Steffen Seibert äußert sich zur Jesus-Position der Bundesregierung

Illustration: Christoph Rauscher

Mitschrift der Bundespressekonferenz vom 25.12.0001

Journalist: Nach übereinstimmenden Medienberichten wurde in der vergangenen Nacht in Israel ein Kind geboren, das allgemein als „der Erlöser“ bezeichnet wird. Kann die Bundesregierung dies bestätigen?

Regierungssprecher Steffen Seibert: (räuspert sich) Was die Bundesregierung zum gegenwärtigen Zeitpunkt bestätigen kann, ist, dass es in der Tat entsprechende Berichte gegeben hat, die diese Vermutung zumindest nahelegen.

Journalist: Dann eine Zusatzfrage: Kann die Bundesregierung bestätigen, dass es sich bei dem „Jesus“ genannten Kind um den sogenannten „Erlöser“ handelt.

Seibert: Das können wir als Bundesregierung weder bestätigen noch dementieren. Zur Frage, ob es sich um den Erlöser handelt, müssten Sie sich direkt an die israelischen Stellen wenden. Dem kann und will ich als Sprecher der Bundesregierung nicht vorgreifen.

Journalist: Dann gehe ich Recht in der Annahme, dass die Bundesregierung über die entsprechenden Informationen zur Causa Jesus verfügt, sie aber nicht den deutschen Medien mitteilen will?

Seibert: Man kann erst informieren, wenn man Informationen hat, die eine solche Information rechtfertigen. Oder anders ausgedrückt: Ohne Informationen, die eine Information rechtfertigen, kann man nicht informieren. Dem habe ich nichts hinzuzufügen, außer dass wir die aktuellen Entwicklungen in Israel mit großer Aufmerksamkeit verfolgen.

Journalist: Frage eins: Wird die Frau Bundeskanzlerin zu den Geburtsfeierlichkeiten oder der Taufe nach Israel reisen? Frage zwei: Freut sich die Kanzlerin über die Geburt des Kindes und mag sie Kinder?

Seibert: Zu Ihrer ersten Frage: Dazu kann ich Ihnen derzeit keine Angaben machen. Zu Ihrer zweiten Frage: Die verschiedenen Äußerungen der Bundeskanzlerin zu diesem Thema sind Ihnen bekannt, dazu haben wir hier häufig vorgetragen und die stehen auch für sich.

Journalist: Nun ist es aber so, dass Frau Merkel heute in einem Geschäft in Berlin-Mitte beim Kauf eines hellblauen Babystramplers beobachtet wurde und der Regierungsflieger vollgetankt auf dem Rollfeld steht.

Seibert: Ihre Kenntnisse über den Tagesablauf der Frau Kanzlerin in allen Ehren, aber das sind jetzt mehrfach interessante Versuche, mir eine Antwort auf eine Frage zu entlocken, auf die ich nicht geantwortet habe und auch nicht antworten werde. Ich habe zu diesem Thema alles beigetragen, was ich heute beitragen kann.

Journalist: Gut, dann anders gefragt: Würde die Bundesregierung, respektive die Frau Bundeskanzlerin den betreffenden Stellen offiziell im Namen der Bundesregierung gratulieren, wenn es zweifelsfrei feststehen würde, dass es sich bei dem neugeborenen Baby um den Erlöser handelt?

Seibert: Das ist eine hypothetische Frage, die ich nicht beantworten werde. Dass ich nicht auf hypothetische Fragen antworte, ist Ihnen und Ihren geschätzten Kollegen und Kolleginnen aber auch hinlänglich bekannt und nichts Neues.

Journalist: Nach übereinstimmenden Medienberichten plant das neugeborene Baby eine Karriere als Religionsstifter. Kann die Bundesregierung wenigstens das bestätigen?

Seibert: Dazu kann ich von hier aus jetzt keine Bewertung abgeben. Die Bundesregierung wird sich natürlich in der Zukunft eine Meinung dazu bilden und am Ende auch als gesamte Bundesregierung hinter dieser dann öffentlich gemachten Meinung stehen.

Journalist: Es geht hier um nichts weniger als das Entstehen einer weltweiten Religion. Und die Regierung hat dazu keine Meinung? Das kann ich mir nicht vorstellen.

Seibert: Was Sie sich vorstellen oder auch nicht vorstellen können, ist nicht Gegenstand der Betrachtungen durch die Frau Bundeskanzlerin und wir lassen uns da auch nicht von Ihnen hertreiben. Ich sage es ausdrücklich noch einmal: Auf der Basis unserer Werte und Rechtsordnung erkennen wir auch die Entstehung neuer Religionen an. Worauf es ankommt, ist die Politik, die wir in dieser Regierung machen und die wir auch in der Vorgängerregierung bereits gemacht haben, und es sind die Menschen, die im Mittelpunkt dieser Politik stehen: eine Politik, in der, wie es das Grundgesetz vorgesehen hat, jeder Bürger Religionsfreiheit genießt, in der jede Religion Achtung und Respekt – und zwar unabhängig von den Glaubensrichtungen – genießt.

Journalist: Dann bestätigen Sie also die Geburt von Jesus Christus?

Seibert: Nein.

Journalist: (schreiend ab)


Steffen Seibert ist seit 2010 Sprecher der deutschen Bundesregierung und Leiter des Bundespresseamtes.

11 Kommentare

  1. Ja, das ist jetzt aber auch wirklich schwierig den Regierungssprecher hier noch ironisch zu überzeichnen.

    Die Regierung hat (wie leider oft) nichts zu sagen und weiß offiziell von nichts.

    Sie will dann aber auch nicht direkt sagen, das sie nichts sagen will und indem sie sagt, das sie nichts sagt, hat sie dann doch etwas gesagt, allerdings hat sie es so gesagt, das ja keiner auf die Idee kommt, sie hätte wirklich was gesagt.

    Tritt der Fall dann aber wirklich ein, kann immerhin auch keiner sagen, die Regierung hätte garnichts dazu gesagt und man kann mit Verweis auf das besagte Interview dann sagen, die Regierung hätte sogar schon frühzeitig etwas dazu gesagt und damit wäre jetzt aber auch alles gesagt.

    Das ist doch oft genug die Realität – wie will man sowas satirisch noch toppen?

  2. Ich kenne mich mit diesem Christus-Zeug ja nicht so gut aus, aber hat diese PK tatsächlich am 25.12.0001 stattgefunden? Ich hätte sie eher ein Jahr früher erwartet. Oder wurde die Geburt evtl. ein ganzes Jahr geheim gehalten? Das wäre natürlich ein Skandal. Tilo Jung hätte den @RegSprecher sicherlich in die Enge getrieben, falls er vor Ort gewesen wäre. Schade, dass wir vom den anwesenden Journalisten nicht mehr erfahren haben. Wer sie sind, wo sie herkommen („Welt“ vielleicht? Würde zum Thema passen)…

    Ansonsten amüsiere ich mich, wie bereits vor zwei Tagen einmal kommentiert, immer noch königlich.

  3. Könnte man die Serien nicht einschlafen lassen, bevor sie hier alle Kanäle verstopft? Gerne ersetzen durch normale Übermedien-Texte? Die haben wenigstens Witz.

  4. @7: Ich find die Serie an sich jetzt nicht so verkehrt, auch wenn bei zwei Dutzend Geschichten sicher Mal die eine oder andere dabei ist, mit der man nicht *so viel* anfangen kann, weil man z.B. in seinem ganzen Leben weder von eine Dagi noch von einer Bibi jemals was gehört hat.

    Es kommt aber auch wieder ein anderer Tag mit anderen Leuten. Insgeheim spekuliere ich ja noch drauf, das noch ein paar PolitikerInnen auftauchen, z.B. die Claudia, der Anton, die Annalena oder die Uschi und die Annegret. Angela wahrscheinlich eher nicht – ist doch schon zu lange her, das die Politik gemacht hat.

    Mal schauen, was noch kommt. :-)

  5. @9 (nocheinjurist2):

    Bei einer Weihnachtsserie den Papst wegzulassen, das geht eigentlich gar nicht, na ja – es sei denn, er ist evangelisch.

    Wie auch immer, das Beste kommt zum Schluss vermute ich mal.

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