Burdas Bullshit

Bullshit können sie bei Burda. Zu ihrem Geschäft gehört nicht nur, mit Bullshit Klatschzeitschriften zu verkaufen. Sondern auch, sich selbst als die größten Kämpfer gegen Bullshit auszugeben.

Gestern bei den Medientagen München. Moderator Klaas Heufer-Umlauf im Gespräch mit Burda-Vorstand Philipp Welte:

Heufer-Umlauf: Haben Sie, Herr Welte, dadurch, dass Sie sich im Verlag auch mit Yellow-Press beschäftigen, einen Wettbewerbs-Vorteil zum Thema alternative facts?

Welte: Ähm. … Es ist sehr nice. Aber tatsächlich ist es so, dass … Sie kommen vom Fernsehen, Sie kennen sich mit Journalismus nicht so gut aus. (…) Wenn ich jetzt Joko wäre, hätte ich irgendwo ’nen Tacker und würde ihm den Mund zutackern, aber das ist halt Entertainment by Fernsehen. Tatsächlich ist es so, und da müssten Sie einfach versuchen, etwas trennschärfer zu argumentieren und auch einfach sich vorher zu informieren, bevor man sowas sagt …

Heufer-Umlauf: Ich hab nur gefragt! (…) Ich möchte auch niemanden persönlich angreifen, ich sag nur immer wieder, ein Gag hilft.

Welte: Tatsächlich ist es so, dass das Thema „Fake News“ eine große Herausforderung für unsere Demokratie ist, und deshalb würd‘ ich da an Ihrer Stelle gar nicht so flapsig drüber reden. Tatsächlich ist es eine große Belastung unserer Demokratie. Tatsächlich sind die Verlage diejenigen in Deutschland, die Menschen ausbilden, beschäftigen; 22.000 Journalisten, die nichts anderes tun und die nichts anderem verpflichtet sind, als dem tatsächlich, der Wahrheit auf den Grund zu gehen und die Menschen in Deutschland darüber zu informieren, was da draußen passiert. Wir haben eine belastbare Qualität, uns kann man lesen, man kann uns nachlesen, man kann auch, wenn man glaubt, dass es „Fake News“ sind, kann man zu Herrn Schertz gehen oder zu Matthias Prinz und kann versuchen uns zu verklagen. Aber die eigentliche Bedrohung ist doch, dass es in den sozialen Netzwerken keine Institution gibt, die genau das nachprüft. Sieben der zehn meistverbreiteten Nachrichten über Angela Merkel während des Bundestagswahlkampfs waren „Fake News“. (…) Wir befinden uns in einer Situation, die fast kafkaesk ist. Weil wir die Verzerrung von Wirklichkeit und Wahrheit erleben. Wahrheit ist das, was Menschen auch über soziale Netze völlig ungeprüft verbreiten können, und die Wirklichkeit ist das, was tatsächlich draußen ist und auf diese Wirklichkeit fühlen sich 22.000 Journalisten in den deutschen Verlagen verpflichtet.

(Applaus)

22.000 Journalisten im Land, die nichts anderes tun und nichts anderem verpflichtet sind, als der Wahrheit auf den Grund zu gehen, und keiner davon war an der Produktion der aktuellen „Freizeit Revue“ aus dem Hause Burda beteiligt.

„Michael Schumacher – ÄRZTE-PFUSCH“ lautet die Schlagzeile. „Unfassbar, wie sein bester Freund darunter leidet!“ Abgebildet sind Michael Schumacher und seine Frau Corinna.

Die „Freizeit Revue“ weiß nichts von einem Ärzte-Pfusch bei Michael Schumacher. Der Artikel im Inneren handelt vom angeblichen unfassbaren Ärzte-Pfusch bei – Willi Weber, dem früheren Manager Schumachers. Zwei Eingriffe in den Rücken seien bei ihm misslungen, hatte er der Münchner Zeitung „tz“ erzählt.

Mit dieser Geschichte auf dem Titel hätte die „Freizeit Revue“ aber sicher nicht ihre üblichen rund 680.000 Exemplare verkauft. Also brachten die Burda-Leute – der Auflage verpflichtet – stattdessen eine Schlagzeile, die den falschen Eindruck erweckt, es sei Michael Schumacher, bei dem die Ärzte gepfuscht hätten, worunter „sein bester Freund“ leide.

Das gehört zum Geschäftsmodell der „Freizeit Revue“. Als der Burda-Verlag dafür im Sommer gemeinsam mit anderen Verlagen den Negativ-Preis der „Verschlossenen Auster“ vom Netzwerk Recherche bekam, erklärte er pikiert, es sei ihm „nicht ersichtlich, weshalb ‚Freizeit Revue‘ in den Verdacht unzutreffender Berichterstattung“ geraten sei. „In jüngerer Vergangenheit mussten weder Gegendarstellungen gedruckt, noch Richtigstellungen veröffentlicht werden.“ (Einen Monat später setzte Jogi Löw eine Richtigstellung auf der Titelseite durch.)

Mit solchen alternative facts verdient Burda also unter anderem sein Geld. Aber wenn man den Burda-Vorstand darauf anspricht, muss man sich von ihm vorwerfen lassen, sich mit Journalismus nicht auszukennen und nicht gut informiert zu sein? Man muss sich Vorträge über die Gefahr von „Fake News“ anhören und darüber, wie schlimm das ist, dass in den sozialen Medien Behauptungen nicht von Instanzen wie den Journalisten des Burda-Verlages geprüft werden? Man muss sich von Philipp Welte blöd von der Seite anphilosophieren lassen über den Unterschied zwischen Wirklichkeit und Wahrheit und über Recherche, während es den Verantwortlichen bei Burdas „Freizeit Revue“ erkennbar nicht an Recherche mangelt, sondern am schlichten Willen, die der Wirklichkeit entsprechende Wahrheit auf die Titelseite zu schreiben?

Und am Ende bekommt er für seine verlogene Sonntagsrede auch noch Applaus, anstatt aus dem Saal gelacht zu werden.

25 Kommentare

  1. Es ist wirklich bestürzend, wenn man im Supermarkt mal die Rentner belauscht, wie sie sich bei der Auswahl ihrer Wochenendlektüre durch diese falschen Schlagzeilen zum Kauf der Blättchen verführen lassen.
    Man sollte eigentlich hoffen, dass sie das Spiel irgendwann mal durchschauen und merken, dass die erwarteten Geschichten dann ganz anders oder überhaupt nicht im Heft erscheinen. Aber es klappt offensichtlich auch bei ständigen Käufern immer und immer wieder.

    Der Kaufanreiz für dieses Heft wären für mich allerdings die Kartoffelrezepte gewesen. Die sind auf jeden Fall leckerer als Kohl.

  2. Das ist doch ganz einfach: Im bösen Internet mit seinen schlimmen sozialen Netzwerken gibt es fake news. Wenn man ein gedrucktes Produkt aus einem Traditions-Verlag im Supermarkt kauft ist das quasi per definitionem kein fake news.

  3. Dieser Pathos: „nur der Wahrheit verpflichtet“. Und noch alle 22.000. Und das Kriterium ist, nicht verklagt zu werden und keine Gegendarstellungen drucken zu müssen. Das definiert Wahrheit? Und Auflage/Gewinn ist natürlich nicht so wichtig. Das sagt er nicht, aber wenn Wahrheit das oberste Prinzip ist, kann ja nicht mehr viel kommen.
    Die naheliegende Frage ist: glaubt er das wirklich? Oder ist er als Vorstand soweit drin, dass er gar nicht mehr anders denken kann? Zynismus?
    Ich bin ratlos.

  4. Neben ihrer Verlogenheit war Weltes Antwort auch noch recht wirr und konfus – selbst nach den Maßstäben spontaner gesprochener Rede. Anstatt sich inhaltlich mit der konkreten Kritik an den Fake News aus seinem Verlag auseinanderzusetzen, greift Welte den Fragesteller unsachlich an, beschwört die angebliche Großartigkeit des deutschen Journalismus in allgemeiner Form, feiert die vermeintliche Seriosität des eigenen Hauses und bedient sich billiger Ablenkungsmanöver (kritisiert die „sozialen Medien“ und DEREN Fake News).

    Offenbar fiel Welte nichts Besseres ein als dieses – Entschuldigung – armselige Gestammel. Aber augenscheinlich kam das bei den Anwesenden ja ganz gut an: Das (völlig pauschale) Loblied auf die deutschen Journalisten dürfte den Journalisten vor Ort gefallen haben; und die Aktivierung des Feindbildes „soziale Medien“ dürfte zusätzlich zu einer gewissen Solidarisierung der anwesenden Medienschaffenden mit Welte geführt haben. Und genau darauf dürfte es Welte auch angelegt haben – denn dass er auf der sachlichen Ebene keinen Stich würde landen können, war ihm zweifellos klar. Die Kernbotschaft seines Statements ließe sich so zusammenfassen: ‚Hey Leute, wir alle sind doch Journalisten! Und das eigentliche Problem sind doch nicht wir von Burda, sondern die sozialen Medien – und da müssen wir dann auch irgendwo zusammenhalten!‘

    So hart das klingen mag: Wer so etwas wie Weltes Antwort als tolle Replik empfindet, der muss sich fragen lassen, ob er wirklich die Voraussetzungen mitbringt, um ein ernstzunehmender Journalist zu sein.

    Zitat Stefan Niggemeier:

    „Und am Ende bekommt er für seine verlogene Sonntagsrede auch noch Applaus, anstatt aus dem Saal gelacht zu werden.“

    Das ist – mit Abstand – das Traurigste an der ganzen Sache. Es drängt sich der Eindruck auf, dass für viele Journalisten die „eigentliche“ Frontlinie gar nicht so sehr zwischen Wahrheit und Lüge, sondern vor allem zwischen „klassischen“ und „sozialen Medien“ verläuft; zwischen „uns“ und „denen“. Im Sinne von: Wenn zwei dasselbe tun („Fake News verbreiten“), ist es noch lange nicht dasselbe.

    Das wäre schrecklich, weil es bedeuten würde, dass große Teile eines Berufsstandes ihr professionelles Selbstverständnis de facto aufgegeben haben. Aber wie soll man den Applaus oder auch viele andere Indizien anders interpretieren, ohne sich intellektuell zu verrenken?

    Übrigens ist auch Weltes Definition von „Wahrheit“ merkwürdig, auch wenn das hier wohl wirklich das kleinste Problem ist und seine entsprechende Einlassung ein Schnellschuss sein mag. Nach üblichem Verständnis und Sprachgebrauch sind Wahrheit und Wirklichkeit nicht unabhängig voneinander und bilden erst recht kein Gegensatzpaar, sondern stehen vielmehr in einem Entsprechungsverhältnis. Eine wahre Überzeugung oder Aussage/Proposition zeichnet sich demnach eben gerade dadurch dadurch aus, dass sie die Wirklichkeit so beschreibt, wie diese tatsächlich ist.

  5. @ MATBU, 3:

    „Die naheliegende Frage ist: glaubt er das wirklich? Oder ist er als Vorstand soweit drin, dass er gar nicht mehr anders denken kann? Zynismus?
    Ich bin ratlos.“

    Vermutlich ist es eine Art kognitiver Dissonanz. Wahrscheinlich glaubt er es selbst irgendwo, obwohl er irgendwie auch ahnt, dass es eigentlich nicht wirklich wahr ist.

    Nehmen wir an, ein Medienschaffender will sich selbst sagen, dass er ein wahrhaftiger Medienschaffender ist, aber zugleich will er – etwa aus finanziellem Interesse – auch Sachen machen, die eigentlich implizieren, dass er unwahrhaftig ist. Logisch gesehen müsste er eines der beiden Ziele aufgeben (entweder sein Selbstbild als „wahrhaftiger Medienschaffender“ oder eben das Lügen).
    Nur: So funktionieren Menschen nicht. Der entsprechende Medienschaffende wird stattdessen in aller Regel weiterhin beides tun: Sich als wahrhaftig und seriös betrachten UND lügen. Diesen Widerspruch wird er einfach ausblenden. Und wenn es sein muss, wird er ihn gegen die Vernunft verteidigen; und dabei wird ihm absolut nichts zu absurd sein (wie etwa Welte eindrucksvoll illustriert).

    Und so ist das nicht nur mit Journalisten, sondern Menschen ganz allgemein. (Denn Journalisten sind ja schließlich auch nur Menschen.) Oder wie Orwell es formulierte:

    „The point is that we are all capable of believing things which we KNOW [kursiv] to be untrue, and then, when we are finally proved wrong, impudently twisting the facts so as to show that we were right.“

  6. Die Inszenierung von Welte ist so superschwellig.
    Ist halt einfacher, den TV-Clown auf seinen Clownismus zu reduzieren, statt zu den inhaltlichen Fragen des Clowns ernsthaft Stellung zu beziehen.
    Wenn jemand anderes der Clown ist, bin ich ihm überlegen (und nehme mir das recht raus, ihn und alle anderen Clowns zu belehren).

    „Wer Humor benutzt, nimmt die Sache nicht ernst“
    Totschlagargument um inhaltlicher Auseinandersetztung zu entgehen.

  7. „Anstatt sich inhaltlich mit der konkreten Kritik an den Fake News aus seinem Verlag auseinanderzusetzen, greift Welte den Fragesteller unsachlich an, beschwört die angebliche Großartigkeit des deutschen Journalismus in allgemeiner Form, feiert die vermeintliche Seriosität des eigenen Hauses und bedient sich billiger Ablenkungsmanöver (kritisiert die „sozialen Medien“ und DEREN Fake News).“

    Angesichts des Ergebnisses unterstelle ich rhetorisches Geschick. Vom eigentlichen Thema ablenken, sich dem Publikum anbiedern, den Fragesteller als gemeinsamen Feind UND inkompetent hinstellen, und das ganz spontan: Chapeau! (Jemand, der sich da besser auskennt, kann ja mal die drei oder vier rhetorischen Techniken benennen).

    Davon ab, das zugrundeliegende Problem dieser Szene ist doch der Korpsgeist der allermeisten Journalisten, der innerhalb der Traditionsverlage existiert und den es schon lange vor den sozialen Medien gab. Kritik von außen an Geschäftsmodellen und dem Verständnis von Tatsache, Wahrheit und Geschichte werden als Angriff auf die Pressefreiheit abgewehrt, völlig unabhängig von konkreten Vorfällen. Dazu kommt die Vorstellung eines ideologie- und verantwortungsfreiem journalistischem Handwerk, das sich dem jeweiligem Arbeitgeber anpassen kann und muss, ohne dass der Inhalt auf den jeweiligen Journalisten zurückfällt. Ohne diese Überzeugungen kann der Spiegel keinen Nikolaus Blome einstellen und kein Denis Yücel von der Taz zur Bild wechseln während sie gleichzeitig meinen, dass dies keine Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit des Mediums und der jeweilige Journalisten hat. Und deswegen bekommt Welte am Ende Applaus und wird nicht aus dem Saal gelacht.

  8. Ups, da fehlt ein „s“ bei Handwerk, und Yücel ist natürlich zur Welt gewechselt. Freudscher Verschreiber.

  9. Von einem leitenden Burda-Vertreter ist wohl nicht mehr zu erwarten. Absolut erstaunt bin ich allerdings über die Reaktion des Publikums, immerhin waren es die Medientage und keine Burda-Betriebsversammlung.

    Zufällig heute nach Hinweis von einem ehemaligen BL-Profi (Sebastian Kehl, BVB) eine andere Ungeheuerlichkeit aus dem Hause Burda gelesen.
    Focus online: „DFB sollte Kapitel Jones beenden -aber nicht, weil sie schwarz und lesbisch ist.“
    Zählt wohl auch zur „belastbaren Qualität“…

  10. vom eigentlichen Thema ablenken
    – Derailing

    sich dem Publikum anbiedern
    den Fragesteller als gemeinsamen Feind hinstellen
    den Fragesteller als inkompetent hinstellen
    – Framing

  11. Am „besten“ finde ich: „Sie kommen vom Fernsehen, Sie kennen sich mit Journalismus nicht so gut aus.“ Joah. Tagesschau vs. BILD. Das Kompetenzgefälle neigt sich nochmal in welche Richtung? (Wenn er gesagt hätte: „Sie sind mehr Entertainer als Journalist“, wäre das immerhin zutreffend, aber ändert nichts an der Berechtigung der Frage an sich. Auch als Nicht-Koch kann ich fragen, warum mein Essen verbrannt schmeckt. Und Journalisten äußern sich ständig zur Arbeit von Entertainern, Köchen, Politikern oder sonstigen Nicht-Journalisten, von daher: Keks.)

    Facebook ist kein Nachrichtenmagazin, ich kann von Facebook nicht erwarten, journalistische Standards zu erfüllen, und wer sich lieber bei Facebook statt in den Nachrichten informiert, ist vllt. auch einfach selber schuld.

    Aber wenn sich jemand beschwert, dass Facebook einem die Kunden mit irreführenden Halbwahrheiten wegschnappt, dann ist das vllt. auch ein Indiz, dass man seine Kunden bis dato mit irreführenden Halbwahrheiten bedient hat.

  12. @11: „Auch als Nicht-Koch kann ich fragen, (…)“

    Eben … Ich war vor kurzem bei einem ToT beim Radioteleskop Effelsberg vom Max-Planck-Institut in Bonn – Was wäre da los gewesen, wenn keine kritischen Rückfragen erlaubt wären?!

    Wenn selbst die wirklich schweren Berufe (Astrophysiker und so) keine Probleme damit haben, von Laien Fragen zu ihrer Arbeit gestellt zu bekommen, sollten die Burda-Journalisten mal den Ball etwas flacher halten.
    Tschuldigung, aber so komplex ist „Journalismus“ nu echt nicht, als dass ein Klaas Heufer-Umlauf hierzu keine kritischen Fragen stellen dürfte.
    Aber wie gesagt: Wer einen Clown als Moderator einstellt, sollte sich nicht darüber wundern, dass andere Gesprächsteilnehmer die Clownvergangenehiet zum Anlass zur Diffamierung zu nehmen.

  13. @12: oder noch einfacher, wenn man K.H-U nicht für einen seriösen Moderator hält, oder ihn einfach nicht leiden kann, dann muss man nicht in eine Sendung gehen, die der dann moderiert.

    Nebenbei ist es eigentlich sogar sinnvoller, journalismuskritische Fragen von einem eher Außenstehenden stellen zu lassen, um Befangenheiten zu vermeiden.
    Arks, je länger ich darüber nachdenke, desto mehr ärgere ich mich.

  14. Auch immer schön: Schopenhauers Eristische Dialektik.

    Trick 38: Ad personam (persönlicher Angriff)
    Trick 3: Verabsolutierung (Angriff auf Yellow Press als Angriff auf ALLE (seriösen Print-) Journalisten deuten)
    Trick 29: Diversion (labern über Fake News im Allgemeinen anstatt Fake News bei seiner Yellow Press, Angriff auf Social Media)

    Solche Leute bekommen so viel Geld, weil sie genau sowas können (und professionell gelehrt bekommen.) Anfängliches Gestammel überbrückte nur die Erholungsphase von der frechen (eigentlich guten) Frage. Leider hat Heufer-Umlauf den Fehler gemacht, nicht direkt ein konkretes Beispiel mitzubringen und hochzuhalten. (Auf die Art kontert man die Verabsolutierung und die Ablenkung.) Aber dann wird er nie wieder für so eine Moderation gebucht. Die wichtige Frage ist immer die zweite Frage und die hat er nicht gestellt.

  15. @ Thankmar, 8:

    „Angesichts des Ergebnisses unterstelle ich rhetorisches Geschick. Vom eigentlichen Thema ablenken, sich dem Publikum anbiedern, den Fragesteller als gemeinsamen Feind UND inkompetent hinstellen, und das ganz spontan: Chapeau!“

    Ja, das ist natürlich nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Leute im Saal waren ja aber keine Drittklässler einer Grundschule, sondern (überwiegend) gestandene Journalisten. Also Personen, von denen man annehmen sollte, dass sie zwischen sachlicher Argumentation einerseits und einem Feuerwerk aus PR und rhetorischen Nebelkerzen andererseits unterscheiden können. Vielleicht KÖNNEN sie das ja auch tatsächlich – aber vielleicht WOLLTEN sie das gar nicht. Eben aus dem schon genannten Grund: Dass sie selbst ähnlich denken wie Welte und die „Frontlinie“ eher zwischen „klassischen Medien“ und „sozialen Medien“ und weniger zwischen Wahrheit und Lüge verorten.

    Wenn dieser Vorfall repräsentativ sein sollte, dann sehe ich für den deutschen Journalismus schwarz.

  16. @15: „Aber dann wird er nie wieder für so eine Moderation gebucht.“
    Eben – Geld verdienen oder glaubhaft bleiben, jeder muss selber entscheiden!
    Der Marke „Moderator-Umlauf“ dürfte dieser Job jedenfalls keine Kunden beschert haben.

    (Und nicht alle, die ein bisschen Rhetorik können, müssen deshalb gleich abgebrühte Demagogen sein.)

    Allgemeiner, gesellschaftspolitischer Vorschlag:
    Eine Verbraucherzentrale für Kommunikation – Dorkt kann man sich dann unabhäng von einem Medium (ÖR, privat oder staatlich) über die verwendeten Stilmittel informieren. Für physische Produkte klappt das doch schon seit Jahrzehnten, wieso sollte sowas nicht für Text/Sprache machbar sein?!

    (Und ich plädiere für eine „Atheistische Seelsorge“, aber das ist ein anderes Thema.)

  17. @17 Na das Gestammel am Anfang hat gezeigt, dass er diese Art von direkten Fragen nicht so häufig gestellt bekommt. Da fehlt die Routine. Da wird der Coach bei der nächsten Sitzung drauf eingehen.

    Talkshow-abgebrühte Politiker können das deutlich besser. Da läuft ein Fragesteller trotz dreimaliger Wiederholung der Frage auf.

  18. Schade, dass Heufer-Umlauf entweder nicht nachfragen konnte oder aus Harmoniebedürfnis nicht wollte. Mit der richtigen Vorbereitung hätte man sicher konkrete Beispiele bringen können, um den „Fake News“-Vorwurf deutlicher zu machen. So, wie es jetzt gelaufen ist, hat er es Herrn Welte deutlich zu einfach gemacht — „war ja nur ’n Witz…“

  19. Ich stelle mich jetzt mal gegen den Konsens: für mich geht die Kritik hier am Kern der Sache vorbei. Ich denke nicht, dass boulevard Blätter mit fake news vergleichbar sind. Und zwar aus 2 Gründen:
    1. Ist für mich Boulevard sowieso kein echter journalismus. Aufschreiben was prominente den ganzen Tag so machen hat für mich einfach nichts mit „Meinungsbildung“ und „4.Macht im Staate“ zu tun.
    2. Für mich sind „fake news“ Unwahrheiten bzw. Fälschungen. Z. B. : Merkel will die Umvolkung“, „Merkel verteidigt Vergewaltigung durch Flüchtlinge“ etc. Das, was Boulevard macht ist mMn in den meisten Fällen eher „Clickbaiting“ (bloß offline). Die Überschriften suggerieren vielleicht etwas anderes, die Artikel sind aber meist korrekt (das beschreibt ja auch das Beispiel oben). Das ist ein sehr wesentlicher Unterschied. (in manchen Fällen wird sicherlich auch im Boulevard richtig gelogen, dazu passt aber das Beispiel oben nicht. Und außerdem gilt dort auch immer noch 1.)

    Ich weiß, dass ihr uebermedien-Gründer das offenbar anders seht, kann aber die Ursache dafür nicht erkennen. Denn Hetze — die ja aus „fake news“ meist folgt — und eine Falschmeldung über eine Schwangerschaft von Prinzessin xy hat durchaus eine andere Qualität.

  20. @ ICHBINICH:

    – Boulevard mag ein relativ irrelevanter Journalismus sein – Journalismus im Sinne einer Berichterstattung mit Anspruch auf Wahrheit ist er aber doch. Das unterscheidet ihn von der reinen Fiktion, die als solche erkennbar ist.

    – Nicht alle Leute lesen im Heft selbst. Manche lesen nur den Titel und kaufen das Heft nicht, und dann sind sie bei irrefüherender Titelgeschichte desinformiert.

    – Es gibt auch viele Beispiele für Lügen innerhalb der entsprechenden Blätter – etwa auch hier auf Übermedien berichtet. (Das aktuelle Beispiel was nicht optimal, ließe sich aber wohl mühelos durch zahllose eindeutigere Exempel ersetzen.)

    – Auch wenn die unwahren Berichte der entsprechenden Illustrierten keine politisch wichtigen Themen betreffen, stellen sie doch Lügen bzw. „Fake News“ dar, da Nachrichten und Berichte erfunden sind. Einen Produzenden solcher Lügen im Zusammenhang mit Fake News auf die unrühmliche Rolle seines Hauses anzusprechen ist zweifellos legitim (und naheliegend).

    – Die Antwort des Angesprochenen (Welte) war hochgradig unsachlich und heuchlerisch, und der Applaus für diese Unsachlichkeit höchst peinlich. Dies hat Stefan Niggemeiner kritisiert. Und diese Kritik ist doch berechtigt und geht nirgendo „am Kern der Sache vorbei“.

    Abgesehen davon ist es sicherlich der Fall, dass viele derjenigen, die entsprechende Illustrierten kaufen, wissen, dass sie dauernd angelogen werden, es aber einfach zur Seite schieben. Siehe das Orwell-Zitat aus #6.

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