Mit dem Beck-Verlag in die Steinzeit

Aus Freude am Rassismus

Fachzeitschriften sind für gewöhnlich öde für die breite Öffentlichkeit, und zumindest mit diesem Vorurteil räumt der Beitrag von Rüdiger Zuck in der NZA 2021, 166 auf. Die „Neue Zeitschrift für Arbeitsrecht“ erscheint im renommierten Beck-Verlag; zu ihren Herausgebern gehören hohe Beamte wie die Leiterin der Abteilung für Arbeitsrecht im Bundesarbeitsministerium und die Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts. In der Schriftleitung sitzt unter anderem Jochen Wallisch, Executive Vice President Human Ressources bei Siemens.

Prof. Dr. Rüdiger Zuck, der Autor des Beitrags, um den es hier geht, war Anwalt in Stuttgart. Er ist auf Medizinrecht spezialisiert und hat vom Deutschen Anwaltverein einmal die Hans-Dahs-Plakette verliehen bekommen. Zuck ist arriviert. Und irgendwie hat ihn der „Ugah Ugah“-Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom November 2020 dermaßen gewurmt, dass er darüber einen Aufsatz schrieb.

Und die NZA hat ihn abgedruckt.

In seinem Text wirft Zuck mit rassistischen Ausdrücken um sich, als wäre es braunes Konfetti, spricht von „Farbigen“, die ihre weißen Frauen nach Bananen fragen, und behauptet, dass „wir“ uns an Körpermerkmalen wie „wulstigen Lippen bei Afrikanern oder die den Chinesen zugeordneten Schlitzaugen“ stören würden.

Und nicht einmal seine rechtlichen Argumente haben Hand und Fuß. Zuck argumentiert mit der Präzision einer beschwipsten Seekuh, warum es keineswegs rassistisch sei, „Ugah Ugah“ zu einem Schwarzen zu sagen. Die Redaktion im Beck-Verlag zuckt mit den Achseln und druckt den ganzen Bumms ab. (Nachtrag: Inzwischen hat sich der Verlag entschuldigt, siehe unten.)

Warum?

„Ugah Ugah“ ist gar nicht rassistisch

Dies ist der Ausgangsfall: Im Betriebsrat eines Unternehmens gab es Streit. Es fielen die Worte „Ugah Ugah“ gegenüber einem schwarzen Mitarbeiter, der mit „Stricher“ retournierte. Die Arbeitsgerichte erkannten in „Ugah Ugah“ eine rassistische Diskriminierung und billigten den Rauswurf des Herrn, der sich so geäußert hatte. Der scheiterte auch mit einer Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe; die 3. Kammer des Ersten Senats nahm sie gar nicht erst zur Entscheidung an. Es ist ja eigentlich auch nicht so schwierig.

Ist doch schwierig, meint Zuck, denn „Ugah Ugah“ sei gar nicht rassistisch. Zuck meint, das Bundesverfassungsgericht habe es an korrekter Sinnermittlung fehlen lassen.

Worte sind immer im Kontext zu lesen. Wir erinnern uns daran, dass auch die Bezeichnung Alice Weidels als „Nazischlampe“ legal sein kann, wenn es denn in einem ganz konkreten satirischen Kontext geschieht.

Zuck kritisiert nun, dass Karlsruhe den Laut „Ugah Ugah“ als „Affenlaut“ bezeichnet. Das sei falsch, denn es sei ein Ausdruck aus einem Kinderspiel und werde dort auf Steinzeitmenschen gemünzt – und das ändere nun wirklich alles! Der Grund, warum diese Kränkung mit Rassismus nichts zu tun habe, liege darin, dass sie „keiner Rasse zugeordnet“ waren.

Zuck:

„Mit Affenlauten hatte das überhaupt nichts zu tun. Mit den – aus heutiger Sicht – primitiven Kommunikationsformen der Steinzeit verglichen zu werden, stellt zwar sicher eine Kränkung dar. Welches Gewicht sie im gegebenen Zusammenhang hatten, muss zunächst auf der bloßen Basis der Wortwahl offenbleiben. Sicher ist nur, dass sie nichts mit Rassismus zu tun hatten.“

Zuck verdeutlicht seine Ansichten an einem Beispiel. Ihm gelingt das vermutlich etwas besser, als er beabsichtigte:

„Wenn der mit einer weißen Frau verheiratete Farbige beim Frühstück für seinen Obstsalat nach weiteren Bananen ruft, und die Ehefrau darauf „Ugah Ugah“ sagt, dann ist das eben in diesem Zusammenhang nicht mehr als harmloser Spott.”

Zuck will damit sagen, dass „Ugah Ugah“ nicht herabsetzend sein muss, weil er es nicht in jeder Situation so empfindet. Zuck bemüht die WDR-„Letzte Instanz“-Variante eines Arguments. Er spricht von „Farbiger“, was eine Fremdbezeichnung für Schwarze ist, die diese selbst ablehnen. Das weiß noch immer nicht jeder Weißer in Deutschland, und es ist sehr vielen auch scheißegal. Viel gruseliger als die Vokabel ist jedoch, dass Zuck nun ausgerechnet ein Bananenbeispiel formuliert, vorher aber gerade doch argumentiert hatte, dass „Ugah, ugah“ ja gar kein Affenlaut sei. Aber warum denn dann Bananen? Und warum ist der Mann in dem Beispiel schwarz?

Es ist letztlich nichts anderes als ein rassistisches Stereotyp, dass Zuck da – hoppla! – in den Aufsatz geschliddert ist: der Bananen-hungrige Schwarze. Dieses Stereotyp ist bekannt, so beschrieb etwa Samir Omar in „Belltower News“:

„Die semantische Brücke Banane-Affe-schwarzer Mensch ist ein Relikt dieser Animalisierung und Kategorisierung. Sie wurde in unzähligen Filmen, Cartoons, Büchern und Witzen reproduziert. Und sie sitzt tief. Kaum ein weißer Mensch hat sich beim Essen einer Banane in Gedanken schon einmal mit der Sichtweise seiner Mitmenschen auf ihn befasst. Ich schon! Ich setzte das mir aufgezwungene rassistische Denkmuster fort, indem ich mich beim Essen einer Banane in der Öffentlichkeit frage, ob ich gerade rassistische Denkmuster reproduziere.“

Das wissen auch viele weiße Deutsche nicht, ist aber ebenfalls vielen weißen Deutschen scheißegal.

Die verdammte „political correctness“ wieder

Zurück in die NZA: Zwar könne „Ugah Ugah“ gegenüber people of colour rassistisch sein, meint Zuck, aber es müsse schon ein Affenlaut gemeint sein. Im Kontext sei das aber ganz anders zu verstehen, unter anderem, weil der Umgangston im Betriebsrat sehr rau gewesen sei („du Arschloch“ sagte man dort wohl zueinander).

Das ist freilich kompletter Unsinn. Es ist rassistisch, wenn man Menschen wegen ihrer Hautfarbe als steinzeitlich (und damit zurückgeblieben) bezeichnet. Dafür braucht es keinerlei Jura-Karate und auch keine Tiervergleiche. Wem sich das nicht von allein erschließt, der kann es nachlesen: Rückständigkeit und Kindlichkeit ist ein übliches, kolonialistisch geprägtes rassistisches Vorurteil gegenüber Schwarzen.

Aber so denkt der Autor Zuck ja nicht, oder, siehe oben, es ist ihm scheißegal. Für ihn beginnt Rassismus dort, wo man einen Menschen unter eine Tierart subsumiert – wo auch immer er diese Idee herhat.

Zuck lässt keine Zweifel aufkommen, was hier wirklich im Gange ist: Die verdammte political correctness hat wieder zugeschlagen! Sie nimmt uns Weißen das Recht weg, Schwarze mit Steinzeitlauten zu verspotten! Zuck deckt auf: „Hätte das BVerfG die Entscheidung des LAG Köln aufgehoben, hätte es angesichts der aufgeheizten Rassismus-Debatte einen Aufschrei gegeben.“ Der Jurist unterstellt damit leichter Hand, dass Karlsruhe seine Entscheidungen nach öffentlicher Stimmungslage ausrichtet. Eigentlich, auf Grundlage des Rechts nämlich, hätten die Richter seiner Ansicht nach etwas anderes entschieden, aber, ach: „Die jetzt vom BVerfG getroffene billigende Entscheidung liegt dagegen näher am Mainstream.“

Bei so felsenfester juristischer Aufrichtigkeit möchte man geradezu die Hacken zusammenknallen, ahnt aber auch, dass der so erzeugte Klang womöglich auf Wohlgefallen stoßen würde. Nichts gegen handfeste Kritik am Bundesverfassungsgericht: Wissenschaft muss alles hinterfragen. Aber Zuck pflanzt Verschwörungstheorien mitten ins vermeintlich Edelste der juristischen Fachwelt: eine Beck-Fachzeitschrift.

Störende Körpermerkmale wie Wulstlippen

Und um jedes Missverständnis auszuräumen, worum es ihm wirklich geht, macht Zuck es in seinem Fazit sonnenradklar: Er springt mal kurz zur Debatte um den Rasse-Begriff im Grundgesetz, auch wenn sie fachlich gar nichts mit der Grundfrage zu tun hat. Es geht eben einmal ganz grundsätzlich um Rasse und das „Andersartige“:

„Aber Rasse hin oder her, das Andersartige wird uns erhalten bleiben, und nicht nur bei fremden Kulturen und unterschiedlichen Religionen. Wir stören uns weiterhin an anderen Körpermerkmalen wie etwa an wulstigen Lippen bei Afrikanern oder die den Chinesen zugeordneten Schlitzaugen.“

Und dann, als guten Abschluss, zitiert der Autor in Fußnote 30 lustvoll den Struwwelpeter (mit „Mohr“ natürlich!) und, darauf haben alle nur gewartet, doch noch schnell das N-Wort – einfach aus Freude daran:

„Es wird auch lange dauern, bis wir alle unsere Kinderbücher von N***** gereinigt haben.“

[Unkenntlichmachung von uns]

Ganz kurz, Zuck und Beck-Verlag: „Wir“?! Wer ist „wir“?! Wir, die Redaktion der NZA? Wir, der Beck-Verlag? Wir Weiße etwa? Wir Deutsche? Wer, verdammt noch eins, Zuck, ist „wir“?

Man könnte dieses Traktat jetzt abtun. Als Produkt eines berüchtigterweise erzkonservativen Verlags. Der Beck-Verlag will schließlich seit Jahren nicht den „Palandt“ umbenennen, ein Standardwerk für Studierende, die deshalb damit klar kommen müssen, hundertmal am Tag den Namen eines NS-Juristen zu rufen.

Man könnte es auch als Petitesse der konservativen juristischen Fachwelt abtun. Als vor einigen Jahren der frühere Präsident der Bundesrechtsanwaltskammer auf einer öffentlichen Festivität kurz nach dem Essen (also nicht etwa spät nachts volltrunken an der Bar) einen Witz erzählte, in dem der US-Präsident Barack Obama von zwei Texanern als „Ni****“ bezeichnet wird, interessierte das von den Anwesenden praktisch niemanden. Und als ich in der F.A.Z. nach langem Ringen über diese Tatsache berichtete, musste ich mir von einzelnen Kollegen Kritik anhören. Als sei ich eine Art Nestbeschmutzer – und überdies sehr leichtsinnig, veranstaltet die Kammer doch diese leckeren Buffets, äh, rechtspolitischen Jahresempfänge.

Das geht so einfach nicht weiter. Deutschland scheint in der Debatte um Rassismus irgendwo in den frühen Siebzigern kleben geblieben zu sein – oder vielmehr: weite Teile der (oberen) Gesellschaft möchten sich dort festkrallen. Sie möchten das N-Wort und das Z-Wort sagen und in rassistischen Vorurteilen baden wie Kleopatra in KokosEselsmilch. Es ist aber schlicht nicht hinnehmbar, wenn Menschen mit anderer Hautfarbe sich gefühlt jede Woche an Rassismus und Ignoranz abarbeiten müssen, als würde in Flugzeugen noch geraucht und zu Hause die Frau mit dem Gürtel verprügelt.

Dinge nicht mehr weglächeln

Anstand bedeutet nicht, dass man woke sein muss. Niemand muss sich Personalpronomen in die Biografie kleben oder Gendergaps nachstottern. Man kann dafür plädieren, Kinderbücher unangetastet zu lassen und den Begriff „Rasse“ im Grundgesetz zu belassen (ich bin in beiden Fällen übrigens genau dieser Auffassung). Aber es muss doch möglich sein, ein Minimum an Anstand und Empathie zusammenzufegen. Es muss möglich sein, Textangebote älterer Herren über ihre eigenwilligen und sehr, sehr weißen Ideen über Rassismus ruhig, aber bestimmt abzulehnen.

Es wäre auch für den Beck-Verlag an der Zeit, in den Zwanziger Jahren anzukommen. Und ich meine dieses Jahrhundert.

Doch diese Hoffnung wird genau das bleiben: Eine simple Hoffnung, wenn Juristinnen und Juristen diese Dinge weglächeln, hinnehmen und akzeptieren, weil es der große, renommierte Beck-Verlag ist, bei dem man womöglich noch einen Text unterbringen will – weil: Sieht geil aus im Publikationsverzeichnis! – oder weil der Verlag am Deutschen Anwaltstag immer so ein leckeres Abendessen für seine (meines Wissens weißen) Autoren und ausgewählte (fast durchweg weiße) Journalisten schmeißt.

Dieser Zuck-Text und die redaktionelle Entscheidung, ihn zu drucken, ist eine Schande für den Verlag und das Juristenmilieu. Juristen sollten sich fragen: Will man in diesem Zusammenhang eigentlich wirklich noch auftauchen? Andere Verlage haben schließlich auch schöne Zeitschriften.

 

Nachtrag, 15:25 Uhr. Der Beck-Verlag entschuldigt sich für die Veröffentlichung:

(…) Rückblickend ist (…) klar, dass der Kommentar mit den redaktionellen Grundsätzen der NZA und unseren eigenen Ansprüchen nicht vereinbar ist. Die Redaktion distanziert sich ausdrücklich von dem Kommentar. Der Beitrag hätte nicht erscheinen dürfen. Wir entschuldigen uns in aller Form.

47 Kommentare

  1. Ugah, ugah mag sich ja in best. Kotexten auf Steinzeitmenschen beziehen, aber doch in einer animalisierenden Weise (Steinzeitmenschen = Halbmenschen, die gerade erst beginnen, lautlich zu kommunizieren und zwar so primitiv, dass sie den Affen noch immer mehr ähneln als sprechenden Menschen). Und die Verwendung auf Schwarze beinhaltet damit beides: sowohl Bezug auf einen angebl. primitiven steinzeitlichen Entwicklungsstand wie auf die vermeintl. Nähe des Schwarzen zum Affen. Beides hängt zusammen (soll im Kopf des Rassisten zusammenhängen) und schließt sich nicht aus – und gerade dieser konstruierte Zusammenhang ist rassistisch. (Linguistisch ist es zudem falsch: Je „primitiver“ die menschl. Kultur, je komplexer ist zumeist der Sprachbau.)

    Nebenbei: Ich empfinde Schreibweisen wie „N-Wort“ oder „Ni*****“ absurd. Wenn von einem Wort geredet werden muss, sollte man es auch erwähnen, damit das Gegenüber weiß, welches gemeint ist. Jeder *liest* es ohnehin, der Effekt beim Lesen ist kein anderer., das notwendige Dechiffrieren verstärkt es eher. Die (ziemlich steinzeitliche) Idee der Sprachmacht tabuisierter Wörter ist indes Humbug. Beständig von „A-Z-Wörtern“ zu reden, oftmals exzessiv und völlig ohne jede Zurückhaltung (weil es sei so ja „erlaubt“), reproduziert diese Wörter weit stärker als wenn man seine Sprache so wählen würde, nur zu den sehr seltenen Anlässen, an denen es notwendig ist, das Wort einfach einmal auszuschreiben, was dann viel seltener geschehe (außer bei Rassisten, die es ohnehin verwenden). Irgendwann galt die Überwindung von Tabus als zivilisatorisches Ziel, jetzt umgekehrt die Schaffung neuer?

  2. Bevor die Spannung unerträglich wird, liefere ich den zu erwartenden Standardkommentar bei diesen Gelegenheiten gleich selbst:
    Man-kann-sich-nicht-selbst-entschuldigen!
    Nachdem das erledigt ist, geht´s mir gleich besser.

  3. #2 : genau! Was dieser formelhaften „Entschuldigung“ natürlich auch fehlt, sind Adressaten: Der Beck-Verlag müsste diejenigen, die durch Rassismus beleidigt wurden, um Entschuldigung bitten.

  4. Das N-Wort sagt nicht ohne stolz und diabolische Befriedigung:
    Ihr habt versucht mich in dem Text unkenntlich zu machen und zu canceln aber gerade dadurch habt mich erst recht hervorgehoben, ich steche für jedermann sichtbar aus dem Text heraus und alle sprechen mich gedanklich aus, die das lesen.
    Danke Herr Wieduwilt und Übermedien.

  5. > Anstand bedeutet nicht, dass man woke sein muss. Niemand muss sich Personalpronomen in die Biografie kleben oder Gendergaps nachstottern.

    War das jetzt an dieser Stelle wirklich nötig? Überhaupt, dass Gendergaps kein „stottern“ sein müssen, wurde doch in Übermedien schon differenzierter besprochen: https://uebermedien.de/55504/eine-kleine-pause-die-einige-leute-aufregt/

    Tippfehler am Rande: Jura-Studierende rufen mutmaßlich den Namen eines, nicht „einer NS-Juristen“.
    Danke! Ist korrigiert. -jk

  6. Sorry, ich kann doch nicht anders. Wie Frank Reichelt und Lars schon schrieben: Mit der Schwärzung im Foto und den Sternchen und dem Hinweis „Unkenntlichmachung von uns“ brüllt Ihr in die Welt: „Hier steht ein Elefant im Raum! Bitte ignorieren Sie unbedingt den Elefanten im Raum! Er ist da, aber wenn Sie zugeben, ihn zu sehen, könnten Leute beleidigt sein!“

    Es ist wie bei Zweijährigen, die meinen, man sähe sie nicht mehr, wenn sie sich die Augen zuhalten. Mir ein völliges Rätsel, wie intelligente Erwachsene über Jahre auf einem solchen Dogma beharren können.

    Und zum hundertsten Mal verweise ich auf Ijoma Mangold, der als Stimme der Vernunft einen Text über die Debatte verfasst hat, in dem er die Verwendung des verbotenen Wortes ablehnt, es in diesem Zuge aber mehrfach ausschreibt – weil er als Sprachkritiker argumentiert, nicht als Sprachmagier. Und weil er weiß, dass Rezipienten von Sprache Menschen sind, die Kontexte einordnen können; keine Reiz-Reaktions-Maschinen, bei denen bloße Buchstabenfolgen psychische Zustände auslösen würden.

  7. Nochmal Nachtrag: „Unkenntlichmachung“? Im Ernst? Welches Verständnis von Sprache und Lesen steckt denn hinter dieser Annahme? Beim welchem Rezipienten dieses Textes, bitte, würden sich die fünf Sternchen hinter dem „N“ im Kopf nicht vollautomatisch ergänzen zu exakt dem Wort, dass es unkenntlich mache? Wer, bitte, wäre durch die Sternchen nicht beleidigt, wenn er durch die eigentlichen Buchstaben beleidigt wäre?

    Dass dieser bis zum Geht-nicht-mehr wiederholte Unsinn zu einer Art Messlatte antirassistischer Praxis geworden ist, stürzt mich ernsthaft in Verzweiflung – wer nicht mitmacht, gilt als Rassist; wer mitmachen will, muss dauernd seinen Verstand verleugnen.

  8. @Lars, Kritischer Kritiker

    Es ist scheißegal, ob Sie das Wort ausdenken oder nicht. Es interessiert auch niemanden, ob Sie das für falsch halten, dass andere das N-Wort nicht ausschreiben. Sie sind zur Abwechslung einfach mal nicht angesprochen, die Welt dreht sich mal NICHT um Sie. Schwarze Menschen sehen das ausgeschriebene Wort als Beleidigung und es reproduziert rassistische Vorurteile. Die Formulierung „N-Wort“ spricht das Trauma nicht genauso an wie das ausgeschriebene Wort, und dazu trägt Ihre Auffassung ganz genau 0 bei, weil Sie nicht betroffen sind.

    Ist ja schön für Herrn Mangold, dass er das nicht schlimm findet. Andere finden das schlimm, z.B. hier: https://verfassungsblog.de/wieso-das-n-wort-nie-die-richtige-bezeichnung-fuer-schwarze-menschen-ist/

    Die Aussage, dass Begriffe keine psychischen Zustände auslösen können ist falsch, schon allein weil die Wissenschaft keine solchen Absolutaussagen machen kann.

  9. Langer Beitrag über einen rassistischen Artikel in einer renommierten Fachzeitschrift und die Frage, warum so etwas immer noch durchgeht in Redaktionen.

    Die meisten Kommentatoren regen sich auf, dass der Beitragsautor einen rassistischen Begriff nicht ausschreiben will.

  10. @erwinzk:

    Nein. Es geht hier nicht um mich. Wie kommen Sie darauf? Sie haben das, worum es mir geht, anscheinend nicht verstanden. Sie verwischen den Unterschied zwischen dem Wort an sich und dem Wort als Bezeichnung für jemanden. Diese Verwischung ist es im Kern, die den Unfug begründen soll – gepaart mit einem undialektischen Konstruktivismus, der behauptet, Sprache schaffe (einseitig) Wirklichkeit.

    Ihr ad hominem – es gehe mir darum, qua Hautfarbe im Mittelpunkt zu stehen – geht soweit an meiner Motivation vorbei, dass ich entweder ewig drauf antworten könnte oder es ganz bleiben lasse. Ich lasse es bleiben. Nur soviel: Ich habe niemals in meinem Leben jemanden als „N“ bezeichnet, weil ich gar nicht auf die Idee kommen würde, das zu tun.

    Merken Sie eigentlich, dass dieser ganze Diskurs Schwarze zu traumatisierten Reiz-Reaktions-Maschinen herabsetzt? Zu Leuten mit geringer Lesekompetenz? Dass es ihnen den Subjektstatus, den es eigentlich zu erkämpfen gilt, abspricht? Dass es sie zu Leuten erklärt, die auf dem Feld der Argumente unterlegen seien und deshalb eines sprachlichen Schutzpanzers bedürften?

    Das Ganze stammt ja aus einer identitäts- und sprachpolitischen Wende schwarzer Organisationen in den USA. Martin Luther King z.B. war dieses Denken noch völlig fremd. Und die „Black is beautiful“- bzw. „Black Power“-Aktivisten habe sich die damals eigentlich beleidigende Bezeichnung „black“ derart erfolgreich zu eigen gemacht, dass sich der Begriffsumfang von „colored“ und „black“ förmlich umgedreht hat.

    Diese Leute haben mit Sicherheit heftigste Erfahrungen mit Rassismus gemacht, aber sie sind damit ganz anders umgegangen. „Schwarz“ eine Beleidigung? Quatsch, eine Auszeichnung! Das war ziemlich unverträglich für weiße Vereinnahmung, weil es keine Opfer-Identität anbot (ähnlich wie die „Krüppel-Bewegung“ seitens von Behinderten). Anders heute, wo sich Weiße durch die simple Einhaltung von Sprachregelungen woke fühlen können (analog dazu: „Menschen mit Behinderungen.“ Hauptsache man findet ein harmloses Wort).

    Und was die psychischen Zustände betrifft: Ein herablassendes „Mitbürger dunkler Hautfarbe“ in der offizösen Rede eines Bürgermeisters kann viel verletzender sein als ein „N-Wort“-„W-Brot“-Gebashe von Jugendlichen in der Umkleide vor einem Basketballspiel – sofern sich N und W in einem gegenseitigen Anerkennungsverhältnis befinden (sprich: Freunde sind).

    Denn um Anerkennung geht es. Nicht um das generöse Zugeständnis, ein Wort zum Tabu zu erklären.

  11. Man kann seine Ablehnung des Ausprechens von Gerndergaps auch ausdrücken, ohne das in die Nähe des Stotterns zu rücken. Zumindest, wenn man für sich „ein Minimum an Anstand und Empathie“ in Anspruch nimmt. Und was „Personalpronomen in die Biografie kleben“ heißen soll – keine Ahnung, bin mir nicht mal sicher, ob ich das überhaupt wissen will…

    @Sprachmagiekritiker: „N-Wort“ ist ein ziemlich gelungener Kompromiss zwischen notwendigem Zitat und der Weigerung, dieses Wort zu reproduzieren und zu normalisieren. That’s all. (Und ich frage mich allmählich, ob es nicht eher sprachmagisches Denken ist, dieser Konstruktion solch elefantöse Wirkung zuzuschreiben…)

  12. Danke für das Nichtausschreiben rassistischer Ausdrücke. Vollkommen richtig so, diesen Mist muss man wirklich nicht reproduzieren.

  13. #2,#4
    Na immerhin haben sie nicht diese bescheuerte Formulierung mit „verletzt“ usw, die die Opfer zum schuldigen Mißversteher umdeklarieren, sondern gestehen den Fehler bei sich ein. Aber ja, der letzte Satz ginge besser.

    Ich kann den Autor HW wirklich verstehen, dass so viele Kraftausdrücke im Text vorkommen. Traurig, dass ein solcher Text von Zuck menschengemacht und von Menschen akzeptiert worden sein kann. Es wird ja so oft der Bildungsverfall beklagt. Zuck beweist: Die Humanistische Bildung war früher offenbar auch nicht das Gelbe vom Ei.

  14. (Und ich frage mich allmählich, ob es nicht eher sprachmagisches Denken ist, dieser Konstruktion solch elefantöse Wirkung zuzuschreiben…)

    Danke.
    Einerseits immer und immer wieder geifern, dass das so doch quatsch sei und Sprachmagie bedeute, andererseits eben immer wieder wie magisch dazu gezwungen sein, doch den immer gleichen Mist über Sprachmagie aufzuschreiben.
    Sogar, obwohl erst geschrieben wurde, dass man es sich sparen kann und dann noch mit einem Nachtrag. Da scheinen Leute besessen zu sein.
    Die Magie scheint also zu wirken.

    Btw., nur Anekdotisch, aber immerhin: in meinem Umfeld hat die Verwendung von „N-Wort“ sehr stark zur Sensibilisierung beigetragen.

    Unsere kritischen Kritiker werden dennoch immer weiter unkritisch dagegen lästern.

  15. @erwinzksagt:
    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Volle Zustimmung.

    @Mr Resagt:
    „Die meisten Kommentatoren regen sich auf, dass der Beitragsautor einen rassistischen Begriff nicht ausschreiben will.“

    Absurd und anstrengend. Es gibt für mich keinen Grund mir zu wünschen, das rassistische Begriffe ausgeschrieben werden sollten.

    @Kritischer Kritikersagt:

    „Merken Sie eigentlich, dass dieser ganze Diskurs Schwarze zu traumatisierten Reiz-Reaktions-Maschinen herabsetzt? Zu Leuten mit geringer Lesekompetenz? “

    Nein, das tun Sie gerade und es ist widerlich. Guten Tag.

  16. Sprachmagie oder nicht, angenommen in dem Beispiel mit dem Ehepaar und der Banane würde der Mann sich nach der Aktion scheiden lassen – offensichtlich ist das Beispiel fürs Arbeitsrecht völlig egal.

    Und ob mit Uga-Uga Affen oder Neanderthaler gemeint sind, ist dann doch fast egal. In der Altsteinzeit gab’s noch keine Bananen, aber das ist ein Wissen, was ich den meisten, die solche Witze machen, nicht unbedingt zutraue.

  17. Ich begreife einfach nicht, wie eine derartige Fehlerkette passieren konnte. Ein „arrivierter“ Jurist schreibt einen Kommentar, von dem er wissen MUSS, dass er sich damit komplett ins Abseits schießt.
    Dann ein „renommierter“ Verlag, bei dem Mitarbeiter den Kommentar doch mehrfach gelesen haben müssen. Es muss dort doch ein Lektorat geben. Es muss doch Leute geben, die entscheiden, was in die Zeitschrift darf und was nicht. Und jeder von denen hätte erkennen MÜSSEN, dass dieser Text weit jenseits des Akzeptablen liegt, und dass selbst eine AfD-Zeitung so einen Dreck nicht veröffentlicht hätte, aus Angst vor den Folgen zumindest. Man hat doch auch eine Verantwortung gegenüber dem Autor, den man vor dieser Dummheit hätte bewahren müssen, indem man den Abdruck ablehnt. Faszinierend.

    Und an fast alle bisherigen Kommentatoren: Nicht nur, dass die N-Wort-Diskussion hier schon oft genug in den Kommentarspalten zelebriert wurde und nun wirklich alle Argumente zig Mal durchgekaut wurden. Aber wie Ihr hier miteinander umgeht, das ist schon erschütternd.

  18. Ich weiß, es ist nur eine Randnotiz im gesamten Text, aber das passt nicht zusammen: Den Laut überzeugend als rassistisch zu markieren und gleichzeitig der Meinung zu sein, „Kinderbücher unangetastet zu lassen“. Geht es nicht in beiden Fällen darum, dass die Bezeichneten durch historisch belastete Begriffe gekränkt und herabgewertet werden?
    Zur Frage des Umgangs mit derartigen Begriffen in Kinderbüchern empfehle ich, den großartigen Anatol Stefanowitsch zu konsultieren (z.B. dessen „Eine Frage der Moral“).

  19. Der “große, renommierte Beck-Verlag” ist doch der Verlag, dessen Bestseller immer noch nach führenden Nazi-Juristen benannt sind…

  20. Irgendwas stimmt seit dem neuen Layout mit den Nummern der Kommentare nicht. Unter dem Artikel werden 23 (jetzt wahrscheinlich 24) angezeigt. Scrolle ich runter, sind es nur 20 (jetzt wahrscheinlich 21). Das nervt ein wenig!

  21. Das liegt wahrscheinlich u.a. an meinem langen, eloquenten, inklusivem, nicht freigeschaltetem Kommentar.

  22. Warum werden Kinderbücher überhaupt so prominent erwähnt, wenn es darum gehen soll, Begriffe, die von ( ich sage mal „den meisten“, ohne das belegen zu können ) Betroffenen als verletzend empfunden werden, angeblich als Nothilfe gegen Angriffe der deutschen Sprache, zu verteidigen?
    Na, weil es Kinder sind. Tiere funktionieren bei Dingen mit Sprache halt nicht, sonst wären es Katzen oder Welpen.
    Kindern ist das sowas von Latte, ob es ein Südseekönig ist oder wie ein Schokokuss früher mal hiess. Es verhindert weder eine gesunde Sprachentwicklung, noch vermisst irgendein Kind irgend etwas.

    Und zum Millionsten Male: Lernt endlich den Unterschied zwischen Empowerment und Appropriation.
    Ich kann das N-Wort niemals so benutzen, wie ein schwarzer Rapper.
    Es geht auch nicht darum, was in meinem Kopf beim Lesen abgeht, sondern ob Betroffene das Gefühl haben, ernst genommen zu werden.
    Dieser Ego-Trip muss mal aufhören.

  23. Martin Luther King z.B. war dieses Denken noch völlig fremd. Und die „Black is beautiful“- bzw. „Black Power“-Aktivisten habe sich die damals eigentlich beleidigende Bezeichnung „black“ derart erfolgreich zu eigen gemacht, dass sich der Begriffsumfang von „colored“ und „black“ förmlich umgedreht hat.

    Say It Loud, I’m Black & I’m Proud-James Brown

  24. „Warum werden Kinderbücher überhaupt so prominent erwähnt, …? Na, weil es Kinder sind.“
    Das mag sein, aber das Argument geht in beide Richtungen. Die Einen fühlen sich angegriffen, weil man ihnen mehr oder weniger verklausuliert sagt: „Ihr seid rassistisch, weil ihr als Kind dasunddas vorgelesen bekommen habt.“, die anderen fühlen sich besonders angegriffen, weil beleidigende Wörter in Kinderbüchern vorkommen. Schimpfwörter in Werken für „ab 16“ werden meistens deutlich lockerer gesehen.

    Ist hier beides aber ein Nebenschauplatz, weil eine Fachzeitschrift eher nicht von Kindern gelesen wird. Persönlich glaube ich, dass die Praxis, anstößige Wörter zu ver***en, irgendwann an ihre Grenze stoßen wird, weil es im Dt. leider Gottes mehr Beleidigungen gibt als Buchstaben.

  25. „Das liegt wahrscheinlich u.a. an meinem langen, eloquenten, inklusivem, nicht freigeschaltetem Kommentar.“

    Und an meinen kurzen, nicht eloquenten, weder in- noch exklusivem, ebenfalls nicht freigeschaltetem Kommentar.

    Zurzeit steht es 29:25.
    Man kann davon ausgehen, das der Dividend nach dem Senden inkrementiert wird. Mal sehen, was mit dem Divisor passiert.

  26. @MYCROFT:
    DIe „Kinderbücher“ treten ( mit Ihren 2 Erwähnungen ) nun insgesamt 8 mal auf dieser Seite in Erscheinung. Auch im Text schon, auch in dem Text, der besprochen wurde.
    Und nein, es geht nie um Kinderschutz, es geht auch nicht um Schimpfworte im Allgemeinen. Das ist dann tatsächlich eine Ablenkung.

  27. @#29:
    „Auch im Text schon, auch in dem Text, der besprochen wurde.“
    Ja, bestreite ich auch nicht.

    „Und nein, es geht nie um Kinderschutz.“
    Den Leuten, die Langstrumpf umschreiben lassen wollen, damit ihre Kinder nicht mit dem N-Wort konfrontiert werden, geht es wohl schon darum. Vermutlich nicht _ausschließlich_ darum, aber „nie“ ist ein zu großes Wort.
    Den Leuten, die gegen solche Änderungen sind, geht es natürlich nicht um Kinderschutz, aber das hat auch niemand behauptet, außer Ihnen jedenfalls.

  28. @MYCROFT:
    Die Frage stellt sich: Wann werden Sie es je begreifen?
    Nein, es geht um Rücksicht und Anerkennung.
    Es geht darum, dass erwachsenen Betroffene dieses Wort nicht lesen, wenn sie abends ihren Kindern eine Geschichte vorlesen. Es geht darum, dass Kinder dieses Wort nicht en passant lernen und später wie selbstverständlich benutzen, aus Rücksicht und Anerkennung.
    Kinder sollten diese problematischen Begriffe in der Schule als das erklärt bekommen, was sie sind: Toxische Zeitzeugen von Verbrechen über Jahrhunderte im Namen einer von zunächst religiöser, später gar erschwindelter biologischer Höherwertigkeit.

    Nur weil es auch Kinder schützen soll, ist es kein Kinderschutz.
    Es ist Menschenschutz.

  29. Wenn es also weder der pro-Seite noch der contra-Seite um Kinderschutz im Speziellen geht, wie kommen Sie dann auf die Idee, jemand würde das behaupten?

  30. Den Leuten, die Langstrumpf umschreiben lassen wollen

    Geht es auch eine Nummer kleiner? Wenn einzelne Worte, die in aller Regel für das Gesamtwerk keinerlei Relevanz haben ersetzt werden ist „umschreiben“ ein klitzekleines bisschen übertrieben.

  31. „Geht es auch eine Nummer kleiner?“ Im Prinzip schon.
    Also, anders formuliert: Bei Leuten, die nur einzelne Wörter ändern lassen woll(t)en, kann ich das Argument insofern nachvollziehen.

    Es gibt aber auch andere Positionen:
    http://www.sprachlog.de/2011/08/11/pippi-geh-von-bord/
    [Längere Erklärung, warum die Langstrumpf-Bücher rassistisch sind, und eine despektierliche Bemerkung über hyperaktive Kinder, was eine gewisse Voreingenommenheit impliziert]

    Eine Überarbeitung ist deshalb im Falle von Lindgrens Büchern der einzig sinnvolle Umgang mit dem Rassismus der Originalfassungen. Diese Überarbeitung müsste aber wesentlich radikaler ausfallen als die des Oetinger-Verlags.

    Also mehr als einzelne Wörter, ich halte das Verb „umschreiben“ daher diesbezüglich für zutreffend und keine Nummer zu groß.

    Mit anderen Worten, die Änderungen müssten so radikal ausfallen, dass es einfacher wäre, nur die Charaktere beizubehalten und sich gleich ganz andere Geschichten auszudenken.

    Nicht meine Interpretation, das steht da so. Was irgendwie mit der Kunstfreiheit schwer in einklang zu bringen wäre.

    Und wenn man zu der Einsicht gelangt ist, dass nur eine Umdichtung noch helfen kann, sollte man auch noch über eine vierte Möglichkeit nachdenken, mit diskriminierenden Kinderbüchern umzugehen: Verlage könnten aufhören, sie nachzudrucken und sie könnten stattdessen neuen Autor/innen und neuen Geschichten eine Chance geben, bessere Geschichten zu schreiben.

    Weil natürlich die böse Verlagsverschwörung keine neuen Autoren(m/w/d) will, woll?

    Und Konsument/innen könnten aufhören, sie ihren Kindern vorzulesen.

    Ich habe die Bücher übrigens nie vorgelesen bekommen, wenn die also immer noch verkauft werden, ist das zumindest nicht meine Schuld. Markt regelt.

    Schicken wir sie doch einfach in den wohlverdienten Ruhestand.

    Beachten Sie bitte, dass vom allgemeinen „man“ zum konkreten „wir“ gewechselt wird.

    Dieser Beitrag wurde unter Altes Sprachlog abgelegt am 11. August 2011 von Anatol Stefanowitsch.

  32. Guter Text, stimme in großen Teilen zu – vor allem dem „Aber es muss doch möglich sein, ein Minimum an Anstand und Empathie zusammenzufegen.“.

    Ich ertappe mich aber selber immer wieder dabei antirassistische Texte wohlwollend aufzunehmen, um dann über Kleinigkeiten zu stolpern.

    „Farbig“ ist eine Fremdbezeichnung für Schwarze ist, die diese selbst ablehnen.
    „people of colour“ (Menschen der/mit/von Farbe) ist das Wunschwort?

    Neulich im ZEIT bzw. ze.tt Interview nach „Die Letzte Instanz“:

    „ze.tt: Was müsste getan werden, um Antiziganismus zu bekämpfen?

    Hamze Bytyci: Aufklärungsarbeit muss möglichst früh beginnen, schon in der Kita. Es gibt viele Märchen, die antiziganistische Züge haben. Schlimme Situationen finden beispielsweise häufig im Wald statt wie bei Rotkäppchen, Struwwelpeter oder dem gestiefelten Kater. Die Leute, die im Wald leben, sind die Bösen, die Diebe, die Streuner. Diese Bilder spielen auf uns an. “

    Martin Sonneborn ein widerlicher Rassist und Menschenfeind?

    Werde ich langsam konservativ und strande in den Kommentarspalten der WELT, wenn ich sowas sonderlich finde? Oder geht es anderen ebenso?

  33. Rotkäppchen ist also antiziganistisch! (warum geht die Wurzel zigan- in antiziganistisch in Ordnung nicht aber im „Z-Wort“?)
    Da hätte ich auch selbst drauf kommen können.

  34. @9, erwinzk (ZK wie Zentralkommittee? Würde passen.)
    „die Welt dreht sich mal NICHT um Sie. “ Natürlich dreht sich die Welt um mich wie um jeden anderen.
    „schon allein weil die Wissenschaft keine solchen Absolutaussagen machen kann“ Na dann ist es ja gut, dass „Erwin“ keine Absolutaussagen darüber macht, was „Schwarze Menschen“ an sich so absolut empfinden.

  35. Und wieder heisst die Taktik „vom Hundertsten auf Tausendste“ zu kommen.

    Schon im Artikel wird begonnen, in dem die „Ugah Ugah“ laute plötzlich der weissen Ehefrau eines Schwarzen in den Mund gelegt werden, um zu bewiesen, dass dies ja dann weder rassistisch- noch bös gemeint sein könne, sondern eine gar liebevolle Neckerei …
    Ich weiss ja nicht, wie sich der Mensch eine solche Ehe vorstellt, aber es schlägt ja eh noch fehl, weil der Mann nicht einmal ansatzweise begreift, wie sehr der Rassismus ihm aus jeder Silbe tropft.

    Aber weiter in den Kommentaren. Erkläre mir bitte jemand, warumdieser Artikel kommentiert werden muss mit Beispielen, was Einzelne so an Rassismuskritik over the top finden?

    Was soll dieses rhetorische „Ja, aber …“ unter jedem Artikel, der sich mit so etwas befasst?
    Ob Grimms Märchen der Stoff für eine Kita sind, kann man durchaus diskutieren. Auch schon allein wegen der Gewalt oder Frauenfeindlichkeit.
    Jemand hat dazu eine, derzeit nicht konsensfähige Meinung?
    So what?
    Jemand meint, Pippi Langstrumpf sei pädagogisch kein großer Wurf und schlägt vor, die Geschichten einfach nicht mehr neu aufzulegen?
    Das ist eine Einzelmeinung.
    Was soll denn mit solchen Kommentaren impliziert werden?
    Warum muss überall so eine Täter-Opfer Umkehr erfolgen?

    Ich kapiere es nicht. Nein, wir, die weisse Mehrheit, sind nicht davon bedroht. Das ist Rumgeopfer auf aller höchstem Niveau.
    Pippi Langstrumpf und Rumpelstilzchen werden nicht auf Bücherhaufen verbrannt, auch morgen nicht.
    Kann diese „Ja, aber“ endlich mal da bleiben, wo es hingehört?

  36. @18: Als langjähriger Abonnent der NZA maße ich mir an zu sagen, dass es auch dort qualitativ bergab geht. Rechtschreibfehler, Zitierfehler und -ungenauigkeiten hielten irgendwann genauso Einzug wie inhaltlich flache Beiträge, bei denen man sich nach dem Lesen fragt, ob sie überhaupt über einen Mehrwert über die Zitatzusammenstellung hinaus bieten. Irgendwas fachlich richtig „Spannendes“ (jaja…) habe ich da schon länger nicht mehr gelesen, Aufsätze und Kommentare zu aktuellen Entscheidungen (wie hier ja auch) sind die Regel. Der Ton wird dabei zunehmend rauer, die Argumente aber nicht unbedingt besser. Warum das Lektorat sowohl auf formaler als auch auf inhaltlicher Ebene so sehr nachgelassen hat, weiß ich nicht, aber „Kostendruck“ dürfte auch bei Beck herrschen.

  37. „…um zu bewiesen, dass dies ja dann weder rassistisch- noch bös gemeint sein könne, sondern eine gar liebevolle Neckerei“ Ja, wie gesagt: Möglicherweise hat der Mann danach auch direkt die Scheidung eingereicht. Das Beispiel ist so oder so erfunden.
    „Jemand hat dazu eine, derzeit nicht konsensfähige Meinung?“
    Da es offenbar überhaupt keine konsensfähige Meinung dazu gibt, hat niemand eine konsensfähige Meinung. Daher gibt’s Debatten.
    „Jemand meint, Pippi Langstrumpf sei pädagogisch kein großer Wurf und schlägt vor, die Geschichten einfach nicht mehr neu aufzulegen?
    Das ist eine Einzelmeinung.“ Es ist die Meinung eines Professors, der in dieser Debatte sehr häufig zitiert bzw. als Quelle genannt wird. Es ist wohl legitim, wenn ich dessen „Einzel“meinung für relevanter und weiter verbreitet halte als Ihre oder meine.
    „Was soll denn mit solchen Kommentaren impliziert werden?“ Wonko hat _explizit_ bezweifelt, dass jemand Langstrumpf umschrieben lassen wolle, und gefragt, ob ich das auch eine Nummer kleiner formulieren könne. Diese Frage habe ich Wonko ausführlich beantwortet, mit Belegen versehen und bleibe bei meiner Formulierung. Bitte beschweren Sie sich nicht bei mir, wenn ich anderer Leute Fragen beantworte. Sie wollen doch sicher auch, dass ich Ihre beantworte.
    „Warum muss überall so eine Täter-Opfer Umkehr erfolgen?“ Keine Ahnung. Wieso ist das eine Opfer-Täter-Umkehr? Halten Sie Pr. Stefanowitsch für ein Opfer? Falls Sie meinen Seitenhieb zu seinen Seitenhieb über Hyperaktive meinen – niemand hat ihn gezwungen, hyperaktive Kinder schlecht zu machen, indem er sie mit einer fiktiven Figur vergleicht, die er erkennbar nicht mag. Wenn er dergleichen ins I-Net stellt, wird er schon nichts dagegen haben, wenn man das in der Diskussion verwendet.
    „Ich kapiere es nicht. Nein, wir, die weisse Mehrheit, sind nicht davon bedroht.“ Weiße werden neuerdings mit SS geschrieben? Sehr subtil von Ihnen. Aber wer behauptet, dass „wir“ bedroht seien? Ist das auch eine Einzelmeinung? Antworten Sie bitte möglichst mit Link und Zitat.
    „Kann diese „Ja, aber“ endlich mal da bleiben, wo es hingehört?“ Da ist es doch schon.

  38. „Ja aber Pippi Langstrumpf-Verbote“ ist auch irgendwie nur Argumentation auf Niveau derjenigen, die im Zielgruppenalter der Pippi Langstrumpf-Bücher sind.

  39. Sie eiern rum, Mycroft.
    Die Frage ist, warum wieder einmal die gesamte Kommentarspalte zu einem einzigen whatabout „deutsche Sprache/Pipi Langstrumpf/Grimms Märchen“ gedreht wird, wo es doch tatsächlich um den offensichtlichen Rassismus eines Autoren geht.

    Was wollen Sie ( und andere )uns damit klar machen? Ein seniles Ekel muss das N-Wort benutzen dürfen, sonst gibt es bald keine Pipi Langstrumpf Bücher mehr?
    Hooligans müssen schwarze Sportler mit Bananen beschmeissen dürfen, während sie dabei „Ugah Ugah“ rufen, sonst weiss bald kein Kind mehr, wer Rotkäppchen ist?
    Da muss es doch einen Zusammenhang geben, oder etwa nicht? Letzteres wäre auf jeden Fall bedenklich, denn dann liegt es nahe, dass es ein Anliegen ist, Rassismus vor Kritik zu schützen.

  40. „Sie eiern rum, Mycroft. Die Frage ist, warum wieder einmal die gesamte Kommentarspalte zu einem einzigen whatabout „deutsche Sprache/Pipi Langstrumpf/Grimms Märchen“ gedreht wird, wo es doch tatsächlich um den offensichtlichen Rassismus eines Autoren geht.“
    Achso.
    Ja, der Rassismus dieses Autoren ist offensichtlich. Da ich dem offensichtlich zustimme, habe ich diesbezüglich offensichtlich wenig Diskussionsbedarf. Aber ja, der offensichtliche Rassismus des Autoren ist offensichtlich.

    „Was wollen Sie ( und andere )uns damit klar machen?“ Haben Sie es immer noch nicht verstanden?
    „Ein seniles Ekel muss das N-Wort benutzen dürfen, sonst gibt es bald keine Pipi Langstrumpf Bücher mehr?“ Nein. Senile Menschen sind mWn nicht strafbar und Langstrumpf an sich ist mir wumpe. Aber wenn regelmäßig gesagt wird, man wolle nur ein paar Wörter ersetzen, was niemanden ernsthaft stören könne, stelle ich fest, dass „man“ auch noch anderes will.
    „Hooligans müssen schwarze Sportler mit Bananen beschmeissen dürfen, während sie dabei „Ugah Ugah“ rufen, sonst weiss bald kein Kind mehr, wer Rotkäppchen ist?“ Auch nicht, aber wegen meiner könnte man gerne Fußball verbieten.
    „Da muss es doch einen Zusammenhang geben, oder etwa nicht?“ Vermutlich schon, denn sowohl Kinderbücher als auch Pr. Stefanowitsch wurden nicht von MIR erstmalig in diese Kommentarspalte eingebracht. Wieso beschweren Sie sich bei mir?
    „Letzteres wäre auf jeden Fall bedenklich, denn dann liegt es nahe, dass es ein Anliegen ist, Rassismus vor Kritik zu schützen.“ Ich argumentiere nicht pro Rassismus, und ich halte den kritisierten Artikel bzw. dessen Autoren für rassistisch, nicht allein wegen der verwendeten Wörter, sondern wegen der generellen Argumentationslinie. Ich hielte ihn selbst dann noch dafür, wenn die fraglichen Wörter mit *** geschrieben worden wären, aber ok.

  41. Aber wenn regelmäßig gesagt wird, man wolle nur ein paar Wörter ersetzen, was niemanden ernsthaft stören könne, stelle ich fest, dass „man“ auch noch anderes will.

    Ja, dafür, dass „man“ (!) das will haben Sie ja auch 1 Beleg.
    Vielleicht habe ich ja die letzten Jahre unter einem Stein verbracht und die Massenbewegung derer, die tatsächlich nicht einzelne Begriffe austauschen sondern direkt die ganzen Bücher umschreiben wollen ist an mir vorbei gegangen. Oder Sie bauschen hier eine Einzel-/Mindermeinung ganz gehörig auf. Nach meinem Kenntnisstand ist eher letzteres der Fall.

  42. @wonko:
    Die Version mit dem Südseekönig ist tatsächlich seit mehreren Jahren im Umlauf. Diejenigen, die nur einzelne Wörter austauschen wollten, sind damit wohl auch zufrieden. Aber es gibt halt auch die andere Fraktion (habe nie behauptet, dass das eine Massenveranstaltung sei):

    https://pinkstinks.de/rassistische-kinderbuecher/

    …es ist ja nicht nur so, dass der Vater von Pippi Langstrumpf im Original kein “Südseekönig” ist, sondern mit dem allseits bekannten rassistischen Begriff bezeichnet wird. Es ist auch die Tatsache, dass er überhaupt König von Taka-Tuka-Land wird und alle Beteiligten davon ausgehen, dass es so sein muss.

    Aber gut, ich merke mir, dass Pr. Stefanowitsch und Hr. Pickert eine Einzelmeinung darstellen. Falls einer von denen mal wieder ein Buch schreibt, einen Vortrag hält und/oder interviewt wird. :-)

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