Das schamlose Geschäft mit Daniel Küblböck

Vor ein paar Wochen, acht Monate nachdem der Entertainer Daniel Küblböck über Bord eines Kreuzfahrtschiffes ging und seither vermisst wird, wandte sich dessen Vater mit einem Brief an die Öffentlichkeit.

Liebe Fans, Freunde und Wegbegleiter,

um den ganzen Märchengeschichten, die aktuell und in den letzten Wochen in diversen Medien verbreitet werden, endlich ein Ende zu bereiten, möchten wir, Daniels Familie, einige Dinge richtig stellen.

Allem voran ist es uns besonders wichtig, eine falsche Behauptung endgültig aus der Welt zu schaffen: Daniel wurde von uns nicht „für tot“ erklärt und das wird auch so bleiben!

Weder ich als sein Vater, noch sonst jemand aus der Familie möchte Daniel jemals für „tot“ erklären lassen. Es gibt für uns keinerlei Grund für solch einen Schritt, schon gar nicht wegen erbschaftlichen Angelegenheiten.

In die Welt gesetzt hatte diese Märchengeschichte im März die „Bild“-Zeitung.

Schlagzeile auf der "Bild"-Titelseite: "Jetzt geht's ums Erbe - Vater lässt vermissten Küblböck für tot erklären"

Im Artikel hieß es:

Günther Küblböck (54) zu BILD: „Ich werde ihn für tot erklären lassen. Wir müssen irgendwann diesen Schritt gehen, weil es abgeschlossen werden muss.“

Doch offenbar stimmte das Zitat nicht. In seinem offenen Brief schreibt der Vater:

Es gab Anfang März einige Pressevertreter, die sich bei den Behörden über die Rechtslage bei Schiffsunglücken erkundigt haben. Diese Rechtslage habe auch ich, Günter Küblböck, den Journalisten auf Nachfrage bestätigt, so wie sie uns von Polizei und Familiengericht vor Monaten mitgeteilt wurde. Mit keinem Wort habe ich gesagt, dass wir als Familie die Toderklärung beantragen werden, tatsächlich dachten wir, dass dies nach einer gewissen Zeit von Amtswegen durch die Behörden geschieht.

Trotz des (inzwischen über einen Monat alten) Dementis steht die Behauptung bei Bild.de und in etlichen anderen Medien immer noch online.


In seinem Brief schreibt der Vater weiter, der Familie und den engen Freunden sei es „ein großes Anliegen, das ganze Thema um Daniel endlich aus den Medien herauszubekommen und der Trauer und den schönen Erinnerungen an Daniel Raum zu geben.“

Immerhin: Ein Stück weit hat das inzwischen geklappt. In der „Bild“-Zeitung, bei RTL und in seriöseren Medien wird kaum noch über den Fall berichtet, jedenfalls nicht mehr so wie in den ersten Tagen nach Küblböcks Verschwinden.

Die Klatschpresse allerdings ist eine andere Liga.

Schon kurz nach Bekanntwerden des Vorfalls – und nachdem die Familie die Medien mehrmals darum gebeten hatte, „Spekulationen keinen Raum zu lassen“ – titelte „In“ aus dem Klambt-Verlag:

Große Titelschlagzeile der "IN": "Daniel Küblböck - War es Mord? - Die dramatischen Szenen auf dem Kreuzfahrtschiff - Jetzt kommt alles raus!"

Einzige Begründung: Ein „Insider“ soll gegenüber „In“ gesagt haben, dass all diejenigen, die über Daniel gelacht haben, „mit für seinen Tod verantwortlich“ seien. „Ich würde es fast Mord nennen.“

Auch in den Wochen darauf rissen die Spekulationen der Klatschblätter nicht ab. Sie fragten: „Trieb ihn die Angst in den Tod?“ Oder: „War sein Selbstmord doch geplant?“ Oder: „Liegt ein Fluch auf dem Dschungelcamp?“

Schlagzeile: "Dirk Bach, Daniel Küblböck & Co. - Unheimliche Todes-Serie bei 'Ich bin ein Star, holt mich hier raus' - Liegt ein Fluch auf dem Dschungelcamp?"
An Blödsinnigkeit wieder kaum zu überbieten: der Bauer-Verlag.

„Wen trifft es als Nächstes?“, fragte die Redaktion, als könnte sie es kaum erwarten.

Vor allem aber taten die Blätter – und tun sie bis heute – immer wieder so, als würde Daniel Küblböck womöglich noch leben.

Schlagzeile: "Lebt er auf einer kleinen Insel mitten im Meer?"

„Lebt er auf einer kleinen Insel im Meer?“, spekulierte „Die Aktuelle“ der Funke Mediengruppe im März und versprach „neue Hoffnung“: „Vielleicht lebt Daniel noch.“

Und auch der Klambt-Verlag lockte mit „brisanten Enthüllungen“:

Große Titelschlagzeile der "OK!": "Daniel Küblböck - Daramtische Wende - Lebt er noch? - Die neuen, brisanten Enthüllungen! - Warum seine Familie jetzt Hoffnung schöpft!

„Lebt er noch?“, rief die Redaktion und machte ebenfalls neue „Hoffnung“. Hintergrund: Seine Oma träume (!) „noch immer davon, dass ihr Enkel eines Tages wieder da ist.“

Ganz ohne Fragezeichen oder „Vielleicht“s kommt hingegen der Burda-Verlag aus. Die „Freizeit Exklusiv“ behauptet auf ihrer aktuellen Titelseite:

Schlagzeile: "Unfassbar! - Daniel Küblböck - Er lebt als Frau in Kanada"

Dasselbe hatte vor Kurzem schon Burdas „Freizeit Spaß“ getitelt:

Schlagzeile: "Unfassbar! - Daniel Küblböck - Er lebt als Frau in Kanada"

Die Artikel beruhen auf den Aussagen eines angeblichen Freundes von Kübl­böck, der seit Monaten mit wilden Theorien in verschiedenen Medien auftaucht.

Auch solche Geschichten hatte Küblböcks Vater in seinem offenen Brief addressiert:

Die allermeisten Freunde und Wegbegleiter von Daniel haben sich sehr respektvoll gegenüber Daniel und der Familie in dieser Situation verhalten. Dafür sind wir allen sehr dankbar. Leider gibt es immer auch die berühmte Ausnahme von der Regel und denjenigen müssen wir in Zukunft auch Einhalt gebieten, sofern es nötig wird. Falsche Informationen, Unwahrheiten oder gar Diffamierungen, die nur aus Tratsch und vom Hörensagen resultieren, werden wir nicht mehr hinnehmen. Generell sollte sich bei so einem sensiblen Thema niemand erdreisten, öffentlich über private Angelegenheiten, die niemand außer der Familie wissen kann, zu sprechen, erst recht nicht, wenn die Familie dies ausdrücklich nicht möchte. Die Privatsphäre von Daniel und den Angehörigen sollte hier vor allem stehen und die Bitte der Familie respektiert werden.

Auch auf die Klatschpresse geht er in seinem Brief ein:

Unser großer Wunsch war und ist es, das Andenken an Daniel in Ruhe und Frieden zu bewahren. Vor allem die Klatschpresse sorgt in regelmäßigen Abständen dafür, dass Pietät für prominente Menschen und deren Angehörige scheinbar nur schwer möglich ist. Eine würdevolle Trauerzeit muss man sich leider sehr schwer erkämpfen.

Interessanterweise hat der Burda-Verlag auch aus diesem Brief einen Artikel gemacht, erschienen vergangene Woche in der „Freizeit Revue“. Auf die Kritik an der Klatschpresse, auf die Märchengeschichten und Unwahrheiten geht das Blatt allerdings nicht ein. Sondern nur auf die Ankündigung des Vaters, dass die Familie irgendwann eine Gedenkstätte in Daniels Heimat errichten wolle.

Naja, und was für eine Schlagzeile macht Burda daraus?

Schlagzeile: "Jetzt verrät sein Vater alles - Daniel Küblböck - Er kehrt zurück!"

Danke an Gavin K. und Uwe S. für die Hinweise!

Nachtrag, 18. Juli: Ende Juni hat Burda schon wieder eine Küblböck-Geschichte gebracht:

Sensationelle Nachricht - Daniel Küblböck - Sein Freund hat ihn gesehen

Gesehen hat er ihn … „im Traum“.

Vor ein paar Tagen brachte Burda dann noch eine:

Daniel Küblböck - Er ist wieder da! - Die rührenden Briefe an seine Fans

Endlich ist er wieder da! Plagt Daniel etwa das schlechte Gewissen, weil er nach seinem Sprung vom Kreuzfahrtschiff so sang- und klanglos verschwand? Will er Freunde nun doch nicht verzweifelt und ratlos zurücklassen? Bei näherem Hinsehen stellt man leider fest: Es handelt sich um alte Blogeinträge Daniels, die der Fanclub nun erneut in die Welt hinausschickt. Enttäuschend, sicher.

Nachtrag, 24. Juli: Und jetzt noch eine:

Warum sein Heimatdorf kopfsteht - Daniel Küblböck - Die heimliche Rückkehr

Hintergrund: Küblböcks Bruder (!) ist angeblich in ein Haus in seinem Heimatdorf gezogen.

10 Kommentare

  1. Er wird seine Gründe gehabt haben und keiner von uns kann nur ahnen was in ihm vorging die Presse jedoch kennt keine Grenzen und Gefühle erst Recht nicht armselig was Reporter alles für Geld tun und nur um irgendein Scheiß zu schreiben Scham kennen die Leute von der Presse nicht LG Elmar Mank

  2. Ich finde es einfach nur furchtbar was die Medien immer so falsche Informationen heraus bringen. Es nervt mich jedesmal aufs Neue. Diesen Schmierfinken sollte man das Handwerk legen.

  3. @2/3 Ich würde hier nicht so pauschal von „den Medien“ oder „der Presse“ sprechen. Im Artikel oben geht es ja um ganz spezielle Medien. Sie haben sich auf dieses eklige Geschäft mit Spekulationen spezialisiert.

  4. @2/3/4
    Und sie machen es ja auch, weil sie wissen, sowas will gelesen werden.
    Das Entschuldigt das Treiben dieser speziellen Medien nicht, aber es zeigt auch, dass wir Menschen nicht wirklich die tollste Spezies auf dieser Welt sind.

    Deswegen plädiere ich weiter für mehr political correctness aka Anstand.
    Aber selbst das wird ja mittlerweile in vielen Teilen der Bevölkerung als Verpönt angesehen.

  5. immer wenn man denkt, der Gipfel an Dummheit, Ignoranz und Widerwärtigkeit ist erreicht, kommen die skrupellosen Schmierfinken von Burda, Klambt, Funke und Springer daher und setzen neue stinkende Haufen in die Medienlandschaft.

    Man fragt sich, wie sehr diese Typen moralisch verrottet sein müssen, um sich nicht in Grund und Boden zu schämen.

  6. Diese Familie muss auch nach dem harten Schicksalsschlag noch so viel über sich ergehen lassen. Und in diesen Redaktionen können sie doch nicht mal erahnen, wie sich das anfühlen muss…oder ist ihnen das egal?

  7. eigentlich müsste man mal die Autoren persönlich konfrontieren, statt über die Zeitschriften zu schreiben

  8. @Boris Rosenkranz
    Wenn scheinbar die Crème de la Crème der deutschen Zeitschriftenverlage regelmäßig und schamlos Fake-News produzieren, oft auf dem Rücken Betroffener, dann sehe ich da ein strukturelles Problem.
    Es wäre m.E. ja auch absurd, wenn man Kopp, Antaios & Co sich rausreden ließe, was die da regelmäßig verlegen seien (M)Ausrutscher.

  9. Tja dafür gibt es wie immer nur eine Erklärung, Menschen sind einfach nur absolut widerliche Wesen die ab einem gewissen Punkt nur nach sich selbst und Ihrem eigenen Erfolg schauen! Und klar ist es den Redakteuren solcher Zeitschriften komplett scheissegal wies der Familie von ihm geht! Es ist ja auch vollkommen egal einen Menschen so lange fertig zu machen bis er sich umbringt?! Es gibt soo wenig Menschen auf dieser Welt die nicht so handeln würden bzw nicht so sind, deshalb Urlaub in Misanthropien und gut

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