Bringt Hartz IV mehr Geld als Arbeit? FAZ verbreitet falsche Zahlen

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) hält es für falsch, über eine beschleunigte Erhöhung der Hartz-IV-Sätze nachzudenken. Arbeitslose würden schon heute im Vergleich zu Arbeitnehmern zu viel Geld bekommen, meint sie – und hat sich das vom sozialstaatskritischen Verein „Bund der Steuerzahler“ bestätigen lassen. Doch der rechnete falsch. Und seine fehlerhaften Zahlen finden gerade große Verbreitung.

Der Verein hat im Auftrag der FAZ ermittelt, wie viel Geld jemand im Monat angeblich verdienen muss, um netto ähnlich viel zur Verfügung zu haben wie ein Hartz-IV-Empfänger in derselben Familiensituation. Im Fall eines Alleinverdieners mit Partner und zwei Kindern komme er auf 2540 Euro brutto. Bei einer typischen 38-Stunden-Woche ergebe sich daraus ein Stundenlohn von 15,40 Euro – weit mehr als der Mindestlohn. Bei einer Familie mit drei Kindern wären sogar 20 Euro nötig.

Das Fazit der FAZ ist angesichts dieser Zahlen eindeutig: „Hartz IV lohnt sich oft mehr als Arbeit“.

Hartz IV lohnt sich oft mehr als Arbeit. Wer eine vierköpfige Familie hat und arbeitet, kommt erst bei 15,40 Euro Stundenlohn auf Hartz-Niveau. Das zeigen neue Daten.

Die Nachricht war der Aufmacher im Wirtschaftsteil der Zeitung, samt entsprechender politischer Einordnung:

Würden nun die Hartz-Regelsätze erhöht, wie Sozialverbände fordern, wäre es noch schwerer, mit Arbeitslohn über Hartz-IV-Niveau zu kommen.

In einem Kommentar unmittelbar daneben schreibt derselbe Autor:

Denn was wäre die Folge der populären Forderung, auf die gefühlte Ausbreitung von Armut mit beschleunigten Hartz-IV-Erhöhungen zu reagieren? Für viele, die vom Sozialstaat leben, würde es sich noch weniger lohnen, ihren Lebensunterhalt mit Arbeit zu bestreiten. (…)

Spätestens wenn das dritte Kind kommt, ist die mit Hartz IV definierte Messlatte häufig unerreichbar.

Der Vergleich, den der Steuerzahlerbund für die FAZ angestellt hat, ist falsch – es fehlt ein entscheidendes Element: das Kindergeld. Das bekommen zwar auch Hartz-IV-Empfänger; bei ihnen wird es aber mit den sonstigen Bezügen verrechnet. Es verändert die Bilanz bei Familien deutlich zugunsten der Arbeitnehmer.

Berücksichtigt man das Kindergeld, muss die vierköpfige Modell-Familie nicht mehr 2540 Euro brutto verdienen, um netto so viel zu bekommen wie eine entsprechende Familie mit Hartz IV, sondern 1935 Euro. Das entspricht einem Stundenlohn von 11,72 Euro statt 15,40 Euro.

(Hartz-IV-Empfänger werden allerdings durch andere mögliche Leistungen und Befreiungen etwas besser gestellt, was sich aber nicht exakt beziffern lässt.)

Dass ausgerechnet der für ihre Wirtschaftskompetenz gerühmten FAZ ein solch gravierender Fehler unterläuft, ist peinlich. Aber er blieb nicht auf die FAZ begrenzt. Zahlreiche Medien übernahmen die Rechnung und die griffige Formel, mit der sich scheinbar eindrucksvoll beziffern ließ, wie wenig sich Arbeit lohne im Vergleich zu den vermeintlich üppigen Hartz-IV-Bezügen.

Größere Verbreitung fanden die falschen Zahlen von FAZ und Steuerzahlerbund vor allem dank der Nachrichtenagentur dpa. Sie berichtete am Montagmittag unter der Überschrift:

Steuerzahlerbund: Hartz IV bringt oft mehr Geld als Arbeit

Nachdem Zweifel an der Rechnung bekannt wurden, brachte die Agentur am Abend eine Zusammenfassung unter der Überschrift:

Steuerzahlerbund: Hartz IV bringt nicht selten mehr als ein Job

Die Agentur berichtigte ihre ursprüngliche Meldung nicht ausdrücklich. Stattdessen enthielt die Zusammenfassung den lapidaren Satz: „Der Steuerzahlerbund hatte bei seinen ersten Einkommensberechnungen das Kindergeld nicht berücksichtigt.“

Auf Nachfrage bedauerte die Agentur heute, nicht transparenter auf die aufkommenden Hinweise auf einen Berechnungsfehler reagiert zu haben: „Über die ersten Zweifel hätten wir die dpa-Kunden in einem sogenannten Achtungshinweis informieren sollen“, sagt Nachrichtenchef Froben Homburger. Es sei auch „nicht ideal“ gewesen, die Korrektur des Steuerzahlerbundes in der routinemäßigen Abend-Zusammenfassung unterzubringen: „Eindeutig besser“ wäre es gewesen, die ersten Meldungen „transparent zu berichtigen und anschließend in einer neuen Zusammenfassung die weiteren Reaktionen einzubauen.“

Dadurch, dass die Agentur ihre Ursprungsmeldung nicht ausdrücklich korrigierte, steht sie mit dem falschen Vergleichsstundenlohn von 15,40 Euro noch bei vielen Medien im Netz. Unter anderem beim ZDF, bei der „Augsburger Allgemeinen“, bei der „Huffpost“, beim „Handelsblatt“, bei der „Abendzeitung“, beim „Focus“, bei „T-Online“, bei „Tag24“ („Diese Studie [sic!] ist Wasser auf die Mühlen all derer, die sagen, arbeiten würde sich sowieso nicht lohnen“) und etlichen anderen.

Stefan Sell, Professor für Volkswirtschaftslehre, Sozialpolitik und Sozialwissenschaften an der Hochschule Koblenz, der die Sache gestern schon in seinem Blog aufgeschrieben hatte, spricht von „abstrusen Berechnungen“, mit denen der Vorstoß von Jens Spahn in Sachen Hartz IV „medial flankiert“ werden sollte. Er meint, dass sich der Fehler auf Seiten des Steuerzahlerbundes kaum mit Fahrlässigkeit erklären ließe.

Sell weist auch darauf hin, dass die Modellfamilie mit zwei Partnern und Kindern, die die FAZ oder der Steuerzahler-Verein sich ausgesucht haben, ohnehin untypisch sei für Hartz-IV-Empfänger. Die meisten Bezieher seien Singles – und da könnten Bedürftige „schon mit einem relativ geringen Einkommen ein Niveau über Hartz IV erreichen“.

Die FAZ hat die von ihr verbreiteten Berechnungen in der Zeitung heute relativ beiläufig in einem weiteren Wirtschafts-Aufmacher zur „Auseinandersetzung über Mängel des Hartz-IV-Systems“ korrigiert: Sie schreibt, dass diese Debatte durch Berechnungen des Steuerzahlerbundes „angeheizt wurde“, und erwähnt dann, dass „auch Kritik an dem Vergleich laut wurde“, weil die Kindergeldansprüche fehlten. Dann rechnet sie die entsprechend geänderten Zahlen vor.

Das Blatt hat aber neben mehreren Politikern, die seine Position stützen, eine neue Expertin gefunden: Eine namentlich nicht genannte „F.A.Z.-Le­se­rin“, „die in Frank­furt ein Un­ter­neh­men für haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen be­treibt“. Ob­wohl sie deut­lich über Min­dest­lohn be­zah­le, lehnten Be­wer­ber oft ab und sagten „ganz of­fen, die Ar­beit loh­ne sich nicht für sie – zum Bei­spiel, weil sie da­für ei­ne hal­be Stun­de mit der S-Bahn fah­ren müss­ten“.

Sie sind nicht nur nicht arm, sondern auch faul, soll das wohl heißen.

Nachtrag, 21. März. Der Bund der Steuerzahler teilt uns mit, er sei gebeten worden, die Steuer- und Abgabenlast von Geringverdienern zu berechnen. Bei diesen Brutto-/Nettoberechnungen würden Kindergeldzahlungen üblicherweise nicht berücksichtigt, da diese nicht Bestandteil des Lohns sind. „Für Vergleiche mit Nichterwerbstätigen müssen Sozialleistungen auf beiden Seiten selbstverständlich berücksichtigt werden“, schreibt Vereinspräsident Reiner Holznagel. „Die kritisierte Gegenüberstellung in der FAZ hat deshalb die Redaktion zu verantworten. Wir haben lediglich die Zahlen geliefert, die abgefragt wurden.“

66 Kommentare

  1. Ein Fall von Dummstellen.
    Man kann’s ja mal versuchen.

    (Wenn die Differenz zwischen Hartz und Mindestlohn in welchen Fällen auch immer zu gering ist, um dafür morgens aufzustehen UND Geld für den Bus auszugeben, gäbe es aber NOCH eine andere Möglichkeit, diese Differenz zu vergrößern. Mathematisch begabte Mitleser kommen vllt. drauf.)

  2. Ist natürlich immer noch falsch, denn eine Familie mit einem so geringem Einkommen wäre ja zusätzlich wohngeldberechtigt. Also hätte sie entweder mehr Geld oder der Stundenlohn dürfte noch geringer ausfallen, um auf die gleiche Summe zu kommen.

    Ist es denkbar, dass diese Leute, die sich gern ihrer Wirtschaftskompetenz rühmen, tatsächlich so wenig Ahnung haben?

  3. Es geht doch hier gar nicht um falsche Zahlen. Das Perfide ist die Unterstellung, Hartz IV wäre eine Option, die man einfach so bedingungslos in Anspruch nehmen könnte. Man bekommt aber nicht lange Hartz IV, wenn man zugewiesene Arbeit ablehnt.

  4. Trotz der falschen Zahlen bleibt aber die Tatsache, dass 11,72 Euro Stundenlohn immer noch über dem gesetzlichen Mindestlohn liegen. Wenn die Modellfamilie aber nur danach bezahlt wird, ist der ALG-II-Empfänger im vergleichbaren Fall doch besser gestellt. Zumindest finanziell. Die Grundaussage, dass Hartz IV zumindest für die genannte Konstellation günstiger ist als ein Job ist damit ja nun nicht falsch.
    Natürlich ist relevant, wie hoch der Anteil des genannten Modells überhaupt unter den ALG -II-Empfängern ist, natürlich ist der Subtext bemerkenswert, der einschätzt, dass ALG II ergo ausreicht, anstatt zu schlussfolgern, dass der Mindestlohn zu niedrig ist, aber die Grundaussage ist doch trotz der falschen Zahlen richtig, oder was übersehe ich hier?

  5. Wird da also der Vergleich angestellt zwischen einem Verdiener, der damit 4 Personen ernähren soll, und einer Hartz-IV-Familie, die pro Person einen Betrag bekommt? Für einen fairen Vergleich sollte man schon alle Erwachsenen arbeiten gehen lassen. Dann sind wir nicht bei 11,72€ sondern bei 5,86€ pro Stunde und Person.

  6. Gehts noch,oderVogelpiep?
    Bei 815 € Hartz4 für einen Single für Wohnen,Nahrung,Nebenkosten kann ich mir nicht mal mehr neue Schuhe oder ähnliches leisten.Langsam reicht mir das mit der Debatte.. keine Arbeit bekommt man,aber diffamierend dicke Backen machen…Seit Anfang der 80er ging das schleichend,nichts ist besser geworden mit der Arbeitslosigkeit.

  7. Ich denke, es ist erst einmal wichtig, mehr Menschen in Arbeit zu bekommen, von der man dann auch leben kann. Es ist nicht nur der Aspekt GELD, sondern auch das Gefühl, dass man was leistet und diese Leistung anerkannt, honoriert wird.
    Wenn ich die Alternative hätte, für wenige € weniger im Monat nicht arbeiten zu müssen, würde ich trotzdem arbeiten, da es für mich wichtig ist, abends sagen zu können: Das hab ich geschafft.

    Also – Mehr Arbeitsplätze schaffen!

    Gruß Winfried

  8. Ich hab noch nie soviel…. unwűrdiges Zeug gelesen.
    1.)Arbeit muss belohnt werden, “ 8,84€ brutto bei Steuerklasse 1, als Single, joa geht’s noch“!!! Die Menschen műssen doch alle zuzűglich einen Aufstocken

  9. Die zitierten Medien kommen ja alle aus der wirtschaftsliberalen Ecke mit dem Unterton, dass Hartz IV die soziale Hängematte sei. Dabei würde sich die Statistik ja auch anbieten für die Gegenseite. Statt „Hartz IV bringt mehr als Arbeit“ oder noch schlimmer „Hartz IV lohnt sich mehr als Arbeit“, wäre auch „Mindestlohn reicht nicht für Hartz-IV-Niveau“ eine passende Schlagzeile zu den Zahlen. Habe dazu aber bei den einschlägigen Seiten nd, jW und taz nichts gefunden. Da ist noch ungenutzes Ausschlachtungspotential auf linker Seite vorhanden.

  10. Lieber Herr Niggemeier,
    leider ist Ihr Artikel nicht ganz korrekt recherchiert. Es wurde nämlich nicht ’nur‘ das Kindergeld ‚vergessen‘, sondern die komplette Einkommensbereinigung (Selbstbehalt)!
    Bei Alg2 bleiben zunächst pauschal 100 Euro vom Erwerbseinkommen anrechnungsfrei, dann noch 20% vom Rest bist 1000 Euro und dann noch mal bis 1200 (mit Kindern 1500) 10%. Dieses Geld wird bei der Berechnung des Alg2-Anspruchs NICHT berücksichtigt. Das heißt am Beispiel des Paares ohne Kinder bei einem Nettoeinkommen von 1160: 100 + 20% von 100 + 10% von 60 = 306 Euro. Das Paar würde 306 Euro Alg2 beziehen, zusätzlich zum Einkommen! (Wenn nur einer verdient, sonst ist es noch mehr!)
    Dazu kommt, dass Eltern mit Einkommen auch Anspruch auf Kinderzuschlag und Wohngeld haben, und damit auch auf ‚Bildung und Teilhabe‘! Dieser Satz ist also falsch:
    „Hartz-IV-Empfänger werden allerdings durch andere mögliche Leistungen und Befreiungen etwas besser gestellt…“
    Ein weiterer Faktor sind die Sanktionen. Ein ergeblicher Prozentzatz der Alg2-Empfänger ist von Sanktionen betroffen und erhält gar nicht den vollen Regelsatz.

    Ich fände es wichtig, der allgemeinen Fehlinformation KORREKTE Fakten entgegenzustellen…

  11. Stefan Sell verlinkt in seinem im Artikel verlinkten Beitrag auf einen Bericht unter tagesschau.de mit dem Titel „Hartz IV bringt oft mehr Geld als Arbeit“, der die FAZ-Berichterstattung offenbar nachgeplappert hat.

    Der gleiche Link (http://www.tagesschau.de/wirtschaft/lohnabstandsgebot-101.html) führt jetzt zu einem Artikel „Arbeit lohnt sich – meistens – doch“, der anscheinend komplett neu geschrieben wurde und auf die fehlende Einbeziehung des Kindergeldes hinweist. Dort wird im Text kurz erwähnt, „Zuvor“ habe „tagesschau.de unter Berufung auf die „FAZ“ berichtet, dass Hartz IV sich oftmals mehr lohne als Arbeit.“

    Das steht im Widerspruch zu den Kommentaren unter dem Artikel, die noch die fehlende Einbeziehung des Kindergeldes kritisieren und sich offenbar auf den vorigen Artikel beziehen. Die Kommentarfunktion wurde geschlossen.

    Wieso ist man nicht mal bei tagesschau.de in der Lage, diesen groben handwerklichen Fehler offen und transparent einzugestehen, den falschen Artikel zugänglich zu machen und zu erklären, wie es zu einer solchen Schlamperei kommen konnte?

  12. Typischer Fall von Abschreiberitis.

    Bei rechten Thesen macht man es richtig und prüft deren Behauptungen.

    Die FAZ muss aufpassen, dass man sie in Zukunft nicht genauso durchleuchtet. Es ist nicht das erste Mal, dass die FAZ in diese Richtung falsch berichtet.

    Alleine bei der Betrachtung von Alleinverdiener mit Partner und Kindern, hätte ein erfahrener Mensch sofort ans Kindergeld gedacht und an die Härte gegenüber ALG II-Beziehern, sobald sie Zusatzeinkommen (aus welcher QUelle auch immer) haben.

  13. Ich war alleinerziehende Mutter von 2 Kindern.Erst habe ich 20 Stunden die Woche gearbeitet und habe mit ALG2 aufgestockt.Etwas später habe ich 35 Stunden die Woche mit 8.50 Mindestlohn gearbeitet und musste immer noch aufstocken.Eine vergleichbare Familie nur mit ALG2 hatte nicht viel weniger.

  14. Wenn ich an die Arbeit gehe brauche ich ein Auto .Essen Arbeitskleidung. Das alles muss ich von dem lohn abziehen.Die meisten die ich kenne haben zwischen 11euro und 12 Euro brutto am Bau .Für jedes Rezept muss ich Zuzahlung leisten.Das alles hat ein harz4 Empfänger nicht.Was bleibt von meinem netto übrig.

  15. Ende der 1990er, Anfang der 2000er Jahre gab es von Seiten der Politik UND der Medien eine Kampagne gegen eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, die ich mit den heutigen Hetzkampagnen von AFD und noch weiter Rechts gegen Flüchtlinge vergleichen würde. Damals wurden durch Politik und Medien mit, teilweise übelsten, Diffamierungen und Lügen (Fakenews) Stimmung gegen die Bezieher von Sozialleistungen gemacht, die es sich in der sozialen Hängematte des Sozialstaates gemütlich gemacht hätten. Arbeiten solle sich, so die Behauptungen, in Deutschland nicht mehr lohnen, da die Leistungen des Sozialstaates höher seien, als ein Arbeitseinkommen.

    Damals wurde mit Mitteln von Ideologie und Propaganda die Grundlagen für das geschaffen, was wir heute als Hartz IV kennen.

    20 Jahre später wiederholt sich die Geschichte.

    Wie werden wohl die Folgen aussehen?

  16. Mal ganz einfach,das ist Volksverhetzung im perfiden Stil.Ich bekomme ,Single 755 €Miete wird nicht voll bezahlt,da 1,5 qm zu viel.Strompauschale wird seit Jahren nicht erhöht.Also mir wird eine Nettokaltmiete von 295 € zugestanden+ 60 € Heizkosten
    Meine Rechnungen die ich habe
    370€ Miete, 55 €,Strom,Gewerkschaftsbeitrag+Kontofü,hrungsgebühren 10 €,Versicherungen anteilig,7 €,öffentlicher Nahverkehr 30 €
    Bleiben ca.280 €.Die Verteuerung von Lebensmitteln wird auch nicht eingerechnet.Ich muß viel zum Arzt u.in Kliniken fahren,so daß mir oft keine 200 € bleiben.Lebe ich üppig,wohl kaum.Ich bekomme keine Beträge vom Finanzamt zurück,oder kann sie geltend machen.Kilometerpauschale,Haushaltsnahe Dienstleistungen,e.c.t.Wer diesen Blödsinn schreibt hat sich noch nie mit der Hartz VI-Industrie auseinandergesetzt.Absolut menschenverachtend.Wer bezieht zum Großteil?Kinder,Aufstocker,Kranke,Ältere,die niemand mehr haben will.Alle ruhen sich natürlich den ganzen Tag in der Hängematte aus.Das sind keine Journalisten,das sind für mich Volksverhetzer aller erster Güte.Den Job definitiv verfehlt.

  17. Sie liefern das gewünschte Ergebnis und ich liefere die passenden Zahlen, z.B. so:
    Überschrift : „107.000 leistungslose Euro je Monat von der Sozialbehörde, jetzt reicht es“
    Artikel: August der Starke, der vor allem durch seine unbändige Sauferei und Faulenzerei notorisch gewordene Sachse, erhält jeden Monat für sich, seine Frau und seine 354 Kinder 107.000 Euro + Mietzuschuss von der Sozialbehörde ohne je einen Finger für ehrliche Arbeit krumm gemacht zu haben. Dieser Missbrauch von Steuergeldern muss endlich aufhören!

  18. Es ist seit jeher eine beliebte Methode bestimmter Medien und der herrschenden Politik, die Habenichtse gegeneinander aufzuhetzen, damit sich die Kapitaleigner ungenierter die gesellschaftlich geschaffenen Werte privat aneignen können. Nichts anderes soll dieser Beitrag der FAZ bezwecken. Nicht das parasitäre Verhalten großer Kapitalbesitzer, die noch dazu die Möglichkeit haben, selbst ihre Steuerzahlungen bis auf ein Minimum zu reduzieren oder die gar Steuen zu hinterziehen, wird an den Pranger gestellt, sondern der in aller Regel hilflose Hartz-4-Empfanger, den die kapitalistische Wirtschaft aufs Abstellgleis geschoben hat, und der in nichts gerechter behandelt wird, als der, der mit einem Hungerlohn abgespeist wird.

  19. @Koebberling:
    „Für jedes Rezept muss ich Zuzahlung leisten.Das alles hat ein harz4 Empfänger nicht.Was bleibt von meinem netto übrig.“
    Stimmt nicht. Auch dies eine Falschinformation.
    Selbstverständlich muss vom kargen Satz dazugezahlt werden, begrenzt auf 2 % des Jahresregelsatzes, also bis zu 100 €. (99,84 € um genau zu sein!)

  20. Jürgen Koebberling:
    1.) Auto: Bei 5 km Wegstrecke können sie im Jahr 390 € absetzen.
    2.) Müssen Sie Schutzkleidung tragen, zahlt das der Arbeitgeber.
    3.) Was hat Essen im Vergleich zu tun? Der Unterschied zu HartzIV erschließt sich nicht. Da muss ja auch sein Essen kaufen.
    4.) Natürlich müssen HartzIV Empfänger auch bei Rezepten zuzahlen.
    Ich denke, da steckt viel Bild-Wissen dahinter..

  21. Ich hatte diesen Artikel mit genau dieser stimmungsmachenden Überschrift bei tagesschau.de gelesen und dort nachgefragt, auf welcher Zahlenbasis sie eigentlich dieses „oft” und „häufig” herleiten konnten – denn der Artikel gab dazu gar keine valide Zahlen vor.

    Zweimal per Twitter angefragt, keine Reaktion. Lediglich gestern die eines Mitlesers, der mich darauf aufmerksam machte, die Überschrift (und wie sich später herausstellte größtenteils der gesamte Artikel) wären neu formuliert worden.

    „Für Vergleiche mit Nichterwerbstätigen müssen Sozialleistungen auf beiden Seiten selbstverständlich berücksichtigt werden.“

    Eben. Und da ist nicht nur das Kindergeld ein Thema. Bezieht ein Paar gemeinsam ALG II, werden deren Einzelsätze von 416,— auf 374,— Euro reduziert. Ich konnte der Berechnung nicht entnehmen, ob das berücksichtig worden war. Und: der ALG II-Empfänger ist lediglich mit seinen Zeiten bei der Rentenversicherung gemeldet. Möchte er sich selbst rentenversichern, also in die Rentenkasse einzahlen, muss er das vom Regelsatz leisten.

    Unter dem Strich mag der Arbeitnehmer – davon abgesehen, dass er das große Glück hat in dieser Gesellschaft offensichtlich als nützlich zu gelten, arbeitslos sein macht auch etwas mit den Menschen – wirklich nicht viel mehr rausbekommen als die Familie im ALG II-Bezug. Aber im Rahmen der Versorgung innerhalb des Sozialstaates dürfte er allemal besser gestellt sein.

    Dieser Artikel, die ihm zugrunde liegende Berechnung, war eine journalistische Fehlleistung – auf mehrfacher Ebene. Der Umgang der publizierenden Medien damit gleichfalls.

    Last but not least: es gibt immer noch keine einzige soziale Leistung in Deutschland die „Hartz IV” heißt.

  22. @Ute Trampau:
    Eine Qm-Begrenzung ist lt. Bundessozialgericht nicht zulässig.
    Nur der angemessene Preis entscheidet!
    Was verstehen sie unter Strompauschale?
    Der Strom wird natürlich mit jeder HartzIV Erhöhung erhöht, und sei es auch nur im Centbereich…
    Auch kommt mir die Miete sehr gering vor, bei uns Wohnungsstufe III gelten bei nicht vorhandenem, schlüssigen Konzept 390 € plus Sicherheitszuschlag 10 % macht 429 € zuzüglich Heizung. Bei 60 € wären das hier rund 490 € bruttowarm.
    Kontoführungsgebühren Bank wechseln.
    Und über Versicherungsgebühren sollten wir auch mal reden.
    Sie finden mich unter meinem Namen im Gesichtsbuch…

  23. Abgesehen davon, dass falsch gerechnet wurde oder wird. Hartz IV ist nicht zu hoch. Vielmehr sind manche Löhne zu gering.
    Und was ist mit den behinderten, erwerbsunfähigen und alten Menschen , die ihr Leben von der Grundsicherung bestreiten müssen, und keine Möglichkeit haben, diese Situation zu ändern!
    Hartz IV soll ja nur eine Übergangslösung sein. Und Menschen, die Grundsicherung bekommen? Da ist es keine Übergangslösung. Aber diese Menschen haben halt keine Lobby.
    Armes Deutschland.

  24. Man kann es nicht oft genug sagen: In vielen Fällen, in denen theoretisch mit Hilfe von Hartz IV ein höheres „Einkommen“ erzielt wird, wird sowohl Kindergeld, aber auch Wohngeld, Kinderzuschlag und der bei Aufstockern übliche nicht anrechenbare Freibetrag einfach weg ignoriert.

    Ich stelle die kühne Behauptung auf, dass keine legale Konstellation möglich ist, bei der ein Hartz IV-Empfänger einem Arbeitnehmer gegenüber tatsächlich besser gestellt ist.

    Dass Redaktion um Radktion hier ganz offenkundig aus mangelnden Kenntnissen heraus hier Zahlen verbreiten, von denen sie nicht mal ansatzweise Ahnung haben, macht mich mehr als traurig…

  25. Wenn ich an die Arbeit gehe brauche ich ein Auto

    Ich komme ziemlich gut ohne klar. Und nein, ich wohne nicht mitten in einer Großstadt.

    1.) Auto: Bei 5 km Wegstrecke können sie im Jahr 390 € absetzen.

    Bei 5 km Wegstrecke braucht man schon mal gar kein Auto.

  26. Viele vergessen hier, dass für die paar Euronen mehr die Eltern eine schöne gezalzene 40+ stundenwoche haben. Während die anderen etwas weniger bekommen dafür aber garnicht arbeiten müssen. Ehrliche Arbeit lohnt sich schon lange nicht mehr. In Deutschland ist der ehrliche der Dumme.

  27. @Übermedien

    Herzlichen Dank für diesen Artikel!

    @Thema

    Man kann über die Gründe, die derartige Artikel hervorbringen, viel spekulieren. Das Perverse daran ist jedoch, dass hinter diesem – in ökonomische Milchmädchenrechnungen verpackten – Arbeitslosenbashing die eigentlichen Probleme, die jegliche Form der Eigeninitiative massiv unterwandern, zu verschwinden drohen.

    Das beginnt bei „Kleinigkeiten“, wie z.B. dem Umstand, dass man bei erzielten Einkünften nicht etwa einen Bescheid bekommt, in dem steht: „Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Sie XXX Euro zu Ihrem Lebensunterhalt beigetragen haben“, sondern: „Sie haben zu Unrecht XXX Euro zu viel Leistungen bezogen.“
    Man bekommt also das Gefühl vermittelt, man hätte unrechtmäßig gehandelt, obwohl man genau das getan hat, was verlangt wird, nämlich durch Arbeit zu seinem Lebensunterhalt so gut wie möglich beizutragen.

    Besonders absurd wird es, wenn man Einkommen aus selbständiger Arbeit erwirtschaftet, was für alle Beteiligten zu einem bürokratischen Aufwand anwächst, der in keiner sinnvollen Relation zu den Beträgen steht, um die es dabei mitunter geht.

    Insbesondere in Ballungzentren, mit hoher Arbeitslosigkeit, führen Einkommen und der damit verbundene bürokratische Aufwand mitunter dazu, dass Alg-Weiterbewilligungsanträge bis zu drei Monaten bearbeitet werden. Folge: Man muss einen Vorschuss beantragen, heißt, noch mehr Bürokratie für alle Beteiligten.

    Liegt man durch eine schwankende Auftragslage in nur einem Monat signifikant über dem Zuverdienstfreibetrag, kann es auch schon mal ganz brutal für den Arbeitslosen/Aufstocker kommen, denn unter Umständen geht das Jobcenter dann davon aus, dass man künftig jeden Monat einen solchen Betrag erwirtschaftet. Folge: Für den restlichen Berechnungszeitraum (also bis zu 6 Monate) zieht das Jobcenter diesen Betrag im Voraus vom Alg II ab, noch bevor man überhaupt nur einen Euro mit der selbständigen Tätigkeit erwirtschaftet hat.

    Wenn Eigeninitiative Probleme mit dem Jobcenter hervorbringt, die mitunter gar die Existenz bedrohen, muss man sich nicht wundern, wenn insbesondere mit der Gesamtsituation oftmals überforderte Langzeitarbeitslose sich möglichst klein machen und sich nicht regen, weil alles andere zu Druck, Gängelei und Maßregelungen führt.

    Was der deutsche Journalismus zu diesem Thema so im Durchschnitt hervorbringt, ist – euphemistisch ausgedrückt – ziemlich besch…eiden.

  28. Aufstocker

    Die Berechnung der Anti-Sozialstaats-Lobby „Bund der Steuerzahler“ ist noch aus einem weiteren Grund manipulativ.

    Wenn in einer Paarbeziehung/ Familie nur ein Partner für einen niedrigen Lohn arbeitet, ist die Familie häufig gezwungen, als Hartz-4-Aufstocker zu leben. Das bedeutet, dass die gesamte Familie „Hartzer“ bleibt und sich ein Elternteil etwas zu Hartz 4 hinzuverdient – evtl. mit Vollzeitarbeit. Diese Person ist dann aber nicht ein Arbeitnehmer, der Hartz 4 dazu erhält, sondern ein Hartzer, der dazuverdient, mit allen Konsequenzen: Bürokratie, Demütigung und Angst. Wohngeld gibt es dann nicht und das Kindergelt geht zu 100% zurück an den Staat.

    Warum hat der „Bund der Steuerzahler“ nicht den Aufstocker für seine Modellrechnung verwendet? Der Aufstocker (Vollzeit) profitiert ja noch weniger von seiner Arbeit als jemand mit einem höheren Stundenlohn.

    Der Grund ist, dass Aufstocker von der Höhe der Hartz 4-Sätze in genau dem gleichen Maße betroffen sind wie alle anderen Hartz 4-Emfänger. 10 Euro weniger Hartz 4 würde bedeuten, dass auch der in Vollzeit tätige Aufstocker 10 Euro weniger erhält.

    Welche Möglichkeiten gäbe es, dafür zu sorgen, dass sich mies bezahlte Arbeit mehr lohnt? Höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen, mehr Kindergeld oder ein steuerfinanziertes Sozialsystem würde diesen ganz armen Arbeitnehmern effektiv helfen. Das sind nicht die Vorschläge, die der „Bund der Steuerzahler“ uns vermitteln möchte.

    Im Übrigen möchte ich noch kundtun, dass ich Journalisten, die Rechnungen von einer Anti-Sozialstaats-Lobbyorganisation abschreiben, für inkompetent halte. Was hält Journalisten davon ab, eigene Berechnungen anzustellen?

  29. Ich muss 200 Stunden Lebenzeit pro Monat (Arbeitszeit + Arbeitswegezeit) investieren, um am Ende mit 200-300 Euro pro Monat mehr dazustehen. Sorry das lohnt sich nicht. Ganz im Ernst für wen hier lohnt sich diese Rechnung?

  30. @35 LEO
    Für alle, die in der Arbeit auch ideelle oder soziale Werte finden und die nicht ausschließlich für Geld arbeiten, lohnt sich diese Rechnung.
    Nach meinen Erfahrungen sind solche Leute womöglich sogar in der Überzahl. Da deren Arbeitstag überwiegend Elemente enthält, die ihnen Freude machen, soziale Kontakte schaffen, Bestätigung bringen oder Wertschätzung nehmen sie eben große Teile ihrer Arbeitszeit als lohnende Lebenszeit wahr.
    Wer ausschließlich wegen des Geldes arbeitet und seinem Job sonst nichts abgewinnen kann, hat außerdem dennoch eine unterschiedliche subjektive Wahrnehmung über den Wert, den 200 bis 300 Euro haben können, dem einen ermöglicht es das Fitnessstudio als Ausgleich und soziale Kontaktschmiede, dem anderen vielleicht mal eine Kino- oder Theaterkarte außer der Reihe, das wird von individuellen Charakteren sicher unterschiedlich gerechnet, welchen Wert das hat.
    Deswegen schließen sie von sich sehr pauschal auf Andere.
    Wobei ich nicht ausdrücken möchte, dass Ihre Ansicht nicht legitim ist.
    Sie ist aber traurig.

  31. @35 LEO
    Mit Ihrem Mehrverdienst können Sie eine schönere Wohnung mieten (Größe, Lage) und sie schöner einrichten. Sie können auch Lebensmittel kaufen, die nicht zu den billigsten gehören. Beispiel: Die Salami 200gr für 1.09 Euro vom Discounter ist dem Namen nach zwar eine Salami, aber doch eher eine versalzene schnittfeste Fettmenge mit einem Hauch von Salamigeschmack. Sie können mehr Geld für Freizeitsachen ausgeben. Und so weiter. Weg vom Materiellen: Wie im Urlaub sind nur die ersten Tage schön, die man frei hat. Nachdem all die Sachen erledigt sind, zu denen man während der Arbeitsphase nicht gekommen ist, zieht sich Zeit ganz schön, wenn eine Hauptaufgabe über mehrere Stunden fehlt. Irgendwann drohen Sie sogar in Agonie zu verfallen. Sie haben viel Zeit, aber keinen Antrieb mehr. Den meisten gibt Arbeit (muß nicht) und damit Geld-bekommen-aus-eigener-Leistung ein wichtiges Selbstwertgefühl. Die, die es toll finden, nichts zu arbeiten und Geld nicht nur vorübergehend einfach so zu bekommen, sind eine kleine Minderheit. Ich sage es mal so: Nicht arbeiten macht auf einem Planeten mit 24-Stunden-Tag über längere Zeit so richtig Streß.

  32. Ohne jetzt gemein klingen zu wollen, viele Jobs, die nur knapp (200-300 €) mehr als Hartz bringen, und für die Leute gesucht werden, sind jetzt nicht unbedingt die, die Freude machen, (positive) soziale Kontakte ermöglichen oder Bestätigung bringen. Und zumindest letztere zwei führen idealerweise dazu, dass man mal eine Gehaltserhöhung oder Beförderung bekommt. Was bei vielen Niedriglohnjobs nicht passieren wird.

  33. Bund der Steuerzahler – Ein schöner Euphemismus für eine Wirtschaftslobby-Organisation. Vermittelt so ein wohliges „Nahe am Menschen“-Gefühl.

  34. @Civichief / #18

    Bei rechten Thesen macht man es richtig und prüft deren Behauptungen.

    Dass sich ALG II mehr lohnen würde als Arbeit IST eine rechte These, kommt von einer rechten (=rechts der Mitte) Organisation (BdSt) und wurde in einem rechten Medium (FAZ) gedruckt. Rechte Politik beschränkt sich ja nicht auf Nationalismus und Ausländerfeindlichkeit, bzw. das geht Hand in Hand oder wechselt sich ab mit Armen- und Sozialstaatsfeindlichkeit. Bestes Beispiel immer noch: Sarrazin. Für Arme haben Rechte immer nur dann etwas übrig, wenn man sie gegen andere (nichtdeutsche) Arme ausspielen kann.

    @Daniel Erbel / #32:

    Ehrliche Arbeit lohnt sich schon lange nicht mehr.

    Das ist aber erstens nichts Neues und liegt zweitens nicht an angeblich zu hohen ALG-II-Sätzen.

    Ich glaube, es war ein rumänisches Sprichwort, das sagte: Wenn Arbeit reich machen würde, müssten die Mühlen den Eseln gehören.
    Oder anders ausgedrückt: Klar kann man mit Arbeit reich werden. Aber natürlich nicht mit eigener Arbeit, sondern mit der von anderen.

  35. 37/ Michael: Konsum als Glückserfüllung ist eher Teil des Problems als Teil der Lösung in der Armutsspirale. Wie Mycroft sagt: es gibt Jobs, die unglücklich machen.

    Und es ist arrogant, sich darüber zu erheben, nach dem Motto „Dann kauf dir halt was schönes“. Konsum ist allerhöchstens Glückssurrogat.

  36. @Daniel Erbel
    „Viele vergessen hier, dass für die paar Euronen mehr die Eltern eine schöne gezalzene 40+ stundenwoche haben. Während die anderen etwas weniger bekommen dafür aber garnicht arbeiten müssen.“
    ist falsch.
    Ich denke nicht, dass 380 € „ein paar Euronen sind, das sind 4560 im Jahr, dafür kann man auch schon mal in Urlaub fahren und sich den neuen Geschirrspüler leisten. Außerdem sind nicht die Eltern, die für diesen Verdienst arbeiten, sondern nur der Mann (von mir aus auch die Frau…)

  37. Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde die Problematik des Lohnabstandes mit einem Minimum an Bürokratie vollständig beseitigen.
    Und ja, es ist fananzierbar. Und nein, es bedeutet nicht das sämtlichliche Sozialleistungen entfallen müssen.
    Ich werde mir aber nicht die Mühe machen, das jetzt hier darzulegen. Das Internet ist eine gut gefüllte Quelle für solche Informationen.

    Aber wie Volker Pispers sagt, „Für eine Politik, die für 80% der Menschen ein besseres Leben ermöglicht, gibt es in Deutschland keine Mehrheit.“

  38. Haha, sich vor 3 Posts über die journalistische Qualität der Bild beschweren und dann son Facebook-billig-Meme einer Privatperson als Quelle / Beleg für die Schlechtheit der Presse an sich nehmen … Ist Ihnen das nicht selbst etwas peinlich?

  39. @Jojo, #47

    Das Internet ist eine genauso gut gefüllte Quelle für Informationen, dass es nicht finanzierbar ist (zB Nachdenkseiten). Ich denke aber, Das VP-Zitat ist genau der wichtige Punkt dabei: es gibt keine politische Mehrheit für mehr Sozialstaat, und das wird nach meiner Einschätzung mindestens 8 Jahre noch so bleiben. Und deshalb wird es weder ein zum Leben ausreichendes BGE geben noch eine sanktionsfreie, nach fairen Kriterien ermittelte Mindestsicherung.

  40. @ERWINZK, #49

    Dass es nicht finanzierbar wäre, ist ja immer der erste Impuls wenn das Thema bedingungsloses Grundeinkommen aufkommt und dann wird das BGE leider oft schon als Möglichkeit aussortiert.
    Ein Anspruch, den wir ja eigentlich mit jeder Sozialpolitik erfüllen wollen, ist ja, dass wir jedem die Sicherheit geben möchten, in Würde und körperlicher Unversehrtheit zu leben.
    Das BGE geht zwar über den Anspruch der bloßen Existenzsicherung hinaus, aber es enthält ihn. Wenn wir diesen Anspruch also nicht aufgeben wollen, so müssen wir die Mittel, die dazu nötig sind, in jeder Form von Sozialsystem aufbringen. Warum dann nicht in Form eines BGE?

  41. Weil wir faulen Schweine dann alle auf’m Sofa bleiben und den ganzen Tag vor RTLII rumlaxen. Die kennen uns doch, keine Chance lassen wir aus, das Sozialsystem zu bescheißen und uns persönlich auf Kosten der brav arbeitenden Bürger zu bereichern.
    Andererseits, wenn wir dann beim RTLII Teleshopping unser Geld wieder ausgeben, ist doch eigentlich alles knorke, oder?

  42. @Anderer Max:
    „Haha, sich vor 3 Posts über die journalistische Qualität der Bild beschweren und dann son Facebook-billig-Meme einer Privatperson als Quelle / Beleg für die Schlechtheit der Presse an sich nehmen … Ist Ihnen das nicht selbst etwas peinlich?“
    1. Wo genauwurde die Qualität in Frage gestellt? (Ergibt sich aber trotzdem von selbst).
    2. Etwas mehr aufgepasst und schon hätte man gemerkelt, dass es sich nix Privatperson, Quelle / Beleg handelt sondern eben genau um einen Artikel/Auszug der Bild, die schon damals fast die identischen Beträge, exklusiv der Kindergelde brachte..
    3. Wie dort beschrieben, hätte man ja genauso gut das eigene Spektrum erweitern können und mal nach: „Hartz Fesselmann“… gegoogelt..
    4. Nur mal so…
    5. Gerade herausgefunden: Unter: „Bild Fesselmann“ ist viel weniger aufgeführt, aber dafür genau der monierte Artikel in kurzer Form enthalten…

  43. @35 – Leo:

    Ich muss 200 Stunden Lebenzeit pro Monat (Arbeitszeit + Arbeitswegezeit) investieren, um am Ende mit 200-300 Euro pro Monat mehr dazustehen. Sorry das lohnt sich nicht. Ganz im Ernst für wen hier lohnt sich diese Rechnung?

    Bei einem Regelsatz von etwas über 400€ im Monat sind 200-300€ mehr eine Steigerung von 50-75%.
    Als ich kurzzeitig nach der Ausbildung auf AlgII angewiesen war (und trotz unterschriebenem Arbeitsvertrag noch zur „Wie bewerbe ich mich richtig“-Fortbildung musste ), wäre ich über 200€ mehr im Monat mehr als glücklich gewesen. Da habe ich mich sogar über die Fahrtkostenpauschale o.g. Fortbildung in Höhe von ca. 30€ gefreut.

  44. In Deutschland haben im Jahr 2018 ohnehin nur 128.000 Personen 3 oder mehr Kinder unter 18 Jahren. Selbst wenn alle davon hartz4 bezögen und noch zusammen leben würden, ist das doch ne relativ kleine Zahl im Vergleich zu den knapp 7 Millionen die momentan hartz4 beziehen. Also selbst wenn das Kindergeld mit einbezogen worden wäre, rechtfertigt dass eigentlich nicht das „oft“ in den Meldungen. Meiner Meinung nach haben hier alle beteiligten auf ihre eigene Weise gleich stark versagt.

  45. Naja, wenn man untersuchen will, ob Hartz mehr Geld bringt als Arbeit, ist es ja erstmal legitim, nicht nur den „Standardfall“ zu untersuchen, sondern verschiedene Fälle – es könnte ja z.B. sein, dass der Single ohne Kinder sein Einkommen per Job mit Mindestlohn quasi verdoppelt, aber das Ehepaar mit Kindern nicht, so dass der seltenere Fall bei der Bestimmung von Hartz-Sätzen schlecht berücksichtigt wurde.

    Aber dann muss man auch gescheit rechnen. Und mal vom Kindergeld abgesehen, wenn ein arbeitendes Elternteil nur den Mindestlohn bekommt, könnte das andere versuchen, zumindest eine Halbtagstelle zu finden, dann stünden 1 1/2 Mindestlohngehälter + Kindergeld dem Hartz-Satz ohne Kindergeld gegenüber. Ob sich Hartz dann immer noch mehr lohnt als Arbeit, kommt vllt. wirklich auf die Arbeit an. Wenig Geld, aber Tätigkeit, die man mag, PLUS gutes Betriebsklima PLUS man muss sich nicht sagen lassen, man läge anderen auf der Tasche vs. Wenig Geld, miese Tätigkeit, mieses Betriebsklima, und man bekommt gesagt, man müsse dankbar sein.

  46. @52: Passt scho‘.

    „Alles wie gehabt, Lügen, Zensur, Verscheiherung alles im Namen der üblichen Verdächtigen… PACK“

  47. Zuerst einmal herzlichen Dank Stefan, dass Du als einer der wenigen aufklärst.
    Diese ganzen berechnungen, die angestellt werden, erschliessen sich mir nicht ganz. Ich bin derzeit ALGII-Empfänger und erhalte hier in HH rund 900€ für alles(!) – Miete & Lebensunterhalt – im Monat. Wenn ich das mit einer 40-Std-Woche „verrechne“, erhalte ich einen „Stundenlohn“ von ziemlich exakt 4,50€(!).
    Jobs, die mir vom Jobcenter angeboten werden, sind allesamt Niedriglohntätigkeiten für einen Bruttolohn von durchschnittlich 1200€/Monat. Bei LSK 1 blieben mir ca. 800€ netto über. Also erhalte ich mit ALGII tatsächlich mehr Geld!?
    Habe 3 abgeschlossene Ausbildungen – wenn ich noch Arbeitsangeboten schaue, die dazu passen, werden mir Löhne in Höhe von 1200-1600€ brutto(!) angeboten. Damit käme ich zwar über den Regelsatz, habe aber auch erheblich höhere Aufwände. Fahrtkostenz.B: 110€ für eine Monatskarte. Mehrbedarf an Lebensmitteln durch körperliche Arbeit (Gärtner) und Verschleiß an Kleidung.
    Das heißt, dass ich das Geld, was ich „mehr“ erhalte, nahezu komplett von den erhöhten Kosten gefressen wird…ergo – Arbeit lohnt sich nicht (im wahrsten Sinne).
    Die richtige Frage müsste also lauten: Wieso erhalte ich für Arbeit soo wenig Geld, obwohl das Unternehmen jedes Jahr höhere Gewinne einfährt?! (Zuletzt bei dem Verlag gearbeitet, der die Zeitung mit den großen Buchstaben veröffentlicht). Angebot des A-S-Verlags: 42,5h/Woche für 1060€ netto/Monat!!??
    Nein Danke – ich lebe nicht in Pusemuckl und die Arbeitstelle ist ein Familienbetrieb, der direkt neben meiner Wohnung liegt…Arbeiten gehen kostet erstmal Geld, bevor es etwas einbringt.
    Das die „Lückenpresse“ gerne solche Wahrheiten verdreht, ist seit Jahren Usus.
    Ein Mindestlohn von ca. 13-16€ wäre der Produktivität des Landes angemessen. Der Mindestlohn hierzulande sorgt nicht nur lokal für Unmut, sondern führt ja auch zur derzeitigen „Welthandelskrieg“-Debatte…führt aber wohl jetzt zu weit..

  48. Ich weiss von Leuten, die – ohne zu arbeiten – Millionen, Milliarden an Einkommen haben, geerbt, an der Börse gezockt usw.
    Wäre es nicht besser mal einen Blick auf diesen Einkommensunterschied zu werfen, statt sich um Centbeträge mit Arbeit oder Jobcenterschikanen zu streiten?

  49. Das Problem ist tatsächlich nicht unbedingt Hartz IV. Hartz IV ist nämlich nicht die untersten Stufe der Armut in Deutschland.

    Das sind die Leute, die aus den verschiedensten Gründen den schikanösen Hindernisparcour namens Bedürftigkeitsprüfung nicht auf sich nehmen wollen oder können – der Antrag einschließlich „Kontenklärung“ ist übrigens schwieriger als eine Steuererklärung. Dafür reicht schon eine geerbte Bruchbude aus, die zufälligerweise mehr als 88 m² (80 m² offiziell +10 % Kulanz) Wohnfläche hat. Die müssten das Haus dann verkaufen und das Geld erst verbrauchen, etwas, was ältere Leute nie tun würden – die würden sich eher aufhängen, abgesehen davon, dass es bei den heutigen Mieten sowieso schnell weg wäre.

    Und diese Leute, die unter dem Hartz IV – Satz verdienen, müssen alles selbst bezahlen und haben keine Vergünstigungen. Prekäre können ein Lied davon singen. Gerade auf dem Lande gibt es davon nicht wenige.

  50. @ Earendil: BTW, die FAZ rechts? Das war mal, wohl vor dem Buddy-Kartell der Verleger mit Mutti. Letztens haben sie sogar Don Alphonso rausgeschmissen. Und wenn ich Artikel in der FAZ über die AfD lese, kann ich auch gleich die taz lesen. Da lese ich dann doch lieber die Achse.

  51. @Hans, #60,61

    Ist Ihrer Meinung nach nur die unterste Stufe der Armut problematisch?

    Es ist absichtlich schwer, ALG II zu bekommen. Das Ziel ist auch nicht ein schönes, gesundes, würdevolles Leben für die Betroffenen zu schaffen, sondern einen Zwang, wieder arbeiten zu gehen. Das sieht man an der umständlichen Bedürftigkeitsprüfung, dass man sein Vermögen komplett verbrauchen muss, dass zusätzliches Geldeinkommen (inkl. Unterstützung durch Verwandte) angerechnet werden und vor allem dass die „Grundsicherung“ gekürzt werden kann, wenn man nicht spurt und unsinnige Arbeiten/Maßnahmen ablehnt. Außerdem ist die Berechnung von Hartz IV nicht am tatsächlichen Bedarf orientiert, sondern an den ärmsten 15% (inkl. Aufstockern).

    Damit ist Hartz IV aber nicht nur ein Problem für Arbeitslose. Es schafft gleichzeitig bei allen Arbeitnehmern, vor allem Geringverdienern, eine Abstiegsangst und damit weniger Einsatz für höhere Löhne. Wer Mindestlohn verdient hat immer noch etwas zu verlieren. Gleichzeitig wurden auch Leiharbeit, Ein-Euro-Jobs, (Schein-)Selbständigkeit und befristete Beschäftigung eingeführt bzw ausgeweitet. Gewerkschaften sind heute ein Witz und wenn sie mal ihre Streikmacht einsetzen (GDL), dann ist ihnen der Unmut der Gesellschaft sicher.

    In so einem arbeitnehmerfeindlichen Umfeld, vor allem für Geringverdiener, erdreisten sich Medien wie die FAZ dazu, die Höhe von Hartz IV zu skandalisieren, weil es ja viel zu hoch sei im Vergleich zum Arbeitslohn. Wenn das Ausspielen von Armen gegen andere Arme nicht ein klassischer rechter Schachzug ist, bitte was hat dann das Wort „rechts“ politisch noch für eine Bedeutung?

  52. @ ERWINZK: Gut zusammengefaßt, ack. Mein Beitrag sollte nur darauf hinweisen, dass es unterhalb von Hartz IV weitergeht. Dies wird nämlich, zu allererst von sämtlichen Politikern, in der Diskussion vollständig ausgespart.

    Die in der Koalitionsvereinbarung genannte Grundrente (ebenda S. 92) ist ja auch wieder an die Bedürftigkeitsprüfung gekoppelt, was die Behauptung, hier solle die Lebensleistung honoriert werden, ad absurdum führt. Denn die wiederum hat mit Bedürftigkeit nichts zu tun, gerecht wäre hingegen, eine Mindestrente einzuführen, die tatsächlich nur von der Beitragszeit (zum Beispiel wie vorgeschlagen 35 Jahre) zur Voraussetzung hat.

    Die jetzige „Grundrente“ wäre einfach nur eine Erhöhung der Grundsicherung um 10 %, der Begriff ist Heuchelei, so schön das für die Betroffenen (mit Absicht nur eine kleine Gruppe, es soll PR-mäßig wirken, aber wenig kosten) wäre.

  53. Hans: nur weil Sie halt lieber noch rechtere Medien konsumieren, ist die FAZ nicht innerhalb des bürgerlichen Spektrums eher rechts zu verorten. Dass man Rechtsaußen wie die AfD auch von dieser Position aus kritisieren kann, ist klar.

  54. Warum steht in dieser Diskussion nicht das eigentliche Problem im Vordergrund? Man möchte die Löhne niedrig halten! Warum? Lobbykratie! Sieht denn niemand, dass dieser Hartz/Lohnvergleich nur impliziert, dass der Mindeslohn zu niedrig ist? Alg2 ist das ExistenzMINIMUM!

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