprüche an unterhaltung und information haben und passt sich dem an? erste regel gelingender kommunikation: sprich die sprache der angesprochenen. in wort und bild.
    gibts hinweise zu den einschaltquoten?

  13. Chapeau für’s Durchkämpfen, Stefanie und Stefan! Das war sicher nicht leicht.
    Bei „Milram Quark“ musste ich abbrechen.

  14. #15: Das heißt zumindest, dass das Absenken von Niveau/Qualität nicht automatisch zu höheren Quoten führt. Diese Erkenntnis ist für mich tatsächlich ein wenig beruhigend.

    Aber dennoch gilt: Schrott zu produzieren und diesen mit billiger Werbung an den Mann bringen, ist leider oft effizienter – gemessen am finanziellen und zeitlichen Einsatz und dem daraus erwachsenen finanziellen Ertrag – als auf Qualität zu setzen. Kurz: Wenn die Quoten bzw. der Ertrag nicht stimmen, wird nicht die Qualität angehoben, sondern der Aufwand reduziert. Das Ergebnis lässt sich in Funk, Fernsehen und Verlagen gut besichtigen.

  15. Michael Wulf ist zweifellos der ideenloseste Chefredakteur Deutschlands. Und so ist auch alles was er anfasst. Traurig, wenn man bedenkt, welche Ressourcen RTL im Info-Bereich zur Verfügung hat. Aber so, wie er ganz InfoNetwork an die Wand gefahren hat, so fährt er jetzt auch das Investigativ-Ressort an die Wand.

  16. Oh weia. Habe es noch nicht einmal geschafft, den Zusammenschnitt zu Ende zu schauen. Das ist zum Fremdschämen hoch zehn.

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